NetzfundstückeMir wird geschlecht
Annah­men zum Links­sein (3): Demo­kra­tie ist Hass.

Gera­de hat­te ich mich noch gewun­dert, wie man gleich­zei­tig vol­ler Hass sein und gleich­zei­tig gegen Hass demon­strie­ren kann, ohne zu plat­zen, da emp­fiehlt mir auch schon die Vor­sit­zen­de der „Lin­ken“, Kat­ja Kip­ping, in mei­nen schö­nen Arbeits­tag hin­ein, dass im Retro­ma­ga­zin „Neu­es Deutsch­land“ unter der dada­istisch inter­es­san­ten Über­schrift „Ein­stiegs­dro­ge Frau­en­hass“ ein „tol­ler Kom­men­tar“ ste­he. Der Inhalt die­ses Kom­men­tars?

wie Frau­en­hass und Het­ze gegen Frau­en­rech­te zur Ein­stiegs­dro­ge wer­den für ande­re For­men von Hass, wie Ras­sis­mus, Anti­kom­mu­nis­mus …

Man kennt das ja: Frau­en­hass als Ein­stiegs­dro­ge über­trifft an Gefähr­lich­keit fast noch Can­na­bis. Kaum ist man auf den Geschmack gekom­men, will man mehr von dem gei­len Zeug, und ehe man sich’s ver­sieht, steht man hin­ter dem Haupt­bahn­hof und fin­det Kom­mu­nis­mus blöd und die real exi­stie­ren­de Demo­kra­tie viel gei­ler. Hof­fent­lich regiert bald die „Lin­ke“ nicht nur in Ber­lin, son­dern in ganz Deutsch­land, auf dass das Blöd­fin­den von Kom­mu­nis­mus end­lich als Hass­ver­bre­chen geahn­det wird.

Vor­wärts immer.

Netzfundstücke
Ultra-Spar­preis: Künf­tig auch ohne Zug.

Rei­sen­de, die auf Bin­de­stri­che ver­zich­ten kön­nen, kön­nen bei der Bahn künf­tig Geld spa­ren:

Künf­tig will das Unter­neh­men im Fern­ver­kehr dau­er­haft Fahr­kar­ten ab 19,90 Euro ver­kau­fen. Das bis­he­ri­ge Akti­ons­an­ge­bot wird im August als „Super Spar­preis“ zur drit­ten Preis­ka­te­go­rie, heißt es aus Bahn­krei­sen.

Die Kon­kur­renz hat schnell geschal­tet: Nur kurz nach Bekannt­wer­den hat der Bil­lig­kon­kur­rent Flix­Train ange­kün­digt, schon „sehr bald“ ein preis­ver­gün­stig­tes „Zug Ticket“ für preis­be­wuss­te, sprach­lich aber unbe­darf­te Kun­den zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unklar ist inzwi­schen die Zukunft des Leg­asthe­ni­ker­ta­rifs der Luft­han­sa: Wer dort einen „Fluhk“ bucht, dem soll­te der Betrei­ber sämt­li­che Kosten erstat­ten. Ob die­ser Tarif aber jemals umge­setzt wer­den wird, steht in den Ster­nen: Anschei­nend bestand, heißt es aus gut infor­mier­ten Krei­sen, erheb­li­che Mis­brauchs­ge­far.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Kala­ma­ha­ra – Elec­tric Mes­sed Up Who­re

Noch drei Kaffee, dann geht'sEs ist Mon­tag, die­se Woche wie­der mit einem Pan­da­bä­ren oder derer drei, denn die ver­gan­ge­ne Woche begann ohne einen sol­chen und war über­haupt nicht schön. Das kann kein Zufall sein. Es gilt also inne­zu­hal­ten, wenn ein­mal ein Pan­da­bär die eige­nen Wege kreuzt, und des­sen Aura wir­ken zu las­sen. Heiß­hun­ger auf Bam­bus ist aller­dings ein mög­li­cher Neben­ef­fekt. – Apro­pos „obsku­re Hob­bys“: Schlaf­de­fi­zit las­se sich aus­glei­chen, indem man ein­fach mehr schla­fe, weiß „SPIEGEL ONLINE“, und ich war sel­ten so dank­bar für inve­sti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus.

Das­sel­be „SPIEGEL ONLINE“ zitier­te vor­ge­stern die bedau­er­li­che SPD-Vor­sit­zen­de, die gesagt habe, Deutsch­land müs­se die all­zu offe­ne Will­kom­mens­kul­tur in Rela­ti­on zur Sicher­heit set­zen. Ob sie wohl beim Bäcker Chri­sti­an Lind­ner begeg­net ist? Die gest­ri­ge Demon­stra­ti­on, wäh­rend derer Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­ten der AfD „weg­ge­basst“ (Quel­le: Inter­net) wer­den soll­ten, nahm jeden­falls genau den erwar­te­ten Ver­lauf: Unter dem Man­tel des Has­ses auf „die AfD“ ver­ein­ten sich aller­lei zwie­lich­ti­ge Gestal­ten, um Ver­samm­lungs­frei­heit und Demo­kra­tie mal so rich­tig gründ­lich miss­zu­ver­ste­hen. Wie man über­zeu­gend gegen „den Hass“ demon­strie­ren will, wenn man gleich­zei­tig skan­diert, man has­se sein Gegen­über, ist mir unklar. „Nazi! Sel­ber Nazi!“

Dass in dem gan­zen Tohu­wa­bo­hu wirk­lich wich­ti­ge The­men wie die lei­di­ge DSGVO end­lich mal unter­ge­hen, ist einer­seits scha­de, ande­rer­seits aber beru­hi­gend, denn die­se hat auch posi­ti­ve Fol­gen: Besit­zer „smar­ter“ Kühl­schrän­ke wer­den dar­an erin­nert, dass ein gro­ßes Unter­neh­men ihnen auf die Wurst gucken kann, und US-ame­ri­ka­ni­sche Web­sites laden end­lich schnel­ler, weil ihre Admi­ni­stra­to­ren sich nicht mehr trau­en, grund­los etli­che Java­Scripts nach­zu­la­den. Ich mag das.

Gestern war es noch ein Witz über die SPD, heu­te ist es schon die Rea­li­tät in Groß­bri­tan­ni­en: Mann ist mitt­wochs eine Frau, was für sei­ne Par­tei – die Labour Par­ty, also die bri­ti­sche SPD – eine aus­rei­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on ist, um eine nur für Frau­en aus­ge­schrie­be­ne Posi­ti­on zu beset­zen. Das wird noch amü­san­te Fol­gen haben.

Nicht immer amü­sant, nicht mal immer vol­ler Tief­gang, aber sel­ten in Gän­ze im Weg: Musik.

KALAMAHARA – „Elec­tric Mes­sed Up Who­re“ (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Mehr AfD dank weni­ger Jazz

Wenn am mor­gi­gen Sonn­tag die AfD, ob nun mit oder ohne Hüh­ner­ko­stü­me, in Ber­lin für ihr Wahl­pro­gramm demon­striert, wird die­se gebeu­tel­te Stadt es noch schwe­rer haben als sowie­so schon, denn über sie wird eine Hor­de bizarr geklei­de­ter Kra­wall­tou­ri­sten mit erkenn­bar nied­ri­gem Bil­dungs­stand und erschreckend rück­stän­di­gem Musik­ge­schmack her­fal­len.

Unter dem bemer­kens­wert behäm­mer­ten Mot­to „AfD weg­bas­sen“ näm­lich rufen zahl­rei­che Ber­li­ner Tanz­schup­pen mit Aus­nah­me des „Berg­hains“ („außer das Berg­hain“, radeb­rech­te Julia Kopatz­ki in den Online-„Tagesspiegel“ hin­ein) dazu auf, unter Zuhil­fe­nah­me von Geräu­schen, die schon vor Jahr­zehn­ten aus der Mode gekom­men sind, Aus­gren­zung und Into­le­ranz gegen­über poli­ti­schen Min­der­hei­ten wei­ter vor­an­zu­trei­ben.

Der Pro­test soll laut, aber fried­lich sein. „(…) Wir sind pro­gres­siv, que­er, femi­ni­stisch, anti­ras­si­stisch, inklu­siv, bunt und haben Ein­hör­ner“, schrei­ben die Ver­an­stal­ter[.] (…) Statt in dunk­len Clubs sol­len alle Tanz­wü­ti­gen und ‑wüten­den ihre After­hour nach Mit­te ver­le­gen, los geht es um 12 Uhr am Pots­da­mer Platz, und dann wird laut­stark durch die Innen­stadt getanzt.

„Die Demo-Ver­an­stal­ter“, steht fer­ner im Text, „rech­nen mit mehr als 10.000 Musik­fans am Sonn­tag“, las­sen jedoch offen, wie­so sie das für eine gute Idee hal­ten: Ein „Musik­fan“, der sich zwi­schen einer dump­fen Bums­mu­sik- und einer AfD-Demon­stra­ti­on ent­schei­den müss­te, wähl­te frag­los letz­te­re. Wenn Ein­hör­ner und Gewackel zu dump­fer Bums­mu­sik jedoch schon alles sind, was die Ber­li­ner Que­eren­sze­ne (als sei die sexu­el­le Aus­rich­tung jemals als posi­ti­ve Eigen­schaft zu gebrau­chen!) dem ängst­li­chen Zorn einer sich poli­ti­sie­ren­den Men­ge ent­ge­gen­zu­set­zen weiß, dann soll­te es mich nicht im Min­de­sten wun­dern, wenn bis dahin poli­tisch agno­sti­sche Anwoh­ner noch am glei­chen Tag gleich­falls tanz­wü­tend, näm­lich wütend über die Tän­zer, in die AfD ein­tre­ten, denn anschei­nend ist eine Mit­glied­schaft in der AfD ein sicht­ba­res Zei­chen des Pro­tests gegen schlech­te Musik, was ein ehren­wer­tes und unbe­dingt zu unter­stüt­zen­des Anlie­gen ist.

Mit Jazz wäre das nicht pas­siert.

NetzfundstückeNerdkrams
Smart an, Licht aus.

Zur lästi­gen EU-Daten­schutz­grund­ver­ord­nung, die offen­sicht­lich jeder, der was mit Inter­net macht, zwei Jah­re lang völ­lig ver­schla­fen hat, emp­feh­le ich sämt­li­che Blog­ar­ti­kel, die nach 2016 von auf­ge­scheuch­ten Hüh­nern (sog. „Alpha­blog­gern“) eilig unter gro­ßem Ein­satz von Wer­be­ban­nern und Influen­cer­links ins Web geschmiert wur­den, bis auf Wei­te­res zu igno­rie­ren, denn das jewei­li­ge Gegen­teil des Geschrie­be­nen ist nach aktu­el­ler Rechts­auf­fas­sung immer genau so falsch.

Statt­des­sen emp­feh­le ich mit einem ange­neh­men Getränk in der Hand und guter Musik im Ohr vom Becken­rand zuzu­se­hen, wie der nuklea­re Nie­der­schlag dum­me Geschäfts­ideen ertränkt:

Ich woll­te Sie nur wis­sen las­sen, dass Sie Ihre Lam­pen nicht mehr benut­zen kön­nen, weil wir Ihre Daten ver­scher­beln und die DSGVO jetzt da ist.

(Freie Über­set­zung von mir.)

Natür­lich spricht nichts dage­gen, auch wei­ter­hin Kraft­wer­ke und Herz­schritt­ma­cher an das Inter­net anzu­schlie­ßen. Es ist nur zu hof­fen, dass die jewei­li­gen Admi­ni­stra­to­ren recht­zei­tig in die ange­pass­te Daten­schutz­er­klä­rung ein­wil­li­gen. :ja:


Was macht eigent­lich die ehe­ma­li­ge Daten­schutz­ak­ti­vi­stin Katha­ri­na Nocun heu­te so? Rich­tig: Sie ver­schenkt in Zusam­men­ar­beit mit dem Rekla­me­ver­mark­ter Mozil­la ihre Bücher auf Twit­ter. Mit der Netz­po­li­tik in Deutsch­land steht es anschei­nend nicht zum Besten.

Netzfundstücke
Sum­ma pfui lau­de

Was ich in Bezug auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Ein­kaufs­ge­sell­schaft im Übri­gen auch nicht ein­mal in Ansät­zen so recht zu ver­ste­hen ver­mag:

  • Was hat es mit der dor­ti­gen Rabatt­mar­ken­kul­tur wie nach dem Krieg sowie der Beschäf­ti­gung von bezahl­ten Begrü­ßern und Tüten­packern auf sich und wäre das nicht auch ein inter­es­san­tes Modell zur Sen­kung der hie­si­gen Arbeits­lo­sen­zah­len?
  • War­um gibt es dort anschei­nend in jedem belie­bi­gen Super­markt Abschluss­ku­chen, also beson­ders beschrif­te­te Kuchen als Stan­dard­glück­wunsch zum Bestehen von irgend­was?
  • War­um greift die Selbst­zen­sur, das Über­pie­pen oder Weg­ster­nen von ver­meint­li­chen Igitt­wör­tern, aus­ge­rech­net in dem Land mit den Bier- und Waf­fen­nar­ren so weit um sich, dass selbst „Sum­ma cum lau­de“ den Fil­ter nicht durch­quert?

Dar­über hin­aus aber mei­ne sum­mam lau­dem der The-Root-Redak­teu­rin: Ich weiß mise­ra­ble Wort­spie­le sehr zu schät­zen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: David Cross & David Jack­son – Ano­ther Day

David Cross & David Jackson - Another DayWas macht eigent­lich David Jack­son?

Nach­dem sei­ne ein­sti­ge Stamm­band Van der Graaf Gene­ra­tor sich, wie man hört, eini­ger­ma­ßen unfried­lich von ihrem über­ra­gen­den Saxo­pho­ni­sten tren­nen muss­te, hat­te er mei­ne Auf­merk­sam­keit nur noch sel­ten bekom­men, etwa 2013 mit dem fürch­ter­li­chen „Grid­lock“. 2018 ist ein gutes Jahr, dar­an etwas zu ändern, denn im Früh­jahr die­ses Jah­res erschien „Ano­ther Day“ (Amazon.de, TIDAL), ein Album, auf dem er nicht etwa als weit­ge­hend ega­ler Gast­mu­si­ker zu hören ist, son­dern sogar auf dem Titel­bild zu lesen ist. Neben ihm ist dort auch ein ande­rer David nament­lich abge­druckt, näm­lich David Cross, in den 1970er Jah­ren Vio­li­nist für die damals schon bemer­kens­wer­ten King Crims­on.

Ihnen zur Sei­te ste­hen Craig Blun­dell, der unter ande­rem für Frost* am Schlag­zeug sitzt, und Mick Paul, anson­sten Bas­sist der David Cross Band. Gesang gibt es nicht, aber das stört kaum; statt­des­sen höre ich instru­men­ta­len, ärger­nis­frei­en und mit­un­ter recht frei­för­mi­gen Pro­gres­si­ve Rock mit einem nicht zu leug­nen­den Jazz­ein­schlag. Ich mag Jazz.

Das Stück „Bushi­do“ ist ent­spre­chend selbst­ver­ständ­lich kein dum­mer Rap, son­dern passt voll ins Kon­zept. Man möge nun nicht anneh­men, dass auf „Ano­ther Day“ nicht auch mal eska­liert wür­de: Etwa in „Brea­king Bad“ erlaubt sich die Band einen für die­ses Album unge­wöhn­li­chen Aus­bruch. Ins­ge­samt betrach­tet haben wir es hier aber mit fast einer Stun­de Wohl­klang zu tun. Wer wäre ich, dies zu bemän­geln?

Gefällt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Häll­as – Astral Seer

Huhu!Es ist Mon­tag. Doch, wirk­lich! Damit die­ser ange­mes­sen begin­nen möge, habe ich in der ver­gan­ge­nen Nacht aber­mals ein wenig die Inter­na von Word­Press bean­sprucht, um nicht mehr stän­dig hin­ter WPtouch auf­räu­men zu müs­sen. Beab­sich­tig­ter Neben­ef­fekt: Auf Smart­phones sieht die­se Web­site jetzt genau so schä­big aus wie auf einem rich­ti­gen Com­pu­ter. Ich bit­te viel­mals um Nach­sicht.

Auch auf ande­ren Kon­ti­nen­ten wird um Nach­sicht gebe­ten: In Japan haben Züge nicht etwa meh­re­re Stun­den Ver­spä­tung, son­dern fah­ren mit­un­ter auch zu früh los. Die dor­ti­gen Lok­füh­rer sind untröst­lich, Seppu­ku ist aller­dings aus der Mode gekom­men. – Apro­pos „aus der Mode gekom­men“: Beim ZDF wird jetzt fehl­ge­gen­dert. Beim Free­BSD-Pro­jekt kön­nen die nichts mehr wer­den.

Was auch nichts mehr wird, ist die hie­si­ge Netz­po­li­tik. Ver­schlüs­se­lung von E‑Mails wird kri­ti­siert, weil es mit Auf­wand ver­bun­den sei. Autos und Woh­nungs­tü­ren abzu­schlie­ßen sei, stellt Fefe fest, jedoch auch Auf­wand, des­sen Not­wen­dig­keit den mei­sten Men­schen klar ist. Es wäre viel gewon­nen, lie­ße man com­pu­ter­fer­ne Men­schen, die die­se Ana­lo­gie nicht ver­ste­hen, künf­tig nur noch in Beru­fen arbei­ten, in denen sie an einem Com­pu­ter kei­nen Scha­den mehr anrich­ten kön­nen. Für rus­si­sche Hacker wären sie aber immer­hin ein viel zu lang­wei­li­ges Ziel.

Kei­nes­wegs zu lang­wei­lig ist und bleibt Musik.

HÄLLAS – ASTRAL SEER (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Mond­kalb roy­al.

Anschei­nend haben die Macher von „hei­se online“ („News und Foren zu Com­pu­ter, IT, Wis­sen­schaft, Medi­en und Poli­tik“, ebd.) beschlos­sen, Mar­tin Hol­land bevor­zugt in The­men­be­rei­chen ein­zu­set­zen, mit denen er sich grob aus­kennt, und nicht mehr in phy­si­ka­li­schen oder ande­ren „Nerd“-Themen.

Statt­des­sen durf­te er gestern den Mon­ar­chi­sten unter den Lesern von „hei­se online“ eine Freu­de machen:

Wenn sich der bri­ti­sche Prinz Har­ry und die US-Schau­spie­le­rin Meg­han Mark­le am Sams­tag das Ja-Wort geben, kön­nen Inter­es­sier­te hier­zu­lan­de nicht nur im Fern­se­hen zuschau­en, son­dern auch auf You­tube.

Ist auf You­Tube, ist also „IT-News“. Nur noch weni­ge Mona­te bis zu den ersten Schmink­tipps, neh­me ich an.

Müde, so müde.

PolitikIn den Nachrichten
Annah­men zum Links­sein (2): Sech­zehn Pro­zent.

Die „Split­ter- und Rand­grup­pen­par­tei“ (H. Danisch) SPD, eine der bei­den „gro­ßen Volks­par­tei­en“ also, erreicht, wie man heu­te in diver­sen Medi­en, die wegen des Lei­stungs­schutz­rechts oder aus ande­ren Grün­den nicht ver­linkt wer­den möch­ten, lesen kann, zur­zeit bun­des­weit noch 16 Pro­zent der Stim­men in lei­der nicht ergeb­nis­re­le­van­ten Umfra­gen. In Ber­lin, wo sie zudem einen Teil der Lan­des­re­gie­rung stellt, ist sie nur mehr die viert­stärk­ste Kraft. Zu mei­nem Bedau­ern reich­te es noch für einen eige­nen Bal­ken auf ARD und ZDF.

Im März 2018 schrieb ich:

Par­tei­po­li­tik an sich ist nicht die Poli­tik der Zukunft.

Es steht also außer Fra­ge, dass der Nie­der­gang der „Volks­par­tei­en“ die­je­ni­gen Par­tei­en am stärk­sten trifft, die sich durch akti­ve Poli­tik her­vor­tun. Je weni­ger Poli­tik und je mehr Belie­big­keit ver­übt wird (wenn­gleich sich aus­ge­rech­net die Bun­des-SPD, wie gleich­falls heu­te in nicht ver­linkt wer­den wol­len­den Medi­en zu lesen ist, von der Bun­des-SPD-For­de­rung nach Fami­li­en­nach­zug für Gefähr­der momen­tan distan­ziert), desto weni­ger bemer­ken das Wäh­ler. CDU und AfD sind nicht des­we­gen ver­gleichs­wei­se stark, weil sie so schö­ne „Ideen“ haben, son­dern, weil von ihnen kaum jemand etwas mit­be­kommt; und das Umfra­ge­hoch der F.D.P. fand ein eher plötz­li­ches Ende, als klar wur­de, dass die Par­tei außer dem Her­um­zei­gen ihres Vor­sit­zen­den auch poli­tisch irgend­was mit­tei­len möch­te.

Viel­leicht ist das der wesent­li­che Feh­ler des poli­ti­schen Systems: Das ver­bis­se­ne Fest­hal­ten an der Vor­stel­lung, als Par­tei kön­ne man eine homo­ge­ne Grup­pe aus von ande­ren Grup­pen sozi­al weit­ge­hend abge­schot­te­ten Men­schen ziel­ge­rich­tet ver­tre­ten. Die per­fek­te Par­tei hät­te alle Flü­gel.


Nach­trag vom 12. Okto­ber 2018: „Die Epo­che der Par­tei (und der Poli­tik über­haupt) ist zuen­de, aber aus alter Gewohn­heit und weil die betref­fen­den Insti­tu­tio­nen noch vor­han­den sind, gesti­ku­liert man noch wei­ter in der bekann­ten Art.“

PolitikIn den Nachrichten
Schlim­mer Ver­dacht: Sind bay­ri­sche Poli­ti­ker poli­tisch moti­viert?

Wie schlimm steht es eigent­lich um Sach­sen? So schlimm:

Die Anti-Ter­ror-Fahr­zeu­ge ver­fü­gen bereits jetzt über modern­ste Video­tech­nik und kön­nen Reiz- sowie Nebel­gas ver­schie­ßen. (…) Sie sol­len mit Maschi­nen­ge­weh­ren aus­ge­stat­tet wer­den. (…) „Sind zur Erfül­lung der gesetz­lich defi­nier­ten Auf­ga­ben der Poli­zei Maschi­nen­ge­weh­re erfor­der­lich“, sehe der Gesetz­ent­wurf die­se Mög­lich­keit vor.

In Sach­sen regiert seit 2014 eine Koali­ti­on aus CDU und SPD. Sofern die Bun­des­po­li­tik bei­der Par­tei­en etwas über ihre Lan­des­po­li­tik in Sach­sen aus­sagt, möch­te ich an die­ser Stel­le aufs Schärf­ste kri­ti­sie­ren, dass mit sol­chen Mit­teln gegen Arbeits­lo­se vor­ge­gan­gen wird.

Dass die­se Nach­richt wäh­rend bun­des­wei­ter Pro­te­ste gegen das bay­ri­sche Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz ver­öf­fent­licht wur­de, ist auch Kai Kol­len­berg von der „Frei­en Pres­se“ nicht ent­gan­gen, und bis zum Ber­sten gefüllt mit Jour­na­li­stik fragt er im sel­ben Text:

Ist das baye­ri­sche Poli­zei­ge­setz poli­tisch moti­viert?

Auf­merk­sa­me Beob­ach­ter wis­sen, dass die­se Fra­ge nur rhe­to­risch gemeint sein kann: Als wäre jemals ein zu erlas­sen­des Gesetz poli­tisch moti­viert gewe­sen! So ein Schlin­gel, der Kai Kol­len­berg.

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 15. Mai 2018

Der Anbie­ter von reCAPTCHA, einem Dienst, mit des­sen Hil­fe man ver­hin­dern kön­nen soll, dass Maschi­nen sich als Men­schen aus­ge­ben, prahlt mit einer Maschi­ne, die sich als Mensch aus­ge­ben kann. (via webs­hit weekly)


Baut mehr häss­li­che Web­sites!


Die austra­li­sche Armee hat 1932 einen Krieg gegen Emus ver­lo­ren.


Deut­sche Hoch­schu­len, Hort der Erzie­hung zu selbst­stän­di­gem Den­ken: Die Uni­ver­si­tät Köln schreibt nun dort täti­gen Bau­ar­bei­tern vor, was sie anzie­hen dür­fen.


„war­um zum hacken­den hen­ker muss ein kraft­werk oder ein was­ser­werk übers inter­netz fern­ad­mi­ni­strier­bar gemacht wer­den?!“


GnuPG ist kaputt – Signal nut­zen? Signal ist kaputt – GnuPG nut­zen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: E‑Mails miss­ver­ste­hen dank „hei­se online“.

Irgend­wel­che „For­scher“ haben zu nie­man­des blei­ben­der Über­ra­schung her­aus­ge­fun­den, dass der bis heu­te nicht ver­nünf­tig stan­dar­di­sier­te Den­kun­fall „HTML-Mails“ sich mit den eta­blier­ten Sicher­heits­kon­zep­ten S/MIME und GnuPG nur wenig gut ver­trägt, und auf einer frag­wür­dig gestal­te­ten Web­site mit einem von gan­zen zwei Per­so­nen „gestal­te­ten“ Logo die­ses „Pro­blem“ unter dem Namen „EFAIL“ beschrie­ben. (Vasch­tehn­se, „E‑Mail“, „E‑Fail“, tihihi.)

In den dor­ti­gen FUCK FAQ ist zu lesen, dass ein Schutz gegen die mög­li­che Ent­schlüs­se­lung vor­ran­gig dadurch gege­ben sei, dass man in sei­nem Mail­cli­ent die Anzei­ge von HTML-Mails unter­bin­det, was in den mei­sten mir bekann­ten Exem­pla­ren die­ser Art Soft­ware ohne gro­ßen Auf­wand mög­lich ist.

Oder man hält sich an die Emp­feh­lun­gen vom ehe­ma­li­gen Fach­ma­ga­zin „hei­se secu­ri­ty“:

Als grund­sätz­li­che Alter­na­ti­ve bie­tet sich die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung des Mes­sen­gers Signal an. Die­se setzt – anders als OpenPGP und S/MIME – Kryp­to­gra­fie nach aktu­el­len Stand der Tech­nik um und ist vor den bei E‑Mail jetzt dia­gno­sti­zier­ten Pro­ble­men gefeit.

Mes­sen­ger – vor allem Signal – sind die Zukunft, denn sie sind sicher vor Angrif­fen auf HTML-Mails; schon, weil sie gar kei­ne freie Text­for­ma­tie­rung unter­stüt­zen. Ein biss­chen wie ver­nünf­tig ein­ge­stell­te E‑Mail-Pro­gram­me also.

Aber wer benutzt schon noch E‑Mail-Pro­gram­me, wenn es doch Mes­sen­ger gibt? :ja:

In den NachrichtenMontagsmusik
Dot Lega­cy – Grey Car­di­nal

Kann man schon Kaffee?Es ist Mon­tag. Belei­di­gen will gelernt sein. Scha­de, dass man den Mon­tag nicht anru­fen kann. Was man, ande­rer­seits, auch nicht anru­fen kann: Pan­da­bä­ren. So toll kann die­ses Anru­fen also gar nicht sein.

Auch nicht so toll ist, was über das gei­sti­ge Moor­huhn „Bibi“ – sie hat ihr Stu­di­um in Fir­le­fanz „auf­grund ihrer erfolg­rei­chen Inter­net­ak­ti­vi­tä­ten“, wie es in der Wiki­pe­dia zur­zeit for­mu­liert ist, abge­bro­chen – in den ein­schlä­gi­gen Medi­en zu lesen ist: Sie erwar­te Nach­wuchs, womög­lich mit Absicht, und bekommt von ande­ren ver­zicht­ba­ren „Influen­cern“ hier­für man­chen Zuspruch. Sie wird wohl all­mäh­lich zu ende­zwan­zig für Schmink­vi­de­os. Wel­che Aus­wir­kun­gen die­se Neu­ig­keit auf ihre vie­len Anhän­ge­rin­nen haben wird, bleibt abzu­war­ten. Wer, das soll­te nicht unge­schrie­ben blei­ben, sei­ne Zukunft vor­zei­tig auf die Vor­aus­set­zung stellt, dass ein finanz­ori­en­tier­ter Anbie­ter von Bewegt­bil­dern noch für lan­ge Zeit bereit ist, Rekla­me für abwasch­ba­re Ersatz­ge­sich­ter zu beloh­nen, der ist trotz allen schnel­len Reich­tums und sonst­wie augen­schein­lich gla­mou­rö­sen Lebens zu bedau­ern.

Apro­pos Kanail­len: Laut der CSU gibt es ein „Bay­ern-Gen“, das unter ande­rem das CSU-Wäh­len bedin­ge. Offen­bar gibt es in Tei­len Deutsch­lands tat­säch­lich ein Pro­blem mit frem­den Kul­tu­ren. Eine Ober­gren­ze für Trä­ger des „Bay­ern-Gens“ wür­de sicher­lich sowohl Ras­si­sten als auch ihre poli­ti­schen Gegen­spie­ler in Zustim­mung ver­ei­nen. – Dazu passt: Die besten Teams für den Cyber-Krieg bestehen aus sozi­al Gestör­ten. Die, die nicht am Krieg teil­neh­men möch­ten, fin­den sich statt­des­sen auf irgend­wel­chen Mai­ling­li­sten ein und las­sen sich dort von Richard M. Stall­man die Hacker­kul­tur erklä­ren. Sozia­le Gerech­tig­keit macht anschei­nend humor­los.

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de „gewann“ irgend­ein Land den Wett­streit der belang­lo­sen Lie­bes­schnul­zen. Soll­te unter mei­nen Lesern einer sein, der sich für des­sen Kennt­nis­nah­me nicht zu scha­de war, so möge er sich an die­ser Stel­le mit Spott bedacht füh­len und sein Wis­sen bit­te kei­nes­wegs wei­ter­ge­ben. Uns Übri­gen eröff­net sich eine wei­te­re Woche vol­ler groß­ar­ti­ger Musik.

Zum Bei­spiel die­ser:

Dot Lega­cy – Grey Car­di­nal (To The Others album 2016) – hea­vy pro­gres­si­ve Stoner Rock from France

Guten Mor­gen.