In sozialen Medien lesen zu müssen, dass es pietätlos sei, das Ableben des Oberhaupts einer Institution, die derart viel Leid über die Menschheit brachte wie die katholische Kirche es nun mal getan hat, spaßig zu kommentieren und/oder für eine gar nicht so schlechte Nachricht zu halten (obwohl Päpste, anders als zum Beispiel „Führer“, ja blöderweise immer wieder nachgewählt werden, statt einfach den Weg alles Irdischen zu gehen), lässt mich zwar grundsätzlich zustimmend nicken, weil über Tote (außer Hitler) nichts als Gutes, aber ich genehmige mir hier trotzdem den Vorschlag, der Nachfolger möge tatsächlich etwas für eine Verständigung der Völker tun: Warum nicht mal ein Muslim?
The Body & Thou – Prescience (live) // viel Eu, kein Ropa
Es ist Montag. „Kein Schwein liest mehr Zeitung“ (Dominic Iten) und bemerkt daher auch solches: In der jüngsten Sonntags-FAZ verkündete Johann Wadephul, die designierte Annalena der folgenden Bundesregierung, „Sicherheit und Frieden in Europa“ gebe es „nur gegen Russland“. Ich möchte Herrn Wadephul mit einem Diercke-Weltatlas vermöbeln, aber das ist leider nicht erlaubt. Danke, Merkel.
Apropos Frauen: Der „Gender Pay Gap“ hat sich endlich sogar bei „heise online“ erledigt. Dann können wir ja endlich mit Hochdruck über etwas Sinnvolleres diskutieren; wenn auch das Wichtige neuerdings ist, wenn jemand, der gar kein Minister sein sollte, kein Minister sein will. Auch ich verzichte übrigens auf ein Ministeramt. Ich erwarte zwar (bitte nie wieder) keine mediale Berichterstattung, doch wenigstens „Oha!“-Geräusche ob meines ritterhaften Verzichts.
Die Verteidigung von Daniela Klette hätte Akteneinsicht doch einfach auf Alpha Centauri nehmen können, teilen die Vogonen mit. Habt ihr euer Handtuch dabei?
Hab’ ich dabei: Musik.
Guten Morgen.
Liegengebliebenes vom 16. April 2025
Ein Heidenspaß:
Im US-Außenministerium sollen sich die Mitarbeiter jetzt gegenseitig anschwärzen – wegen „antichristlicher Voreingenommenheit“.
Nun ist ja nicht jedes Urteil ein Vorurteil, aber das sind freilich Details. (Darf man eigentlich noch in die USA einreisen, wenn man die Historie der Kirche irgendwie blöd findet?)
Dazu auch und rein interessehalber: Bis zu wie vielen Sektenmitgliedern heißt der Papst bei „n‑tv“ eigentlich „Papst“ mit Anführungszeichen? (Übermorgen wieder voll keine Lust auf subversives Tanzen, aber das muss ja auch irgendwer tun.)
Ein Gott, der ein Problem damit hat, dass seine angeblichen Geschöpfe ein entspanntes Leben führen, ist ein Gott, der dringend dem Fachkräftemangel zum Opfer fallen sollte.
Ach.
Das Land, für das man kämpfen soll, finden gar nicht alle toll.
Das Problem mit Parteien
Wie bislang exakt drei (soweit mir bekannt) und künftig ungefähr alle Leser meiner irregulären Mitteilungen wissen, habe ich mein Soll an Parteien – seit 2009 war ich Mitglied dreier Parteien, keine davon habe ich im Streit mit der Parteibasis, jede davon aus Gründen des Rückgrats verlassen oder verlassen lassen – mittlerweile übererfüllt. Die meisten schaffen es ja nur zur Karteileiche in irgendeinem Nonsensverein.
Vor diesem Hintergrund finde ich es zumindest bemerkenswert, dass auch 2025 noch Menschen in Parteien eintreten und mir gegenüber zu verstehen geben, dass ihr Beweggrund sei, die Gegebenheiten in ihrem Sinne zu verändern. Aber was bedeutet es denn, wenn man „politisches Interesse“ gleichsetzt mit der Mitgliedschaft im kleinsten Übel? (Wer das kleinste Übel stärkt, der stärkt damit eben ein Übel.) Natürlich stärken Parteien die Aussichten ihrer Mitglieder darauf, ein richtiges Leben im valschen (R. Gernhardt) zu führen und so im falschen Apparat an die richtige Stelle zu gelangen. Aber was bedeutet es, 106-und-ein-bisschen Jahre nach Ende des Kaiserreichs und damit auch nach Ende einfacher Antworten auf schwierige Fragen, noch, sich mit Parteien zu arrangieren? Man fördert für – je nach Finanzordnung – vergleichsweise viel oder wenig Geld eine elitäre Vereinigung, die sich (bei Linken) auf eine seit einem Jahrhundert nicht mehr aufgetretene Weltordnung oder (bei Rechten) auf seit einem Jahrhundert nicht mehr relevanten gesellschaftlichen Konsens beruft. Ist es das, wo die Zukunft des Volkes zu suchen ist?
Sind Marx/Engels, Lenin, Stalin, Trotzki (je nachdem, wen man fragt), von Mises, von Papen, Brüning, Adenauer die Zukunft oder gilt es, sie zu überwinden?
Unser Staatsapparat ist (…) noch so wenig eingespielt und gefestigt, daß die militärische Macht nahezu unvermeidlich wieder eine eigene politische Willensbildung entfalten wird. (…) Es wird deshalb nicht abzuwenden sein, daß die antidemokratischen Neigungen gestärkt und die Remilitarisierung die Renazifizierung nach sich ziehen wird.
Gustav Heinemann, 1950
Wer das System verändern will, indem er im System Farbe bekennt, der will das System behalten.
Reflexion (IX)
„tux0r, Wehrkraftzersetzer“ wäre auch eine schöne Visitenkarte.
Alternative für SPD
Apropos Bunker; heute im „Handelsblatt“ (will nicht verlinkt werden, LSR) gibt es ein neues Äquivalent zu „wenn du dein Tellerchen nicht leerisst, kommt der Russe“:
Der Vorsitzende der Thüringer SPD, Georg Maier, warnte vor einer Ablehnung des Koalitionsvertrags. „Ein Scheitern mag man sich nicht vorstellen angesichts der Umfragewerte für die AfD“, sagte der Landesinnenminister dem Handelsblatt. (…) „Es wird niemals eine Wunschkonstellation für uns Sozialdemokraten sein, mit den Konservativen zu koalieren“, betonte Maier.
Wenn die SPD nach der Wahl noch SPD-Politik machen will, kommt die AfD.
Swans – Lunacy
Ach guck. Montag. Die Nachfrage nach Bunkern steigt. Die Menschen sind zu schlicht, viel zu schlicht.
Es ist Montag und ich habe nichts vorbereitet; nichts außer einem Link zum Thema Spielen auf 90er-Computern und: Musik.
Lunacy!
Guten Morgen.
Katzenmenschen enthüllen CUII / Mit USA gegen USA
Die „Clearingstelle Urheberrecht im Internet“, deren anscheinend einziges Treiben es ist, ohne staatlichen Auftrag Websites dem Zugriff aller zu entziehen, die keine zweieinhalb Minuten Zeit gefunden haben, einen anderen als den vorgegebenen DNS-Server im Router einzustellen, hat ein paar neue Lesezeichen („Sperrliste“) zur allgemeinen Nutzung („Sperrung“) freigegeben. Ich finde das sehr nett.
(Nach einem kurzen Blick auf die Blogs der Menschen, die hinter dieser Liste stehen, stelle ich mir die Frage, ob man als Hacker eigentlich noch „ernst“ genommen wird, wenn man Katzen allenfalls ambivalent gegenübersteht und nicht in jedem längeren Prosatext mindestens einmal miauen muss, aber Angst vor der Antwort habe ich andererseits schon ein bisschen.)
Apropos, da ich mich gerade ohnehin schon über Menschen wundere: An den Spätmerkern, die schlappe zwölf Jahre „nach Snowden“, daher „wegen Trump“ jetzt multimedial bis ins Zeitschriftenregal hinein danach brüllen, alle, die nicht schnell genug wegrennen können, mögen bitteschön US-amerikanische Dienste, offline wie online, boykottieren (als wäre bei „Clouds“ ausgerechnet der Präsident das Problem!), gefällt mir am meisten die großartige Satire, die sie aber gar nicht satirisch meinen, dass sie dieses Brüllen auf US-amerikanischen Plattformen, die oft unter Zuhilfenahme des im Wesentlichen US-amerikanischen (Kernel, systemd, GNU, GNOME) Betriebssystems Linux betrieben werden, und/oder mithilfe von US-amerikanischen Bibliotheken zum Besten geben. Voll gezeigt haben die es diesem Trump jetzt.
Medienkritik in Kürze: Begriffliche Weiten
Auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz in Berlin-Friedrichsfelde am vergangenen Wochenende beschloss der SPD-Nachwuchs, künftig den Begriff „Islamismus“ nicht mehr zu verwenden: „Problematisch hierbei ist die begriffliche Nähe zum Islam. Dies erzeugt für viele Gläubige eine Stigmatisierung, da die Religion oft mit dem Begriff ‚Islamismus‘ in Verbindung gebracht wird.“ Statt „Islamismus“ wollen die Jusos zumindest in Berlin künftig „islamischer Extremismus“ verwenden, so wie es beim „christlichen Extremismus“ bereits der Fall ist.
Anders als der Begriff „Islamismus“ hat nämlich, wie jeder deutlich sehen kann, der Begriff „islamischer Extremismus“ mit dem Wort „Islam“ überhaupt keine Berührungspunkte. Ich finde das richtig und wichtig.
Ist ja bloß Sprache.
Schablonen und Fließbänder
Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen mitsamt der gewohnten Selbstverleugnung und der Verteilung der Zuständigkeiten überraschen mich in einer Zeit und in einem Land, in der und dem die Menschen ChatGPT, das ungefähr ähnlich funktioniert wie ein betrunkener Papagei (seit ELIZA hat sich die Welt der „Künstlichen Intelligenz“ gar nicht mal so sehr weitergedreht, möchte im ersten Augenblick scheinen), für ein geeignetes Substitut für eigene Kreativität halten, also auf Herz und Hirn im ureigensten Bedürfnis des Menschen nach Kunst und Kultur gern verzichten können, übrigens nicht im Geringsten; denn wie wichtig ist das gute Leben schon dort, wo selbst die Kunst Schablone und Fließband entspringt?
Diese Woche in der Technikwelt von gestern
Nachricht 1:
Ein applenahes Unternehmen arbeitet angeblich an einem Telefon ohne Bildschirm.
Nachricht 2:
Microsoft bietet bald Grafikterminals auch in Deutschland an.
Wenn jetzt noch irgendein Hipster herausfindet, dass das Usenet zu mehr taugt als bloß zum Filmetauschen, dann könnte es ja doch noch was werden mit dieser Zukunft.
Heisskalt – Mit Worten und Granaten
Es ist Montag. Offensichtlich immer wieder dringend nötiger Hinweis für E‑Mail-Nutzer, die glauben, sie seien sicherheitsbewusst: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der eines der Enden irgendein Webkram ist, ist keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion hätte gern eine „gute Regierungsbildung“ (Archivversion). Versteh’ ich nicht: Also doch ohne CDU/CSU und SPD?
Heute ohne große Umschweife bzw. zum selben Thema (d.h. Krieg): Musik. Es scheint, als gebe es seit ein paar Monaten mit geringem Besetzungswechsel die fantastischen Heisskalt wieder. Ich weiß das zu würdigen.
Guten Morgen.
Liegengebliebenes vom 4. April 2025
Die Anhänger der Kirche des Heiligen Hasen sind entsetzt: Im Billigsupermarkt wurde ihr Gottesbild, der Auferstehungshase („Osterhase“), in sitzender Form „Sitzhase“ genannt. In den einschlägigen sozialen Medien wird gemutmaßt, dass das an vorauseilendem Gehorsam gegenüber bestimmten Religionen liege. Diese verdammten Buddhisten und ihr Verzicht!
Aber ich kann die Aufregung andererseits verstehen: Die schöne alte europäische Kultur wurde einst von orientalischen Messermännern („Missionaren“) aus Osteuropa und Asien mit Gewalt unterdrückt und nahezu ausgerottet. Seitdem haben wir das Christentum.
Apropos Supermärkte; „Neues aus Arschlochhausen“ schreibe ich jetzt natürlich nicht:
Der Chef der Drogeriemarktkette dm, Christoph Werner, spricht sich dafür aus, Karenztage für kranke Arbeitnehmer einzuführen und Krankschreibungen per Telefon abzuschaffen.
Schon, weil ich alles gut finde, was Telefonieren reduzieren soll.
Ich erwähnte es ja gelegentlich schon: Ich mag es, wenn Frank Lachmann bloggt. Introvertierten Emokram oft, aber das kenne ich ja schon von mir selbst.
Zumindest interessanter Aprilscherz: Putin würde Deutschland niemals annektieren wollen – dafür ist ihm das Land zu kaputt.
Gleicher Tag, trotzdem kein Scherz: Der wirklich tolle Webdienst Rivva könnte mehr Spenden gebrauchen. Ich gebe das mal weiter.
Andere Länder, ähnliche Sitten: „Stewards patrouillieren vor der Molly-Malone-Statue, um ‚Befummeln‘ zu verhindern“.
Die sprachliche Unsichtbarkeit der Anderen
Randnotiz: Das Wort „FLINTA“, bei dem Frauen mitgemeint sind, dient dem Zweck, dem generischen Maskulinum etwas entgegenzusetzen, bei dem Frauen mitgemeint sind.
Year of the Cobra – War Drop // Komplizierte Rezeptsucher
Es ist Montag. Auf der diesjährigen SXSW wurde Unglaubliches herausgefunden: „Künstliche Intelligenz“ sei aufgrund der dringend angeratenen menschlichen Ergebniskontrolle womöglich gar keine große Arbeitsersparnis, sondern ganz im Gegenteil. Huch!
Im Internet, an dieser Stelle (in Ermangelung einer geeigneten Überleitung) meinen Glückwunsch und meinen Respekt an ix, der seit dreißig Jahren andere Dinge ins Internet reinschreibt, obwohl Insinternetschreiben vorübergehend nicht mehr cool war (jetzt habe ich doch glatt vergessen, damit aufzuhören, meine eigene Website zu pflegen, als alle lieber auf Facebook oder Steady oder sonstwo sein wollten, ich Dummerchen), beklagen zusehends mehr Menschen, dass viele Rezeptewebsites zu viel Text vor dem eigentlichen Rezept als notwendig erachten. Persönlich habe ich vor einiger Zeit angefangen, mich für meine Rezeptesammlung auf Apps wie Mela (Vergleichbares gibt es bestimmt auch für andere Smartphonesysteme) zu verlassen, die folgende Funktion bieten: Man öffnet in dem eingebauten Browser eine Rezeptewebsite und dann erscheint ein Knopf mit der Aufschrift „Rezept gefunden“, den man betätigen kann, woraufhin die App das Rezept aus dem Text extrahiert und den übrigen Summs einfach wegschmeißt. Aber natürlich ist das dann weniger lustig, wenn man es erzählt.
Es stehe zur Diskussion, ob der Staat Lügen verbieten solle, entnehme ich politischer Berichterstattung. Kennen die den § 130 (3) StGB nicht? – Ein guter Anfang zum Schluss: Vier US-Soldaten sind verschwunden (Archivversion). Da ist noch Luft nach oben, finde ich ja.
Weit oben ist schon jetzt: Musik. Es muss ja nicht immer alles kompliziert sein.
Guten Morgen.







