- Die Zentralisierung von GitHub hat einen riesigen Teil der Open-Source-Welt unsichtbar gemacht.
- Hübsche Idee: Geben wir doch einfach Musikern so viel Geld, dass sie den Laden aufkaufen können!
- Amazon für Bücher (es gibt Buchhandlungen) und irgendwelchen Streamingquark für Musik (es gibt anderen Streamingquark) schön und gut, aber wodurch ersetzt man Whiskybase und Discogs?
Carved Into the Sun – Catastrophist // Ein Volk, ein Entführer
Es ist Montag. Erkenntnis des vergangenen Wochenendes: Hätte Putin statt des Großaufgebots an der Grenze einfach den ukrainischen Präsidenten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erfolgreich entführen und in ein russisches Gefängnis werfen lassen, hätte Ursula von der Leyen applaudiert und wir hätten jetzt diese Probleme nicht. So aber ist es selbstverständlich unausweichlich, dass wir die USA aus dem internationalen Zahlungssystem und von sämtlichen Sport- und Kulturveranstaltungen ausschließen, bis sie mit dem Unsinn aufhören.
Oder gilt das nur für die anderen Staaten?
(Stimmt insofern auffallend: Wir brauchen mehr Feiertage, an denen Politiker sich ausschließlich ihren Familien widmen.)
Am vergangenen Wochenende endete ebenso eine weitere Darts-Weltmeisterschaft. Wir normalen Leute haben davon nur etwas mitbekommen, weil weniger normale Leute (also zum Beispiel solche, die sich für Darts interessieren) begeistert darüber berichtet haben. Dennoch blieb Pyrotechnik aus (vermutlich wurde sie bereits an Silvester verschwendet), und auch größere Autokorsos waren nicht zu verzeichnen. Nennenswerte Polizeieinsätze gab es wohl ebenso nicht. Alles machen die falsch.
Lustig: Die Deutsche Bahn möchte Verspätungen stabilisieren oder so. Das dürfte ihr nicht so schwer fallen.
Fällt auch nicht schwer: Musik.
Guten Morgen.
Gentoo, meine Reiseschreibmaschine
Es ist ja nun, ungeachtet meiner gelegentlichen Ausführungen zur Schwachsinnigkeit des Bestrebens, insgesamt zufriedene Windowsnutzer ungebeten mit Linux zu nerven, auch nicht so, dass ich Mitglied der Betriebssystemtaliban wäre.
Wie bereits vor kurzem anderweitig erwähnt, begab es sich jedoch, dass ich mit halbem Verstand nach einer eleganten Möglichkeit Ausschau hielt, ohne große Ablenkung Prosa zu schreiben. Das ständige Geblinke und Gebenachrichtige von Smartphones und Alltagslaptops ist der Konzentration nicht eben zuträglich. ‘Gentoo, meine Reiseschreibmaschine’ weiterlesen »
Musik 12/2025 – Favoriten und Analyse
Oh! Ein Jahresbeginn! Ihr wisst, was das bedeutet, nämlich, dass es Zeit für die einzig richtige (d.h. meine) Liste der besten Musikalben des Jahres 2025 ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern (haha, Jahresrückblicke im November, hahaha) erschienene neue Album von Ulver trotzdem nicht rechtzeitig zu hören geschafft habe. Ich führe es daher nur der Form halber auf.
Ergänzend sei festgehalten: Die Musikgruppe Skillet Lickers, inzwischen in der vierten Generation aktiv, feiert im nun begonnenen Jahr ihren 100. Geburtstag. Die Rolling Stones sollten sich nicht so aufführen mit ihren Jubiläen.
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Gerutsche ’26
Ich trinke nicht mehr so viel, bis ich die Wahrheit sage,
hab’ ich gesagt.
Sarah Lesch: Notiz
2025 habe ich darüber nachgedacht, ob ich wieder mehr Prosa schreiben sollte. (In einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn hatte ich schon 2024 im Kreise von Zeugen ein Buch über meine Erfahrungen in der Kommunalpolitik versprochen, vor allem mir selbst.) Daraufhin habe ich wochenlang über Schreibmaschinen analoger und simulierter Natur mein Wissen aufgefrischt, vorübergehend ernsthaft über die Anschaffung eines Laptops aus den frühen 90ern nachgedacht, weil Schreiben normalerweise leichter von der Hand geht, wenn man gar keine Möglichkeit hat, sich mit Gedaddel und/oder Geblinke aus dem Internet abzulenken, dann habe ich die Filmadaption von Naked Lunch gesehen und jetzt brauche ich erst mal eine Ehefrau, bevor ich das mit dem Schreiben ernsthaft weiterverfolgen kann.
2025 war auch ein Geburtstag, so rund, wie es der Körper schon eine Weile vormacht. Es wird zusehends schwieriger, dem etwas entgegenzusetzen. Dass der Mensch so lange lebt, ist medizinisch ein Irrweg. Aber seelisch auch. – Dazu passt: Ich habe im vergangenen November unerwartet eine Muse wiedergesehen, die sicherheitshalber völlig vergessen zu haben mir einfach nicht liegt. Das war gefährlich schön. Ist das jetzt eigentlich das mit der heißen Herdplatte?
Glücklich war ich auch nur, wenn ich nicht verliebt war.
Wolfgang Herrndorf
Krieg hin, Krieg her: Die andere Menschentradition, das Küssen, sei sooo vor 20 Millionen Jahren, verbreitet das Hipsterportal „T‑Online“, aber schön ist’s ja dann auch immer noch. Die Menschen haben „Vorsätze“ für das neue Jahr, statt das, was sie vorhaben, einfach mal jetzt zu machen, und finden, das sei anerkennenswert. Prokrastination ist ein Volkssport, auf den sogar der Fußball neidisch schielt. – Ich wurde 2025 danach gefragt und habe jetzt eine Antwort: Falls mein Leben jemals verfilmt werden sollte, möchte ich mittlerweile, dass Scarlett Johansson mich spielt. Sie hat viel mit mir gemeinsam, zum Beispiel ist auch sie bisher nicht mit Natalie Portman zusammen. Bei mir prangere ich das aber noch etwas mehr an als bei ihr.
2025. Ein Jahr zwischen zwei verschiedenen Depressionen, keine davon klinisch erwiesen (weil die Kopfarztpraxen schon zu voll sind mit Leuten, die da gar nicht hingehören), jede davon hausgemacht. Homo homini Vollidiot est. Ich lebe ja in einer reichen Stadt in einem reichen Land auf einem friedlichen Kontinent und müsste insofern glücklich sein, sagen alle und meinen das dann aber gar nicht, weil es ihr Konto füllt, dass das gar nicht stimmt, aber jeder es glaubt.
Im Rausche reden die Menschen viel und wissen nicht, was.
Heimdall (Lokasenna)
Die ersten Böller in jedenfalls meiner Hörweite begannen diesmal erst eine Woche zu früh. Das muss diese Rezession sein. Jetzt gerade ist von dieser allerdings nur wenig zu sehen: Wie jedes Jahr sprengen die Deutschen den Gegenwert zweier Wocheneinkäufe in die Luft, weil man das halt so macht, und wenn man sich morgen mit rosa Glitzer einreibt und in der nächstbesten Kirche „Kuckuck! Kuckuck!“ ruft, dann ist das nicht etwa grenzbescheuert, sondern Tradition. An Silvester ärgere ich mich immer noch ein bisschen mehr darüber, dass ich grundlegend Sympathie für Hunde habe, freue mich aber im Gegenzug darüber, dass meiner Schadenfreude bezüglich pyromaner Menschen in den morgigen Notfallnachrichten wohl wieder hinreichend Genüge getan werden wird.
(Der Löwe sprengt sich wenigstens nicht die Finger weg.)
2026 also. Die Zukunft ist da. Los geht’s.
Die Anreize seien gut.
Dieswöchige Nachrichten (wollen nicht verlinkt werden, LSR):
Seit Monaten untersucht die Bundeswehr Vorfälle bei ihren Fallschirmjägern: Nazitümelei, Kokainkonsum, Vergewaltigungsphantasien.
Auch dieswöchige Nachrichten:
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte, hält eine Zwischenbilanz des am 1. Januar beginnenden neuen Wehrdiensts frühestens Mitte des Jahres für möglich. (…) Die Anreize für den freiwilligen Wehrdienst seien gut, sagte er.
Das fürchte ich auch.
Kurz angemerkt zum Digital Independence Day
(Der im Rahmen des diesjährigen Chaos Communication Congress mit gewohnt großem Trara und flankiert von der Nonsenspresse von einem politischen Schriftsteller und damit genau von der Art Koryphäe, an die ich denke, wenn ich an deutsche Hackertreffen denke, vorgestellte und beworbene „Digital Independence Day“ diene also dem Zweck, „uns nach und nach unsere digitale Unabhängigkeit“ zu „sichern“, schreiben sie auf einer Seite, auf der man nicht alles lesen kann, weil der Text aus nichts als Designgründen rechts abgeschnitten ist, und empfehlen also den Wechsel weg von Googles Mailgedöns – gut! – zu, nein, nicht etwa einem eigenen Mailserver, was dieser Tage alles andere als ein Hexenwerk ist, sondern – nicht gut! – einem anderen Anbieter, von dem man sich bitte künftig abhängig machen möge, denn seine private Korrespondenz ohne technische Notwendigkeit zum Beispiel bei Posteo.de, „grün, sicher, anonym“ [ebd.], abzulegen ist heutzutage der digitalen Unabhängigkeit dann wohl auch genug; was freilich manches erklärt.)
mclusky – To Hell With Good Intentions // Quetschen für die AfD
Es ist Montag. Derzeit finde, erfahre ich, abermals das Schaulaufen der Laptopaufkleber statt, und wie immer schwafeln irgendwelche Unprofis davon, es sei ein Hackertreffen im Gange. Ich wage ja zu behaupten, auch in diesem Jahr sind diejenigen, die „Hacken“ und „Linux installieren“ wenigstens grob auseinanderhalten können, mit großem Abstand in der Minderheit, aber ich bin ja auch kein Journalist, sondern vom Fach. Willkommen im postliberalen Diskurs. – Gute Nachrichten für Freunde sich als Farce wiederholender Geschichte: Die Seeräuberei ist zurück. Yo-ho, wie es so schön heißt.
Apropos Piraten (aber andere): Letzte Woche erfuhr ich eher zufällig, dass meine vor gut zwanzig Jahren tatsächlich legal erworbene lebenslange mIRC-Lizenz schon seit längerer Zeit nicht mehr gilt. Ich prangere das an. Gute Nachrichten hingegen aus der Soziale-Medien-Ecke: WhatsApp und Instagram verlieren an Zuspruch. Nur noch (grob geschätzt) zwanzig Jahre also, bis man da auch nicht mehr sein muss.
Klogedanke: Gibt es eigentlich schon politikwissenschaftliche Untersuchungen dazu, ob es nicht vielleicht sein könnte, dass junge Männer es gar nicht mal so gern mögen, dass der Staat sie allein aufgrund ihres Geschlechtsteils gern in börsenbefeuerte Kriege schicken würde, und genau deswegen die AfD wählen (wollen)? Mittlerweile erscheint mir vieles in der zeitgenössischen Politik nur noch ein soziales Experiment zu sein, das darin besteht, Menschen in Gruppen einzuteilen, jede einzelne von ihnen auf möglichst kreative Art zu quetschen und zu gucken, was passiert, wenn sie platzen.
Grundsätzlich gruppenfreundlich hingegen: Musik.
Guten Morgen.
Reflexion (XII)
Günter Schickert.
Aus Gründen.
Vinyl <3 (17): Kulturerhalt ganz spotifrei
Finanziell wird es für die weit überwiegende Mehrheit der Rechteinhaber keinen Unterschied machen, ob sie von Spotify oder von Anna’s Archive keine Tantiemen erhalten.
Man muss Musiker und ihr Tun schon außerordentlich geringschätzen, um Spotify auch nur einen Cent zu bezahlen. Geld verdienen Musiker mit Konzerten und mit Tonträgerverkäufen (Empfehlungen von mir gibt es wie gewohnt zu Jahresbeginn, denn Menschen, die schon im November irgendwas von „Jahresrückblicken“ delirieren, sollten auch nur elf Monatsgehälter im Jahr bekommen, so etwas wie einen Dezember kennen diese Knalltüten ja gar nicht mehr und würden das daher vermutlich nicht mal bemerken; aber ich schweife ab), dies freilich bevorzugt bei den Musikern selbst, weil dann weniger Einnahmen aufgeteilt werden müssen. Wer unbedingt glaubt, eine digitale Leihbibliothek für Musik sei die einzig vernünftige Möglichkeit zu regelmäßigem Musikkonsum, dem stehen weniger musikerfeindliche Alternativen bis heute zur Verfügung. Zu TIDAL schrieb ich ja schon 2015 manches und bin dort heute trotzdem immer noch Kunde, was Gründe hat.
Die Mission von Annas Archiv (regelmäßige Leser erinnern sich), dem zweifelsohne auch weiterhin vor allem mit wirkungslosen DNS-Sperren begegnet werden wird, ist dabei eine, die kulturpolitisch wertvoller ist als die Urheberrechtsextremisten es medial herbeiplärren möchten: Angesichts staatlicher Löschfristen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Entfernung umstrittener kultureller Inhalte aus vielen Bereichen des Lebens, von Rechteinhaberinsolvenzen und nicht zuletzt auch Datenverlusten, die über die Jahrzehnte durchaus mal vorkommen können, ist ein von Freiwilligen gepflegtes Archiv des geistigen Eigentums möglichst vieler Künstler und anderer Menschen einer der wenigen Garanten für die Bewahrung dessen, was sonst vergessen würde.
Seit Jahrtausenden ist der Mensch kreativ tätig, und vieles, was wir heute über das Leben vor langer Zeit wissen, ist eine Folge massiver Rechteverletzung. Den Unterschied zwischen Grabräuberei (man stört die Totenruhe eines längst Verstorbenen und nimmt die Wertsachen mit) und Archäologie (man stört die Totenruhe eines längst Verstorbenen und nimmt die Wertsachen mit) möge mir beizeiten ein Klügerer erläutern, dennoch wird die so erhaltene Kultur heute als wertvolles Allgemeingut wahrgenommen. Was spricht eigentlich dagegen, so auch mit Musik und Filmen von heute zu verfahren, die andernfalls verschwinden könnten? Selbst von der nicht völlig unbeliebten BBC-Serie Doctor Who sind bis heute einige Folgen verschollen, weil schlicht niemand (teils aus technischen, teils aus rechtlichen Gründen) eine „Raubkopie“ (allein das Wort schon!) angefertigt hat.
Mit Annas Archiv wäre das nicht passiert.
Realitätsantivirus
(Sie sei nämlich „die Firewall der Realität“, versucht die drollige Bundeswehr um denjenigen Nachwuchs zu werben, der sich „schon mal gefragt“ hat, warum so viele Menschen „bleiben“ beziehungsweise zumindest nicht mehr lebend rauskommen, und während der Informatiker in mir sich fragt, ob genau deswegen deren EDV-Abteilung dringend Leute zu brauchen behauptet, sieht der depressive Romantiker in mir ganz neue Chancen: kann man die Bundeswehr im Innern dann eigentlich in Zukunft auch bei Liebeskummer zwecks Abschirmung von dieser Realität einsetzen?)
Anna Högberg Attack – Attack // T‑error
Es ist Montag. Grüßt Gott, werte Bayern. Alles noch gut bei euch? Braucht ihr Hilfe?
Gar nicht mal so unwitzig: Hat jemand meine Telefonnummer gesehen? – Dazu vielleicht auch: Wäre ich die Telekom und jemand wollte von mir wegwechseln, wäre mein erster Gedanke nicht, ihn täglich fünfmal mit verschiedenen Nummern anzurufen, um ihn mit einem Automaten reden zu lassen. Leider bin ich nicht die Telekom und muss daher wöchentlich weitere Telefonnummern blockieren. Wo ist die Bundesnetzagentur, wenn man sie mal braucht?
Apropos, Verbraucherfrage meinerseits: Gibt es eigentlich irgendwo eine vollständige Liste von Milchproduktherstellern, nach deren nicht politisch gemeinter Unterstützung per Milchproduktkauf man nicht befürchten muss (Archivversion), dass man spätestens an der Kasse mit einem Menschen mit anstrengender Frisur und noch anstrengenderen Sentenzen über Politik (apropos bekloppte Parteipolitik) diskutieren muss? Geht das überhaupt noch, also Milch insgesamt?
Erfahren: Im Internet – denkt an eure Backups – sind Menschen zugegen, die sich aus Transitionsgründen nicht mehr duschen wollen, weil sie ihren Intimbereich nicht anfassen wollen (Allergikerhinweis: reddit). Ich bin ja nun wirklich nicht ganz so zynisch wie alle sagen, daher endet dieser Absatz hier.
Geht dafür los: Musik.
Guten Morgen.
Deutschland, deine Allegorien! (32)

(Doch, wirklich bzw.: ja, wer denn sonst?)
Kurz verlinkt: TrotzKI trifft MozKIlla
Bei Mozilla, heute dafür bekannt, vor etwa einer Dekade für einen guten Webbrowser bekannt gewesen zu sein, agiert jetzt dem Vernehmen nach ein neuer Chef, der mit quelloffener Software ebenso wenig zu tun hat wie mit Webbrowsern, sondern vielmehr irgendwas mit „KI“ macht. Das machen ja jetzt alle und wird bestimmt ein großer Erfolg. Als Teil der World Socialist Web Site, in dem Mitteilungsorgan des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (Wikipedia) also, wurde – derzeit wohl nur englischsprachig – folgerichtig ein trotzkistischer Chatbot ins Leben gerufen. Damit die sozialistischen Ideale von Anfang an gewahrt bleiben, ist es zwingend erforderlich, dort eine gültige E‑Mail-Adresse (mit oder ohne verknüpftes Konto bei einem „sozialen Netzwerk“) zu hinterlassen, damit alle anderen auch etwas davon haben.
Computer waren ein Fehler.












