In den NachrichtenNetzfundstücke
Die Musikindustrie, der Fernsehpreis und die Groteske an sich

Ich wünschte, ich könnte zum zehnten Jubiläum der Sendung Wer wird Millionär? an dieser Stelle über ein entspannteres Verhältnis der Menschheit zum Geld berichten, aber Pustekuchen:

Offenbar bedingt durch die gesunkenen Einnahmen, seit Nutzer von Filesharingprogrammen in Deutschland weitgehend ihre Ruhe vor unangemessenen Strafforderungen haben dürften, beschreitet die Industrie jetzt kreativere Wege (irgendwoher muss das Geld für die Produktion drittklassiger Popschnulzen ja kommen), um an die gewünschten Mehreinnahmen zu gelangen: Sie lässt ihre wenigen noch verbliebenen Kunden teuer abmahnen, wenn sie versuchen, ihre legal erworbenen Tonträger weiterzuverkaufen.

Weil dieser abmahnende Anwalt sowohl gegenüber Telepolis als auch gegenüber dem Spiegel darauf hinwies, dass jemand, der „sicher gehen“ wolle, „im Zweifelsfall einfach gar keine alten Iron-Maiden-Produkte verkaufen“ solle, vermutet der Ettlinger Heavy-Metal-Fan, dass die Abmahnungen auch dem Zweck dienen könnten, Personen, die ihre alten CDs verkaufen möchten, zu verunsichern, um so das Gebrauchtangebot an legalen Tonträgern zu verknappen, damit potentielle Käufer eher zu Neupressungen greifen, an denen die Band und die Rechteverwerterindustrie nochmals Geld verdienen.

Was tun?
Auf der sicheren Seite ist man, so scheint es, derzeit, wenn man Iron-Maiden-Tonträger vorerst maidet meidet. Jedenfalls im Handel.


Ebenfalls seltsam, aber mit einem amüsanteren Kontext, wirkt die Auswahl der Kandidaten für den diesjährigen Deutschen Fernsehpreis, der weit vornehmer klingt, als er tatsächlich ist, auf nicht nur mich. Die Pointe verrate ich schon mal:

Diesmal verkleiden sich Anke Engelke und Bastian Pastewka als volkstümelndes Moderationsehepaar Wolfgang und Anneliese und werden hoffentlich retten, was zu retten ist. Vielleicht werden sie dafür nächstes Jahr wieder für einen Deutschen Fernsehpreis nominiert, zum Beispiel in der Kategorie „Bester Galaabend/Schraubstock“, zusammen mit der zweiten Halbzeit eines DFB-Pokalspiels und einem Klavier.

Fast so grotesk wie die Preisverleihung selbst, aber unbedingt lesenswert:
Der gesamte Artikel im Fernsehlexikon.

Hihi.