MusikIn den Nachrichten
Nachrichten aus aller Welt: Dieter Bohlen ist ein Künstler.

Albern­heit des Tages, frisch aus dem ARD-Text kopiert:

Dieter Bohlen ist nach einem höch­strichter­lichen Urteil ein Kün­stler.

WDR.de hat hierzu eine passende Zwis­chenüber­schrift gefun­den:

Auch auf niedrigem Niveau kün­st­lerisch

So ist das mit der Kun­st. Oof!


(Auch recht kün­st­lerisch, aber zweifel­sohne bess­er als Dieter Bohlen: The Hid­den Cam­eras — In The Na.
Ist das Pop? Falls ja: Schade drum. Falls nicht: Juhu!
Anhören und inklu­sive des amüsan­ten Videos gut find­en wird wärm­stens emp­fohlen.)


Neben­bei auch nachträglich meinen Glück­wun­sch an die Bea­t­les:

Beatles sell 2.25 million albums

Und sie sind keinen Tag geal­tert! :)

(Den­noch möchte ich allen Lesern davon abrat­en, ein Album aus dem aktuellen Stereo-“Remaster”-Katalog der Bea­t­les zu erwer­ben. Hier wurde, wie heute lei­der üblich, aber­mals zwar dezent, aber dur­chaus fest­stell­bar der Loud­ness War bedi­ent, also die Laut­stärke wurde auf Kosten einiger kaum wahrnehm­bar­er Har­monien kün­stlich erhöht, so dass die Musik zwar voller klingt, aber es an Dynamik fehlen lässt. Für den Kon­sum mit­tels üblich­er Kleinan­la­gen ist dies sicher­lich nicht allzu rel­e­vant, aber mit steigen­der Aus­gabequal­ität von Musikan­la­gen steigt natür­lich auch die Wahrnehmung dieser Diskrepanz. Wenn euch ein sauberes Klang­bild wichtig ist: Fin­ger weg!
Das musste mal gesagt wer­den.)

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenFotografie
“Wir können ja mal zusammen Tee trinken.”

Ich kön­nte mich jet­zt an dieser Stelle natür­lich schon wieder über den Aufreger des vorigen Polit­tages echauffieren:

Gui­do West­er­welle set­zt voraus, dass Reporter ihn auf ein­er deutschsprachi­gen Pressekon­ferenz auf Deutsch befra­gen, und die Skan­dal­lüster­nen jubeln, grölen als Kom­men­tar zum Video gar — vorherse­hbar — “Nazi!”.

Darunter kön­nte ich seit­en­lange Argu­men­ta­tions­ket­ten führen, warum ich es für eine Frech­heit halte, dass deutsche Poli­tik­er sich auf Englisch befra­gen lassen sollen, aber kein­er wüste Beschimp­fun­gen pflegte, würde sich zum Beispiel ein englis­ch­er Min­is­ter ver­bit­ten, auf Deutsch befragt zu wer­den. Aber dann würde ich mich wieder nur aufre­gen und meine Leser lang­weilen, und davon bekommt man graue Haare.

Stattdessen ver­lasse ich das in let­zter Zeit hier über­hand nehmende Feld der Poli­tik, auch wenn sie die ver­lock­ende Möglichkeit zur Vertei­di­gung des Deutschen bietet, und schreibe stattdessen über dies hier:

Die aktuelle Bah­n­card-Wer­bung ist mal wieder her­rlich. Drei Frauen wer­den von ihren Män­nern mit ein­er Bah­n­card beschenkt, “um mal wieder was miteinan­der unternehmen zu kön­nen”, und fall­en auch noch auf diese Finte here­in. Hihi!

Und oben­drein noch ein amüsan­ter Schnapp­schuss aus Braun­schweig, dies­mal aus einem Parkhaus, zur Verdeut­lichung bemalt von mir:

Rauchverbot im gesamten Gebäude - auch hier!

Na bitte, es geht doch. Kein Stress, alles ganz lustig und entspan­nend.
Das war mal wieder nötig. Reicht aber auch wieder für heute.

:)

PiratenparteiPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Und diese Biene, die ich meine …

... nennt sich Maja!Schön, dass alles beim Alten bleibt: Die Delin­quenten reden immer noch kon­se­quent den gle­ichen Käse, nie­mand hat so recht ver­loren, man ver­gle­icht sich bezüglich der neben­bei auch noch stattge­fun­de­nen Land­tagswahlen gar mit der DVU, die “nur noch” ein Prozent erre­icht, was, wie auch alles andere, ein “großer Sieg” ist, für wen auch immer.

Clau­dia Roth, deren Partei nun nicht ger­ade erfol­gre­ich war, freute sich mit ihrem schrillen Tim­bre darüber, dass sie “deut­lich zugelegt” hat; andere fan­gen an zu rauchen, um genau das zu ver­hin­dern. Die SPD hat der­weil her­aus­ge­fun­den, dass sie die “Krise” unbe­d­ingt abwen­den muss und “auch weit­er­hin” hart dafür arbeit­en wird. Nach einem Jahr hat sie immer­hin bemerkt, dass diese “Krise” ent­ge­gen eigen­er Prog­nosen doch existiert. Grat­uliere!

Das bish­er schön­ste Wort des Tages ist, nach all dem Jamaika‑, Ampel- und son­stigem Koali­tion­squatsch, übri­gens Biene-Maja-Koali­tion. Schwarz-Gelb und das alles, mit den lusti­gen grü­nen Grashüpfern in der Oppo­si­tion. Es ist ein Spaß.

(Und was die viel gescholtene Piraten­partei ange­ht: “Zwei bis drei” Prozent, die den Falschen anderen Parteien jet­zt jeden­falls fehlen. Ich bin ges­pan­nt, wie viele im let­zten Moment noch schnell “beken­nende Pirat­en” jet­zt noch hin­ter den Zie­len der Partei ste­hen und wie viele sich als bloße Agi­ta­toren her­ausstellen. Soll­ten let­ztere nun die Lust ver­lieren, kann es der Piraten­partei nur zugutekom­men.)

Still­stand ist der Tod, geh’ voran, bleibt alles anders.

(Her­bert Gröne­mey­er)

Und jet­zt, bitte, wieder zur Tage­sor­d­nung überge­hen. Danke viel­mals.


Nach­trag von einem Tag später:
Gut gemacht, die Tage­sor­d­nung ist wieder­hergestellt. Die Musikin­dus­trie schickt ihre Vertreter wieder das Inter­net durch­forsten, um das Geld wieder reinzu­holen, das sie durch die Unfähigkeit, Trends zu erken­nen, ver­loren hat. Ich kriege das kalte Grausen von dem Vere­in.

KaufbefehleMusikkritik
Kaufbefehl zur Wahl: Gossip — Heavy Cross

Im Radio, so wurde mir heute zuge­tra­gen, läuft die erste Sin­gle “Heavy Cross” der Post­punkband Gos­sip derzeit unge­fähr täglich. Weniger auf­dringlich als Stand­ing in the way of con­trol, durch das ich im Jahr 2006 erst­mals auf das Trio aufmerk­sam wurde, dafür mit ein­er Por­tion Tanzrhyth­mus verse­hen treibt das Stück kraftvoll voran, gekrönt mit der energiege­lade­nen Stimme von Front­frau Beth Dit­to.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

What­ev­er you want, the choice is yours,
So choose.

I checked you, if it’s already been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to prove it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Sin­gle, sie ist es wert!

SonstigesKaufbefehle
Frischluft tanken

Wieder mal ein unpoli­tis­ch­er Kurz­er für zwis­chen­drin:
Es gibt keine Form des Unwohl­seins, die ein paar Minuten an der frischen Luft und ein zeit­gle­ich­er Blick in einen gemäch­lich vor sich hin­fließen­den Bach nicht kuri­eren kön­nten.

Unbe­d­ingt empfehlenswert.

(Auch empfehlenswert: Ein neues Buch von Max Goldt. Unter anderem mit Geschicht­en über schrille Fried­höfe. Genau richtig für das stille Sitzen an der frischen Luft.)

Tief dur­chat­men, bis später.

PolitikNetzfundstücke
Steuern für alle!

Doch noch mal apro­pos Wahlen:
Die ganze Absur­dität der ver­bre­it­eten Mode, möglichst schwammige Ver­sprechen möglichst grif­fig zu for­mulieren, zeigt Die Linke ein­drucksvoll auf. Damit dürfte klar sein, was von ihr zu hal­ten ist, wenn sie schon vor der Wahl nicht so recht weiß, was sie eigentlich ver­sprechen soll.

Steuern für alle!

Schade eigentlich.


(Apro­pos “dumme Plakatideen”: Wie lam­mert man eigentlich? Und ist das gut oder schlecht? Und warum? Und über­haupt.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Piratenschiff im Kreuzfeuer

Ich sehe mich bei all dem dum­men Zeug, das man in den Medi­en derzeit schon wieder über die Pirat­en lesen muss, außer Stande, von einem weit­eren Ein­trag der Kat­e­gorie “Poli­tik” hier abzuse­hen, und ich möchte ihn nutzen, um zwei aktuell disku­tierten Bestandteilen dieses dum­men Zeugs ener­gisch zu wider­sprechen, weil’s ja son­st mal wieder kein­er macht:

1. Die Pirat­en sind keine “Män­ner­partei”!

Blog­gerin danilo­la, “im Herzen Piratin”, ver­weigert der Piraten­partei derzeit unter anderem ihre Stimme, weil es sich um eine “Män­ner­partei” han­dle, die sich primär mit Män­nerthe­men beschäftige und “nur” männliche Kan­di­dat­en auf­stelle.

Zunächst zu zweit­erem Punkt: Hier irrt danilo­la, in eini­gen Wahlkreisen ste­hen die weib­lichen Pirat­en sog­ar auf Platz 1. Dass nur wenige Frauen über­haupt Mit­glieder der Piraten­partei sind und also über­haupt für Lis­ten­plätze in Frage kom­men, hat, so ist zu ver­muten, weniger damit zu tun, dass die Piraten­partei eine “Män­ner­partei” wäre, als damit, dass den zen­tralen The­men Inter­net und Daten­schutz gemein­hin das Etikett des “elitären Nerd­wis­sens” anhaftet, wom­it sich, sta­tis­tisch gese­hen, eher Män­ner als Frauen iden­ti­fizieren.

Hat sich bis­lang eigentlich schon jemand darüber beschw­ert, dass das Amt des Bun­des­fam­i­lien­min­is­ters seit 24 Jahren nur mit Frauen beset­zt wird? Mir wäre dies nicht bekan­nt. Fam­i­lien­poli­tik ist Frauen­sache, und das ist vol­lkom­men in Ord­nung.

Ich füh­le mich dadurch übri­gens nicht im Ger­ing­sten diskri­m­iniert und käme auch nie auf die Idee, die Regierung deshalb des Sex­is­mus’ zu bezichti­gen. Von dem Prozentsatz der männlichen Kindergärt­ner (unge­fähr drei Prozent, las ich kür­zlich irgend­wo) mal ganz zu schweigen.

2. Die Pirat­en sind keine Sym­pa­thisan­ten irgendwelch­er radikalen Strö­mungen!

Der stel­lvertre­tende Bun­desvor­sitzende der Piraten­partei, Andreas Popp, hat der recht­skon­ser­v­a­tiv­en Zeitschrift “Junge Frei­heit” einen Artikel beschert, wie vor ihm unter anderem übri­gens auch Ephraim Kishon, dem ja nun wahrlich wohl kaum jemand anti­semi­tis­che Ten­den­zen vor­w­er­fen würde. Dass er sich und sein­er Partei mit diesem Inter­view auch kosten­lose Wer­bung in aus­gerech­net und iro­nis­cher­weise einem “feindlichen” Blatt ver­schafft hat, wird kon­se­quent nicht beachtet, und was er in diesem Inter­view sagte, ist auch nicht von Inter­esse; nein, die Vor­eili­gen und die Schrei­hälse, die es ver­mut­lich noch nicht ein­mal gele­sen haben, drehen sich ihre eigene Wirk­lichkeit zurecht, radikalisieren das Massendenken mit “unwählbar”-Gekreisch und hal­ten auch son­st nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Sit­u­a­tion zu machen. Cui bono?

Eine Weile zuvor hat­te ein deutsch­er Poli­tik­er seinen Rück­zug von der Plat­tform abge­ord­neten­watch angekündigt, weil dort auch Vertreter der NPD zur Sprache kom­men. Dass so ein Ver­hal­ten ger­ade für einen Bun­destagskan­di­dat­en höchst undemokratisch ist, hat unter anderem die Piraten­partei bemän­gelt; ein “undenkbar­er” Vor­gang, in den prompt NPD-Nähe hinein­in­ter­pretiert wurde.

Wäre die Kri­tik von anderen Parteien gekom­men, hätte man ver­mut­lich stattdessen applaudiert.

Die Piraten­partei ist eine Partei, die sich nicht auf die Fahne geschrieben hat, sich von irgen­dein­er poli­tis­chen “Seite” einspan­nen zu lassen. Sie ist wed­er links noch rechts, sie macht Poli­tik für die Gesellschaft und nicht für irgendwelche radikalen Kräfte. Natür­lich hat jede Partei Mit­glieder, deren Weltan­schau­ung bisweilen krude erscheint. Die F.D.P. hat­te unter anderem Jür­gen W. Mölle­mann, den­noch würde sie nie­mand mehr in recht­sex­treme Eck­en stellen wollen. Die Piraten­partei hat­te Bodo Thiesen und zehrt noch heute von dessen For­mulierun­gen, obwohl ihre übri­gen Mit­glieder sich aus­drück­lich von Thiesens Aus­sagen dis­tanziert und ihm den Aus­tritt nahe gelegt haben. Das ver­ste­he, wer will.

Radikales Denken gibt es in jed­er Partei. Inter­es­sant ist offen­bar nicht dieses radikale Denken an sich, son­dern in welch­er Partei der­jenige ist, der es äußert. Natür­lich ist es kurz vor der näch­sten Wahl attrak­tiv für die Anhänger der etablierten Parteien, den Split­ter im Auge der unlieb­samen Konkur­renz zu ent­deck­en. Nur das mit dem Balken im eige­nen Auge hat sich noch nicht über­all herumge­sprochen.

Nein, die Piraten­partei ist sich­er nicht “unwählbar”. Sie stellt immens wichtige Forderun­gen und ste­ht für eine Poli­tik, die näher an der gesellschaftlichen Real­ität ist als alle miss­lun­genen “Refor­men” der let­zten zwei Leg­is­laturpe­ri­o­den. Nie­mand erwartet, dass sie ihre Ziele qua­si über Nacht durch­set­zt oder gar in abse­hbar­er Zeit einen Teil der Regierung stellt. Aber sie hat es ver­di­ent, die notwendi­gen 5 Prozent der Stim­men zu bekom­men; genug, um sich in Bun­destags­de­bat­ten einzubrin­gen, Anträge zu stellen und sich somit an der poli­tis­chen Bil­dung in diesem Land aktiv zu beteili­gen.

Ich schließe mich dem Kom­men­tar von “tanine” in Andreas Popps Weblog an:

Ich wäh­le eine Partei auf­grund ihres Inhalts, nicht auf­grund medi­en­pop­ulis­tis­ch­er Vor­würfe.

Geht wählen!
Es lohnt sich.


(Das war jet­zt eigentlich schon wieder viel zu viel Text. Entschuldigt bitte.)

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Drei Bands, drei Gefühle

Nanu: Heute, so schreibt SPIEGEL ONLINE, fand wieder ein­mal ein ver­suchter Amok­lauf an einem Gym­na­si­um statt. Der Täter hat über­lebt, es wird also dies­mal wohl etwas aus­führlich­er nach den Ursachen geforscht; es sei denn, auf seinen bei­den sichergestell­ten Com­put­ern find­en sich Com­put­er­spiele, dann hat sich das wohl wieder ein­mal erledigt. Sätze wie Der Abi­turi­ent gilt als Außen­seit­er bieten dann keinen weit­eren Anlass zur weit­eren Nach­forschung. Wet­ten?

Aber lassen wir das. Während indessen andere Ins-Inter­net-Schreiber wieder ein­mal ihre Energie darauf ver­schwen­den, zu ver­suchen, die Piraten­partei in radikale Eck­en zu stellen, habe ich lieber ein wenig Musik gehört:

Auf Schallgrenzen.de gibt es von unter anderem mir einen (lei­der gekürzten) Ver­riss des aktuellen Albums The Resis­tance von Muse sowie, qua­si zum Aus­gle­ich, eine lobende Kri­tik des neuesten Por­cu­pine-Tree-Werkes, dessen Kauf ich jedem Musik mögen­den Men­schen hier­mit aus­drück­lich ans Herz leg­en möchte.

Übri­gens und apro­pos Schall­gren­zen:
Her Name is Calla ist eine britis­che Band, die melan­cholisch musiziert. Peter führt es etwas weit­er aus:

Vom sich Ver­lieren und Ver­lieren. Kein Rausch von Far­ben, schwarze Tusche, vielle­icht ein paar pastel­lzarte Pin­sel­striche. Und trotz alle­dem ziehe ich Kraft aus jedem Ton, jedem Song. Entschle­u­ni­gung. Musik wie nicht von dieser Welt. Zwis­chen der selb­st­mörderischen Trau­rigkeit eines Chris Hoo­son (Dako­ta Suite) und der jen­seit­i­gen Melan­cholie eines Mark Hol­lis ver­sucht Her Name Is Calla mit großem Orch­ester ihr (Un)glück.

Schöne Musik, auf der Web­seite kom­plett zum Anhören und somit auch herun­ter­lad­bar.

Netzfundstücke
Piercings als Ausdruck der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper

Ach, du meine Güte,
SPIEGEL ONLINE lässt eine Frau (“Frauen- und Geschlechter­forscherin”, also eine Frau, die sich vor­wiegend mit Frauen, dem weib­lichen Geschlecht sowie den Grün­den für seine Unter­drück­ung beschäftigt; das reicht eigentlich schon) unre­flek­tiert darüber schwadronieren, dass viele Frauen, die sich kilo- und hun­der­teu­roweise Met­all in die Vis­age zim­mern lassen, dies nicht etwa aus Protest oder aus Unsicher­heit bezüglich ihres äußeren Erschei­n­ungs­bildes tun, das sie damit ja nun wirk­lich nicht immer verbessern, son­dern, natür­lich, wegen des Drucks, den die Gesellschaft auf sie ausübt:

Pierc­ing ist heute ein Massen­phänomen und es ist eine Möglichkeit, sich als Jugendliche darzustellen.

Fast alle Mäd­chen lei­den unter dem gesellschaftlichen Druck, Schön­heit­side­alen zu entsprechen. […] Inter­es­san­ter­weise lei­den die gepiercten Mäd­chen, die ich befragt habe, kaum unter diesen Ansprüchen. Sie haben mehrheitlich ein ein­deutig pos­i­tives Kör­per­erleben.

(Alle Her­vorhe­bun­gen von mir.)

“Fühl dich schön / nach der zehn­ten Lipo­suk­tion.”
Die Ärzte: Geis­ter­haus

PersönlichesPolitikNetzfundstückeFotografie
Hamburger Nächte

Frech­heit, eigentlich:
Da halte ich mich am Woch­enende zu Unter­hal­tungszweck­en in Ham­burg auf und ver­passe aus­gerech­net ein in einem anderen Stadt­teil stat­tfind­en­des Straßen­fest mit zahlre­ichen “Demon­stran­ten”:

> … die Polizei hätte sich nicht zwis­chen die 600 Nazi-Geg­n­er und die
> 90 NPD-Demon­stran­ten stellen sollen. Der NPD-Spuk wäre schnell vor­bei
> gewe­sen.

600 gewalt­bere­ite Linke vs. 90 gewalt­bere­ite Nazis — das zeigt ganz
klar: Wir haben ein Nazi-Prob­lem. *kopf­schüt­tel*

(heise.de-Forum)

Immer­hin kon­nte ich am Bahn­hof einige Vertreter des Karnevals der Kul­turen bewun­dern und, damit ein­her gehend, wieder ein­mal fest­stellen, dass man in den inter­es­san­ten Momenten des Lebens seine Kam­era nicht griff­bere­it hat.

Manch­mal allerd­ings schon:

Kakteen

(Tropen­haus im Natur­park Planten un Blomen, Ein­tritt frei, worauf wartet ihr noch?)


Amüsant übri­gens ist auch das Ham­burg­er Abend­blatt. Die Titel­seite der Aus­gabe vom 6.9. zierte die Über­schrift:

Ham­burg­er Schüler inter­viewen Stein­meier: “Was find­en Sie selb­st an sich inter­es­sant?”

Schön, wenn eine Tageszeitung zur poli­tis­chen Bil­dung ihrer Leser beiträgt.


Schön ist, wie ich meine, auch das Fund­stück der Woche, von zahlre­ichen Weblogs und Twit­ter-Nutzern ver­bre­it­et und nun aus Grün­den der Albern­heit auch hier zu find­en:
Kinderkreis TV, in den 80-ern pro­duzierte Werbe­sendung, die, so weit mir bekan­nt ist, dum­mer­weise auch noch völ­lig ernst gemeint ist. “Spitze!”

Netzfundstücke
Hannoveraner aufgepasst: Leicht verdientes Geld.

Eine inter­es­sante Geschäft­sidee hat die Han­nover­an­er Lutherkirche da entwick­elt:

Wer am Son­ntag (13.9.) den Gottes­di­enst (warum man sich selb­st unent­geltlich zum Diener erk­lären sollte, ist auch noch so eine Sache, die ich bei diesem ganzen Kirchenkram nicht so recht ver­ste­he) besucht, wird mit fünf Euro belohnt, die er dann bitte sin­nvoll anle­gen soll — ver­mut­lich, um das Wertev­er­ständ­nis der inter­essierten Chris­ten zu fördern, die zu einem Großteil dann ver­mut­lich doch eher an anderen Inhal­ten inter­essiert sein dürften.

Ich nehme an, ich selb­st bin am Son­ntag lei­der abkömm­lich, aber über Berichter­stat­tung und ggf. Bil­dauf­nah­men des Gottes­di­en­stes wäre ich dur­chaus dankbar. Es sollte mich nicht erstaunen, wenn es recht voll wird. Wom­öglich wird das bei aus­re­ichend Erfolg ja auch Mode?

“Sie wer­den trunk­en von den reichen Gütern deines Haus­es, und du tränk­est sie mit Wonne als mit einem Strom.” (Psalm 36, 9)

PolitikNetzfundstücke
Oh, ein Internet-Manifest (recht zynischer Text, wenig bis gar nicht konstruktiv, bitte daher um freundliche Beachtung)!

Fast völ­lig unbe­merkt von der Öffentlichkeit Vor Auf­dringlichkeit kaum zu ertra­gen ist das vorgestern eilig hingerotzt wirk­ende “Inter­net-Man­i­fest”, in dem 15 deutsche Ins-Inter­net-Schreiber ver­suchen, die Grund­la­gen des mod­er­nen Inter­netjour­nal­is­mus’ darzule­gen, ohne zuvor die Mei­n­ung der­er einzu­holen, in deren Namen sie zu sprechen resp. zu schreiben meinen, und damit natür­lich auf die Nase fall­en.

Wer — wie ich — zuerst schaut, wer einem da eigentlich was verkaufen will, spart sich die Lek­türe direkt, alle anderen wer­den hin­ter­her ver­ste­hen, wieso so ein unfundiertes Geschwafel es über­haupt ins Netz geschafft hat; immer­hin zählt mit Sascha Lobo auch ein Vertreter der unsäglichen und immer­hin zu Recht erfol­glosen Voda­fone-Anbiederungskam­pagne zu denen, die ihren ohne­hin nicht mehr für Qual­ität oder “was zu sagen haben” ste­hen­den Namen für dieses lächer­liche Pam­phlet hergeben.

Am bis­lang tre­f­fend­sten hat es wohl — wieder ein­mal — ix for­muliert:

ein paar jour­nal­is­ten und blog­ger haben haben über das was sie tun nachgedacht und den kle­in­sten gemein­samen nen­er auf den sie sich eini­gen kon­nten aufgeschrieben und es „inter­net-man­i­fest“ genan­nt.

Da sitzen also fün­fzehn Leute, die sich um die Bezahlung für das, was sie der Welt unbe­d­ingt mit­teilen wollen, schon längst keine Gedanken mehr machen müssen, und begrün­den ihr unüber­legtes Geschmi­er dann mit fol­gen­den rhetorischen Groß­tat­en:

jet­zt kann jed­er plöt­zlich seinen per­sön­lichen quatsch oder nicht-quatsch veröf­fentlichen und er ste­ht dann qua­si gle­ich­berechtigt neben den tollen ver­lagspro­duk­ten.

(Ste­fan Nigge­meier in den Kom­mentaren zu ix’ Artikel, konkret These Nr. 2)

Ich ste­he also mit dieser knuf­fi­gen, pri­vat­en Webpräsenz, deren Kosten zwar ger­ing, aber doch vorhan­den sind, gle­ich­berechtigt neben per­son­al­starken, von mil­lio­nen- bis mil­liar­den­schw­eren Wer­bepart­nern und einem eige­nen Ver­lag finanziell unter­stützten Onlinepor­tal­en? Oha — vielle­icht sollte ich hier Wer­bung schal­ten lassen, mein Ein­fluss auf den Jour­nal­is­mus im deutschsprachi­gen Raum ist demzu­folge ja über­wälti­gend! Warum sagt mir das nie­mand? — Laut Zugriff­ssta­tis­tik ist meine bis­lang einzige nen­nenswerte Erwäh­nung durch Dritte übri­gens dieser Kom­men­tar in einem der zahlre­ichen Blogs der taz. Das nenne ich Gle­ich­berech­ti­gung. Oder schlicht groben Unfug.

Auch sehr schön fand ich übri­gens die fol­gen­den The­sen:

3. Das Inter­net ist die Gesellschaft ist das Inter­net.

Das Inter­net spiegelt die Gesellschaft wider, aber es bietet durch seine Glob­al­ität keines­falls die Möglichkeit, seinen Umgang sorgsam auszuwählen. Wer im Inter­net am lautesten schre­it, wird am meis­ten beachtet. Im Inter­net kann man nicht ein­fach den Raum ver­lassen. Gut für die Ver­fass­er des Man­i­fests, schlecht für die, die es für grausige Selb­st­be­weihräucherung hal­ten und denen es trotz­dem auszugsweise von — gefühlt — jed­er zweit­en Inter­net­seite ent­ge­gen­grinst. Unter anderem also auch von dieser hier.

Inter­net-Zugangssper­ren … beschädi­gen das grundle­gende Recht auf selb­st­bes­timmte Informiertheit.

Der Ver­such von fün­fzehn Indi­viduen, die die For­mulierung eines solchen “Man­i­fests” ein­fach mal zur Chef­sache erk­lären, irgendwelche Grund­sätze zu for­mulieren, die dann auch bitte alle guten Men­schen gutzufind­en haben, ist hinge­gen ein Zeug­nis der selb­st­bes­timmten Borniertheit.

6. Das Inter­net verbessert den Jour­nal­is­mus.

Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Infor­ma­tion.

Reden wir noch mal drüber, wenn Google Earth und/oder Google Street View jeden von Ihnen am FKK-Strand oder vor/nach/beim Duschen/Baden/Koitus aufgenom­men hat und/oder haben? Ja? Bess­er nicht.

16. Qual­ität bleibt die wichtig­ste Qual­ität. (…) Ein Pub­likum gewin­nt auf Dauer nur, wer her­aus­ra­gend, glaub­würdig und beson­ders ist.

Hof­fen wir also, dass dieses Pam­phlet auf Dauer kein Pub­likum find­et. Bis dahin siehe bitte zwei The­sen weit­er oben, oder ein­fach noch mal die eigene Abschlussthese kon­sum­ieren:

Die “Gen­er­a­tion Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaub­würdigkeit ein­er Quelle abzuschätzen, Nachricht­en bis zu ihrem Ursprung zu ver­fol­gen und zu recher­chieren, zu über­prüfen und zu gewicht­en (…). Jour­nal­is­ten mit Standes­dünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeit­en zu respek­tieren, wer­den von diesen Nutzern nicht ernst genom­men. Zu Recht.

Eben: Zu Recht!

Allein: Man kann das “Man­i­fest” via netzpolitik.org-Wiki weit­er­spin­nen. Nur schade, dass man mit der Veröf­fentlichung nicht warten kon­nte, bis sich hier eine brauch­bare Fas­sung entwick­elt hat.

Nach­trag vom 12.9.:
Ein satirisches, aber keines­falls albernes “Inter­net-Man­i­fest”, das eigentlich alles richtig macht, was die Her­ren Jour­nal­is­ten nicht richtig gemacht haben, gibt es hier zu lesen.


Apro­pos “Unterze­ich­n­er des Man­i­fests”:
John­ny Haeusler hat neben­bei erfreulicher­weise noch ein wenig Satire zum The­ma “Was wäh­le ich denn dies­mal nicht?” ver­fasst. Meine Lieblings­pointe:

Die Grü­nen wur­den zunächst als Spaß­partei gegrün­det, bis man/Frau fest­stellte, dass nie­mand in der Partei wusste, wie dieses „Spaß“ geht. Seit­dem set­zen sich Die Grü­nen in erster Lin­ie für ein Ver­bot von Frisuren ein und gehen mit gutem Beispiel voran.

Lesenswert, wie auch der Rest des Spree­blicks!
(Jeden­falls fast.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
… aber immer “die Männer, nur Sex im Kopp”

Danke, liebe Psy­cholo­gen, für diese Erken­nt­nis:

Alle­in­ste­hende Frauen sind weitaus mehr an gebun­de­nen Män­nern inter­essiert als an solchen, die noch zu haben sind. „Unsere weib­lichen Sin­gles mocht­en die Män­ner beson­ders gern, wenn diese vergeben waren“, sagt Melis­sa Burkley von der Oklo­homa State Uni­ver­si­ty. Gemein­sam mit ihrer Kol­le­gin Jes­si­ca Park­er hat sie eine Studie durchge­führt, in der sie den Ein­fluss des Beziehungssta­tus auf die Part­ner­wahl unter­suchte.

Die Fotos von Mr und Mrs Right waren jew­eils die gle­ichen für alle männlichen beziehungsweise weib­lichen Ver­suchsper­so­n­en. Der Hälfte der Proban­den erzählten die Forscherin­nen, ihr Ide­al­part­ner sei solo, der anderen Hälfte sagten sie, er oder sie sei bere­its vergeben.

Und das machte den kleinen, aber feinen Unter­schied aus – vor allem bei den Sin­gle­frauen: Beka­men sie einen alle­in­ste­hen­den Mann präsen­tiert, zeigten sich 59 Prozent von ihnen an ein­er Beziehung inter­essiert. War der ver­meintliche Traum­mann aber gebun­den, stieg der Anteil der Inter­essentin­nen auf 90 Prozent.

Ein­er Frau den Mann auszus­pan­nen, würde somit einen Erfolg bedeuten und das Selb­st­wert­ge­fühl steigern.

Ob diese 90 Prozent über die Bedeu­tung ein­er Beziehung wohl noch die gle­iche Mei­n­ung vertreten, wenn sie in ein­er sel­bi­gen sind?


Nach­trag:
Arne Hoff­mann und Chris­t­ian Schmidt haben zum The­ma Fem­i­nis­mus auch noch was zu sagen. Bitte umge­hend kon­sum­ieren und sich merken!