MusikIn den Nachrichten
Mehr AfD dank weni­ger Jazz

Wenn am mor­gi­gen Sonn­tag die AfD, ob nun mit oder ohne Hüh­ner­ko­stü­me, in Ber­lin für ihr Wahl­pro­gramm demon­striert, wird die­se gebeu­tel­te Stadt es noch schwe­rer haben als sowie­so schon, denn über sie wird eine Hor­de bizarr geklei­de­ter Kra­wall­tou­ri­sten mit erkenn­bar nied­ri­gem Bil­dungs­stand und erschreckend rück­stän­di­gem Musik­ge­schmack her­fal­len.

Unter dem bemer­kens­wert behäm­mer­ten Mot­to „AfD weg­bas­sen“ näm­lich rufen zahl­rei­che Ber­li­ner Tanz­schup­pen mit Aus­nah­me des „Berg­hains“ („außer das Berg­hain“, radeb­rech­te Julia Kopatz­ki in den Online-„Tagesspiegel“ hin­ein) dazu auf, unter Zuhil­fe­nah­me von Geräu­schen, die schon vor Jahr­zehn­ten aus der Mode gekom­men sind, Aus­gren­zung und Into­le­ranz gegen­über poli­ti­schen Min­der­hei­ten wei­ter vor­an­zu­trei­ben.

Der Pro­test soll laut, aber fried­lich sein. „(…) Wir sind pro­gres­siv, que­er, femi­ni­stisch, anti­ras­si­stisch, inklu­siv, bunt und haben Ein­hör­ner“, schrei­ben die Ver­an­stal­ter[.] (…) Statt in dunk­len Clubs sol­len alle Tanz­wü­ti­gen und ‑wüten­den ihre After­hour nach Mit­te ver­le­gen, los geht es um 12 Uhr am Pots­da­mer Platz, und dann wird laut­stark durch die Innen­stadt getanzt.

„Die Demo-Ver­an­stal­ter“, steht fer­ner im Text, „rech­nen mit mehr als 10.000 Musik­fans am Sonn­tag“, las­sen jedoch offen, wie­so sie das für eine gute Idee hal­ten: Ein „Musik­fan“, der sich zwi­schen einer dump­fen Bums­mu­sik- und einer AfD-Demon­stra­ti­on ent­schei­den müss­te, wähl­te frag­los letz­te­re. Wenn Ein­hör­ner und Gewackel zu dump­fer Bums­mu­sik jedoch schon alles sind, was die Ber­li­ner Que­eren­sze­ne (als sei die sexu­el­le Aus­rich­tung jemals als posi­ti­ve Eigen­schaft zu gebrau­chen!) dem ängst­li­chen Zorn einer sich poli­ti­sie­ren­den Men­ge ent­ge­gen­zu­set­zen weiß, dann soll­te es mich nicht im Min­de­sten wun­dern, wenn bis dahin poli­tisch agno­sti­sche Anwoh­ner noch am glei­chen Tag gleich­falls tanz­wü­tend, näm­lich wütend über die Tän­zer, in die AfD ein­tre­ten, denn anschei­nend ist eine Mit­glied­schaft in der AfD ein sicht­ba­res Zei­chen des Pro­tests gegen schlech­te Musik, was ein ehren­wer­tes und unbe­dingt zu unter­stüt­zen­des Anlie­gen ist.

Mit Jazz wäre das nicht pas­siert.

NetzfundstückeNerdkrams
Smart an, Licht aus.

Zur lästi­gen EU-Daten­schutz­grund­ver­ord­nung, die offen­sicht­lich jeder, der was mit Inter­net macht, zwei Jah­re lang völ­lig ver­schla­fen hat, emp­feh­le ich sämt­li­che Blog­ar­ti­kel, die nach 2016 von auf­ge­scheuch­ten Hüh­nern (sog. „Alpha­blog­gern“) eilig unter gro­ßem Ein­satz von Wer­be­ban­nern und Influen­cer­links ins Web geschmiert wur­den, bis auf Wei­te­res zu igno­rie­ren, denn das jewei­li­ge Gegen­teil des Geschrie­be­nen ist nach aktu­el­ler Rechts­auf­fas­sung immer genau so falsch.

Statt­des­sen emp­feh­le ich mit einem ange­neh­men Getränk in der Hand und guter Musik im Ohr vom Becken­rand zuzu­se­hen, wie der nuklea­re Nie­der­schlag dum­me Geschäfts­ideen ertränkt:

Ich woll­te Sie nur wis­sen las­sen, dass Sie Ihre Lam­pen nicht mehr benut­zen kön­nen, weil wir Ihre Daten ver­scher­beln und die DSGVO jetzt da ist.

(Freie Über­set­zung von mir.)

Natür­lich spricht nichts dage­gen, auch wei­ter­hin Kraft­wer­ke und Herz­schritt­ma­cher an das Inter­net anzu­schlie­ßen. Es ist nur zu hof­fen, dass die jewei­li­gen Admi­ni­stra­to­ren recht­zei­tig in die ange­pass­te Daten­schutz­er­klä­rung ein­wil­li­gen. :ja:


Was macht eigent­lich die ehe­ma­li­ge Daten­schutz­ak­ti­vi­stin Katha­ri­na Nocun heu­te so? Rich­tig: Sie ver­schenkt in Zusam­men­ar­beit mit dem Rekla­me­ver­mark­ter Mozil­la ihre Bücher auf Twit­ter. Mit der Netz­po­li­tik in Deutsch­land steht es anschei­nend nicht zum Besten.

Netzfundstücke
Sum­ma pfui lau­de

Was ich in Bezug auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Ein­kaufs­ge­sell­schaft im Übri­gen auch nicht ein­mal in Ansät­zen so recht zu ver­ste­hen ver­mag:

  • Was hat es mit der dor­ti­gen Rabatt­mar­ken­kul­tur wie nach dem Krieg sowie der Beschäf­ti­gung von bezahl­ten Begrü­ßern und Tüten­packern auf sich und wäre das nicht auch ein inter­es­san­tes Modell zur Sen­kung der hie­si­gen Arbeits­lo­sen­zah­len?
  • War­um gibt es dort anschei­nend in jedem belie­bi­gen Super­markt Abschluss­ku­chen, also beson­ders beschrif­te­te Kuchen als Stan­dard­glück­wunsch zum Bestehen von irgend­was?
  • War­um greift die Selbst­zen­sur, das Über­pie­pen oder Weg­ster­nen von ver­meint­li­chen Igitt­wör­tern, aus­ge­rech­net in dem Land mit den Bier- und Waf­fen­nar­ren so weit um sich, dass selbst „Sum­ma cum lau­de“ den Fil­ter nicht durch­quert?

Dar­über hin­aus aber mei­ne sum­mam lau­dem der The-Root-Redak­teu­rin: Ich weiß mise­ra­ble Wort­spie­le sehr zu schät­zen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurz­kri­tik: David Cross & David Jack­son – Ano­ther Day

David Cross & David Jackson - Another DayWas macht eigent­lich David Jack­son?

Nach­dem sei­ne ein­sti­ge Stamm­band Van der Graaf Gene­ra­tor sich, wie man hört, eini­ger­ma­ßen unfried­lich von ihrem über­ra­gen­den Saxo­pho­ni­sten tren­nen muss­te, hat­te er mei­ne Auf­merk­sam­keit nur noch sel­ten bekom­men, etwa 2013 mit dem fürch­ter­li­chen „Grid­lock“. 2018 ist ein gutes Jahr, dar­an etwas zu ändern, denn im Früh­jahr die­ses Jah­res erschien „Ano­ther Day“ (Amazon.de, TIDAL), ein Album, auf dem er nicht etwa als weit­ge­hend ega­ler Gast­mu­si­ker zu hören ist, son­dern sogar auf dem Titel­bild zu lesen ist. Neben ihm ist dort auch ein ande­rer David nament­lich abge­druckt, näm­lich David Cross, in den 1970er Jah­ren Vio­li­nist für die damals schon bemer­kens­wer­ten King Crims­on.

Ihnen zur Sei­te ste­hen Craig Blun­dell, der unter ande­rem für Frost* am Schlag­zeug sitzt, und Mick Paul, anson­sten Bas­sist der David Cross Band. Gesang gibt es nicht, aber das stört kaum; statt­des­sen höre ich instru­men­ta­len, ärger­nis­frei­en und mit­un­ter recht frei­för­mi­gen Pro­gres­si­ve Rock mit einem nicht zu leug­nen­den Jazz­ein­schlag. Ich mag Jazz.

Das Stück „Bushi­do“ ist ent­spre­chend selbst­ver­ständ­lich kein dum­mer Rap, son­dern passt voll ins Kon­zept. Man möge nun nicht anneh­men, dass auf „Ano­ther Day“ nicht auch mal eska­liert wür­de: Etwa in „Brea­king Bad“ erlaubt sich die Band einen für die­ses Album unge­wöhn­li­chen Aus­bruch. Ins­ge­samt betrach­tet haben wir es hier aber mit fast einer Stun­de Wohl­klang zu tun. Wer wäre ich, dies zu bemän­geln?

Gefällt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Häll­as – Astral Seer

Huhu!Es ist Mon­tag. Doch, wirk­lich! Damit die­ser ange­mes­sen begin­nen möge, habe ich in der ver­gan­ge­nen Nacht aber­mals ein wenig die Inter­na von Word­Press bean­sprucht, um nicht mehr stän­dig hin­ter WPtouch auf­räu­men zu müs­sen. Beab­sich­tig­ter Neben­ef­fekt: Auf Smart­phones sieht die­se Web­site jetzt genau so schä­big aus wie auf einem rich­ti­gen Com­pu­ter. Ich bit­te viel­mals um Nach­sicht.

Auch auf ande­ren Kon­ti­nen­ten wird um Nach­sicht gebe­ten: In Japan haben Züge nicht etwa meh­re­re Stun­den Ver­spä­tung, son­dern fah­ren mit­un­ter auch zu früh los. Die dor­ti­gen Lok­füh­rer sind untröst­lich, Seppu­ku ist aller­dings aus der Mode gekom­men. – Apro­pos „aus der Mode gekom­men“: Beim ZDF wird jetzt fehl­ge­gen­dert. Beim Free­BSD-Pro­jekt kön­nen die nichts mehr wer­den.

Was auch nichts mehr wird, ist die hie­si­ge Netz­po­li­tik. Ver­schlüs­se­lung von E‑Mails wird kri­ti­siert, weil es mit Auf­wand ver­bun­den sei. Autos und Woh­nungs­tü­ren abzu­schlie­ßen sei, stellt Fefe fest, jedoch auch Auf­wand, des­sen Not­wen­dig­keit den mei­sten Men­schen klar ist. Es wäre viel gewon­nen, lie­ße man com­pu­ter­fer­ne Men­schen, die die­se Ana­lo­gie nicht ver­ste­hen, künf­tig nur noch in Beru­fen arbei­ten, in denen sie an einem Com­pu­ter kei­nen Scha­den mehr anrich­ten kön­nen. Für rus­si­sche Hacker wären sie aber immer­hin ein viel zu lang­wei­li­ges Ziel.

Kei­nes­wegs zu lang­wei­lig ist und bleibt Musik.

HÄLLAS – ASTRAL SEER (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Mond­kalb roy­al.

Anschei­nend haben die Macher von „hei­se online“ („News und Foren zu Com­pu­ter, IT, Wis­sen­schaft, Medi­en und Poli­tik“, ebd.) beschlos­sen, Mar­tin Hol­land bevor­zugt in The­men­be­rei­chen ein­zu­set­zen, mit denen er sich grob aus­kennt, und nicht mehr in phy­si­ka­li­schen oder ande­ren „Nerd“-Themen.

Statt­des­sen durf­te er gestern den Mon­ar­chi­sten unter den Lesern von „hei­se online“ eine Freu­de machen:

Wenn sich der bri­ti­sche Prinz Har­ry und die US-Schau­spie­le­rin Meg­han Mark­le am Sams­tag das Ja-Wort geben, kön­nen Inter­es­sier­te hier­zu­lan­de nicht nur im Fern­se­hen zuschau­en, son­dern auch auf You­tube.

Ist auf You­Tube, ist also „IT-News“. Nur noch weni­ge Mona­te bis zu den ersten Schmink­tipps, neh­me ich an.

Müde, so müde.

PolitikIn den Nachrichten
Annah­men zum Links­sein (2): Sech­zehn Pro­zent.

Die „Split­ter- und Rand­grup­pen­par­tei“ (H. Danisch) SPD, eine der bei­den „gro­ßen Volks­par­tei­en“ also, erreicht, wie man heu­te in diver­sen Medi­en, die wegen des Lei­stungs­schutz­rechts oder aus ande­ren Grün­den nicht ver­linkt wer­den möch­ten, lesen kann, zur­zeit bun­des­weit noch 16 Pro­zent der Stim­men in lei­der nicht ergeb­nis­re­le­van­ten Umfra­gen. In Ber­lin, wo sie zudem einen Teil der Lan­des­re­gie­rung stellt, ist sie nur mehr die viert­stärk­ste Kraft. Zu mei­nem Bedau­ern reich­te es noch für einen eige­nen Bal­ken auf ARD und ZDF.

Im März 2018 schrieb ich:

Par­tei­po­li­tik an sich ist nicht die Poli­tik der Zukunft.

Es steht also außer Fra­ge, dass der Nie­der­gang der „Volks­par­tei­en“ die­je­ni­gen Par­tei­en am stärk­sten trifft, die sich durch akti­ve Poli­tik her­vor­tun. Je weni­ger Poli­tik und je mehr Belie­big­keit ver­übt wird (wenn­gleich sich aus­ge­rech­net die Bun­des-SPD, wie gleich­falls heu­te in nicht ver­linkt wer­den wol­len­den Medi­en zu lesen ist, von der Bun­des-SPD-For­de­rung nach Fami­li­en­nach­zug für Gefähr­der momen­tan distan­ziert), desto weni­ger bemer­ken das Wäh­ler. CDU und AfD sind nicht des­we­gen ver­gleichs­wei­se stark, weil sie so schö­ne „Ideen“ haben, son­dern, weil von ihnen kaum jemand etwas mit­be­kommt; und das Umfra­ge­hoch der F.D.P. fand ein eher plötz­li­ches Ende, als klar wur­de, dass die Par­tei außer dem Her­um­zei­gen ihres Vor­sit­zen­den auch poli­tisch irgend­was mit­tei­len möch­te.

Viel­leicht ist das der wesent­li­che Feh­ler des poli­ti­schen Systems: Das ver­bis­se­ne Fest­hal­ten an der Vor­stel­lung, als Par­tei kön­ne man eine homo­ge­ne Grup­pe aus von ande­ren Grup­pen sozi­al weit­ge­hend abge­schot­te­ten Men­schen ziel­ge­rich­tet ver­tre­ten. Die per­fek­te Par­tei hät­te alle Flü­gel.


Nach­trag vom 12. Okto­ber 2018: „Die Epo­che der Par­tei (und der Poli­tik über­haupt) ist zuen­de, aber aus alter Gewohn­heit und weil die betref­fen­den Insti­tu­tio­nen noch vor­han­den sind, gesti­ku­liert man noch wei­ter in der bekann­ten Art.“

PolitikIn den Nachrichten
Schlim­mer Ver­dacht: Sind bay­ri­sche Poli­ti­ker poli­tisch moti­viert?

Wie schlimm steht es eigent­lich um Sach­sen? So schlimm:

Die Anti-Ter­ror-Fahr­zeu­ge ver­fü­gen bereits jetzt über modern­ste Video­tech­nik und kön­nen Reiz- sowie Nebel­gas ver­schie­ßen. (…) Sie sol­len mit Maschi­nen­ge­weh­ren aus­ge­stat­tet wer­den. (…) „Sind zur Erfül­lung der gesetz­lich defi­nier­ten Auf­ga­ben der Poli­zei Maschi­nen­ge­weh­re erfor­der­lich“, sehe der Gesetz­ent­wurf die­se Mög­lich­keit vor.

In Sach­sen regiert seit 2014 eine Koali­ti­on aus CDU und SPD. Sofern die Bun­des­po­li­tik bei­der Par­tei­en etwas über ihre Lan­des­po­li­tik in Sach­sen aus­sagt, möch­te ich an die­ser Stel­le aufs Schärf­ste kri­ti­sie­ren, dass mit sol­chen Mit­teln gegen Arbeits­lo­se vor­ge­gan­gen wird.

Dass die­se Nach­richt wäh­rend bun­des­wei­ter Pro­te­ste gegen das bay­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz ver­öf­fent­licht wur­de, ist auch Kai Kol­len­berg von der „Frei­en Pres­se“ nicht ent­gan­gen, und bis zum Ber­sten gefüllt mit Jour­na­li­stik fragt er im sel­ben Text:

Ist das baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz poli­tisch moti­viert?

Auf­merk­sa­me Beob­ach­ter wis­sen, dass die­se Fra­ge nur rhe­to­risch gemeint sein kann: Als wäre jemals ein zu erlas­sen­des Gesetz poli­tisch moti­viert gewe­sen! So ein Schlin­gel, der Kai Kol­len­berg.

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 15. Mai 2018

Der Anbie­ter von reCAPTCHA, einem Dienst, mit des­sen Hil­fe man ver­hin­dern kön­nen soll, dass Maschi­nen sich als Men­schen aus­ge­ben, prahlt mit einer Maschi­ne, die sich als Mensch aus­ge­ben kann. (via webs­hit weekly)


Baut mehr häss­li­che Web­sites!


Die austra­li­sche Armee hat 1932 einen Krieg gegen Emus ver­lo­ren.


Deut­sche Hoch­schu­len, Hort der Erzie­hung zu selbst­stän­di­gem Den­ken: Die Uni­ver­si­tät Köln schreibt nun dort täti­gen Bau­ar­bei­tern vor, was sie anzie­hen dür­fen.


„war­um zum hacken­den hen­ker muss ein kraft­werk oder ein was­ser­werk übers inter­netz fern­ad­mi­ni­strier­bar gemacht wer­den?!“


GnuPG ist kaputt – Signal nut­zen? Signal ist kaputt – GnuPG nut­zen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: E‑Mails miss­ver­ste­hen dank „hei­se online“.

Irgend­wel­che „For­scher“ haben zu nie­man­des blei­ben­der Über­ra­schung her­aus­ge­fun­den, dass der bis heu­te nicht ver­nünf­tig stan­dar­di­sier­te Den­kun­fall „HTML-Mails“ sich mit den eta­blier­ten Sicher­heits­kon­zep­ten S/MIME und GnuPG nur wenig gut ver­trägt, und auf einer frag­wür­dig gestal­te­ten Web­site mit einem von gan­zen zwei Per­so­nen „gestal­te­ten“ Logo die­ses „Pro­blem“ unter dem Namen „EFAIL“ beschrie­ben. (Vasch­tehn­se, „E‑Mail“, „E‑Fail“, tihihi.)

In den dor­ti­gen FUCK FAQ ist zu lesen, dass ein Schutz gegen die mög­li­che Ent­schlüs­se­lung vor­ran­gig dadurch gege­ben sei, dass man in sei­nem Mail­cli­ent die Anzei­ge von HTML-Mails unter­bin­det, was in den mei­sten mir bekann­ten Exem­pla­ren die­ser Art Soft­ware ohne gro­ßen Auf­wand mög­lich ist.

Oder man hält sich an die Emp­feh­lun­gen vom ehe­ma­li­gen Fach­ma­ga­zin „hei­se secu­ri­ty“:

Als grund­sätz­li­che Alter­na­ti­ve bie­tet sich die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung des Mes­sen­gers Signal an. Die­se setzt – anders als OpenPGP und S/MIME – Kryp­to­gra­fie nach aktu­el­len Stand der Tech­nik um und ist vor den bei E‑Mail jetzt dia­gno­sti­zier­ten Pro­ble­men gefeit.

Mes­sen­ger – vor allem Signal – sind die Zukunft, denn sie sind sicher vor Angrif­fen auf HTML-Mails; schon, weil sie gar kei­ne freie Text­for­ma­tie­rung unter­stüt­zen. Ein biss­chen wie ver­nünf­tig ein­ge­stell­te E‑Mail-Pro­gram­me also.

Aber wer benutzt schon noch E‑Mail-Pro­gram­me, wenn es doch Mes­sen­ger gibt? :ja:

In den NachrichtenMontagsmusik
Dot Lega­cy – Grey Car­di­nal

Kann man schon Kaffee?Es ist Mon­tag. Belei­di­gen will gelernt sein. Scha­de, dass man den Mon­tag nicht anru­fen kann. Was man, ande­rer­seits, auch nicht anru­fen kann: Pan­da­bä­ren. So toll kann die­ses Anru­fen also gar nicht sein.

Auch nicht so toll ist, was über das gei­sti­ge Moor­huhn „Bibi“ – sie hat ihr Stu­di­um in Fir­le­fanz „auf­grund ihrer erfolg­rei­chen Inter­net­ak­ti­vi­tä­ten“, wie es in der Wiki­pe­dia zur­zeit for­mu­liert ist, abge­bro­chen – in den ein­schlä­gi­gen Medi­en zu lesen ist: Sie erwar­te Nach­wuchs, womög­lich mit Absicht, und bekommt von ande­ren ver­zicht­ba­ren „Influen­cern“ hier­für man­chen Zuspruch. Sie wird wohl all­mäh­lich zu ende­zwan­zig für Schmink­vi­de­os. Wel­che Aus­wir­kun­gen die­se Neu­ig­keit auf ihre vie­len Anhän­ge­rin­nen haben wird, bleibt abzu­war­ten. Wer, das soll­te nicht unge­schrie­ben blei­ben, sei­ne Zukunft vor­zei­tig auf die Vor­aus­set­zung stellt, dass ein finanz­ori­en­tier­ter Anbie­ter von Bewegt­bil­dern noch für lan­ge Zeit bereit ist, Rekla­me für abwasch­ba­re Ersatz­ge­sich­ter zu beloh­nen, der ist trotz allen schnel­len Reich­tums und sonst­wie augen­schein­lich gla­mou­rö­sen Lebens zu bedau­ern.

Apro­pos Kanail­len: Laut der CSU gibt es ein „Bay­ern-Gen“, das unter ande­rem das CSU-Wäh­len bedin­ge. Offen­bar gibt es in Tei­len Deutsch­lands tat­säch­lich ein Pro­blem mit frem­den Kul­tu­ren. Eine Ober­gren­ze für Trä­ger des „Bay­ern-Gens“ wür­de sicher­lich sowohl Ras­si­sten als auch ihre poli­ti­schen Gegen­spie­ler in Zustim­mung ver­ei­nen. – Dazu passt: Die besten Teams für den Cyber-Krieg bestehen aus sozi­al Gestör­ten. Die, die nicht am Krieg teil­neh­men möch­ten, fin­den sich statt­des­sen auf irgend­wel­chen Mai­ling­li­sten ein und las­sen sich dort von Richard M. Stall­man die Hacker­kul­tur erklä­ren. Sozia­le Gerech­tig­keit macht anschei­nend humor­los.

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de „gewann“ irgend­ein Land den Wett­streit der belang­lo­sen Lie­bes­schnul­zen. Soll­te unter mei­nen Lesern einer sein, der sich für des­sen Kennt­nis­nah­me nicht zu scha­de war, so möge er sich an die­ser Stel­le mit Spott bedacht füh­len und sein Wis­sen bit­te kei­nes­wegs wei­ter­ge­ben. Uns Übri­gen eröff­net sich eine wei­te­re Woche vol­ler groß­ar­ti­ger Musik.

Zum Bei­spiel die­ser:

Dot Lega­cy – Grey Car­di­nal (To The Others album 2016) – hea­vy pro­gres­si­ve Stoner Rock from France

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Mes­sa – Feast for water

Messa - Feast for waterDie Musik­grup­pe Mes­sa hat­te auf die­sen Sei­ten erst Ende April den Platz als Spen­de­rin der Mon­tags­mu­sik ein­ge­nom­men, ihr fei­nes „Bab­a­lon“ gehört sicher­lich nicht zu den schlech­te­sten Stücken ita­lie­ni­scher Musik­kunst. Im Jahr 2018 erschien ihr neu­es Album „Feast for water“ (Amazon.de, Band­camp, TIDAL), das ich auf kei­nen Fall unemp­foh­len las­sen möch­te.

Es beginnt mit einem Plät­schern: „Nau­net“ könn­te als Titel­stück von „Feast for water“ durch­ge­hen, denn ein Lied glei­chen Namens ist auf dem Album nicht zu fin­den. Zu ein wenig Strei­cher­mu­sik wird also vor­ge­nann­tes Geräusch ein­ge­spielt. Bei­des zusam­men wird zu einem selt­sa­men Lo-fi-Pfei­fen und lei­tet so, sozu­sa­gen als intro, das erste eigent­li­che Stück „Sna­kes­kin Dra­pe“ ein, in dem zwar auch noch ein wenig Was­ser zu hören ist; dann aber beginnt die Grup­pe ihren schwer zu wider­ste­hen­den, sehr dunk­len Post­rock (oder ist das schon Post­punk?) zu Gehör zu brin­gen und nimmt umge­hend gefan­gen.

MESSA „Leah“ Offi­ci­al video­clip 2018

Auf „Feast for water“ gibt es nur wenig Eska­la­ti­on („Tul­si“), jedoch immer wie­der auch ruhi­ge Momen­te, die ihre Stim­mung dar­aus zie­hen, dass eigent­lich nichts pas­siert („She Knows“), aber Mes­sa las­sen kei­nen Zwei­fel dar­an auf­kom­men, dass das zum Kon­zept gehört. Das alte Laut-Lei­se-Spiel haben ande­re Bands schon zur Genü­ge durch­ex­er­ziert, nach Per­len muss man inzwi­schen etwas tie­fer tau­chen. Wo ande­re Ver­tre­ter ihres Stils (um nicht schon wie­der „Gen­res“ zu erfin­den) ent­we­der aggres­siv oder wei­ner­lich zu Wer­ke gehen, ver­su­chen Mes­sa ihre ganz eige­ne Gefühls­welt zu erschaf­fen und schaf­fen das sogar. Sie selbst nen­nen das, was sie her­vor­brin­gen, „Dark Jazz“ und gegen Jazz gibt es von mir schon aus Prin­zip kein böses Wort.

„The Seer“ – MESSA album: Feast for water

Je mehr Musik ich höre, desto schwe­rer bin ich, dies hof­fe ich jeden­falls, zu beein­drucken. Mes­sa über­sprin­gen die­se Hür­de ohne sicht­li­che (hier: hör­ba­re) Mühe. Bonus­punk­te gibt es für die Unmög­lich­keit, „Feast for water“ als Hin­ter­grund­mu­sik zu miss­brau­chen: Nicht hin­zu­hö­ren gelingt nicht. Mei­nen Dank und mei­ne Aner­ken­nung sen­de ich hier­mit also nach Ita­li­en und mei­ne Emp­feh­lung an die Leser. Möge sie zün­den!

PersönlichesIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum Recht auf Rausch

Wäh­rend Bier­brau­er sich über­rascht zei­gen, dass Schrift­zei­chen auf Flag­gen eine Bedeu­tung haben kön­nen, nutz­ten Men­schen, die für das frag­wür­di­ge Recht ein­ste­hen, ande­ren Leu­ten, die sich schon am befrei­en­den Duft von Tabak und Teer nicht so recht erfreu­en kön­nen, künf­tig auch son­sti­ge Sub­stan­zen in die Atem­luft zu bla­sen, wie jedes Jahr das erschreckend erträg­li­che Wet­ter für einen ihrer Auf­mär­sche, und obwohl ich jedes Ver­ständ­nis für die Idee habe, dass es, wenn schon die Töd­lich­keit von Ziga­ret­ten bereits mit auf­ge­druck­ten Warn­hin­wei­sen poli­tisch akzep­tiert wird, eine bedau­er­li­che Fehl­ent­wick­lung ist, dass erstens man sich und ande­re mit Tabak­qualm, nicht aber nur sich selbst mit Hero­in oder Koka­in, als läge die Ent­schei­dung über die Dul­dung allein in der Grö­ße und Kauf­kraft der agie­ren­den Lob­by­isten und als wäre die Besteue­rung von Hero­in und Koka­in also alles, was sie von einer hie­si­gen Lega­li­sie­rung trennt, umbrin­gen darf und zwei­tens Her­stel­lung und Ver­trieb von hoch­pro­zen­ti­gem Fusel, der allein den Zweck der Selbst­ver­gif­tung erfüllt, was auf uns Sin­gle-Malt-Genie­ßer ein eher schä­bi­ges Licht wirft, obwohl wir jeweils auf­zu­hö­ren zu trin­ken ver­su­chen, bevor wir eine Wir­kung bemer­ken, weil uns alles Wei­te­re des Genus­ses beraub­te, erlaubt bleibt, schlü­ge ich, wür­de ich gefragt, eine Ergän­zung zur For­de­rung der Can­na­bis­be­für­wor­ter vor, die besag­te, dass erlaubt sein möge, was nie­man­den stört, also zunächst ein­mal alles, was geruchs­arm zu kon­su­mie­ren ist, und anschlie­ßend alles, was in den eige­nen vier Wän­den statt­fin­det, und alles Wei­te­re in dem Moment, in dem es – nicht: der Kon­su­ment selbst, denn für des­sen etwa­ige, lega­le Dach­schä­den sind bereits Spe­zia­li­sten ver­füg­bar – irgend­ei­nem unbe­tei­lig­ten Pas­san­ten die Lebens­qua­li­tät ein­schränkt, mit hohen Stra­fen belegt wer­den soll­te, aber aus genau die­sem Grund wer­de ich wahr­schein­lich nicht gefragt; Glück gehabt.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Vater­tag gegen Mut­ter­tag, Gewalt gegen Blu­men.

Der Bin­sen­weis­heit, dass der Unter­schied zwi­schen Vater- und Mut­ter­tag vor allem der sei, dass Väter am Vater­tag etwas mit ihren Kin­dern unter­neh­men und Müt­ter am Mut­ter­tag bloß mit Blu­men und Essen beschenkt wer­den wol­len, sei ein Über­blick über die aktu­el­len Nach­rich­ten hin­zu­ge­fügt:

Vater­tag:

  • „(…) das hier sind die abge­fah­ren­sten Bol­ler­wa­gen“ („wat­son“)
  • „Wenn Pin­keln ohn­mäch­tig macht“ („NDR.de“, Rubrik „Rat­ge­ber“)
  • „Alko­hol: Die Deut­schen trin­ken nicht nur am Vater­tag“ („Euro­news“)
  • „Bügel­eisen für die Mama und Bier für den Papa“ („Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“)
  • „Vater­tag star­tet ruhig“ („RTL Online“)
  • „Vater­tag: Von Frei­heit und Vögeln“ („West­deut­sche Zei­tung“)
  • „Pro­mil­le nach Vater­tag und Bier­gar­ten: Was der Rest­al­ko­hol-Test am näch­sten Mor­gen ver­rät“ („stern TV“)
  • „Prü­ge­lei­en am Vater­tag“ („NDR.de“)
  • „Vater­tag im gestoh­le­nen Roll­stuhl gefei­ert“ („WELT ONLINE“)
  • „Wüste Prü­ge­lei: Poli­zei­ein­satz am Vater­tag“ („NDR.de“)
  • „33 Ein­sät­ze am Vater­tag wegen Kör­per­ver­let­zun­gen“ („RTL Online“)
  • „52 Ver­letz­te in Bran­den­burg“ („RTL Online“)
  • „Aus­flüg­ler fei­ern am Vater­tag im gan­zen Land fried­lich“ („Anten­ne Nie­der­sach­sen“)
  • „Der Vater­tag endet mit Gewit­tern“ („rbb|24“)
  • „Tipps gegen den Kater“ („SPIEGEL ONLINE“)

Mut­ter­tag:

  • „Mut­ter­tag 2018: Die schön­sten Geschenk­ideen“ („T‑Online“)
  • „Wie­sen­blu­men zum Mut­ter­tag“ („SZ-Online“)
  • „Bügel­eisen für die Mama und Bier für den Papa“ („Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“, passt auch hier)
  • „Mut­ter­tag: Das Geschäft mit den Blu­men“ (ZDF, „mor­gen­ma­ga­zin“)
  • „Mut­ter­tag: 14 Last-Minu­te-Geschenk­ideen für alle, die super spät dran sind“ („ZEIT­jUNG“)
  • „Dan­ke Mama! Schö­ne Geschenk­ideen zum Mut­ter­tag“ („ben­to“)
  • „Fünf Ideen für selbst geba­stel­te Geschen­ke zum Mut­ter­tag“ („T‑Online“)
  • „Müt­ter flie­gen am Mut­ter­tag bil­li­ger“ („Main-Post“)
  • „Lecke­rer Erd­beer­ku­chen pünkt­lich zum Mut­ter­tag“ („5vier.de“)
  • „Blu­men und ihre Bedeu­tung – Wel­ches ist der rich­ti­ge Strauß?“ („Stutt­gar­ter Zei­tung“)
  • „Geschenk zum Mut­ter­tag: Das sind die besten Bücher“ („FOCUS Online“)
  • „Geschenk­ideen zum Mut­ter­tag aus der BRI­GIT­TE-Redak­ti­on“ („Bri­git­te“)

Lidl, heißt es beim „HORIZONT“, tre­te „zum Mut­ter­tag ins Kli­schee-Fett­näpf­chen“, indem die Laden­ket­te „sexi­sti­sche Kack­schei­ße“, was der brüll­fe­mi­ni­sti­sche Begriff für „tra­di­tio­nel­le Frau­en­din­ge“ ist, ver­kau­fe. Die haben viel­leicht ein­fach zu viel Zei­tung gele­sen.