Piratenpartei
Nachtrag: Die Piraten zur Europawahl (2)

Während sich auf Twitter „die Piraten“ und „die Antifa“ und „die Feministinnen“ - sie­he auch hier und hier und hier - mit „den Medien“ (man lese mal spa­ßes­hal­ber die aktu­el­len Gespräche von Don Alphonso und ver­zweif­le anschlie­ßend ein biss­chen) ver­bal dar­um prü­geln, wel­che der betei­lig­ten Gruppen als hete­ro­gen­ster aller Zusammenschlüsse wohl die größ­ten Anführungszeichen ver­dient hat, machen die ande­ren Piraten übri­gens Wahlkampf.

Ich schrieb zur Aufstellungsversammlung für die Europawahl:

Dabei hät­te es die Piratenpartei eigent­lich ziem­lich leicht; als Partei, die nicht aus Deutschland nach Europa expor­tiert wer­den muss­te, son­dern die selbst in ihrem deut­schen Ableger ein euro­päi­sches Produkt ist, muss sie das mit Europa nicht erst ler­nen, son­dern kann sich auf ihre poli­ti­schen Inhalte kon­zen­trie­ren. Gerade in Europa wären die Kernthemen der Piratenpartei - strik­te Ablehnung jeg­li­cher Urheberrechtsverschärfungen zum Nachteil des Konsumenten, Kampf gegen den Patentwahnsinn, freie Bildung für alle und so wei­ter - eine höchst will­kom­me­ne Alternative zu den gegen­sei­ti­gen Versprechen für mehr Terrorbekämpfung, mehr Bürokratie und so wei­ter.

Die mög­li­chen Themenschwerpunkte für die Europawahl sind nun gesetzt: „Demokratie-Upgrade“ (mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung), Urheberrecht (ver­tre­ten durch Bruno Gert Kramm, des­sen Reden ihr euch bei­zei­ten mal anhö­ren soll­tet, denn sie sind sehr gut) und Asylpolitik ste­hen auf der Agenda, letz­te­res dem Umstand geschul­det, dass die Piratenpartei Europa als Ganzes begreift. (Warum man mit dem „Tandem nach Brüssel“ ins Europäische Parlament nach Straßburg fah­ren möch­te, ist mir nicht so ganz klar; aber dar­um soll es gera­de mal nicht gehen. Immerhin schreibt auch das „Qualitätsmedium“ taz, die Piraten sei­en auf dem Weg nach Brüssel. Ist ja auch ganz hübsch dort.)

Die Kandidaten der Piratenpartei möch­ten also für Europa nicht wie­der den glei­chen Fehler machen wie anläss­lich der Bundestagswahl 2013, son­dern es aus­nahms­wei­se mal wie­der mit einem eige­nen Profil ver­su­chen; mit Themen, von denen sie Ahnung haben und die an das ein­sti­ge image als pro­gres­si­ve Partei anknüp­fen, und nicht mit den übli­chen Gemeinplätzen, die die ande­ren Parteien eben­falls vertreten.

Gibt es schon inner­par­tei­li­che Kommentare zu die­sem Themenplan? Klar; „stefan.pirat“ kommentierte:

Allerdings soll­ten wir auch im Blick haben, wel­ches Thema “mas­sen­kom­pa­ti­bel” ist, damit wir auch poten­zi­el­le Wähler anspre­chen, die nicht so ganz direkt in unse­rem der­zei­ti­gen Dunstkreis unter­wegs sind.

Aber Massenkompatibilität ist genau das, was die Piratenpartei jetzt nicht braucht. Bloß nicht auf­fal­len, bloß nicht anecken, bloß nicht anders sein? Zwar braucht man als Partei nur drei statt fünf Prozent, um die Europawahl erfolg­reich zu gewin­nen, aber war­um dann die Piratenpartei? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bildung ein­set­zen und weil wir irgend­was mit sozi­al im Programm haben? Nein, eine Reduktion auf die Kernthemen ist das Beste, was „die Piraten“ jetzt beschlie­ßen können.

„Die Piraten wer­den ja doch noch ver­nünf­tig?!“, fragt ihr jetzt viel­leicht erstaunt. Nein, kei­ne Sorge, das wer­den sie nicht. Menschlichkeit ist alles ande­re als Vernunft. Zumindest aber wer­den „die Piraten“ wie­der eine Partei mit einer pro­gres­si­ven Agenda. Wenn die mit der Flagge sich nicht ein biss­chen anstren­gen, könn­te man fast dar­über nach­zu­den­ken, sie wie­der zu wählen.

So weit ist es gekommen.

Senfecke:

  1. Erstens:
    Kramm ist echt gut, Problem dabei: Die Bayern ver­ste­hen offen­bar kei­nen Bayern oder haben andereSoegen …

    Zweitens:
    „Die Piraten wer­den ja doch noch ver­nünf­tig?!”, fragt ihr jetzt viel­leicht erstaunt. Nein, kei­ne Sorge, das wer­den sie nicht. Menschlichkeit ist alles ande­re als Vernunft. “ - mit einem gewal­ti­gen Problem dabei: Es gibt nichts Menschlicheres, als VERNUNFT, denn die gibt es NUR bei Mensch - wenn es sie gibt, Fazit: Nichts ist mensch­lich ohne Vernunft, zumal auch das Menschliche nur über Vernunft bemerkt wer­den kann.
    Ach ja, was woll­test du nun mit die­sem tol­len Spruch uns stau­nen­den Lesern mit­tei­len, du hast doch sonst ganz ver­nünf­ti­ge Sichten zu bieten ?
    Eigenes Profil im luft- sprich „mensch­lich“ lee­ren Raum - oder PiratMensch unter Menschen, mit­ten­drin, mal ver­an­kert, mal in Fahrt, aber stän­dig gut sozi­al mit- und unter­ein­an­der und zu Menschen sor­tiert - mein­test du das als EuroWahlkampf??
    Dann bin ich auch bei die­sem Kernthema dabei, da DARAUS sich alles ablei­tet, was wir von den digi­ta­len Langohren und selbst­er­nann­ten auto­ma­ti­sier­ten maschi­nel­len Sinnstiftern der NSA und Parts nicht wollen:
    Asozialität als Stigma für alle.

      • @Artikelautor …
        „Ich distan­zie­re mich von der Behauptung, mei­ne Sicht sei vernünftig.“

        Das ist inter­es­sant. Wer weiß, wo das so gesagt wur­de (nur dann macht Distanzieren Sinn), oder doch ziem­lich deut­lich (nur) gemeint wurde?

        Nimm es ein­fach hin, daß dein „Distanzieren“ dei­ner­seits nichts ande­res als rei­ne Vernunftreaktion ist und es ande­ren­falls sie nicht gäbe …
        So ist das eben, wer Hirnficker ruft, soll­te sie auch ein­las­sen, sich auch, auf solche.

        Wenn du dann wie­der mal meinst, eine „Sicht“ gefun­den zu haben, die „nichts mit Vernunft“ zu tun haben könn­te, laß hören, es reicht schon eine einzige
        (Bin in den näch­sten 3 Jahrzehnten empfangsbereit)

          • @Artikelautor
            „Du miss­ver­stehst den sati­risch-komi­schen Aspekt!“
            Es war nicht erkenn­bar, daß du den für dich gepach­tet hast, wenn doch, wäre die Sache einfacher.
            Macht nichts, wie gesagt:
            Wer Hirnficker ruft, muß die­se auch ®ein­las­sen, und: SICH AUCH, AUF DIESE.
            Und dann erst darf er behaup­ten, daß DAS nichts mit Vernunft zu tun hat (sati­risch: haben darf).
            Ich den­ke mal, du miss­ver­stehst tat­säch­lich den (nicht nur dei­nen) sati­ri­schen Aspekt, oder?

          • Ich las­se hier jeden rein, wenn’s nicht gera­de ein MORE%VALIUM$SUPER-Spammer ist; so lan­ge man sich damit abfin­den kann, dass man mit dem Kommentieren hier auch die Gefahr ein­geht, dass ich sein Weltbild hin­ter­fra­ge. ;)

  2. sor­ry, ich ver­öf­fent­li­che zwar jeden kom­men­tar, der sich auf argu­men­ta­ti­ver wei­se mit mei­nem bei­trag „kack­schei­sse weg­blog­gen? eine trig­ger­war­nung“ beschäf­tigt, aber dei­ner ging mit kei­nem wort dar­auf ein? also schal­te ich ihn nicht frei. ich stim­me dir völ­lig zu, daß die pira­ten sich wei­ter selbst mar­gi­na­li­sie­ren und die anti­fa teil­wei­se eher zu einem fa-mob mutier­te, aber ich möch­te natür­lich auf mei­ner kom­men­tar­sei­te kom­men­ta­re zu mei­nen tex­ten sehen. die meta­ebe­ne in dei­nem bei­trag ist inter­es­sant, aber nicht zu mei­nem bei­trag gehö­rig. einen wirk­li­chen kom­men­tar zu mei­nem text wer­de ich natür­lich ver­öf­fent­li­chen. guter gruß @meleksgrafitto

    • Heyho,

      ich betrach­te­te den Link eher als Lesetipp, nicht als wei­ter­füh­ren­de Information für mei­ne Leser. Ich mag das Wort „Grundgesetzschwaben“.

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