PolitikIn den Nachrichten
Mord ist ihr Hobby

Althauscontainer: http://twitpic.com/d9rtqSo sind sie, die großen Volksparteien im Wahlkampf:
Nach­dem der Thüringer CDU-Vorzeige­poli­tik­er Dieter Althaus ein Men­schen­leben been­det hat­te, war er aus gesund­heitlichen Grün­den nicht in der Lage, sich hierzu zu äußern oder gar Kon­se­quen­zen zu ziehen.

Irgend­wann waren die zahllosen Rufe, Althaus möge doch bitte seine Ämter nieder­legen, nur noch schwach zu vernehmen, und der Min­is­ter­präsi­dent blühte wieder auf, ja, er nutzte den Ski­un­fall gar, um sich anzu­biedern, und es tat ihm alles furcht­bar Leid — klar, es gab eine Wahl zu gewin­nen, und Wäh­ler sind seit jeher für ihr schlecht­es Gedächt­nis bekan­nt. (CDU? Waren das nicht die mit der Mehrw­ert­s­teuer?)

Es geht um Machter­halt, nicht um Glaub­würdigkeit. Der Wäh­ler will den Rück­tritt? Bis zur näch­sten Wahl dauert es noch lange genug.

Nur dies­mal kon­nte sich der Wäh­ler, wider Erwarten, mal etwas merkeln merken:

1. Sep­tem­ber: Vera Lengs­feld hat sich als erste promi­nente Union­spoli­tik­erin für den Rück­tritt von Min­is­ter­präsi­dent Dieter Althaus (CDU) aus­ge­sprochen. Man müsse der SPD “einen überzeu­gen­den Grund geben, mit der CDU zu regieren”, sagte die frühere DDR-Bürg­er­recht­lerin.
2. Sep­tem­ber: Thüringer CDU hält um jeden Preis an Althaus fest
3. Sep­tem­ber: Min­is­ter­präsi­dent Dieter Althaus tritt zurück.

Schade, dass man dafür erst eine Wahl ver­lieren musste.

Sonstiges
Medienkritik XV: Wunderliche actimel-Werbung

Da ger­ade schon wieder diese grausige actimel-Wer­bung mit dem vol­lkom­men natür­lich wirk­enden Durch­schnittsstu­den­ten lief, frage ich mich im Nach­hinein, ob ihm selb­st eigentlich aufge­fall­en ist, für welch frag­würdi­ge The­sen er da eigentlich in die Kam­era grinst.

  • “Eine Gruppe trank actimel, die andere nicht.“
    Wovon hat sich die andere in der Zeit ernährt? Das wird sicher­heit­shal­ber nicht erwäh­nt. Aber ist eigentlich irgend­wo die Rede davon, ob es der Nicht-actimel-Gruppe nach Ablauf der Testzeit sig­nifikant schlechter ging?
  • “Ich war ja erst skep­tisch, (…) am Ende hab ich dann erfahren, dass die pos­i­tive Wirkung auch in der Studie bestätigt wurde.“
    Schön, wenn Stu­di­en The­sen bele­gen; weniger schön, wenn die These so schwammig for­muliert ist, dass man sie sich auch hätte sparen kön­nen. Die ominöse “pos­i­tive Wirkung” wird jeden­falls nicht näher belegt. Stärkere Abwehrkräfte ver­schafft actimel ange­blich, so das Mot­to des Pro­duk­ts; die Erkrankungsrate der Ver­gle­ich­sziel­gruppe muss dem­nach höher gewe­sen sein. Wie wurde das gemessen? Wurde gar eine Erkäl­tung provoziert?
  • “… dann hab ich gemerkt, dass es mir echt gut tut.“
    Anders aus­ge­drückt: Hin­ter­her fühlt man sich “bess­er”. Satt, gesund? Wer weiß. Nach ein­er Tasse grü­nen Tees füh­le ich mich allerd­ings auch bess­er, und das weit preiswert­er. Was ist nun den Mehrpreis wert? Wom­öglich die Kosten für die Wer­bekam­pagne.

Ich grat­uliere jeden­falls dem Sport treiben­den, sich gesund ernähren­den, vol­lkom­men natür­lich wirk­enden Durch­schnittsstu­den­ten, der nach Ablauf der Studie nicht krank gewor­den ist. Das allerd­ings hätte ich auch ohne actimel geschafft.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Die Musikindustrie, der Fernsehpreis und die Groteske an sich

Ich wün­schte, ich kön­nte zum zehn­ten Jubiläum der Sendung Wer wird Mil­lionär? an dieser Stelle über ein entspan­nteres Ver­hält­nis der Men­schheit zum Geld bericht­en, aber Pustekuchen:

Offen­bar bed­ingt durch die gesunke­nen Ein­nah­men, seit Nutzer von File­shar­ing­pro­gram­men in Deutsch­land weit­ge­hend ihre Ruhe vor unangemesse­nen Straf­forderun­gen haben dürften, beschre­it­et die Indus­trie jet­zt kreati­vere Wege (irgend­woher muss das Geld für die Pro­duk­tion drit­tk­las­siger Pop­schnulzen ja kom­men), um an die gewün­scht­en Mehrein­nah­men zu gelan­gen: Sie lässt ihre weni­gen noch verbliebe­nen Kun­den teuer abmah­nen, wenn sie ver­suchen, ihre legal erwor­be­nen Ton­träger weit­erzu­verkaufen.

Weil dieser abmah­nende Anwalt sowohl gegenüber Tele­po­lis als auch gegenüber dem Spiegel darauf hin­wies, dass jemand, der “sich­er gehen” wolle, “im Zweifels­fall ein­fach gar keine alten Iron-Maid­en-Pro­duk­te verkaufen” solle, ver­mutet der Ettlinger Heavy-Met­al-Fan, dass die Abmah­nun­gen auch dem Zweck dienen kön­nten, Per­so­n­en, die ihre alten CDs verkaufen möcht­en, zu verun­sich­ern, um so das Gebrauch­tange­bot an legalen Ton­trägern zu verk­nap­pen, damit poten­tielle Käufer eher zu Neu­pres­sun­gen greifen, an denen die Band und die Rechtev­er­w­er­t­erindus­trie nochmals Geld ver­di­enen.

Was tun?
Auf der sicheren Seite ist man, so scheint es, derzeit, wenn man Iron-Maid­en-Ton­träger vor­erst maid­et mei­det. Jeden­falls im Han­del.


Eben­falls selt­sam, aber mit einem amüsan­teren Kon­text, wirkt die Auswahl der Kan­di­dat­en für den diesjähri­gen Deutschen Fernseh­preis, der weit vornehmer klingt, als er tat­säch­lich ist, auf nicht nur mich. Die Pointe ver­rate ich schon mal:

Dies­mal verklei­den sich Anke Engelke und Bas­t­ian Pastewka als volk­stümel­ndes Mod­er­a­tionse­hep­aar Wolf­gang und Anneliese und wer­den hof­fentlich ret­ten, was zu ret­ten ist. Vielle­icht wer­den sie dafür näch­stes Jahr wieder für einen Deutschen Fernseh­preis nominiert, zum Beispiel in der Kat­e­gorie „Bester Galaabend/Schraubstock“, zusam­men mit der zweit­en Hal­bzeit eines DFB-Pokalspiels und einem Klavier.

Fast so grotesk wie die Preisver­lei­hung selb­st, aber unbe­d­ingt lesenswert:
Der gesamte Artikel im Fernsehlexikon.

Hihi.

SonstigesFilmkritik
Medienkritik XIV: Inglourious Basterds

Als hochqual­i­ta­tiv­er Filmkul­tur gegenüber dur­chaus aufgeschlossen­er gele­gentlich­er Kinofilmkon­sument kam ich nicht umhin, dem neuesten Werk des geschätzten Quentin Taran­ti­no Beach­tung zu schenken.

Obwohl ich im Vor­feld darüber informiert wurde, dass Til Schweiger als ein­er der bei­den (*) deutschen Schaus­piel­er, die nahezu jed­er Rolle, die sie spie­len, mit ihrem Gesicht und ihrer Darstel­lung den immer gle­ichen (will meinen: ein­töni­gen) Charak­ter ver­lei­hen, eben­falls mit­spielt, haben sich meine Befürch­tun­gen nicht bestätigt, seine Rolle hat sich in das Gesamt­bild des Films naht­los einge­fügt. Allein dafür: Cha­peau, Herr Taran­ti­no!

Weniger erfreulich allen­falls sind die Kri­tiken der deutschen Medi­en wie auch die Selb­stkri­tik der Darsteller; Til Schweiger selb­st erwäh­nte in einem anschließend geführten Inter­view, er habe sich noch tage­lang dafür geschämt, eine SS-Uni­form getra­gen zu haben. Ja, her­rje, ist das jet­zt ein Recht­fer­ti­gungsver­such? Es ist nicht verkehrt, sich als Schaus­piel­er auch mit sein­er Rolle zu iden­ti­fizieren, aber sich dafür zu schä­men halte ich doch für über­zo­gen. Warum nimmt ein deutsch­er Schaus­piel­er eine Rolle als SS-Führungskraft an (und bekommt eine wom­öglich nicht uner­he­bliche Summe Geldes hier­für), wenn er sie hin­ter­her madig redet? — Nein, so recht glaub­würdig ist das nicht.

Damit jedoch liegt er auf ein­er Lin­ie mit Jens Jessen, c/o Die Zeit:

Der Erfolg des Filmes in den deutschen Kinos wird übri­gens auch davon leben, dass sich das Pub­likum natür­lich nicht mit den Deutschen von damals, son­dern mit den amerikanisierten Juden iden­ti­fizieren wird. Für die Nachge­bore­nen ein Fest der Selb­st­gerechtigkeit. Alle wer­den auf der richti­gen Seite das Splat­ter­movie goutieren.

“Die richtige Seite” ist also die, die sich selb­st von sich dis­tanziert, um nicht verse­hentlich erkan­nt zu wer­den.

Zen­trale Frage in all diesen vor­sichti­gen Kri­tiken zu “Inglou­ri­ous Bas­ter­ds” scheint diese zu sein:
Darf man als Deutsch­er einen Film gut find­en, in dem die ver­fol­gten Juden einen Anschlag auf die Reichs­führung pla­nen und damit sog­ar Erfolg haben?

Ich halte dage­gen:
Falls nicht, darf man stattdessen jene Atten­täter als Helden feiern, die tat­säch­lich solcher­lei ver­sucht­en, aber gescheit­ert sind?

Inglou­ri­ous Bas­ter­ds ist, wie die meis­ten Filme Taran­ti­nos, auch eine Satire, aber keines­falls eine Doku­men­ta­tion. Es ist — wie schon Taran­ti­nos “Kill Bill” — ein Film, in dem die, denen Unrecht wider­fahren ist, Rache nehmen an ihren Unter­drück­ern. Im Film bleiben diejeni­gen Sieger, denen man es außer­halb des Filmes hierzu­lande seit 64 Jahren nachträglich wün­scht.

Kehrt sich die Moral ins Gegen­teil, wenn sich die Guten im Film der Meth­o­d­en der Bösen im wirk­lichen Leben bedi­enen?

Ich jeden­falls betra­chte den Film Inglou­ri­ous Bas­ter­ds als das, was er ist:
Eine durch­weg unter­halt­same Fik­tion mit ein­er — sit venia ver­bo — saucoolen Haupt­fig­ur, die bis zur let­zten Minute span­nend bleibt.

Und somit ein Film, für den es offen­bar einen Quentin Taran­ti­no brauchte, gemessen an den zahlre­ichen Ödnis­sen der let­zten Jahre, die als Meis­ter­w­erke angekündigt waren, bei denen sich mir aber schon beim Lesen der Inhalt­sangaben ein Gäh­nen auf­drängte.

Ganz großes Kino!
Ihr dürft mich gern zitieren.


(*): Der andere ist, übri­gens, Moritz Bleib­treu.

MusikNetzfundstücke
oasisinet.com: Geoasist! (Kicher.)

Guten Abend, liebe Schöpfer von Neol­o­gis­men!

Gegen Mit­ter­nacht wurde auf der Oasis-Web­site bekan­nt gegeben, dass Noel Gal­lagher die Band ver­lassen hat. Das ist nun über 22 Stun­den her, und die Seite ist immer noch nur schw­er erre­ich­bar. Abge­se­hen davon, dass jet­zt wegen der nur schw­er erre­ich­baren Quelle dieser Infor­ma­tion zahlre­iche Gerüchte über die Hin­ter­gründe und eine mögliche Auflö­sung kur­sieren und mir den Fee­dread­er ver­stopfen: Erfind­et ihr nach geheist und ges­lash­dot­tet jet­zt eigentlich auch geoa­sist?

Nur so als Frage.

MusikPolitikSonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Wir springen über’s Sommerloch

So, weit­er geht’s. Ich hoffe, ihr hat­tet trotz fehlen­der Unter­hal­tung durch diese Inter­net­präsenz ein paar angenehme Wochen.
Vielle­icht sollte ich häu­figer pausieren; kaum war hier Sende­pause ange­sagt, über­schlu­gen sich die Ereignisse im Land.

Frank-Wal­ter Steineimer Stein­meier ließ sich von eini­gen SPD-Inter­essierten befra­gen, nur Antworten hat­te er nicht parat: Bürg­er fra­gen, Stein­meier fragt zurück. Und ganz neben­bei ver­wen­dete man bei SPON, ver­mut­lich unbe­dacht, den Begriff der “wider­rechtlichen Tötung”, bei dem ich noch immer gern wüsste, wie recht­mäßige Tötung eigentlich funk­tion­iert.

Im ZDF war indes kür­zlich ein Konz­ert anlässlich des zwanzigjähri­gen Beste­hens der Fan­tastis­chen Vier zu sehen. Von der trotz fort­geschrit­te­nen Alters sichtlich motivierten Com­bo, deren Lieder wohl auch wegen der reflex­iv­en, nach­den­klichen Texte vie­len Men­schen einen wichti­gen Teil des Lebens ergeben, wurde unter anderem das Stück “Som­mer­re­gen” aufge­führt, nach dessen Genuss ich erst mal eine Pause brauchte:

Komm, wir lehnen uns wieder gegen den Wind,
und wir erleben im Regen, wessen Wege es sind,
wenn wir schick­salsergeben uns im Tal begeg­nen,
um Trä­nen zu zählen im Rinnsal des Lebens.

Puh. Danke dafür.


Nicht ohne Belus­ti­gung hinge­gen nahm ich einige Zeit zuvor die recht neue Pro-Sieben-Com­e­dy-Sendung Bro­ken Com­e­dy wahr, die den Hang zur Geschmack­losigkeit schon im Namen trägt; aber zwis­chen Hip-Hop-Par­o­di­en und ähn­lichen Albern­heit­en ist dur­chaus auch hin­ter­gründi­ger Humor zu find­en. Wenn beispiel­sweise wöchentlich sämtliche Vorurteile über eine andere deutsche Stadt in Lied­form ver­ar­beit­et wer­den, hält das trotz der teils der­ben Wort­wahl der Gesellschaft, die diese Vorurteile auf­baut, den Spiegel vor und ist somit dur­chaus den (wen­ngle­ich sub­til­eren) Satiren der Titan­ic ver­gle­ich­bar.

Derb sein indes kön­nen die US-Amerikan­er bekan­ntlich immer noch am besten, und sie ver­suchen es auch am auf­fäl­lig­sten zu ver­ber­gen: Im Schul­bezirk Hous­ton ist nun das Herum­schick­en selb­st ange­fer­tigter Nack­tauf­nah­men ver­boten, nicht nur das Senden, son­dern auch das Emp­fan­gen, was zwar eini­gen Sch­aber­nack ermöglicht, aber jeden­falls mich unweiger­lich zu der Frage führt, weshalb solche Maß­nah­men dort nötig sind. Eine Antwort, so fürchte ich, werde ich nie erhal­ten.

Irgend­wo zwis­chen Gesellschaft­skri­tik und Poli­tik bewegt sich auch Ste­fan Nigge­meier, der gemein­sam mit ix zu ver­ste­hen ver­sucht, warum kurz vor den Wahlen aus­gerech­net eine Wahlkampf-Par­o­die mehr medi­ale Aufmerk­samkeit bekommt als der tat­säch­liche Machtkampf zwis­chen Union und SPD:

Es scheint einen bre­it­en Kon­sens unter Jour­nal­is­ten zu geben, dass die 18 Prozent, die Horst Schläm­mer ange­blich bekom­men würde, wenn er bei den Bun­destagswahlen anträte, ein Armut­szeug­nis für die Poli­tik seien. Dass die ganze Geschichte ein Armut­szeug­nis für ihren eige­nen Beruf­s­stand sein kön­nte, darauf kom­men sie nicht.

Gut gebrüllt, Löwe!

Schön, wieder da zu sein. Hof­fentlich bleibt die Welt so ver­rückt.


(Apro­pos “ver­rückt”: Warum heißt die Deutsche Post eigentlich Deutsche Post? [gefun­den hier])

Persönliches
Blogurlaub 2.0

Vorsicht im Urlaub!Werte Leser­schar,

wie angekündigt wird jet­zt hier ein paar Tage lang nichts passieren. Ich genehmige mir, zeitweise fern der Heimat, ein paar Tage Auszeit von der virtuellen Real­ität, um neue Kräfte in jed­welch­er Hin­sicht zu sam­meln.

Weit­er geht’s, so ist es jeden­falls geplant, spätestens Anfang Sep­tem­ber. Bis dahin lasse ich mir einen Bauch wach­sen und ein wenig Sonne auf ihn scheinen. Vielle­icht auch ander­sherum.

Ich hoffe, einige von euch anschließend wieder als regelmäßige Leser dieser flauschi­gen Inter­net­präsenz begrüßen zu dür­fen.
Fast bin ich geneigt, mich mit einem dieser abge­drosch­enen juve­nilen Päd­a­gogen­sprüche — “Wir sehen uns in alter Frische!” — zu ver­ab­schieden, aber an diesem Satz stimmt in diesem Fall nahezu gar nichts. Von “sehen” kann hier keine Rede sein, “Frische” ist auch eher rudi­men­tär vorhan­den.

(Wobei ich die Hoff­nung hege, dass sich dies nach mein­er Rück­kehr merk­lich geän­dert haben wird. “Wir wer­den in hof­fentlich neu erwor­ben­er Frische indi­rekt Kom­mu­nika­tion betreiben!”? Das klingt selb­st für einen Ein­trag auf dieser niveaulosen Seite reich­lich wun­der­lich.) …

Sei’s drum.
Bis später!

PersönlichesFotografie
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Morgens im August in Begleitung eines Haustiers (Versuch 2)

Nach ein­er eigentlich zu kurzen Nacht, der Son­nenauf­gang war schneller als man selb­st, ver­lässt man das Haus. Das ferne Zwitsch­ern des frühen Vogels dringt durch die Stille der Kle­in­stadt wie durch Nebel. Der vier­beinige Begleit­er beg­ibt sich, gle­ich­sam schweigend, auf die Suche nach ver­traut­en Gerüchen.

Die Sonne, die noch zwis­chen den Däch­ern schwebt, färbt die Bäume am Weges­rand leuch­t­end grün, deren Duft den Raum erfüllt, dessen Wegen man fol­gt. Als wäre es Lebensen­ergie, atmet man tief ein, um den Geruch des Som­mer­mor­gens, jeden sein­er Bestandteile, in sich aufzunehmen. Inmit­ten dieser Szene hüpfen junge Vögel umher und begrüßen den Tag.

Guten Morgen.

All die Ein­drücke, die so aufeinan­der tre­f­fen, lassen ein eige­nar­tiges Gefühl entste­hen. Etwas bre­it­et sich im Inneren aus. Für einen kurzen Moment ist man allein mit sich selb­st.

Ger­ade rechtzeit­ig kommt der Vier­bein­er zurück, schaut erwartungsvoll und set­zt auf ein kaum merk­lich­es Zeichen hin seine Erkun­dungsreise fort.
Wie, denkt man dann, macht so ein Hund das eigentlich mit dem Glück­lich­sein?

PolitikProjekteNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik XIII in gebotener Kürze: Ilona Christen und die indirekte Rede.

Argh bzw. “gut” gemacht, SPIEGEL online:

Ihr Ehe­mann sagte dem “Son­ntags­Blick” zufolge, seine Frau sei gestürzt und habe sich dabei ein Hämatom und schließlich eine böse Blutvergif­tung zuge­zo­gen. “Ein Sturz, ein Hämatom und eine böse Blutvergif­tung gin­gen dem Abschied voraus”.

Außer­dem, heißt es, habe sie sich, verur­sacht durch einen Sturz, ein Hämatom und eine böse Blutvergif­tung einge­fan­gen. Mir war jeden­falls, als hätte ich das irgend­wo gele­sen.


Und “irgend­wo gele­sen” hat so manch­er dieser Tage auch Wahlkampf­phrasen mit den Schlag­worten “Inter­net” und “rechts­freier Raum”, oft in einem sach­lich schlicht falschen Zusam­men­hang von Poli­tik­ern ein­er Gen­er­a­tion geäußert, die mit dem Inter­net noch nicht aufgewach­sen sind, zum Beispiel auf der Inter­net­seite des Ham­burg­er Abend­blatts.

Nein, ver­glichen mit dem tat­säch­lichen Leben ist das Inter­net mit­nicht­en ein rechts­freier Raum, vielmehr das Gegen­teil. Manch­es Ver­hal­ten ist im Netz weitaus gefährlich­er als im realen Leben. Und daran wird sich offen­bar auch in der näch­sten Zeit nichts ändern.


Übri­gens bastele ich in den Semes­ter­fe­rien natür­lich auch hin und wieder ein wenig an meinen Pro­jek­ten:

Seit gestern ist Open­Down­load 2.1.1 ver­füg­bar; die Fire­fox-Erweiterung, die die aus anderen Browsern bekan­nte “Ausführen”-Schaltfläche im Dia­log “Datei spe­ich­ern” hinzufügt, funk­tion­iert jet­zt auch mit Sea­Mon­key. Eben­falls ist eine neue Ver­sion von eMule beba bere­its seit eini­gen Wochen fast fer­tig™, es sind nur noch einige kleine Kor­rek­turen vorzunehmen.
Über weit­er­hin reges Inter­esse freue ich mich natür­lich sehr und danke allen zufriede­nen Nutzern. :)

PersönlichesMusikKaufbefehleMusikkritik
Qarpa — inZhYR / Hildesheim statt Heino

Oha: Als ich ger­ade den Dateiord­ner mit den noch unsortierten Musikalien öffnete und wahl­los divers­es probe­hörte, fiel mir erneut ein für mich recht untyp­is­ches Stück Musik — will meinen: Alter­na­tive, Pop, irgend­was in dieser Rich­tung — auf.

Bei der solcher­lei Musik inter­pretieren­den Musik­gruppe des Namens Qarpa mit dem sym­pa­this­chen Pin­guin auf ihrer Inter­net­seite han­delt es sich nach meinem gegen­wär­ti­gen Ken­nt­nis­stand um ein Damen­quin­tett aus Kiew in der Ukraine. Front­frau ist Ire­na Karpa, die im ukrainis­chen Raum laut Wikipedia neben­bei wohl auch für ihre Tätigkeit als Foto­mod­ell in ein­schlägi­gen Män­ner­magazi­nen bekan­nt sein dürfte.

Diese Musik­gruppe jeden­falls macht gar nicht mal so üble Tanz­musik mit her­rlich alber­nen Chore­ografien in zum Beispiel diesem Musikvideo. Worum es textlich geht? Gute Frage — ich kann kein Ukrainisch. Spaß macht’s aber auf jeden Fall, und wenn die Anzahl der Suchergeb­nisse im Inter­net ein Indiz für Bekan­ntheit ist, hat Qarpa so wenig Aufmerk­samkeit, wie ich meine, mit­nicht­en ver­di­ent.

Rein­hören, dazu wüst herumhüpfen, gut find­en und kaufen — emp­fohlen wird’s in dieser Rei­hen­folge.


Apro­pos “wüst herumhüpfen” und als total unauf­fäl­lig platzierte Wer­beanzeige in jeden­falls teil­weise eigen­er Sache zu ver­ste­hen:
In Hildesheim — genauer: in der Kul­tur­fab­rik — find­et am 7. Novem­ber für tat­säch­lich nur wenig Geld ein von den Schall­gren­zen organ­isiertes Konz­ert mit gle­ich zwei bravourös klin­gen­den Postrock­bands, namentlich Nihiling und Her­melin, statt. Ich werde voraus­sichtlich eben­falls dort sein und Bericht erstat­ten.

Natür­lich kön­nte man am 7. Novem­ber stattdessen auch zu Heino. Aber das kostet mehr und ist, nehme ich an, nicht ganz so atmo­sphärisch.

Weit­ere Infor­ma­tio­nen gibt es im Schall­gren­zen-Konz­er­te­blog. Entschei­det selb­st!

PersönlichesWirtschaft
In Zeiten flauer Wirtschaftslage…

… muss ein Staat mit der Zeit gehen:

(+Xenion) voll übel das kasi­no wo ich arbeite gehört dem staat ^^
(+Xenion) der staat kriegt die kohle, die die leute ver­lieren .…

So ist’s richtig, Robin Hood!


(Warum weigert sich das viel gepriesene Som­mer­wet­ter eigentlich behar­rlich, mal ein paar Tage am Stück zu ver­weilen? Man traut sich ja kaum noch vor die Tür. — Eigentlich schade, lädt der Juli doch gewohn­heitsmäßig zum Vordi­etürge­hen ein.
Ich hoffe, im August wird’s bess­er; dann mache ich hier ein paar Tage Pause und gönne mir ein biss­chen Ferien. Aber dazu schreibe ich später noch was.)

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Die Wiederentdeckung der Studioanimationen

Das ZDF hat ein neues Nachricht­en­stu­dio bekom­men, in dem alles noch mod­ern­er und mul­ti­me­di­aler wirken soll; aber wie bei dem mehrere Schü­ler­gen­er­a­tio­nen pla­gen­den Prob­lem “Pow­er­point-Ani­ma­tio­nen oder lieber brauch­bare Inhalte?” wird auch hier wieder sinn­los irgend­was ani­miert, ohne dadurch einen echt­en Mehrw­ert zu erhal­ten; Nachricht­en sollen nicht auf Kosten der Gebühren­zahler span­nend sein und unter­hal­ten, sie sollen informieren. Wann ler­nen die Ver­ant­wortlichen das endlich?

Pein­lich vor allem, wenn man’s mit der Medi­en­nutzung übertreibt:

Man braucht kein virtuelles Stu­dio, um zu zeigen, wo es bei einem Atom­kraftwerk gebran­nt hat. Im Gegen­teil: Man würde es bess­er ver­ste­hen, wenn nicht ein Mod­er­a­tor unge­lenk neben den Ani­ma­tio­nen herum­stünde und mit der Hand vage in einen leeren Raum zeigte.

Ich weiß schon, warum ich nur noch sel­ten fernse­he. Es ist ein­fach zu albern.


Auch nicht schlecht übri­gens:

Blake Field­er-Civ­il beansprucht einen Teil des Ver­mö­gens sein­er geschiede­nen Frau Amy Wine­house, weil er sie erst durch sein Ver­hal­ten zu ihrem Album inspiri­ert habe — indem er fremdg­ing.

Selb­st, wenn dies erfol­g­los bleibt: Grandios!