NetzfundstückeIn den Nachrichten
Himm­li­sche Kör­per, neue Alt­bau­ten

Ent­war­nung einer‑, Ver­wun­de­rung ande­rer­seits in New York: Bei der Gala „Himm­li­sche Kör­per: Fashion und die katho­li­sche Vor­stel­lungs­welt“ gab es kei­ner­lei nack­te Kna­ben, son­dern bloß rei­che Frau­en in bizar­ren Kla­mot­ten und damit ins­ge­samt eher unka­tho­li­sche Din­ge zu sehen.


Zufalls­fund der Woche: In Frank­furt am Main wird vor­aus­sicht­lich noch die­ses Jahr etwas offi­zi­ell „eröff­net“, das „Neue Frank­fur­ter Alt­stadt“ genannt wird und aus neu­en alten Häu­sern besteht. Unklar ist, ob es zu die­ser Zeit dun­kel sein wird, wäh­rend der Mond hell scheint.

Nerdkrams
Ein Monat mit Omni­OS: Ande­re sind schon mit BSD über­for­dert.

Wer hier regel­mä­ßig mit­liest, der hat even­tu­ell mit­be­kom­men, dass mei­ne 2012 ent­fach­te und spä­ter gele­gent­lich wie­der the­ma­ti­sier­te Begei­ste­rung für das Betriebs­sy­stem Free­BSD im Febru­ar 2018 ein jähes Ende fand.

In einem selbst für mich über­ra­schen­den Anflug von Fol­ge­rich­tig­keit stell­te ich mit Erschei­nen des letzt­ver­link­ten Arti­kels jede Arbeit an Free­BSD-Unter­stüt­zung für jedes mei­ner Pro­gram­me ein und begab mich auf die Suche nach einem geeig­ne­ten Ersatz für mei­nen Web­ser­ver. ‘Ein Monat mit Omni­OS: Ande­re sind schon mit BSD über­for­dert.’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Ter­mi­nal Cheese­ca­ke – Blow Hound

Ich trage heute meine Montagsfrisur.Es ist Mon­tag. Das muss doch nicht schon wie­der sein. Sex mit Fischen ist das neue gro­ße Ding, sel­ten schie­nen ande­re Tie­re so wenig ver­stö­rend. Eine Aus­nah­me sind und blei­ben aller­dings Pan­da­bä­ren – wer könn­te von ihnen ver­stört sein?

Ver­stö­rend ist aber auch wei­ter­hin die Poli­tik. Damit mei­ne ich nicht ein­mal nur die CDU, deren Ber­li­ner Lan­des­vor­sit­zen­de die wenig­stens muti­ge Behaup­tung ins Web kübel­te, dass das Inter­net in einer Demo­kra­tie nicht gut auf­ge­ho­ben sei, weil es „mehr Frei­raum“ bie­te, als Demo­kra­tie „ver­tra­ge“, wes­halb ein „poli­ti­sches Update“ nötig sei. Immer, wenn jemand von der CDU von einem Update redet, fällt in irgend­ei­nem Büro der für das Aus­drucken von E‑Mails zustän­di­ge Prak­ti­kant lachend vom Stuhl, ver­mu­te ich. Rou­ti­ne ver­stört nicht mehr. Viel ver­stö­ren­der jedoch ist ihre süd­deut­sche Schwe­ster­par­tei: Mar­kus Söder emp­fin­det es als eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass eine Hor­de Fuß­ball­spie­ler für einen Sieg einen Staats­emp­fang ver­dient habe, obwohl das frän­ki­sche Nürn­berg doch mit sei­nem Bun­des­land über­haupt nichts zu tun haben will. Im All­ge­mei­nen scheint man in Bay­ern nicht mehr alle Lat­ten am Zaun zu haben. Der Tra­di­ti­ons­part­ner lässt sich da natür­lich nicht lum­pen: Auch die F.D.P., mir zwi­schen­durch etwas weni­ger unsym­pa­thisch als noch 2013 gewor­den, hat es bedau­er­li­cher­wei­se geschafft, mich durch rei­ne Dumm­heit davon zu über­zeu­gen, dass wei­te­re Sym­pa­thie eine beknack­te Idee wäre.

Kann man denn gar nichts mehr lesen, ohne von Stuss umge­ben zu sein? Doch: Die „Washing­ton Post“ ver­öf­fent­lich­te am ver­gan­ge­nen Frei­tag einen Arti­kel, der den jahr­zehn­te­lang schwe­len­den Streit dar­über, wie vie­le Leer­zei­chen zwi­schen zwei Sät­zen ein­ge­fügt wer­den soll­ten, end­lich und end­gül­tig bei­legt: Zwei natür­lich. Hof­fent­lich gibt es bald eine Mög­lich­keit, das in HTML abzu­bil­den, ohne sich mit unsicht­ba­ren Son­der­zei­chen zu behel­fen.

Die­ser Sieg der WIs­sen­schaft ruft gera­de­zu nach ein wenig ver­que­rer Musik. Hier mein Vor­schlag:

Ter­mi­nal Cheese­ca­ke – Blow Hound

Guten Mor­gen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurz­kri­tik: Humu­lus – Rever­ent­ly Hea­ding Into Nowhe­re

Wenn die Ita­lie­ner nicht gera­de merk­wür­di­ge Poli­tik her­vor­brin­gen, machen sie statt­des­sen oft ver­nünf­ti­ge Musik. Wenn sie dabei auf Gesang ver­zich­ten oder ihn in einer ande­ren als der Lan­des­spra­che vor­brin­gen, die beim Sin­gen wirk­lich nicht mehr schön klingt, dann ist mir das mit­un­ter eine Emp­feh­lung wert.

Das Trio Humu­lus etwa, das sei­ne Musik als eine „Kom­bi­na­ti­on aus fet­ten Fuzz­gi­tar­ren, schwe­ren Riffs und einer Men­ge Bier“ bezeich­net, ver­öf­fent­lich­te 2017 mit „Rever­ent­ly Hea­ding Into Nowhe­re“ (Amazon.de, Bandcamp.com) sein zwei­tes Voll­zeit­al­bum und hat auf ihm nicht viel falsch gemacht.

Im Wesent­li­chen spie­len „Humu­lus“ sich zwi­schen 70er-Hard­rock und Stoner Rock eine eige­ne Nische her­aus, nicht ohne dabei die eigent­lich obli­ga­to­ri­schen Zuta­ten Fuzz­gi­tar­re und ordent­lich Hall best­mög­lich aus­zu­nut­zen.

Humu­lus – Ana­chron­aut (exclu­si­ve preview/Album 2017)

Sän­ger und Gitar­rist Andrea Van Cleef (mit der deut­schen Plat­ten­fir­ma glei­chen Nach­na­mens zumin­dest musi­ka­lisch erfreu­lich unver­wandt) beherrscht das ent­spann­te Croo­ning („Distant Deeps Or Ski­es“), inso­weit es in die­se Art von Musik passt, mit sei­ner ange­neh­men tie­fen Stim­me eben­so wie die gesang­li­che Eska­la­ti­on. Bas­sist Gior­gio hat das Glück, auf einen ver­stän­di­gen Pro­du­zen­ten getrof­fen zu sein, wie sein herr­lich brum­men­der Bass, der in genau den rich­ti­gen Momen­ten auch ein­mal in den Vor­der­grund gespielt wer­den darf, beweist.

Humu­lus – Cats­kull

Mit „Rama Kush­na“ gibt es am Ende von „Rever­ent­ly Hea­ding Into Nowhe­re“ einen glat­ten Stil­bruch, näm­lich ein elf­mi­nü­ti­ges Shoe­ga­zing, das – wie auch der Rest des Albums – bei aller begrün­de­ten Abnei­gung gegen die­se Art von Begrif­fen ziem­lich groo­vet.

Natür­lich ist „Rever­ent­ly Hea­ding Into Nowhe­re“ letzt­lich auch nur eines die­ser Stoner-Rock-Alben, die sich nur gering­fü­gig von ihren Regal­kol­le­gen unter­schei­den. Stoner Rock hört man nicht der Abwechs­lung wegen. Zwei­fel­los aber gehört die­ses Album nicht zu denen, die man sich nicht trotz­dem mer­ken soll­te. Gute Arbeit.

PolitikIn den Nachrichten
Sozia­le Gebrech­lich­keit: Lin­ke „Lin­ke“ gegen „lin­ke“ Lin­ke und für gegen Isra­el.

Mei­ne bei­den Lieb­lings­sät­ze aus die­sem Arti­kel im sicher­lich umstrit­te­ner­wei­se marx­freund­li­chen „Neu­en Deutsch­land“ besa­gen, dass Lin­ke Stei­ne auf ande­re Lin­ke gewor­fen hät­ten und es bei Sach­schä­den geblie­ben sei. Nicht klar ist, ob sie denn nun ihr jewei­li­ges Ziel getrof­fen haben oder nicht.

Im All­ge­mei­nen ging es, behaup­tet der Arti­kel, jeden­falls dar­um, dass neo­li­be­ra­le, also anti­im­pe­ria­li­sti­sche, Lin­ke sich vor­ge­stern in Bochum mit impe­ria­li­sti­schen, also „anti­deut­schen“, Lin­ken dar­um zu prü­geln such­ten, ob die ein­zig wah­ren „Lin­ken“ nun die­je­ni­gen, die das Zer­fet­zen von palä­sti­nen­si­schen Zivi­li­sten ableh­nen, oder die­je­ni­gen, die das Zer­fet­zen von israe­li­schen Zivi­li­sten ableh­nen, sei­en. Für das „Neue Deutsch­land“ ist der Fall, sofern man aus der Wort­wahl etwas fol­gern soll­te, offen­sicht­lich klar, denn die Ableh­nung israe­li­scher Außen­po­li­tik sei in toto als Anti­se­mi­tis­mus und Isra­el­hass zu erken­nen, als müs­se man immer gleich alles has­sen, gegen was man demon­striert. Dass eine Demon­stra­ti­on gegen eine Situa­ti­on im All­ge­mei­nen einer Demon­stra­ti­on für eine ande­re Situa­ti­on nicht vor­zu­zie­hen ist, habe ich anders­wo schon ein­mal erläu­tert.

Bei der media­len Bericht­erstat­tung über den aus libe­ra­ler Per­spek­ti­ve groß­ar­ti­gen Geschichts­witz, dass sich hier der Teil der ehe­ma­li­gen Arbei­ter- und Frie­dens­be­we­gung, der nicht im Gefol­ge der CDU ver­sumpft ist, gewalt­sam dar­um strei­tet, wel­ches Land wohl mehr Recht dazu habe, Aus­län­der zu meu­cheln, gehe es, gibt eine „Akti­vi­stin“, wie das „Neue Deutsch­land“ sie nennt, zu Pro­to­koll, „dar­um, die radi­ka­le Lin­ke zu dis­kre­di­tie­ren, indem auf lin­ken Anti­se­mi­tis­mus abge­ho­ben wird“, als sei jemand, der sich selbst als Teil eines radi­ka­len poli­ti­schen Rands ver­steht und dar­an nichts ändern möch­te, über­haupt noch wei­ter dis­kre­di­tier­bar.

Der ver­lust­rei­che, jahr­zehn­te­lan­ge Krieg zwi­schen Isra­el und Palä­sti­na jeden­falls, sind sich die Kon­tra­hen­ten einig, sei gut und rich­tig, nur über den­je­ni­gen Staat, der ihn gewin­nen soll, herrscht auch wei­ter­hin Unei­nig­keit. Es scheint mir unter Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass sowohl Palä­sti­na als auch Isra­el von die­sem Geze­ter wohl nur wenig beein­flusst wer­den, eine zumin­dest erwä­gens­wer­te Alter­na­ti­ve zu sein, um die not­wen­di­ge Ent­schei­dung in die­sem Streit ein­fach zu wür­feln oder Stroh­hal­me zu zie­hen.

Allein die Her­stel­ler deut­scher U‑Boote soll­te man in die­se Ent­schei­dung nicht unbe­dingt ein­be­zie­hen.

In den NachrichtenWirtschaft
Neu­es aus Chi­na: USA kri­ti­sie­ren US-Poli­tik.

(Vor­be­mer­kung: Je mehr ich über Wirt­schaft schrei­be, desto weni­ger Ahnung habe ich davon.)

Seit 2009 besteht in den USA wie auch in EU-Staa­ten ein Beschluss zur finan­zi­el­len För­de­rung des Absat­zes von Elek­tro­au­tos in Höhe von bis zu 7.500 US-Dol­lar pro Fahr­zeug. Ob die Grün­de dafür öko­no­mi­scher oder öko­lo­gi­scher Natur waren, sei an die­ser Stel­le ein­mal unbe­rück­sich­tigt gelas­sen. In der welt­weit füh­ren­den Import­na­ti­on USA behei­ma­te­te Auto­mo­bil­her­stel­ler kom­men jedoch kaum umhin, die benö­tig­ten Ein­zel­tei­le aus ande­ren Staa­ten, oft auch Chi­na, zu impor­tie­ren.

Unter dem Schlag­wort „Made in Chi­na 2025“ – anschei­nend reden die da alle Eng­lisch – wür­de auch der chi­ne­si­sche Staat selbst gern unter ande­rem Elek­tro­au­tos för­dern und dafür gege­be­nen­falls die Import­zöl­le sen­ken, wovon selbst die USA pro­fi­tie­ren wür­den, denn für ein Unter­neh­men wie Tes­la wür­de der chi­ne­si­sche Markt dadurch deut­lich loh­nens­wer­ter.

Über­ra­schend stellt sich her­aus, dass die USA das doof fin­den:

Vor allem die chi­ne­si­sche Indu­strie­stra­te­gie “Made in Chi­na 2025”, mit der die Volks­re­pu­blik zum welt­wei­ten Tech­no­lo­gie­füh­rer auf­stei­gen will, wird von den Ame­ri­ka­nern kri­ti­siert, da Chi­na bei sei­ner tech­no­lo­gi­schen Auf­hol­jagd mas­siv auf staat­li­che Sub­ven­tio­nen setzt.

Erst klau­en die die tol­len Pro­dukt­ideen aus den USA und dann auch noch deren Wirt­schafts­po­li­tik. Un-ver-schämt-heit! :motz:

Bonu­s­poin­te:

US-Prä­si­dent Donald Trump for­dert von Chi­na, dass es sei­nen Han­dels­über­schuss mit den USA min­de­stens um 100 Mil­li­ar­den US-Dol­lar redu­ziert.

Wenn man doch bloß nen­nens­wer­te Indu­strie hät­te, deren Pro­duk­te irgend­wer haben wol­len wür­de, nicht wahr?

In den NachrichtenNerdkrams
Tore zum Mist­mach­web (3): Hun­de­kot gehört zum Vor­gar­ten dazu!

Pünkt­lich zur Fei­er des Tages – heu­te vor 40 Jah­ren wur­de die erste Spam­mail ver­sandt – quatsch­te Tor­sten Kleinz auf der „re:publica“, dem all­jähr­li­chen Pim­melfech­ten von haupt­be­ruf­li­chen Rekla­menul­len, in sei­nem sog. „Vor­trag“ dar­über, war­um man im Zeit­al­ter von all­ge­gen­wär­ti­gem Schutz gegen Web­müll auch wei­ter­hin sei­nen Besu­chern (mit­hin: Kun­den) mit Rekla­me auf den Sack gehen soll­te, angeb­lich dies:

Wir müs­sen Wer­bung ver­ste­hen, denn sie gehört zum Inter­net.

Wenn ich einen Vor­gar­ten hät­te und es wür­de jemand sei­nen Hund dort hin­ein­kacken las­sen, dann wür­de ich ihm mög­li­cher­wei­se eher wenig Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brin­gen, son­dern unter Vor­brin­gung über­zeu­gen­der Argu­men­te erwar­ten, dass er sich in mög­lichst kur­zer Zeit vom Acker machen möge, nicht ohne die hin­ter­las­se­ne Schei­ße in einem mög­lichst pein­li­chen Tüt­chen mit sich zu füh­ren. – Was höre ich da: Das Inter­net sei gar nicht mein Vor­gar­ten? Noch weni­ger aber ist es der ihre!

Als für jeden ersicht­li­che posi­ti­ve Aspek­te der Pla­ka­tie­rung, bevor er auf die ver­meint­lich wesent­li­chen Kehr­sei­ten von Online­wer­bung zu spre­chen kommt, nennt Tor­sten Kleinz in sei­ner Vor­trags­be­schrei­bung, dass es immer mehr Pod­casts, in denen zwei oder mehr Men­schen in lei­ern­dem Ton­fall stun­den­lang und ohne ver­nünf­ti­ge Mög­lich­keit, ein Äqui­va­lent zu einem Lese­zei­chen an einer geeig­ne­ten Stel­le ein­zu­fü­gen, Blog­ar­ti­kel und Tweets zusam­men­fas­sen, und Video­bei­trä­ge auf vie­len Web­sites, in denen unsicht­ba­re „Jour­na­li­sten“ ohne ver­nünf­ti­ge Mög­lich­keit, ein Äqui­va­lent zu einem Lese­zei­chen an einer geeig­ne­ten Stel­le ein­zu­fü­gen, Nach­rich­ten vor­le­sen, gibt. Was Tor­sten Kleinz („Jour­na­list“, u.a. „ZEIT ONLINE“) gegen Schrift hat, weiß ich lei­der nicht mit Sicher­heit, aber ich habe eine Ver­mu­tung („ZEIT ONLINE“).

Ich füh­le mich, das sei gesagt, im Use­net fast täg­lich ein biss­chen woh­ler.

(Teil 1, Teil 2)

In den NachrichtenComputer
Glas­fa­ser­ab­bau mit der Gro­ßen Koali­ti­on

Da die deut­sche Alpha­blog­ge­ria gera­de drei Tage lang damit beschäf­tigt ist, vor­ein­an­der blog­zu­wich­sen, gibt uns dies Gele­gen­heit, zur Abwechs­lung mal über wich­ti­ge The­men zu spre­chen, ohne in einer Wel­le aus Sascha-Lobo-Rabu­li­stik und „Netzpolitik“-Eigenliebe völ­lig über­se­hen zu wer­den.

Hat zum Bei­spiel jemand mit­be­kom­men, dass im Koali­ti­ons­ver­trag der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung im vier­ten Kapi­tel („Offen­si­ve für Bil­dung, For­schung und Digi­ta­li­sie­rung“, Sei­te 11 unten ff.) ver­spro­chen wur­de, dass Deutsch­land, wenn es schon zu blöd für Flug­hä­fen ist, wenig­stens in Sachen Breit­band­aus­bau nicht mehr das Gespött Euro­pas sein soll­te?

Digi­tal­pakt Schu­le mit 5 Mil­li­ar­den in fünf Jah­ren für star­ke Digi­tal-Infra­struk­tur an allen Schu­len[.] (…) 10 bis 12 Mil­li­ar­den Euro für flä­chen­decken­de Glas­fa­ser-Net­ze, mög­lichst direkt bis zum Haus.

Noch im Febru­ar wur­de die­ser Glas­fa­ser­aus­bau als gege­ben hin­ge­nom­men. Aber ein biss­chen beei­len, weiß heu­te „ZEIT ONLINE“, muss sich die Bun­des­re­gie­rung mit die­sen Plä­nen schon, denn Olaf Scholz (SPD, wie sich das für einen Poli­ti­ker ohne Sach­ver­stand eben gehört) hat ab über­näch­stem Jahr was vor:

Der Bund will sei­ne öffent­li­che Inve­sti­tio­nen in den kom­men­den Jah­ren zurück­fah­ren. Die Aus­ga­ben dafür sol­len von 37,9 Mil­li­ar­den Euro im kom­men­den Jahr auf 33,5 Mil­li­ar­den Euro im Jahr 2022 sin­ken.

Ver­ste­he schon: Die Bun­des­wehr ist eben teu­er.

Sonstiges
Kurz ange­merkt zum 1. Mai: Alles wie immer.

Wenn mili­tan­te Hor­den, deren Dis­kurs­pra­xis selbst die CDU fürch­tet und deren Wap­pen „nie­mand ist ille­gal“ sagt, aber eigent­lich nie­man­den außer „dem Geg­ner“ meint, der nur all­zu gern als Ille­ga­ler begrif­fen und behan­delt wird, am Fei­er­tag der natio­na­len Arbeit wie frü­her zwecks Macht­de­mon­stra­ti­on durch zer­stör­te (Ber­lin) oder noch nicht wie­der wenig­stens gesell­schaft­lich auf­ge­bau­te (Ham­burg) Städ­te zie­hen, laut furcht­ba­re Musik hörend und Paro­len brül­lend, die selbst im sel­te­nen Fall gram­ma­ti­ka­li­scher Ein­wand­frei­heit inhalt­lich von einer Qua­li­tät sind, deret­we­gen man ver­sucht wäre, von erschrecken­der Dumm­heit zu spre­chen, wenn man nach unzäh­li­gen Jah­ren noch fähig wäre, davon noch in irgend­ei­ner Wei­se über­rascht zu sein, und sich dabei aus­ge­rech­net auf eine klas­si­sti­sche Kom­mu­ni­stin aus dem ersten Welt­krieg beru­fen, als sei die Über­win­dung des Kai­ser­reichs noch heu­te das vor­ran­gi­ge Ziel eines jeden anstän­di­gen Demo­kra­ten und als pro­fi­tier­te ein irgend­wie nen­nens­wer­ter Teil der Gesell­schaft von den unbe­ding­ten Gewalt­fan­ta­sien die­ser Ban­den und als sei Soli­da­ri­tät mit „Revo­lu­tio­nä­ren“, deren muti­ge und visio­nä­re Umsturz­plä­ne anschei­nend vor allem die Abschaf­fung von unbe­schmier­ten Wän­den (denn es sind ja nicht ihre Wän­de), Geld (denn sie haben ja kei­nes, weil man dafür ehr­lich arbei­ten und dafür wie­der­um irgend­was gelernt haben müss­te, und sei es nur Geschich­te) und der Exe­ku­ti­ve (denn ein Schutz vor ihren Umtrie­ben ist in ihren Plä­nen selbst­re­dend nicht vor­ge­se­hen) beinhal­ten und die also als „Revo­lu­tio­nä­re“ fast so untaug­lich sind wie als Demo­kra­ten, sowohl mit Gebrüll und Zer­stö­rung am ein­fach­sten zu errei­chen als auch nur irgend­wie erstre­bens­wert, dann fühlt man sich in einer par­la­men­ta­ri­schen (also: reprä­sen­ta­ti­ven) Demo­kra­tie wenig­stens einen Tag lang so hei­misch wie sonst eher sel­ten; und möch­te sich bei den Auf­stän­di­schen bei­na­he für die­ses Lebens­ge­fühl bedan­ken, lässt es dann aber doch lie­ber sein.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Mes­sa – Bab­a­lon

Das Eulenorakel sagt den Montag voraus.Es ist Mon­tag. Bri­ti­sche Schü­ler sind zu doof, die Uhr­zeit abzu­le­sen, ich benei­de sie dar­um. Sogar Mond und Käuz­chen (hier rechts im Bild) schla­fen noch. Schnell, ein Not­fall­pan­da!

Wen­den wir uns nun froh­ge­mut den Nach­rich­ten zu. NBC San Die­go berich­tet, dass es im Ort eine Grup­pe gebe, die wie Frau­en für Gleich­heit kämpf­ten, „aber für Män­ner“, als sei Gleich­heit „für Män­ner“ eine ganz beson­de­re Gleich­heit. Frau­en haben ihnen frei­lich zumin­dest vor­aus, dass sie – anders als Män­ner – in ihrem Geschlechts­teil eine gela­de­ne Waf­fe ver­stecken kön­nen. Mün­che­ner Kolum­ni­sten dür­fen inzwi­schen unge­niert for­dern, dass man Her­an­wach­sen­den mal wie­der ein wenig Wehr­pflicht schenkt, damit sie end­lich auf­hö­ren, Poli­zi­sten anzu­grei­fen, jeden­falls die im Inland (hier: Bay­ern).

Apro­pos hier: Sie sei­en „hier, weil es Zeit ist auf­zu­ste­hen“, befand eine Demon­stra­ti­on am ver­gan­ge­nen Sonn­abend in Karls­ru­he, aber es han­del­te sich nicht um Stu­den­ten, son­dern um Hartz-IV-Emp­fän­ger und son­sti­ge Akti­vi­sten. Auch für mich ist es Zeit auf­zu­ste­hen, jedoch mache ich das am lieb­sten mit Musik.

Etwa mit die­ser hier:

Mes­sa – Bab­a­lon OFFICIAL VIDEO

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Incel­be­ga­bung (Pres­se­schau)

Wer Sex haben will, jedoch wegen Häss­lich­keit, Dumm­heit und/oder bescheu­er­ter Hob­bys kei­nen wenig­stens vor­über­ge­hend inter­es­sier­ten Part­ner dafür fin­det, hieß volks­tüm­lich frü­her, oft spöt­tisch gemeint, „Nerd“ oder wenig­stens „ewi­ge Jung­frau“. Inzwi­schen wur­de dafür der Begriff „Incel“, was die eng­lisch­spra­chi­ge Abkür­zung für „unfrei­wil­lig zoli­ba­t­är“ ist, eta­bliert und gilt in den Krei­sen, in denen man nur mit „Allys“ (also vor­geb­lich femi­ni­sti­schen Män­nern, die auch bloß einen weg­stecken wol­len) ver­kehrt, end­lich wie­der als Schimpf­wort.

Auf dem Hass­por­tal „Twit­ter“ ist von einer ekel­haf­ten Kul­tur derer, die kei­nen Sex bekom­men, die Rede und davon, dass es sich um fehl­ge­lei­te­te Frau­en­has­ser hand­le. Femi­ni­stin­nen stel­len fest, Frau­en schul­de­ten Män­nern kei­nen Sex, und ver­ste­hen dabei nicht ein­mal, dass schon die­se For­mu­lie­rung erklärt, war­um sie selbst laut eige­ner Aus­sa­ge im sel­ben Kon­text noch immer Sin­gle sind. Ange­la Gru­ber, Fach­frau für das Nicht­ver­ste­hen von Com­pu­ter­tech­nik bei „SPIEGEL ONLINE“, sifft­wit­ter­te, bei Män­nern, die unfrei­wil­lig zoli­ba­t­är leben, hand­le es sich um eine „Netz­be­we­gung, mit der wir lei­der noch viel Ärger haben wer­den“, ver­wei­ger­te sich aber im Fol­gen­den der Lösungs­fin­dung: Soll­te man Häss­lich­keit, Dumm­heit und bescheu­er­te Hob­bys bei Män­nern sicher­heits­hal­ber ganz ver­bie­ten?

Und geht es über­haupt nur um Män­ner? Beim femi­ni­sti­schen „Frei­tag“ fragt Elsa Koe­ster, ob es sich um „mas­ku­li­ni­sti­schen Ter­ror“ hand­le, bemerkt aber noch recht­zei­tig vor dem Tex­ten­de nach aus­gie­bi­ger Her­um­fra­ge­rei, dass Spe­ku­la­tio­nen der guten Jour­na­li­sten Art noch nie­mals waren, und „stellt“ statt­des­sen „fest“, dass alles letzt­end­lich bei „Sexis­mus“ zusam­men­lau­fe, der jeden außer „Alpha­män­nern“ benach­tei­li­ge. Die­se Auf­fas­sung über­schrei­tet Län­der­gren­zen: Auch beim Mei­nungs­me­di­um „Vox“ kennt man „Incels“ vor allem als männ­li­che On- und Off­line­ter­ro­ri­sten. Aus­ge­rech­net das Frau­en­fa­bri­kat „Elle“ weiß zur Iden­ti­tät der Erfin­de­rin der „Incel“-„Bewegung“ aller­dings dies bei­zu­tra­gen:

1993 erhielt sie ihren Bache­lor-Abschluss in Sta­ti­stik an der Car­le­ton-Uni­ver­si­tät in Otta­wa und sie hat­te bis dahin nie­mals Geschlechts­ver­kehr oder auch nur etwas ähn­li­ches wie einen festen Freund. Manch­mal gab sie ihrem Aus­se­hen die Schuld: klein, etwas über­ge­wich­tig, Haut­aus­schlag.

(Frei über­setzt von mir.)

Lei­der aber schul­de­ten ihr die Män­ner kei­nen Sex.

Die Frau, bis­lang nur als „Ala­na“ bekannt, berich­te­te der „Elle“ wei­ter­hin, sie habe in den fol­gen­den Jah­ren ein wenig Selbst­ver­trau­en ent­wickelt, sich Sex­cli­quen ange­schlos­sen und irgend­wann den Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr mit Leu­ten her­um­hän­gen woll­te, die weni­ger cool waren als sie selbst, wor­auf­hin sie mit den „Incels“ nichts mehr zu tun haben woll­te. Die­sen Teil der Geschich­te haben die Kom­men­ta­to­rin­nen bedau­er­li­cher­wei­se nicht auf­ge­grif­fen, denn er ent­hält den Schlüs­sel zur Lösung des Pro­blems mit „die­ser Netz­be­we­gung“: Die müs­sen ein­fach nur mal flach­ge­legt wer­den, dann geht’s wie­der.

Gern gesche­hen!

MusikIn den Nachrichten
Abba Nord und Abba Süd: Dis­coun­ter end­lich wie­der ver­eint

Kaum sind Hele­ne Fischer und Cam­pi­no die anschei­nend letz­ten ver­blie­be­nen Preis­trä­ger des hof­fent­lich letz­ten „Echo“-Preises, wer­den die Musi­ker über­mü­tig: Nord- und Süd­ko­rea neh­men nach 35 Jah­ren des Krie­ges wie­der gemein­sam neue Lie­der Frie­dens­ver­hand­lun­gen auf. Sie kamen nicht mit lee­ren Hän­den:

​„Ich habe aus der Haupt­stadt Naeng­mye­on Pjöng­jan­ger Art mit­ge­bracht. Es wäre gut, wenn Sie die Nudeln beim Ban­kett heu­te Abend kosten wür­den“, zitiert die Nach­rich­ten­agen­tur RIA Novo­sti den nord­ko­rea­ni­schen Staats­chef.

Eigent­lich blöd, dass es in der DDR nur Gur­ken gab.

NetzfundstückeNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Golems Head­less Edi­tors sind live

Und dann war da noch die­ser „Bericht“ mit der Über­schrift „Micro­softs Ser­ver­less Con­tai­ner gehen live“, in dem eine neu­ar­ti­ge Idee ange­prie­sen wird:

Azu­re Con­tai­ner Instances ist Micro­softs neu­er Cloud-Dienst. Das Beson­de­re: Kun­den sol­len sich nicht um Ser­ver oder das Ver­wal­ten vir­tu­el­ler Maschi­nen küm­mern müs­sen. Statt­des­sen zah­len sie für (…) Con­tai­ner in der Cloud (…).

Ach so – kei­ne Ser­ver, nur Con­tai­ner in einer Cloud? Das ist natür­lich etwas ganz ande­res.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: The Bri­an Jone­stown Mas­sacre – Don’t Get Lost

The Brian Jonestown Massacre - Don't Get LostDas US-ame­ri­ka­ni­sche Sep­tett The Bri­an Jone­stown Mas­sacre – ein nicht unklu­ges Wort­spiel unter Ein­be­zie­hung von Bri­an und Jim Jones – ist seit Jah­ren eine feste Instanz, wenn es um die musi­ka­li­sche (wenn auch nicht kul­tu­rel­le) Nach­fol­ge der unver­gess­li­chen Vel­vet Under­ground geht. Außer schlech­ter Musik ist ihnen aber auch eine Pau­se fremd: 2017 erschien schon wie­der ein Stu­dio­al­bum von ihnen. Wer erwar­tet hat, dass ihnen wenig­stens die­ses miss­lun­gen sein könn­te, der irrt.

Schlep­pen­den Psy­che­de­lic Rock („Drop­ping Bombs On The Sun“) und Krau­ti­ges („Throb­bing Grist­le“, ver­mut­lich benannt nach der lei­der auf­ge­lö­sten Band glei­chen Namens) gibt es auf „Don’t Get Lost“ (Amazon.de, TIDAL), eine Auf­for­de­rung, deren Befol­gung ange­sichts des Cover­bil­des und der Lied­ti­tel kei­ne leich­te Auf­ga­be ist, eben­so zu hören wie Shoe­ga­ze und den guten, alten Lo-Fi-Gara­gen­punk („Not­hing New To Trash Like You“).

Drop­ping Bombs On The Sun

Auf die schlim­me Früh-90er-Tanz­mu­sik „Acid 2 Me Is No Worse Than War“ hät­te die Band mei­net­we­gen gern ver­zich­ten kön­nen, jedoch stimmt der Aus­klang des Albums, „Ich bin Klang“, wie­der ver­söhn­lich: „Am Anfang war Ton“ erzählt eine in sich selbst ver­schränk­te Frau­en­stim­me, unter­legt mit schwap­pen­der 60er- und 80er-Elek­tro­nik, und dass die schön­sten Muster die Musik male.

Ich Bin Klang

Wie wahr.