Montagsmusik
Emi­nem – Berzerk

Was macht eigent­lich Emi­nem gera­de so?

Nun, nach diver­sen Ent­zugs­ku­ren immer noch Rap. Und womit könn­te so ein Mon­tag bes­ser begin­nen als mit einem Beleg die­ses Tuns? (Nicht mein bevor­zug­tes Schaf­fen: Rhe­to­ri­sche Fra­gen stel­len und gar nicht so meinen.)

Emi­nem – Berz­erk Live For BBC Radio 1

May­hem to the a.m.

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Alle Jah­re wie­der… / Hihi: Poli­ti­ker reden über geis­ti­ges Eigentum.

Pünkt­lich zur Weih­nachts­zeit wird das geis­ti­ge – laut Duden-Ver­lag „nur gedach­te, allein in der Vor­stel­lungs­welt vor­han­de­ne“ – Eigen­tum wie­der ange­mes­sen geschützt:

Das nie­der­län­di­sche GEMA-Pen­dant hat eine Grund­schu­le heim­ge­sucht, weil sie gehört hat­ten, dass die Weih­nachts­lie­der spie­len. Dafür hat­ten sie kei­ne Aufführrechte.

Aus unbe­kann­tem Grund haben sich über die­se ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf dreis­te Ver­let­zung von Urhe­ber­rech­ten sei­tens der auf ihre kind­li­che Unschuld pochen­den Raub­ko­pier­ter­ro­ris­ten meh­re­re Leu­te empört, was nur dar­an lie­gen kann, dass sie über die recht­li­che Lage in den Nie­der­lan­den nicht infor­miert schei­nen. In wei­ser Vor­aus­sicht hat die abzu­wäh­len­de deut­sche Regie­rung in spe den Plan gefasst, Empö­run­gen zumin­dest im eige­nen Land mit­tels Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen vorzubeugen:

Das Bewusst­sein für den „Wert geis­ti­gen Eigen­tums“ in der Gesell­schaft müs­se gestärkt wer­den. (…) Die geplan­te gro­ße Koali­ti­on will zum Errei­chen die­ses Ziels „ent­spre­chen­de Maß­nah­men unter­stüt­zen“. Ob es sich dabei um eine Ver­pflich­tung für Pro­vi­der han­deln könn­te, Warn­hin­wei­se an die Nut­zer zu schi­cken und dafür den Netz­ver­kehr groß­flä­chig zu über­wa­chen, las­sen die Kul­tur­po­li­ti­ker offen.

Wenn’s halt schon nicht für eige­ne geis­ti­ge Leis­tun­gen genügt.


Für Leu­te mit star­kem Magen: Wei­te­re Grün­de zum Aus­wan­dern (zum Bei­spiel in die Schweiz) für jeden­falls vier Jah­re wer­den hier gesammelt.

In den NachrichtenComputer
Pri­vat( )fern­se­hen

Die Fir­ma LG, die sonst total tol­le Tech­ni­ken wie „HbbTV“ (so eine Art unge­si­cher­tes Fern­be­die­nungs­sys­tem) in ihre Fern­se­her ein­baut, erklärt der Welt end­lich, war­um die „Pri­vat­sphä­ren­ein­stel­lung“ von Fern­se­hern gar nichts mit der Pri­vat­sphä­re des Kon­su­men­ten zu tun haben muss:

Jason Hunt­ley aus Groß­bri­tan­ni­en hat ent­deckt, dass sein LG-Fern­se­her Daten über Pro­gramm­wech­sel und sogar die Video­da­tei­na­men eines ange­schlos­se­nen USB-Sticks an einen Ser­ver schickt. Das pas­sie­re auch, wenn im Menü die Pri­vat­sphä­re-Ein­stel­lung akti­viert sei, so Huntley.

Als er das süd­ko­rea­ni­sche Unter­neh­men kon­tak­tier­te, erhielt er nach eige­nen Anga­ben die Ant­wort, dass er den Lizenz­be­din­gun­gen von LG zuge­stimmt habe, die beinhal­te­ten, dass Daten an das Unter­neh­men zurück­ge­schickt würden.

Das war natür­lich aber alles nur ein bedau­er­li­ches Miss­ver­ständ­nis, der Feh­ler wer­de dem­nächst natür­lich beho­ben. Aber war­um möch­te LG eigent­lich all die­se Daten ein­se­hen können?

LG bewirbt in einem Video die Funk­ti­on LG Smart Ad. Damit kön­nen Wer­be­trei­ben­de Anzei­gen in der Smart-TV-Ober­flä­che ein­blen­den. Im Video heißt es:

„LG Smart Ad ana­ly­siert die Lieb­lings­pro­gram­me des Nut­zers, des­sen Onlin­ever­hal­ten, Such­wor­te und ande­re Infor­ma­tio­nen, um dem Ziel­pu­bli­kum rele­van­te Wer­bung zu zeigen.“

Kauft unse­re Fern­se­her! Jetzt auch mit rele­van­ter kos­ten­lo­ser Wer­bung zwi­schen den Werbeblöcken!

In der ver­blei­ben­den Vier­tel­stun­de des dies­jäh­ri­gen Welt­tags der Phi­lo­so­phie soll­ten wir uns alle eine Fra­ge stel­len: Was sagt der Erfolg von LG-Fern­se­hern über uns als Gesell­schaft aus?

Sind wir wirk­lich so bescheuert?

NerdkramsProjekte
ZenT­weet. Twit­tern für’s Karma.

Twit­ter nervt?

Alles dort geht im wei­ßen Rau­schen unter, in all den Erwäh­nun­gen und Direkt­nach­rich­ten und Ret­weets und Ret­weets von Ret­weets und Hash­tags und Dia­lo­gen und bun­ten Bildern?

ZenT­weet ist die Lösung. Kein Rau­schen. Nur ihr und eure time­line.

Twit­ter als Dada-Kunst­werk. Twit­ter, wie es sein sollte.

Quell­code? Fragt mich.

Allen ande­ren: Viel Spaß.

Netzfundstücke
Hun­dert Prozent

100% GratisNach­dem Wer­be­trei­ben­de sich frü­her noch mit wenigs­tens halb­wegs the­men­be­zo­ge­nen Vor­tei­len eines anzu­prei­sen­den Pro­dukts („er läuft und läuft und läuft“) zufrie­den­ge­ge­ben haben, wenn es dar­um ging, irgend­ei­nen bil­li­gen Quatsch mög­lichst breit­flä­chig im Volk zu ver­tei­len, scheint es ihnen heu­te schwer­zu­fal­len, die­ses eini­ger­ma­ßen bewähr­te Kon­zept aufrechtzuerhalten.

Heut­zu­ta­ge, da die Indus­tria­li­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung die Men­schen bequem und unin­no­va­ti­ons­freu­dig wer­den ließ, schei­nen neue Pro­duk­te ein­fach nicht mehr genug Vor­tei­le gegen­über Bestehen­dem zu bie­ten. Auf dem Wasch­mit­tel­markt war schon Mit­te der 1960-er Jah­re klar, dass mit der Eigen­schaft, noch wei­ßer als weiß (im Hexa­de­zi­mal­code also wahr­schein­lich #GGGGGG) zu waschen, das Non­plus­ul­tra erreicht sein dürf­te, in ande­ren Bran­chen sieht es wohl sel­ten völ­lig anders aus. Fin­di­ge Wer­ber ent­deck­ten also schon bald die Kos­ten­lo­s­kul­tur (lan­ge vor dem bösen „Inter­net“) für sich: Wenn man schon kein bes­se­res Pro­dukt mehr bie­ten konn­te, dann soll­te das Nach­fol­ge­pro­dukt – war­um auch immer ein sol­ches über­haupt benö­tigt wur­de – wenigs­tens aus Preis­grün­den ähn­lich zahl­reich ver­kauft wer­den können.

Bis zur nächs­ten Devo­lu­ti­on hat es dann tat­säch­lich ein paar Jahr­zehn­te gedau­ert. Irgend­wann in den letz­ten Jah­ren wur­de den Ver­mark­tern aber auch das kos­ten­lo­se Pro­dukt, das die Opti­mal­leis­tung über­trifft, zu wenig attrak­tiv, wes­halb sie dazu über­ge­gan­gen sind, auch die Kos­ten­lo­sig­keit einer Hyper­la­ti­vie­rung zu unter­zie­hen: Selbst die Web­site des OpenOffice.org-Projekts bewarb die ent­wi­ckel­ten Pro­gram­me zeit­wei­se als 100 Pro­zent gra­tis.

Die­sen Wert soll­te man hier­bei in Rela­ti­on set­zen zu „0 % gra­tis“ (eine Yacht), „ein biss­chen gra­tis“ (Wer­be­pro­spek­te) und „nor­mal gra­tis“ (die Extra­por­ti­on Nutel­la in die­sen gro­ßen Glä­sern), um ihn voll­stän­dig zu begrei­fen. Kau­fen Sie unser Pro­dukt, es ist ein­und­zwan­zig Pro­zent gra­tis­er als das Konkurrenzprodukt.

Wie lan­ge es dau­ert, bis auch die­ses noch per­fek­te­re Pro­dukt wei­ter per­fek­tio­niert wird, wer­den wir, fürch­te ich, noch erle­ben. Ich habe ein biss­chen Angst vor der fol­gen­den Iteration.

Da hab‘ ich aber eine Staune.
Die­ter Hil­de­brandt, 1927 – 2013

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Welt­toi­let­ten­tag 2013

Ei, zum Glück ist heu­te Welt­toi­let­ten­tag und nicht etwa Inter­na­tio­na­ler Män­ner­tag, sonst fän­de ich die gest­ri­gen Nach­rich­ten doch eher zynisch:

End­lich, die Frau­en­quo­te kommt

Heu­te wird im Inter­net dann aller­dings lie­ber brav gebloggt:

Ziel­ge­rich­tet, selbst­be­wusst, aber auch sen­si­bel und kin­der­lieb – der per­fek­te Mann ist für vie­le Frau­en ein Alpha-Softie.

Wenigs­tens die taz berich­tet über heu­ti­ge Fei­er­lich­kei­ten, und zwar, ähm:

Frau­en­eh­rung am Män­ner­tag – Seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert bil­det bel­la­don­na Frauen

:facepalm:

Zum Glück ist heu­te Welt­toi­let­ten­tag und nicht etwa Inter­na­tio­na­ler Män­ner­tag, sonst wäre es natür­lich undenk­bar, dass die ARD zur Fei­er des Tages einen Bericht­erstat­ter los­schickt, der das Männ­lich­sein ein für alle­mal als Tes­to­ste­ron­be­sit­zen, Bier­trin­ken und Auto­fah­ren zemen­tiert, damit so ein Mann auch weiß, wie er gefäl­ligst zu sein hat. Der Betrach­ter macht’s Fußballgesicht.

Zum Glück ist heu­te Welt­toi­let­ten­tag und nicht etwa Inter­na­tio­na­ler Män­ner­tag, sonst wäre ich doch ein wenig erbost über das Andrea Schel­bert, die heu­te statt des übli­chen „Män­ner sol­len x tun, wenn eine Frau das will“ aus­nahms­wei­se mal „Män­ner sol­len y tun, wenn eine Frau das will“ ins Inter­net reinschreibt.

Zum Glück ist heu­te Welt­toi­let­ten­tag. Gleich mal reinkotzen.

Persönliches
Gedan­ken am Grab Albrecht Dürers (unvoll­stän­dig)

Woher nahm Dürer das Geld, sich hier in all der Pracht bestat­ten zu lassen?

Ist es erstre­bens­wert, nach sei­nem Tod in einer prunk­voll ver­zier­ten und beschrif­te­ten Gruft dem Pil­ger­tum eine Stät­te zu bieten?

Wer war der Herr im nur mit „Adolf“ beschrif­te­ten Grab?

Möch­te ich im Alter mei­ne Sonn­tags damit ver­brin­gen, das Grab Toter zu pflegen?

Woher stammt der Toten­kult, was hält ihn am Leben?

Ist das Fami­li­en­grab eines Pfar­rers nicht ein selt­sa­mes Relikt?

Wür­de ich wol­len, dass man auf mei­ner Lei­che, gekreu­zigt oder nicht, ein Kreuz zwecks spä­te­rer Iden­ti­fi­ka­ti­on und, in Kon­se­quenz, etwa­iger Ver­eh­rung oder einen Baum pflanzt?

Was ist nach dem Tod noch wichtig?

In den NachrichtenComputer
Face­book ver­kauft euch künf­tig auch nackt.

Nehmen Sie sich das Leben!Was hat der Welt, abge­se­hen von einem zünf­ti­gen Atom­krieg, denn noch gefehlt? Rich­tig:

Face­book will die Sex­ting-App Snap­chat für 3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar kau­fen. (…) Der Begriff Sex­ting ist ein Kof­fer­wort, das sich aus Sex und Texting zusam­men­setzt und die pri­va­te Ver­brei­tung ero­ti­scher Auf­nah­men des eige­nes Kör­pers über MMS oder Instant Mes­sa­ging beschreibt.

Ich hat­te mich ja kurz gefragt, wie­so eine app, die nur dem Zweck der Ver­brei­tung nack­ter Lei­ber dient, Face­book 3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wert sein soll­te. Dann fiel es mir ein: Nack­te sel­fies schei­nen kein Nischen­phä­no­men zu sein, son­dern sind längst zum Hob­by avan­ciert. Wäre ich jetzt noch ein wenig zyni­scher, wür­de ich behaup­ten, dass es nur wenig bes­te Freun­din­nen gibt, die sich ein­an­der nicht stän­dig ihre Brüs­te prä­sen­tie­ren (irgend­ei­nen Grund muss es ja haben, dass sie bis weit in ihre Drei­ßi­ger hin­ein die Toi­let­te mit­ein­an­der tei­len), aber das wäre ver­mut­lich unfair. Es gibt ja auch Jungs, die sich selbst für so anzie­hend hal­ten, dass sie mit meist vor dem Bade­zim­mer­spie­gel im Eltern­haus foto­gra­fier­ten Fast­nackt­bil­dern um Inter­es­sen­tin­nen wer­ben. – Unser­eins hat so etwas ja nicht nötig.

Aber was hät­te Face­book davon? Ein­nah­men erzielt die­ses „Snap­chat“ nach mei­nem Kennt­nis­stand mit­nich­ten. Die ein­fachs­te Erklä­rung: Face­book, das schon jetzt Benut­zer­pro­fi­le für Wer­be­ma­te­ri­al hält, kann dann auf einen noch reich­hal­ti­ge­ren Benut­zer­da­ten­fun­dus zurück­grei­fen. Das Ange­bot könn­te deut­lich attrak­ti­ver gemacht wer­den, indem direkt in der Snap­chat-App eine Funk­ti­on „Tei­le die­ses Foto auf dei­ner Pinn­wand“ ver­füg­bar ist. So ler­nen die Jugend­li­chen dann auch, dass es kei­ne gute Idee ist, mit den eige­nen Eltern auf Face­book befreun­det zu sein. Außer­dem hät­te sich für Face­book dann die müßi­ge Dis­kus­si­on über Pri­vat­sphä­ren­ein­stel­lun­gen end­lich erledigt.

Der Kauf tät‘ mich wohl schon amüsieren.

(via Nacht­wäch­ter)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Frau­en­trä­nen

Die hie­si­ge Tages­zei­tung berich­tet schon heu­te über aller­lei Aktio­nen zum „Inter­na­tio­na­len Tag für Frau­en­rech­te“ (offi­zi­ell: „Inter­na­tio­na­ler Tag zur Besei­ti­gung von Gewalt gegen Frau­en“) am 25. Novem­ber 2013. Als eye­cat­cher im Arti­kel dient ein Bild von einer wei­nen­den Frau, wohl (ich habe das nur über­flo­gen) aus einem Theaterstück.

Frau­en­trä­nen näm­lich sei­en etwas, was es zu ver­mei­den gel­te. Wir nor­ma­len Men­schen wür­den sagen, das habe den Grund, dass es sowie­so immer und grund­sätz­lich ver­kehrt sei, ande­ren Men­schen psy­chi­sches Leid zuzu­fü­gen, aber wie bekannt sein dürf­te, ist nicht jeder Mensch ein nor­ma­ler sol­cher, und so gibt es ganz offen­bar auch Trä­nen, über die man lachen kann. Beson­ders leicht zu belus­ti­gen ist offen­bar Jas­na „Faser­pi­ra­tin“ Strick (das war die hier), die ange­sichts von Trä­nen nicht etwa Mit­leid, son­dern Hoch­mut empfindet:

Män­ner­trä­nen sind mein Gummibärensaft.

Ein jeder schöp­fe Kraft aus sei­nem eig’nen Saft.

Die Poin­te? Zu lachen gibt es eher nichts. Aber da es um Rech­te geht: Das Recht, mich über das jewei­li­ge Leid von Ange­hö­ri­gen des ande­ren Geschlechts lus­tig zu machen, weil sie nicht mei­nem selbst­re­dend vor jeg­li­cher psy­chi­schen Pein („Gewalt“) zu beschüt­zen­den Geschlecht ange­hö­ren, und dafür nicht etwa Buh­ru­fe, son­dern man­nig­fal­ti­gen Applaus zu ern­ten, hät­te ich auch gern mal.

Es ist ja nicht alles schlecht im Femi­nis­mus. Das ist ein biss­chen wie mit der Reli­gi­on: Ohne die gläu­bi­gen Katho­li­ken wäre die katho­li­sche Kir­che echt eine pri­ma Idee.


Ein Fund­stück zum The­ma: In Ham­burg sol­len Män­ner bevor­zugt auf eine Pro­fes­sur beru­fen wer­den, wenn ihr Geschlecht an einer Fakul­tät unter­re­prä­sen­tiert ist.

Die Lan­des­kon­fe­renz der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten (LaKoG) ist strikt dage­gen. (…) Da es eine nach­ge­wie­se­ne Benach­tei­li­gung von Frau­en, nicht aber von Män­nern gebe, hält die LaKoG es für frag­lich, ob deren För­de­rung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Kennt ihr das, wenn euch zu etwas, was ihr lest oder hört, nur noch drei Punk­te („…“) einfallen?

Dies ist so ein Moment.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Das „D“ in „DSL“ steht für Deutschland.

Oh, Twit­ter regt sich gera­de auf. Der Anlass? Aus­nahms­wei­se mal was mit Computern:

Die Deut­sche Tele­kom will auf ver­schie­de­ne Wei­se die Sicher­heit im Netz erhö­hen. Neben einem spe­zi­el­len Ange­bot für Unter­neh­men ist auch ein inner­deut­scher Inter­net­ver­kehr in Vorbereitung.

…, was nach der NSA-Sache natür­lich ein an sich ver­ständ­li­cher Schritt ist. Nun gibt es offen­bar Leu­te, denen es gar nicht undeutsch genug sein kann, und auch Mario Six­tus zieht die Nach­richt auf eine selt­sa­me Ebene:

Nicht das Inter­net ist (sic!) muss man repa­rie­ren, son­dern das Kon­zept Nationalstaat.

Hübsch, aber The­ma ver­fehlt. Dass Mario Six­tus auf einen kon­struk­ti­ven Vor­schlag, was der Natio­nal­staat künf­tig bes­ser machen soll­te, ver­zich­tet, ist selbst­re­dend sei­ne eige­ne Ent­schei­dung; wer „gegen“ etwas ist, muss ja nicht auto­ma­tisch „für“ irgend­et­was ande­res sein. „x ist schei­ße!“ ist eben eine grif­fi­ge Paro­le, die man auch betrun­ken grö­len kann (des­we­gen sind die Paro­len „Nazis raus!“ und „Atom­kraft nein dan­ke!“ ver­mut­lich auch so beliebt; „raus aus wo und rein wohin?“ into­nier­te einst Schorsch Kame­run von den Gol­de­nen Zitro­nen), denn wer dann noch nach der Lösung y fragt, der ist kein Dis­kus­si­ons­part­ner mehr, son­dern poli­ti­scher Geg­ner. „Natio­nal“ ist anschei­nend auch so ein Wort, das die dunk­len Sei­ten mensch­li­cher Idea­le zum Vor­schein bringt.

Das Kon­zept Natio­nal­staat hat mit dem Inter­net aller­dings erst mal nicht viel zu tun. Was die Tele­kom hier wohl meint, ist ein Rou­ting über Ser­ver, die in den Gren­zen deut­scher Juris­dik­ti­on stehen:

Die tech­ni­schen Vor­be­rei­tun­gen sei­en weni­ger auf­wen­dig als zunächst gedacht. Somit könn­te der inner­deut­sche Inter­net­ver­kehr künf­tig auch allein über rein deut­sche Lei­tun­gen abge­wi­ckelt werden.

Was klingt wie die bekann­te Sze­ne aus dem Aste­rix-Band „Das Geschenk Cäsars“ (ich habe nichts gegen Daten, eini­ge mei­ner bes­ten Freun­de sind Daten; aber die­se Daten da, die sind nicht von hier!), ist zumin­dest nett gemeint. Die Idee dahin­ter: Daten, die über unse­re eige­nen Ser­ver lau­fen, kön­nen aus­län­di­sche Diens­te weni­ger leicht mit­schnei­den als Daten, die wir ihnen qua­si auf dem Prä­sen­tier­tel­ler vor­le­gen. Bun­des­pu­del Fried­rich hat auch schon eine tol­le Ergän­zung vorgeschlagen:

Im Lau­fe der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen hat­te der amtie­ren­de Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Hans-Peter Fried­rich (CSU) bereits einen regio­na­len E‑Mail-Ver­kehr ins Spiel gebracht, der gesetz­lich vor­ge­schrie­ben wer­den sollte.

Regio­na­ler Mail­ver­kehr lie­ße sich ja zum Bei­spiel schon umset­zen, indem man sich ein­fach einen Mail­ser­ver auf ’nem im Inland gemie­te­ten Sys­tem ein­rich­tet, aber ich befürch­te, Hans-Peter Fried­rich steht der Sinn viel­mehr nach der chro­nisch defek­ten „E‑Mail Made in Ger­ma­ny“ – natür­lich mit aus­län­di­schem Mot­to – oder wie auch immer man das hin­ter­her nen­nen möchte.

Das geplan­te Sys­tem sol­le, so heißt es, Teil eines Gesamt­kon­zepts wer­den, des­sen Zweck es sei, NSA, GCHQ und so wei­ter auszusperren:

Um Hin­ter­tü­ren aus­zu­schlie­ßen, stam­men dem­nach sen­si­ble Kom­po­nen­ten vom Inter­net­rou­ter bis zum Cloud Com­pu­ting von deut­schen Anbie­tern, die nicht mit aus­län­di­schen Geheim­diens­ten kooperieren.

Von deut­schen Geheim­diens­ten und Behör­den fällt kein Wort, was wenig über­rascht, bedenkt man, dass Hans-Peter Fried­rich noch vor weni­gen Jah­ren vor­nehm­lich als Ver­fech­ter des Ein­sat­zes von Schad­soft­ware sei­tens deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter gegen deut­sche Bür­ger die Titel­sei­ten von Nach­rich­ten­ma­ga­zi­nen aller Art geschmückt hat. Klar, dass man sich von so einem Typen – ich möch­te noch­mals das mit dem Aus­dem­amt­ja­gen vor­schla­gen – sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on stan­dar­di­sie­ren las­sen möch­te, oder?

Zurück zum The­ma: Die Tele­kom möch­te also künf­tig so weni­ge Daten wie mög­lich unnö­ti­ger­wei­se durch’s Aus­land trans­por­tie­ren. Das ist, wie schon erwähnt, grund­sätz­lich lobens­wert, aber es wird am Benut­zer schei­tern. Deut­sche Lei­tun­gen hin und/oder her: So lan­ge Face­book, Goog­le, Micro­soft und Apple ihre clouds von Ame­ri­ka aus betrei­ben, opfert die viel­zi­tier­te Oma Lies­chen lie­ber ihre digi­ta­le Mün­dig­keit als sich mit so Com­pu­ter­kram zu beschäf­ti­gen. Die quell­of­fe­nen Lösun­gen wie Dia­spo­ra*, own­Cloud und Round­cu­be Mail ste­hen für die Gene­ra­ti­on „Haupt­sa­che schnell“ in kei­nem prak­ti­ka­blen Kosten-Nutzen-Verhältnis.

„Alle mei­ne Freun­de sind auf Face­book“, was man eben so „Freun­de“ nennt, und das deut­sche Inter­net hat dafür auch kei­ne Lösung. Wie kann man es bes­ser machen? Nun, zum Bei­spiel, indem man nicht die Sym­pto­me, son­dern die Ursa­che an der Wur­zel bekämpft: Auf diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen mit dem Schur­ken­staat USA kann Deutsch­land gut und gern ver­zich­ten. Wir haben kei­ne bil­li­gen Roh­stof­fe, für die sich eine Bom­bar­die­rung loh­nen würde.

Aber wer kauft uns dann die Pan­zer ab?

Wirtschaft
End­lich: Das Kli­ma­pro­blem ist gelöst!

Im Zuge der so genann­ten „Ener­gie­wen­de“ (wo doch schon die letz­te „Wen­de“ uns immer noch teu­er zu ste­hen kommt) wett­ei­fern deut­sche Unter­neh­men momen­tan dar­um, das grüns­te aller Unter­neh­men zu sein, den Schad­stoff­aus­stoß also auf ein Mini­mum redu­ziert zu haben. Vorn mit dabei sind natür­lich Per­so­nen­trans­port­kon­zer­ne wie die Deut­sche Bahn und die MFB Mein­Fern­bus GmbH.

Dabei hat sich in letz­ter Zeit die merk­wür­di­ge Ansicht durch­ge­setzt, dass sich ein Fahr­gast von dem Schad­stoff­aus­stoß, den er als Teil der Pas­sa­gier­grup­pe zu ver­ant­wor­ten hat, qua­si frei­kau­fen kann; nicht unähn­lich dem Han­del mit Ablass­brie­fen, qua­si der Annul­lie­rung von Sün­den mit­tels Gel­des, wie es vor ein paar Jahr­hun­der­ten üblich war. Das Ver­fah­ren nennt sich aller­dings inzwi­schen, weit weni­ger reli­gi­ös, Kli­ma­kom­pen­sa­ti­on:

Der Trans­fer der Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lung zum Kli­ma­schutz-Pro­jekt wird mit soge­nann­ten Zer­ti­fi­ka­ten gesteu­ert. (…) Wer Geld für ein Kli­ma­schutz­pro­jekt gibt, erwirbt sol­che Zer­ti­fi­ka­te. Der Vor­teil die­ses Prin­zips ist es, dass Emis­sio­nen dort ein­ge­spart wer­den, wo es wirt­schaft­lich am güns­tigs­ten umsetz­bar ist.

Kli­ma­schutz klingt immer spit­ze, Ahnung muss man sowie­so nicht haben, bereits die blo­ße Aus­sa­ge „wir sind ein grü­nes Unter­neh­men“ ver­ur­sacht bei gläu­bi­gen Zuhö­rern feuch­te Jute­hös­chen, und so wirbt zum Bei­spiel auch die MFB Mein­Fern­bus GmbH für die­se „Zer­ti­fi­ka­te“:

Zusätz­lich kön­nen Sie als Fahr­gast die durch Ihre Fahrt ent­ste­hen­den CO2-Emis­sio­nen (sic!) mit einem indi­vi­du­ell berech­ne­ten Betrag kom­pen­sie­ren und so voll­stän­dig kli­ma­neu­tral sein.

Mit dem ein­ge­gan­ge­nen Betrag wird dann nicht etwa das Ozon­loch zugeta­ckert, son­dern er wan­dert zur mycli­ma­te Deutsch­land gGmbH, die ihn dann in irgend­wel­che Umwelt­pro­jek­te in Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern (viel­leicht Grie­chen­land) inves­tiert, wodurch in Deutsch­land zwar immer noch die Bäu­me ein­ge­hen, aber wenigs­tens die Wüs­te wie­der blü­hen kann. Finan­ziert wer­den, so prahlt man auf der Web­site, etwa Bio­gas­an­la­gen in Indien.

Bio­gas­an­la­gen, den Leser mag’s inter­es­sie­ren, sind men­schen­ge­mach­te Maschi­nen, die Gemü­se (oder Kuh­dung, sie­he Nach­trag) in Ener­gie umwan­deln und dabei nicht nur vie­le Vogel­ar­ten gefähr­den, son­dern die Koh­len­stoff­di­oxid­bi­lanz oben­drein nicht unbe­dingt verbessern:

Wird Wei­de­land umge­pflügt zum Mais­acker, dann ent­hält der Boden zunächst viel Humus. Der dar­in gespei­cher­te Koh­len­stoff ver­wan­delt sich durch ver­stärk­ten Luft­kon­takt in CO2. Je nach Boden­typ kön­nen die­se Emis­sio­nen so hoch sein, dass man jah­re­lang Bio­en­er­gie­pflan­zen dar­auf anbau­en muss, um allein die­sen Kli­ma­ef­fekt auszugleichen.

Aber ’s ist eben grün. Da fragt kei­ner nach dem Wie und War­um und jeder zahlt gern etwas mehr für ein rei­nes Gewissen.

Wie damals bei den Ablassbriefen.

Ich bin Super­man und Bat­man und Spinne
und Hulk, aber schö­ner, ha! und grü­ner sowieso!
Ich bin grün und rot!
Die Ärz­te: Ich bin reich


Nach­trag: Kai Land­wehr von mycli­ma­te erklärt in den Kom­men­ta­ren (hier unten drun­ter) den Unter­schied zwi­schen Mais- und Kuh­dung-Bio­gas­an­la­gen. Inter­es­sen­ten mögen dies zur Kennt­nis nehmen.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Zün­dung!

Die­ser „Live-Fan­block“ von „SPIEGEL ONLINE“, der zu einem Fuß­ball­ti­cker jeweils aktu­el­le Tweets zum Spiel anzeigt, hat ja schon sei­ne inter­es­san­ten Momente.

Zündung!

One, two, three, fire! (Hey, hey, hey!)
Scoo­ter: Fire

In den Nachrichten
Schuld und Söhne

Neh­men wir mal an, ihr wärt aus irgend­wel­chen wid­ri­gen Umstän­den her­aus für Recht und Ord­nung in Hal­le und Umge­bung zustän­dig und fol­gen­der Fall wür­de euch zuge­tra­gen: Eine Mut­ter miss­braucht ihren drei­zehn­jäh­ri­gen Sohn sexu­ell und zeich­net die­sen Vor­gang auf, weil sie von einer Inter­net­be­kannt­schaft (männ­lich) dar­um gebe­ten wurde.

Wie wür­det ihr entscheiden?

Rich­tig: Gefäng­nis für den Mann, Bewäh­rung für die Mut­ter. Recht muss eben Recht bleiben.

Der Sohn braucht sei­ne Mut­ter wahr­schein­lich noch.