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Brem’s bes­se­re Hälf­te

Vor eini­gen Jah­ren sah ich in einer nie­der­säch­si­schen Stadt das Graf­fi­to „Grün wie Gras und weiß wie Schnee / das ist der SV Wer­der Bre­men“. In den fol­gen­den Jah­ren lern­te ich, dass die letz­te Sil­be des Namens des Lan­des Bre­men tat­säch­lich eigent­lich nur geschrie­ben exi­stiert und ihre Aus­spra­che qua­si belie­big scheint. In die­sem facet­ten­rei­chen Land fand heu­te wie­der ein­mal eine Bür­ger­schafts­wahl – Land­ta­ge sind sooo Nord­rhein-West­fa­len – statt, an der unge­fähr die Hälf­te der wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger teil­nahm; die ande­re Hälf­te ist ver­mut­lich über­wie­gend die­je­ni­ge, die in den kom­men­den vier Jah­ren wie­der Leser­brief­spal­ten mit dem Satz „die da ohm machen doch eh, wat­se woll’n“ in ver­schie­de­nen Varia­tio­nen fül­len wird. Dafür spricht eine aktu­el­le Umfra­ge:

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„Ich gehe bewusst nicht zur Wahl, um mei­ne Unzu­frie­den­heit mit der Poli­tik zu zei­gen“ (jetzt haben sie es denen da oben aber mal so rich­tig gezeigt!) ist wahr­schein­lich das Blö­de­ste, was jemals ein Bre­mer in ein Mikro­fon hin­ein­ge­spro­chen hat; zudem ist es eigent­lich ziem­lich ärger­lich, denn wer nicht wählt, wählt Hit­ler oder Schlim­me­res:

Seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs stellt die SPD in Bre­men den Bür­ger­mei­ster – und das bleibt offen­bar auch in den näch­sten vier Jah­ren im klein­sten deut­schen Bun­des­land so.

Von Ber­lin zu ler­nen heißt sicher auch irgend­was. In Stadt­staa­ten wählt man heut­zu­ta­ge selt­sam. Die F.D.P. ist auch wie­der da, was den Par­tei­vor­sit­zen­den zu ver­mu­ten ver­an­lass­te, die F.D.P. habe „den Nerv der Stadt getrof­fen“, und wer schon mal beim Zahn­arzt war, der hat jetzt eine unge­fäh­re Vor­stel­lung davon, was Chri­sti­an Lind­ner für wäh­lens­wert hält. Aus dem Wie­der­erstar­ken der F.D.P. zieht vor allem die AfD einen Nach­teil, aus deren Dunst­kreis nun viel­fa­che Gerüch­te zu hören sind, Bernd Lucke, der pro­mi­nen­te­ste ver­blie­be­ne Ver­tre­ter des libe­ra­len Par­tei­flü­gels, pla­ne sei­nen Aus­tritt oder auch nicht. Die Geschich­te der Pira­ten­par­tei durch­läuft die AfD im Zeit­raf­fer.

Wir wis­sen, wohin das noch füh­ren wird.