In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu Tik­Tok-Sper­ren

Es ist ein biss­chen bedau­er­lich, dass Eltern, die in ihrer Auf­ga­be, den Nach­wuchs unter ande­rem auch zu gei­sti­ger Rei­fe zu erzie­hen, wenn sie ein­mal dar­an geschei­tert sind, nicht selbst wegen Ver­nach­läs­si­gung ihrer Pflich­ten ver­klagt wer­den kön­nen, statt­des­sen aber die Schuld dar­an, wenn ihr Ver­sa­gen in der Erzie­hung nicht mehr zu leug­nen ist, so dass besag­ter Nach­wuchs sich von irgend­wel­chen daher­ge­lau­fe­nen Klaps­köp­fen im Inter­net noch blö­der machen lässt, aus­schließ­lich die­sen Klaps­köp­fen zuzu­wei­sen ver­su­chen, als wäre Tik­Tok nicht ohne sol­ches Bestre­ben schon über­be­wer­tet genug.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Pain­Kil­ler – Samsa­ra

PainKiller - SamsaraLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1991 ver­öf­fent­lich­te der Jazz­sa­xo­pho­nist John Zorn (zuvor unter ande­rem Band­chef von Naked City und bis heu­te eben­sol­cher von Masa­da) gemein­sam mit dem Bas­si­sten Bill Las­well (zuvor unter ande­rem bei Mate­ri­al und Last Exit) und dem Schlag­zeu­ger Mick Har­ris (zuvor bei Napalm Death) unter dem Pro­jekt­na­men Pain­Kil­ler den eini­ger­ma­ßen kur­zen und kom­plett impro­vi­sier­ten Ton­trä­ger („EP“) „Guts of a Vir­gin“. Bis 2008 spiel­te die­ses Trio, zwi­schen 2003 und 2006 mit wech­seln­den Schlag­zeu­gern, fünf wei­te­re Ton­trä­ger ein, die laut Wiki­pe­dia sowohl „Avant­gar­de-Jazz“ als auch „Grind­core“ beinhal­te­ten, was ange­sichts der musi­ka­li­schen Her­kunft der hier Täti­gen nicht über­ra­schen soll­te, und löste sich nach einem letz­ten Kon­zert am 23. Juni 2008, bei dem Mike Pat­ton (der Mike Pat­ton!) und Fred Frith (der Fred Frith!) gastier­ten, vor­erst auf.

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Sonstiges
Immer irgend­was rufen

Mir brach­te man noch bei, dass Unrecht hat, wer schreit, doch war Rufen nicht Teil die­ser Weis­heit, so dass jetzt kei­ner mehr schreit, doch fast alle rufen: „Alla­hu akbar“ rufen mus­li­mi­sche Ter­ro­ri­sten gern mal, was sie von Rechts­ra­di­ka­len unter­schei­det, die meist grö­len, sel­ten brül­len und nie ein­fach rufen. Es grö­len jedoch auch nie Links­ra­di­ka­le, besten­falls skan­die­ren sie, meist jedoch wird auch ihrer­seits geru­fen. Wer nicht genau weiß, wel­cher Grup­pe er ange­hö­ren darf, dem sei gera­ten, an einer Demon­stra­ti­on in Ber­lin teil­zu­neh­men, denn – Kennt­nis­se des ört­li­chen Sozio­lekts („Eng­lisch“) vor­aus­ge­setzt – dort bekommt man das zu Rufen­de artig bei­gebracht:

Die Mo­de­ra­to­ren üben Demo-Slo­gans mit den Teil­neh­me­rn ein. (…) Die Rou­te führt zur Spree und über die Fried­rich­stra­ße zurück. Teil­neh­me­r rufen „This is what demo­cra­cy looks like“, My Body, my choice“ und „Gegen Macker und Sexi­sten“.

(Feh­len­des Anfüh­rungs­zei­chen wie im Ori­gi­nal, stern­freie Schreib­wei­se jedoch nicht.)

Ich bin davon über­zeugt, das stän­di­ge Geru­fe ver­bes­sert auf irgend­ei­ne Wei­se die Welt, denn sonst betrach­te­te man das Nachrufen vor­gerufe­ner Paro­len als alber­ne Cho­reo­gra­phie und nicht als wich­ti­ges Han­deln. Im Zwei­fel macht es jeden­falls zwar hei­ser, doch auch müde. Ein guter Schlaf ist wich­tig für die Gesund­heit. Ist man aus­ge­ruht, dann ruft es sich bes­ser.

NetzfundstückeMontagsmusik
Film 2 – Fünf­zig­tau­send Ster­ne // Ich füh­le mich rück­run­dig.

Gegen einen frostigen Empfang hilft ein dickes Fell.

Es ist Mon­tag. Ein Fuß­ball­be­richt­erstat­ter sprach neu­lich für eine ARD-Sen­dung, er füh­le sich „sehr rück­run­dig“. Das Pro­blem ken­ne ich. Ich soll­te mehr Sport trei­ben. In Uel­zen der­weil gibt es neu­er­dings „Müll­sün­der“. Kei­ne Sor­ge: Drei Vater­un­ser und zwei Ave­ma­ria und damit soll­te das begli­chen sein. Ist ja nur Spra­che. (Apro­pos Spra­che.)

Die Mar­ke­ting­zu­stän­di­gen für die Java­Script-Lauf­zeit­um­ge­bung Deno wit­zeln, Deno sei eben­so „sicher wie Brow­ser“. Dass das das Pro­blem zutref­fend beschreibt, aber die fal­sche Lösung anbie­tet, wür­de in die Auf­zäh­lun­gen wahr­schein­lich nicht rein­pas­sen. Müss­te man ja erklä­ren. („Sicher wie Brow­ser“ übri­gens auch.)

Ein ande­rer gru­se­li­ger Satz: „Die EU wirft Russ­land und des­sen Ver­bün­de­ten Bela­rus vor, Migran­ten zu instru­men­ta­li­sie­ren und sie gezielt an den Gren­zen von EU-Län­dern wie Polen und Finn­land aus­zu­set­zen.“ Als wären’s Hun­de. (Bzw.: Poli­zei! Neh­men Sie den Migran­ten run­ter!) Ein aus­nahms­wei­se klu­ger Hin­weis steht der­weil bei ZEIT ONLINE (Archiv­ver­si­on): „Wer immer Femi­zid sagt, macht es sich zu leicht“.

Ulki­ge Geschäfts­idee: Tele­kol­leg auf Porn­hub (Archiv­ver­si­on). Soll ja kei­ner sagen, da ler­ne man nichts. Auch sonst ist die US-ame­ri­ka­ni­sche Digi­talsze­ne immer wie­der für eine Über­ra­schung gut: Die kom­men­de FOSDEM wird bestreikt, damit ein neu­rei­cher Depp dort nicht reden möge. Mein Pro­blem mit der Cryp­to­wäh­rungs­ner­ven­sä­ge Jack Dor­sey, bekannt für die zwei­ma­li­ge Erfin­dung und Grün­dung eines schlecht kon­zi­pier­ten und/oder umge­setz­ten sozia­len Netz­werks („Twit­ter“ und „Blues­ky“), ist ja jetzt weni­ger, dass sie viel Geld hat, aber jeder möge sei­ne eige­nen Prio­ri­tä­ten set­zen.

Mei­ne eige­ne Prio­ri­tät liegt auf: Musik.

Film 2 – Fünf­zig­tau­send Ster­ne

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Als dubai­isch gele­se­ne Scho­ko­la­de

Wenn „man“ (wer?) nicht mehr „mus­li­mi­sche Frau“, son­dern mus­li­misch und weib­lich gele­se­ne Per­son sagt, weil alles Übri­ge dis­kri­mi­nie­rend wäre (wobei ich – Naiv­ling, der ich bin – ja eigent­lich schon gern wüss­te, wor­in der Unter­schied zwi­schen einem tat­säch­li­chen und einem gele­se­nen Mos­lem besteht), dann lie­ße sich doch die gericht­li­che Fest­stel­lung, dass „Dubai­scho­ko­la­de“, eine die­ser Trend­spei­sen, die zu pro­bie­ren mir nicht mal in den Sinn käme (das klingt schon fürch­ter­lich!), nur noch „Dubai­scho­ko­la­de“ hei­ßen darf, wenn sie unmiss­ver­ständ­lich auch wirk­lich irgend­was mit Dubai zu tun hat und nicht nur so genannt wird, doch unbü­ro­kra­tisch aus der Welt schaf­fen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Defea­ted Sani­ty – Con­dem­ned To Vas­cu­lar Fami­ne // Ganz Rie­sa?

Hihihi! Popo!

Es ist Mon­tag. Ich habe infol­ge unin­spi­rier­ter Inter­net­nut­zung aus Ver­se­hen mit Mil­ben­kä­se das denk­bar unve­gan­ste Gericht gefun­den. Die Mil­ben isst man mit. Mett­igel war gestern. (Fund­stück im sel­ben Inter­net: „Body­buil­ding“ sei Eng­lisch und hei­ße „Lei­chen­hal­le“. Ich habe laut Luft aus­ge­sto­ßen.) – Ande­res Gemü­se: „The Oni­on“ (hihi, ihr ver­steht, wegen „Gemü­se“ und „Zwie­bel“) fasst die Lage in den USA kurz zusam­men.

Kur­ze Pres­se­schau jen­seits der Sati­re: Der „SPIEGEL“ ist gewohnt uner­träg­lich. Sym­pa­thisch zynisch, wer des­sen Pres­se­ster­ben mit­tels Zah­lungs­aus­gang immer noch ver­zö­gert. – Etwas weni­ger uner­träg­li­che Pres­se, aber trotz­dem: Immer, wenn ich Arti­kel wie die­sen hier in aus­ge­rech­net der „taz“ genie­ßen darf, in denen deren jewei­li­ge Autoren das Mili­tär für eine höchst wich­ti­ge Ange­le­gen­heit hal­ten, möch­te ich ein Gesetz erlas­sen (las­sen), das jeden Par­tei­vor­sit­zen­den und/oder Mini­ster dazu zwingt, vor Amts­an­tritt ein hal­bes Gesell­schafts­jahr an der Front ver­bracht zu haben. Dann denkt man auch etwas ver­nünf­ti­ger über die Pflicht zur ver­meint­li­chen „Ver­tei­di­gung“ nach. (Wählt mich.)

Apro­pos „ein Gesetz erlas­sen (las­sen)“: In Rie­sa fan­den am jüngst ver­gan­ge­nen Wochen­en­de sowohl ein AfD-Par­tei­tag als auch Gegen­de­mon­stra­tio­nen statt. Dass das Grund­recht (gar: die Pflicht), einen Par­tei­tag abzu­hal­ten, aus gutem Grund exi­stiert, habe ich ander­wei­tig schon hin­rei­chend aus­führ­lich erläu­tert. Im gege­be­nen Kon­text dürf­te der hin­sicht­lich des Wor­tes „Schwach­kopf“ erst kürz­lich (wie­der) zu eini­ger­ma­ßen trau­ri­ger Berühmt­heit gelang­te § 188 StGB mehr als nur zwei- oder drei­mal ver­letzt wor­den sein. „Ganz Rie­sa“ has­se die AfD, hieß es. Den Ein­druck, den die­se Paro­le auf jeman­den macht, der die neue­sten Wahl­er­geb­nis­se aus Rie­sa wenig­stens zur Kennt­nis genom­men hat, ver­mag ich gar nicht in Wor­te zu fas­sen. Statt­des­sen fol­gen­de Fra­ge: Wäre es nicht im Sin­ne aller, die­sen Maje­stäts­pa­ra­gra­phen für „die da oben“ abzu­schaf­fen, bevor „die da oben“ einer Par­tei ange­hö­ren, die noch humor­lo­ser ist als die Grü­nen? (Sie­he auch: Maschi­nist.)

Um „die Lage“ vom Anfang noch­mals auf­zu­grei­fen: Bei daMax fand ich eine schö­ne Alter­na­ti­ve zu Invi­dious in Form von NSFW You­Tube. Lei­der bin ich momen­tan viel zu faul, um unbe­dingt her­aus­fin­den zu wol­len, ob ich das irgend­wie in yaydl ver­wur­sten kann. Heu­te ist das aber ohne­hin nicht so wich­tig, denn bis auf Wei­te­res begin­ne ich nach wie vor die Woche in die­ser Publi­ka­ti­on mit dem nor­ma­len You­Tube und von dort mit: Musik.

Hab’ Lau­ne heu­te.

Con­dem­ned To Vas­cu­lar Fami­ne

Guten Mor­gen.

Persönliches
Mehr Pablo wagen.

«Die­ses ent­behr­lich gewor­de­ne Spie­gel­bild wer­den Sie jetzt aus­lö­schen, lie­ber Freund, mehr ist nicht von­nö­ten. Es genügt, daß Sie, wenn Ihre Lau­ne es zuläßt, die­ses Bild mit einem auf­rich­ti­gen Lachen betrach­ten. (…) Nun, aller höhe­re Humor fängt damit an, daß man die eige­ne Per­son nicht mehr ernst nimmt.»
„Pablo“ in „Der Step­pen­wolf“, Her­mann Hes­se, Recht­schrei­bung unver­än­dert

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Ampel­far­ben­blind in Öster­reich

Nach dem Ende der öster­rei­chi­schen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zwi­schen ÖVP (tür­kis), SPÖ (rot) und NEOS (pink) quatsch­te so man­che deut­sche Qua­li­täts­re­dak­ti­on in die­sem Zusam­men­hang etwas von einem dor­ti­gen „Ampel-Aus“ und/oder einer geschei­ter­ten dor­ti­gen „Ampel­ko­ali­ti­on“. Jetzt mal so inter­es­se­hal­ber: Wis­sen die, wie in Öster­reich eine Ampel aus­sieht?

WirtschaftMontagsmusik
Kōen­ji Hyak­kei – Angherr Shis­s­pa // Mehr Auf­stieg vom Abstieg

Räu-Bär-Leiter (mit Montagslächeln)

Es ist Mon­tag. Es hat wohl doch alles sein Gutes: Die ein­fa­che Erzeu­gung äußerst schlech­ter Sym­bol­bil­der mit­tels „künst­li­cher Intel­li­genz“ lässt den Markt für Sym­bol­fo­tos all­mäh­lich aus­dün­nen. Es ist nicht immer um jede Wirt­schaft scha­de.

Ein­druck vom Spa­zier­gang durch eine bereits voll­pla­ka­tier­te Innen­stadt: Die mei­sten nen­nens­wer­ten Par­tei­en abseits der F.D.P. für Sozi­al­ar­bei­ter („Volt“), die sich auf „Gesicht, Name, Volt“ beschränkt, als würd’ man Men­schen in den Bun­des­tag wäh­len, weil sie hei­ßen und aus­se­hen, ver­spre­chen denen, die sozi­al­po­li­tisch benach­tei­ligt sind, anschei­nend einen „Auf­stieg“. Mir wäre ja eine Par­tei lie­ber, die mir nicht ver­spricht, ich könn­te irgend­wo­hin „auf­stei­gen“, son­dern dazu bei­zu­tra­gen ver­sucht, dass es gar nichts mehr gibt, wohin man „auf­stei­gen“ oder „abstei­gen“ könn­te. Die Exi­stenz „sozia­ler“ (mein­ten Sie: finan­zi­el­ler?) „Schich­ten“ ist das Pro­blem, nicht, dass jemand Schwie­rig­kei­ten hat, aus eige­ner Kraft sich zwi­schen ihnen zu bewe­gen. Mit „Wir sind das Volk“ mein­te „das Volk“ die ein­zi­ge „Schicht“, die es geben dürf­te, wenn denen „da oben“ nicht man­ches dar­an gele­gen wäre, dass „da oben“ wei­ter­hin exi­stiert.

Mich über­rascht da auch schon gar nicht mehr, dass die gesi­chert ver­fas­sungs­feind­li­che SPD in ihrer jüngst vor­ge­stell­ten Bun­des­tags­wahl­kam­pa­gne for­dert (Archiv­ver­si­on), es möge „sta­bi­le Ren­ten, die Ent­la­stung von Fami­li­en und siche­re Arbeits­plät­ze“ geben. Hof­fent­lich stellt die irgend­wann mal den Bun­des­kanz­ler oder so. Dann kann sie end­lich mal was errei­chen.

Ali­na Schwer­mer pole­mi­siert für die „taz“, es wäre nur fair, wür­den Män­ner eben­so wie Frau­en für gute sport­li­che Lei­stun­gen Sach­prei­se statt Geld bekom­men, zum Bei­spiel eine Wurst­ka­bel­trom­mel. Das fin­de ich sehr gut. Ich möch­te auch eine Wurst­ka­bel­trom­mel haben. Wenn das ein­ge­führt wird, ver­su­che ich auch mal das mit dem Wett­be­werbs­sport.

Bis dahin höre ich Musik.

KOENJIHYAKKEI „Angherr Shis­s­pa“ from „Live at Koen­ji High“ DVD

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2024 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 28 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Huch! Ein neu­es Jahr! Dabei war ich noch gar nicht damit fer­tig, das alte zu ver­ar­bei­ten. Selbst in der Musik­welt war eini­ges los: Die von wenig­stens mir gemoch­ten 417.3 haben sich auf­ge­löst, die tol­len Kom­by­nat Robo­tron haben der­weil ein neu­es Album ver­öf­fent­licht. Bei „Betreu­tes Prog­gen“ nör­gel­te Klaus Reckert, dass nach dem Ver­öf­fent­li­chen sei­ner Jah­res­be­sten­li­ste immer noch neue gute Musikal­ben raus­ka­men. Es berei­tet mir ja immer ein biss­chen mehr oder weni­ger heim­li­che Scha­den­freu­de, dass jemand lan­ge vor dem Ende eines Jah­res eine ver­meint­li­che „Jah­res­rück­schau“ ver­öf­fent­licht und dann die wich­tig­sten Din­ge gar nicht drin hat, weil das Jahr noch wei­ter­geht und sei­ne Liste nicht. Hihi.

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Persönliches
Ane­moia 2025

Die­ser Arti­kel ist Teil 14 von 15 der Serie Neu­jahr

2025 wäre erreicht und der Angriff der Rie­sen­gi­raf­fe blieb auch aus. Es ist schon merk­wür­dig: Da freue ich mich an die­ser Stel­le vor genau einem Jahr, dass die Plus­eins noch die Plus­eins ist, und dann ist sie es kaum zwei Wochen spä­ter schon gar nicht mehr. Den Neu­jahrs­vor­satz für 2024, nur noch höch­stens vier­mal melan­cho­lisch an frü­her zu den­ken, hat­te ich daher im Janu­ar schon gebro­chen. (Wie hoch ist eigent­lich gera­de der dies­be­züg­li­che Rekord?) Ich habe erst letz­te Woche in aus­ge­rech­net You­Tube-Kom­men­ta­ren von der Exi­stenz des Wor­tes „ane­moia“ erfah­ren, das unge­fähr „Sehn­sucht nach einer Zeit, die man nie erlebt hat“ bedeu­tet. Per­fekt.

(Nata­lie Port­man sei neu­er­dings wie­der zu roman­ti­schen Tref­fen bereit, erfah­re ich auf einer Non­sens­web­site. Jeder Mensch braucht ein Ziel im Leben, nicht wahr?)

Poli­tisch war 2024 für mich und ande­re ein Jahr der Ein­kehr und letzt­lich Ein­sicht: Ich bin mensch­lich für öffent­li­che Auf­trit­te ein­fach nicht hin­ter­fot­zig genug. Inso­fern ist es gar nicht so scha­de, dass es mit der Musik­kar­rie­re trotz zwei­er Anläu­fe (Gitar­re in der Schul­zeit, „Gesang“ ein biss­chen spä­ter) nicht geklappt hat: Beim Ein­wei­hen von Möbel­häu­sern gucken einem ein­fach zu vie­le Leu­te zu. Plan C und D sind noch resp. schon in der Tasche. Irgend­wann gehen mir die Buch­sta­ben aus. Nur nicht den Humor ver­lie­ren. Kon­se­quent habe ich min­de­stens drei­ein­halb Leu­te damit sicht­lich aus der Rou­ti­ne gebracht, dass ich statt „fro­he Weih­nach­ten“ lie­ber ein „ange­neh­mes Jah­res­en­de“ wün­sche. Das war schön, das mache ich die­ses Jahr wie­der.

Musi­ka­lisch habe ich 2024 zum ersten Mal The Notwist mit jeman­dem zusam­men live gese­hen, der sich hin­ter­her genau wie ich dar­über gewun­dert hat, dass das erst unser erster gemein­sa­mer Kon­zert­be­such war, obwohl wir uns seit hin­rei­chend vie­len Jah­ren über gemein­sa­me musi­ka­li­sche Inter­es­sen freu­en. Als Moral dar­aus wür­de ich gern emp­feh­len, so oft wie mög­lich schö­ne Din­ge mit guten Men­schen zu unter­neh­men, aber ich mache es ja auch nicht bes­ser. Es kann ja auch sehr anstren­gend sein.

Bunt­specht – Unter den Mas­ken (Offi­ci­al Video)

Kein Kuss an Sil­ve­ster. Wenig­stens eine Tra­di­ti­on bleibt mir gewiss. Prost Neu­jahr.

NetzfundstückeMontagsmusikComputer
The Decem­be­rists – The Black Maria // mu4e, Emo­jis und Zivil­ge­sell­schaf­ten

Wohin des Wegs? - Kurz in die Wanne. - Ich komm' gleich nach.

Es ist – zum letz­ten Mal in die­sem Jahr – Mon­tag. Die Böl­ler­nach­fra­ge explo­diert. Ja nun, was soll sie denn auch sonst machen, die Nach­fra­ge?

In der aktu­el­len Aus­ga­be der „F.A.S.“ beklagt die Histo­ri­ke­rin Ute Fre­vert, der „pas­si­ve Opfer­sta­tus“ sei „heu­te mit ganz hohen Sym­pa­thie­wer­ten belegt“. Wo bleibt eigent­lich die­ser „radi­ka­le“ Umbruch der Zivil­ge­sell­schaft, vor dem immer alle „war­nen“? (Ande­rer­seits: Die „Zivil­ge­sell­schaft“ sei defi­niert als das Gegen­teil von „rech­ten Par­tei­en“, quatscht Johan­nes Dros­dow­s­ki. Die Annah­me, dass Spra­che vor allem auf Kon­sens beruh­te, scheint anti­quiert.) – In den dort geschol­te­nen sozia­len Medi­en neh­men Emo­jis, wie ich oft bekla­ge, über­hand. Kein Wun­der, dass mich das so stört: Wer – wie ich – im Umgang mit Frem­den eher mehr als nur vor­sich­ti­ge Zurück­hal­tung übt als die extro­ver­tier­te Ram­pen­sau zu geben, der mei­de Emo­jis häu­fi­ger, infor­miert die Wis­sen­schaft. Ich mag die Wis­sen­schaft.

(Es kann und soll­te übri­gens den wohl aller­mei­sten Men­schen völ­lig egal sein, wen der „STERN“, der „SPIEGEL“ oder zum Bei­spiel ein gelang­weil­ter Mil­li­ar­där jeweils im Aus­land zu wäh­len emp­fiehlt und wen nicht. Bei eini­gen dau­ert die­se Erkennt­nis län­ger als bei ande­ren.)

Zum The­ma Erkennt­nis­se und/oder Mil­li­ar­den auch: Der Ent­wick­ler von Mail­Ma­te, einem der am wenig­sten schei­ßen Mail­pro­gram­me für macOS, hat die Nase voll von sei­nem vor über zehn Jah­ren ein­ge­führ­ten Ein­mal­kauf­mo­dell mit Gra­tis­up­dates und stellt das Pro­gramm mit Ver­si­on 2.0 auf eine Art frei­wil­li­ges Abon­ne­ment um. Auch gut. So hat­te ich wenig­stens mal eine Aus­re­de, mich etwas aus­führ­li­cher mit der Kon­fi­gu­ra­ti­on von mu4e mit meh­re­ren Mail­kon­ten zu beschäf­ti­gen. Zu mei­ner eige­nen Über­ra­schung bin ich nach ein biss­chen Kon­fi­gu­ra­ti­on gar nicht mal unbe­ein­druckt. Ich bin schon sehr gespannt, wie kon­se­quent ich dies­mal bin.

„Jim­my“ Car­ter ist tot. Der Umstand, dass er aus frie­dens­po­li­ti­scher Sicht einer der weni­ger schreck­li­chen US-Prä­si­den­ten seit Ende des Zwei­ten Welt­kriegs war, spricht wahl­wei­se für ihn oder gegen die übri­gen US-Prä­si­den­ten. Ich per­sön­lich habe mich für eines davon ent­schie­den.

Und natür­lich für: Musik.

The Black Maria

Guten Mor­gen.