In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Pira­ten­schiff im Kreuzfeuer

Ich sehe mich bei all dem dum­men Zeug, das man in den Medi­en der­zeit schon wie­der über die Pira­ten lesen muss, außer Stan­de, von einem wei­te­ren Ein­trag der Kate­go­rie „Poli­tik” hier abzu­se­hen, und ich möch­te ihn nut­zen, um zwei aktu­ell dis­ku­tier­ten Bestand­tei­len die­ses dum­men Zeugs ener­gisch zu wider­spre­chen, weil’s ja sonst mal wie­der kei­ner macht:

1. Die Pira­ten sind kei­ne „Män­ner­par­tei”!

Blog­ge­rin dani­lo­la, „im Her­zen Pira­tin”, ver­wei­gert der Pira­ten­par­tei der­zeit unter ande­rem ihre Stim­me, weil es sich um eine „Män­ner­par­tei” hand­le, die sich pri­mär mit Män­ner­the­men beschäf­ti­ge und „nur” männ­li­che Kan­di­da­ten aufstelle.

Zunächst zu zwei­te­rem Punkt: Hier irrt dani­lo­la, in eini­gen Wahl­krei­sen ste­hen die weib­li­chen Pira­ten sogar auf Platz 1. Dass nur weni­ge Frau­en über­haupt Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei sind und also über­haupt für Listen­plät­ze in Fra­ge kom­men, hat, so ist zu ver­mu­ten, weni­ger damit zu tun, dass die Pira­ten­par­tei eine „Män­ner­par­tei” wäre, als damit, dass den zen­tra­len The­men Inter­net und Daten­schutz gemein­hin das Eti­kett des „eli­tä­ren Nerd­wis­sens” anhaf­tet, womit sich, sta­ti­stisch gese­hen, eher Män­ner als Frau­en identifizieren.

Hat sich bis­lang eigent­lich schon jemand dar­über beschwert, dass das Amt des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­ni­sters seit 24 Jah­ren nur mit Frau­en besetzt wird? Mir wäre dies nicht bekannt. Fami­li­en­po­li­tik ist Frau­en­sa­che, und das ist voll­kom­men in Ordnung.

Ich füh­le mich dadurch übri­gens nicht im Gering­sten dis­kri­mi­niert und käme auch nie auf die Idee, die Regie­rung des­halb des Sexis­mus’ zu bezich­ti­gen. Von dem Pro­zent­satz der männ­li­chen Kin­der­gärt­ner (unge­fähr drei Pro­zent, las ich kürz­lich irgend­wo) mal ganz zu schweigen.

2. Die Pira­ten sind kei­ne Sym­pa­thi­san­ten irgend­wel­cher radi­ka­len Strömungen!

Der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Pira­ten­par­tei, Andre­as Popp, hat der rechts­kon­ser­va­ti­ven Zeit­schrift „Jun­ge Frei­heit” einen Arti­kel beschert, wie vor ihm unter ande­rem übri­gens auch Ephraim Kis­hon, dem ja nun wahr­lich wohl kaum jemand anti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen vor­wer­fen wür­de. Dass er sich und sei­ner Par­tei mit die­sem Inter­view auch kosten­lo­se Wer­bung in aus­ge­rech­net und iro­ni­scher­wei­se einem „feind­li­chen” Blatt ver­schafft hat, wird kon­se­quent nicht beach­tet, und was er in die­sem Inter­view sag­te, ist auch nicht von Inter­es­se; nein, die Vor­ei­li­gen und die Schrei­häl­se, die es ver­mut­lich noch nicht ein­mal gele­sen haben, dre­hen sich ihre eige­ne Wirk­lich­keit zurecht, radi­ka­li­sie­ren das Mas­sen­den­ken mit „unwähl­bar”-Gekreisch und hal­ten auch sonst nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Situa­ti­on zu machen. Cui bono?

Eine Wei­le zuvor hat­te ein deut­scher Poli­ti­ker sei­nen Rück­zug von der Platt­form abge­ord­ne­ten­watch ange­kün­digt, weil dort auch Ver­tre­ter der NPD zur Spra­che kom­men. Dass so ein Ver­hal­ten gera­de für einen Bun­des­tags­kan­di­da­ten höchst unde­mo­kra­tisch ist, hat unter ande­rem die Pira­ten­par­tei bemän­gelt; ein „undenk­ba­rer” Vor­gang, in den prompt NPD-Nähe hin­ein­in­ter­pre­tiert wurde.

Wäre die Kri­tik von ande­ren Par­tei­en gekom­men, hät­te man ver­mut­lich statt­des­sen applaudiert.

Die Pira­ten­par­tei ist eine Par­tei, die sich nicht auf die Fah­ne geschrie­ben hat, sich von irgend­ei­ner poli­ti­schen „Sei­te” ein­span­nen zu las­sen. Sie ist weder links noch rechts, sie macht Poli­tik für die Gesell­schaft und nicht für irgend­wel­che radi­ka­len Kräf­te. Natür­lich hat jede Par­tei Mit­glie­der, deren Welt­an­schau­ung bis­wei­len kru­de erscheint. Die F.D.P. hat­te unter ande­rem Jür­gen W. Möl­le­mann, den­noch wür­de sie nie­mand mehr in rechts­ex­tre­me Ecken stel­len wol­len. Die Pira­ten­par­tei hat­te Bodo Thie­sen und zehrt noch heu­te von des­sen For­mu­lie­run­gen, obwohl ihre übri­gen Mit­glie­der sich aus­drück­lich von Thie­sens Aus­sa­gen distan­ziert und ihm den Aus­tritt nahe gelegt haben. Das ver­ste­he, wer will.

Radi­ka­les Den­ken gibt es in jeder Par­tei. Inter­es­sant ist offen­bar nicht die­ses radi­ka­le Den­ken an sich, son­dern in wel­cher Par­tei der­je­ni­ge ist, der es äußert. Natür­lich ist es kurz vor der näch­sten Wahl attrak­tiv für die Anhän­ger der eta­blier­ten Par­tei­en, den Split­ter im Auge der unlieb­sa­men Kon­kur­renz zu ent­decken. Nur das mit dem Bal­ken im eige­nen Auge hat sich noch nicht über­all herumgesprochen.

Nein, die Pira­ten­par­tei ist sicher nicht „unwähl­bar”. Sie stellt immens wich­ti­ge For­de­run­gen und steht für eine Poli­tik, die näher an der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät ist als alle miss­lun­ge­nen „Refor­men” der letz­ten zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden. Nie­mand erwar­tet, dass sie ihre Zie­le qua­si über Nacht durch­setzt oder gar in abseh­ba­rer Zeit einen Teil der Regie­rung stellt. Aber sie hat es ver­dient, die not­wen­di­gen 5 Pro­zent der Stim­men zu bekom­men; genug, um sich in Bun­des­tags­de­bat­ten ein­zu­brin­gen, Anträ­ge zu stel­len und sich somit an der poli­ti­schen Bil­dung in die­sem Land aktiv zu beteiligen.

Ich schlie­ße mich dem Kom­men­tar von „tani­ne” in Andre­as Popps Web­log an:

Ich wäh­le eine Par­tei auf­grund ihres Inhalts, nicht auf­grund medi­en­po­pu­li­sti­scher Vorwürfe.

Geht wäh­len!
Es lohnt sich.


(Das war jetzt eigent­lich schon wie­der viel zu viel Text. Ent­schul­digt bitte.)

Senfecke:

  1. wenn du die pira­ten wählst und ihnen zu mind. 5 % ver­hilfst, wer­den die von DER PAR­TEI kom­men, und eine neu­wahl beim ver­fas­sungs­ge­richt bean­tra­gen, da sie wahl­wer­bung für die pira­ten gemacht haben und somit die wäh­ler beein­flusst haben, abge­se­hen von ihrer par­tei. :)
    wählt links! *lol*

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