PersönlichesPolitik
Geht wählen!

Liebe Leser,

in den let­zten Tagen wurde mir immer wieder zuge­tra­gen, dass viele von euch zwar höchst unzufrieden mit den derzeit­i­gen Machthabern sind, sich aber den­noch der Möglichkeit des Wäh­lens ver­weigern wollen — selb­st bei der Europawahl.

Nun frage ich mich: Warum?
Jede nicht abgegebene Stimme ist eine Stimme für die Falschen. Wer etwas an dem Machtver­hält­nis der Parteien ändern will, sollte sich nicht darauf ver­lassen, dass andere dies tun.
Ger­ade in diesem Jahr, in dem mit der in Schwe­den bere­its erfol­gre­ichen Piraten­partei auch eine Partei antritt, die den Schutz unser­er Grun­drechte als ober­stes Ziel betreibt, wäre es mehr als gewis­sen­los, der Union oder der SPD nochmals zu einem deut­lichen Wahler­folg zu ver­helfen.

Jede Stimme für eine andere als die “etablierten Volksparteien” ändert etwas. Jede andere Stimme, auch jede nicht abgegebene Stimme ändert nichts. Wer mit der derzeit­i­gen Lage nicht zufrieden ist, sollte sich hin­ter­her nicht bekla­gen, wenn er seinen Beitrag zur Änderung dieser Lage nicht leis­ten wollte.

Es ist eine höchst ärg­er­liche Ein­stel­lung viel­er Men­schen in diesem Land vorzufind­en; fast scheint es mir, dass diejeni­gen, die am lautesten die beste­hen­den Macht­struk­turen bekla­gen, iden­tisch mit jenen sind, die am eifrig­sten ihre Stimme ver­weigern, nur um sich angesichts des Wahlaus­gangs zu echauffieren und sich in ihrer Ver­weigerung bestätigt zu fühlen; “hätte ja eh nichts gebracht”.

Hätte es näm­lich schon. Denkt mal drüber nach.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Der Fall Kurras — eine Fußnote der Geschichte

Berichter­stat­tung zum The­ma “Ben­no Ohne­sorg und die Fol­gen sein­er Tötung” geht auch ohne Hys­terie:

Tut mir leid, aber der Fall Kur­ras inter­essiert mich nicht. Ob die Geschichte der Beh-Err-Deh anders ver­laufen wäre, wenn der Ohne­sorg-Erschießer beizeit­en als Stasi-Hiwi ent­tarnt wor­den wäre? Wom­öglich schon vor dem Schuss, 1965 näm­lich, als ihm der Ver­fas­sungss­chutz schon mal auf der Spur gewe­sen sein soll? Wäre, hätte, kön­nte. Wer sich immer noch an der­lei Hypothe­sen abar­beit­et, darf meines herzhaften Gäh­nens sich­er sein.

Wichtiger, finde ich, ist dies: schon lange, bevor Kur­ras abge­drückt hat­te, musste man nicht bei einem Geheim­di­enst gewe­sen sein, um zu wis­sen, dass so genan­nte fortschrit­tliche Kreise des West­ens im großen Stil von der ille­galen KPD (die 1968 zur DKP umge­topft wurde) und ihren diversen Tarn- und Vor­fel­dor­gan­i­sa­tio­nen unter­wan­dert waren und dass dadurch poli­tis­che Stim­mungen des West­ens in einem ganz erstaunlichem Aus­maß bee­in­flusst wur­den. Was sie, die fortschrit­tlichen Kreise, bis heute nicht wahrhaben wollen…

Weit­er­lesen, zus­tim­men und abhak­en.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2009 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 3 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Liebe Leser,

das Jahr 2009 ist nun­mehr nicht mehr ganz neu, und so hat­ten willige Musik­er bere­its viel Zeit, neue vortr­e­f­fliche und weniger vortr­e­f­fliche Klänge zu pro­duzieren. Wie bere­its vor unge­fähr einem Jahr und ein halbes Jahr später möchte ich auch heute beson­ders beein­druck­ende Musikalben, die in diesem Jahr veröf­fentlicht wur­den, bewer­ben und anschließend ein wenig auf die Musikgeschichte der ver­gan­genen 40 Jahre einge­hen.

Für jedes dieser Alben kann ich eine klare Blind­kaufempfehlung an all jene aussprechen, die sich von der kurzen Rezen­sion ange­sprochen fühlen. Die Hör­proben, die ich zu jedem Album möglichst adäquat zu liefern ver­suche, sind nur für diejeni­gen geeignet, die sich zu solchen Entschei­dun­gen nicht durchrin­gen kön­nen; ihre volle Wirkung ent­fal­ten aber fast alle Alben in diesem Beitrag nur im Kon­text des gesamten Ton­trägers.

Als Beson­der­heit kom­men dies­mal auch diejeni­gen Alben ins Gespräch, die das Feuil­leton zwar für kaufenswert hält, mich per­sön­lich jedoch eher ent­täuscht haben. Dies soll als Anre­gung zur Kri­tik ver­standen wer­den; ich kann hier, wie so oft, nur nach meinem per­sön­lichen Geschmack urteilen, bin mir aber wohl bewusst, dass Geschmäck­er ger­ade in Bezug auf Musik und ‑stil­rich­tun­gen stark dif­ferieren. Sollte also jemand sich von einem hier beschriebe­nen Album ein völ­lig anderes Bild gemacht haben, nur her damit! Der Mei­n­ungsvielfalt kommt es alle­mal zugute.

Nun jedoch wün­sche ich allen Inter­essierten erst ein­mal viel Spaß auf der ersten Reise durch das Musiku­ni­ver­sum 2009:

‘Musik 06/2009 — Favoriten und Analyse’ weit­er­lesen »

WirtschaftPolitikIn den Nachrichten
Schuldenverbot ins Grundgesetz? Wie das?

Kurz­er Spaß für zwis­chen­durch:

Im Grundge­setz soll eine Bes­tim­mung aufgenom­men wer­den, die neue Schulden des Bun­des [ab 2011] zukün­ftig ver­bi­etet, sagte der haushalt­spoli­tis­che Sprech­er der CDU/C­SU-Bun­destags­frak­tion am Dien­stag zum Auf­takt der viertägi­gen Haushalts­ber­atun­gen des Bun­destages.

(via CDUCSU.de [natür­lich])

Neue Schulden sollen “ver­boten” wer­den — so weit respek­ta­bel. Hoch genug sind sie wahrlich schon jet­zt.

Dass vom Schuldenabbau keine Rede ist, sei hier ein­mal bei­seite geschoben; allein: Wie soll das Ziel erre­icht wer­den? Durch weniger Aus­gaben wohl kaum — son­st wäre dies längst passiert. Wahrschein­lich­er sind Steuer­erhöhun­gen.
Zum Wohle der Wirtschaft. Wir ken­nen das ja.

Wollen wir hof­fen, dass es nicht so weit kommt. Die Chance, die CDU/CSU abzuwählen, ist ja nicht mehr allzu fern; wen­ngle­ich zu bezweifeln ist, dass die Wahlum­fra­gen repräsen­ta­tiv sind (dem­nach hät­ten die Linke und die Piraten­partei schon längst mehrere absolute Mehrheit­en! — was sich­er auch eine amüsante Koali­tion ergäbe).

Auf jeden Fall gilt ver­mut­lich auch 2010 noch:
Den meis­ten Murks fab­rizieren meist die, die ger­ade “die da oben” sind.

LyrikSonstiges
Im Gedenken an Edgar Allan Poe (1809 — 1849)

Mit­ter­nacht umgab mich schau­rig, als ich ein­sam, trüb und trau­rig,
Sin­nend saß und las von manch­er längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’ –
Als ich schon mit mat­ten Blick­en im Begriff, in Schlaf zu nick­en,
Hörte plöt­zlich ich ein Tick­en an die Zim­merthüre her;
„Ein Besuch wohl noch,“ so dacht’ ich, „den der Zufall führet her –
Ein Besuch und son­st Nichts mehr.“

Wohl hab’ ich’s im Sinn behal­ten, im Dezem­ber war’s, im kalten,
Und gespen­stige Gestal­ten warf des Feuers Schein umher.
Sehn­lich wün­scht’ ich mir den Mor­gen, keine Lind’rung war zu bor­gen
Aus den Büch­ern für die Sor­gen – für die Sor­gen tief und schw­er
Um die Sel’ge, die Lenoren nen­nt der Engel heilig Heer –
Hier, ach, nen­nt sie Nie­mand mehr!

Jedes Rauschen der Gar­di­nen, die mir wie Gespen­ster schienen,
Füllte nun mein Herz mit Schreck­en – Schreck­en nie gefühlt vorher;
Wie es bebte, wie es zagte, bis ich endlich wieder sagte:
„Ein Besuch wohl, der es wagte, in der Nacht zu kom­men her –
Ein Besuch, der spät es wagte, in der Nacht zu kom­men her;
Dies allein und son­st Nichts mehr.“

Und erman­nt nach diesen Worten öffnete ich stracks die Pforten:
„Dame oder Herr,“ so sprach ich, „bitte um Verzei­hung sehr!
Doch ich war mit mat­ten Blick­en im Begriff, in Schlaf zu nick­en,
Und so leis scholl Euer Tick­en an die Zim­merthüre her,
Daß ich kaum es recht ver­nom­men; doch nun seid willkom­men sehr!“ –
Dunkel da und son­st Nichts mehr.

Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend,
Träume träu­mend, die hie­nieden nie ein Men­sch geträumt vorher;
Zweifel schwarz den Sinn bethörte, Nichts die Stille draußen störte,
Nur das eine Wort man hörte, nur „Lenore?“ klang es her;
Sel­ber haucht’ ich’s, und „Lenore!“ trug das Echo trauernd her –
Einzig dies und son­st Nichts mehr.

Als ich nun mit tiefem Ban­gen wieder in’s Gemach gegan­gen,
Hört’ ich bald ein neues Pochen, etwas lauter als vorher.
„Sich­er,“ sprach ich da mit Beben, „an das Fen­ster pocht’ es eben,
Nun wohlan, so laß mich streben, daß ich mir das Ding erk­lär’ –
Still, mein Herz, daß ich mit Ruhe dies Geheimniß mir erk­lär’
Wohl der Wind und son­st Nichts mehr.“

Riß das Fen­ster auf jet­zun­der, und here­in stolzirt’ – o Wun­der!
Ein gewalt’ger, hochbe­jahrter Rabe schwirrend zu mir her;
Flog mit mächt’gen Flügel­stre­ichen, ohne Gruß und Dankesze­ichen,
Stolz und stat­tlich son­der Gle­ichen, nach der Thüre hoch und hehr –
Flog nach ein­er Pal­las­büste ob der Thüre hoch und hehr –
Set­zte sich und son­st Nichts mehr.

Und trotz mein­er Trauer brachte er dahin mich, daß ich lachte,
So geset­zt und grav­itätisch herrscht’ auf mein­er Büste er.
„Ob auch alt und nah dem Grabe,“ sprach ich, „bist kein feiger Knabe,
Grim­mer, glattgeschor’ner Rabe, der Du kamst vom Schat­ten­heer –
Sprich, welch’ stolzen Namen führst Du in der Nacht pluton’schem Heer?“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr.“

Ganz erstaunt war ich, zu hören dies Geschöpf mich so belehren,
Schien auch wenig Sinn zu liegen in dem Wort bedeu­tungsleer;
Denn wohl Kein­er kön­nte sagen, daß ihm je in seinen Tagen
Son­der Zier und son­der Zügen so ein Thi­er erschienen wär’,
Das auf sein­er Mar­mor­büste ob der Thür gesessen wär’
Mit dem Namen „Nim­mer­mehr.“

Dieses Wort nur sprach der Rabe dumpf und hohl, wie aus dem Grabe,
Als ob seine ganze Seele in dem einen Worte wär’.
Weit­er Nichts ward dann gesprochen, nur mein Herz noch hört’ ich pochen,
Bis das Schweigen ich gebrochen: „Andre Fre­unde floh’n sei­ther –
Mor­gen wird auch er mich fliehen, wie die Hoff­nung floh sei­ther.“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

Immer höher stieg mein Staunen bei des Raben dun­klem Raunen,
Doch ich dachte: „Ohne Zweifel weiß er dies und son­st Nichts mehr;
Hat’s von seinem armen Meis­ter, dem des Unglücks fin­stre Geis­ter
Dro­ht­en dreist und dro­ht­en dreis­ter, bis er trüb und trauer­schw­er –
Bis ihm schwand der Hoff­nung Schim­mer, und er for­t­an seufzte schw­er:
‚O nim­mer – nim­mer­mehr!‘“

Trotz der Trauer wieder brachte er dahin mich, daß ich lachte;
Einen Arm­stuhl endlich rollte ich zu Thür und Vogel her.
In den sammt’nen Kissen liegend, in die Hand die Wange schmiegend,
Sann ich, hin und her mich wiegend, was des Wortes Deu­tung wär’ –
Was der grimme, finst’re Vogel aus dem nächt’gen Schat­ten­heer
Wollt’ mit seinem „Nim­mer­mehr.“

Dieses saß ich still ermessend, doch des Vogels nicht vergessend,
Dessen Feuer­au­gen jet­zo mir das Herz bek­lemmten sehr;
Und mit schmer­zlichen Gefühlen ließ mein Haupt ich lange wühlen
In den veilchenfarb’nen Pfühlen, über­strahlt vom Lichte hehr –
Ach, in diesen sammt­nen Pfühlen, über­strahlt vom Lichte hehr –
Ruhet sie jet­zt nim­mer­mehr!

Und ich wäh­nte, durch die Lüfte wall­ten süße Weihrauchdüfte,
Aus­gestreut durch unsicht­bare Ser­aphshände um mich her.
„Lethe,“ rief ich, „süße Spende schickt Dir Gott durch Engelshände,
Daß sich von Lenoren wende Deine Trauer tief und schw­er!
Nimm, o nimm die süße Spende und vergiß der Trauer schw­er!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Gram­prophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Ob die Hölle Dich mir sandte, ob der Sturm Dich wehte her!
Du, der von des Orkus Strande – Du, der von dem Schreck­en­lande
Sich zu mir, dem Trüben, wandte – künde mir mein heiß Begehr:
Find’ ich Bal­sam noch in Gilead! ist noch Trost im Gnaden­meer?“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Gram­prophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel!
Bei dem ew’gen Him­mel droben, bei dem Gott, den ich verehr’ –
Künde mir, ob ich Lenoren, die hie­nieden ich ver­loren,
Wieder find’ an Edens Thoren – sie, die throhnt im Engelsheer –
Jene Sel’ge, die Lenoren nen­nt der Engel heilig Heer!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

„Sei dies Wort das Tren­nungsze­ichen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen!
Fleuch zurück zum Sturmes­grauen, oder zum pluton’schen Heer!
Keine Fed­er laß zurücke mir als Zeichen Dein­er Tücke;
Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wieder her!
Fort und laß mein Herz in Frieden, das gepeinigt Du so sehr!“
Sprach der Rabe: „Nim­mer­mehr!“

Und der Rabe weichet nim­mer – sitzt noch immer, sitzt noch immer
Auf der blassen Pal­las­büste ob der Thüre hoch und hehr;
Sitzt mit geis­ter­haftem Munkeln, seine Feuer­au­gen funkeln
Gar dämonisch aus dem dunkeln, düstern Schat­ten um ihn her;
Und mein Geist wird aus dem Schat­ten, den er bre­it­et um mich her,
Sich erheben – nim­mer­mehr!

Carl Theodor Eben, 1869

MusikIn den Nachrichten
Erheiterndes am Sonntag

Ohne Worte:

Rabi­ater Ein­satz: Gewalt­sam hat ein Mann in Chi­na die Verkehrs­block­ade durch einen Lebens­mü­den been­det — er schub­ste den Mann von ein­er Brücke. Seine Begrün­dung: Der poten­tielle Selb­st­mörder habe ego­is­tisch gehan­delt.

SPON


Mit weni­gen Worten:

warum darf kem­per­traut­mann fremde marken­rechte umdeuten, nutzen und sam­plen, ein stu­dent in sein­er abschlus­sar­beit aber nicht?

wirres.net I

Es scheint in let­zter Zeit recht beliebt zu sein, das WWW nach abmah­n­fähi­gen Inhal­ten zu durch­forsten, und sei’s nur aus Prof­it­grün­den. Dass ein Stu­dent die “Du bist Deutschland”-Kampagne nicht unge­fragt ver­wursten, ein großes prof­i­to­ri­en­tiertes Unternehmen jedoch das “John­ny Walker”-Markenzeichen zu Wer­bezweck­en in einen anderen Kon­text stellen darf, ist erstaunlich.

Aber dieses eine Mal hat es dann ja doch noch funk­tion­iert mit der Kom­mu­nika­tion:

alexan­der lehmann und michael traut­mann haben sich tele­fonisch und gütlich geeinigt

wirres.net II


In zwei Sätzen:

Seit heute ist das aktuelle Green-Day-Album “21st Cen­tu­ry Break­down” im Sound­check. Um zahlre­ichen Zus­pruch wird gebeten.
Nach­trag: Inzwis­chen ist auch Maxï­mo Parks “Quick­en the Heart” fer­tig rezen­siert.

21st Cen­tu­ry Break­down
Quick­en the Heart

In den Nachrichten
Zum 60. Todestag von Klaus Mann

Es wird viel zu wenig beachtet über all den Mel­dun­gen von mar­o­den Auto­mo­bilkonz­er­nen, daher nutze ich diese Plat­tform, um eines weitaus inter­es­san­teren Ereigniss­es zu gedenken:

Heute ist der 60. Todestag von Klaus Mann, der sicher­lich weniger Bekan­ntheit vorzuweisen hat als sein Vater Thomas, allerd­ings Gen­er­a­tio­nen von Schülern mit Werken wie Mephis­to Kopfzer­brechen bere­it­en kon­nte.

Salut!
Auf dass bessere Zeit­en fol­gen mögen.

Netzfundstücke
Legomännchen, Legofräuchen

Lukas ver­linkt dies:

Ich wollte heute für meine Töchter Legomän­nchen kaufen, und musste die erschreck­ende Fest­stel­lung machen, dass diese mit über­wälti­gen­der Mehrheit genau das sind: Män­nchen. Es gab über­haupt nur drei weib­liche Legofig­uren: eine junge Dame in einem spießi­gen geblümten Oberteil, die auf ein­er Bank sitzt und Musik aus einem Ghet­to­blaster hört (Erde an Lego: Bitte ein­mal „iPod“ googeln), eine Tochter aus gutem Hause, die auf einem Pferd neben einem lan­drover­ar­ti­gen Auto mit Pfer­dean­hänger sitzt, und eine Milch­magd mit ein­er Kuh auf einem Bauern­hof. Let­ztere ist im Lego-Uni­ver­sum — oder dem Teil, der ger­ade beim näch­sten Karstadt herum­ste­ht — die einzige Frau, die ein­er Beschäf­ti­gung nachge­ht. Alle anderen Beruf­stäti­gen sind Män­ner: von Sach­bear­beit­ern mit Aktenkof­fer über Piloten, Inge­nieure, Polizis­ten, Feuer­wehrmän­ner, Bauar­beit­er und Müllmän­ner bis zu Pirat­en und futur­is­tis­chen „Pow­er Min­ers“.

Klingt höchst albern, ist aber ver­mut­lich vol­lkom­men ernst gemeint: Da will jemand Legomän­nchen (man beachte, neben­bei, die Wort­wahl) kaufen und ist nicht etwa unzufrieden mit der Preis­lage oder den immer kon­fuseren Bauan­leitun­gen zu den diversen Sets, son­dern mit ihrem Geschlecht, gar mit den Geschlechter­rollen, die ihnen zuteil wurde.

So weit hat uns die Emanzi­pa­tion also getrieben, selb­st im Kinderz­im­mer hat die vorge­bliche Gle­ich­berech­ti­gung des ehe­mals “unter­drück­ten” Geschlechts absoluten Vor­rang zu haben; wobei ich per­sön­lich ja davon aus­ge­he, dass die Tochter des erzürn­ten Schreibers auf das Frauen­bild der Fir­ma LEGO A/S weit­ge­hend pfeift.

Aber bitte, wenn wir’s darauf ankom­men lassen wollen: Wo bleibt eigentlich in der heilen Welt von Bar­bie das männliche Ele­ment? Zu kaufen sind unzäh­lige Frauen­fig­uren mit über­wiegend grotesk überze­ich­neter Fig­ur, aber als männliche Fig­ur ste­ht nur der lang­weilige Charmeur Ken zur Ver­fü­gung, der das männliche Geschlecht nun wahrlich nicht zu vertreten weiß, son­dern vielmehr die Wun­schvorstel­lung dessen darstellen mag, was sich mit Bar­bie spie­lende Jung­men­schen (in der Regel weib­lichen Geschlechts) als “süßen Jun­gen” vorstellen und auch vorstellen sollen.

Wo bleiben die Punks, die Met­aller, die Rock­er, die Säufer, die Kif­fer? Wo bleibt die Emanzi­pa­tion des Mannes in der heilen rosa Wun­der­welt?

Ein Kom­men­ta­tor unter dem oben zitierten Ein­trag fragt übri­gens:

Warum gibt es keinen weib­lichen Auto­bot (Trans­form­ers)? Warum hat das WINX-Uni­ver­sum nur weib­liche Hex­en­heldin­nen? Und, um es noch etwas plaka­tiv­er auszu­drück­en: Warum pro­duziert Always Binden nur für Damen?

Eben.

In den NachrichtenWirtschaft
Terrorbirnen

Der Zoll soll in Deutsch­land nach einem Verkaufsver­bot für Glüh­bir­nen die Ein­fuhr herkömm­lich­er Lam­p­en ver­hin­dern. Gestoppt wer­den soll vor allem der Ver­sand durch außer­halb der Europäis­chen Union ansäs­sige Onli­neshops, wie ein Sprech­er des Bun­deswirtschaftsmin­is­teri­ums der “Wirtschaftswoche” sagte. Bund und Län­der wollen ihr Vorge­hen dem­nach am Mon­tag berat­en.

Abge­fan­gene Glüh­bir­nen sollen laut “Wirtschaftswoche” entwed­er ver­nichtet oder an aus­ländis­che Inter­essen­ten ver­steigert wer­den.

So zu find­en auf Manager-Magazin.de. Es ist schön zu sehen, dass die Bürokratie in diesem Land noch funk­tion­iert, allerd­ings bin ich mir noch nicht sich­er, ob hier vielle­icht falsche Pri­or­itäten geset­zt wer­den. Die Gefahr für dieses Land, die von der Ver­wen­dung von Glüh­bir­nen aus­ge­ht, halte ich per­sön­lich doch für recht ger­ing, wenn man sie nicht ger­ade unlieb­samen Zeitgenossen ins Auge rammt.

Ob diese “Onli­neshops” wohl auch auf der Liste poten­ziell gefährlich­er Web­seit­en und somit eines Tages in den geplanten Fil­terlis­ten lan­den?
Oder vielle­icht geht den Ver­ant­wortlichen ja vorher ein Licht auf.

Um es wie Michael Mier­sch zu for­mulieren:
Glück­lich das Land, das solche Prob­leme hat.

Internes
In eigener Sache: Alle Systeme einsatzbereit.

Hal­lo, liebe Leser­schar,

wenn ihr diesen Text lest, ist diese Inter­net­präsenz auf einen neuen Serv­er umge­zo­gen. Damit dürfte die Erre­ich­barkeit, die doch hin und wieder nicht gegeben war, deut­lich zunehmen, mithin auch die Zeit zum Laden dieser Seite deut­lich abnehmen.

Ein net­ter Neben­ef­fekt ist, dass der neue Serv­er nun­mehr endlich in der Lage ist, mit anderen Weblogs zu kom­mu­nizieren; so wer­den nun diverse track­backs versendet. Ich möchte mich bei den betrof­fe­nen Weblog­gern, die plöt­zlich eine recht große Menge an Benachrich­ti­gun­gen bekom­men, entschuldigen und bei Dif­fer­entStars für den Hin­weis bedanken. Betra­chtet bei­des hier­mit als erledigt.

Für die anderen von euch, liebe Leser, ändert sich nichts. Bei­de euch bekan­nten Adressen sind weit­er­hin erre­ich- und nutzbar. Keine Sorge — ihr kön­nt eure Leseze­ichen belassen.

:)

Hier und da kön­nten noch kleinere Ungereimtheit­en beste­hen; diese wer­den, sofern gemeldet, bald beseit­igt. Außer­dem werde ich in den näch­sten Tagen einige kleinere Umbaut­en vornehmen, selt­sames Ver­hal­ten der Seite ist also kurzzeit­ig zu erwarten.
Danke für die Aufmerk­samkeit!

PersönlichesPolitikNetzfundstücke
Apropos “Kinderpornosperren”

Irgend­wie belusti­gend ist’s ja auch, dass es offen­bar einen unver­hält­nis­mäßi­gen Aufwand bedeutet, die Anbi­eter, auf deren Servern gegen Men­schen­rechte ver­stoßende Inter­net­seit­en liegen, auf diesen Umstand hinzuweisen, aber es nur weni­gen Briefverkehrs bedarf, um unlieb­same Satire zu ent­fer­nen.

Und die Briefe hätte man sich, genau genom­men, auch sparen kön­nen, wenn es endlich den geplanten Fil­ter gäbe!

Aus­nahm­sweise mal ein per­sön­lich­er Kom­men­tar hierzu:
Ich bin ja mal ges­pan­nt, wie viel Prozent­punk­te die CDU/CSU bei den näch­sten Wahlen bekom­men wird. Wenn es nur nach der Anzahl der Schäu­ble- und von-der-Leyen-Protest­seit­en geht, ver­mut­lich keinen einzi­gen. Aber ich nehme an, die Kon­se­quenz im Denken und Han­deln erschöpft sich bei dem Großteil ihrer Kri­tik­er darin, erbost in Inter­net­foren zu disku­tieren. Na dann…

MusikProjekteIn den Nachrichten
Hirngrenzen 2.0

Da bald wieder die Hal­b­jahres­liste anste­ht (huch, schon wieder so viel neue Musik), kommt es mir nur gele­gen, dass ich nun­mehr viel Gele­gen­heit bekomme, in Übung zu bleiben:

Zusam­men mit Peter von den Schall­gren­zen und eini­gen weit­eren Proban­den bin ich seit eini­gen Tagen Teil eines Rezen­sion­skomi­tees, das unab­hängig voneinan­der aktuelle CDs bew­ertet, die nicht allzu weit vom main­stream und damit dem Pub­likum­sin­ter­esse ent­fer­nt sind. Das Ziel ist es, möglichst unter­schiedliche Mei­n­un­gen über ein Album zu sam­meln, da jed­er der Beteiligten einen eige­nen Musikgeschmack entwick­elt hat und somit eine andere Klien­tel ver­tritt.

Der erste Teil dieser losen, “Sound­check” genan­nten Rei­he bildet das Album “Con­trol­ling Crowds” der Triphop-Gruppe Archive. Wer noch zögert, es zu erwer­ben, kann sich hier ein Bild davon machen.


Die Def­i­n­i­tion des “Amok­laufes” ist, das wis­sen wir inzwis­chen, eine recht sub­jek­tive. Die weich­esten, schwammig­sten (wie steigert man das eigentlich?) Gren­zen hat, wie so oft, der SPIEGEL heute geset­zt:

Amokalarm an einem Gym­na­si­um in St. Augustin: Nach ein­er Messer­at­tacke auf eine Schü­lerin hat die Polizei eine Fah­n­dung nach ein­er 16-Jähri­gen aus­gelöst. Sie soll nach einem Stre­it auf ihre Mitschü­lerin los­ge­gan­gen sein und diese an der Hand leicht ver­let­zt haben.

(Her­vorhe­bun­gen von mir.)

Diese tat­säch­liche Tat, die jeden­falls für mich so weit eher wie eine Affek­thand­lung scheint, wird in dem Artikel ergänzt durch etliche Ver­mu­tun­gen und ern­sthafte Zweifel daran, dass die Flüchtige tat­säch­lich einen Amok­lauf geplant hat­te. So ist das oft, wenn man über Ereignisse bericht­en soll, an denen man selb­st nicht beteiligt ist.

Die Def­i­n­i­tion des Amok­laufs erlaubt dem Jour­nal­is­mus, so scheint es, noch immer zu viele Frei­heit­en. Ein neues Wort muss her.

Hat jemand einen Vorschlag?

Nach­trag:
Die Tagess­chau weiß inzwis­chen mehr und nen­nt endlich mal konkrete Fak­ten. Der geplante Amok­lauf bleibt noch immer ein “vager Ver­dacht”, jedoch wur­den mit­tler­weile die Indizien für einen solchen klar benan­nt.
Warum nicht gle­ich so?

SonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Heul doch!

Bei “DSDS” flen­nte sich Daniel an die Spitze, für “Deutsch­land tut was!” wurde in der ARD für den guten Zweck eben­falls auf die Trä­nen­drüse gedrückt. Beim Fernse­hdu­ell zwis­chen Altru­is­mus und Pop­kap­i­tal­is­mus ging RTL klar als Sieger her­vor.

Chris­t­ian Buß analysiert den trä­nen­be­wehrten Kampf um die Ein­schaltquoten über­aus tre­f­fend. Ein Hoch auf das, was gemein­hin als große Gefüh­le tit­uliert, gar bewor­ben wird! Dass diese Gefüh­le allerd­ings respek­tiert, ihre Pro­tag­o­nis­ten geachtet wer­den, ste­ht lei­der zu bezweifeln, ist doch der Ter­mi­nus der Trans­parenz bei Medi­enereignis­sen wie den ein­gangs genan­nten ohne­hin kaum gegeben. Da kann der Ein­fluss der Zuschauer noch so sehr her­vorge­hoben wer­den; wer bei Gesangs­dar­bi­etun­gen wie den jüngst auf RTL gezeigten als Sieger her­vorge­ht, hat dies nur periph­er der Gun­st des Pub­likums zu ver­danken. Für die regelmäßige Finalkon­stel­la­tion — zwei Final­is­ten, zwei Geschlechter — muss der Zufall schon mehr als nur die Fin­ger im Spiel gehabt haben, da doch im Vor­feld der männliche Final­ist (und übri­gens Gewin­ner, was auch immer dies bedeuten mag) vom Feuil­leton, nicht ganz zu Unrecht, mit nicht allzu großen Chan­cen auf den Sieg bedacht wurde.

Jedoch, wie so oft, errang offen­bar der­jenige den Sieg, der beim Aus­bruch von Emo­tio­nen am sym­pa­this­chsten aussieht. Per­verse Welt eigentlich.