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Medienkritik XI: Ruhrbarone gegen die Piraten

Mediale Aufmerksamkeit hat der wegen Besitzes von kinderpornografischem Material unter Beschuss stehende Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss durch seinen Wechsel zur Piratenpartei erhalten; eine willkommene Gelegenheit für mancherlei Personen, die Partei unter Generalverdacht zu stellen.

Und welch grober Unfug dabei entstehen kann! Das eher konservative Weblog Ruhrbarone.de macht es jedenfalls genau falsch:

Wenn er verurteilt wird, habt Ihr Euch dem erste überführten Kinderschänder im deutschen Parlament an den Hals geschmissen – nur um auch mal im Bundestag zu sein.

Zu einem „überführten Kinderschänder” wird man mit Sicherheit nicht dadurch, dass man derartiges Material besitzt. Wer Videoaufnahmen von Kriegen, auf denen Morde zu sehen sind, besitzt, ist ja auch noch lange selbst kein Mörder.

Nebenbei bemerkt: Erst vor wenigen Wochen wurde Ursula von der Leyen aus ähnlichen Gründen angezeigt, dennoch schrieb am Folgetag meines Wissens keine Tageszeitung, die CDU habe „überführte Kinderschänder” in ihren Reihen, und der Ruf nach Ausschluss der Politikerin aus der Partei wurde auch nicht laut.

Folgerichtig hieß es übrigens damals:

„Keine Anzeichen für ein strafbares Verhalten Frau von der Leyens”, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald.

Frau von der Leyen führt kinderpornografisches Material öffentlich vor, um ihre Ziele zu verdeutlichen, und kommt straffrei davon; Herr Tauss bringt (vermutlich) ähnliches Material in seinen Privatbesitz, um sich ein eigenes Bild von der Sachlage zu machen, und wird allgemein gescholten? Was für eine Doppelmoral wird in den Medien eigentlich vertreten?

Eine sachliche Berichterstattung hat immerhin heise online hinbekommen:

Tauss hatte zu den Vorwürfen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material erklärt, es sei die Pflicht eines Volksvertreters, „sich eine eigene Meinung zu dringenden gesellschaftlichen Problemen zu bilden”.

Nur ein Gedankenspiel: Wie viele Menschen, die den Terminus „Kinderpornografie” nur in Verbindung mit den Adjektiven „widerlich” oder „ekelhaft” kennen und verwenden, haben sich bislang eigentlich selbst ein Bild davon gemacht? Ich meinerseits werde mich hüten, über etwas zu urteilen, bevor ich es bewerten kann. Ich bin kein Freund davon, fremde Meinungen nachzuplappern.

Der Piratenpartei, der das Verfahren nun sicherlich nicht anzulasten ist, wurden schon ganz andere Dinge vorgeworfen; da freue ich mich schon beinahe auf die folgenden Schlagzeilen, in denen die Wähler der Piratenpartei direkt für den Missbrauch von Kindern verantwortlich gemacht werden.
Überraschend wäre solcherlei keinesfalls.

Senfecke:

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