PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Die Gaschke, die Mina und das Patriarchat.

Susanne Gaschkes (SPD) Ver­such, sich — ihr habt es sich­er mit­bekom­men — auf­grund ihres Qua­si­rauswurfs als Kiel­er Ober­bürg­er­meis­terin als Opfer ein­er patri­archis­chen Struk­tur zu gebär­den, war nur mäßig erfol­gre­ich.

Schon bess­er hat es Yas­mi­na Banaszczuk (Eigen­beze­ich­nung: “Frau für Din­gens und Gedöns”) gemacht, deren Aus­tritt aus (wiederum) der SPD auf Twit­ter nicht etwa hämisch bejubelt, son­dern als kon­se­quenter Schritt gelobt wurde. Vielle­icht ist sie ein­fach niedlich­er als Susanne Gaschke. Dabei sieht auch sie sich als Opfer des Patri­ar­chats:

Dieses Sys­tem von Parteivor­sitzen­den, die sich von jun­gen Frauen so bedro­ht fühlen, dass sie ihnen ein­fach pauschal unter­stellen, dass sie keine Ahnung von poli­tis­chen Prozessen im All­ge­meinen hät­ten (und so weit­er und so fort, A.d.V.).

’s ist ja auch frech, wenn die SPD ihr nicht ein­fach irgendwelche Beauf­tra­gun­gen und son­stige Annehm­lichkeit­en schenkt (Her­vorhe­bung von mir):

Ich würde gerne irgend­wann in die Partei zurück kom­men, wenn es denn Hoff­nung auf wahren Ein­fluss gäbe und darauf, dass sich irgen­det­was ändern würde.

Das liegt sich­er nur an den Männern!!1

Heute in Ihrer TL: junge gut ver­net­zte Män­ner geben Tipps, wie man in der SPD erfol­gre­ich wird

Immer diese Frauen­quoten­parteien mit ihrem Sex­is­mus! (Sich­er nicht zufäl­lig äußert sich Frau Banaszczuk in ihrem Jam­mer­text nur am Rande zu Den­nis Morhardt, der, wie sie immer­hin selb­st zugibt, auch nicht wesentlich weniger Arbeit und Leben­szeit in die Partei gesteckt hat als sie. Der ist näm­lich auch kein hohes Tier in der SPD gewor­den, obwohl er gar keine Frau ist.)

Julia Seel­iger (Grüne, oh the irony) fasst tre­f­fend zusam­men:

Fühlt sich Sig­mar Gabriel tat­säch­lich bedro­ht von jun­gen Frauen aus dem Inter­net? Wohl kaum. Und damit hat er recht. Ist ziem­lich arschlochhaft, hier die Geschlechterkarte zu ziehen, wo doch gar keine notwendig ist. Aber klar: Yas­mi­na kön­nte mit diesem pop­ulis­tis­chen Gepö­bel gut Juso-Vor­sitzende wer­den.

Yas­mi­na Banaszczuk schloss ihren Artikel mit einem Ver­sprechen:

Wenn eine andere Partei eine ern­sthafte Option wäre, wäre ich dort schon längst.

Da haben wir Pirat­en noch mal Glück gehabt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Tracer — Too Much

Am kom­menden Sonnabend, dem 9. Novem­ber 2013, ist die Reich­skristall­nacht genau 75 Jahre her. Wer an dem Tag jeden­falls abends noch nichts vor hat, den lädt der Sauna-Well­ness­park namens “Kristall” zu einem entspan­nten Erleb­nis ein, näm­lich Roman­tik zu Feuer­schein:

Kristall-Nacht

Ich nehme ja an, dort wird es weniger heiß herge­hen als prophezeit. (Nach­trag von 12:53 Uhr: Sie haben es bemerkt. Schade.)

Viel heißer: Rock. Zum Beispiel von Trac­er.

Trac­er — Too Much music video

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Überraschung: Geheimdienste operierten im Geheimen!

Die Bun­desregierung löst dann mal das Spi­onageprob­lem:

Die Bun­desregierung will von der US-Regierung eine Zusicherung, dass amerikanis­che Geheim­di­en­ste kün­ftig nicht mehr ohne Erlaub­nis auf deutschem Boden tech­nis­che Aufk­lärung betreiben.

(Her­vorhe­bung von mir; E‑Mails von deutschen Bürg­ern dür­fen also kün­ftig nur noch im Aus­land abge­fan­gen wer­den. Gut gemacht!)

Was man für diese Erlaub­nis tun muss, ist nicht bekan­nt; wahrschein­lich wird es genü­gen, vor Ter­ror zu war­nen. “Hal­lo, wir sind von der NSA, und die Ter­ror­is­ten wollen…”, und wenn sie’s halt not­falls sel­ber sind. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht. Bei Zuwider­hand­lung ist Frau Merkel jedoch sicher­lich empört.

Nach ein­er solchen Zusicherung dürfte die NSA in Deutsch­land nicht mehr mit mod­ern­er Lauschtech­nik abhören.

Muss ja auch nicht — die alte Lauschtech­nik funk­tion­iert ja auch immer noch. Immer­hin wird auf die wirk­lich wichti­gen Aspek­te aus­drück­lich Rück­sicht genom­men:

Teil des bilat­eralen Abkom­mens soll auch eine gegen­seit­ige Zusicherung sein, nicht den jew­eili­gen Regierungschef zu überwachen.

Die schwammige “Zusicherung” ist natür­lich auch putzig aus­ge­drückt. Und: Den Rest der Leute halt schon.

Aber wahrschein­lich mache ich mir zu viele Gedanken. Wenn es aus­ländis­chen Spi­o­nen aus­drück­lich ver­boten ist, in anderen Län­dern zu spi­onieren, dann liegt es nahe, diese “Scheiße” (Ronald Pofal­la, ander­er Zusam­men­hang) ein für alle­mal für been­det zu erk­lären. So ein­fach ist das!

Eigentlich sollte die Bun­desregierung noch viel mehr schlimme Dinge ver­bi­eten, zum Beispiel Mord und Dieb­stahl. Dann hört das sicher­lich auch auf.

Netzfundstücke
Mpieptee

Wenig­stens haben bei all dem Wahnsinn in den Nachricht­en ein paar Leute noch den Überblick behal­ten und wis­sen, wo die wirk­lich wichti­gen Prob­leme liegen:

im tee­laden “cal­iban” frank­furter allee (fhain, berlin) hat­ten se ne teesorte “M*kopf”. ich hab d. ange­sprochen (erfol­g­los) noch wer bock?

Gemeint ist natür­lich “Mohrenkopf”, ein Wort, das man als aufrechter Link­er natür­lich nicht schreiben darf, auch nicht als Zitat, und wer es trotz­dem tut, der ist min­destens ein Ver­harm­los­er des Holo­causts oder was eben ger­ade so in ist im rotieren­den Belei­di­gungs­fun­dus der Sprach­weltverbesser­er. (Ich würde ja gern mal einen von ihnen zum Bäck­er begleit­en. “Hal­lo, ich hätte gern einen… äh… einen schö­nen Tag noch!”)

Mohrenkopf­tee, dies sei kurz erläutert, ist — hihi, haha, hoho — ein Schwarz­tee, der geschmack­lich wohl an die gle­ich­namige Süßspeise erin­nern soll. Dass der Tee so heißt, hat also eher mit dem Gebäck als mit dem dunkel­häuti­gen Zeitgenossen unklar­er aktuell zu bevorzu­gen­der Fremd­beze­ich­nung zu tun, besagtes Teegeschäft (“Cal­iban”) deshalb nun zu behel­li­gen halte ich für nicht zielführend. Erschießt den Boten! Dass der Name “Mohrenkopf” unge­fähr so viel mit Ras­sis­mus zu tun hat wie der Name “Schwarz­er” (i.e. Alice), kön­nte zwar eine bedenkenswerte Infor­ma­tion sein, aber der deutsche Michel empört sich eben gern.

Die Frage “Noch wer Bock?” ist insofern auch eine recht inter­es­sante. Wie läuft das empörte “Ansprechen” dann eigentlich ab — zahlre­iche smart­phonebe­wehrte Twit­ter­er scharen sich um das Geschäft und ver­lan­gen eine Umbe­nen­nung oder sor­ti­mentsweit­er Ent­fer­nung besagten Tees und wer­fen bei Zuwider­hand­lung und/oder Nicht­beach­tung Tomat­en und/oder Eier ans Ein­gangsportal? So ähn­lich läuft das doch bei Klam­ot­ten­lä­den ab, sofern mich entsprechende Berichte in den Medi­en nicht völ­lig fehlin­formierten. (Ich nehme an, ein Aufruf zum gle­ichzeit­i­gen Boykott von Ama­zon ist auch bere­its im Inter­net zu find­en.) “Nie wieder darf etwas Leck­eres einen poli­tisch nicht kor­rek­ten Namen tra­gen.”

Ein Mohrenkopf ist — in manchen Regio­nen vielle­icht anders beze­ich­net — ein Gebäck, das mehr oder weniger wie ein Kopf geformt und mit Pud­ding gefüllt ist. Ich über­lege ger­ade, woran mich das erin­nert.

In den NachrichtenWirtschaftPersönlichesPolitik
Operiert, verstimmt und pleite.

Zunächst die Wirtschaft­snachricht­en: Das Finanzmin­is­teri­um der USA (das waren die hier) hat endlich den Schuldigen am verko­rk­sten Weltwirtschaftssys­tem gefun­den — Deutsch­land.


Die Gazetten dieses Lan­des bericht­en heute zwar nur wenig über so über­flüs­si­gen Käse wie das Wirtschaftssys­tem (dem geht’s doch gut, sofern man zum Beispiel in der Schweiz wohnt), dafür aber zahlre­ich über Gina-Lisa Lohfink. Sel­bige ist — ich musste das jet­zt glück­licher­weise recher­chieren — erst als Teil­nehmerin der abscheulichen Serie “Germany’s Next Top­mod­el” (Platz 12), dann als Darstel­lerin in irgen­deinem ominösen Erwach­se­nen­film bekan­nt gewor­den; heute ist sie, wie es heißt, trotz­dem irgen­dein “Top­mod­el”, was wieder ein­mal belegt, dass man für diesen Beruf nicht son­der­lich gut ausse­hen muss.

Dabei ist sie, dies verkün­den die Nachricht­en, beschei­den geblieben:

(…) ich bin echt — bis auf meine Brüste, okay.

Und bis auf den über­wiegen­den Rest des Oberkör­pers, aber so genau müssen wir das ja jet­zt nicht nehmen. Jour­nal­is­mus in Deutsch­land (auch): Eigen­lob irgendwelch­er ehe­mals mit­telmäßig “Promi­nen­ter” unhin­ter­fragt in die Klatschspal­ten schmieren. Dass sie echt ist, ist anson­sten natür­lich erwäh­nenswert. Manch­mal möchte man es lieber nicht glauben.

Ich weiß nun (eben­falls glück­licher­weise) nicht, was für eine Stimme Frau Lohfink hat, aber es fällt mir nicht leicht, mir obiges Zitat in ein­er anderen Ton­lage als kurzat­migem Piepsen vorzustellen. Dazu stelle ich mir das Gefuch­tel vor, das die Mäd­chen heutzu­tage offen­bar von US-amerikanis­chen Pop­sternchen abgeschaut haben, und mein Bild von Gina-Lisa Lohfink ist per­fekt.

Warum kurzat­miges Piepsen? Nun, als jemand, der auch wegen der men­schlichen Katas­tro­phen, die dort stat­tfind­en, mit öffentlichen Verkehrsmit­teln fährt, habe ich in let­zter Zeit häu­figer bemerkt, dass junge Mäd­chen, die beisam­men sitzen und pausen­los plap­pernd über ihre Fre­undin­nen lästern, zwecks Imi­ta­tion der­sel­ben ihre Stimme mehrere Oktaven höher schrauben, sofern ihnen das möglich ist. Die Absur­dität der Sit­u­a­tion, dass Mäd­chen mit Piepsstimme eine noch piep­sigere Stimme annehmen, um Zitate unlieb­samer Zeitgenossin­nen zu kennze­ich­nen (und lieb­same Zeitgenossin­nen scheint man im Alter von 14, vielle­icht 15 Jahren nur zu ken­nen, wenn sie ger­ade in Hör­weite sind), soll­tet ihr euch jet­zt ein­fach mal vorstellen.

Mit dem Kon­junk­tiv wäre Bus­fahren viel angenehmer.

(Eigentlich hat­te ich für das Gepiepse einen viel aus­führlicheren Artikel im Sinn, aber da ich vergessen habe, den aufzuschreiben, bleibt es nun bei diesem kurzen Aufreger. So.)


Noch etwas Poli­tik mit Lese­be­fehl zum Abschluss: Nico Lum­ma, wohl das beina­he einzige SPD-Mit­glied, das lei­dlich gut mit dem Inter­net umge­hen kann, sülzte heute sel­biges Inter­net damit voll, dass wir die Dig­i­tal­isierung ver­schlafen hät­ten. Nico Lum­ma von der Vor­rats­daten­spe­icherungs-SPD.

Der Nachtwächter hat dazu mal was gesagt.

Nerdkrams
LaTeX und pandoc: Es muss ja nicht immer Office sein.

Ein­er der Nachteile von Textver­ar­beitungssoft­ware ist, dass man sich als Autor stets genötigt sieht, sich außer dem reinen Text auch auf dessen Darstel­lung zu konzen­tri­eren. Während ein Absatz geschrieben wird, wer­den automa­tisch Absatz- und For­matierungs­marken einge­fügt. Wenn später ein anderes lay­out ange­wandt wer­den soll, ist das oft eine fürchter­liche Klick­erei; selb­st das Anle­gen von Absatz- und Doku­mentvor­la­gen befre­it nicht von der Ablenkung durch die bere­its vorhan­dene Darstel­lung. WYSIWYG ist zwar schön bunt, aber oft auch entset­zlich nervig.

Wenn man seine Autoren­tätigkeit ins web ver­legt, kommt man vom Regen in die Traufe: Auch HTML, dem WYSIWYM-Konzept zumin­d­est nicht völ­lig ent­ge­genge­set­zt, ist anfäl­lig für Ablenkung durch For­matierung. Ein­fach einen Text, der aus mehr als einem Absatz im Fließ­text beste­ht, ins Netz zu stellen set­zt, wenn man sich nicht auf die weni­gen Möglichkeit­en von sozialen Net­zw­erken beschränken möchte, eben­falls bere­its beim Schreiben einige For­matierungsar­beit voraus, die mit steigen­der Textlänge wom­öglich auch immer wieder Änderun­gen benötigt. Eine einiger­maßen flex­i­ble For­matierung geht nur per CSS — wiederum etwas, das bere­its beim Schreiben auf­grund der manuellen Zuweisung von class-Attribut­en wom­öglich mehr Zeit ver­schlingt als das Erstellen des eigentlichen Inhalts. (So ein Besuch­er guckt sich Web­seit­en ja nor­maler­weise nicht nur deshalb an, weil sie so schön bunt sind.) Zumin­d­est hier­für hat sich mit Mark­down und Mul­ti­Mark­down eine Lösung etabliert, die HTML-For­matierungscodes durch Inter­punk­tion erset­zt und in ver­schiede­nen Dialek­ten zum Beispiel auf Stack Over­flow, in sozialen Net­zw­erken (Google+, Dias­po­ra) und neueren Blog­plat­tfor­men wie Ghost zum Ein­satz kommt.

Eine Tren­nung von For­mat und Inhalt wäre aber auch im Druck wün­schenswert: Ich als Autor möchte mich darauf konzen­tri­eren kön­nen, einen Text dig­i­tal zu erfassen, und mir erst danach, wenn ich einen Gesamt­blick auf diesen Text habe, Gedanken über seine Darstel­lung machen müssen. Kommt zwis­chen zwei Kapi­tel meines Buch­es jet­zt jew­eils ein Seit­en- oder nur ein Zeilenum­bruch? Sollen Kapitelüber­schriften zen­tri­ert und kur­siv oder links­bündig und fett dargestellt wer­den? Das ist alles erst dann rel­e­vant, wenn das Buch, die Abschlus­sar­beit oder zum Beispiel das Bewer­bungss­chreiben fer­tig ist.

Natür­lich gibt es da eine Lösung: LaTeX. LaTeX ist im Wesentlichen eine Samm­lung von Makros und Vor­la­gen für das Textsatzsys­tem TeX, das in diesem Seg­ment den Qua­si­stan­dard darstellt. (Ich bitte diesen Aus­druck zu entschuldigen, ich ver­bringe offen­bar zu viel Zeit mit den Ergüssen von Schlip­strägern.) Dabei funk­tion­iert es nach dem WYSIWYM-Prinzip: Will ich ein neues Kapi­tel begin­nen, dann schreibe ich das genau so auf.

\chapter{Das erste Kapitel}
 
Alles, was hier steht, gehört zum ersten Kapitel.

Wie ich diesen Text hin­ter­her for­matiere, kön­nte ich zu diesem Zeit­punkt bere­its per Vor­lage und/oder For­matierungs­makros entschei­den, ich muss es aber nicht. Das ist natür­lich nun nur ein kurz­er Auss­chnitt aus einem LaTeX-Doku­ment; ein voll­ständi­ges Beispiel ist auf Wik­i­books zu find­en.

Dass LaTeX vor allem für wis­senschaftliche Pub­lika­tio­nen konzip­iert wurde, bedeutet im Übri­gen nicht, dass man sich auf diese Art des Druck­erzeug­niss­es beschränken muss. Ein­er der typ­is­chen Ein­satzz­wecke von Textver­ar­beitung­spro­gram­men — das Schreiben von Briefen — ist natür­lich auch mit LaTeX umset­zbar; Vor­la­gen inklu­sive. Mit dem KOMA-Script, das heutzu­tage fes­ter Bestandteil von LaTeX-Dis­tri­b­u­tio­nen ist, muss man sich auch über Beson­der­heit­en deutsch­er Brief­s­tan­dards keine Gedanken machen, die enthal­te­nen Vor­la­gen erledi­gen die meiste Arbeit qua­si von selb­st. (Dass auch eigene Vor­la­gen möglich sind, bedarf wahrschein­lich kein­er weit­eren Erwäh­nung. Hop­pla, zu spät!)

Um aus LaTeX-Code ein fer­tiges Doku­ment zu gener­ieren, wer­den zunächst ein­mal ein Texte­d­i­tor und LaTeX selb­st benötigt. Zu Ersterem komme ich weit­er unten noch, für Let­zteres empfehle ich das erfreulich unauf­dringliche TeX Live. Instal­lieren, läuft.

Um aus einem solchen LaTeX-Doku­ment im “Rein­text” jet­zt zum Beispiel unter Win­dows eine PDF-Datei zu erzeu­gen, empfehle ich eine Batch­datei fol­gen­den Inhalts zu erstellen (damit man sich nicht ständig wieder­holen muss):

@echo off
latex eingabedatei.tex
latex eingabedatei.tex
pdflatex eingabedatei.tex

Die ersten bei­den latex-Aufrufe “parsen” die LaTeX-Datei und leg­en zum Beispiel ein Inhaltsverze­ich­nis an. (Falls keines benötigt wird, genügt nor­maler­weise ein einziger Aufruf von latex, aber ein zweit­er ist ja dann auch zu ver­schmerzen.) pdfla­tex baut dann aus den gener­ierten Dat­en eine PDF-Datei zusam­men. The­o­retisch funk­tion­iert das auch ohne vorheri­gen Aufruf von latex, aber die “Hil­fs­dateien”, die dadurch entste­hen, erle­ichtern so manch­es (zum Beispiel, wenn man AUC­TeX benutzen möchte).

AUC­TeX? Ach so, ja, das mit den Texte­d­i­toren. Ein LaTeX-Doku­ment lässt sich einiger­maßen kom­fort­a­bel in den meis­ten großen Texte­d­i­toren bear­beit­en, Syn­tax­her­vorhe­bung und manch­mal automa­tis­che Ver­voll­ständi­gung inklu­sive. Noch kom­fort­abler wird es, wenn man einen speziellen LaTeX-Edi­tor ein­set­zt. Für Emacs gibt es etwa das AUC­TeX- und für Vim das LaTeX-suite-Plu­g­in; wer mit bei­den Edi­toren nicht viel anfan­gen kann, dem sei TeX­works (in TeX Live enthal­ten) oder LyX emp­fohlen. Diesen Edi­toren ist eine Inte­gra­tion von LaTeX-Dis­tri­b­u­tio­nen gemein, PDF-Doku­mente lassen sich jew­eils sozusagen per Tas­ten­druck erzeu­gen. Obwohl für diesen Zweck Mark­down deut­lich bess­er geeignet ist, lässt sich LaTeX auch in Word­Press ein­set­zen — ein Plu­g­in, das die Ein­bindung von LaTeX-Code erlaubt, ist etwa WP-LaTeX.

Und wenn man dann ein LaTeX-Doku­ment erstellt hat, aber der­jenige, der es über­ar­beit­en will/soll, nur Microsoft Office benutzt? Pan­doc eilt zu Hil­fe:

pandoc -s eingabedatei.tex -o ausgabedatei.docx

Wie LaTeX (LPPL) ste­ht auch Pan­doc unter ein­er “freien” Lizenz (derzeit unter der GPL). Es ist nicht alles schlecht.

Fra­gen oder Anre­gun­gen sind willkom­men.

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Hans-Peter Uhl, CSU.

Dieser Artikel ist Teil 8 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Hans-Peter Uhl, Innen­ex­perte und Vor­rats­daten­predi­ger bei der CSU, ist ja immer wieder für einen sprach­lichen und poli­tis­chen Faux­pas zu haben.

Nun hat man seit Monat­en nicht viel von ihm gehört; vielle­icht hat er einen Com­put­erkurs besucht (oder ver­bi­eten lassen). Jet­zt jeden­falls ist er zurück, und er hat ein neues The­ma mit­ge­bracht: Die Vor­rats­daten­spe­icherung ist ihm momen­tan nicht so wichtig, die erledi­gen ja bere­its seine amerikanis­chen Fre­unde. Stattdessen hat er sich ein anderes The­ma aus­ge­sucht, von dem er auch nichts ver­ste­ht, näm­lich Authen­tifizierungs- und Ver­schlüs­selungsmech­a­nis­men:

Unmit­tel­bar vor dem Tre­f­fen der Arbeits­gruppe Innen und Recht bei den Koali­tionsver­hand­lun­gen regte der Unions-Innen­ex­perte Uhl mehr Kom­pe­ten­zen für das Innen­min­is­teri­um an. „Eine Lehre aus der NSA-Affäre muss sein, dass wir uns in den Koali­tionsver­hand­lun­gen darauf ver­ständi­gen, die Ver­ant­wor­tung für sichere Kom­mu­nika­tion kom­plett dem Innen­min­is­teri­um zu unter­stellen. Das gilt auch für die Bun­desnet­za­gen­tur.“

Das Innen­min­is­teri­um ken­nt sich näm­lich aus mit sicher­er Kom­mu­nika­tion, immer­hin hat es Erfahrun­gen gesam­melt:

Ein weit­eres sicheres Ver­fahren, um elek­tro­n­is­che Nachricht­en zu über­tra­gen, ist das De-Mail-Ver­fahren, das vom deutschen Innen­min­is­teri­um koor­diniert wird.

De-Mail war das hier:

In der momen­ta­nen De-Mail-Spez­i­fika­tion wer­den die Serv­er zudem zu attrak­tiv­en Angriff­szie­len. Wenn nun die Kom­mu­nika­tion der gesamten Ver­wal­tung des Bun­des über diese weni­gen Serv­er abgewick­elt wer­den soll – oben­drein mit ein­er Ver­schlüs­selung, die ihren Namen nicht ver­di­ent –, ist der Dat­en-GAU vor­pro­gram­miert.

Dann kann ja nichts mehr schiefge­hen!

KaufbefehleMusikkritik
Møster! — Edvard Lygre Møster

Møster! - Edvard Lygre MøsterVer­störend wie son­st nur die Welt­poli­tik hätte sich “Edvard Lygre Møster” gle­ich auf zweifachem Weg in die Jahres­besten­liste 2013 geschum­melt: Erstens ist’s ein Liveal­bum, dem man das kaum anhört, und dann ist es auch noch 2011 aufgenom­men wor­den. So wird das nix mit meinem “Album des Jahres”. Dabei hätte “Edvard Lygre Møster” anson­sten ziem­lich gute Chan­cen auf diesen Titel.

Wie schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt Ståle Stor­løkken auch hier — an Syn­the­siz­er und Fend­er Rhodes — wieder mit. Der Mann scheint ein Gespür für avant­gardesque tolle Musik zu haben, man sollte seine musikalis­chen Aktiv­itäten also auch weit­er­hin ver­fol­gen. Møster!, eigentlich ein Solo­pro­jekt des nor­wegis­chen Sax­o­phon­is­ten Kjetil Møster (son­st bei Ultra­lyd und mit anderen Bands wie Low Fre­quen­cy in Stereo aktiv), ist hier ein Vier­man­nun­ternehmen; außer­dem dabei sind Niko­lai Eil­ert­sen, Bassist bei den famosen elephant9 (eben­falls mit Ståle Stor­løkken), und Schlagzeuger Ken­neth Kap­stad, der seit 2007 mit Motorpsy­cho zusam­men musiziert. Das Ergeb­nis dieses Zusam­men­spiels ist ein druck­voller instru­men­taler Jazz, bei dem kein Instru­ment zu kurz kommt, was ihn pos­i­tiv von dem ollen Trompe­tenkrams von Miles Davis abhebt, das mich immer, Sakri­leg!, schon eher gelang­weilt hat; aber ich schweife ab.

Was ein Edvard Lygre ist, ver­mag ich auf­grund man­gel­nder Nor­wegis­chken­nt­nisse nicht zu wis­sen. Ist das nicht aber sowieso beina­he egal? Ich lasse lieber die Musik für sich sprechen. Und die geht, Verzei­hung!, tierisch ab. Ist das erste Stück “Plas­tic Dis­co” (12:10 Minuten; keine Sorge, bumm-tschack bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vor­bote für das Fol­gende, drehen die vier Her­ren danach erst so richtig auf. In “Ran­som Bird” ist erst­mals tat­säch­lich etwas Pub­likum (jubel­nd) zu hören. Wer kön­nte es ihm ange­hörs der schieren Instru­mente­neska­pade, her­aus­ra­gend vor­angetrieben von Schlagzeug und Bass, schon ver­denken? Das Inter­net schreibt hier von “rauschhafter Ekstase”, und ich kön­nte es kaum bess­er umschreiben.

Es fol­gt mit “Com­po­si­tion Task #1” ein ziem­lich nor­mal jazz­iges Stück, das mit sieben Minuten Laufzeit auch das kürzeste auf dem Album ist, bis nach eini­gen Minuten Kjetil Møster sein Sax­ophon­spiel ins Schräge abgleit­en lässt, wo er sich gut auszuken­nen scheint. “Com­po­si­tion Task #1” nimmt nach Stück 1 und 2 den­noch eine Son­der­rolle ein; eine “Com­po­si­tion Task #2” gibt es auf dem Album nicht. Den Abschluss bildet “The Boat”, in dem das Sax­ophon über eine Vier­tel­stunde lang aller­lei Elek­tro­n­is­chem, gespielt von drei der vier Musik­er (plus Schlagzeuger), mehr Raum lässt. Møster! kön­nen also sog­ar Space­rock, und ziem­lich guten noch dazu.

Entspan­nen­der Radio­jazz ist auf “Edvard Lygre Møster” tat­säch­lich nicht zu hören. Das ist aber auch nicht schlimm. “Lounge-Jazz”? Jazz für jede Gele­gen­heit! Hör­proben? Ama­zon. Aber wer liest schon nur einzelne Seit­en in einem Buch?

Spaß mit Spam
Kurzspam: Ihr Freund “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+”, hat dieses Produkt gefunden, und zwar hier: KongMing

Endlich mal ’n ein­prägsamer Betr­e­ff!

Und was will mein Fre­und “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+” (was für Eltern muss der haben?!) von mir? Mir scheint’s was empfehlen will er. Auszug aus der Mail:

Ihr Fre­und, “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+”, hat dieses Pro­dukt 5er Set, beleuchtete weisse elek­trische Seerose mit Farb­wech­sel bei Kong­Ming gefun­den.

Hel­lo Friend!

This is Amaz­ing!

How Many Emails Can You Process In One Day? 2, 4, 7, 24, or 247 . .? Can You Do It 24/7?

Get Paid $25 For Every Email You Process

If You Can Send And Receive Emails, We Can Teach You To Trans­form Your PC Into A Mon­ey-Mak­ing Machine.

(Und so weit­er und so fort.)

Schön, so eine beleuchtete Seerose wollte ich schon immer mal haben. Aber dass mein PC zur Geld­mach­mas­chine wird, fände ich nicht so schön. Ich würde eigentlich gern damit arbeit­en.

Muss ich meine Seerose halt woan­ders kaufen.

PolitikIn den Nachrichten
Endlich: Regierung bekämpft Altersarmut!

Da nun mit der SPD höchst­wahrschein­lich mal wieder eine “sozial”-konservative Partei in die Regierung einzieht, will sich die CDU natür­lich nicht die But­ter vom Brot nehmen lassen und tut was gegen die Armut im Alter:

„Viele Men­schen kom­men mit ihren Niedriglöh­nen oder ihren gerin­gen Renten nicht aus. Eine große Zahl davon bessert daher mit dem Sam­meln von Pfand­flaschen ihren Leben­sun­ter­halt auf. Sie kön­nten von der Pfan­der­höhung direkt prof­i­tieren.“

Natür­lich kön­nte statt eines höheren Flaschenpfands auch ein­fach andere Beträge erhöhen, zum Beispiel die, die dafür sor­gen, dass die Bedürfti­gen über­haupt ohne Flaschen­sam­meln über den Win­ter kom­men; aber wer soll das denn dann wieder bezahlen?!

(Ich bitte um Verzei­hung, dass diese Mel­dung schon etwas älter ist — per tagesschau.de, eines dieser schnellen Qual­itätsme­di­en, wurde sie mir erst heute in meine Twit­ter-time­line gespült.)

Wer hat die doch gle­ich gewählt?

In den NachrichtenNetzfundstücke
Onlinejournalismus 2013, kurz zusammengefasst.

Zu den “Leis­tun­gen”, die der Online­jour­nal­is­mus in Deutsch­land erbringt und die es offen­bar rechtlich zu schützen gilt, gehört im Übri­gen so etwas:

Pres­sev­ertreter wer­den heute Abend wieder ins Yer­ba-Bue­na-Cen­ter im Zen­trum von San Fran­cis­co strö­men. Dort wird Apple um 19 Uhr mit­teleu­ropäis­ch­er Som­merzeit neue Pro­duk­te vorstellen.

Alle Räder ste­hen still, / wenn es Apple ger­ad’ so will. Um was für Pres­sev­ertreter geht’s? Die üblichen Verdächti­gen (Mash­able, Giz­mo­do, CNet, Giga.de und so weit­er) wer­den bericht­en, “Livet­ick­er” befind­en sich zur Stunde aber auch auf focus.de, WELT.de und FAZ.net, eben­so auf der Web­site des Ham­burg­er Abend­blatts, der Stuttgarter Zeitung und des STERN — alle­samt aktive Unter­stützer des Leis­tungss­chmutzrechts.

Und so, liebe Leser, wird Online­jour­nal­is­mus definiert: Irgend­wo in den USA ste­ht ein Fir­men­vor­stand auf ein­er Bühne und zitiert aus firmeneige­nen Wer­be­prospek­ten, um ihn herum sitzen “Jour­nal­is­ten” ver­sam­melt und schreiben das ab. Dann wollen sie dafür Geld sehen, damit ihr wichtiges Medi­um nicht schließen muss.

Es gibt augen­schein­lich immer noch viel zu viele Leute, die mit solchem “Jour­nal­is­mus” Geld ver­di­enen. Ich empfehle, oben genan­nte Zeitun­gen auch in Zukun­ft zu mei­den. Je eher diese Spe­ichel­leck­erei aus finanziellen Grün­den endet, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit, dass der Markt für richti­gen Jour­nal­is­mus wieder geöffnet ist.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: “Traurig, kein Fake” / Google belegt, dass Google belegen kann.

Um noch mal kurz zu verdeut­lichen, wo der Unter­schied zwis­chen gemäßigtem — das ist der, den ich prinzip­iell für nicht verkehrt befinde — und pop­ulis­tis­chem Fem­i­nis­mus liegt: Mir wurde heute Mit­tag diese Web­site in die Twit­ter-time­line gespült.

Zusam­menge­fasst geht es darum, dass eine Organ­i­sa­tion namens “UN Women” (also etwa “Frauen in den Vere­in­ten Natio­nen”) das schändliche Google als Beleg dafür herange­zo­gen hat, dass die Welt schlecht über Frauen denke. Das Ergeb­nis sind große Plakate mit Fotos von Frauen, über deren Mund Googles “Sofort­suche” gek­lebt wurde, vielle­icht, damit sie sich nicht noch mehr blamieren. Das sieht dann etwa so aus:

Google und die Frauenrechte

Googles “Sofort­suche” (“Google Instant”, in der Google-Hil­fe erk­lärt) schlägt nach Eingabe weniger Buch­staben häu­fige (und ergeb­nis­re­iche) Suchan­fra­gen mit dem gle­ichen Anfang vor. Offen­bar suchen also viele Leute danach, dass “Frauen nicht wählen/arbeiten” sowie “keine Rechte haben soll­ten”. Skan­dal!, (auf-)schreit das Inter­net, “die Frauen” wer­den sog­ar von Google unter­drückt!

Aber was bedeutet es, dass viele Leute nach “Frauen soll­ten keine Rechte haben” suchen? Es heißt doch nichts anderes als dass Frauen mehrheitlich eben doch Rechte haben. Viel schlim­mer wäre es doch, wäre “Frauen soll­ten Rechte haben” eine Top­suche wäre, denn das würde bedeuten, dass sie tat­säch­lich mehrheitlich keine Rechte haben. Aber so weit denkt der pop­ulis­tis­che Fem­i­nis­mus nicht, nach Satzan­fän­gen wie “Frauen sollten/dürfen nicht” schal­tet er sein brei­iges Hirn aus und zetert drau­f­los; ver­mut­lich hätte dieser Fem­i­nis­mus auch mit “Frauen dür­fen nicht angezün­det wer­den” ein Prob­lem, denn es sollte wom­öglich das Recht jed­er Frau sein, angezün­det zu wer­den, wenn ihr halt danach ist (und zwar nur dann). — Das war jet­zt etwas unsach­lich.

Aber es passt her­vor­ra­gend zur Debat­te, denn unsach­lich ist die Wer­bekam­pagne selb­st. Bed­ingt durch die beschriebene Funk­tion­sweise der Suchver­voll­ständi­gung lässt sich so eigentlich alles bele­gen, was man gern bele­gen lassen würde. Ich habe das vorhin — natür­lich auf einem Fremdsys­tem — mal aus­pro­biert:

Google und die Männerrechte

Was uns das nun sagt? Nun, vielle­icht, dass “viele Leute suchen nach Umstand x” nichts über die Ver­bre­itung von x aus­sagt. Natür­lich befür­wortet es, belegt von der Plakatkam­pagne von “UN Woman”, die Mehrheit offen­sichtlich, dass Frauen wählen, arbeit­en, atmen, box­en (sic!), Rechte haben und Auto fahren dür­fen. Die hier­durch frei gewor­de­nen Kapaz­itäten kön­nten genutzt wer­den, um den Ver­ant­wortlichen für die Plakatkam­pagne mal zu erk­lären, wie Google eigentlich funk­tion­iert.

Das ist ja nicht so kom­pliziert.