NetzfundstückeMusikkritik
Das “Web 2.0” macht albern.

Oha: Bei Ama­zon gibt es seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, Vide­o­rezen­sio­nen zu erstellen. Für jene gibt es natür­lich auch Vorschläge, wie man vorge­hen sollte, zum Beispiel den fol­gen­den:

Amazon-Rezensionen

Und ich, hihi, hätte da auch gle­ich einen Vorschlag zu machen…

Mein­ja­nur.

Apro­pos “mein­ja­nur”; sehr gute Musik­gruppe, die man unbe­d­ingt im Auge behal­ten sollte, übri­gens:
Die franzö­sis­che Gruppe Lazuli spielt erbaulichen, lyrischen Pro­gres­sive Rock.
Ein sehr hüb­sches Stück Musik ist zum Beispiel Cas­siopée vom Album “En avant douté…”. Fein.

In den NachrichtenPolitik
SPON: “Kader Loth wird Frauenbeauftragte in Pauli-Partei”

Danke wieder ein­mal, Welt­geist:

Die ehe­ma­lige “Miss Pent­house” Kad­er Loth ist ab sofort die Frauen­beauf­tragte der Freien Union.

Welch weit­sichtige Entschei­dung, das ehe­mals im Fernse­hboule­vard behei­matete Läster­maul Kad­er Loth, die so manche Frauen­klis­chees erfüllt, zur Frauen­beauf­tragten zu machen. Ich spreche ihr nun man­gels Infor­ma­tio­nen nicht unbe­d­ingt die Kom­pe­tenz für dieses Amt ab; aber die Schlagzeile las sich doch recht amüsant.

Zumal der Artikel dazu:

Es dauerte nicht lange, bis auch das Mag­a­zin “Pent­house” an Kaders Tür klopfte. Kad­er, die sich ihrer Ausstrahlung und Charis­ma bewusst war, willigte zu ein­er Zusam­me­nar­beit ein.

Schließlich sind Ausstrahlung und Charis­ma ja auch die bei­den wichtig­sten Eigen­schaften ein­er Frau, die als Kan­di­datin für jenes Mag­a­zin in Frage kommt, und nicht etwa andere, eher weniger sub­tile Eigen­schaften; mithin prädes­tiniert ein Erfolg hier­bei für eine Kar­riere in der Poli­tik. Laut sein, schrill sein ist gefragt. Wer braucht schon Inhalte?

Wie erwäh­nt: Danke, Welt­geist!

MusikNetzfundstücke
Dieter Gorny erklärt die Welt

Amüsant: Der Grün­der von Viva ver­sucht im Inter­view die Krise der Musikin­dus­trie zu ergrün­den und fordert “nach franzö­sis­chem Vor­bild” Inter­netsper­ren für Urhe­ber­rechtsver­stöße, über­sieht aber, dass das entsprechende Gesetz dort gar nicht so recht zus­tande kom­men wollte.

Mein derzeit­iges per­sön­lich­es Lieblingsz­i­tat aus dem Inter­view:

Man muss bei der Debat­te über die Musikin­dus­trie immer bedenken, dass ihr Pro­dukt ja gewollt ist.

Gut erkan­nt, es ist gewollt. Lei­der ist der Musikin­dus­trie größ­ten­teils schnurz, was der poten­zielle Kunde will; die immer­gle­ichen Retorten­hupf­dohlen sind eben schneller und kostengün­stiger zu pro­duzieren.

“Was der Bauer nicht ken­nt, das frisst er nicht” — dieses Mot­to würde ich per­sön­lich in Bezug auf Musik nicht gel­ten lassen.
Aber ich bin ja auch nicht die Indus­trie.

Eine aus­führliche Analyse des Gesprächs hat übri­gens der Nigge­meier im Ange­bot. Bril­lant!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Nicht noch eine “Casting”-Sendung!

Das wird ein Spaß, wenn Pro Sieben am 27. Sep­tem­ber über die Bun­destagswahl 2009 berichtet. Wahrschein­lich sitzt da dann eine Jury in einem Stu­dio, die virtuell die Spitzenkan­di­dat­en der Parteien anfeuert: “Gib Pow­er! Gib Gas! Gib alles!” Aus dem Off dröh­nt der Sprech­er: “Wer schafft es in die näch­ste Runde?” Die State­ments von Gui­do West­er­welle wer­den mit lusti­gen Comicgeräuschen unter­legt. Koal­tionsver­hand­lun­gen heißen nicht mehr Koal­tionsver­hand­lun­gen, son­dern Recall. Und wenn die Entschei­dung gefall­en ist, läuft zu den Slow­mo­tion-Bildern der strahlen­den Sieger “Sin­fonie” von Sil­ber­mond. Am Ende ziehen die Auser­wählten in eine “Vil­la” ein (weil “Kan­zler­amt” so schw­er auszus­prechen ist), und der Off-Sprech­er kündigt an: “Das wird das größte Aben­teuer Ihres Lebens!”

Aber eigentlich ging es ja um den x‑ten Ver­such von Pro7/Sat.1, eine neue “Casting”-Sendung zu entwer­fen; wobei das mit dem “neu” dann auch nicht so genau genom­men wer­den sollte.
Mehr darüber gibt es bei den Medi­en­pirat­en zu lesen.

Und apro­pos “Pirat­en”: Jörg Tauss kämpft für seine Ziele; hof­fentlich mit wenig­stens teil­weisem Erfolg. Auch wenn’s im Som­mer­loch beina­he unterzuge­hen dro­ht.

(Teufel, ist das heiß hier.)

PersönlichesMusik
Sommerfreuden

Was ich mich nach einem über­aus som­mer­lichen Tag natür­lich auch frage: Wieso ist das Wort “Großkatzen” eigentlich so bekan­nt, aber über “Großin­sek­ten” spricht kaum jemand?

Ist ja nicht so, dass sich schon mal ein Tiger auf meine Einkäufe gestürzt hätte.


Frisch­er Musik­tipp für die heißen Tage:
Der Mul­ti­in­stru­men­tal­ist JT Bruce macht pro­gres­siv­en, instru­men­tal­en Artrock für Anspruchsvolle im Stil bspw. der neueren King Crim­son. Auf den Baby­blauen Seit­en klingt das so:

JT Bruce ist eine Art All­round­kün­stler, der Musik und Kun­st­filme macht, Bilder malt und auch kleinere Texte ver­fasst. Musikalisch ist er seit 2005 mit instru­men­talem Prog unter­wegs. Die Musik des Amerikan­ers kann vielle­icht als Mis­chung aus Prog­met­al und Artrock a la mod­erne King Crim­son mit einem guten Schuss mod­ern­er Elec­tron­ic beschrieben wer­den. Der Elec­tron­ic-Ein­fluss ist ger­ade auf diesem Album beson­ders stark aus­geprägt. Der Fluss der Musik, die häu­fig rock­ig treibend aus­gerichtet ist, erzeugt dabei ein cineast­is­ches Gefühl im Kopf.

Feine Sache, auf jeden Fall zu empfehlen.

MusikIn den Nachrichten
Medienkritik XII: Respekt für die Privatsphäre der Angehörigen? Ja, steht da. Guck.

Gruselig: Man öffnet das Nachricht­enkon­sum­ier­pro­gramm sein­er Wahl und liest seit­en­weise “Michael Jack­son, Michael Jack­son, vielle­icht, ja, nein, doch, tot, Absicht, Verse­hen, gut, schlecht, erwartet, uner­wartet”, und das in allen nur erden­klichen Facetten. Eine sach­liche Berichter­stat­tung ohne Wer­beein­nah­men erzie­lende Klick­streck­en mit den immer gle­ichen “exk­lu­siv­en” Bildern von Sär­gen und weinen­den Anhängern hat, so weit ich sehe, bis­lang nur das Kranken­haus hin­bekom­men:

Jackson’s fam­i­ly requests that the media respect their pri­va­cy dur­ing this trag­ic peri­od of time.

Schade, dass dieser Satz zwar von zahlre­ichen — auch deutschsprachi­gen — Medi­en erwäh­nt wird, allerd­ings zwis­chen all den Foto­streck­en, virtuellen Kon­dolenzbüch­ern (ach du meine Güte!) und den anderen geschätzten zweiund­drölfzig Artikeln zu diesem The­ma nicht weit­er auf­fällt.

“Die Ange­höri­gen bat­en die Medi­en öffentlich darum, ihre Pri­vat­sphäre zu respek­tieren. Exk­lu­sive Bilder/Videos von der weinen­den Mutter/Schwester und/oder dem Abtrans­port des im Koma liegenden/sterbenden/toten Sängers gibt es übri­gens hier: …”

Nur schw­er zu schätzen, wie viel Energie für diese Mel­dung weltweit ver­brat­en wurde. Dem Inter­net sei Dank erfahren wir heute alles sofort, schnell und exk­lu­siv und mit vie­len bun­ten Bildern gar­niert. Auf Kosten divers­er Charak­tereigen­schaften, ver­ste­ht sich.

(So her­rlich däm­lich die üblichen Foto­streck­en auch sein mögen, sie bieten amüsante Momente. We rip Michael!)

Scream” ist ein sehr gutes Lied. Ehrlich jet­zt.

In den NachrichtenPersönlichesLyrikPolitikNetzfundstücke
Unerwünschte Werbekunden (inkl. Versuch einer Assoziationskette, leider fehlgeschlagen)

Das haben sie nun davon:
Da kauft Dynamo Dres­den bei einem exter­nen Dien­stleis­ter — daten­schutzrechtlich ohne­hin ein recht heik­les The­ma — eine recht lange Liste an Adressen, unter denen sie Geschäft­skun­den wer­ben kön­nen, und dann ist unter diesen Adressen aus­gerech­net auch ein NPD-naher Ver­lag. Eine grandiose Fehlleis­tung für einen Vere­in, der seine Mit­glieder ver­traglich zum Links­sein verpflichtet:

[…] alle dama­li­gen Spiel­er mussten eine Liste unter­schreiben, in der sie sich gegen ‘rechts’ posi­tion­ieren.

Allein schon die Exis­tenz eines solchen Ver­trages lässt mich, der grund­sät­zlich poli­tis­che Entschei­dungs­frei­heit gutheißt, schmun­zeln; und die NPD bekam den öffentlichkeitswirk­samen Skan­dal, den man offen­bar drin­gend ver­mei­den will, dies­mal frei Haus.


Aber ich rege mich schon wieder auf. Über Poli­tik. Das ärg­ert mich selb­st.
Brechen wir das The­ma also kurz­er­hand ab und assozi­ieren angesichts des Wet­ters ein­fach mal munter drau­f­los:

“Wann wird’s mal wieder richtig Som­mer?” (Rudi Car­rell)
“The fire in our throats will beck­on the thaw.” (Pel­i­can)

Für dich bren­nen — dich wär­men — du lässt mich nicht kalt.
Für dich leben — mit dir leben — du bist Leben.
Dich lieben — du bist Liebe.
Lebenswert — liebenswert.

(Zu mehr Lyrik hat’s dies­mal nicht gere­icht. Vielle­icht näch­ste Woche. Nach den Prü­fun­gen.
Der­weil kann sich der geneigte Leser beim Nigge­meier über die tre­f­fende Karikatur des Jour­nal­is­mus’ im Zeichen des “Web 2.0” amüsieren.
Bis dahin gilt wieder ein­mal: Seufz!)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik XI: Ruhrbarone gegen die Piraten

Medi­ale Aufmerk­samkeit hat der wegen Besitzes von kinder­pornografis­chem Mate­r­i­al unter Beschuss ste­hende Bun­destagsab­ge­ord­nete Jörg Tauss durch seinen Wech­sel zur Piraten­partei erhal­ten; eine willkommene Gele­gen­heit für mancher­lei Per­so­n­en, die Partei unter Gen­er­alver­dacht zu stellen.

Und welch grober Unfug dabei entste­hen kann! Das eher kon­ser­v­a­tive Weblog Ruhrbarone.de macht es jeden­falls genau falsch:

Wenn er verurteilt wird, habt Ihr Euch dem erste über­führten Kinder­schän­der im deutschen Par­la­ment an den Hals geschmis­sen — nur um auch mal im Bun­destag zu sein.

Zu einem “über­führten Kinder­schän­der” wird man mit Sicher­heit nicht dadurch, dass man der­ar­tiges Mate­r­i­al besitzt. Wer Videoauf­nah­men von Kriegen, auf denen Morde zu sehen sind, besitzt, ist ja auch noch lange selb­st kein Mörder.

Neben­bei bemerkt: Erst vor weni­gen Wochen wurde Ursu­la von der Leyen aus ähn­lichen Grün­den angezeigt, den­noch schrieb am Fol­ge­tag meines Wis­sens keine Tageszeitung, die CDU habe “über­führte Kinder­schän­der” in ihren Rei­hen, und der Ruf nach Auss­chluss der Poli­tik­erin aus der Partei wurde auch nicht laut.

Fol­gerichtig hieß es übri­gens damals:

“Keine Anze­ichen für ein straf­bares Ver­hal­ten Frau von der Leyens”, sagt der Sprech­er der Staat­san­waltschaft, Michael Grun­wald.

Frau von der Leyen führt kinder­pornografis­ches Mate­r­i­al öffentlich vor, um ihre Ziele zu verdeut­lichen, und kommt straf­frei davon; Herr Tauss bringt (ver­mut­lich) ähn­lich­es Mate­r­i­al in seinen Pri­vatbe­sitz, um sich ein eigenes Bild von der Sach­lage zu machen, und wird all­ge­mein gescholten? Was für eine Dop­pel­moral wird in den Medi­en eigentlich vertreten?

Eine sach­liche Berichter­stat­tung hat immer­hin heise online hin­bekom­men:

Tauss hat­te zu den Vor­wür­fen wegen des Besitzes von kinder­pornografis­chem Mate­r­i­al erk­lärt, es sei die Pflicht eines Volksvertreters, “sich eine eigene Mei­n­ung zu drin­gen­den gesellschaftlichen Prob­le­men zu bilden”.

Nur ein Gedanken­spiel: Wie viele Men­schen, die den Ter­mi­nus “Kinder­pornografie” nur in Verbindung mit den Adjek­tiv­en “wider­lich” oder “ekel­haft” ken­nen und ver­wen­den, haben sich bis­lang eigentlich selb­st ein Bild davon gemacht? Ich mein­er­seits werde mich hüten, über etwas zu urteilen, bevor ich es bew­erten kann. Ich bin kein Fre­und davon, fremde Mei­n­un­gen nachzu­plap­pern.

Der Piraten­partei, der das Ver­fahren nun sicher­lich nicht anzu­las­ten ist, wur­den schon ganz andere Dinge vorge­wor­fen; da freue ich mich schon beina­he auf die fol­gen­den Schlagzeilen, in denen die Wäh­ler der Piraten­partei direkt für den Miss­brauch von Kindern ver­ant­wortlich gemacht wer­den.
Über­raschend wäre solcher­lei keines­falls.

PersönlichesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Die Jugendkultur ist fix und foxi.

Noch immer dauert der Bil­dungsstreik an, bish­er war in den Nachricht­en von “ersten Zugeständ­nis­sen” die Rede und davon, dass man das Bach­e­lorsys­tem nochmals “über­denken” werde.
Das reicht nicht, ist aber schon ein gutes Zeichen. Weit­er so, Leute!

Schade übri­gens, apro­pos “Bil­dung”:
Das Fix-&-Foxi-Heft wird (vor­erst) eingestellt, und mit ihm sind mehrere Jahrzehnte deutsch­er Jugend­kul­tur (eben­falls vor­erst) Geschichte. Warum aber das oft gescholtene Inter­net nicht an der sink­enden Nach­frage für den Zeigefin­ger allzu häu­fig schwin­gende Jugend­magazine ist, ste­ht unter anderem hier.

Auch Micky Maus im Papier­for­mat kann sich hierzu­lande meines Eracht­ens nur noch deshalb behaupten, weil es außer den kurzen comics mit­tler­weile auch zahlre­iche Zusatz­in­halte bekom­men hat, ange­fan­gen mit den immer gle­ichen Agen­ten- und son­sti­gen Spielzeug­beila­gen, mit denen es die Lücke, die “Yps mit Gim­mick” hin­ter­lassen hat­te, auszufüllen ver­sucht, bis zu den diversen Witzen und Stre­ichen, mit denen man Fre­unde, Ver­wandte und Lehrer “ärg­ern” soll; Schaden­freude ist bekan­ntlich oft nicht die unan­genehm­ste Freude.

Indes — was hat die Jugend für Alter­na­tiv­en? Für Micky Maus ist sie irgend­wann zu alt, die eher an Jugendliche gerichteten BRAVO- und ähn­lichen Heftchen sind auch nach weni­gen Jahren nicht mehr inter­es­sant. Umfra­gen der Art “Was lest ihr am lieb­sten?” zeigen, dass “gar nichts” eine recht beliebte Lek­türe ist; wen­ngle­ich nicht unbe­d­ingt eine anspruchsvolle.

Woher all diese Mis­ere? Wird man während sein­er Schulzeit der­maßen mit dröger Schul­lit­er­atur über­sät­tigt, dass jeglich­es poten­zielles Inter­esse an guter, abseit­iger­er Lyrik und Prosa nach absolviertem Abschluss nicht mehr beste­ht? Es wäre reich­lich schade.

NerdkramsPersönlichesPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Opera Unite: Kinderkram für Sensationslüsterne

Zwis­chen­drin wieder ein­mal ein kurz­er Beitrag für unsere Com­put­er­fre­unde:
Mit einem wie üblich riesi­gen Brim­bo­ri­um hat Opera Soft­ware das neue Opera Unite zum Testen freigegeben, eine Art virtuelles soziales Netz auf dem eige­nen PC, das unter anderem den ein­fachen Aus­tausch von Dateien ermöglicht.

Hierzu wird ein min­i­maler Web­serv­er auf dem eige­nen Rech­n­er ges­tartet, der dann mit den gewün­scht­en Inhal­ten, zum Beispiel Bilder­ga­le­rien, bestückt wer­den kann. Außer­dem kann man anderen Unite-Nutzern Notizzettel hin­ter­lassen, falls diese abwe­send sind.

Nun bietet Opera Unite trotz des Wirbels, den man um es macht, nichts, was es nicht seit Jahren schon gäbe. Das plat­tfor­munab­hängige Sock­so zum Beispiel dient als lokaler Musik­serv­er, Abwe­sen­heit­snachricht­en kann man über viele Mes­sen­ger-Pro­tokolle hin­ter­lassen, und der Aus­tausch von beliebi­gen Dateien über einen Serv­er ist mit lokal instal­lier­baren FTP- und HTTP-Servern inzwis­chen auch für Ein­steiger prob­lem­los durch­führbar.

Ins­ge­samt bietet Opera Unite also nichts, was die Nutzung des Inter­nets rev­o­lu­tion­ieren würde. Im Gegen­teil, die Nutzung eines lokalen Web­servers für der­lei teils triv­iale Zwecke ist eine Ver­schwen­dung von Com­put­er­leis­tung, mithin elek­trisch­er Energie und damit Geld.


Pri­ma hinge­gen: In Deutsch­land wird für die Verbesserung von Schul- und Stu­di­enbe­din­gun­gen gestreikt. Ein ehren­haftes Ziel, wenn auch manche offen­bar über die Stränge schla­gen:

Und als schließlich etwa achtzig Protestler die Hörsäle stürmten und “Sol­i­darisieren, Mit­marschieren!” skandierten, wusste ich plöt­zlich wieder ganz genau, warum mir das alles nicht gefällt: Ich mag ein­fach kein Gebrüll und kein Marschieren.

Es bleibt zu hof­fen, dass dieser Streik zumin­d­est Kom­pro­misse schließen lässt; ein funk­tion­ieren­des Bil­dungssys­tem ist die Grund­lage für einen funk­tion­ieren­den Staat. Aber die Streik­enden soll­ten es nicht ver­säu­men, weit­er­hin friedlich zu agieren. Schief gegan­gen ist es zulet­zt vor etwas über 40 Jahren.

Toi, toi, toi!
Sozusagen.

PersönlichesMusikLyrik
Impertinenz. Verelendung. Leckere Himbeeren. Depression.

Wet­ter heute: Supi.
Stim­mung heute: Muss.

Der Mor­gen graut, ich bin schon wach.
Ich lieg im Bett und denke nach.
Mein Herz ist voll, doch jemand fehlt.
Ich hätt’ dir gern noch so viel erzählt.

Trau­rig sein hat keinen Sinn.
Die Sonne scheint auch weit­er­hin.
Das ist ja grad die Schweinerei,
die Sonne scheint, als wäre nichts dabei…

Farin Urlaub — Sonne


(Eich­hörnchen sind bisweilen dur­chaus amüsante Tiere; vorhin lag eines auf der Straße herum und stellte sich tot. Recht unan­genehm für die Auto­mo­bil­fahrer, die auf der­sel­ben Straße, dadurch bed­ingt, nicht vor­wärt­ska­men. Nach ein­er Weile ist das Tier dann aufge­sprun­gen und den näch­st­besten Baum hin­aufger­an­nt. Schon ein niedlich­er Anblick.)

Netzfundstücke
Medienkritik extern: “Das Internet” gibt es nicht

Auf SPIEGEL ONLINE gibt es einen neuen Beitrag zur Diskus­sion um die “Gen­er­a­tion C64”, die gerde die Medi­en beherrscht:

“Das Inter­net verkommt zum Debat­tier­club” (Bernd Graff, “Süd­deutsche Zeitung”), “Das Netz ist auch ein Medi­um, das in steigen­dem Maße Nicht- oder Fast­nicht­mehrlesen ermöglicht” (Frank Schirrma­ch­er, “Frank­furter All­ge­meine Zeitung”), “Inter­net-Blogs zer­set­zen das informierte und unab­hängige Urteil” (Josef Schnelle, “Berlin­er Zeitung”). Bei Jens Jessen in der “Zeit” wird das Inter­net sog­ar zur han­del­nden Per­son: “Das Inter­net, bevor es großmäulig von E‑Democracy redet, muss erst ein­mal eine angst­freie Gesellschaft in seinen Räu­men erlauben.”

(…)

Kein Zweifel: Das Inter­net existiert, und es wird auch nicht wieder ver­schwinden. “Das Inter­net” aber, wie es Jessen, Soboczyn­s­ki, und all die anderen Autoren immer wieder kri­tisieren und attack­ieren, existiert nicht. “Das Inter­net” als ein mehr oder min­der homo­genes Gebilde näm­lich, in dem bes­timmte Regeln gel­ten (oder eben nicht), in dem bes­timmte Ver­hal­tensweisen ange­blich ständig zu beobacht­en sind, in dem sich ange­blich eine bes­timmte Spezies Men­sch tum­melt, der (fast) nichts heilig ist. Eine Spezies, die aber irgend­wie trotz­dem eine “Net­zbe­we­gung” mit “her­metis­chem Vok­ab­u­lar” gebildet haben soll, die andere auss­chließen will, wie Susanne Gaschke vor eini­gen Wochen in der “Frank­furter All­ge­meinen Zeitung” bemän­gelte.

Sehr richtig erkan­nt; das Inter­net beste­ht nicht nur aus Schlam­m­gruben wie 4chan ein­er­seits und ver­schwore­nen Gemein­schaften ander­er­seits. Es ist ein mul­ti­kul­tureller, virtueller Kos­mos, und es wird Zeit, dass die Leute das ver­ste­hen.


(Ver­such eines Apho­ris­mus: Mit ein­er schö­nen Erin­nerung ins Bett zu gehen und lächel­nd aufzuwachen ist wie Son­nenauf­gang für die Seele.)

In den NachrichtenPiratenparteiNetzfundstücke
An der Schwelle eines Bürgerkrieges: Die digitale Generation trifft auf Inkompetenz.

Es ist recht beun­ruhi­gend, was dieser Tage so vor sich geht. In einem medi­al run­dumbeschall­ten Deutsch­land ist es für Poli­tik­er offen­bar nicht mehr notwendig, mit unlieb­samen Äußerun­gen bis nach der näch­sten Wahl zu warten:

“Natür­lich wer­den wir mit­tel- und länger­fristig auch über andere krim­inelle Vorgänge reden”, äußerte sich Wiefel­spütz in Bezug auf Web­seit­en mit ver­fas­sungs­feindlichen oder islamistis­chen Inhal­ten und fügte hinzu “Es kann doch nicht sein, dass es im Inter­net eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt”.

(heise.de)*

Dass man alles, was man nicht ver­ste­ht, erst mal ver­bi­eten lassen will, ist bedrück­end. Die Inkom­pe­tenz der p.d. Volksvertreter wird von einem Volk getra­gen, das sich mit Brot und Spie­len besän­fti­gen lässt; Haupt­sache, keine Nazis, oder wie ist das zu ver­ste­hen?

Die Gen­er­a­tion C64 ist längst keine Nis­chenkul­tur mehr, son­dern hat mit ihren Ideen unsere Medi­en­land­schaft stark verän­dert. Das Inter­net ist längst kein Tum­melplatz für ein paar Akademik­er mehr, son­dern bes­timmt viele Aspek­te des täglichen Lebens. Dass nun aus­gerech­net diejeni­gen, die bei jed­er sich bietenden Gele­gen­heit ihre Unken­nt­nis bezüglich der Dig­i­tal­tech­nik der let­zten paar Jahre zur Schau stellen, sich anmaßen, über der­art sen­si­ble The­men Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, ohne auf Ein­wände jen­er Per­so­n­en, die seit Jahren ihr Brot mit diesem Fachge­bi­et ver­di­enen, einzuge­hen, sie gar als kon­trapro­duk­tiv einzustufen, ist bizarr.

Mit all den geplanten Ter­ror- und son­sti­gen Abwehrge­set­zen (“[d]ie Sicher­heits­be­hör­den sollen das Recht eingeräumt bekom­men, jeden Brief, jedes Fax, jede E‑Mail, jegliche Kom­mu­nika­tion der Bürg­erin­nen und Bürg­er verdeckt zu überwachen”, via fixm­br) fühlt man sich fast wie in den para­noiden USA; wenn nicht gar wie in der Orwellschen Dystopie, vor deren Umset­zung nun seit Jahren vergebens gewarnt wird. Um so schlim­mer ist die Poli­tikver­drossen­heit der Deutschen.

Alles kom­men­tar­los über sich erge­hen zu lassen ist sicher­lich auch eine Frei­heit, die die demokratis­chen Grund­sätze dieses Staates gewähren. Aber es ist die falsche. Für die anste­hende Europawahl bietet sich immer­hin eine vertret­bare Lösung an, deren Einzug ins Europa­parla­ment gesichert sein dürfte. Aber dann? Und was, wenn nicht?

Um ein let­ztes Mal fixm­br zu zitieren:

Wir kämpfen für die Frei­heit, die Unab­hängigkeit, die Sou­veränität und das Selb­st­bes­tim­mungsrecht jedes einzel­nen Bürg­ers. Es geht nicht um die eine oder andere Mei­n­ung, nicht um Befind­lichkeit­en oder um Ver­gan­ge­nes. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage:

Was für eine Gesellschaft wollen wir unseren Kindern hin­ter­lassen?

Es ist schlichtweg zum Kotzen.

(War erst mal mein let­zter poli­tis­ch­er Beitrag. Ver­sprochen.)


* Nach­trag: Inzwis­chen hat er dieser Darstel­lung wider­sprochen.