KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Monophonist — Über die Freiheit der praktischen Unvernunft

Monophonist - Über die Freiheit der praktischen UnvernunftLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Langjährige Leser und per­sön­liche Bekan­nte haben meine Freude an Jazz einer‑, schrägem Lärm ander­er­seits sicher­lich bere­its in der Ver­gan­gen­heit bemerkt. (Ich bitte um Verge­bung.) Jet­zt ratet mal, was ich im Inter­net gefun­den habe! — Richtig: Das diesjährige Album des Köl­ner Quar­tetts Mono­phon­ist, das den philosophisch wertvollen Titel “Über die Frei­heit der prak­tis­chen Unver­nun­ft” (Amazon.de, Bandcamp.com) trägt und unge­fähr wie ein span­nen­des crossover von The Hirsch Effekt mit Panzer­bal­lett (oder wenig­stens Welt­pin­guin­tag) klingt.

Der Gesang, mit seinem Wech­sel zwis­chen heis­eren Rufen und har­monis­chen Melo­di­en eher an erster­er Band ori­en­tiert, steuert Texte bei, die trotz der deutschen Sprache, son­st oft ein Warnsignal, sich nicht durch Pein­lichkeit her­vor­tun:

Wir haben die Wahl und manch­mal ein gutes Bier.
Des Tre­bers Abschied

Bzw.:

Konz­erne kön­nten han­deln mit Herz und Ver­stand
Wieso steckt die Wut meins in Brand?
Der Preis der Frei­heit

Und dann klingt das auch noch nicht schlecht!

Der Gren­zstein ist kein schön­er Anblick

Es soll ja nie­mand behaupten, die deutsche Musik­szene — allein das Wort schon! — habe außer ster­ben­den Altrock­ern, Scoot­er und Helene Fis­ch­er nichts mehr zu bieten. :ja: Däum­chen hoch, gefällt mir.

PolitikNerdkrams
Tore zum Mistmachweb (4): Gebt den Verlagen das Web zurück!

Zu Axel Voss, der uniro­nisch auf Face­book (Link geht aus moralis­chen Grün­den zu Twit­ter) schrob, er habe den Schutz von geistiger Leis­tung im Sinn, als habe aus­gerech­net er etwas mit geistiger Leis­tung zu tun, geht in den “sozialen Medi­en” (i.S.v. Kom­men­tar­feldern auf so Web­sites und Twit­ter) ger­ade die fan­tastis­che Lösung herum, man möge doch das Web kün­ftig nur noch hin­ter Prox­y­servern oder kom­plett Tor-ver­schleiert benutzen und so der Zen­sier­erei ein Schnip­pchen schla­gen. Wenig beachtet wird dabei, dass das das Prob­lem keineswegs löst, denn auch das Recht auf Pri­vatkopie ist noch nicht allein dadurch gelock­ert wor­den, dass die Leute ihre Tauschbörse nur noch hin­ter Fremd­com­put­ern betreiben.

Das Kern­prob­lem, dass das Mist­mach­web mit seinen Wer­be­flächen ein Dienst der­er ist, die etwas verkaufen wollen, nicht der­er, die etwas mitzuteilen haben, wird auf keinem der vorgeschla­ge­nen Wege gelöst. Es genügt nicht, sich im Web bess­er zu ver­steck­en; das Web muss voll­ständig über­wun­den wer­den.

Gebt den Ver­la­gen das Web zurück!

Vor dem Web gab es das Usenet statt Web­foren, Gopher statt Web­sites und das IRC-Pro­tokoll statt Chats und Mes­sen­gern. Ihnen allen ist gemein, dass sie für Reklame nicht zu gebrauchen sind und die Ein­stiegshürde für Poli­tik­er von der Qual­ität eines Axel Voss zu hoch sein dürfte. Da ist ja so viel Text, da sind ja keine Bild­chen! — Völ­lig unab­hängig davon, wie die Geset­zesän­derun­gen sich nun konkret auf uns als Deutsche auswirken wer­den: Sie wer­den es wieder und wieder ver­suchen. Sie wollen uns auf unser­er Par­ty ihre Reklame verkaufen, sie wollen das Web nach ihrer Vorstel­lung for­men.

Was spricht eigentlich dage­gen, ihnen das, was aus dem Web gewor­den ist, näm­lich eine gigan­tis­che Wer­betafel mit schreck­lichen Fan­faren, ein­fach zu über­lassen und uns woan­ders eine schönere, bessere, reklame­freie Par­ty zu suchen?

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 12. September 2018

Bescheuerte Über­schrift in der “Wash­ing­ton Post”:

Anoth­er hur­ri­cane is about to bat­ter our coast. Trump is com­plic­it.

“Der US-Präsi­dent ist schuld” scheint die US-amerikanis­che Ver­sion von “Putin ist schuld” zu sein. Jet­zt auch an Naturge­wal­ten.


Viel bessere Über­schrift beim “Nie­man Jour­nal­ism Lab”:

Why peo­ple are turn­ing from Face­book to…other Face­book-owned things for news

Nimm dies, Face­book!


Apro­pos Don­ald Trump: Pro­fes­sor schießt sich in den Arm, um gegen Trump zu protestieren. Davon wird sich Trump nicht so schnell erholen! :aufsmaul:


Gute Nachricht­en aus der Welt des Dig­i­tal­en: Das JPEG-Komi­tee würde gern DRM in JPEGs rein­machen und forscht dafür an Blockchains herum. Wenn man nur genug Cyber rein­macht, wird das Prob­lem, dass JPEG-kodierte Dateien zu frei sind, schon irgend­wie wegge­hen.


Eine gute Nachricht schließlich vom europäis­chen Gericht­shof:

Der EuGH hat in einem Grund­satzurteil zum kirch­lichen Arbeit­srecht entsch­ieden, dass die Kündi­gung eines katholis­chen Che­farztes durch ein katholis­ches Kranken­haus wegen erneuter Eheschließung nach Schei­dung eine ver­botene Diskri­m­inierung wegen der Reli­gion darstellen kann.

Chris­ten­tum ist straf­bar. :ja:

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Axel Voss zensieren!

Wie er sich freut! Axel Voss, Europaabge­sandter der supra­na­tion­al­is­tis­chen CDU (na, immer noch am meis­ten Angst vor der AfD?) und poli­tis­ch­er Arm des Axel-Springer-Ver­lages, hat unter Zuhil­fe­nahme ein­er sehr ärg­er­lichen Abstim­mung im Europäis­chen Par­la­ment dafür gesorgt, dass die umstrit­te­nen Upload­fil­ter eben­so wie das selb­st Über­schriften unter Zitatver­bot stel­lende “Leis­tungss­chutzrecht” für Ver­leger, mithin also eine Entrech­tung von Kreativ­en, kün­ftig auch für Deutsch­land endlich Fol­gen haben wer­den. Wir wis­sen, was zu tun ist.

Es sei, heißt es, wirk­lich wichtig, dass Deutsch­land ein Mit­glied der Europäis­chen Union bleibe. Damit die da nicht gewin­nen.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Wohlstandskinder googlen gegen Gentrifizierung

Den alten Witz von dem antikap­i­tal­is­tis­chen Kom­mu­nis­ten, der seinen Hass auf das Schweinesys­tem im McDonald’s von seinem iPhone raust­wit­tert, her­auszukra­men liegt mir auch heute man­gels Pointe fern, aber nach Kon­sum dieser Mel­dung …

Durch das Pro­jekt des Inter­netriesen steigen im Umfeld des Cam­pus die Mieten weit­er. Aus diesem Grund haben an diesem Fre­itag rund 100 Mis­tre­it­er des linksradikalen Bünd­niss­es »Beset­zen« den Google-Cam­pus in Beschlag genom­men. Die Forderung: Google solle sich unverzüglich zurückziehen.

… haben mich die Hin­ter­gründe doch schon inter­essiert.

Und ich wurde natür­lich nicht ent­täuscht. Denn mit welch­er Hard­ware protestiert man, “#fuck­of­f­google” trompe­tend, gegen “den Inter­netriesen” und den ver­dammten Kap­i­tal­is­mus? iPhones? Haha, natür­lich nicht:

#fuckoffpeng

Da macht nicht mal mehr das Aufre­gen noch Spaß.


Aus der Rei­he “Vergessene Hob­bys”: Durch einen Com­put­er schlen­dern.

In den NachrichtenMontagsmusik
Childrenn — Where’s The Door?

Eule halb und halbEs ist Mon­tag. Stirbt der Men­sch, stirbt auch der Pan­da, ein Über­lebenswille aus Putzigkeits­grün­den ist somit bess­er als gar kein­er. Wir hat­ten ja nichts außer fortwährend schlechter Laune und zu wenig Pand­abären, ins­beson­dere mon­tags.

Keine guten Zeit­en auch für den Fer­n­verkehr in Deutsch­land: Ein Teil des BER ist fer­tig — seine Nutzer aber nicht. Lei­der muss man also dor­thin weit­er­hin mit der Bahn reisen, was sich gut trifft, denn das Unternehmen, dessen Vor­standsvor­sitzen­der in einem Jahr mehr Geld ver­di­ent als andere ihr ganzes Leben lang, braucht drin­gend Geld. “Aus­drück­lich klar”, immer­hin, sei, “dass an Maß­nah­men für Qual­ität und Kun­den­zufrieden­heit nicht ges­part wird.” Zum Glück wer­den im Dezem­ber endlich wieder die Preise erhöht wer­den.

Apro­pos “endlich wieder”: Endlich wieder ist “Knud­dels” in den Nachricht­en. Das habe ich gle­ich mal all meinen Fre­un­den auf ICQ geschickt. Andere lebende Tote kassieren der­weil nicht nur belusti­gende Umfrageergeb­nisse, son­dern auch poli­tis­che Schlap­pen: Mei­n­ungs­frei­heit schlägt Net­zDG. Das wird Fol­gen haben. — Nicht, dass die im Aus­land weniger bescheuert wären, was die Poli­tik ange­ht: Im “The Inde­pen­dent” fordert die Vor­sitzende der lan­de­seige­nen Women’s Equal­i­ty Par­ty eine erneute “Brexit”-Abstimmung, denn beim let­zten Mal seien weib­liche Stim­men vom Patri­ar­chat unter­drückt wor­den. Brite möchte man wirk­lich nicht sein müssen.

Was man aber gern ist, ger­ade auch an einem Mon­tag: Musikhör­er.

Chil­drenn — “Where’s The Door?” (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz angemerkt zur #noNPoG-Demonstration

Dass nur wenige Tage nach der ent­täuschen­den Demon­stra­tion “Save Your Inter­net”, bei der deutsch­landweit eigentlich pein­lich kleine Grup­pen gegen die geplanten “Upload­fil­ter” der EU protestierten, heute allein aus­gerech­net in Han­nover sowohl 12.000 oder 13.000 als auch 15.000, auf jeden Fall aber recht viele Men­schen gegen eine Ausweitung der nieder­säch­sis­chen Polizeibefug­nisse oder, wie es erfahrene Teil­nehmer in hof­fentlich kon­struk­tiv­er Absicht for­mulierten, sowohl “gegen Bullen” als auch “für Kom­mu­nis­mus” (denn wenn eins die Demokratie ret­ten kann, dann ja wohl Kom­mu­nis­mus) ihre Stimme bei sehr anstren­gen­der Musik zu sehr anstren­gen­den Parolen erhoben, ist so beängsti­gend, denn es zeigt, dass es um die Net­zpoli­tik noch übler ste­ht als bish­er angenom­men, wie ver­ständlich, denn gegen “das Polizeige­setz” — Jura zu ver­ste­hen hätte wohl die Stim­mung gestört — kön­nen auch jene auf die Straße gebracht wer­den, deren einzige poli­tis­che Moti­va­tion Hass (“Ganz Nieder­sach­sen has­st das Polizeige­setz”, so ähn­lich dröh­nte es vom Laut­sprecher­wa­gen der Parteien) und Gewalt sind und die Ursache und Wirkung lieber gar nicht begreifen wollen, was erk­lärt, warum ein großer Block der wieder­holt als wenig ver­ständig aufge­fal­l­enen “Jusos” unter den Protes­tanten war, die so eigentlich gegen etwas protestiert haben, was sie selb­st zu ver­ant­worten haben, aber eine Dis­tanzierung von der SPD wäre ja mit Rück­grat ver­bun­den und das würde sicher­lich zu ein­er Störung im Raum-Zeit-Kon­tin­u­um führen; allerd­ings zeigte sich aber­mals, wie viel doch ver­loren geht, indem man nie­man­den mehr fragt, der sich ausken­nt, denn von denen, die die lautesten Parolen gegen “den Nieder­sach­sen­tro­jan­er” brüll­ten, wüsste ver­mut­lich nicht ein­er, wie er sich gegen eine Infek­tion mit dem­sel­ben schützen kön­nte, weil die EDV-Kom­pe­tenz im gemeinen Volk höch­stens noch zum Trep­pen­witz genügt — und das ist ein bil­dungspoli­tis­ches Prob­lem, das mit Flaggen und Pyrotech­nik doch merk­lich weniger effizient zu lösen ist als mit Aufk­lärung, Geduld und Wil­len­skraft, ins­beson­dere mit der unseren, denn es reicht nicht, etwas zu ver­ber­gen zu haben: man sollte es auch kön­nen wollen.

PersönlichesNetzfundstücke
Heroin gegen Drogentote

In der lei­di­gen Diskus­sion über ein Für und Wider der Freiga­be von wirk­samem Cannabis für die rezept­lose All­ge­mein­heit möchte ich es mir oft nicht nehmen lassen, den Gegen­vorschlag einzubrin­gen, dass eine vernün­ftige Dro­gen­poli­tik eine solche wäre, die alles erlaubt, was nur dem Kon­sumenten schadet, also keinen Pas­sivkon­sum durch Pas­san­ten legit­imiert. Das Recht auf Selb­st­bes­tim­mung muss immer auch ein Recht auf Selb­stzer­störung sein, jedoch dort enden, wo Unbeteiligte einen Schaden nehmen.

Demzu­folge befür­worte ich, Steuergewinne hin oder her, dass erstens in den eige­nen vier Wän­den, Pub­likum natür­lich als abwe­send voraus­ge­set­zt, erlaubt sein möge, was Freude macht, und zweit­ens, dass, wenn man schon unbe­d­ingt (worüber zu sprechen sein wird) irgend­was geset­zlich unterbinden will, Cannabis (und dieses eklige Zeug in diesen Shishabars) dur­chaus mit Tabak gle­ichgestellt werde, indem der Besitz und öffentliche Kon­sum von Tabak (und diesem ekli­gen Zeug in diesen Shishabars) näm­lich gle­icher­maßen ver­boten sei, während Hero­in und Kokain, die sich dadurch ausze­ich­nen, keinen Umste­hen­den vol­lzustinken, den gle­ichen rechtlichen Stand zu haben haben wie Alko­hol: so lange die Leute ihren Müll (Glas hier, Spritzen dort) wieder wegräu­men, tut’s keinem weh.

Nor­maler­weise werde ich dann als Spin­ner belächelt. Kün­ftig wird man mich ver­mut­lich eher einen Schweizver­ste­her nen­nen: Auf Twit­ter (hier bess­er les­bar) wurde gestern Abend darüber berichtet, dass, seit die Schweiz Hero­in­süchti­gen den Kon­sum von Hero­in erlaubt, die Anzahl der Hero­in­toten deut­lich zurück­ge­gan­gen sei. Ob ein Über­leben von noch mehr Men­schen aus Naturschutzsicht wün­schenswert sei, bleibt an dieser Stelle absichtlich unge­fragt.

Jeden­falls bis auf Weit­eres.

Politik
CSU warnt erschrocken: Liberale Parteien sind nicht konservativ!

Und dann war da noch die tra­di­tionell christlich-soziale Partei CSU, der in etwas über einem Monat über­raschend eine Land­tagswahl dro­ht, weshalb sie hek­tisch nach Grün­den sucht, warum man sie anstelle ander­er Parteien wählen sollte.

Ihr Haup­tkonkur­rent scheint die bayrische F.D.P. zu sein. Über welche Partei das was aus­sagt, weiß ich nicht. Die CSU jeden­falls hat sich hier­für einen “Argu­lin­er”, also einen Spickzettel mit pri­ma Argu­menten, falls man mal sel­ber keine mehr weiß, zusam­men­tip­pen (lokale Kopie) lassen. In diesem Argu­lin­er ste­ht manch kon­ser­v­a­tives Geschwall, etwa:

Die Abschaf­fung des Son­ntagss­chutzes wider­spricht der bay­erischen Leben­sart.

Und:

Die FDP lehnt den Begriff der Leitkul­tur ab. Als Bünd­nis­part­ner von NoPAG demon­stri­ert sie mit linksradikalen Mul­ti­kul­ti-Fans gegen die Ord­nung und Begren­zung der Zuwan­derung.

In diesem Argu­lin­er ste­hen außer­dem Dinge, die erst dann ihre volle Wirkung ent­fal­ten, wenn man das Beziehungsleben einiger bekan­nter CSU-Poli­tik­er wenig­stens ober­fläch­lich ver­fol­gt, darunter:

Die FDP wertet die klas­sis­che Fam­i­lie ab und wen­det sich gegen die Mehrheit unser­er Gesellschaft.

Bis jet­zt kön­nten einige unbelehrbare Wäh­ler Bay­erns noch der Ansicht sein, die F.D.P. sei also eigentlich gar nicht so schlimm. Aber halt: Nicht nur demon­stri­ert diese mit Linksradikalen zusam­men gegen Dinge, son­dern außer­dem nehmen die da alle Dro­gen!

Die FDP ist für die Legal­isierung von Cannabis und somit für die Legal­isierung ein­er Ein­stiegs­droge.

Und bei Ein­stiegs­dro­gen hört der Spaß für die CSU au-

Foto: Peter Kneffel dpa/lby

ach, schon gut.


Die Konkur­ren­z­gruppe “Jusos in der SPD” teilt der­weil mit: “Linke Poli­tik begin­nt immer mit ein­er Hal­tung und niemals mit der Frage, welche Hal­tung ger­ade mehrheits­fähig sein kön­nte.” Diese Infor­ma­tion sollte man stets griff­bere­it haben, wenn wieder jemand von der SPD behauptet, sie sei links.

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (6): Das Volk sind andere.

Ab wie vie­len poten­ziellen Wäh­lern, denen man die Partei entzieht, die par­la­men­tarische Demokratie nicht mehr gerettet, son­dern entwertet ist, ist angesichts des sonst­wie begründ­baren Ver­bots von bish­er zwei nachkriegs­deutschen Parteien, bei­de eher von der außen­randi­gen Sorte, leicht beant­wortet: Ihre Zahl ist die Eins. Wem nur zur Wahl ste­ht, was er nicht wählen möchte, der hat keine Wahl.

Unklar bleibt der­weil, wer nun eigentlich das Volk ist. Die ster­bende Sozialdemokratie (16 Prozent) behauptet jeden­falls emsig, die mit den 17 Prozent seien’s keines­falls. Im “nachträglichen Wider­stand” (D. Weg­n­er) sind sie einan­der die Näch­sten. Einig sind sich alle: Keineswegs ist unter dem Volk die Gesamtheit der Wahlberechtigten zu ver­ste­hen. Mit denen da will man kein Volk sein.

Die Kapit­u­la­tion hat nicht bloß begonnen, sie ist vol­len­det. Eine post­weimarsche Rev­o­lu­tion — Kor­re­la­tion, nicht Kausal­ität — blieb aus. Deutsch­land geht es gut. 54, 74, 90, 14. In Chem­nitz sin­gen sie schon wieder.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jaguwar — Crystal

Wie man sich halt so fühlt.Es ist Mon­tag. Orrr! Auf der Haben­seite ste­ht, dass es nur noch vier volle Tage bis zum näch­sten Woch­enende sind. In Erman­gelung eines Pand­abären: Endlich auss­chlafen!

Auch woan­ders ist man aus­geschlafen: In Chem­nitz etwa scheint eine Ver­anstal­tung namens “Frieden wahren” sel­bi­gen bewaffnet durch­set­zen wollen zu haben. Schlecht­es Vor­bild SPD. — Die es ethisch ger­ade auch nicht leicht hat: Wie “SPIEGEL ONLINE” berichtete (Vor­sicht: Archivver­sion von “SPIEGEL ONLINE”!), erwägt ein SPD-Min­is­ter das von ihr und den schreck­lichen “Grü­nen” einge­führte Arbeit­slosen­geld “Hartz IV” in Bay­ern im Stre­it mit der CSU zu einem noch größeren Prob­lem zu machen als bish­er. Die san die, ich war’s nicht.

Die Suche nach einem Schuldigen ist wenig­stens medi­al schnell gek­lärt: Vor­sicht vor tödlichen Autos! Die sich in let­zter Zeit häu­figer mit Reklame in Verbindung brin­gende Mozil­la-Stiftung macht der­weil eine Rolle rück­wärts, wenn auch nur virtuell und nicht tat­säch­lich, was sicher­lich lustig aussähe, und wird dem­nächst noch etwas mehr gegen Reklame tun. Schade um das schöne Geschäftsmod­ell.

Was zwar keine Wer­bung braucht, von mir aber trotz­dem mit Vergnü­gen bekommt: Musik.

JAGUWAR – Crys­tal (offi­cial video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Emma Ruth Rundle — Marked for Death

Emma Ruth Rundle - Marked for DeathLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Gele­gentlich hat auch ein durch­weg als witzig auftre­tender Men­sch, wie ich es bin, so seine Momente. Manch­mal entste­hen dann bedauer­liche Prosa­texte, dumme Tweets oder ärg­er­liche Exzesse, meist aber ist die gute, alte Musik da. Musik lässt nie allein, Musik fragt nicht, Musik stellt keine unan­genehmen Fra­gen. Ich würde Musik heirat­en, wenn ich das Konzept der Heirat nicht für eine Verzwei­flung­stat hielte. “Marked for Death” (Amazon.de, TIDAL, Band­camp) gäbe andern­falls eine gute Ehe­musik ab.

Die Inter­pretin besagten Albums, 2016 erschienen (das Album, nicht die Inter­pretin), ist Emma Ruth Run­dle, eine dem­nächst 35-jährige “US-amerikanis­che Sän­gerin, Songschreiberin und Gitar­ristin”, wie die deutschsprachige Wikipedia zu ver­melden hat. Unter anderem ist sie Mit­glied der Red Sparowes, ein­er Postrock­band, die vor allem mit recht lan­gen Album­stiteln auf sich aufmerk­sam macht. Pri­vat macht sie ähn­lich dichte, jedoch stim­mungsvollere Musik mit ein­er­seits sakralen Titeln, ander­er­seits jedoch ein­er Atmo­sphäre, die ein Ignori­eren der Texte sowieso bewusst oder unbe­wusst her­beiführt. Es geht um das Über­haupt und nicht um das Wie.

Emma Ruth Run­dle — Heav­en (Offi­cial Audio)

Keine Band, nur Gesang und Gitarre. Braucht man mehr? Ich brauche nicht mehr. Auf dem Cover­bild sieht die Musik­erin so aus wie sie hier klingt. Das liegt schw­er im Magen und das soll es auch. Das Leben ist ja kein Pferded­ings­bums.

Emma Ruth Run­dle — Furi­ous Angel (Offi­cial Audio)

Kaufen und Hören sind somit emp­fohlen. Und dazu: Atmen, unbe­d­ingt.

Netzfundstücke
Die neuen Lauchwörter sind da!

Vor über zehn Jahren, als ich selb­st noch nicht so ein abgek­lärter alter Sack war wie heute, kon­nte ich es nicht immer ver­hin­dern, mit der jew­eils aktuellen Jugend­sprache kon­fron­tiert zu wer­den. In den Kreisen, in denen ich mich damals bewegte, war ger­ade ein türkisches Lehn­wort im Kom­men: “tschüüsch”, eigentlich wohl “çüş” geschrieben (aber wer kann schon Türkisch schreiben?), hieß so viel wie “huch!”, “echt wahr?” oder — lei­der viel zu oft — “erzäh­le uns mehr darüber!”.

Warum ich das aus­gerech­net heute erzäh­le? Nun, der Lan­gen­schei­dt-Ver­lag, zuver­läs­siger Garant für Stuss, hat wieder “ein Vot­ing”, so die Web­site (aus Archiv­grün­den archivierte Ver­sion), “am Start”, mith­il­fe dessen bis zum 16. Novem­ber das “Jugend­wort des Jahres 2018” ermit­telt wer­den soll. ‘Die neuen Lauch­wörter sind da!’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenNerdkrams
Als “ZEIT ONLINE” einmal nicht verstand, wie Suchmaschinen funktionieren

Und dann war da noch das ehe­mals in europäis­chem, inzwis­chen jedoch US-amerikanis­chem Sinne lib­erale Onlinemagazin “ZEIT ONLINE”, das sich über den US-amerikanis­chen Präsi­den­ten fol­gen­der­maßen beöm­melte:

US-Präsi­dent Don­ald Trump wirft dem Inter­netkonz­ern Google vor, kon­ser­v­a­tive Medi­en und damit pos­i­tive Berichte über ihn zu unter­drück­en. (…) Beweise für seine Vor­würfe nan­nte Trump nicht. (…) Google demen­tierte die Angaben des Präsi­den­ten. “Wir stufen Suchergeb­nisse niemals ein, um die poli­tis­che Stim­mung zu manip­ulieren”, teilte der im kali­for­nischen Moun­tain View ansäs­sige Konz­ern mit. (…) Experten legten nahe, dass Trump möglicher­weise nicht ver­ste­he, wie Such­maschi­nen funk­tion­ieren.

Haha, dieser Trot­tel. Der ver­ste­ht ein­fach nicht, dass Goog-

Eric Schmidt, Chef der Google-Hold­ing Alpha­bet, möchte auf das zu häu­fige Auf­tauchen der rus­sis­chen News-Seit­en Rus­sia Today (RT) und Sput­nik bei Suchan­fra­gen mit einem niedrigeren Rank­ing antworten.

Das ist aber dumm jet­zt.