Ich wünschte, ich hätte auch so oft so viel Spaß wie ThorgeFaehrlich, wenn ich im ÖPNV unterwegs bin; aber ich lebe nicht in Hamburg, was ich immer wieder bedaure, wenn ich dort bin. Anders als zum Beispiel Berlin oder Hannover ist Hamburg nämlich eigentlich recht sehenswert, dort stirbt man nicht aus Langeweile.
Die übliche Laufkundschaft in hiesigen Zügen besteht aus mürrischen Langweilern, die ungern mit Fremden reden, was mir prinzipiell sehr gefällt, nur selten unterbrochen von spaßigen Zeitgenossen wie dem Jugendlichen, der sich just mit geschwungenem Rucksack vor den Passagieren im “Vierer” nebenan aufbaute, genervt “kannsch mich hier mal hinsetzen oder so?” nuschelte und seitdem mit bösem Gesichtsausdruck auf sein Smartphone starrt, aus dem offenbar Klänge an sein Ohr dringen, denn ein Kabel ragt aus ihm (dem Smartphone, nicht dem Jugendlichen) heraus und endet in dessen Ohr, wie üblich locker hineingehängt, denn eine anständige Kabelführung hinter dem Ohr sähe genau so uncool aus wie eine richtigrumme Schirmmütze. Fröhliche Musik scheint er nicht zu hören. Das “oder so” gefiel mir allerdings von vornherein sehr gut.
Weniger gut gefallen mir die Gerüche, die entstehen, wenn die Jugendlichen im vollen Abteil plötzlich bemerken, dass in ihrer Hand ein Speiseersatz von der Firma mit dem großen “M” oder dem großen “BK” allmählich abkühlt. Nicht, dass das Zeug kühl deutlich schlechter schmeckte, aber es geht ja ums Prinzip. Da sitzt man dann also gegenüber von einer dieser alten Frauen, wie man sie aus schlechten Karikaturen kennt, oft (auch im Sommer) so schlimm erkältet, dass der Auswurf einem die Schuhe durchtränkt, und dann kommt so ein lässiger hipper Teenie daher und trägt dazu bei, dass einem die Zugfahrt stinkt. (Bemerkenswerterweise sind es immer junge Männer, die stinkenden Fraß im Zug in sich reinstopfen. Frauen nicht. Klar: Plastikburger sind nicht vegetarisch genug. Dafür ist das Deodorant letztgenannter Spezies oft ebenfalls eine Wucht.)
Gegen kranke Mitfahrer ist, haha, kein Kraut gewachsen, aber zumindest dem Gestank kann man vorbeugen. Es ist Zeit, dass ich ein Geständnis mache: Ich bin einer von Denen; aber nicht so richtig.
Nach meinen alltäglichen Erledigungen habe ich meist etwa vierzig Minuten Zeit, mich auf die Heimfahrt vorzubereiten: Zwanzig Minuten, bis der Zug kommt, und zwanzig Minuten, bis er losfährt. In der Regel lässt mir das zehn Minuten Zeit in einem vollends leeren Abteil, die genügen. um meine Geruchsnerven mit (schlechtem “Kaffee to go” oder) zum Beispiel einem eilends beim Bahnhofsbäcker gekauften Brötchen mit irgendeinem Belag (dort hat alles mehr Aroma als die Pappteile vom Pappteilvertrieb mit dem großen “M” oder dem großen “BK”) so weit an kommendes Unheil zu gewöhnen, dass etwaige hastige hungrige Nachzügler meine Kreise nicht weiter stören können. Ja, ich esse im Zug; aber ich bin damit fertig, bevor weitere Passagiere das Abteil betreten. Niemals käme ich auf die Idee, eingepfercht zwischen fremden Einkaufstüten und fremden Menschen mit Hygiene- oder Gesundheitsproblemen erst mal einen Burger auszupacken.
Ich wäre ein hervorragendes Vorbild, glaube ich.
Apropos “hervorragendes Vorbild”: Feuerwehr befreit nackten Mann aus Waschmaschine (…). Der Unglückliche hatte seine Freundin überraschen wollen und war deshalb in den Toplader geklettert. Überraschung!
Die Reaktion derselben ist nicht überliefert.


Typisch Anfänger. Wir zogen die Sache damals, als wir in den Schulferien per Bahn an die Nordesee gefahren sind, professioneller durch: Mit Bier und Buletten. Danach gab es im Nichtgroßraumabteil keine fremden Menschen mehr, mit der Folge eines Sechserabteils für vier Personen. Die Methode habe sich bis heute bewährt, wie man mir jedes Jahr erneut versichert.
Über die Anwendbarkeit von Bier habe ich tatsächlich schon positive Studien durchgeführt. Allerdings befürchte ich, dass der Geruch niemanden abschreckt — eher im Gegenteil.