MusikComputer
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: The Fall – an Brot­kru­men­na­vi­ga­ti­on ver­schluckt.

Zwecks – immer für Such­ma­schi­nen, nie­mals für Men­schen – bes­se­rer Struk­tu­rie­rung bil­den vie­le Nach­rich­ten­por­ta­le im Web auf der Ein­zel­ar­ti­kel­an­sicht mit­un­ter eine Stru­kur ab, der gemein­hin als „Brot­kru­men­na­vi­ga­ti­on“ bekannt ist: Es wird sozu­sa­gen der „Pfad“ zum aktu­el­len Arti­kel dar­ge­stellt. Wenn in den Medi­en davon die Rede ist, dass irgend­ei­ne pop­li­ge Sport­le­rin einen Ball schnel­ler auf die ande­re Sei­te geschla­gen hat als ihre Geg­ne­rin, dann fin­det man sol­che Mel­dun­gen zumeist in einem „Pfad“, der unge­fähr wie „Start­sei­te > Nach­rich­ten > Sport > Ten­nis > Dings­da hat gewon­nen“ aus­sieht. Der Vor­lie­be von dem weit­läu­fi­gen Res­sort der Unter­hal­tung zuge­wie­se­nen Jour­na­li­sten für Schub­la­di­sie­rung aller ver­wert­ba­ren Infor­ma­tio­nen kommt das zupass.

Schub­la­di­sie­rung ist auch in der Musik lei­der nicht unbe­liebt, was eine unvor­ein­ge­nom­me­ne Bewer­tung von Musikal­ben gele­gent­lich erschwert: Was etwa als „Schla­ger“ bewor­ben („rezen­siert“) wird, das ruft in mir auch dann kei­nen Kauf‑, son­dern einen Lauf­wunsch, näm­lich: weg, her­vor, wenn es eigent­lich gar nicht so schlimm ist. Hin­zu kommt, dass die besag­te Schub­la­di­sie­rung ihre Gren­zen nicht nur bei der Moti­va­ti­on des Ein­ord­nen­den, son­dern auch bei der Tech­nik hat. Eine ein­zei­li­ge Navi­ga­ti­ons­hil­fe auf Web­sites ist nun ein­mal nur zwei­di­men­sio­nal. Ein aktu­el­les Bei­spiel prä­sen­tier­te gestern „SPIEGEL ONLINE“.

Denn wohin muss man navi­gie­ren, um dort den Arti­kel dar­über zu fin­den, dass der fan­ta­sti­sche Mark E. Smith von den kaum weni­ger fan­ta­sti­schen The Fall gestern ver­starb? Die kor­rek­te Ant­wort ist ver­blüf­fend offen­sicht­lich: 1996 ver­öf­fent­lich­te die Schram­mel­band – nicht, dass ich was gegen Schram­meln hät­te! – Toco­tro­nic auf ihrem drit­ten Stu­dio­al­bum „Wir kom­men um uns zu beschwe­ren“ das Lied „Ich habe geträumt, ich wäre Piz­za essen mit Mark E. Smith“. Das war anschei­nend die Ret­tung für „SPIEGEL ONLINE“, denn für The Fall hat­te man dort zuvor sel­ten ein paar Zei­len übrig und daher auch noch kei­ne Schub­la­de vor­be­rei­tet, für Toco­tro­nic aber schon:

Nachrichten > Kultur > Musik > Tocotronic > Mark E. Smith: Sänger der Band "The Fall" gestorben

Haupt­sa­che, das SEO stimmt.

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Anne­xi­on bit­te nur gegen Bares

Im August ver­gan­ge­nen Jah­res nör­gel­te die dama­li­ge Bun­des­re­gie­rung anläss­lich der Über­eig­nung der Krim an Russ­land fol­gen­der­ma­ßen her­um:

Danach wer­de die rus­si­sche Anne­xi­on der ukrai­ni­schen Krim als ein Bruch des Völ­ker­rechts betrach­tet, der die euro­päi­sche Frie­dens­ord­nung infra­ge stel­le. (…) Staat­li­che Gren­zen müss­ten akzep­tiert wer­den.

War­um das von der ekli­gen NATO sicher­heits­hal­ber bedroh­te Russ­land fort­an über­mä­ßig sank­tio­niert wur­de, wird klar, wenn man aktu­el­le Nach­rich­ten liest, zu deren Zustan­de­kom­men es sei­tens der Bun­des­re­gie­rung allen­falls ein ent­rü­ste­tes Schüt­teln des Zei­ge­fin­gers zu lesen gab, näm­lich zum Bei­spiel die­se:

Isra­el erwei­tert laut meh­re­ren orts­an­säs­si­gen Quel­len sei­nen Ein­fluss auf das von der Oppo­si­ti­on besetz­te süd­li­che Syri­en. (…) Die Erwei­te­rung der Sicher­heits­zo­ne kenn­zeich­net eine Bewe­gung hin zu einer tie­fe­ren Ein­mi­schung Isra­els in Syri­ens Bür­ger­krieg. (…) Isra­el macht sich nicht nur Sor­gen wegen des Irans und des­sen Allier­ten im Liba­non, son­dern auch um sei­ne Kon­trol­le über die Golan­hö­hen. Isra­el hat das 1.200 km² gro­ße Gebiet 1967 ein­ge­nom­men und hält es seit­dem besetzt. Anders als die ande­ren von ihm besetz­ten Gebie­te hat Isra­el die Golan­hö­hen 1981, von der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft ver­ur­teilt, offi­zi­ell annek­tiert.

(Nicht beson­ders text­na­he Über­set­zung von mir.)

Wäh­rend Fefe noch rhe­to­risch spe­ku­liert, ob die amtie­ren­de Bun­des­re­gie­rung wenig­stens dies­mal auch das israe­li­sche Ver­schie­ben frem­der staat­li­cher Gren­zen sank­tio­nie­ren wür­de, habe ich eine Ver­mu­tung, war­um bei völ­ker­rechts­wid­ri­gen Abscheu­lich­kei­ten sei­tens der Tür­kei und eben Isra­els von spür­ba­ren Stra­fen sei­tens der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft abge­se­hen wird: Anders als Russ­land sind die­se Staa­ten zwar nur mit­tel­mä­ßig zuver­läs­si­ge Ver­bün­de­te, aber wenig­stens leid­lich zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den.

Dar­an, dass Deutsch­land Isra­el zwecks effi­zi­en­ter Vor­wärts­ver­tei­di­gung auch noch mit Kriegs­waf­fen belie­fert, stört die Poli­tik daher auch nicht, dass damit Kriegs­din­ge getan wer­den, son­dern, was die Innen­po­li­tik des Emp­fän­gers sonst so macht: „Es gibt nach wie vor Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe gegen Ben­ja­min Netan­ja­hu und sein Umfeld. Das ist nicht aus­ge­räumt.“ Sei­ne eige­nen Gren­zen auf der Land­kar­te her­um­zu­schie­ben wäre unter der Bedin­gung, dass die deut­sche Rüstungs­wirt­schaft davon finan­zi­ell pro­fi­tiert, ja völ­lig legi­tim, aber bei Kor­rup­ti­on hört das Ver­ständ­nis auf. Da geht es immer­hin um Geld!

Braucht Russ­land eigent­lich noch ein paar Pan­zer?

NetzfundstückeNerdkrams
Daten­ge­fähr­dung dank Digi­tal­cou­ra­ge

Was macht eigent­lich der digi­tal­cou­ra­ge e.V. (The­men: EU-Daten­schutz, Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Femi­nis­mus usw.) gera­de so? Nun, er wird mal wie­der durch die Medi­en getrie­ben, weil er trotz allem noch immer als in Daten­schutz­din­gen halb­wegs stand­fest gilt. Der aktu­el­le Anlass scheint eine zwei Jah­re alte Pres­se­mit­tei­lung zu sein, der zufol­ge noch 2018 in Wolfs­burg Grund­schü­ler ver­wanzt wer­den sol­len, um nicht über­fah­ren zu wer­den.

Für den soeben ver­link­ten Arti­kel wur­den zwei Aus­ken­ner aus dem „Ver­ein, der sich seit 1987 für Grund­rech­te und Daten­schutz ein­setzt“ (ebd.), nach ihrer Mei­nung zu die­sem Pro­jekt gefragt. Um den Inhalt soll es mir hier aber nicht gehen, son­dern um den Ver­ein selbst. Die­sen hat­te ich vor etwa einem Jahr zum letz­ten Mal wirk­lich bewusst zur Kennt­nis genom­men – damals emp­fahl der Ver­ein auf sei­ner Web­site, man möge die Instal­la­ti­on von Ubun­tu, das gera­de erst wegen mas­si­ver Daten­schutz­är­ger­nis­se, näm­lich ein­ge­bau­ter Ama­zon-Spy­wa­re, in die Kri­tik gera­ten war, anstel­le von Win­dows in Erwä­gung zie­hen. Es han­delt sich also frag­los um einen Ver­ein, der mit­un­ter popu­li­sti­schen Aktio­nis­mus (was auch sei­ne medi­al beach­te­te Ver­lei­hung der „Big Brot­her Awards“ belegt) über­leg­tem Rai­son­ne­ment vor­zieht und dabei auch Scha­den im eige­nen Lager in Kauf nimmt. Kurz gesagt: Was den Daten­schutz betrifft, traue ich dem digi­tal­cou­ra­ge e.V. (der mir unter dem alten Namen „Foe­BuD“ wenig­stens klang­lich sym­pa­thi­scher war) nicht über den Weg und wür­de dies auch nie­man­dem emp­feh­len.

Auf­grund des Arti­kels begut­ach­te­te ich die inzwi­schen – offen­bar nach „mobi­le first“, auf einem ver­nünf­ti­gen Bild­schirm sieht sie also zum Spei­en aus – neu gestal­te­te Web­site aller­dings doch noch ein­mal, um mich zu ver­ge­wis­sern, dass mei­ne Vor­be­hal­te nicht plötz­lich ver­al­tet sind; das Gute im Men­schen bezie­hungs­wei­se im Ver­ein sei ja nicht gänz­lich in Abre­de gestellt. Natür­lich war das ein Feh­ler.

Denn zwar wird nun die weni­ger grund­fal­sche Linux­dis­tri­bu­ti­on Tails statt Ubun­tu emp­foh­len und auch an ande­ren Stel­len zeigt der Ver­ein zumin­dest, woher sein weit­ge­hend guter Ruf eigent­lich ursprüng­lich ein­mal stamm­te, aber eine kon­se­quen­te Umset­zung der eige­nen Emp­feh­lun­gen ist dem digi­tal­cou­ra­ge e.V. auch wei­ter­hin nicht gege­ben. Was­ser pre­di­gen, Cognac sau­fen.

Auf der Sei­te über „Anti-Track­ing-Tools“ wird näm­lich zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es eine sau­däm­li­che Idee ist, Web­sites ohne ver­nünf­ti­gen Grund das Aus­füh­ren von Code auf dem eige­nen Rech­ner („Java­Script“) zu erlau­ben. Lei­der wird jemand, der sich des­sen bewusst ist, die­sen Hin­weis nicht so leicht fin­den wie etwas düm­me­re Men­schen, denn wenn man mit aus­ge­schal­te­tem Java­Script auf der auf ver­nünf­ti­gen Bild­schir­men gro­tesk gigan­ti­schen „Menü“-Schaltfläche her­um­drückt, pas­siert genau gar nichts, denn das „Menü“ (im Wesent­li­chen aus dem unte­ren Teil der Sei­te bestehend) wird nicht etwa mit CSS oder einem ein­fa­chen HTML-Ver­weis auf eben die­sen unte­ren Teil, son­dern per Java­Script ein­ge­blen­det. Das mag auf mobi­len Gerä­ten, auf denen die Akti­vie­rung grund­le­gen­der Sicher­heits­maß­nah­men oft nicht ein­mal vor­ge­se­hen ist, kein gro­ßes Pro­blem dar­stel­len, wenn man auf die Daten­si­cher­heit sei­ner Besu­cher kei­nen beson­de­ren Wert legt; aber eben auch nur dann. Dass vor die­sem Hin­ter­grund die voll­mun­di­ge Behaup­tung aus der Daten­schutz­er­klä­rung, in der unter ande­rem auch steht, der Ser­ver spei­che­re mei­ne Brow­ser­ver­si­on (wofür eigent­lich?), dass „grund­sätz­lich“ weder „Track­ing“ noch „akti­ve Inhal­te“ (ver­ste­he schon: Java­Script ist eben nicht aktiv genug) ver­wen­det wer­den, sich als hei­ße Luft ent­puppt, spielt da schon fast kei­ne Rol­le mehr.

Viel­leicht ist es aber auch nur Unfä­hig­keit und nicht etwa Unwis­sen:

Eine Aus­nah­me stellt das has_­js-Coo­kie dar, mit dem wäh­rend der Sit­zung fest­ge­hal­ten wird, ob im Brow­ser „Java­script“ ein­ge­schal­tet ist. Die­se Infor­ma­ti­on wird von unse­rem Con­tent Manage­ment System „Drup­al“ genutzt, um die Sei­ten-Dar­stel­lung in Ihrem Brow­ser zu opti­mie­ren.

Mensch, das mit der Opti­mie­rung funk­tio­niert ja rich­tig klas­se! Inwie­fern es die Sei­ten­dar­stel­lung zu ver­bes­sern ver­mag, wenn man statt­des­sen Java­Script akti­viert, steht natür­lich nicht dabei. Bis auf eine Samm­lung dann beweg­ter Bil­der und einer end­lich mal funk­tio­nie­ren­den Navi­ga­ti­ons­lei­ste unter der dafür vor­ge­se­he­nen Schalt­flä­che konn­te ich jeden­falls gera­de kei­nen Unter­schied erken­nen. Mir wäre es das ja nicht unbe­dingt wert.

An ver­schie­de­nen Stel­len auf sei­ner Web­site ver­kün­det der Ver­ein:

Digi­tal­cou­ra­ge setzt sich für Ihre Pri­vat­sphä­re und Grund­rech­te ein. Unter­stüt­zen Sie unse­re Arbeit mit einer Spen­de oder mit einer För­der­mit­glied­schaft.

Ich hat­te noch nie so wenig Lust, einem Ver­ein bei­zu­tre­ten.

MusikkritikKaufbefehle
Kurz­kri­tik: Half Past Four – Land of the Blind

Half Past Four - Land Of The BlindUm halb fünf Im Jahr 2016 ver­öf­fent­lich­te die fünf­köp­fi­ge kana­di­sche Band Half Past Four ihr drit­tes und bis­lang letz­tes Stu­dio­al­bum „Land of the Blind“ (Amazon.de, Band­camp). Von sich selbst behaup­ten die Musi­ker, sie sei­en „eine der besten Pro­gres­si­ve-Rock-Bands aus Kana­da“, was zumin­dest eine muti­ge Behaup­tung ist, wenn man sowohl Rush als auch die diver­sen Spros­se von God­speed You! Black Emper­or dem Pro­gres­si­ve Rock zurech­net, denn dann wird es knapp mit der Bewer­tung.

Sti­li­stisch sehen sich Half Past Four aller­dings sowie­so anders­wo:

Seit nahe­zu zwei Jahr­zehn­ten haben sie einen ein­ma­li­gen Klang ent­wickelt, der tra­di­tio­nel­len Prog­rock neben ande­ren mit Folk, Coun­try, Jazz und klas­si­schen Gen­res ver­bin­det.

In der Tat ist Ein­tö­nig­keit hier nicht gege­ben. Schon im eröff­nen­den „Mathe­ma­tics“ wird die Retro­prog-Schie­ne von Beard­fi­sh bis echo­lyn auf- und abge­wan­dert, von einem offen­sicht­li­chen Rück­griff auf Gene­sis und die unver­ges­se­nen Gent­le Giant unter­schei­det Half Past Four hier fast nur Sän­ge­rin Kyree Vibrant, deren Kunst ich aller­dings für beacht­lich hal­te.

Half Past Four – Mathe­ma­tics (Offi­ci­al Video)

Wäh­rend in „Toron­to Ton­tos“ die Exzen­tri­ker von Pri­mus wahl­wei­se zitiert oder per­si­fliert wer­den, ver­mag ich das text­lich bemer­kens­wer­te „Mood Ele­va­tor“ kei­ner ande­ren Band zuzu­ord­nen. Som­mer­li­cher Bluesrock’n’Roll, wenn’s denn ein Gen­re sein muss.

Half Past Four – Mood Ele­va­tor (Offi­ci­al Video)

Mit dem Stim­mungs­fahr­stuhl fah­re ich erst ein­mal nach oben. Ich bin erfreut und hof­fe auf Fort­set­zung.

PolitikIn den Nachrichten
Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Sozi­al­de­mo­krat.

Aus dem trotz der femi­ni­sti­schen Grund­über­zeu­gung männ­li­chen Vor­sit­zen­den des Ver­eins des älte­sten Mäd­chens Ber­lins, das in kind­lich-pat­zi­gem Ton­fall von sich behaup­tet, es kön­ne schon des­halb kein Mäd­chen sein, weil es immer­hin seit einer Vier­tel­de­ka­de einer Jugend- und nicht etwa einer Kin­der­or­ga­ni­sa­ti­on vor­ste­he, näm­lich der „Jusos“, spru­delt seit gestern wie­der­holt eine total tol­le Idee her­aus:

Wer jetzt in die #SPD ein­tritt, kann in eini­gen Wochen #Gro­ko oder #NoGro­ko sagen. Ein schö­ner Anlass, sich einen Ruck zu geben.

Denn wenn eins die SPD-Füh­rung davon über­zeu­gen wird, dass es eine wenig ertrag­rei­che Idee war, in offen­bar selbst­mör­de­ri­scher Absicht den Aus­stieg vom Aus­stieg zu voll­zie­hen, dann ja wohl eine Schar neu­er Bei­trags­zah­ler infol­ge die­ser Idee!

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Ham­mock – Cla­ri­ty // 44 Pro­zent ratio­nal.

EulmeldungEs ist Mon­tag. Durch Deutsch­land soll­te etwas gehen, am besten ein Pan­da­bär, denn Pan­da­bä­ren sind eine wert­vol­le Ergän­zung für jede Gesell­schaft; zumal eine Gesell­schaft, der der kri­ti­sche Ratio­na­lis­mus völ­lig fehlt, den Men­schen kein Gewinn sein kann. Mehr Karl Pop­per (und mehr Pan­da­bä­ren) wagen!

Kein Wochen­en­de ohne Poli­tik­schmer­zen: Die SPD hat „gewählt“ und zu 56 Pro­zent kein Inter­es­se mehr an ihrem eige­nen Geschwätz von gestern. Wenn die 44 Pro­zent Rest­be­hirn­ten in der SPD zur näch­sten Bun­des­tags­wahl eine eige­ne Par­tei grün­de­ten, könn­ten sie, wie ich ver­mu­te, anschlie­ßend ohne Zwei­fel die Regie­rung füh­ren. Tun sie das nicht, dann sind auch sie schuld an dem, was kommt. Dass Mar­tin Schulz zwecks Anre­gung von Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl irgend­was über ein „sozi­al­de­mo­kra­ti­sches Euro­pa“ deli­rier­te und dabei igno­rier­te, dass „Sozi­al­de­mo­kra­tie“ in ganz Euro­pa nie­mand mehr so wirk­lich irgend­wo hin­wäh­len will, ist ziem­lich spre­chend. – Es ist erwie­sen: Ber­lin macht doof. Ob da ein Zusam­men­hang besteht?

Ein Blick ins Aus­land: In Groß­bri­tan­ni­en ist die beim Bum­sen meist­ge­nann­te Per­son angeb­lich Donald Trump. Die Men­schen haben Geschmack. Im ande­ren Aus­land, in Thü­rin­gen, sind sich Medi­en der­weil unsi­cher, ob man bei einem Ver­hält­nis von 76 zu 75 nun von einer Mehr­heit oder einer Gleich­heit reden soll­te; ent­schie­den hat man sich über­wie­gend für zwei­te­re For­mu­lie­rung, was jour­na­li­stisch bestimmt irgend­wie begründ­bar ist.

Es ist Mon­tag und damit ist es Zeit für Musik. Döpdap­döp­döp­pieps! Anson­sten hören wir doch ein­fach ein wenig Ham­mock.

Ham­mock – Cla­ri­ty

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Par­la­men­ta­ri­sche Rache­de­mo­kra­tie

Woher kommt es eigent­lich, dass die AfD immer noch nicht ver­schwun­den ist, son­dern auch wei­ter­hin Zuspruch erhält? Nun, vor allem an der Irra­tio­na­li­tät, mit der ihre Geg­ner ihr eige­nes Ver­hal­ten ein­schät­zen.

Dass der Bun­des­tag ein Arbeits­par­la­ment ist, aus­blei­ben­de Anwe­sen­heit also nicht zwin­gend etwas mit feh­len­dem Arbeits­wil­len zu tun hat, weil die wesent­li­che Arbeit, die über Abstim­mun­gen hin­aus­geht, ohne­hin in anders­wo tagen­den Gre­mi­en statt­fin­det. Die land­läu­fi­ge Ver­mu­tung, dass Poli­ti­ker sich erst selbst das Gehalt erhö­hen und dann nicht mal etwas dafür tun wol­len, weil sie im Bun­des­tag häu­fi­ger mal feh­len, ist also nicht zwin­gend zutref­fend. Trotz­dem wäre es ver­fehlt, sie hier vor der Skep­sis ihrer Bür­ger zu bewah­ren, denn abge­se­hen von ihren all­täg­li­chen Ver­feh­lun­gen, näm­lich zum Bei­spiel der, dass sie es für irgend­wie wäh­ler­ge­wollt hal­ten, wenn sie sich nicht für die Inter­es­sen ihrer Wäh­ler, son­dern für ganz ande­re Din­ge ein­set­zen (ehe­ma­li­ge Pira­ten­wäh­ler, die mit ihrer Stim­me statt zur Ver­bes­se­rung deut­scher Netz­po­li­tik Res­sour­cen für Pam­phle­te zugun­sten von Gra­tis­geld und Posex­pa­ra­den ver­schwen­det haben, ken­nen das zur Genü­ge), was mich fra­gen lässt, ob der Ver­brau­cher­schutz­bund sich nicht bei Gele­gen­heit mal mit den Wer­be­ver­spre­chen von Par­tei­en befas­sen soll­te, gibt es manch­mal auch die­se ganz kon­kre­ten Ärger­nis­se des poli­ti­schen All­tags, die dar­an zwei­feln las­sen soll­ten, ob eine Exper­to­kra­tie nicht doch die bes­se­re Staats­form wäre.

Gestern näm­lich „berich­te­te“ unter ande­rem „SPIEGEL ONLINE“, dass die AfD sich des seit über einem hal­ben Jahr­hun­dert SPD-erprob­ten „Tricks“ bedien­te, die Geschäfts­ord­nung des Bun­des­ta­ges gele­sen zu haben:

Eine Sit­zung des Bun­des­tags muss­te am spä­ten Don­ners­tag­abend abge­bro­chen wer­den. Grund war ein AfD-Antrag.

Nein, der Grund war, dass die anwe­sen­den Par­la­men­ta­ri­er gegen die Geschäfts­ord­nung ver­sto­ßen woll­ten, der Aus­lö­ser war ein Antrag; aber Spra­che liegt nun ein­mal nicht jedem, der was in Qua­li­täts­me­di­en rein­schrei­ben darf. Der Antrag bat eigent­lich nur um Veri­fi­ka­ti­on:

Der Bun­des­tag muss­te am spä­ten Don­ners­tag­abend eine Sit­zung abbre­chen, weil das Ple­num wegen zu wenig anwe­sen­der Abge­ord­ne­ter nicht beschluss­fä­hig war. Die Nach­zäh­lung, den soge­nann­ten Ham­mel­sprung, hat­te die AfD-Frak­ti­on ver­langt.

Dass der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der AfD den Antrag als „Rache“ für eine zuvor erfolg­te Nicht­wahl eines AfD-Mit­glieds in irgend­ein Gre­mi­um, war zwar ein rhe­to­ri­scher Schuss in den eige­nen Fuß, aber wenn der Bun­des­tag aus Rache nach Geschäfts­ord­nung und nicht regel­wid­rig arbei­tet, dann soll­te das eigent­lich für nie­man­den ein Pro­blem dar­stel­len, was vor allem dadurch bestä­tigt wird, dass eini­ge unan­ge­neh­me Geset­ze – zuletzt das „NetzDG“ – bei Anwe­sen­heits­prü­fung ver­mut­lich nicht so schnell Rea­li­tät gewor­den wären.

Tut es aber doch. Bei­spiel­haft grei­fe ich mir Tho­mas Mocken­haupt, sonst nicht wei­ter bemer­kens­wer­ter SPD-Mit­ar­bei­ter, her­aus, der die­se „Rache“ fol­gen­der­ma­ßen bet­wit­ter­te, wor­auf­hin in eben­je­nem Medi­um eine erhitz­te Debat­te ent­brann­te, die im Kon­sens aus­blei­ben­de Anwe­sen­heit bei Abstim­mun­gen mit Arbeits­ver­wei­ge­rung gleich­setz­te, wes­halb sie hier nicht wei­ter von Belang sein soll:

Die­ser bil­li­ge Kir­mestrick der Rechts­extre­men ist ein guter Beweis, dass es denen nicht um ernst­haf­te Poli­tik, son­dern nur um Kla­mauk und das Unter­gra­ben der Demo­kra­tie geht.

Mit einer Demo­kra­tie, die „unter­gra­ben“ wird, indem ihre Legis­la­ti­ve sich an ihre selbst auf­er­leg­te Geschäfts­ord­nung zu hal­ten gebe­ten wird, ist es nicht weit her, möch­te man mei­nen. Wir sind der Sou­ve­rän, wir haben die da hin­ge­setzt.

Wo bleibt eigent­lich die Revo­lu­ti­on?

Mir wird geschlechtIn den NachrichtenComputer
Kurz ver­linkt: „Ale­xa, mach etwas völ­lig ande­res!“

Unhör­ba­re Sprach­steue­rung war gestern, heu­te ist Sprach­mo­di­fi­ka­ti­on:

Aus einer vor­han­de­nen Audio­wel­len­form kön­nen For­scher jetzt eine qua­si iden­ti­sche Ver­si­on erzeu­gen, die Sprach­er­ken­nungs­pro­gram­me etwas völ­lig ande­res tran­skri­bie­ren las­sen.

(Über­set­zung von mir.)

Was könn­te da schon pas­sie­ren?


Nach­trag vom 21. Janu­ar: Ama­zons Sprach­as­si­sten­tin gibt jetzt Wider­wor­te und bezeich­net sich als Femi­ni­stin. So was stellt man sich doch gern ins Wohn­zim­mer.

In den NachrichtenWirtschaft
Spiel­geld IV: Wie Geld, nur defekt.

Am 2. Janu­ar 2018 ver­öf­fent­lich­te Pseud­ony­mus „Mr. Money Musta­che“ einen trotz des Namens recht lesens­wer­ten kri­tisch-ana­ly­ti­schen Blog­ar­ti­kel, in dem er wie vie­le ande­re vor ihm schlüs­sig auf­zeig­te, wie­so der frei erfun­de­ne „Wert“ eines Bit­co­ins schon daher über­zo­gen ist, weil der Betrag, der neben „BTC in USD“ steht, erst mal von irgend­wem bezahlt wer­den müss­te, um nicht bloß in einer Sack­gas­se zu enden. (Dass der Autor bei der Bild­be­schrei­bung Twit­ter und red­dit mit­ein­an­der ver­wech­selt, sei ihm ver­zie­hen.) Es sei der Neid der Besitz­lo­sen der Antrieb des Autors und sei­ner Mit­mei­ner, unk­te es hier­auf in den Kolum­nen, denn wenn Bit­co­in wirk­lich eine sol­che Bla­se wäre, wäre es längst geplatzt.

Zur all­ge­mei­nen Über­ra­schung stell­te sich nur weni­ge Tage spä­ter her­aus, dass der frei erfun­de­ne „Wert“ eines Bit­co­ins auch nach unten gehen kann. Das Weh­kla­gen war groß, man­che setz­ten für die­ses Spiel­geld immer­hin ihre Exi­stenz aufs Spiel, ver­bit­ten sich aber auch aus der Gos­se her­aus noch die Behaup­tung, sie hät­ten sich „ver­zockt“: Auf red­dit wird seit Tagen gemahnt, dass, wer ver­kauf­te, das schon bald bereu­te. Das kennt man noch von der Immo­bi­li­en­bla­se vor ein paar Jah­ren: Alles Feig­lin­ge, das. HODL, prost! Dass mit dem Bit­co­in, für des­sen Fall wirt­schaft­lich nai­ve Mei­nungs­me­di­en unter ande­rem Chi­na ver­ant­wort­lich machen, das das „Schür­fen“ von Spiel­geld angeb­lich erheb­lich zu sank­tio­nie­ren gedenkt, auch alter­na­ti­ve „Wäh­run­gen“ wie Ripp­le gro­ße Kurs­ver­lu­ste hin­neh­men muss­ten und müs­sen, die man über­haupt nicht „gene­rie­ren“ kann, weil es alle „ver­füg­ba­ren“ Ein­hei­ten bereits gibt, sagt über das Finanz­ver­ständ­nis derer, die das Spiel begei­stert mit­ge­spielt haben, mehr aus als über die­je­ni­gen, die als Ewig­gest­ri­ge und als Büt­tel des Finanz­sy­stems ver­schrien wer­den.

Es sei, befand der Nacht­wäch­ter, sehr spre­chend, dass die­je­ni­gen, die das Geld­sy­stem erset­zen wol­len, sich vor allem Sor­gen dar­über machen, dass ihr Spiel­geld nicht mehr so viel rück­stän­di­ges Echt­geld „wert“ ist. Die Revo­lu­ti­on will heim zu Mut­ti.

Es nennt sich Kom­mu­nist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bür­ger­li­che Exi­stenz sichert.
Nicolás Gómez Dávila

In den Nachrichten
Was am Wochen­en­de nicht pas­siert ist.

Auf „T‑Online“ wird „berich­tet“:

Ein Pas­sa­gier­flug­zeug der tür­ki­schen Flug­li­nie Pega­sus ist bei der Lan­dung im nord­tür­ki­schen Trab­zon von der Piste abge­kom­men und fast ins Schwar­ze Meer gestürzt. (…) Auch Pega­sus teil­te mit, die 162 Pas­sa­gie­re und sechs Besat­zungs­mit­glie­der sei­en bei dem Vor­fall am Sams­tag­abend nicht ver­letzt wor­den. Der Sen­der CNN Türk berich­te­te: „In Trab­zon fehl­ten 25 Meter bis zur Kata­stro­phe.“

Mir fehl­ten indes­sen noch unge­fähr 25 Hän­de und Stir­nen für eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on. Wie­der knapp am Rekord vor­bei – fast!

:irre:

MontagsmusikIn den Nachrichten
Black Bom­ba­im & La La La Res­so­nan­ce – Kin

Ich seh schwarzEs ist Mon­tag. Bim bim bim! Für ein paar Lacher eig­net sich jeder Phi­lo­soph, tie­fer muss man ja nicht boh­ren. Gott ist tot und man selbst kommt heu­te auch nicht so recht aus dem Bett.

In ande­rer Hin­sicht soll­te man wachen Auges sein: Anti­vi­rus­fir­men haben Micro­soft ver­klagt, weil die Sicher­heits­maß­nah­men von Win­dows Vista sie nicht mehr in den Ker­nel gelas­sen haben. Das Pro­blem mit der Com­pu­ter­si­cher­heit, das sei ergeb­nis­of­fen fest­ge­stellt, ist offen­sicht­lich nicht, dass die Leu­te kei­nen Viren­scan­ner ein­set­zen, son­dern, dass sie die­sen Fir­men immer noch Geld (oder wenig­stens Rekla­me­ein­nah­men) bezah­len wol­len.

Zu jeder­manns Lieb­lings­the­ma, der Innen­po­li­tik, gibt es lei­der Neu­ig­kei­ten zu ver­mel­den: „CSU-Lan­des­grup­pen­chef Dob­rindt“, heißt es beim Deutsch­land­funk, habe den SPD-Vor­sit­zen­den auf­ge­for­dert, „die Kri­tik an den Son­die­rungs­er­geb­nis­sen zu been­den“ – die sol­len froh sein, über­haupt mit­re­gie­ren zu dür­fen! Gute Nach­rich­ten der­weil aus Groß­bri­tan­ni­en: Die Insel wird Euro­pa geo­gra­fisch nicht ver­las­sen, ver­sprach Mini­ster David Jones.

Gibt’s doch nicht? Doch, es gibt anschei­nend alles schon: Um ein Pro­blem zu lösen, habe ich am Wochen­en­de ein Pro­gramm geschrie­ben. In einem Forum wur­de ich sodann dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ses Pro­blem schon vor Jah­ren viel bes­ser gelöst wur­de. Bestimmt gibt es dafür auch eine Moral oder der­glei­chen.

Was es aber nie­mals zu geben auf­hö­ren soll­te: Musik.

Black Bom­ba­im & La La La Res­so­nan­ce – „Kin“ (B1)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Bar­do Pond – Acid­Gu­ru­Pond

Bardo Pond - AcidGuruPondVor inzwi­schen über vier Jah­ren befand ich das Album „Peace on Venus“ der US-ame­ri­ka­ni­schen Band Bar­do Pond für unbe­dingt hörens­wert. Danach hat­te ich selbst die Grup­pe zu mei­nem Bedau­ern ein wenig aus den Augen (und Ohren) ver­lo­ren.

Eher zufäl­lig lief ich daher unlängst ihrem 2016er Album „Acid­Gu­ru­Pond“ (Band­camp, Amazon.de) qua­si über den Weg, das eine – wenn auch nicht die erste – musi­ka­li­sche Zusam­men­ar­beit mit den lan­des­üb­lich ver­rück­ten Japa­nern Acid Mothers Temp­le und der Krautrock­kon­stan­te Guru Guru ist und genau so klingt, näm­lich wie das, was man sich wohl vor­stell­te, soll­te man sich eine dro­gen­um­wölk­te Gei­stes­rei­se vor­stel­len.

Das Album ist weit­ge­hend instru­men­tal, der effekt­ge­la­de­ne sel­te­ne Gesang eher eine zusätz­li­che Tran­ce­schicht; auf die Ohren gibt es kos­mi­schen Kraut (klar: Guru Guru) und jede Men­ge Psy­che­de­lia zwi­schen Hip­pie­gi­tar­re („Pur­ple“) und Dro­nes („Blue“). Dass die fünf Stücke wie Far­ben hei­ßen, passt aus­ge­zeich­net, denn wie ein Kalei­do­skop pro­ji­ziert sie herr­li­che Bil­der in den Ver­stand.

Bar­do Pond ‎- Acid Guru Pond

Bar­do Pond sind inzwi­schen wei­ter­ge­zo­gen, im Febru­ar wird ihr neu­es Album „Volu­me 8“ ver­öf­fent­licht wer­den und ihr gleich­falls famo­ses Neben­pro­jekt Curand­e­ros war auch nicht untä­tig. Ich aller­dings ver­wei­le noch etwas, bin erfreut und emp­feh­le.

PolitikIn den Nachrichten
Abschlie­ßend ange­merkt zum Son­die­rungs­er­geb­nis von CDU, CSU und SPD

Zur lang­wei­lig­sten Regie­rung der Nach­kriegs­zeit sei unter Berück­sich­ti­gung mei­nes Ver­spre­chens, die gäh­nen­de Lee­re nicht mit wei­te­ren Wor­ten zu bela­sten, einer- und der über­ra­schen­den Erkennt­nis, dass in einer rechts­po­pu­li­sti­schen Regie­rungs­ko­ali­ti­on „lin­ke“ Gedan­ken nicht zu haben sind, ande­rer­seits in Bezug auf die abseh­ba­re wei­te­re Ent­wick­lung der Umfra­ge- und letzt­lich Wahl­er­geb­nis­se nur mehr die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der SPD gewis­ser­ma­ßen als Mene­te­kel zu zitie­ren und zu zei­gen.