PolitikNetzfundstücke
Jubi­lä­um: 30 Jah­re para­no­id

Vor unge­fähr 30 Jah­ren urteil­te die dama­li­ge Regie­rung über das sich ankün­di­gen­de RTL-Fern­se­hen in Deutsch­land fol­gen­der­ma­ßen:

„Ich kann mir nichts Gefähr­li­che­res für die Fami­lie vor­stel­len.“ Zu vie­le Kri­mis, Quiz und Shows mach­ten die Men­schen „muf­fig und sprach­los“.

Der Unter­gang nicht nur mensch­li­chen Mit­ein­an­ders, son­dern auch öffent­lich-recht­li­cher Fern­seh­sen­der und wer­be­fi­nan­zier­ter Nach­rich­ten­ma­ga­zi­ne wur­de vor­her­ge­sagt, und man hat­te schon einen Plan in pet­to, um der unlieb­sa­men neu­en Medi­en­welt Ein­halt zu gebie­ten:

Justiz­mi­ni­ster Vogel hat eine mög­li­che Ver­fas­sungs­än­de­rung schon vor­be­dacht. Sei­ner Ansicht nach ist die nach Arti­kel 5 des Grund­ge­set­zes garan­tier­te Infor­ma­ti­ons­frei­heit „ein­ge­schränkt“ durch den Arti­kel 6, der die Fami­lie schützt. Vogel: „Wir kön­nen doch nicht zulas­sen, daß durch Infor­ma­ti­ons­über­flu­tung die Pri­vat­heit der Fami­lie zer­stört wird.“

(Voll­stän­di­ger Text: SPIEGEL 40/1979, 1. Okto­ber 1979.)

Wer­be­fi­nan­zier­tes Pri­vat­fern­se­hen war Ende der 70-er Jah­re also so unge­fähr das, was heu­te das Inter­net ist; min­de­stens der Unter­gang der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und die Ursa­che für die gei­sti­ge Abstump­fung und den mora­li­schen Wer­te­ver­fall gan­zer Gene­ra­tio­nen, dem und der man mit allen Mit­teln einen Rie­gel vor­zu­schie­ben hat­te. (Die nahe lie­gen­de Fra­ge, ob das Bei­spiel RTL für eine zyni­sche Betrach­tung die­ses The­mas all­zu geeig­net ist, möch­te ich an die­ser Stel­le nicht berück­sich­ti­gen.)

Hat eigent­lich dar­über schon jemand eine aus­führ­li­che Abschluss­ar­beit ver­fasst? Sonst mer­ke ich mir das The­ma schon mal für spä­ter…