In den Nachrichten
Mehrwert für die Steuer: Oppos opulentes Oll-Inclusive-Paket.

Was haben wir nicht alle gelacht über die iPhone-Käufer, die gern mehr Geld für viel Blinkblink und wenig Funk­tion­ier­funk­tion­ier aus­gegeben haben! Das war aber noch zu ein­er Zeit, in der es außer Sony, Sam­sung und HTC keine nen­nenswerten Her­steller von Android-Smart­phones gab.

Heute braucht auch der Android-Markt Diver­si­fika­tion. Mehr, nur mehr! Und da ist’s natür­lich schw­er, als Nachzü­gler noch Fuß zu fassen.

Was hil­ft? Lim­i­tierte Aufla­gen! Schreib’ eine willkür­lich aus­gedachte Men­gen­be­gren­zung auf ein Pro­dukt, und schon wird’s inter­es­sant. Das klappt bei Musik, das klappt bei Smart­phones. Da zahlt der Kunde doch gern etwas mehr. Aber er bekommt ja auch mehr für sein Geld:

Außer­dem bekommt man eine schicke Hülle und einige Aufk­le­ber dazu, damit man sich auch von den anderen Mod­ellen etwas abheben kann.

Ich per­sön­lich kaufe ja nichts mehr, was nicht min­destens Murmeln und ’nen Schal bein­hal­tet. So wird das nichts, Oppo!
Näch­stes Mal vielle­icht.

(mit Dank an L.!)

Netzfundstücke
Bloggerias Requiem

Dass “flat­ter” nicht mehr bloggen will, ist mir bere­its mit großem Bedauern aufge­fall­en; geht die F.D.P., geht auch das Mag­a­zin für Mark­t­beruhi­gung, so viel war sich­er. Offen­bar ist die deutsche “Polit­blog­ger­szene” aber größer als angenom­men; der Kiezneu­rotik­er spricht gar von ein­er “Polit­blog­gerdäm­merung” angesichts der wohl nen­nenswert zahlre­ichen deutschsprachi­gen Weblogs über “Poli­tik und so”, die im Laufe dieses Jahres aktiv befüllt zu wer­den schlichtweg aufge­hört haben.

Er schreibt:

Die Große Koali­tion rollt an. Nahezu ohne Oppo­si­tion. Und eine Rei­he kri­tis­ch­er Blog­ger ver­liert die Stimme. Es wird plöt­zlich ganz merk­würdig still. Was ist das? Res­ig­na­tion? Bie­der­meier? Der Rück­zug ins Pri­vate? Geranien gießen auf dem Balkon? Und die Vorhänge zuziehen? Damit das Böse draußen bleibt?

Das weiße Rauschen der ewig Empörten ist ver­s­tummt? Ich habe mir die von Her­rn Kiezneu­rotik­er ver­ab­schiede­ten Blogs jet­zt ein­mal ange­se­hen. Ja, “flat­ter” fehlt schon jet­zt, die kluge wirtschafts- und gesellschaft­spoli­tis­che Stimme vom Weges­rand war nicht die schlecht­este Quelle für geistige Erbau­ung. Aber der Rest? Der Spiegelfechter, der sich seit Jahren um eine klare poli­tis­che Mei­n­ung herum­be­wegt wie eine Katze um eine fast tote Maus; die Schrott­presse, nur echt mit rotem Stern und Ver­linkun­gen namens “scharf Links” und “World Social­ist Web Site”; das eben­so sozial­is­tis­che Nar­ren­schiff; Die roten Schuhe, angenehm amerikakri­tisch, son­st aber ziem­lich beliebig. Kein Wun­der hab’ ich die alle­samt bish­er kaum bemerkt.

Zartrosa bis tiefrote linke Spießer, die wahrschein­lich auch Falsch­park­er melden oder Seit­en­spiegel abtreten, wenn sie schon zu alt sind, sie mit Farbe zu besprühen; wenn das die Blog­land­schaft ist, die ger­ade “am Schrumpfen ist”, dann ist das ein Gesund­schrumpfen und wahrlich nicht schade drum. Empörung allen­thal­ben, erhobene Zeigefin­ger und in Texte gegossene Parolen. Brauchen wir nicht. Gekämpft wer­den kann in diesen Tagen nicht mit der Fed­er. Das Schw­ert ist die Antwort.

Kri­tis­che Stim­men fehlen, aber lasst das nicht Gün­ter Grass hören. Der macht son­st auch noch ein Blog auf. Vom ener­gis­chen Tas­ten­drück­en bekommt man höch­stens Sod­bren­nen, eine Gesellschaft lässt sich aber eher sel­ten von einem Blog (wenn es nicht ger­ade das BILD­blog ist) sagen, was sie gefäl­ligst zu denken hat. Zum Glück ist dies hier kein Blog.

Über­haupt: Was ist schon ein “Polit­blog”? Ist man “Polit­blog­ger”, wenn man zwis­chen vie­len anderen Beiträ­gen gele­gentlich auch mal die Gesellschaft für unreif hält? Bin ich es, weil ich mitunter so schlechte Laune habe, dass sich das in einem schriftlich geäußerten Wun­sch zum gewalt­samen Staatsstre­ich äußert? Ist es über­haupt nach dieser lax­en Def­i­n­i­tion möglich, ins Inter­net reinzuschreiben, ohne “Polit­blog­ger” zu sein? — Wird man dann nicht auch in Bringschuld ver­set­zt, wenn man erst mal zum “Polit­blog­ger” gewor­den ist? Mit Georg Schramm hat dieser Tage ein­er der bis­sig­sten Kabaret­tis­ten dieses Lan­des angekündigt, doch lieber in Rente zu gehen als sich weit­er­hin für Geld über Zustände aufzure­gen, deren Darstel­lung der Zuschauer als com­e­dy, als komö­di­antis­ches Werk abtut. Ich wieder­hole mich: Im Fernsehsaal, da sitzen sie und lachen und klatschen und gehen nach Hause mit dem guten Gefühl, sich wenig­stens gut amüsiert zu haben. “Endlich sagt’s mal ein­er!”, und damit zurück zur Tage­sor­d­nung. Und genau so läuft es mit den “Polit­blogs”.

Der Ausweg? Nicht erwarten, dass man etwas ändern kann. Schlechte Laune, die sich anstaut, führt in anderen Län­dern dazu, dass Autos, Häuser und Polizis­ten bren­nen; in Deutsch­land gibt es eine Onlinep­e­ti­tion. Auch gut, so wird wenig­stens nie­mand ver­let­zt. Und ist es nun schade um die “deutschen Polit­blogs”? Ich sage: Nö. Schade ist es nur um den Aus­druck von Mündigkeit ihrer Betreiber, die sich lieber in die Sprachlosigkeit zurückziehen, aber wer kön­nte es ihnen ver­denken? Ach, und mir fehlt “Feynsinn”. Muss dafür erst der Lib­er­al­is­mus in den Bun­destag zurück­kehren? Schön wär’s ja.

Jeden­falls:

Es wird eine Finanzbombe hochge­hen. Eine richtige. Die man nicht mehr not­dürftig löschen kann. Und wenn es soweit ist, wird es schnell gehen.

Wenn das passiert, wenn es sich entzün­det, dann braucht es Stim­men, dann müssen sie wieder schreiben, alle die, die jet­zt aufhören, die sich vom Mehltau erdrückt fühlen noch bevor er sich niederge­lassen hat, die sich ver­lieren in Satire, in Peti­tio­nen, in Verzwei­flung, in selb­stre­f­eren­zielle Lit­er­atur.

Ja, dann braucht es Mag­a­zine für Mark­t­beruhi­gung, “kri­tis­che Stim­men”, die dann sagen: Seht ihr, das passiert, wenn man die Falschen wählt. Und die Leser wer­den sich im Kreis um die “kri­tis­chen Stim­men” ver­sam­meln, johlen und klatschen. “Endlich sagt’s mal ein­er!”

Aber das fehlt mir irgend­wie ger­ade kein biss­chen.


Nach­trag von irgend­wann kurz nach Mit­ter­nacht: “Feynsinn” wird aus großar­ti­gen Grün­den fort­ge­set­zt. Ich bin erfreut.

Musik
Hirnlose Funktionsmusik

Süff­isant kom­men­tierte der “Nachtwächter” den Unter­schied zwis­chen Musik­genuss und Musikbeschal­lung:

Ich kann diese verkack­ten “Par­ties” nicht mehr ertra­gen, deren Ver­anstal­ter ver­suchen, ein poli­tis­ches Anliegen zu trans­portieren, aber in Wirk­lichkeit nur für massen­haft Bier, Schnaps, Kif­feck­en und hirn­lose Funk­tion­s­musik sor­gen. Wenn sie wenig­stens im Ver­laufe ein­er solchen Nacht nur für zehn Minuten die Frage in den Raum wür­fen, was es denn eigentlich zu feiern gibt!

Wo’a Recht hat, hat’a Recht, und — das Poli­tis­che jet­zt ein­fach mal bei­seite geschoben — ich finde den Term der hirn­losen Funk­tion­s­musik tat­säch­lich tre­f­fend.

Was darf sich Mit­men­sch Musik­fre­und darunter vorstellen? “Pop” ist die falsche Antwort, Pop ist zwar meist hirn­los, erfüllt aber auch außer Gewin­ngener­ierung keine Funk­tion. Nun, par­tytaugliche Musik dient in der Regel nicht dem Trans­port weis­er Weisen. Musik aus der Flasche dem Com­put­er, die immer irgend­wie ähn­lich klingt (dazu unten mehr), soll nicht den Geist, son­dern die Kör­per­funk­tio­nen anre­gen; ver­mut­lich den Brechreiz.

Ich bin ja, unglück­lich zus­tande gekommene soziale Kon­tak­te tra­gen die Schuld, dur­chaus bewan­dert in der Welt solch­er Klänge. Bevor ich einen Musikgeschmack hat­te, gefiel mir so manch­es auch aus ihr; viele mein­er ersten CDs stammten von “Kün­stlern” namens DJ Ton­ka, DJ Motte und der­gle­ichen. DJ Bobo mochte ich aber damals schon nicht beson­ders. Eben­so besitze ich bis heute eine Kopie des “Flat Beats” von Mr. Oizo, der schon im vor­let­zten Jahrzehnt den all­seits als inno­v­a­tiv­er Musik­stil gepriese­nen Dub­step vor­weg­nahm. In Deutsch­land nicht ver­füg­bar.

Dub­step, das kon­nte ich als jemand, der Diskotheken nor­maler­weise nicht mal von außen sehen will, bis­lang in Erfahrung brin­gen, ist all­ge­mein ein her­aus­ra­gen­des Beispiel für Musik, deren einziger Zweck das Funk­tion­ieren ist:

DJing und EDM (Elec­tron­ic Dance Music) heißt für mich: Wie schnell kön­nen wir neue Musik raus­brin­gen? Und wie schnell kön­nen wir sie den Leuten zeigen? (…) Wenn es elek­tro­n­isch ist, wenn du zu tanzen kannst — es kön­nte alles sein in Zukun­ft.
Skrillex

Neben dieser EDM hat vor allem auch EBM, “elek­tro­n­is­che Kör­per­musik”, eine gewisse Bekan­ntheit erlangt. Dazu gehören Staubkind eben­so wie zumin­d­est Nachtmahr und Com­bichrist:

Com­bichrist — I Want Your Blood (Live on Mania TV)

Der Stil trägt seinen Namen zumin­d­est mit Recht. Funk­tion­s­musik. Die Kon­sumenten hören sie entwed­er, weil sie nicht gefragt wur­den, oder, weil sie sich Bewe­gung erhof­fen, die sie ohne sie nicht mit genü­gend Überzeu­gung bekä­men. Zap­peln macht mehr Spaß, wenn andere mitzap­peln. Nur wem?

Dabei unter­schei­det sich die Funk­tion­s­musik EDM/EBM insofern von der Nicht­funk­tion­s­musik Pop, als let­ztere außer Hin­ter­grun­drauschen keine unmit­tel­bare Funk­tion auf den Hör­er ausübt. Warum sich Men­schen, die Musik machen kön­nen, selb­st in diese Rolle zwän­gen, ist mir nicht ganz klar. Wird wohl das Geld sein. Gibt es auch Aus­nah­men? Natür­lich: Den Jazz. Da soll kein­er tanzen, den zahllosen Jaz­ztanz­grup­pen sei’s trotz­dem verziehen. Dann sitzen die Mäd­chen wenig­stens nicht den ganzen Tag nur doof vor ihrem iPad rum, son­dern hören gute Musik; obwohl Miles Davis natür­lich auch nur lang­weiliges Getröte gemacht hat. (Weit­ere Aus­nahme: Avant­garde­musik. “Musik um der Musik Willen”, nicht, um irgend­je­man­dem etwas zu beweisen. Aber die ver­ste­ht wieder kein­er.)

Ich weiß nicht, ob es schon pos­i­tive wis­senschaftliche Erken­nt­nisse über die Frage gibt, ob Funk­tion­s­musik blöd oder wenig­stens ram­mdösig macht. Ange­hörs der Diskus­sion­skul­tur zwis­chen Hör­ern dieser Art von Beschal­lung ist ein Zusam­men­hang jeden­falls nicht auszuschließen.

Zum Glück habe ich Kopfhör­er, die ich nicht nur als Acces­soire um den Hals trage.


Inter­es­santes Konzept auch:

Acme has a very sim­ple mouse inter­face, the first but­ton selects text, the sec­ond but­ton selects text, and the third but­ton also selects text.

Kann man sich merken.

Sonstiges
Jim, Lukas und die Critical Whiteness

Die jüng­ste Folge der scheußlichen Schund­sendung “Wet­ten, dass…?”, so weiß das Inter­net zu bericht­en, bein­hal­tete als wie üblich lahme “Stadtwette”, dass es nicht gelin­gen würde, eine Min­destanzahl an Ein­wohn­ern, die sich frei­willig als Jim Knopf und Loko­mo­tivführer Lukas verklei­den wür­den, bis zum Ende der Sendung ins Stu­dio zu bekom­men. Das wurde natür­lich zur all­ge­meinen Unter­raschung bravourös trotz­dem geschafft. Blöd: Jim Knopf ist eine dunkel­häutige Fig­ur.

Und so wur­den in alter Tra­di­tion Gesichter bemalt, damit klar sein möge, wer Lukas ist und wer nicht. Nach­dem es aber zumin­d­est seit eini­gen Jahren weit­ge­hend ver­pönt ist, Men­schen eine helle Haut­farbe aufzu­drän­gen (und Michael Jack­son war ja nun wirk­lich auch kein schön­er Mann), ist es jet­zt offen­bar auch uner­wün­scht, wenn sich edle Weiße frei­willig zum N‑Wort machen: “(…) das elendi­ge #Black­fac­ing hat einen Shit­storm Deluxe ver­di­ent.” Es darf nicht sein, dass jemand von unseren Gebühren — keif, zeter, schäum — seine Haut­farbe für’s Fernse­hen ver­dunkelt. (Zur Erin­nerung für diejeni­gen, die das Buch nie gele­sen und die Auf­führung nie gese­hen haben: Jim Knopf ist der Held der Geschichte. Nein, ich musste das auch ger­ade nach­le­sen.)

Klar kann man sich zum Spaß das Gesicht anmalen. Das Prob­lem dabei: Man kann das wieder abmachen. Dunkel­häutige haben da keine Wahl.
@KatiKuersch

Man kann sich zum Spaß das Gesicht aber nicht nur “schwarz”, son­dern auch “weiß” anmalen — wer es denn mag, kann das auch verewigen lassen. Dass sich am “Trend” der Hau­taufhel­lung — der geneigte Leser möge nur ein­mal die Gesichtscre­me­abteilung ein­er aus­re­ichend großen Drogerie aufmerk­sam zur Ken­nt­nis nehmen — nie­mand so nach­drück­lich stört wie an ein­er lah­men Unter­hal­tungssendung, passt trotz­dem gut ins Bild: Das Schön­heit­side­al der absoluten Ble­ich­heit, wie sie schon im 18. Jahrhun­dert in Frankre­ich als ein solch­es galt, ist unum­stößlich. (Nerds sind halt sexy.) Men­schen, die sich die Haut in Solar­ien rösten lassen, machen also gle­ich mehrere Dinge auf ein­mal verkehrt.

Ich finde es ein wenig schade, dass die meis­ten der­jeni­gen, die die anson­sten vol­lkom­men belan­glose “Stadtwette” mit irgendwelchen wirren Begrün­dun­gen als voll kacke beschimpfen und mit Schaum vor dem Mund wütende E‑Mails an das ZDF — selb­stver­ständlich unter Pseu­do­nym — ver­fassen, nur ein Kon­tra, nicht aber ein Pro geäußert haben. Was wäre ihnen denn lieber gewe­sen als ein bemal­ter Jim Knopf — kein Jim Knopf? Zwei Lukasse? Bloß keinen Dunkel­häuti­gen darstellen!

Seit dem 11. Jahrhun­dert hält sich (ent­ge­gen anders lau­t­en­den älteren Quellen) übri­gens das Gerücht, ein­er der drei Weisen (Cas­par, Mel­chior und Balthasar) sei dunkel­häutig gewe­sen, was sich auch auf die Tra­di­tion des Sternsin­gens aus­gewirkt hat; ein­er der drei führen­den Sternsinger wird meist eben­falls geschwärzt, sofern er’s nicht sowieso schon ist. Ein alljährlich­es Bekla­gen dieses Brauchs bleibt selt­samer­weise noch aus.

Die selek­tive Wahrnehmung der kri­tis­chen Weißen ist nicht die beste, wie mir scheint.

In den NachrichtenPolitik
“Wie geplant.”

Sätze, die tief blick­en lassen:

Damit kann Angela Merkel am Dien­stag wie geplant zum drit­ten Mal zur Kan­z­lerin gewählt wer­den.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Aber keine Sorge:

Um zu ver­hin­dern, dass die Partei zer­reißt, hat­te Gabriel das Mit­glieder­vo­tum vorgeschla­gen.

Die Aus­tritte aus der SPD wer­den sich erfahrungs­gemäß in Gren­zen hal­ten. Mit­ge­fan­gen, mit­ge­hangen. Man will ja keinen Ärg­er. Wer hat die noch mal gewählt?

In den Nachrichten
Schnadakleikro.

So ein Dezem­ber hat es ja tra­di­tionell eher schw­er, seine Bedeut­samkeit zu vertei­di­gen: Hat er erst ein­mal begonnen, sind die meis­ten Küren und Fernsehsendun­gen zum was-auch-immer des Jahres meist schon erfol­gt. Im Dezem­ber woll’n wir nicht mehr informiert wer­den, son­dern erst besinnlich sein (Heili­ga­bend) und uns in den Fol­ge­ta­gen die Besinnlichkeit wieder aus dem Schädel saufen (Jahreswech­sel). Prost Mahlzeit.

Um so erstaunlich­er ist es, dass den Dezem­ber, in dem sich die Medi­en eben­falls tra­di­tionell mit so etwas wie Poli­tik — was machen eigentlich die Ver­ant­wortlichen für den “Bun­de­stro­jan­er” ger­ade? — gar nicht mehr weit­er beschäfti­gen, jet­zt doch noch (zumin­d­est heute und vielle­icht mor­gen) ein was-auch-immer des Jahres dominiert, das oben­drein mit Poli­tik zu tun hat: Die Gefüde­spra ernen­nt “Groko” zum Wode­ja. “Groko” klingt ja erst mal ganz putzig, aber ver­schleiert, worum es eigentlich geht. Was ver­leit­et das Volk dazu, eine SPD-CDU-CSU-Koali­tion als “Groko” (“GroKo”) zu verniedlichen? Das ist ja, als würde man anlässlich sein­er bevorste­hen­den Erschießung von “Gewehris” und “Sol­datis” sprechen.

Selb­stver­ständlich ist das kürz­er als jedes Mal “große Koali­tion” sagen zu müssen, was der Faul­heit des Men­schen, der aus ähn­lichem Grund ja auch “Nah­neben­sprechen” sagt, wenn er “Nah­neben­sprechdämp­fung” (was bekan­ntlich das genaue Gegen­teil bedeutet) meint, ent­ge­genkommt. Inter­es­sant ist aber die Frage, ob in der Kürze tat­säch­lich die “Würze” liegt oder ob sie nicht kon­trapro­duk­tiv ist.

Das Ziel dieser Sprach­poli­tik ist es, die Anzahl und das Bedeu­tungsspek­trum der Wörter zu ver­ringern, um die Kom­mu­nika­tion des Volkes in enge, kon­trol­lierte Bah­nen zu lenken.
Wikipedia

“Groko” klingt niedlich nach Schnap­pi und irgendwelchen gad­gets, das sagt man doch gern, das tut keinem weh, das macht Spaß. Mit dem Babo aus der Groko für das Öko in den Dis­po! So viele “o”, so viel oh-oh. Ich wäre ein schlechter Rap­per.

Wie gesagt: Das Volk neigt zur Verniedlichung. “Stasi”, “Gestapo”, “Groko” — je kürz­er das Wort ist, desto weniger bedrohlich (und bürokratisch) wirkt es. Die Men­schen reden sich ihre Welt eben gern schön, um vor dem Gedanken zu fliehen, dass sie let­ztlich zur Erfül­lung des großen Ganzen bedeu­tungs­los sind, weil sie es selb­st sein wollen. Wer nichts verän­dern möchte, der macht es sich auch in der Jauchegrube gemütlich.

Insofern spiegelt “Groko” den Zeit­geist 2013 vielle­icht doch ganz gut wider.

In den NachrichtenWirtschaft
Fluchhafenpingpong

Unter der Auf­sicht von Klaus Wow­ere­it wird der Berlin­er Flughafen nicht fer­tig. Klaus Wow­ere­it tritt zurück.

Matthias Platzeck übern­immt. Der Flughafen wird immer noch nicht fer­tig. Matthias Platzeck wird krank und tritt zurück.

Was tun? Richtig:

Nach Infor­ma­tio­nen des Tagesspiegel wird Klaus Wow­ere­it mor­gen an die Spitze des BER-Auf­sicht­srates zurück­kehren.

(Ander­er­seits: Immer­hin macht’s nicht der Hoeneß.)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Die Lage der Nation (Stand: 11. Dezember 2013)

Ich kön­nte mich jet­zt darüber lustig machen, dass ganz Twit­ter heute von einem The­ma dominiert wurde, das keines ist: “Oh nein, heute wer­den viele von uns zum let­zten Mal in ihrem Leben drei aufeinan­der fol­gende Zahlen im Datum erleben!” (Oder eben auch: “OMGROFLMAO es ist der 11.12.13 um 14:15:16 Uhr und ich bin 17 Jahre alt, LOOOL.”)

Immer wen ich 11.12.13 i minere TL gsehne. Klatscht irgend­wo uf dere Welt eh Chin­dergärt­ner­in vor stolz.
@MCKS237

Ich kön­nte mich darüber lustig machen, dass auf dem kom­menden 30c3 mit­tels irgendwelch­er Papp­karten (“hab gewixt”) ein etwaiger Diskurs mit Zeigefin­gern statt Worten aus­ge­tra­gen wer­den soll. Klar, so ein Nerd ver­sucht den Kon­takt mit anderen Men­schen, die wom­öglich auch noch atmen, meist zu mei­den. Was kann da schon schiefge­hen?

Ein Mann wird ver­warnt, weil er ein­er Frau die Tür aufhält. Eine Frau wird ver­warnt, weil sie in Gegen­wart von Män­nern eine Banane ißt.

Ich kön­nte mich darüber lustig machen, dass Ursu­la von der Leyen, die während ihrer Tätigkeit als Bun­des­fam­i­lien­min­is­terin 2008 und 2009 den Auf­stieg der Piraten­partei Deutsch­land maßge­blich gefördert hat­te, indem sie sich für geset­zliche Zer­störung des freien Inter­nets (“Zugangser­schwerungs­ge­setz”, vul­go “Kinder­pornosper­ren”) ein­set­zte, in der kom­menden Regierung nicht nur mal wieder das Min­is­teri­um wech­seln (bald hat sie wohl die meis­ten rel­e­van­ten Min­is­te­rien mal aus­pro­biert), son­dern gle­ich ein ganz neues Min­is­teri­um bekom­men kön­nte, das ihr wie auf den Leib geschnei­dert ist:

Dem­nach soll die derzeit­ige Arbeitsmin­is­terin Ursu­la von der Leyen (CDU) ins Bil­dungs- und Forschungsres­sort wech­seln und den neuen Bere­ich “Inter­net und Dig­i­tales” dazu erhal­ten.

Aber eigentlich ist das alles zum Heulen.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Wie Sigmar Gabriel einmal log und die “taz” es nicht bemerkte

560 Schrift­steller so:

WIR FORDERN DAHER, dass jed­er Bürg­er das Recht haben muss mitzuentschei­den, in welchem Aus­maß seine per­sön­lichen Dat­en gesam­melt, gespe­ichert und ver­ar­beit­et wer­den und von wem; dass er das Recht hat, zu erfahren, wo und zu welchem Zweck seine Dat­en gesam­melt wer­den; und dass er sie löschen lassen kann, falls sie ille­gal gesam­melt und gespe­ichert wur­den.

Sig­mar “Vor­rats­daten­spe­icherung” Gabriel so (Unter­stre­ichung von mir):

Ein solch­er Aufruf darf in der Poli­tik nicht unge­hört bleiben!

Seid ihr auch schon so ges­pan­nt auf die Inter­net­poli­tik der SPD wie ich, sofern die Koali­tion mit der “Union” zus­tande kommt?


Die “taz” so:

Ver­logen? Genau! — Große Inter­netkonz­erne wie Google oder Face­book starten eine Kam­pagne gegen Spi­onage. Selb­st wollen sie auf das Daten­sam­meln aber nicht verzicht­en.

Die “taz” aber ander­er­seits so: 8 “Track­er” beim Seit­e­naufruf, unter anderem von Google Adsense und Dou­bleClick, das inzwis­chen Google gehört.

Ver­logen? Genau!

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Bischof: Familien zerstörender Genderunsinn schadet kirchlichem Gegenunsinn.

Der Chur­er Bischof Vitus Huon­der (heißt wahrschein­lich echt so) hat zum Tag der Men­schen­rechte — das ist mor­gen, obwohl es mir etwas selt­sam vorkommt, dass nur ein Tag im Jahr den Men­schen­recht­en gewid­met sein soll — etwas zum The­ma Gen­der­wahnsinn gesagt.

Vorder­gründig geht es im Gen­deris­mus um die Gle­ich­stel­lung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebe­nen. Die Unter­drück­ung der Frau zum Beispiel, wie sie in manchen Gesellschaften und Kul­turen noch immer vorherrscht, wird zu Recht beklagt. (…) Tat­säch­lich han­delt es sich bei dieser Ide­ol­gie (sic! A.d.V.) aber um einen Angriff auf Ehe und Fam­i­lie als die tra­gen­den Struk­turen unser­er Gesellschaft. Ungerechtigkeit im Ver­hält­nis der Geschlechter kann durch die Leug­nung der Geschlechter­po­lar­ität nicht behoben wer­den. Deshalb lehnt die Kirche die Ide­olo­gie des Gen­deris­mus ab.

So weit ist’s gekom­men mit der Gle­ich­berech­ti­gung, dass eine Sek­te, die jahrhun­derte­lang gemordet und gefoltert hat und deren Wür­den­träger keine Frau sein dür­fen (wobei das mit Frauen und Würde ja angesichts all der self­ies mit Enten­gesicht ein The­ma für einen eige­nen Artikel wäre), sich über eine Men­schen ver­ach­t­ende Ide­olo­gie beklagt, die in der Gesellschaft zu viel Raum ein­nimmt, und die Unter­drück­ung der Frau nicht gut find­et. Alice Schwarz­er ist übri­gens evan­ge­lisch getauft wor­den.

Während ich bis hier­hin dem Hirten­brief (ich muss bei “Hirte” immer an den Rat­ten­fänger von Hameln denken und weiß auch nicht, wieso) weit­ge­hend zus­tim­men kon­nte, ist die Argu­men­ta­tion zu sel­bigem eher absurd:

Der Gen­deris­mus leugnet die Schöp­fung­sor­d­nung

So als Bischof muss man’s natür­lich erst mal mit der Bibel ver­suchen. Die Erschaf­fung des Men­schen als Mann und Frau ist eine Vor­gabe des Schöpfers, und deswe­gen darf’s kein drittes Geschlecht geben. Die Erde darf sich nach römisch-katholis­ch­er Ansicht bekan­ntlich auch erst seit 1992 um die Sonne drehen. Na endlich!

Geht’s etwas genauer? Natür­lich:

Der Men­sch existiert, so die Schöp­fung­sor­d­nung, als Mann oder Frau. Die natur­wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse sagen uns:Jede sein­er Kör­perzellen ist entwed­er männlich oder weib­lich. Dies ist eine klare Vor­gabe sein­er Exis­tenz. Die unter­schiedliche kul­turelle Prä­gung als Mann oder Frau hebt diese Polar­ität nicht auf.

Stimmt. Der Gen­deris­mus erken­nt das biol­o­gis­che Geschlecht ja auch als solch­es an, insofern stimmt Herr Huon­der ihm hier sog­ar zu. Men­sch, Vitus, das geht aber auch mit mehr Sub­stanz. Zum Beispiel so:

Obwohl sich der Gen­deris­mus wis­senschaftlich gibt, hal­ten seine Grund­la­gen der Wis­senschaft nicht stand. Viele aus­gewiesene Forsch­er wider­sprechen den Ergeb­nis­sen der “Gen­der-Stud­ies”. Dass es psy­chis­che und physis­che Störun­gen der von Mann und Frau nicht auf. (hä? A.d.V.)

Der Gen­deris­mus ist wis­senschaftlich unhalt­bar. Der Gen­deris­mus leugnet die Schöp­fung­sor­d­nung. Keine Pointe.

Papst Benedikt XVI. sagte in sein­er Ansprache vor dem Kar­di­nal­skol­legium und der Kurie am 21. Dezem­ber 2012 zum Gen­deris­mus: “(…) Im Kampf um die Fam­i­lie geht es um den Men­schen selb­st. Und es wird sicht­bar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Men­schen sich auflöst.”

Was genau Papst emer­i­tus Benedikt XVI. unter der Würde des Men­schen ver­ste­ht, hat er in besagter Ansprache zu erläutern ver­säumt; schon im Jan­u­ar 2012 teilte er allerd­ings mit, dass jede Form der men­schlichen Zwei-oder-Mehrsamkeit zwis­chen nicht het­ero­sex­uellen Paaren mit der Würde des Men­schen nichts zu tun habe, den eige­nen Penis in einen Mess­di­ener (m) zu steck­en also ver­mut­lich eben­falls nicht; obwohl: Nicht der Men­sch entschei­det, nur Gott entschei­det, wer Mann und wer Frau ist.

Würde ist eben vor allem ein Kon­junk­tiv.

Amen.

Spaß mit Spam
Das Madchen hat sich ins Pferd verliebt

Über das Gemüt ein­er Frau in der Vorstel­lung von Spam­mern sagt diese Mail, die ich heute im Post­fach fand, wahrschein­lich auch mehr aus als sie sollte:

Das Madchen hat sich ins Pferd verliebt - Das schone Madchen schlaft mit seinem Hund

Das Mäd­chen hat sich ins Pferd ver­liebt und schläft (deshalb?) mit ihrem Hund. Wahrschein­lich, damit das Pferd auf sie aufmerk­sam wird und ihr Blu­men schickt oder so.

:facepalm:

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 8)

“I woar z’jung, du woarst z’scheen,
sun­st hätt i des ois kum­man g’sehn.”
– EAV: I hob des G’fühl


Wie eine Katze mit der Beute spie­len, bis sie keinen Ausweg mehr sieht. Dann das Genick durch­beißen. In der Tier­welt funk­tion­iert das ziem­lich ein­fach. Er aber war ein Men­sch, ein Jäger und Samm­ler. Diese Jagd sollte ihm den Ver­stand rauben.

Nach nichts als Stetigkeit stand ihm weniger der Sinn, als er auf sie traf. Er wollte nicht mehr ver­lieren und wusste, dass jed­er Ver­such zwangsläu­fig zum Irrtum führen würde. Auch sie war froh über den Ausweg aus ihrem All­t­agstrott. Dass in den Jahren ihres Kon­tak­ts jed­er außer ihnen selb­st zu erken­nen imstande war, dass sie sich liebten, wurde ihnen nur langsam bewusst.

Wie eine Katze mit der Beute spie­len. Die Beute küsst die Katze nicht, die Katze küsst nicht zurück. Ren­nen, immer weit­er ren­nen. Wer ist Tom, wer Jer­ry?

Er wusste, dass er sie ergrün­den musste, aber immer, wenn er es ver­suchte, scheit­erte er an seinen eige­nen Gren­zen. Sie kreis­ten umeinan­der wie Tra­ban­ten um Plan­eten, ohne sich jemals zu berühren. Nur manch­mal spi­en sie in ein­er immer viel zu kurzen Erup­tion das Feuer in ihnen so hoch, dass sie einan­der ent­flammten. Kein­er von ihnen aber wagte es, es auszus­prechen. Sie ver­sprachen einan­der die Ewigkeit und hat­ten doch Angst vor ihr. Ren­nen, ren­nen.

Jedes Mal, wenn es zu viel wurde, zog ein­er von ihnen einen Strich unter das Kapi­tel, nur um das näch­ste anz­u­fan­gen. Sie wussten, dass jedes Buch ein­mal endet. “Die unendliche Geschichte” hat über 400 Seit­en, aber eben auch eine let­zte Seite. Er hat­te sie nie bis zum Ende gele­sen. Reka­pit­u­la­tion set­zte Kapit­u­la­tion voraus.

Sie hat­te den ersten Schritt gemacht und sie schloss die Tür hin­ter sich zu. Im Spiel des Lebens war er wieder ein­mal Zweit­er gegen sich selb­st. Das let­zte Kapi­tel blieb ungeschrieben. …


“You only know you love her when you let her go
and you let her go.”
– Pas­sen­ger: Let Her Go