Politik
Sei Legion!

Was mir sämtliche mir aufge­fal­l­enen poli­tis­chen Demon­stra­tio­nen für die Frei­heit der let­zten Monate — ob von Pirat­en, NGOs oder irgendwelchen “Anonymous”-Gruppen organ­isiert — ja auch gezeigt haben, ist, dass die Leute vergessen haben, wofür sie gekämpft haben. Schritt 1: warte, bis sich andere aufre­gen! Schritt 2: reg’ dich auf! Schritt 3: setz’ eine Maske auf! Schritt 4: ent­fällt. Ich würde ja gern was tun, aber im Fernse­hen kommt heute Tatort. Zum Demon­stri­eren muss man ja dank Mum­ble nicht mal mehr das Haus ver­lassen.

Ihr kriegt nicht mal einen ver­schisse­nen Innen­min­is­ter aus dem Amt gejagt, obwohl er es ver­di­ent hätte wie kaum ein­er vor ihm. Wir sind das Volk, und das Volk sitzt halt gern auf dem Sofa rum. Es wird käl­ter, nicht nur draußen. Da holt man sich doch schnell eine Erkäl­tung. Aber der gute Wille zählt bekan­ntlich, er gibt euch das behagliche Gefühl, dass ihr ja kön­ntet, wenn ihr woll­tet.

Die Regierung macht das schon. Keine Sorge. Es ist alles in Ord­nung. Das Geräusch, das ihr hört, ist der nagende Zweifel. Dreht ein­fach den Fernse­her lauter.

Wann wird man je versteh’n?
Mar­lene Diet­rich

PersönlichesNerdkrams
Muskelgedächtnissenilität. / Strg+Mist!

(Vorbe­merkung: Ja, ich habe den angekündigten Nichtrück­tritt des Lim­burg­er Bischofs zur Ken­nt­nis genom­men, aber nein, ich halte jedes weit­ere Wort hierüber für zu viel Aufmerk­samkeit für jeman­den, der die Ide­ale der katholis­chen Kirche so her­vor­ra­gend repräsen­tiert wie kaum ein Zweit­er. Daher schreibe ich stattdessen was über Com­put­erkram.)

Wer meine Artikel gele­gentlich aufmerk­sam ver­fol­gt, der hat unter Umstän­den schon mit­bekom­men, dass für mich Texte­d­i­toren das sind, was für andere Autos, Smart­phones oder Schuhe sind: Ich besitze zu viele von ihnen.

Auf Servern set­ze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwen­dungs­fall), auf dem Desk­top bin ich bekan­ntlich jüngst von Sub­lime Text 3 auf Emacs umgestiegen (beziehungsweise entwerfe ich meine län­geren Texte immer noch abwech­sel­nd in einem dieser bei­den Edi­toren). Auch zwei IDEs kom­men zum Ein­satz: Eines mein­er aktuellen Pro­gram­mier­pro­jek­te bear­beite ich größ­ten­teils im Qt Cre­ator (in dem ich immer­hin einen Vim-Modus ver­wen­den kann), für ein anderes muss ich aus tech­nis­chen Grün­den Visu­al Stu­dio benutzen, für das es zwar ViEmu gibt, das aber mein Bud­get für der­lei regelmäßig deut­lich über­steigt. Dass ich nicht ein­fach für jeden Mist den gle­ichen Edi­tor ver­wende, hat ver­schiedene Gründe: Ser­ver­seit­ig benutze ich keine GUIs, was Visu­al Stu­dio von vorn­here­in auss­chließt, Emacs ist wegen sein­er Tas­tenkürzel über PuT­Ty eine Qual, Vim eignet sich für andere Zwecke her­vor­ra­gend als nano (das beim schnellen Edi­tieren ein­er län­geren HTML-Datei indes defin­i­tiv seine Stärken hat); und aber vor allem: Ich kann damit qua­si im Schlaf arbeit­en. (Mein früher­er Arbeit­ge­ber würde das mit dem Schlaf wahrschein­lich bestäti­gen.)

Nun sind die meis­ten Texte­d­i­toren Pro­gramme, deren flüs­sige Bedi­enung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Muskelgedächt­nis abhängt: Je häu­figer man ihre Tas­tenkürzel ver­wen­det, desto selb­stver­ständlich­er erfol­gt dies. Um beim Beispiel nano zu bleiben: Wenn ich eine Datei auf dem Serv­er mit nano [Datei] edi­tiere, merkt sich meine Hand, dass der näch­ste Steuer­be­fehl wahrschein­lich Strg‑O Strg‑X (Spe­ich­ern und Schließen) sein wird, und führt diesen qua­si unbe­merkt aus.

Blöder­weise haben nano, Vim, Emacs und nor­male IDEs die Eigen­schaft, völ­lig unter­schiedliche Tas­tenkürzel zu unter­stützen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist — außer in nano — irgend­wie nachrüsten, und möglicher­weise sind auch die Emacs-Tas­tenkürzel sozusagen Gewöh­nungssache (Mac OS X, mit dem ich mit­tler­weile mein Geld ver­di­enen darf, ver­wen­det sie immer­hin auch, dafür hat’s wed­er eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kom­pliziert wird es allerd­ings dann, wenn man — wie ich — häu­figer zwis­chen den Edi­toren wech­selt. Ein ein­fach­es Beispiel: Ich möchte eine Datei spe­ich­ern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und über­all anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phänomen von Open Source: Ergonomis­che Gesicht­spunk­te wer­den kon­sis­ten­ter Bedi­enung in der Regel über­ge­ord­net. Zugegeben: Bei Uni­ty bin ich mir da nicht so sich­er.)

Mein Muskelgedächt­nis mag das aber gar nicht.

Ein­mal antrainierte Tas­tenkom­bi­na­tio­nen bleiben blöder­weise auch beim Wech­sel zwis­chen ähn­lichen Pro­gram­men “gespe­ichert”. Dass Emacs (jeden­falls in mein­er Kon­fig­u­ra­tion) wed­er Strg‑O noch Strg‑S zum Spe­ich­ern von Dateien ver­ste­ht, vergesse ich immer wieder; ger­ade nach ein­er län­geren Sitzung in anderen Pro­gram­men, die eine dieser Kom­bi­na­tio­nen ver­wen­den, braucht das Muskelgedächt­nis eine Weile, um zu bemerken, dass es nun wieder die anderen Befehle braucht. (Dann geht es aber wieder wie von selb­st). Mit steigen­der Nutzungs­dauer (und Edi­toren­zahl) wird das im Übri­gen auch nicht leichter, ganz im Gegen­teil.

Mögliche Lösun­gen? Entwed­er sollte ich jeden Edi­tor, bei dem das möglich ist, auf die Vim-Bele­gung umstellen (das nano-Prob­lem bliebe beste­hen und Emacs ver­löre trotz der Annehm­lichkeit­en von 3cw und der­gle­ichen manche pro­duk­tiv­itätssteigernde Beson­der­heit, somit wäre das nicht aus­re­ichend prak­tik­a­bel) oder ein paar Edi­toren aus meinem Fun­dus ent­fer­nen. Ein geeigneter Kan­di­dat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbi­eten würde sich ein lokal instal­liertes Emacs, mit­tels dessen ich (wegen der inte­gri­erten her­vor­ra­gen­den SSH-Unter­stützung) das oben beschriebene PuT­Ty-Prob­lem ele­gant umge­hen kön­nte. Das Prob­lem daran? Unter Win­dows weigert sich der SSH-Modus (tramp-mode) behar­rlich zu funk­tion­ieren, außer “Emacs hängt sich auf” passiert da nicht viel. Wahrschein­lich ist das ein Prob­lem, das sich über einen ein­fachen Kon­fig­u­ra­tion­sein­trag lösen ließe, allerd­ings fehlt mir dafür ger­ade die nötige Muße.

Vielle­icht sollte ich ein­fach zukün­ftig nur noch Win­dows-Serv­er ein­set­zen. Da kann ich wenig­stens rumk­lick­en.


Neues aus der Net­zwelt: Iso­Hunt muss schließen. Wie schon seit vie­len Jahren sind wir eMule- und aMule-Nutzer nicht davon betrof­fen, weil wir schlicht keine Web­seit­en, Linkpor­tale, Such­maschi­nen und Web­brows­er brauchen, um zu find­en, was wir brauchen.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Schauspiel und Kunst. / Ich gründe aus Versehen eine Religion.

Die deutsche Aus­gabe der Huff­in­g­ton Post, die Qual­ität­sautoren wie Boris Beck­er in ihren Rei­hen hat, wird auf Twit­ter schon so aus­führlich und genussvoll zum Abfall erk­lärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein diesen Text — irgend­was mit Sin­n­find­ung, die hier wohl selb­st vergebens wäre — tät’ ich dann zwecks Anschau­ung doch dann gern mal weit­erempfehlen.


Ein ganz anderes The­ma ist ja auch viel inter­es­san­ter. Eine Bekan­nte wies mich heute auf einen ihr bis dahin unbekan­nten Film hin, den sie zu sehen beab­sichtigte; dies nicht etwa auf­grund nen­nenswert­er Hand­lung, son­dern weil eine Schaus­pielerin, die sie sehr schätze, Teil der Beset­zung sei und der Film somit wahrschein­lich gar nicht schlecht sein könne. Das ist ziem­lich skur­ril. Zwar gibt und gab es Filmkün­stler, die in ein­er bes­timmten Phase ihrer Kar­riere aus­nahm­s­los her­vor­ra­gende Werke her­vorge­bracht haben (Woody Allen und Luis Buñuel gehören dazu), dies lag aber nicht an den beteiligten Per­so­n­en selb­st, son­dern am Zusam­men­spiel der­er Fähigkeit­en mit dem jew­eili­gen Drehbuch. Man stelle sich ein­mal Woody Allens “Der Stadt­neu­rotik­er” mit Til Schweiger in der Haup­trol­le vor, um das Prob­lem zu begreifen.

Schaus­piel­er wer­den oft als “Gesicht des Films” missver­standen, in dem sie agieren. Tat­säch­lich aber zeich­net einen guten Schaus­piel­er, wenn es nicht ger­ade um Slap­stick­komö­di­en geht, aus, dass er eben nicht als er selb­st auf­fällt, son­dern dem Zuschauer das Gefühl realen Geschehens im Bei­sein Unbekan­nter ver­mit­telt. Insofern ist sog­ar Helge “Adolf” Schnei­der ein besser­er Schaus­piel­er als zum Beispiel, ich erwäh­nte ihn bere­its, Til Schweiger. Ich würde niemals einen Film nur deshalb anse­hen, weil ich einen der Schaus­piel­er mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab entstiege und sich entschlösse, von nun an Liebesro­mane zu ver­fil­men, würde ich das allen­falls mit gerümpfter Nase und krauser Stirn zur Ken­nt­nis nehmen und mich nicht umge­hend ins Kino begeben. Das wäre mir unan­genehm.

Eigentlich, so fuhr die Bekan­nte fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut diese Schaus­pielerin denn ihre Rolle erfülle, denn sie sei im wahren Leben hüb­sch und sym­pa­thisch, was schon vol­lkom­men genüge, um einen entsprechen­den Film zu schätzen zu wis­sen. Mein Ein­wand, sie habe ver­mut­lich nie ein Wort mit dieser Schaus­pielerin gewech­selt, been­dete den Dia­log lei­der unsan­ft, bevor ich weit­ere Ken­nt­nisse daraus gewin­nen kon­nte.

Zu mein­er Zeit waren Filme ja noch wegen der Hand­lung inter­es­sant.


In der Blo­gosphäre wird momen­tan rege eines dieser so genan­nten “Stöckchen” weit­erg­ere­icht, also eine Samm­lung von Fra­gen, die man nach der Beant­wor­tung einem anderen Blog­ger weit­er­leit­et. Die ursprünglichen Fra­gen stam­men vom BR und richt­en sich an die Net­zge­meinde. Höh­len­malereige­meinde my ass. Es geht um die Gretchen­frage, wie das Netz es eigentlich so halte mit der Reli­gion, und während ich noch nicht davon überzeugt bin, dass diejeni­gen, die sich selb­st als Nerd­blog­ger betra­cht­en (kön­nten) und lustige 1337-Fake-sonst­wie-Domains benutzen, irgen­dein­er retro­vertierten Weltan­schau­ung viel abgewin­nen kön­nen und das Konzept eines devoten Glaubens im freien Netz unge­fähr so inter­es­sant find­en wie den BR, würde ich auf eine der gestell­ten Fra­gen unge­fragter­weise doch gern etwas näher einge­hen (die anderen sind mir zu doof oder wur­den im ver­link­ten Blog schon aus­führlich genug zur Ken­nt­nis genom­men), näm­lich gle­ich die erste:

Woran glaubt die Net­zge­meinde?

Ich würde ja sagen, ich glaube an den men­schlichen Ver­stand, aber ich kenne Twit­ter. Was ste­ht uns wohl über­wiegend lib­eralen, tech­nikbegeis­terten Frei­denkern denn so an Reli­gio­nen abseits der­jeni­gen Reli­gio­nen, für die sich der Unter­schied zwis­chen Leben und Glauben nur in Form irgendwelch­er absur­den Rit­uale man­i­festiert, zur Ver­fü­gung? Ich bin ein großer Anhänger der Church of Satan, da sie einen ratio­nalen, unaufgeregten Lebensstil predigt, und ich bin dur­chaus (von ihr selb­st völ­lig unab­hängig) ver­sucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wiederum eben­so wenig eine Sache des Glaubens wie es meine Übere­in­stim­mungen mit den anderen größeren Reli­gio­nen sind. “Du sollst nicht töten” ist ein dur­chaus vernün­ftiges Gebot, der Glaube dahin­ter mit dem welt­frem­den Bild (beziehungsweise eben Nicht­bild) von einem Schöpfer­gott, der uns irgend­wann alle ins Fege­feuer wer­fen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit meinem Selb­stver­ständ­nis als denk­ender Men­sch vere­in­bar. Es gilt also zur wahrheits­gemäßen Beant­wor­tung der Frage alter­na­tive Glaubens­ge­mein­schaften her­anzuziehen.

Die Church of Revenge­day? “Wir glauben an das Inter­net” bzw. an “wis­sen wir selb­st nicht”, ja, das klingt nach einem typ­is­chen Inter­net­nutzer, aber seinen virtuellen Leben­sraum zur Reli­gion zu erheben halte ich für gefährlich, mit dem Netz wird auch ohne Reli­gion­ssta­tus schon genug Schind­lud­er betrieben. Mein Bett ist ja auch keine Reli­gion. Passt dann eine dieser Inter­ne­tre­li­gio­nen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Fliegen­den Spaghet­ti­mon­ster? An sich inter­es­sant, aber einige der acht “Gebote” dieser Reli­gion bere­it­en mir gehöriges Kopfzer­brechen, schon wegen ihrer links­fem­i­nis­tis­chen Aus­rich­tung. Eine Reli­gion ist doch keine Partei, her­rje.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Disko­r­dian­is­mus. Eine zweifels­frei inter­es­sante Idee, die aber in ihren Grundzü­gen nichts anderes als “Denke selb­st!” besagt — das ist wahrschein­lich nicht das, was mit der Frage gemeint war. Eines allerd­ings gefällt mir schon, näm­lich der Teil mit dem disko­r­dian­is­chen Papst. Ich exkom­mu­niziere in mein­er Eigen­schaft als unfehlbar­er Papst euch alle­samt hier­mit eben­so wie mich und damit ist die Sache dann auch erledigt. Da kommt der Kopimis­mus der Net­zge­meinde schon eher ent­ge­gen, der Glaube an File­shar­ing, mithin an die Ehrwürdigkeit sozialen Teilens (zum Beispiel von Musik). Wiederum ist dies aber eine Reli­gion, deren Zusam­men­hang zum all­ge­meinen Glaubens­be­griff ich nicht ver­ste­he. “Ich glaube an File­shar­ing” ist wie “ich glaube ans Einkaufen”. Habe ich jet­zt verse­hentlich den Shop­pis­mus ins Leben gerufen? Gedenkt mein­er dere­inst als Papst der Lehre von Rewe, Ama­zon und Sat­urn!

Nein, die Net­zge­meinde glaubt eigentlich nur daran, dass sie als homo­gene Ein­heit lediglich ein Hirnge­spinst schlechter und offen­bar über­bezahlter (weil über­mo­tiviert­er) “Jour­nal­is­ten” von öffentlich-rechtlich­er Gnade ist. Der Glaube war in dun­klen Zeit­en stets eine Zuflucht für Men­schen, die keine Hoff­nung mehr zu find­en ver­mocht­en. Was das Netz bet­rifft, bleibt insofern zu kon­sta­tieren: Gott ist tot. Wir machen uns jet­zt unsere eige­nen Göt­ter (“A‑Blogger”) und lassen sie im Fernse­hen und auf Twit­ter dumme Dinge sagen, die dann trotz­dem als unsere Mei­n­ung dargestellt und von den Poli­tik­ern nichts­destoweniger vol­lkom­men ignori­ert wer­den. Was näm­lich will die Net­zge­meinde? Erst mal Sascha Lobo fra­gen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Datenschutz ist schlimmer als Hitler!

Die Daten­samm­lerindus­trie hat jet­zt ihren eige­nen “God­win”:

‘Ein Optout entspräche nach unser­er Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urhe­ber die vom Geset­zge­ber zuge­s­tandene, angemessene Vergü­tung für ihre Werke erhal­ten.’ „

Genau! Wer auf die Wahrung seines Rechts auf Daten­schutz im deutschen Inter­net pocht, ist schuld, wenn die Urhe­ber ver­hungern!

Einsper­ren, alle einsper­ren!
unbekan­nter Inter­net­nutzer

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Pleite? Einfach mehr Geld dazuerfinden!

Ärg­er­lich:

In der Krise um die Erhöhung der Schulde­nober­gren­ze der USA ste­ht eine Lösung unmit­tel­bar bevor. Führende Demokrat­en und Repub­likan­er im Sen­at haben eine Eini­gung erzielt.

Diese “Eini­gung”, dieser Kom­pro­miss gar, gestal­tet sich wie fol­gt:

Der Repub­likan­er John Boehn­er, der Sprech­er des Repräsen­tan­ten­haus­es, ges­tand die Nieder­lage ein. (…) Er werde die Repub­likan­er ermuti­gen, für das Gesetz zu stim­men. Es gebe keinen Grund, mit Nein zu stim­men.

“Eini­gun­gen” in den USA: Eine Partei stampft so lange mit einem Fuß auf, bis der Fuß kaputt ist. Dann nimmt sie den anderen. Woher wir das ken­nen? Natür­lich von den gescheit­erten Kohl‑, äh, Koali­tionsver­hand­lun­gen zwis­chen den Grü­nen und den bei­den schwarzen Parteien; nur dass in diesem Fall nicht der schwarze Fuß es war, der kaputtging, son­dern die Grü­nen waren es. Das Stampfen war jeden­falls recht überzeu­gend.

Um was für ein Gesetz geht es eigentlich? Es geht darum, dieses Szenario abzuwen­den:

Wird die Schulde­nober­gren­ze von derzeit 16,7 Bil­lio­nen Dol­lar nicht ange­hoben, dro­ht ab mor­gen die Zahlung­sun­fähigkeit.

Die USA haben fast 16,7 Bil­lio­nen (16.700.000.000.000) US-Dol­lar Schulden ange­häuft, mehr dür­fen sie nicht, und ihre Lösung lautet nicht etwa, unrentable Aus­gaben (NSA, Mil­itär, Staat­spräsi­den­te­namt) einzustellen, son­dern den Punkt mit dem “Dür­fen” neu zu konzip­ieren. Wäre Hans-Wern­er Sinn US-Amerikan­er, er würde ein empörtes Inter­view geben.

Entschuldigt mich dann mor­gen mal. Ich muss zur Bank — ich habe eine Eini­gung zu erzie­len.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückeNerdkramsMir wird geschlecht
Computerfeminismus

Warum ich Libre­Of­fice trotz (oder wegen?) der fehlen­den Cloud­funk­tio­nen auch Microsoft Office 2013 immer noch vorziehe?

Es gen­dert nicht.

Word 2013 gendert

(Hier ist Microsoft ein Fehler unter­laufen, natür­lich heißt es “einem/r Dokument/in”. Na, vielle­icht mit dem näch­sten Update.)


Apro­pos Fem­i­nis­mus: Was kann man mit ein­er Socke so alles anstellen? Klar: Men­stru­ieren!

(via Nachtwächter)

Sonstiges
Medienkritik LXXXII: Das kann auch jedem anderen Internetnutzer passieren.

Mike hat die dieswöchige Aus­gabe des SPIEGEL der­art überzeu­gend gele­sen, dass ich nicht umhin kam, mir die dig­i­tale Aus­gabe auch mal zu, nun ja, besor­gen, und zwar wegen eines einzi­gen Artikels. Dieser Artikel trägt die Über­schrift “Der Tag, an dem ich schwul wurde” und beschreibt einen Selb­stver­such des SPIEGEL-Mitar­beit­ers Uwe Buse — hihi -, der ein paar White-Hat-“Hacker” (infla­tionär ver­wen­dete Berufs­beze­ich­nun­gen genieße ich bevorzugt mit Vor­sicht) auf die Frage ange­set­zt hat, was für Möglichkeit­en sich so ergeben, wenn man vollen — auch physis­chen — Zugriff auf fremde Hard­ware erhält.

Das macht der inves­tiga­tive SPIEGEL-Men­sch dann etwa so:

Zwis­chen uns auf dem Tisch liegen ein Lap­top und ein Handy. Auf bei­de Geräte haben meine Hack­er Spi­onage­pro­gramme geschleust (…).

So funk­tion­iert die Infek­tion in freier Wild­bahn: Drückt den Bösewichtern eure Hard­ware in die Hand und geht mal für eine Weile aus dem Zim­mer. :D

Dabei hat er doch so schön vorge­sorgt:

Der Viren­scan­ner des Lap­tops meldet: Dieser Rech­n­er ist viren­frei.

Und was die “Hack­er” da nicht so alles Span­nen­des her­aus­find­en!

Nach­dem die Hack­er auch meine E‑Mails durch­forstet haben, wis­sen sie, dass ich ver­heiratet bin, zwei Kinder habe, eine Tochter und einen Sohn, der noch in den Kinder­garten geht. Meine Hack­er ken­nen den Namen mein­er Frau, Bir­git.

Manche müssen dafür Her­rn Bus­es Mails lesen, andere nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die “Hack­er” son­st so tun? Sie besor­gen sich Ama­zon- und Google-Pass­wörter und guck­en mal hinein. Das sei aber auch nicht weit­er schw­er:

Den Hack­ern wer­den all diese Infor­ma­tio­nen auf sehr kom­fort­able Weise geliefert. Es ist kaum Experten­wis­sen von­nöten.

Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man offen­bar auch nicht viel wis­sen. Eine steile Kar­riere ste­ht so jedem Men­schen offen, der lei­dlich gut lesen und schreiben kann. Wenn da nur nicht der Ekelfak­tor wäre!

Zumin­d­est hat sich der Autor ein paar höfliche “Hack­er” aus­ge­sucht, die vorher nach­fra­gen:

Meine Hack­er lassen mich wis­sen, dass sie mir nun noch Kinder­pornos auf den Rech­n­er schieben kön­nen, danach kön­nten sie die Polizei alarmieren. Ich bitte sie drin­gend, von dieser Idee Abstand zu nehmen.

Schade, vielle­icht wäre der Artikel dann doch noch was gewor­den.

Gibt es eine Moral von der Geschichte? Klar:

Um kün­ftig bess­er auf solche Angriffe vor­bere­it­et zu sein, frage ich meine Hack­er ein paar Tage später, wie ich mich schützen kann. (…) Keine Win­dows-Rech­n­er mehr benutzen, sagen sie, son­dern Lin­ux als Betrieb­ssys­tem. Soft­ware-Updates immer instal­lieren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scan­ner.

Lin­ux, nicht erst seit 2003 ein bequemes Angriff­sziel von Schuften, sieht so ein “Hack­er” natür­lich beson­ders gern auf frem­den Geräten. Da hil­ft auch nicht, dass die im Artikel ver­wen­dete Mal­ware namens Mobis­tealth “für Android, nicht für Lin­ux” — das lasse ich der Däm­lichkeit wegen ein­fach mal als Zitat ste­hen — ver­füg­bar ist. Und Viren­scan­ner (“Viren-Scan­ner”)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rech­n­er anfangs viren­frei nan­nte.

Der SPIEGEL hat im Print­res­sort halt nicht so fähige Autoren wie Frank Pat­a­long.

Montagsmusik
Die Goldenen Zitronen — Scheinwerfer und Lautsprecher

Worüber man sich ja auch mal wieder aufre­gen kön­nte:

Die Gold­e­nen Zitro­nen — Schein­wer­fer und Laut­sprech­er

Vielle­icht will ich auch nicht andauernd begrüßt wer­den! Ich will auch nicht ständig, dass man mir grat­uliert, ich will auch nichts gewon­nen haben! Ich will auch keinen Vor­sprung haben! Ich möchte nicht, dass man mir meine Vorteile aufzählt! Ich will auch nicht mit Gele­gen­heit­en in Ver­legen­heit gebracht wer­den! Ich will auch nicht meine Ruhe haben — ich will in Ruhe gelassen wer­den!

Was bleibt, ist Res­ig­na­tion.

Guten Mor­gen.

PersönlichesNerdkramsMir wird geschlecht
Eine ganze Wikipedia voller Manipulatoren

Eine der lustigeren Beschimp­fun­gen, die mir im Laufe mein­er Kar­riere als Inter­net­nutzer bish­er so ent­ge­gengeschleud­ert wur­den, ist übri­gens Manip­u­la­tor.

Was war passiert? Ich hat­te es nach aus­führlich­er Diskus­sion mit anderen Autoren gewagt, den von ver­schiede­nen Quellen als ten­den­z­iös und den Radikalfem­i­nis­mus (zur Bedeu­tung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) ver­harm­losenden Wikipedi­aar­tikel über Fem­i­nis­mus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Tren­nung zwis­chen “dem Fem­i­nis­mus” — den es als homo­genes Kon­strukt nicht gibt — und den ver­schiede­nen sex­is­tis­chen bis gemäßigten Strö­mungen des­sel­ben vorn­immt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twit­ter, der Manip­u­la­tion bezichtigt.

Da ken­nen sie eben keinen Spaß, die Ver­fechter der neuen Offen­heit: Frei­heit ist super, aber sie möge nur dem eige­nen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neu­tralen Anstrich zu ver­passen ver­sucht, ist kein Wikipedi­aau­tor, son­dern ein Manip­u­la­tor (ach, nein: ein Möchte­gern-Manip­u­la­tor, was dann sog­ar dop­pelt Käse ist), als han­dele es sich um jeman­den, der wider­rechtlich in die Wikipedi­adaten­bank einge­brochen ist und da uner­laubt herumedi­tiert hat.

Inter­es­santes Gedanken­spiel: Wenn das Edi­tieren von Tex­ten, um deren Bear­beitung aus­drück­lich gebeten wird, bere­its mit Manip­u­la­tion gle­ichge­set­zt wird, wie schlimm muss es erst um freie Soft­ware bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Soft­ware also keinen Code mehr bei, man manip­uliert an Soft­ware herum. Wer es wagt, Codeän­derun­gen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jew­eili­gen Pro­gramms gefall­en, ist manip­u­la­tiv.

Ich schlage zur besseren Tren­nung zwis­chen guter und bös­er Manip­u­la­tion an dieser Stelle das Wort “wikip­u­la­tiv” neb­st Dek­li­na­tion und Ableitun­gen vor. Den Vor­wurf, wikip­u­la­tiv zu sein, lasse ich mir zumin­d­est gern gefall­en.

PolitikIn den Nachrichten
Normalitätsgebot

Am 30. Juni veröf­fentlichte Peter Welcher­ing einen Artikel, der gestern auch den Medi­en aufge­fall­en ist. Er beschreibt aktuelle Meth­o­d­en zur Ver­brechen­spräven­tion anhand von Algo­rith­men, die mich wirk­lich überzeu­gen:

Ein­mal kann man den Com­put­er ein­fach eine Szene, einen Platz ein­fach beobacht­en lassen und dann lernt er selb­st, was Nor­mal­ität ist, also die Men­schen bewe­gen sich ger­ade vom Einkauf­szen­trum zum Bahn­hof oder so. Und der Com­put­er lernt, was diese Nor­mal­ität ist. Und dann kann abwe­ichen­des Ver­hal­ten erkan­nt wer­den, automa­tisiert.

Da wir ja alle wis­sen, dass Nichtkrim­inelle sich grund­sät­zlich nor­mal bewe­gen, ist die Hälfte des Prob­lems schon mal gelöst. Jet­zt müssen wir nur noch hof­fen, dass Ter­ror­is­ten gemein­sam einen Kodex erar­beit­en, der vorschreibt, sich auf öffentlichen Plätzen unnor­mal zu bewe­gen, und die Welt ist ein für alle­mal sich­er. Wenn wir das nur vor zwölf Jahren schon gewusst hät­ten!

Na, hin­ter­her ist man klüger.

Musikkritik
Continental — All A Man Can Do

Zur Vorgeschichte bitte hier ent­lang.


Continental - All A Man Can DoAn manchem kommt man ja doch nicht ein­fach vor­bei. An Verkehrsun­fällen, an Explo­sio­nen und an CDs, die seit mehreren Wochen ungeduldig neben dem Lap­top liegen und darauf warten, dass man sich endlich mal mit ihnen beschäftigt. Ich gebe nun nach und widme mich mal diesem Album, Felix wird’s freuen.

Con­ti­nen­tal also, irgend­wie aus dem Dun­stkreis der Drop­kick Mur­phys emporgestiegen, mis­chen, so behauptet’s der Pres­se­text, “ehrlich­es Song­writ­ing mit eingängi­gen Melo­di­en, die sich irgend­wo zwis­chen Blues, Folk, Coun­try und dem Spir­it der 77-Punk Ära (sic!) bewe­gen”. Eigentlich kön­nte man den Gen­re­quark ja ganz weglassen, aber dann wird der Zettel halt nicht voll. (Im Aus­land wird “All A Man Can Do” übri­gens mit einem noch hässlicheren Cover­bild verkauft.) Auf einem beigelegten Foto der Band sind Vater und Sohn Bar­ton zu sehen. Schlagzeuger Tom Maza­lews­ki bleibt eben­so unsicht­bar wie die sechs Gast­musik­er, von denen ich keinen einzi­gen namentlich kenne. Wie klis­chee­haft!

Klis­chee­haft sind zumin­d­est nicht die Texte zur Musik. Keine Coun­try­texte, nichts mit Kühen. Ein Glück! Einzig “Hey Baby” erfüllt mit der rel­a­tiv­en Kürze seines Texts und dessen Inhalt alle Voraus­set­zun­gen, dass man es sich eben­so gut von einem anderen Musik­er vorstellen kön­nte. Zum Beispiel Elvis.

One minute I feel alright, next minute I don’t feel alright;
hey baby, would you say, I’m doing a‑OK?
Hey Baby

Aber zur Musik. Die geht recht klis­chee­los, äh, los: “Curi­ous Spell”, sozusagen eine Eigen­cov­erver­sion Rick Bar­tons, begin­nt mit 80er-Ärzte-Gitarre, bekommt einen beschle­u­nigten Refrain drübergestülpt und ist son­st nicht weit­er schlimm. Ich möchte pos­i­tiv erwäh­nen, dass mir der Gesang der bei­den Bar­tons erfrischend wenig auf den Sack geht. Das ist ja dur­chaus nicht selb­stver­ständlich. (Neben­bei bemerkt finde ich es immer ein wenig niedlich, wie es klingt, wenn man einen ganzen Satz auf dem Wort “shit” betont, was auch hier passiert. Ha, ich bin so unanständig. Shit, hihi. Her­rje.)

Näch­stes Lied: “Shine”. Schon bess­er, keine Coun­try­popgi­tarre mehr als Intro. Erin­nert mich ein biss­chen an die Blues­rockscheiben im väter­lichen Besitz. Solide, mit “aaaaaahhhhh”-Hintergrundgesang in der bridge. Na ja, sagen wir, ich hab schon Schlechteres gehört. “Down­town Lounge”: Erin­nert mich an die frühen Rolling Stones, etwas ener­getis­ch­er vielle­icht, aber der Text (“All I want is some­day to be next to you”) ist blöde. Was mir hier im Übri­gen auch auf­fällt, sind die textlichen Wieder­hol­un­gen, die “All A Man Can Do” wie ein rot­er Faden durchziehen. Das Ende vom Lied? Ein­fach noch mal den Anfang hören. Das ist mal zwis­chen­durch in Ord­nung, aber nutzt sich irgend­wann dann schon ein biss­chen ab, spätestens jet­zt. “Red”: Je länger ich dieses Album höre, desto deut­lich­er wird die klan­gliche Nähe zu den Rolling Stones (dies­mal allerd­ings zu den etwas neueren). Warum ste­hen solche Ver­gle­iche, mit denen der lei­dende Rezensent sich eher anfre­un­den kann als mit Coun­tryscheiße, nie auf Wer­bezetteln?

Ich mag nun nicht jedes einzelne Lied sep­a­rat besprechen, mit steigen­der Spiel­d­auer pen­delt sich “All A Man Can Do” offen­bar bei erwäh­n­tem Blues­rock ein, der Coun­try traut sich nach dem ersten Lied nur sel­ten (beson­ders schreck­lich in “Wreck­ing Ball”) allzu auf­dringlich raus. Gravierende Aus­fälle gibt es außer “Hey Baby” (das auch musikalisch vol­lkom­men unin­ter­es­sant ist) nicht, lobend erwäh­nen möchte ich allerd­ings noch das recht eingängige “Dog­fight” und das abschließende “Mon­day Morn­ing”, das mit Hard-Rock-Refrain und ‑Gitarre aufwartet. Davon hätte ich mir auf den Album etwas mehr gewün­scht.

Mein Faz­it? Tja nun: Folk und “77-Punk” suche ich vergebens, der Coun­try erfüllt aber auch trotz der Ankündi­gun­gen eher eine Feigen­blat­t­funk­tion. Es hätte also schlim­mer kom­men kön­nen. Ich betra­chte “All A Man Can Do” aus der Per­spek­tive eines Musikhör­ers, der nor­maler­weise eher zu Gen­tle Giant, Yes, The Dillinger Escape Plan und King Crim­son als zu Papas Blues­rock­plat­ten greift, daher möge man mir nach­se­hen, wenn mein Jubel sich in Gren­zen hält. Als ein solch­er bin ich zumin­d­est pos­i­tiv über­rascht. Wer so Blues­rockzeug (und die Rolling Stones in ihren unex­per­i­mentellen Phasen) mag, der sollte mal nach­se­hen, ob er irgend­wo rein­hören kann. Die ein­schlägi­gen Rein­hör­web­seit­en bleiben stumm, auch Spo­ti­fy weiß nahezu keinen Rat. (Das, freilich, ver­mag nicht zu über­raschen.)

Damit wäre das auch erledigt.

Sonstiges
Medienkritik LXXXI: Mein lieber Scholli! “Jolie” und der tägliche Penis.

Erin­nert ihr euch noch an die “Jolie”, das Mode- und Tratschkäse­blatt, das ich let­ztes Jahr schon mal verse­hentlich gele­sen habe? Jet­zt ist mir dieses Mal­heur bei der Novem­ber­aus­gabe 2013 (ist ja schon Anfang Okto­ber, da wird’s Zeit) doch glatt ein zweites Mal passiert!

Angesichts dieser Titelgeschichte mag man mir das allerd­ings auch verzei­hen:

Jolie-11-13

“Ein typ­is­ch­er Tag im Leben eines Penis” wird also in dieser Aus­gabe — natür­lich aus der Sicht ein­er Frau — beschrieben. Zum Glück wis­sen wir, dass Sex­is­mus gegen Män­ner nicht existiert, son­st wäre ich ern­sthaft ver­wun­dert; auch wegen der Leser­briefe: Eine Leserin schreibt, ihr Blick sei in der vorheri­gen Aus­gabe an “sexy Dav­ey”, einem oberkör­per­freien Muskel­protz, hän­gen geblieben, und es sei “schade”, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärg­er­nis, dass nicht jed­er Schön­ling bere­it ist, eure Fleis­ches­lust zu stillen.

Nack­te männliche Oberkör­p­er laden offen­bar dazu ein, die Män­ner auf’s Kör­per­liche zu reduzieren. Wenn die Män­ner allerd­ings nicht den gängi­gen Schön­heit­side­alen entsprechen, sollen sie lieber ange­zo­gen bleiben, son­st sind sie eklige Sex­is­ten und dür­fen nicht mehr öffentlich Schlagzeug spie­len. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’re all being sex­ist here.

Aber wir waren ja beim The­ma “ein Tag im Leben eines Penis”, und ohne darüber zu sin­nieren, ob es nicht “eines Peniss­es” heißen müsste (denn von Leuten, die für die “Jolie” mit “6 sexy Frisuren Trends” schreiben, ist kein gepflegter Umgang mit der deutschen Sprache mehr zu erwarten), nehme ich euch gle­ich eine Über­raschung: Es ste­ht genau das darin, was ihr ver­mutet.

Dabei sind Stellen wie diese hier (8:45 Uhr) noch nicht ein­mal das Schlimm­ste:

Da benei­de ich meine weib­lichen Kol­le­gen, die haben ihre Eier IM Kör­p­er, wie sich das gehört. Nur wir müssen uns mit diesem anhänglichen, nut­zlosen Miss­geschick der Evo­lu­tion herum­schla­gen.

Dafür haben Män­ner nor­maler­weise keine Brüste, ätsch. Aber dieser Penis­pro­tag­o­nist meck­ert nicht nur, er freut sich dur­chaus auch über die Annehm­lichkeit­en in seinem Leben:

(15:20 Uhr) Hur­raaaa! TITTEN!!!

Die gibt’s natür­lich nicht immer:

(19:00 Uhr) Hätte ich Hände, würde ich eher mich selb­st reiben. 24 Stun­den am Tag, sieben Tage die Woche.

So ein Tage­buch ist ohne eine ordentliche Sexszene natür­lich nicht voll­ständig; die fol­gt um 23:20 Uhr:

Oh, Vor­sicht mit den Zäh­nen, Prinzessin. Ja, so ist es bess­er. Oh ja. Ja. Genau so. Mmm­mm. Jaaa. (usw.)

Im “Intro” zur Rubrik “Pssst …!”, in der es um “Liebe, Lust, Leben” geht, wird erk­lärt:

Neu­rowis­senschaftler (…) haben ent­deckt, dass Müdigkeit durch die Auss­chüt­tung des Glück­shormons Sero­tonin verur­sacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gäh­nen — Haupt­sache hap­py!

Das Gäh­nen, das mich ger­ade überkommt, hat also nichts damit zu tun, dass die “Jolie” ein furcht­bar ödes Groschen­heftchen ist. Sie macht mich nur total fröh­lich. Schön, dass das gek­lärt ist.


Laut dieser Aus­gabe der “Jolie” ist Top­mod­el Miran­da Kerr (“Hochkaräter der Mod­el­szene”, jolie.de, 19. August 2013; “die schöne Aus­tralierin”, jolie.de, Anfang 2013; “die stylis­chste Mut­ter”, jolie.de, Ende 2011; “die Aller­schön­ste”, “meine Inspi­ra­tion” und so weit­er und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übri­gens “nun wirk­lich kein Anhalt­spunkt für irgend­was”. Ist was dran — welche Frau will schon ein schönes Mod­el und/oder eine gut ausse­hende Mut­ter wer­den?

In den NachrichtenNerdkrams
Eigentlich suchen wir doch alle nur nach dem aufdringlichsten Werber.

Mitunter ger­ate ich in ein Gespräch mit Mit­men­schen, die Google Chrome für gar nicht so schlimm hal­ten wie ich es im Sep­tem­ber zu erk­lären ver­sucht habe — immer­hin sei es open source, wenn Google irgendwelchen Quatsch damit anstelle, könne man zwar nichts dage­gen tun, aber es zumin­d­est sofort bemerken. Nun, wie wäre es damit?

Google could cre­ate an anony­mous iden­ti­fi­er, tied to users of its Chrome brows­er on a spe­cif­ic device, that adver­tis­ers would use to tar­get ads, accord­ing to a per­son briefed on the plan who declined to be iden­ti­fied because the plan is young and one of sev­er­al options being con­sid­ered.

Das, was Google Chrome kün­ftig also von anderen Browsern maßge­blich unter­schei­den wird, ist, dass seine Benutzer der Daten­sam­mel­wut von Wer­bern (und der NSA) nicht mehr ent­ge­hen kön­nen. Das sei aber auch gut so, denn die momen­tane Sit­u­a­tion sei auch für con­sumers (denn ein Inter­net­nutzer wird als Kon­sument und nicht als mündi­ger Men­sch wahrgenom­men) schi­er unerträglich:

Jor­dan Mitchell, co-chair of the group and a vice pres­i­dent at the Rubi­con Project, a dig­i­tal ad agency, called the cur­rent sit­u­a­tion for adver­tis­ers unre­li­able and uneco­nom­i­cal and “a lose-lose-lose sit­u­a­tion for adver­tis­ers, con­sumers, pub­lish­ers and plat­forms.”

Gut, dass Google sich dieses Prob­lems annimmt!

(via Fefe)


In weit­eren Nachricht­en: Merkel­phone ange­blich nicht merkeltauglich. Früher hieß das noch “idioten­sich­er”.