Gifhorn. Kann man mal hin, muss man aber nicht.
Jedenfalls nicht unvorbereitet.
Manche(*) nennen es Politik.
* Piraten
Im Dezember 2011 schrieb ich bereits über das gefährliche Selbstverständnis von Linuxnutzern, die aus mir bis heute unklaren Gründen der Meinung sind, der eigenen Blödheit („oh, ein Link, gleich mal draufklicken“) begegne man nicht etwa, indem man Grundwissen über Sicherheitskonzepte lernt, sondern, indem man einfach das Betriebssystem wechselt. Linux passt schon auf, dass ich keinen Unsinn mache.
Tja.
Am Montag veröffentlichte SPIEGEL-ONLINE-Autor Frank Patalong das Ergebnis seines Selbsttests nach einem Jahr Ubuntu. Man muss nicht allzu viel über Betriebssysteme wissen, um darüber informiert zu sein, dass die Firma Canonical, die hinter Ubuntu steht, ihr Bestmögliches tut, um die Ähnlichkeiten zu anderen linuxbasierten Systemen möglichst gering zu halten. „Ubuntu = Linux“ ist also keine allzu gute Gleichung, auf der man einen solchen Artikel aufbauen sollte.
Und der Artikel ist entsprechend grauenvoll geworden.
Schon der Einleitungssatz lässt den Fachmann schief grinsen: Von „Nie wieder Viren“ ist dort die Rede. Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht dieser heise-security-Artikel von 2012, der über einen Trojanerbaukasten berichtet, der auch Linux abdecken können soll, und auch The Register warnte 2012 vor Linux-Rootkits. Wer trotz Kenntnisnahme hiervon weiterhin die Lüge verbreitet, Linux sei virenfrei und sicher, der ist ein gefährlicher Mensch, der im Zweifelsfall mittels seiner bewussten Lügen großen Schaden anrichten kann. Ich empfehle solche Menschen zu meiden.
Noch mal für Doofe (zum Beispiel Frank Patalong) zum Mitschreiben: Kein Betriebssystem ist sicher. Haben wir’s? Gut.
Weiter im Text. Warum überhaupt Linux? Nun:
Als Anfang Januar 2012 ein Trojaner meinen eigentlich gut geschützten Windows-Rechner in Sekunden unbrauchbar machte, stand ich mit dem Rücken zur Wand (…). Mein Umstieg auf Linux war also mehr als nur die Konsequenz des Virenfrusts – er war eine Notmaßnahme.
Habt ihr aufgepasst, liebe Leser? Erkennt ihr die Pointe? Gut. Weiter:
Wenn Linux läuft, dann gut. Die meisten Nutzer, die vor allem schreiben, das Internet nutzen, ein wenig Fotobearbeitung treiben und Medieninhalte abspielen, bleiben bei Linux, wenn sie sich einmal darauf eingelassen haben (…).
Das ist bei Windows, PC-BSD, Mac OS X und, meinetwegen, eComStation jetzt auch nicht unbedingt anders, aber vielleicht fehlten einfach noch ein paar Silben für die nächste Honorarstufe.
Viel umlernen muss man auch nicht, wenn man zu Ubuntu oder zum eng verwandten Mint wechselt. Die Office-Programme sind von denen in der Windows-Welt kaum zu unterscheiden, die Internetbrowser sind identisch, Grafik- und Mediensoftware funktioniert sehr ähnlich.
Wenn man von Windows zu Ubuntu (nicht Lubuntu, Xubuntu, …) wechselt, sitzt man zunächst mal ratlos und/oder (in meinem Fall) angewidert vor der grauenhaften Unity-Oberfläche:
Da muss man nicht viel umlernen, nur eben beinahe alles. Aber Feinheiten fallen nicht weiter ins Gewicht.
Dass LibreOffice und SoftMaker Office und Firefox und The GIMP unter Linux aussehen wie unter Windows, ist keine große Überraschung. Wer unter Windows allerdings Microsoft Office, Photoshop und den Internet Explorer – in den aktuellen Versionen ist er durchaus akzeptabel – einsetzt, der wird ein Problem haben. Kleinkram, nicht wahr?
Es folgt ein kurzer Absatz über Dinge, die unter Linux nerven, aber eigentlich überhaupt nicht nerven, ist ja alles nicht so schlimm; religiöse Beschwichtigungsformeln eben. Danach wird es aber wieder interessant:
Meist stellen Nutzer auch keine Lücken im Softwareangebot fest (fast 40.000 kostenfreie Programme).
Unter Windows gibt es vermutlich deutlich mehr kostenfreie Programme. Ist das ein Argument? Wahrscheinlich nicht. Aber wo kommt die Zahl her? Tja, steht da nicht. Ich unterstelle, sie ist frei erfunden. Nicht belegte Zahlen lassen stets Raum für Skepsis. (Überhaupt: Kostenlos. SoftMaker Office zum Beispiel kostet Geld, ist LibreOffice trotzdem in mancher Hinsicht klar überlegen. Qualität hat manchmal ihren Preis. Aber auch die Kostenloskultur scheint einen großen Reiz auf Linuxnutzer auszuüben, da stellt man die Qualität gern hinten an – was einiges erklärt.)
Ein positives Erlebnis ist der Performance-Zuwachs. Mit Ubuntu startet mein Arbeitslaptop rund viermal schneller als unter Windows, auf meinem Netbook fällt der Unterschied noch größer aus.
Hier hat Herr Patalong geschummelt: Ohne die Versions- oder Hardwareangaben kann diesen Test niemand widerlegen. Dass Windows 8 im Regelfall deutlich schneller startet als etwa Windows Vista (und nach meinen Erfahrungen auch Ubuntu 12.04), ist zumindest messbar.
Meine Arbeitsrechner sind über eine verschlüsselte Ubuntu-Cloud-Applikation ständig synchronisiert, Manuskripte wird mir kein Virus mehr ins digitale Nirvana befördern können.
Die Ubuntu-Cloud ist also verschlüsselt, und niemand, auch kein Geheimdienst, wird jemals darauf zugreifen können. Blinder Technikglaube hat schon manchem Menschen das Leben schwer gemacht. Eine Cloud-Applikation dient im Zweifel allein der Entmündigung ihrer Benutzer, die die Kontrolle über ihre eigenen Daten an ein kommerziell orientiertes Unternehmen abtreten. Freiwillig. Diesen Satz möge man bitte so oft lesen, bis man das flaue Gefühl der Erkenntnis verspürt. Bei einer solchen Kurzsichtigkeit ist es beinahe schon egal, dass Herr Patalong die Lüge von den fehlenden Viren nochmals wiederholt.
Vor diesem Hintergrund bekommt ein abschließender Satz eine ganz andere Sinnebene:
Das macht es zum idealen Betriebssystem für Leute, die sich als reine Nutzer verstehen, die sich mit Fragen der Software und Sicherheit nicht befassen wollen oder können.
Wer nämlich wirklich an Sicherheit interessiert ist und sich ein wenig damit beschäftigt, der wird schnell lernen, dass ein Umstieg von Windows auf Linux nur einige Symptome bekämpft, die Ursache – Leichtgläubigkeit im Umgang mit dem System – jedoch noch verschlimmert. Ansonsten schafft man es immer noch zum SPIEGEL-ONLINE-Redakteur. Auch eine Art „Karriere“.
Didi, überzeugter, zum Glück aber wenig überzeugender Linuxprediger, schrieb, Windows und seine Nutzer seien ein Problem. Ich halte dagegen: Das Problem sitzt immer vor’m Bildschirm. PEBKAC.
Aber wer gibt schon gern zu, dass er selbst das Problem ist?
Noch ein Kurzer zum Thema PiratinnenKon:
Dem geschlechtsneutralen Onlineportal BRIGITTE.de („Mode, Beauty, Figur, Frauen“ und so weiter) gab Organisatorin Christiane Schinkel ein Interview. Dort stellte sie unter anderem heraus, dass in der Piratenpartei zu viele Männer einem Konkurrenzdenken unterliegen würden, das der Gleichberechtigung im Wege stehe.
Natürlich kommt das Gespräch nicht ohne das leidige Thema „die bösen Kritiker“ aus:
(…) auf Twitter brach im Vorfeld ein heftiger Shitstorm über uns hinein. Nicht von Piraten, sondern von so genannten „Männerrechtlern“. (…) Von der „Diktatur des Feminismus“ war da die Rede, oder es wurde uns unterstellt, wir würden Männer ausschließen. Für diese Männer sind Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, ein Feindbild.
(Formatierung von mir.)
Männerrechtler sind, wie der Name schon sagt, Männer, die für ihre Rechte kämpfen. Laut Mitgliedern der – nach eigenen Angaben – geschlechterdemokratischen Heinrich-Böll-Stiftung („Heinrich Böll Stiftung“) sind sie oft rassistisch und homophob, und man müsse offensiv mit ihnen umgehen.
In den Regeln der PiratinnenKon war vor der beabsichtigten Verwässerung zu lesen:
Ich weiß, dass Wortbeiträge, die diesem Thema entgegen arbeiten oder widersprechen (z.B. Maskulinismus, Männerrechtler) auf dieser Konferenz keinen Raum erhalten werden.
Offensichtlich sind für die Frauenrechtler Männer, die für ihre Rechte kämpfen, ein Feindbild. Aber darüber schreibt BRIGITTE.de natürlich nicht.
Randnotiz: Die etwa 100 Teilnehmer an der PiratinnenKon am Wochenende machten etwa 2,5 Promille aller Piraten aus.
Sehr geehrte Visa/MasterCard,
über die Piratenpartei habe ich selbst wie auch viele andere aufgrund der unfassbar bekloppten „PiratinnenKon“ in den letzten Tagen einigen Spott ergossen. Aber die Piraten wären nicht die liebenswerten Chaoten von früher, wenn sie nicht noch eine gehörige Schippe – hoffentlich – Selbstironie draufzulegen wüssten.
Am 14. und 27. April 2013 werden – von mir an dieser Stelle, sofern zeitlich nicht unpassend, ausdrücklich empfohlene – Demonstrationen gegen die Bestandsdatenauskunft stattfinden. Hierbei ist es von Belang, dass die zuständige Regierung hiervon Kenntnis nimmt. Die Piratenpartei geht mit gutem Beispiel voran: Nicht nur ruft der niedersächsische Landesvorsitzende jeden seiner Verfolger dazu auf, sein Avatarbild auf Twitter durch den Text „DEMO 14.4. NO #BDA“ zu ersetzen, was zum Einen die einst recht übersichtliche timeline vieler Menschen kein bisschen unübersichtlicher macht, zum Anderen die Herrschenden sicherlich immens beeindrucken wird, sondern es sind auch tatsächlich sinnvolle Aktionen geplant.
Zum Beispiel eine weitere Demonstration. Eine Online-Demonstration. Per Telefonkonferenz. Heute Abend wird auftakttelefoniert:

Klar, die Piratenpartei will „Politik 2.0“ machen, frischen Wind und mehr Satire in der Politik etablieren. Die Logik dahinter verstehe ich aber noch nicht ganz. Was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, ist diese Herangehensweise: Es gehe unter anderem um digitale Daten, deshalb solle eine Demonstration ebenfalls digital stattfinden. Zugegeben, schwachsinniger Symbolprotest wie dieser hat ja Tradition, man denke nur an die Femenproteste, in deren Verlauf Frauen mit nacktem Oberkörper gegen Sexualisierung protestieren.
Aber eine Online-Demonstration? Per Mumble? Begleitet von einem Video, wie man Mumble installiert, falls irgendein Teilnahmewilliger – auf welche Weise auch immer er von der Aktion erfahren hat – noch nie so einen Kompjuter angefasst hat?! Macht die CDU etwa auch mit?
Es ist selbstverständlich nicht zu erwarten, dass jeder, der gegen die Bestandsdatenauskunft protestieren möchte, sonderlich internetaffin ist. Allein: Während der „Freiheit statt Angst“-Demonstrationen 2009 skandierte man „wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Freiheit klaut“. So ein Protestpirat wird aber auch nicht jünger. Er möchte nicht mehr laut sein, er möchte nicht einmal mehr hier sein. „To mumble“ bedeutet etwa so viel wie „Murmeln“. Das Rauschen im frischen Wind.
Aus Protest gegen die elektronische Gesundheitskarte werde ich jetzt erst mal krank. Vive la révolution!
Die außerhalb von Militär, Aktivismus und Sport seit jeher populäre These, die Jugend sei von Grund auf verdorben, zieht immer noch weite Kreise.
Ich kann ja verstehen, dass man als pars pro toto gern diejenigen als Beispiel heranzieht, die aus der Menge herausstechen. Recht häufig werde ich etwa Ohrenzeuge von Gesprächen zwischen Jugendlichen, die von jüngsten Geschehnissen berichten und jeder gleich wie öden Teilerzählung ein „vor allem, das Geilste war“ voranstellen. Fällt diese Phrase, so kann man getrost davon ausgehen, dass irgendein lahmer Pups- oder vergleichbarer Witz folgt.
Letzte Woche stand ich an einer Bushaltestelle herum, an der Namen wie „Schweigerstraße“ von ungelenker Hand mit „Till-Schweiger-Straße“ überschrieben wurden, „Linden“ etwa mit „Indien“. Um den Haltestellenpfosten mit diesen Aufschriften herum standen Leseanfänger, die (löblich!) versuchten, die Schrift zu identifizieren. Einer von ihnen stellte fest, dass das gar nicht die korrekten Namen waren, sondern dass da jemand was Falsches hingeschrieben hat. Nein, nicht jemand: „Das waren Juuuugendliche!“ (Betonung nachempfunden). Warum nur Jugendliche schwarze Leuchtstifte sowie die bierselige Laune, „Linden“ mit „Indien“ zu überschreiben, besitzen sollten, ist mir schleierhaft. Auszuschließen ist zumindest, dass es eventuell nicht allzu außergewöhnliche Frauen in ihren Zwanzigern waren, denn die wissen normaler- wie überflüssigerweise, wie man Til Schweiger richtig schreibt.
Ein anderes Beispiel: In einer hier nicht weiter bedeutsamen Kleinstadt werden gelegentlich wiederum die Glaswände einer bestimmten Bushaltestelle zerstört und/oder beschmiert. Die Stadtpfleger hatten das irgendwann dermaßen satt, dass sie einen offenen Brief aushängten, in dem sinngemäß etwa stand, dass die lieben Jugendlichen doch bitte damit aufhören sollten. Nur Jugendliche kämen auf die Idee, Glasscheiben zu zerstören!!1 Kindliche Mutproben, alkoholinduziertes Fehlverhalten vermeintlich Erwachsener? Gibt es nicht, darf es nicht geben. Das wäre doch schade um die Stereotypisierung. (Merkwürdig, dass trotzdem noch so viele von der ewigen Jugend träumen. Das Finanzamt fände das auch nicht gut.)
Nicht, dass ich ein nennenswertes Problem damit hätte, dass mir ältere Menschen immer noch mit erschrockenem Blick ausweichen, wenn ich ihnen in der Stadt entgegenkomme; nicht, dass ich ein nennenswertes Problem damit hätte, dass ich im öffentlichen Personennahverkehr meist Platz habe, um mich auszubreiten, weil ältere Mitreisende einen großen Bogen um mich machen und ihren Ehepartnern, die sie fragend ansehen, leise erklären, dass dort schon ein junger Mann sitze und man deswegen also nicht den freien Platz neben ihm einnehmen könne. Im Gegenteil, ich begrüße dies, denn es kommt meiner Freude an ausreichend Beinfreiheit oft sehr entgegen. Ebenso stört es mich nicht im Geringsten, für einen Jugendlichen gehalten zu werden. Was mich aber stört, sind Pauschalisierungen auf meine Kosten, obwohl ich diese Kosten liebend gern zahle.
Dass die Protagonisten in Werbekampagnen gegen Alkoholismus meist jugendlich sind, ist sicher auch nur Zufall.
Ich war nie so.
Allmählich lässt sich die Sonne blicken. Für seine Flüche, es möge endlich warm werden, wird sich alsbald noch so mancher Landsmann schämen.
Bis dahin: Kühle Musik aus der Schweiz.
Guten Morgen.
Zur zurzeit zu Ende gehenden, von Mitgliedsbeiträgen finanzierten „PiratinnenKon“, der, wie der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, als workshop zur gemeinschaftlichen Erfassung der Gründe, warum Feminismus total viel wichtig und Maskulismus total viel schädlich für die politischen Ziele der – ausgerechnet – Piratenpartei ist (Irrsinn), angelegt war, ist alles Nötige auf Twitter zu lesen.
Die keynote, gehalten von einer linken Feministin, handelte davon, dass, um Diskriminierung zu bekämpfen, es sinnvoll sei, selbst zu diskriminieren. Einfach mal Männer beschimpfen und – Zitat – gucken, wie sich das anfühlt. Guter Anfang.
Zwar wurde, weil auch viele denkende, feminismuskritische Menschen anwesend waren, die Diskussionsphase – das sei lobend erwähnt – wertneutral vom Miteinander in der Partei anstelle des alten Männer-Frauen-Streits beherrscht. Man bedenke: Es gibt mehr als zwei Geschlechter.
Leider blieb es nicht piratig. (Unbedingt die Kommentare lesen!)
Am Anfang der PiratinnenKon stand eine gegenseitige Huldigung der Veranstalterinnen, Danksagungen an sich selbst. Wahrscheinlich hatten sie geahnt, dass das hinterher nicht mehr geht.
Eine PiratenKon ist geplant.
Nachtrag: Ich empfehle außerdem Hadmut Danischs ausführlichen Bericht. Vorsicht: Realsatire.
Die Entwickler des Zwergenbrowsers Opera hatten vor einer Weile angekündigt, die eigene Browserengine Presto durch WebKit zu ersetzen. WebKit, eine Abspaltung des aus KDE stammenden KHTML, das als Grundlage für Konqueror diente, ist zwar auch alles andere als fehlerfrei, jedoch aufgrund der Verwendung in Safari sowie Chromium (und Google Chrome) recht verbreitet. Obendrein könne man sich, so Opera, mit dem Wechsel auf die Entwicklung des Browsers selbst konzentrieren und müsse nicht mehr so viel Energie in die Unterstützung immer neuer Webstandards stecken. (Dass man die kurzerhand entlassenen Mitarbeiter eigens für die Entwicklung der Engine eingestellt hatte, sei hier mal nicht weiter verfolgt, ist halt die Krise und so.)
Ein Rückblick: In den 1990er Jahren tobte der so genannte Browserkrieg. Das im Websegment noch vergleichsweise neue Unternehmen Microsoft hatte mit der Integration eines Webbrowsers in sein Betriebssystem Windows das Quasimonopol von Netscape, dessen Browser „Navigator“ beziehungsweise Internetsuite „Communicator“ allgegenwärtig schien, angegriffen. Netscape fand das natürlich weniger gut. Ein Ergebnis der folgenden Rechtsstreitigkeiten war es, dass Microsoft in Europa alternativ browserfreie Versionen seines Betriebssystems anbieten musste. (Und gegen die Bündelung von Chrome mit Chrome OS, gegen die Bündelung von Safari mit Apple-Systemen sagt natürlich keiner was. Google und Apple sind eben „die Guten“.) Netscape versank trotzdem in der Bedeutungslosigkeit und stellte seinen Code unter eine freie Lizenz. Nach einigen Umstrukturierungen sind daraus inzwischen SeaMonkey und Mozilla Firefox erwachsen. Die dominanten Engines waren lange Zeit Gecko (Mozilla/SeaMonkey), Trident (Microsoft) und WebKit (Google/Apple).
Nun hat Google beschlossen, sich aus der Teamarbeit mit Apple zurückzuziehen und seine eigene Engine zu entwickeln. Mit Blackjack und Nutten. Das neue Produkt soll „Blink“ heißen (alle guten Namen waren wohl schon weg), und Opera kündigte an, dass sie sich anschließen würden. Auf den einen Wechsel kommt es nun tatsächlich auch nicht mehr an. Mozilla entwickelt derweil gemeinschaftlich mit Samsung unter dem Projektnamen Servo (ich möchte meine Anmerkung zum Thema „gute Namen“ – weiter oben zu finden – hier nochmals gedanklich eingefügt wissen) ebenfalls eine neue Engine, die künftig in Firefox eingesetzt werden (und somit Gecko wohl ersetzen) soll.
Mit diesen Änderungen wird der Status Quo aber nicht verbessert, sondern verschoben. Wo Webentwickler früher den Nischenbrowser Opera berücksichtigen mussten, der sich oft ganz anders verhielt, ist es künftig der Nischenbrowser Safari, der unter Mac OS X (und – modifiziert – iOS) nach wie vor den Standard darstellt. Der künftige Status von Gecko verbleibt derweil ungeklärt, was in diesem frühen Entwicklungsstadium noch nicht weiter erstaunt. Webentwickler stehen künftig vor einem ähnlichen Problem wie bislang, nur die Prioritäten verschieben sich zwischen den Browsern.
Es ist natürlich nicht verwerflich, wenn über Jahre gereifte Software gelegentlich neu aufgebaut wird, um Altlasten rückstandsfrei entsorgen zu können. Das ist bei Betriebssystemen nicht anders als bei Browserengines. Die Lobhudeleien gegenüber Opera, dass man nun endlich keine Rücksicht mehr nehmen müsse, erscheinen mir jedoch etwas verfrüht, gerade auch wegen der unklaren Zukunft von WebKit – von dem es obendrein eine unüberschaubare Anzahl an Versionen gibt, beinahe jedes Betriebssystem und jeder unterstützte Browser hat sein „eigenes“ WebKit – und Gecko. Auch weiterhin wird es wenige dominante Browser und viele kleine Wettbewerber mit einer unter Umständen zu berücksichtigenden Anzahl an Benutzern geben. Leichter wird das Leben jedenfalls nicht.
Den Benutzer muss es zumindest nicht scheren: Ein Browser sollte stets danach ausgewählt werden, ob er den persönlichen Ansprüchen genügt. Mit welcher Technik die Webseiten angezeigt werden, ist aus Benutzerperspektive zweitrangig, so lange die Anzahl an Darstellungsfehlern überschaubar bleibt. (Die Acid-Tests geben zwar bunte Bilder und große Zahlen aus, spiegeln jedoch nicht die Realität im Web wider.)
Damals, in den 1990er Jahren, war das alles irgendwie leichter.
(Vorbemerkung: Leider ist dieser Text zu lang für Twitter. Er ist eine Antwort auf die mir dort gestellte Frage, wieso ich mich dem allgemeinen Jubel nicht anschließen möchte.)
Was mir in der medialen Berichterstattung über die Piratenpartei übrigens außer der nur mäßig gut getarnten Aversion seitens der üblichen SPIEGEL-ONLINE-Schreiberlinge, die sich auf jedem verschissenen Parteitag blicken lassen, um Skandälchen zu suchen und kleinste Unstimmigkeiten zu meterlangen Klickstrecken aufzubauschen, denen aber trotzdem kein Hausverbot erteilt wird (wir brauchen sie ja, denn wie sollen sie sonst negativ über die Partei berichten?), ziemlich missfällt, ist dieses Gewese um irgendwelche Beauftragten.
Die Piratenpartei ist als basisdemokratische Mitmachpartei konzipiert, in der jede Stimme grundsätzlich gleich viel Gewicht hat. Der Gedanke dahinter ist die Schwarmintelligenz, also die vage Hoffnung darauf, dass viele Köche den Brei nicht verderben, sondern bis nahe der Perfektion verfeinern. Nichtsdestotrotz ist irgendjemand auf die strunzdämliche Idee gekommen, Arbeitsabläufe (etwa beim Umgang mit der hofierten Presse) erleichtern zu können, indem man Beauftragungen erteilt. „Beauftragte“, dies sei kurz erläutert, sind im Wesentlichen das, was früher „Themenpiraten“ hieß: Der Vorstand der jeweiligen Gliederung, die gern „Beauftragte“ für irgendwas hätte, ernennt in Eigenregie einzelne Mitglieder zu solchen. Positiv wirkt es sich aus, wenn diese Mitglieder bereits irgendwas zum jeweiligen Thema beigetragen haben.
Und so ist – nur ein Beispiel – die ehemalige niedersächsische Spitzenkandidatin Katharina „kattascha“ Nocun als Datenschutzbeauftragte nunmehr die einzige Person, die in der Öffentlichkeit zum Thema Datenschutz befragt wird. Dass es eine aktive AG Datenschutz gibt, interessiert niemanden mehr. Auf Twitter wurde heute auf ein Radiointerview hingewiesen, in dem es um die Bestandsdatenauskunft (ein sicherlich datenschutzrelevantes Thema) gehen sollte – eingeladen war natürlich die Beauftragte. Auch sonst ist eine gewisse Monokultur zu sehen: Die Themenbeauftragte, die Themenbeauftragte, die Themenbeauftragte.
Auf meine Frage, welchen nachweisbaren Mehrwert gezielte Beauftragungen mit sich bringen, erhielt ich von keinem der Befragten bisher eine zufrieden stellende Antwort. Das ist ein bisschen schade.
Man verstehe mich nicht falsch: Es ist gut und unterstützenswert, dass es in der Piratenpartei Menschen mit Hirn gibt, die auch mal zu Wort kommen. Das hebt sie wohltuend von den meisten anderen Parteien ab. Bedauerlich ist jedoch, dass dadurch in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, das Konzept Schwarmintelligenz („Themen statt Köpfe“) sei aufgeweicht. Ich erwarte ja gar nicht, dass – nur ein Beispiel – Frau Nocun sich etwas zurückhält, denn den meisten ihrer Ausführungen kann ich zustimmen, wenngleich ich ihre Art zu reden sehr anstrengend finde. Ich würde mir jedoch wünschen, dass diese Beauftragungen den Status der impliziten Exklusivität wieder ablegen.
Was spricht dagegen, auf Interviewanfragen zum Thema Datenschutz einfach mal die AG Datenschutz zu fragen, ob es eine Konsensmeinung gibt, statt die Datenschutzbeauftragte losschnattern zu lassen? Was spricht dagegen, die Presse mit dem Arbeitsstand der Arbeitsgruppen statt mit der Einzelmeinung der Beauftragten zu konfrontieren? Die Motivation, sich aktiv einzubringen, schwindet mit sinkender Aussicht auf Relevanz des Geleisteten. Wenn absehbar ist, dass man doch nur den Sprachrohren für „sein“ Thema zuarbeiten wird, dann lässt man es vielfach ganz sein. Zuckerbrot und Peitsche.
Ich als Einzelperson distanziere mich davon, dass Beauftragte „in meinem Namen“ sprechen, denn Basisdemokratie funktioniert so nicht. Ich würde mir mehr Basis- und weniger Pressearbeit wünschen.
Leider weiß ich aber nicht, ob es bereits einen Wunschbeauftragten gibt.
Endlich tut mal jemand was gegen die Armut:
Der Weltbank-Chef Jim Yong Kim ruft die 188 Mitgliedsländer auf, im Eiltempo die extreme Armut auszurotten.
Mensch, dass darauf noch keiner gekommen ist! Danke, Herr Kim Jim Kong Weltbank-Chef!
Und wie soll das geschafft werden?
Es gehe darum, das Einkommen der ärmsten 40 Prozent eines jeden Landes zu erhöhen.
Und was muss man dafür tun?
Bedingung sei allerdings ein anhaltendes Wachstum (…). Dafür seien (…) weitere Investitionen in Bildung, öffentliche Institutionen und das Geschäftsklima notwendig.
In anderen Worten: Die Armen sollen halt was Anständiges lernen, dann klappt’s auch mit dem Einkommen. Na, zum Glück sagt uns das mal wer!
Endlich ist Karfreitag vorüber, endlich darf man wieder tanzen.
Guten Morgen.
Meine Firefox-Erweiterung OpenDownload² erfreut sich stetiger Beliebtheit. Die Benutzerbewertungen befinden sie überwiegend für essenziell, und es sei unbegreiflich, warum so eine Funktionalität nicht schon längst Teil von Firefox selbst sei. So weit der Eigenlob.
Eine Funktion, die viele Benutzer jedoch vermissten, war es, den Standard-Downloadpfad anzupassen. OpenDownload² speichert auszuführende Dateien üblicherweise in <temp>/mozOpenDownload, aber viele Benutzer würden gern ein anderes Verzeichnis wählen. Nun hat das einen großen Nachteil: OpenDownload² ist eine ziemlich reinliche Erweiterung. Dateien, die älter als einen Tag sind, werden bei jedem Klick auf „Ausführen“ automatisch entfernt. Was passiert, wenn man zum Beispiel den Desktop als Downloadordner festlegt, ist der Fantasie des Lesers überlassen.
Ich könnte diese Aufräumroutine optional machen, aber auch dann müsste der Benutzer diese Option verstehen und aktivieren – menschliches Versagen auch weiterhin nicht ausgeschlossen. Auch das „Sperren“ „wichtiger“ Verzeichnisse kommt eher nicht in Frage, da diese von System zu System variieren. Mit OpenDownload² 3.3.0 – veröffentlicht vor kurzem und bereits durch Version 3.3.1 abgelöst – bin ich einen Kompromiss eingegangen: Es ist nun nicht mehr nur möglich, sondern auch zielführend, unter about:config die Zeichenkette extensions.openDownload2.downloadPath anzulegen, die den gewünschten Downloadpfad angibt.
Warum so umständlich? Nun, about:config warnt den Benutzer beim ersten Aufruf, dass alles, was er hier ändert, nachhaltigen Schaden anrichten kann:
Ein Konfigurationsdialog ist schnell gedankenlos ausgefüllt. Wer aber diesen Umweg in Kauf nimmt, der sollte wissen, was er tut – davon gehe ich zumindest aus. „Falsche“ Pfade funktionieren zumindest nicht. Das Vorhandensein des Pfades wird von OpenDownload² überprüft.
Und wie entkommt man der Aufräumroutine? Tja, gar nicht. OpenDownload² ist kein Ersatz für einen Downloadmanager oder den normalen „Speichern“-Knopf von Firefox. Wer eine auszuführende Datei dauerhaft behalten möchte, der sollte sie auf der Festplatte speichern und manuell ausführen – das ist nur wenig mehr Aufwand. Alternativ berichtete ich im Dezember 2011 über DropIt, das Dateien stapelweise in vorgegebene Ordner verschieben kann. Als Linux- und BSD-Nutzer schreibt man sich für so etwas vermutlich eher ein Shellscript.
Zu beachten ist, dass das Verschieben natürlich erst nach dem Ausführen durchgeführt werden sollte, da OpenDownload² sonst die Datei nicht mehr finden kann und eventuell unschöne Fehlermeldungen ausgibt.
Weitere Anregungen sind willkommen.
Ob sich die Anhänger des toten Jesus überhaupt Gedanken darüber machen, was er davon hielte, wenn er nach etwa zwei Jahrtausenden wieder auf die Erde zurückkehrt und überall Bilder seines Todes hängen sieht? Bizarr, wie eigentlich alles, was die katholische Kirche eine Feier oder gar einen Festtag nennt.
Das ganze Karfreitagsbrimborium ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Trennung von Staat und Kirche (ich berichtete) dringend vollzogen gehört, wird doch immerhin selbst Nichtkatholiken das Tanzen verboten. Klar, Karfreitag ist ein stiller Tag, außer Schank- und Speisebetrieben (erlaubt nach § 6,2 NFeiertagsG) – gemeint ist wahrscheinlich eine katholische Messe – ist kein Feiern erwünscht. Auf Messen darf allerdings wahrscheinlich schon noch gesungen werden, vermutlich das Gotteslob.
Das andere ist dann diese Geschichte mit dem Lattenjuppfreitag. Da darf keiner niemals nicht in einer Kneipe eine Musik hören und schon gar nicht tanzen. Begründung: Das sei ein stiller Feiertag. Stiller Feiertag! Und wetten, dass diese “Stillen” ihre akustischen Massenvernichtungswaffen wieder baumeln lassen, bis uns das Blut die Hälse herabrinnt? Wetten?!
Pünktlich um 17:55 fing vor der Tür soeben das grenzbescheuerte Angelus-Läuten an. Natürlich: So ein katholischer Gläubiger kriegt’s halt aufgrund seines geistigen Horizonts ohne das Gebimmel nicht auf den Schirm, wie spät es ist.
Und bis zur Bundestagswahl werdet ihr sowieso wieder vergessen haben, welche Partei daran schuld ist, dass eine immer kleiner werdende Gruppe religiöser Fanatiker uns qua Gesetz den Tag vermiesen kann. Ich kenne euch doch. Und hinterher will es wieder keiner gewesen sein.