Projekte
eMule beba: Aktuelles zur Entwicklung

Die let­zte Ver­sion von eMule beba ist nun unge­fähr acht Monate alt, in der eMule-Welt ist das eine halbe Ewigkeit, da die Entwick­lung neuer Funk­tio­nen kon­tinuier­lich voran­schre­it­et. Da diese Net­zpräsenz auch die Auf­gabe hat, hin und wieder über Neuerun­gen mein­er Pro­jek­te zu bericht­en, und dies schon länger nicht passiert ist, gebe ich hier also bekan­nt:

Ich arbeite seit März an Ver­sion 2.51, die einige Fehler beheben soll und inzwis­chen auch viele weit­ere Verbesserun­gen bein­hal­tet. Eine Veröf­fentlichung ist noch aus­geschlossen, da eine Kern­funk­tion, der Client Ana­lyz­er, noch selb­st in der Betaphase steckt und der Entwick­ler dieser Funk­tion davon abrät, vor der Fer­tig­stel­lung eigene Mods mit dem Ana­lyz­er zu veröf­fentlichen.

Derzeit ist die sech­ste Betaver­sion von beba 2.51 für frei­willige Tester ver­füg­bar. Falls noch jemand Inter­esse hat, mir beim Fehler­suchen zu helfen, bitte ich um einen kurzen Kom­men­tar.

Danke für die Aufmerk­samkeit.

(Nach­trag vom 21. Novem­ber: Das ital­ienis­che eMule-Por­tal eMule-Mods.it hat mich zu eMule all­ge­mein und zu sein­er, also eMules, Zukun­ft befragt. Wer Englisch oder Ital­ienisch ver­ste­ht, sollte mal rein­schauen.)

In den Nachrichten
Bildungsstreik, immer noch?

Der Bil­dungsstreik wird dieser Tage fort­ge­set­zt, und meine Hochschule macht wie auch andere Hochschulen, an denen einige mir bekan­nte Stu­den­ten zu studieren pfle­gen, schlichtweg nicht mit. (Nach­trag: Die Fakultät Sozial­we­sen hat dem heute in ein­er E‑Mail wider­sprochen, ab dem 20.11. wollen sie sich “sol­i­darisieren”, was immer das bedeuten mag.) Nun lässt die außer­halb der von weni­gen Demon­stran­ten “beset­zten” Hochschulen, die täglich durch die Medi­en gere­icht wer­den, eher unschein­bare Beteili­gung an den Streiks die Ver­mu­tung zu, dass die derzeit­i­gen Aktiv­itäten nicht ziel­gerichtet koor­diniert wer­den.

Auch wenn mit nun plöt­zlich doch “geplanten” BaFöG-Verbesserun­gen schon ein klein­er Teil­er­folg zu ver­buchen ist, der sich allerd­ings auch schnell als Luft­blase her­ausstellen kann (“geplant” heißt ja bekan­ntlich nicht viel), so sind die verbleiben­den Forderun­gen der derzeit Protestieren­den doch recht vielschichtig:

  • Bach­e­lor-Chaos: Als kle­in­ster gemein­samer Nen­ner taugt der Ver­druss über die Stoff­fülle, den ständi­gen Prü­fungs­druck in über­frachteten Bach­e­lor-Stu­di­engän­gen. Die Stu­den­ten wollen kein Pro­dukt ein­er Lern­fab­rik sein. Manche lehnen die Bologna-Reform rundweg ab, andere kri­tisieren eher die schwache Umset­zung und auch die Hür­den beim Über­gang vom Bach­e­lor- zum Mas­ter­studi­um.
  • Auch Schüler fordern eine Über­prü­fung des Unter­richtsstoffs, nach Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre (G8). Zum Teil wen­den sie sich gegen das tra­di­tionell drei­gliedrige Schul­sys­tem und fordern Gemein­schaftss­chulen.
  • Stu­di­enge­bühren: Über die Ablehnung der Cam­pus­maut kann man unter Stu­den­ten schnell Einigkeit erzie­len — dur­chaus nicht aus­sicht­s­los: In mehreren union­sregierten Bun­deslän­dern sind die Stu­di­enge­bühren zwar längst einge­führt, die Lan­desregierun­gen wer­den auch so leicht nicht wack­eln. Aber die Beispiele Hes­sen und Saar­land zeigen, dass die Entschei­dun­gen später rev­i­diert wer­den kön­nen.

Sich­er sind das alles vernün­ftige und auf jeden Fall erstrebenswerte Ziele, aber es muss mehr Kom­mu­nika­tion zwis­chen den Protest­grup­pen der Schulen und Hochschulen geben und man sollte sich auf einen einzi­gen gemein­samen Nen­ner eini­gen. Wenn der Hochschul­be­trieb mit nur wenig Ein­schränkun­gen fort­ge­führt wer­den kann und viele Stu­den­ten den Demon­stra­tio­nen fern­bleiben, weil die Organ­isatoren selb­st nicht mit vollem Ernst bei der Sache sind, set­zt das ein Zeichen an der falschen Stelle. (Und es wird auch an der falschen Stelle protestiert. Die Hochschulen sind die falschen Ansprech­part­ner, sie kön­nen nur wenig dafür.)

Sich­er ist 1968 längst vor­bei, aber die Umstände, gegen die heute protestiert wird, sind auch nicht viel milder als jene vor 41 Jahren. Dieser Stu­den­ten­protest ist keine Spaßbe­we­gung, er will poli­tis­chen Umschwung und Mod­ernisierung erre­ichen. Um eine Meta­pher zu bemühen: Mit Wasser­pis­tolen set­zt man auch keinen Dik­ta­tor ab. Parolen lösen die Prob­leme nicht.

Werdet endlich konkret und macht was draus. Für uns alle und für die Zukun­ft.

In den Nachrichten
Liebe ist menschlich.

Pinguine in LiebeIrgend­wie dann aber auch niedlich:

Und wieder ist die Haupt­darstel­lerin ein ver­liebter Vogel: Pin­guin-Dame Sandy. Sie hat ihr Herz an ihren Tierpfleger ver­loren.

Und dabei will der Ange­betete gar nicht geliebt wer­den:

“Es wäre schön, wenn Sandy sich im näch­sten Jahr dann wieder in einen Pin­guin ver­lieben würde.”

“Dazu gehören immer zwei”, heißt es im Volksmund.
Ich wün­schte, er hätte Recht.

PolitikIn den Nachrichten
Soldaten im Inland, Österreich macht’s vor.

Das fängt ja gut an:

(…) sollen Assis­ten­z­sol­dat­en kün­ftig auch in der Lan­deshaupt­stadt und außer­dem ver­stärkt in gefährde­ten Wohnge­bi­eten und Gewer­bezen­tren der Region patrouil­lieren, sagte Sicher­heits­di­rek­tor Erhard Aminger.

(…) man wolle die Ressourcen ein­fach gezielt dort ein­set­zen, wo sie gebraucht wer­den. Aminger geht davon aus, dass zwis­chen 100 und 120 Sol­dat­en im Bere­ich Eisen­stadt — Eisen­stadt Umge­bung zum Ein­satz kom­men wer­den.

Irgend­wie habe ich ger­ade ein unwohles Gefühl. Vielle­icht bin ich auch nur erkäl­tet.

(Entschuldigung an den unregelmäßi­gen Leser, der sich kür­zlich beklagte, dass es hier in let­zter Zeit allzu men­schlich zuge­ht. Muss am Wet­ter liegen. Dem­nächst fol­gt wieder was zum Lachen, ver­sprochen.)


Nach­trag, da mir ger­ade die einiger­maßen unsägliche Tageszeitung der Region vorgelegt wurde:

Der Mann sei vor die Frau getreten und habe ihr sein ent­blößtes Geschlecht­steil gezeigt. Anschließend sei er sofort geflüchtet.

Warum macht ein Men­sch so was? Und was mich viel eher inter­essiert: Wovor ist er geflüchtet?
Ich habe da so einen Ver­dacht: Die Frau hat einen Blick auf sein Geschlecht­steil gewor­fen und hat ange­fan­gen zu lachen und Sätze wie “Wächst der noch?” her­vorge­bracht. Vielle­icht auch “Darf man den stre­icheln, oder beißt er dann?”.

Nur so eine Idee. Die Zeitung schweigt dazu.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMusik
Heute ist Schweizer Tochtertag. Der Sohntag fällt aus. (inkl. Nachbemerkung zu Robert Enke)

Peter hat’s geschafft. Auch er schrieb über die Causa Robert Enke und nutzte den Anlass, über die Vergänglichkeit des eige­nen Lebens zu sin­nieren. Ich alter Star­rkopf hat­te wieder, noch im Fluss von meinem eige­nen Beitrag zum The­ma, nur die medi­ale Ausufer­ung des Fall­es im Sinn. Mea cul­pa.

Und nun, da ich einen Tag lang selb­st über die Frage nachgedacht habe, ob es einem Unbeteiligten über­haupt möglich ist, sich eine Sit­u­a­tion vorzustellen, in der man bere­it ist, das Gewe­sene von einem Moment auf den näch­sten möglichst kurz und schmer­z­los zu been­den, kommt mir dann doch auch wieder das alte Lied der Toten Hosen in den Sinn:

Jeden Tag stirbt ein Teil von dir,
jeden Tag schwindet deine Zeit,
jeden Tag ein Tag, den du ver­lierst,
nichts bleibt für die Ewigkeit.

Wichtig ist nicht, was vom Leben bleibt. Du fab­rizierst Texte, du ver­schwen­d­est viele Byte im virtuellen Raum, und wenn du Pech hast, kann die auch in zwei­hun­dert Jahren noch jemand entz­if­fern. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.

Für den Augen­blick leben. Nie­mand weiß, was in fünf Minuten sein wird. Langfristige Pla­nun­gen sind opti­mistis­che Hoff­nun­gen und Träume. Wenn sie platzen, fällt das Karten­haus zusam­men. Wohnen wir aber nicht in einem Karten­haus, son­dern ziehen in ein Zelt, hin­dert uns nur wenig daran, es jed­erzeit einzurollen und woan­ders wieder aufzubauen.

Müssen wir der Nach­welt etwas hin­ter­lassen? Will die Nach­welt das über­haupt? (Der Nach­welt nicht hin­ter­lassen möchte ich jeden­falls matschige Über­reste, die sie von einem Verkehrsmit­tel kratzen müssen. Suizide mit möglichst vie­len unschuldig Geschädigten sind für mich nicht erstrebenswert.)

Es ist wichtig, anderen Men­schen etwas zu bedeuten. Ob sich drei Gen­er­a­tio­nen später die Kinder auf der Straße über meine Nase lustig machen oder in der Schule meine Texte lesen, ist zweitrangig. Ein­mal am Tag auf­sprin­gen und laut “Ja! Das ist das Leben!” rufen zu kön­nen — das ist es, was Glück­lich­sein aus­macht. Dies zu erre­ichen ist ein Ide­al und das Leben der Weg dor­thin.

Entschuldigung, ich schweife ab. Bevor das weit­er ausartet, nur mal eben kurz ver­linkt und zitiert:

(…) Ständig gibt es zusät­zliche Umerziehungs­maß­nah­men für Män­ner, nach­dem sich die bish­eri­gen Frauen­förderungsin­stru­mente als wenig hil­fre­ich erwiesen haben.

Män­ner sollen zu Frauen umer­zo­gen wer­den. Frauen sollen in Män­ner­domä­nen vorstoßen. Das Ziel ist die totale Gle­ich­heit der Geschlechter. Dahin­ter steckt der Plan, die Fam­i­lie als Fun­da­ment men­schlichen Zusam­men­lebens zu entsor­gen, weil nur so der neue Men­sch geschaf­fen wer­den kann, der sich von Geburt an in die neosozial­is­tis­che Gemein­schaft ein­fügt.

Diesem Ziel dient der deutsche „Girl’s Day“ eben­so wie der Tochtertag, den die Schweiz­er heute zele­bri­eren. Bei den Eidgenossen geht es beson­ders gle­ich­berechtigt zu: Während die Mäd­chen heute frei bekom­men, müssen die Jun­gen mit Sank­tio­nen rech­nen, wenn sie dem Unter­richt fern­bleiben. Da ler­nen die kleinen Eidgenossen gle­ich von Beginn an, was „Gle­ich­berech­ti­gung“ wirk­lich bedeutet (…).

Immer wieder schön zu sehen, dass nicht nur Deutsch­land nahezu voll­ständig bek­loppt ist.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Robert Enke und die besseren Menschen

Robert Enke hat beschlossen, sein Leben vorzeit­ig zu been­den, und über die Gründe wird wild spekuliert, weil man ihn selb­st ja nicht mehr fra­gen kann und sich die Men­schen gern mal Gerüchte aus­denken und sie ver­bre­it­en, um auch mal jeman­den zu haben, der einem zuhört; aber dem schließe ich mich hier nicht an. Viel lieber zitiere und kom­men­tiere ich zwei Beiträge aus dem Kom­men­tar­bere­ich des oben blau gefärbten Stern.de-Artikels.

Num­mer 1:

budbundy69 (10.11.2009, 22:48 Uhr):
Und Lehmann bricht nicht mal seine Geburt­stags­feier ab !
Da wird gefeiert, gesun­gen und gejubelt. geschmack­los !

Ich kann ver­ste­hen, dass Men­schen ihre Idole haben, denen sie einen gottgle­ichen Sta­tus zuerken­nen, und ich kenne es auch zur Genüge, dass bei Mis­sach­tung dieses Sta­tus durch Dritte in meter­großen Buch­staben “geschmack­los” in den erst­besten ger­ade greif­baren Kom­men­tar­bere­ich gerotzt wird, aber ich halte es für nicht in Ord­nung, unbeteiligten Men­schen den Spaß am Leben verder­ben zu wollen. Sich­er ist es keines­falls ein Grund zu feiern, wenn jemand stirbt, genau so wenig, wie jemand, der einen Mord beab­sichtigt, später als Held verehrt wer­den sollte, aber es sollte auch kein Anlass sein, jegliche Fes­tak­tiv­itäten im Land einzustellen.

Und bevor mir nun wieder die ewig Empörten saure Ein­träge hin­ter­lassen oder sich schräge Witze über mich aus­denken, als Ergänzung auch noch Kom­men­tar Num­mer 2, bevor ich selb­st zu ein­er etwas umfassenderen Erk­lärung aus­hole:

Broe­sel­bub (10.11.2009, 22:31 Uhr):
Wohne in Kon­stanz und muß regelmäßig erleben wie sich Men­schen vor den Zug wer­fen. In der Nähe (Reichenau) ist eine Pyscho-Klinik und da kommt es halt öfters vor. Aber war mal jemals ein Herr Öttinger dort und hat Beileid bekun­det? Aber vielle­icht ist es in Nieder­sach­sen anders. Selb­st­mord ist nichts anderes wie Angst vor dem Leben.

Da haben wir es doch schon wieder: Men­schen, die von ein­er aus­re­ichend großen Gruppe an Men­schen für ihren Beruf verehrt wer­den, wer­den von der All­ge­mein­heit als wichtiger, mithin als höher­w­er­tig eingestuft als Mit­glieder der ein­fachen Arbeit­erk­lasse oder gar, uah!, Arbeit­slose. Ein Min­is­ter­präsi­dent lässt in der Regel alles ste­hen und liegen, wenn ein Sportler oder ein Poli­tik­er aus dem eige­nen Bun­des­land aus dem Leben schei­det, aber wenn Men­schen, die nur für ihre Fam­i­lie und ihre Fre­unde von Bedeu­tung waren, ein ähn­lich­es Ende wählen, reicht es ger­ade mal zu ein­er Anzeige im “Ach, übrigens”-Teil des lokalen Klatschblattes — sofern die Ange­höri­gen sie sich leis­ten kön­nen, ver­ste­ht sich.

Jed­er hat seine Helden, auch ich habe sie. Aber ich habe Trauer als etwas Per­sön­lich­es, etwas Intimes ken­nen gel­ernt und keines­falls als Sta­tussym­bol. Damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen: Ich ver­ste­he und respek­tiere die Trauer von Men­schen um andere Men­schen, ganz gle­ich, um wen es sich han­delt oder wie die genauen Umstände beschaf­fen sind; jedoch ist es in meinen Augen schlicht per­vers, mit dieser Trauer hausieren zu gehen oder zu ver­suchen, sie zu einem Großereig­nis zu machen.

Da fehlt ja eigentlich nur noch das Spendenkon­to.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Apropos Netzzensur

Zwis­chen­durch mal wieder ein wenig Poli­tik, weil wir lange nichts mehr von den dank der Pop­u­lar­ität der Piraten­partei zwis­chen­zeitlich ver­schobe­nen Inter­netsper­ren gehört haben:

… ein Debat­ten­beitrag von Dorothee Bär (CSU), Sprecherin der CDU/CSU im Deutschen Bun­destag für “Neue Medi­en”, die eine Ausweitung der ger­ade auf Eis gelegten Net­zzen­sur-Infra­struk­tur vorschlägt:

So kön­nen bspw. durch das im Kampf gegen Kinder­pornogra­phie bere­its erfol­gre­ich angewen­dete sog. „Access-Block­ing“ auch Erfolge im Kampf gegen Islamis­ten erzielt wer­den.

Dass das von der CSU kommt, ist nur wenig über­raschend und auch kein­er weit­eren Worte bedürftig, allerd­ings:

Erfol­gre­ich angewen­det? Bitte wann und wo und woge­gen?
Hat das sog. “Access-Block­ing” die Pro­duk­tion und/oder Exis­tenz von Kinder­pornografie ver­ringert? Wenn ja, woran ist das erkennbar?

Und nun also auch gegen Islamis­ten? Als wür­den fanatis­che Bewe­gun­gen den Antrieb ver­lieren, wenn man ihre Inter­net­seit­en nur noch über Umwege erre­icht!

(Was genau soll mir eigentlich der fröh­lich grin­sende HIV-Infizierte “Gary” auf WorldAIDSDay.org ver­mit­teln? Mit HIV hat man immer gute Laune?)

’s ist doch alles nicht wahr.

PersönlichesMusikMusikkritikFotografie
Resümee einer Konzertnacht

Unterwegs in der Supp-CulturIch bin wieder da und habe (lei­der wegen konz­ert­typ­isch recht unan­genehmer Lichtin­suf­fizienz mitunter recht ver­pix­elte und nur unzure­ichend am Com­put­er nach­bear­beit­ete) Bilder mit­ge­bracht. Auf Ton­mitschnitte habe ich verzichtet; zu mitreißend war der Gitar­ren­re­gen, der in der Kul­tur­fab­rik Löseke auf die Besuch­er niederg­ing.

Kalt war’s, aber das Dop­pelkonz­ert fand erfreulicher­weise drin­nen statt. Um 22 Uhr sollte es los­ge­hen, das ließ uns, die wir — zum Glück — eine unge­fähre Stunde zu früh ein­trafen, aus­re­ichend Zeit, um uns mit dem Ver­anstal­ter zu unter­hal­ten und auch mit anderen Konz­ert­gängern ein wenig zu plaud­ern. Wir wur­den gewarnt, dass es recht laut wer­den kön­nte. Das ließ hof­fen.

Einige Minuten später als angekündigt betrat dann das Han­nover­an­er Quar­tett Her­melin die kleine Bühne.

Hermelin: Prima Einstieg für den Abend.

Mit ihrem fast instru­men­tal­en Postrock schuf (schufen?) Her­melin Klang­wände und riss sie wieder ein, das Pub­likum war entsprechend beein­druckt und belohnte die Dar­bi­etung durch wilden Tanz und frenetis­chen Applaus. Spon­tane Assozi­a­tion: Explo­sions In The Sky.

Noch mehr Fotografien:

Hermelin: Zwei Gitarren, viel Musik. Hermelin: Schüttel dein Kopfhaar!

Kaum war man entrückt in die sur­reale Traumwelt einge­taucht und hat­te vergessen, wo man eigentlich ist, ließ sich die Real­ität mal wieder blick­en, und eine kurze Pause gewährte Zeit, die durch gedanken­los­es Schüt­teln belasteten Gelenke zu entspan­nen. Nach ein­er kurzen Atem­pause in der kühlen, ver­raucht­en Nachtluft Hildesheims standen die Ham­burg­er Nihiling schon auf der Bühne, und sie trat­en einen weit­eren Beleg für meine vor eini­gen Monat­en in kleinem Kreis aufgestellte These, dass Bassistin­nen aktueller Rock­grup­pen grund­sät­zlich ver­dammt niedlich — man verzei­he mir aus­nahm­sweise diese Aus­druck­sweise — sind, an.

Nihiling: Irgendwo zwischen Oceansize und Tool

Trotz Erkäl­tung hat­ten auch diese sechs Musik­er offen­sichtlich recht viel Spaß bei der Sache und spiel­ten über die Dauer von weit über ein­er Stunde neben Bekan­ntem auch neues Mate­r­i­al, das an Ocean­size und vor allem auch an die son­st im Postrock nur allzu sel­ten zitierten Tool erin­nerte.

Visuelle Ein­drücke:

Nihiling: Bass in Trance. Nihiling: Come in, come out. Nihiling: Gitarrenarbeit par excellence. Nihiling: Musik wie aus einer anderen Welt.

Bei­de Musik­grup­pen haben gezeigt, dass die Luft bei ihnen noch lange nicht raus ist, und Vor­freude auf kom­mende Ton­träger und Konz­erte geweckt. Zu hof­fen ist, dass sich in nicht allzu fern­er Zukun­ft nochmals eine Gele­gen­heit ergibt, einem solchen Ereig­nis beizu­wohnen.

Ich nehme an, in abse­hbar­er Zeit wird es bei Peter bessere Bilder und noch mehr Text geben. Emp­fohlen wird daher, ab und zu mal nachzuschauen.
Nach­trag von 22:01 Uhr: Der aus­führliche Bericht mit noch besseren Bildern ist nun auf Schallgrenzen.de zu find­en.


Am gle­ichen Abend wurde vor dem Schloss-Einkauf­szen­trum in Braun­schweig übri­gens für “Wet­ten, dass…?” kollek­tiv getanzt:

ZDF: Bühne für 'ne Stadtwette

Schade; die Beteiligten wis­sen nicht, was ihnen ent­gan­gen ist.

Gern und jed­erzeit mehr davon!

In den NachrichtenPolitik
Über die Beschneidung von Rechten

Argh:

Mit einem neuen Straftatbe­stand soll die Gen­i­talver­stüm­melung an Mäd­chen und Frauen kün­ftig härter bestraft wer­den. Auf der Jus­tizmin­is­terkon­ferenz in Berlin stell­ten die Län­der Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen am Don­ner­stag dazu eine gemein­same Geset­zesini­tia­tive vor.

Seit 1995 gilt die Gen­i­talver­stüm­melung inter­na­tion­al als Men­schen­rechtsver­let­zung. Auch in Deutsch­land wur­den nach Angaben der Jus­tizmin­is­terkon­ferenz schätzungsweise 20.000 Frauen Opfer ein­er Gen­i­talver­stüm­melung.

(Her­vorhe­bun­gen wieder ein­mal von mir)

Zum Ver­gle­ich hierzu eine Zahl vom August 2009, die auch Arne Hoff­mann schon zitierte:

The mul­ti-par­ty com­mit­tee embarked on the tour to find solu­tions fol­low­ing the deaths of 53 ini­ti­ates this sea­son.

So sieht’s aus: Beschnei­dung ist nur so lange eine Ver­stüm­melung, wie sie nicht an Jun­gen und Män­nern durchge­führt wird; in ihrem Fall ist es ein auf jeden Fall zu schützen­der religiös­er und/oder son­stiger kul­tureller Rit­us. 53 Todes­fälle allein in dieser Sai­son, sicher­lich schade, aber nicht mehr zu ändern.

(Natür­lich, immer­hin gehören Jun­gen und Män­ner dem starken Geschlecht an, dem auch mal ein klein­er Krieg in der Jugend sich­er gut tut. Und es gibt eh recht viele von denen, da stört es die Sta­tis­tik nicht, wenn ein Teil von ihnen in ein­er Holzk­iste zurück­kommt.)

Außer­dem, was sind schon 53 tote Jun­gen per sea­son gegen unge­fähr 20.000 tote Frauen und Mäd­chen ins­ge­samt? Die zweite Zahl ist doch viel größer! …

Kön­nte bitte endlich mal jemand das mit der “Gle­ich­berech­ti­gung der Frau” ganz schnell wieder vergessen?


(Apro­pos spiegel.de: In ein­er US-amerikanis­chen Mil­itär­ba­sis haben ein paar Sol­dat­en wild um sich geschossen. Hat eigentlich schon jemand nachgeschaut, ob sie vielle­icht vorher mit Com­put­er­spie­len geübt haben?)

PolitikNetzfundstückeKaufbefehle
Lesetipp: Das bürgerliche Manifest — Aufruf für eine Zeitenwende

Peter Slo­ter­dijk, ein­er der weni­gen noch halb­wegs ernst zu nehmenden zeit­genös­sis­chen Philosophen, äußert sich in der aktuellen Aus­gabe des Politquatschblatts (© S. Gärt­ner) Cicero wie fol­gt:

Wir haben uns – unter dem Deck­man­tel der Rede­frei­heit und der unbe­hin­derten Mei­n­ungsäußerung – in einem Sys­tem der Unter­wür­figkeit, bess­er gesagt: der organ­isierten sprach­lichen und gedanklichen Feigheit ein­gerichtet, das prak­tisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.

Nicht so ganz ver­standen hat das immer­hin rp online, wo man grund­sät­zlich alles auf Thi­lo Sar­razin zurück­führt, der inhaltlich sich­er viel richtiges gesagt hat, aber nun auch so langsam nervt.

Nein, Slo­ter­dijk set­zt tiefer an, direkt an der Wurzel und somit, das wis­sen wir vom Zah­narzt, dort, wo es weh tut. Dass man von der Norm abwe­ichende Mei­n­un­gen bess­er nur ver­hal­ten äußern sollte, ist nur ein Symp­tom der Krankheit, an der das Sys­tem Deutsch­land labori­ert.

Die Deutschen sind bin­nen eines hal­ben Jahrhun­derts, das sie in Wohl­stand, Frieden und Harm­losigkeit ver­bracht­en, ein Savoir-vivre-Kollek­tiv gewor­den, das sich so leicht von nie­man­dem um den Ver­stand brin­gen lässt.

Das Prob­lem der Poli­tik für dieses Kollek­tiv ist, schreibt Slo­ter­dijk, die Selb­stver­ständlichkeit der Parteien. Eine Partei, die ihrer Nach­fol­gerin in der Regierung nichts als Prob­leme hin­ter­lässt, kann sich sich­er sein, dass diese straucheln und erfol­g­los bleiben wird; erfol­gre­ich gezeigt an der SPD ab 1998, der die CDU einen Flick­en­tep­pich hin­ter­lassen hat­te.

Den voll­ständi­gen Elf­seit­er (Wer­bung abge­zo­gen und teil­weise befüllte Seit­en großzügig aufgerun­det) gibt es in “Cicero”, Aus­gabe Novem­ber 2009, zu lesen. Ver­dammt gut investierte sieben Euro.

(Den Rest kann man, wie üblich, ignori­eren.)


Nach­trag:
Einen etwas anderen, auf die ständi­gen Schreie nach “mehr Wach­s­tum” gerichteten Blick auf die Phrasendrescherei hat Chris im Dok­tors­blog hin­ter­lassen. Vor­sicht, Flüche!

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritikNetzfundstückeSonstiges
Kurz und gut: Our Ceasing Voice zum Zweiten

Und da wir ger­ade alle so schön empört sind, komme ich zur all­ge­meinen Entspan­nung nochmals auf die Hal­b­jahre­sanalyse 2009 zurück. Ich schrieb damals:

Nicht ganz eine halbe Stunde füllt das Quar­tett mit psy­che­delis­chen Klangflächen, die hier und da auch mal durch Gitar­ren­wände unter­brochen wer­den.

Inzwis­chen ist eine spe­cial edi­tion, also eine Son­der­au­flage, des Ton­trägers erschienen, die weit­ere vier Stücke, davon zwei alter­na­tive Auf­nah­men bere­its zuvor enthal­tener Stücke, drau­flegt, so dass es inzwis­chen zu fast ein­er Stunde fort­geschrit­te­nen Musik­genuss­es reicht.

Apro­pos Musik:
Keines­falls ärg­er­lich sind die meis­ten Stu­di­en, die let­ztens über die Kaufge­wohn­heit­en von Tauschbörsen­nutzern angestellt wer­den, für jeden­falls mich.

Eine neue Studie bestätigt eine frühere Unter­suchung, wonach Nutzer von File­shar­ing-Plat­tfor­men zwar dur­chaus ille­gal Musik aus dem Netz laden, aber trotz­dem das meiste Geld für legale Musikeinkäufe aus­geben.

Eine wahrlich gute Zeit für eMule-Fre­unde — in Deutsch­land wer­den kaum noch Prozesse gegen seine Nutzer geführt, da es sich ein­fach nicht lohnt, und der Indus­trie gehen die Argu­mente aus, über­haupt noch etwas gegen sie unternehmen zu wollen.

Wer seine eige­nen Kun­den krim­i­nal­isiert, ver­schwindet irgend­wann in der Bedeu­tungslosigkeit. An dieser Stelle mein Dank an die Grün­der von Plat­tfor­men wie Jamen­do und MySpace, die zeigen, dass es auch anders geht.

(Jet­zt ist aber auch mal gut.)

‘Kurz und gut: Our Ceas­ing Voice zum Zweit­en’ weit­er­lesen »

NetzfundstückePersönlichesMusik
Meine Spalte.

Die deutschsprachige Blo­gosphäre, wie auch immer man sie definieren mag, hat sich ger­ade wieder auf einige leicht zu dif­famierende Geg­n­er eingeschossen, namentlich Frau Dr. Schweitzer und diverse Daten­schutzver­sager, also bleibt mir mal wieder nur übrig, zur einiger­maßen abwech­slungsre­ichen Unter­hal­tung mein­er geschätzten Leser­schar wieder in den Abgrün­den des Inter­nets zu wühlen. Eigentlich wollte ich mich hier über das zufäl­lig ent­deck­te Pro­gramm MeineS­palte amüsieren, aber ger­ade noch rechtzeit­ig fiel mir ein, dass dies wahrlich unter dem Niveau wäre, das die Mehrheit der­jeni­gen, die hier ab und zu rein­schauen, hof­fentlich erwartet. Also ver­linke ich stattdessen fröh­lich das hier weit­er, das ich bei Frank fand und das dem­nächst hof­fentlich in jedem halb­wegs guten Inter­netverze­ich­nis unter “Komik”, “Min­i­mal­is­mus” und “sur­reale Absur­ditäten” zu find­en sein möge, wo doch die Inter­netkat­e­gorisier­hei­nis gern mal wun­der­liche Kat­e­gorien (Schubladen) erfind­en und dann alles, was sich nicht wehren kann, so lange in Wür­felform kneten, bis es hinein­passt.

Nicht alles ist so knet­bar wie abstrak­te Gebilde, manch­es ver­formt sich auch nicht, wenn man selb­st Hand anlegt. Ist es ver­w­er­flich, sich an eine Zeit der Zufrieden­heit mit dem eige­nen Dasein und des seel­is­chen Wohlbefind­ens (fast wollte ich schreiben: des Glücks) auch nach Jahren noch zu erin­nern und jeden Moment, im dem die Schwingung ihrer Renais­sance zu spüren ist, mit allen Sin­nen festzuhal­ten? Ist es falsch, eben die Renais­sance dieser Zeit zu erstreben, jeden ihrer Funken begierig zu ergreifen, auch auf die Gefahr hin, sich die Fin­ger zu ver­bren­nen? All dies geschrieben unter Zweifeln.

Zeit ist eine Kon­stante, die der Men­sch sich erdacht hat, um sich selb­st belü­gen zu kön­nen.

All the dreams that we were build­ing
We nev­er ful­filled them
Could be bet­ter, should be bet­ter
For lessons in love


Aus aktuellem Anlass möchte ich übri­gens nochmals darauf ver­weisen, dass in ein­er Woche das Konz­ert des Jahres, wenn nicht sog­ar das Konz­ert der Dekade für wenig Geld in der Kul­tur­fab­rik in Hildesheim stat­tfind­et. Die Pro­tag­o­nis­ten mein­er bevorzugten Mail­ingliste wür­den es fol­gen­der­maßen tre­f­fend for­mulieren:
Erscheinen Sie, son­st weinen Sie!

Sonstiges
Schrecklich, morgen ist schon wieder Halloween.

Heute wieder nur ein Kurz­er wegen all­ge­mein­er Müdigkeit des Schreibers:

Wie seit Wochen aus den Süßwaren­abteilun­gen von Lebens­mit­telgeschäften ersichtlich ist, ist mor­gen schon wieder “Hal­loween”, das Fest des Bösen, dessen neg­a­tive Kon­no­ta­tion noch dadurch ver­stärkt wird, dass es aus dem Hei­den­tum stammt.

Schlimm, wie? Nun, über Sil­vester und Heili­ga­bend bre­it­en wir also lieber den Man­tel des Schweigens.

;)

(Was genau es mit dem Glauben zu tun haben soll, seinen Nach­wuchs wild­fremde Leute mit­tels “Süßes, son­st gibt’s Saures” erpressen zu lassen, mag mir auch noch nicht so recht ein­leucht­en; aber ich wieder­hole mich auch nur ungern.)

MusikKaufbefehle
40 Jahre “In the Court of the Crimson King”

Fast hätte ich es vergessen zu erwäh­nen:

Am 10. Okto­ber 1969 erschien In The Court Of The Crim­son King – An Obser­va­tion By King Crim­son und nahm die Musik­welt der näch­sten acht Jahre voraus.

40 Jahre fünf Lieder, 40 Jahre Texte wie dieser von Liedern wie diesem:

When every man is torn apart
With night­mares and with dreams
Will no one lay the lau­rel wreath
When silence drowns the screams

Con­fu­sion will be my epi­taph
As I crawl a cracked and bro­ken path
If we make it we can all sit back and laugh
But I fear tomor­row I’ll be cry­ing

Zeit­los schön.