Wenn das Schiedsgericht in einem großen Projekt zur gemeinsamen Erstellung und Pflege einer Enzyklopädie unter lautem Getöse implodiert, weil plötzlich jemand, der von den aktiven Enzyklopädisten mehrmals in Folge als herausragendes Mitglied der Gemeinschaft erkannt und daher in ein Richteramt gewählt wurde, seine Mitgliedschaft in der AfD bekanntgab, woraufhin mehrere andere Schiedsrichter, denen die Gemeinschaft ebenfalls ihr Vertrauen ausgesprochen hatte und die bis dahin vollkommen zufrieden miteinander waren, von ihrer Aufgabe zurücktraten, was letztlich dazu führte, dass über Klarnamenszwang in der Wikipedia nachgedacht wird und sich die hauptsächliche Diskussion um die Frage dreht, welche Gesinnung man als Freiwilliger in der Wikipedia denn haben dürfe, um konstruktiv und produktiv mithelfen zu dürfen, dann heißt das Problem, das hier zweifelsohne existiert, vermutlich eher nicht Rechtspopulismus.
Chaos Orchid Club (Nachtrag): Der #33c3 und die Feigen_blätter.
Stefan Krempl (“heise online”) findet, ich hätte ein Szeneblog, weil ich zufällig meinen Unmut über die politische Entwicklung des “Congresses” zu einem passenden Zeitpunkt verschriftlichte. Das ist eigentlich ein bisschen unfair, weil ich es eigentlich zu vermeiden versuche, diese Webpräsenz zu einem dieser elenden Nerdblogs verkommen zu lassen; aber gut, “heise online” (“Das Erwachen der Macht: Star Wars ist endlich erwachsen”, 16. Dezember 2015 u.v.m.) hält sich ja auch für eine Fachpublikation.
Seit meinem Aufreger ist manche Zeit ins Land gegangen und seitdem nicht wieder aufgetaucht, währenddessen geschahen im Wesentlichen zwei Dinge: Zum Ersten wurde der vorläufige “Fahrplan”, also die Vortragsliste, veröffentlicht. Einer meiner Kommentatoren, Thomas Wallutis, zählte auf dieser Liste die Themenblöcke zusammen und stellte fest, dass der mit Abstand größte der Blöcke “Ethics, Society & Politics” ist, mit 42 Vorträgen liegt dieser Sonderblock für Tagungstouristen, für die das Hackertum allenfalls noch lustige Folklore im Rahmenprogramm ist, sogar noch vor “Security” (37) und sowieso weit vor “Science” (17); Politik und Wohlfühlflauschiwatti sind eben wichtig, da sollen die Altnerds sich mal nicht so anstellen. Können ja auf Wahlpartys gehen, wenn sie was mit Computern machen wollen. In “Ethics, Society & Politics” komme sogar am Rande mal was Technisches vor, stellte er fest, also mal Ruhe bewahren hier. Es werden ja immer noch ein paar EDV-relevante Vorträge reingelassen, so schlimm wird’s dann wohl nicht sein. Das Feigenblatt — Entschuldigung, Sie haben da noch etwas Hacken zwischen den Zähnen — ist von wohlfeiler Art.
Zum Zweiten hat der CCC (da kann man noch so wortreich die Unterschiede zwischen dem Chaos Computer Club und der “Congress”-Veranstaltungs-GmbH zu erklären versuchen) das “Awarenessteam” für den kommenden “Congress” noch einmal erklärt; zusammenfassend sind das ein paar Freiwillige, die Hilfe bei Seelenwehwehchen anbieten:
Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus und andere Diskriminierungsformen sind auch dann nicht okay, wenn sie unbeabsichtigt geschehen. (…) Das Awarenessteam steht euch insbesondere zur Seite, wenn:
– ihr euch belästigt oder diskriminiert fühlt
– eure persönlichen Grenzen missachtet wurden
– ihr (akute oder strukturelle) Diskriminierung von anderen Teilnehmenden wahrnehmt
– ihr euch unwohl fühlt und eine Person zum Reden braucht
“Ableismus”, wie Fefe 2014 einmal anschaulich erläutert hat, ist die vermeintliche Diskriminierung von Menschen, die nicht alles können, was man selbst kann; insofern heiße es (siehe ebd.) selbstverständlich “Stand_Sitz_Liegepunkt” statt “Standpunkt”, denn nicht jeder Mensch ist des Stehens mächtig. Es sei übertrieben, davon zu reden, dass der “Congress” von Leuten mit einer eher merkwürdigen Agenda in eine bestimmte Richtung gelenkt werde, gaben Leser meines vorherigen Beitrags zum Thema zu bedenken, aber so sicher bin ich mir da keinesfalls.
Wenn sich eines dieser zarten Pflänzchen, die unbedingt auf einem vermeintlichen “Hackerkongress” sein zu wollen meinen, von einer vermeintlich rüden Zurückweisung, wie sie in introvertiert-technophilen Hackerkreisen durchaus nicht unüblich ist, derart verstört fühlt, dass ein ganzes Team nötig ist, um sein ansonsten irreparabel zerrüttetes Seelenheil wieder auf ein lebensfähiges Niveau zu hieven, dann hat etwas in seiner Entwicklung zu einem gesellschaftstauglichen Menschen dermaßen wenig funktioniert, dass der “Congress” sich höchstwahrscheinlich eher nicht als geeigneter Therapieplatz anböte. Der da war nicht nett zu mir. Gehaltsverhandlungen mit den Betroffenen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.
Vor ein paar Jahren gab es mit den “Creepercards” schon einmal eine Aktion, die das “Awarenessteam” ins öffentliche Bewusstsein brachte, indem ebensolche Orchideen ihr ständiges Beleidigtsein in Kartenform mitbrachten, was zu geradezu bizarren Anschuldigungen führte, allerdings in den folgenden Jahren nicht mehr wiederholt wurde. Nein, die neuen Mittel sind subtiler.
Und sie wirken viel zu gut.
Alle Jahre wieder: Thomas de Maizières verräterische Sprache
Um 0:20 Uhr sagte Thomas de Maizière, erschreckenderweise für innere Sicherheit des Landes zuständig, zu einem Zwischenfall mit einem Lastkraftwagen und einem dieser schrecklich überflüssigen Weihnachtsmärkte (cf. SPON et al.) exakt Folgendes im ZDF:
… dass es gerade das perfide Ziel von Terroristen ist, Unschuldige zu treffen.
Er betonte hierbei das Wort “Unschuldige” derart deutlich, dass es keinen Zweifel mehr gibt, dass Thomas de Maizière es für ein weniger perfides Ziel hält, Schuldige zu treffen; und diese Schuldigen werden, das sei weisgesagt, schneller ernannt als wir es uns jemals wünschen würden.
Das Weihnachtsgeschäft von Heckler & Koch wird, fürchte ich, ein gutes.
King Gizzard and the Lizard Wizard (live)
Montag, Tag des Sich-wie-gerädert-Fühlens; woran es nichts zu ändern vermag, den Vortag zumindest sinnvoll, nämlich: gemeinsam bei allerlei Zerstreuung und nicht zuletzt eben auch mit einander (nicht etwa bloß miteinander) verbracht zu haben, gänzlich ungeachtet der Folgen (i.e. bleierne Bettschwere), wie gewohnt.
Montag, Tag auch des Lieber-nicht-die-Nachrichten-Lesens, obwohl: aus Schadenfreude vielleicht. Linux ist sicher, so lange man es tunlichst zu nutzen vermeidet. Alles beim Alten, alles richtig gemacht. Alles falsch gemacht hingegen: Die Tagesschau-Sozialmedianer. Was ist das für eins Idiotie? Die gleiche Tagesschau, übrigens, die es für bedenklich hält, wenn die Prüfer für die obskuren “PISA”-Tests deutschen Schülern eine schlechte Bewertung für mangelhafte Kenntnisse in Grundfertigkeiten wie zum Beispiel hinsichtlich der Deutschkenntnisse geben. — Nicht, dass Deutschland ansonsten durch vorbildliches Sozialwesen auffiele: Die SPD schönte den Armutsbericht, hält es dann jedoch für angemessen, auf Twitter der CDU die Schuld zu geben. Jemand sollte die SPD dringend mal in die Regierung wählen, damit sie was ändern kann!
Montag, andererseits, auch Tag des Musikteilens.
Guten Morgen.
“Europäische Werte” des Tages (2)
Warum duldet die EU die Mitgliedschaft Frankreichs eigentlich noch?
Der Ausnahmezustand soll wegen der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr bis zum 15. Juli ausgeweitet werden. (…) Der Ausnahmezustand erlaubt Ausgangssperren, Durchsuchungen und Hausarreste ohne richterlichen Beschluss.
Entdigitalisierung als Chance
Vor einigen Tagen schwebte ein Tweet in meine Aufmerksamkeitsblase, der eine Karte des gesamten Internets von Mai 1973 enthielt:
Das Internet (“das war doch das mit dem blauen E / der bunten Kugel, ne?”) hat sich seitdem verändert, wenn auch nicht unbedingt zum Besseren. Nicht immer ist mehr auch besser, gerade qualitativ ist das Netz durch den Zuwachs an Linuxforen, Personalityblogs und spammenden Mailservern nicht gerade gewachsen. Dass die Benutzer selbst dabei eine große Rolle spielen, ist nicht von der Hand zu weisen, und wahrscheinlich wäre vieles gewonnen, würde das Grundrecht auf Internetnutzung (sinngemäß spätestens 2013 vom Bundesgerichtshof etabliert) an ein Mindestmaß an Medienkompetenz gebunden, so dass diejenigen, die alles anklicken, was wie ein Link aussieht, und dadurch einer Menge Menschen gelegentlich eine Menge Schaden zufügen, gezwungen wären, sich ein weniger schädliches Hobby zu suchen. Nebeneffekt: Die Spammerbranche würde ausgetrocknet. Dass Freiheit nicht vor Sicherheit gehe, ist ein viel zitiertes Memorandum der geschätzten Bundesregierung — und nie wäre seine Umsetzung willkommener als in diesem Kontext.
Aber die Regierung (nun: die Judikative) tut ihr gewohnt Bestes, die Verbreitung von Spam gesetzlich einzuschränken, indem sie zum Beispiel Verlinkungshaftung etabliert (selbstredend nur für die Anderen), was zumindest dem Abmahnunwesen einen neuen Aufwind verschaffen dürfte.
Ganz ungeachtet dessen, dass Verlinkungen sozusagen das Rückgrat eines wie auch immer gearteten Kommunikationsnetzes bilden, versteht sich.
Die Digitalisierung ist ein wertvolles Kulturgut? Je nach Definition von Kultur. Wenn meine Kloschüssel über des Nachbarn WLAN meinem Kühlschrank sagt, er solle schon mal mein Auto hochfahren, dann ist einiges im Argen. Aber auch das ist nur ein Symptom der Digitalisierung von Narren. Tatsächlich: sie war es einmal und sie könnte es wieder sein, schlösse man nur endlich die Kulturbanausen aus. Ein globales Kommunikationsnetz nationaler (Quatsch: regionaler, nämlich Hamburger) Jurisdiktion zu unterstellen ist jedenfalls in mehrfacher Hinsicht problematisch. Worüber soll ein deutsches Landgericht denn noch so entscheiden dürfen — Bundeswehreinsätze? TTIP? Klimaabkommen? Die Existenz eines Gottes gar? (Indes: Angesichts der bisherigen Historie des durchweg antiliberalen Landgerichts Hamburg wäre voraussichtlich nichts davon irgendwie zu begrüßen.)
Jaja, deutsches Internet muss unter deutschen Gesetzen stehen, sagen seine Juristen. Ich sage: Eine Entdigitalisierung der Welt in den Grenzen von 1973 würde wirklich viele Dinge sehr viel angenehmer machen. Das Grundrecht auf ein Internet sollte dort enden, wo die Rechte eines aufgeklärten, fortschrittlichen Menschen berührt werden.
Also irgendwo kurz vor Hamburg.
Iwan des Tages: Freiheit gegen Redaktionen
Die Freiheit Deutschlands muss auch am Kaukasus verteidigt werden! Im Kampf gegen den Iwan, den verdammten Putin, ist also jedes Mittel recht und billig, sollte man meinen. Et ecce:
Heveling verdächtigt Moskau, die Meinungslage in Deutschland durch Hacker beeinflussen zu wollen. “Russland hat ein Interesse daran, unsere Gesellschaft zu spalten und zu verunsichern”, sagte der CDU-Politiker der “Passauer Neuen Presse”. “Die Gefahr ist groß.” (…) Im Kampf gegen “erfundene Nachrichten, Verschwörungstheorien, Hass und Hetze” werde die Koalition den rechtlichen Rahmen “konsequent ausschöpfen und bei Defiziten nachschärfen”, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann in den Funke-Zeitungen.
Nun ist die Definition von “Hass” ja durchaus eine, über die es sich zu streiten kaum lohnt, zu emotional sind die Gemüter der Berufsbeleidigten jeglicher politischer und sonstwie gedanklicher Färbung aufgeladen, zu unerträglich der immergleiche #aufschrei der Verfechter des Rechts auf Selbstgerechtheit. Allein über “erfundene Nachrichten” und “Hetze” zu diskutieren mag ergiebig sein, denn ein Verbot der springerschen Quatschmedien nebst Einkerkerung der gefälligst verantwortlich zu Machenden täte der Gesellschaft allenfalls moralinsauer theoretisch, nicht aber evolutionär einen Abbruch.
Ach so, im freien Westen gilt Pressefreiheit und Staaten, die diese nicht für uneingeschränkt gültig halten, können sich nicht als freie Staaten begreifen? Da bin ich ja beruhigt, dann haben die Tagesthemen nichts zu befürchten:
In einem Kommentar in den Tagesthemen forderte die WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich eine Selbstverpflichtung von Facebook und Co., gegen gefälschte Nachrichten vorzugehen. Es dürfe nicht sein, dass gefälschte Nachrichten mehr Verbreitung fänden als recherchierte. (…) Rechtlich gesehen verbreitete Mickich damit selbst Fake News, denn nach dem (eigentlich einfach zu recherchierenden) Art. 5 GG hat jeder das Grundrecht, “sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten”, worunter selbstverständlich auch der Stammtisch im Internet zählt.
Aber gut, Wahlbetrug durch den Russen wollen wir hier nicht. Nichts ist einem Russen wichtiger als dafür zu sorgen, dass hier die Richtigen gewinnen. Die Russenpartei Deutschlands vielleicht. Die meisten Fake-Nachrichten werden vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Zeit nach Feierabend zwischen 17 und 19 Uhr an seinem Schreibtisch im Kreml handschriftlich und unter heftigem Gekichere verfasst. Das ist die einzig logische Erklärung.
Putin ein Schnippchen schlagen. So und nicht anders. Alle Zeitungen zumachen, damit Putin sie nicht hacken lässt. Propaganda? Quatsch, Friedenssicherung! Wenn der Russe, schwer mit Tastaturen und Skimasken bewaffnet, wieder vor der Tür steht, werden wir der CDU noch dankbar sein.
Sofern wir davon überhaupt erfahren. Die Feindpresse ist tabu.
Sigur Rós — Brennisteinn // Linke Fantasten
Es ist Montag, (und: montags ins Büro zu hüpfen, weil die Laune so großartig ist, hätt’ man noch vor wenigen Jahren auch für einen Ausdruck von Geistesschwäche gehalten, aber) man fühlt sich fein. Hunger, verfluchter, nach dem, was (bzw. eben: der, die) wirkt. Kaffee?
Weil man ja auch lieber nicht die Politik berücksichtigen mag. Die zweitälteste, aber allerrenitenteste Partei Deutschlands wirbt damit, einst das Kaiserreich zu Fall gebracht zu haben, vergisst aber ein paar geschichtliche Details, die dann doch eher mit den “Linken” (damals: des der USPD entsprungenen Spartakusbundes, dessen Geschichte mit ein paar SPD-befeuerten Morden weitgehend endete) zu tun haben. Ein Gespenst geht um.
In Berlin darf dieses Gespenst immerhin endlich wieder spuken: Eine knappe Mehrheit in der Berliner “Linken” (das sind die mit dem Stasiproblem, Andrej Holm war mir allerdings zuvor nur als schlechter Journalist aufgefallen) findet zu Recht, die Berliner “Linke” sei noch viel zu erfolgreich, und ernannte jüngst Julia Schramm (F.D.P., Piratenpartei, jetzt Linke, bestimmt bald wieder woanders, es sich zu merken lohnt sich also nur bedingt) zu einem ihrer Vorstände. Man muss vielleicht kein Masochist sein, um heute noch Parteilinker zu werden, aber helfen wird’s sicherlich.
Fast wär’ die schöne Montagslaune dahin. Schlimmer noch: Kürzlich hörte ich Sigur Rós’ “Brennisteinn” als Untermalung einer Parfümwerbung. Wenn Musik nur noch Ware ist, die Kunst also zum Mittel zum Zweck wird, dann ist das Ende der Zivilisation keine ferne Zukunft mehr, sondern bittere Realität. Tun wir etwas dagegen. Make Brennisteinn great again!
Guten Morgen.
Medienkritik CIII: Helene Fischer: Was sie JETZT tut, hätten wir NIE erwartet!
Das Groschenheftchen “Closer” war hier schon mal Thema, es zeichnet sich durch das Fehlen jeglicher interessanter Inhalte aus, indem es sich wochenlang mit drittklassigen Würstchen aus dem Fernsehen befasst, deren Namen man schon beim Lesen wieder vergessen möchte. Trotzdem schafft seine Redaktion es, einen roten Faden durch die ganze Geschichte des “Magazins” zu ziehen.
Es folgt zur Veranschaulichung eine Auswahl aus “Closer”-Titeln seit Juli 2016:
Und:

Ist ja auch frech. Die soll gefälligst nicht so fett werden, wenn sie schon mal entführt wird. Soll gefälligst aussehen wie ein afrikanisches Kind, die Kampusch!
Wenigstens Helene Fischer bleibt ein gutes Vorbild:

Äh, blieb — bis ungefähr diese Woche:
Ich sehe sie schon vor mir, die “Closer”-Autoren, wie sie schluchzend in der Chefredaktion vorstellig werden.
“Helene Fischer…”
“Ah, die schlanke schöne!”
“Ja, aber… sie… sie ist dicker geworden! Was wird jetzt aus unserer Glaubwürdigkeit?”
“… Kein Problem, schreibt einfach was von Trend!”
“Gute Idee, Chef!”
Andererseits: Juhu — endlich im Trend!
Liegengebliebenes vom 8. Dezember 2016
Warum sollte man die CDU wählen? Na, damit Verbotenes endlich illegal werden kann! Damit reiht sie sich immerhin nahtlos ein in die Riege der aufrechten Demokraten, deren Politik vor Postfakten kaum noch zu sehen ist, allen voran Frankreich, das am liebsten Terrorismus verbieten würde, wenn es nur wüsste, welches Gesetz es dafür ändern muss.
Apropos postfaktische Verbote: In Sankt Andreasberg soll Adolf Hitler die vor schlappen 71 Jahren gesetzlich ausgelaufene Ehrenbürgerwürde nachträglich aberkannt werden; es gehe nicht um Fakten, sondern um Emotionen, bekundete sichtlich schäumend der Initiator und fasste damit das Problem an der Sache ganz gut zusammen. Hatter jetz davon, der Hitler. Kein Bergbreit!
Iwan des Tages: USA beliefern al-Kaida mit Waffen, damit Putin nicht gewinnt. Was kann da schon schiefgehen?
Bratzen, apropos: Es scheint eine selfie-challenge zu geben, die darin besteht, dass man sich selbst nackt fotografiert und Wesentliches (oder vermutlich gänzlich Unwesentliches) einzig mit einem Finger verdeckt. Rente? Wir? Ha!
“Sicherer als Windows” des Tages (6)
Na, auch Linux statt Windows zu Hause?
Dann patcht mal schön euren Kernel!
Vinyl 3 (4): Eine neue Hoffnung.
Es möge kaputtkomprimierter Klangbrei alsbald ein grausames Ende finden: Vinyl sorgt in Großbritannien derzeit für mehr Umsatz als Downloads.
(via Fefe)
Mike Oldfield — Tubular Bells // Doof genug für’s BKA.
Es ist Montag und arschkalt; eine Kombination, der zumindest ein warmer Arbeitsplatz mit heißem Kaffee etwas Linderung zu verschaffen vermag, wenn die Bett- und Menschenwärme der letzten Nacht schon abzuklingen beginnt. Wie zum Trotz scheint die Sonne noch dazu, als versuchte sie ihre Autorität zu wahren; die gelbe Sau (PeterLicht, 2001 u.a.).
Wenn es schon um andere Bereiche des Lebens nicht so gut bestellt ist, Chartaschreiber (schönes Schimpfwort eigentlich) selbstredend mitgemeint; die andererseits auch gute Bundespolizisten wären, denn dort ist einfaches Textverständnis optional: Deutsch nich gutt? Einfach die Anforderungen senken. Nachdem ein Polizist schon nicht mehr besonders sportlich sein muss, weil es für eine angemessene Kondition nicht mehr reicht, kann er jetzt auch noch zu blöd für seine eigene Muttersprache sein. Verfolgungsjagden erledigt man ja im Auto und Schreiben tut man mip’m Computer, der macht das schon. Die Welt wird blöd und man selbst ist mittendrin.
Da ist nicht mal Musik noch heilig: Spotify ist viel besser als Vinyl, sogar die Werbung funktioniert besser als erwartet. Ein typisches Produkt für Applekunden also? Nein, selbst die werden milde: “Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich Apples MacBook Pro eher an Anwender richtet, die ihre Tastatur betrachten, denn an Mac-Nutzer, die diese auch nutzen wollen.” Eine späte, aber zumindest weise Beobachtung, immerhin.
Auch beobachtet: Montag ist’s. Zeit für etwas Musik.
Guten Morgen.
“Europäische Werte” des Tages
Apropos Charta: Dass die Türkei mit ihrem eigenwilligen Verständnis von Grundrechten in einer vordergründig freiheitsliebenden Gemeinschaft wie der Europäischen Union nichts zu suchen hat, steht wohl außer Frage. Vielleicht ist es aber Zeit, einmal darüber nachzudenken, ob diejenigen, die bereits drin sind, wirklich hineinpassen.
Auf heise online ist zu lesen:
Immer mehr Menschen werden in Frankreich zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie “regelmäßig Internetseiten mit Terror-Propaganda” aufgesucht haben. (…) Wie Le Monde berichtet, wird zum Beispiel kritisiert, dass der Begriff “Terrorismus” überhaupt nicht klar genug definiert sei.
Die Werte des freien Westens lassen sich erschreckend genau beziffern.
Kurzkritik: Electric Orange — misophonia
Das Quartett Electric Orange kommt aus Aachen, was irgendwie noch als Deutschland zählt, und hat mit “misophonia”, was Englisch für “Misophonie” ist, was wiederum Kompliziert für eine geringe Geräuschtoleranz (“Hass auf Geräusche”) ist, was ein angenehm selbstironischer Name ist, was jetzt dann doch etwas zu viele Nebensätze sind, im Jahr 2016 ihr immerhin elftes Vollzeitalbum (Stream und Kauf) herausgebracht.
An Geräuschen mangelt es hier allerdings keineswegs, Perkussion und Schlagzeug sind stets präsent. Wohin die Reise, äh, der trip geht, wird schon im ersten und mit 18 Minuten Laufzeit auch längsten Stück auf “misophonia”, “Organized Suffering”, deutlich. Weite Klangflächen, etwas Orgelspiel, immer aber auch die Gitarre, kein Gesang; Drogenmusik par excellence. Im folgenden “Bottledrone” treibt die Band dies mit Pink-Floyd-Referenzen auf die Spitze, nur um dann noch einmal zu betonen, wo der Spacerock eigentlich seinen Anfang nahm. Müsste ich ein Adjektiv für “misophonia” wählen, so wählte ich “flächig”, um nicht abermals den abgenudelten Begriff “sphärisch” zu verschwenden. Selbst in den für Electric-Orange-Verhältnisse schnelleren Momenten, etwa in dem schlagzeuggetriebenen “Demented”, findet man unwirklich schwebende anstelle erdig rockender Klänge. Müsste ich dazu tanzen, ich würde in ausladenden Bewegungen eine Acht beschreiben und sähe dabei vermutlich sehr lustig aus.
Drei der acht Stücke auf “misophonia” sind das Titelstück, namentlich “Misophonia” I bis III, das mit grollendem Bass Beklemmung als weiteres Gefühl in die Reise einbringt, nach Freiheit klingende Trompete (Trompete?!) hin oder her. Tangerine Dream ist euch zu langweilig? Das verstehe ich. Versucht es doch mal mit Electric Orange.
Mit “Opsis” lassen Electric Orange lateinamerikanischen Tanz in ihrem Klanguniversum geschehen, bevor das abschließende “Misophonia III” den Hörer mit Dissonanzen und ruckartigem Schlagzeug aus der Trance rüttelt, nur um ihn dann wieder sanft entschweben zu lassen. Ein Album wie ein Sonnenaufgang am Meer.













