In den NachrichtenPolitikNetzfundstücke
Kurz verlinkt II: Studenten, Spione, SPD (oh, eine Alliteration!)

Eine wirk­lich zauber­hafte Idee hat ProSieben da:

In der Sendung geht es darum, dass fünf männliche Stu­den­ten inner­halb eines Semes­ters 50 Frauen oder Män­ner ins Bett bekom­men sollen. Wer das schafft, gewin­nt und geht als Frauen­schwarm durch.

(via, Her­vorhe­bung von mir)

Mal ganz abge­se­hen davon, dass ich noch nicht so ganz ver­ste­he, wieso man als Frauen­schwarm gilt, wenn man wahlweise 50 Män­ner ins Bett bekom­men hat, was natür­lich auch schlichtweg eine Fehlin­for­ma­tion sein kann, fall­en mir noch zwei weit­ere Fra­gen ein:

Erstens: Welche Frau schwärmt für einen Mann, der beim Schnack­seln eine Strich­liste führt?
Zweit­ens: Wird da eigentlich auch Beweis­ma­te­r­i­al aufgenom­men?

(Wahlweise natür­lich auch drit­tens: Welche arme Sau ist verzweifelt genug, um da teilzunehmen und sich vor dem Prekari­at vol­lends zum Clown zu machen? Ander­er­seits wurde die Ziel­gruppe sicher­lich nicht ganz zufäl­lig gewählt.)

Nach­trag vom 11. Dezem­ber 2009:
Die Sendung wurde nun erst ein­mal ver­schoben.


Das CDU-Haus­magazin Welt Online berichtet:

Die Bun­desregierung und die Inter­net-Wirtschaft pla­nen eine Art verpflich­t­en­den Viren­schutz für die Ver­brauch­er. Provider wie die Telekom, 1&1 oder Arcor sollen ihre Kun­den automa­tisch war­nen, wenn sie sich Viren einge­fan­gen haben. Wer die Schädlinge nicht ent­fer­nt, muss mit Sank­tio­nen rech­nen.

Nur wenig erstaunlich ist, dass die ange­heftete Umfrage (“Soll­ten Ver­brauch­er bestraft wer­den, wenn sie Viren nicht von ihrem Com­put­er ent­fer­nen?”) derzeit 20 Prozent Ja-Stim­men ver­buchen kann. Viel Zus­pruch also für eine Tech­nik, die es voraus­set­zt, dass Dritte auf den eige­nen Com­put­er schauen dür­fen. (Und an Fehlalarme, die in der Antiviren­welt bekan­ntlich immer auftreten kön­nen, hat natür­lich auch wieder kein­er gedacht.)


Apro­pos Bun­desregierung:

Lars Kling­beil, für die SPD im Bun­destag, fordert das Ende der Net­zsper­ren. Die gle­ichen Net­zsper­ren, die die SPD höch­st­per­sön­lich befür­wortet hat, übri­gens. Willkom­men in der Oppo­si­tion!

PersönlichesMusik
Der Silvesterbeitrag 2009, aus belanglosen Gründen früher veröffentlicht

Das Jahr 2009 ist ger­ade etwas mehr als elf Monate alt, und schon sind die ersten Jahres­rück­blicke im Fernse­hen zu sehen. Der Ein­druck, dass also im Dezem­ber keine “Men­schen des Jahres” mehr die Chance bekom­men, sich rechtzeit­ig als solche her­vorzu­tun, ist sich­er kein­er, den man gewin­nen möchte. Und was da auch immer für grausige Per­so­n­en als Pro­tag­o­nis­ten auftreten! Wenn so das Jahr 2009 aussieht, habe jeden­falls ich auf das Jahr 2010 schon jet­zt keine Lust mehr.

Wie sich dann am tat­säch­lichen Jahre­sende ohne­hin her­ausstellen wird, dass man so ziem­lich alles, was man sich für die ver­gan­genen zwölf Monate vorgenom­men hat­te, mal wieder gründlich vergeigt hat. Auch kurze Momente der Freude und des Vergessens kön­nen nur schw­er­lich darüber hin­wegtäuschen, dass man noch immer der gle­iche Men­sch ist wie im let­zten Jahr. Man hat noch immer die gle­ichen Inter­essen, den gle­ichen Musikgeschmack und die gle­iche Ein­samkeit, die an einem nagt wie der Zahn der Zeit in merk­würdi­gen Sprich­wörtern, die einen selb­st zum Glück ohne­hin noch nicht betr­e­f­fen. (Und dann geht es ander­er­seits doch immer schneller, als man es selb­st bemerkt.)

Vor dem nur wenig befüll­ten Textfen­ster, in dem ich Zeilen wie diese üblicher­weise entwerfe, sitze ich nun also, weil mir die eigentliche Idee zu diesem Beitrag gekom­men ist, und mache mir eigentlich über­flüs­sige Gedanken darüber, ob ihn über­haupt jemand lesen möchte. Ich schreibe Texte um des Schreibens Willen. Gedanken, die raus müssen, in die Öffentlichkeit tra­gen und warten, bis sie im Archiv ver­schwinden. Das uralte Prinzip des Tage­buch­schreibens im dig­i­tal­en Zeital­ter, in dem man nicht noch nach Jahrzehn­ten daraus zitiert. Gut so.

Ich wün­sche mir manch­mal, ich hätte mehr Ideen. Schreiben ist eine lieb gewor­dene Tätigkeit. Das The­ma ist fast egal, so lange es mich inter­essiert. Manch­mal kommt dann eben auch was raus, was für den Betra­chter nur unter Dro­gen Sinn ergibt. Das zählt dann als Kreativ­ität und stört mich also nicht.
Sel­ten erhalte ich auch Vorschläge, zu welchen Lebens­bere­ichen ich mich an dieser Stelle äußern kön­nte. Vor eini­gen Tagen unter­hielt ich mich im IRC mit ein­er Leserin, die befürchtete, ich würde sie und ihren zweifel­sohne inter­es­san­ten Charak­ter the­ma­tisieren wollen. Ich äußerte mich wie fol­gt:

(@Tux^verdreifelt) nein, ich blogge nicht über die charak­tereigen­schaften von frauen. als ich das let­ztes mal tat, hab ich danach nur gehört “du hast doch keine ahnung .. blafasel … du bist ein dummes arschloch.. bla .. sülz .. fick dich”

Die Außen­wirkung mein­er Beiträge inter­essiert mich son­st nur wenig. Aber wenn ich Gefahr laufe, auf­grund ihrer Veröf­fentlichung von son­st eigentlich wohlgesonnenen Per­so­n­en nach­haltig beschimpft zu wer­den, sehe ich oft davon ab, sie zu schreiben. Das macht nichts, damit kann ich mich arrang­ieren.

Und schon wieder bin ich vom The­ma abgekom­men. Zurück zu ihm:

Was bedeutet ein neues Jahr? Man nimmt sich irgend­was vor, schiebt es nach hin­ten, und irgend­wann ist schon wieder viel zu wenig Jahr übrig. Wenn aufgestellte Pläne nicht mehr stim­men, ist der klüg­ste Vor­satz für das kom­mende Jahr, keine Pläne mehr zu machen.
Wo doch über­haupt ein “neues Jahr” meist am Fernseh­pro­gramm zu erken­nen ist. Auf Sat.1 und RTL unter­bi­etet man sich gegen­seit­ig mit den unlustig­sten Spaß­mach­ern der let­zten vierzig Jahre (Mario Barth, Rudi Car­rell und lei­der auch fast alle dazwis­chen), und dann immer diese saudäm­lichen Schlager­charts. (Und an Neu­jahr füllt sich dann immer meine Fest­plat­te mit Liedern, die ich im Sek­trausch total toll fand. Favorit im vor­vor­let­zten Jahr: Lisa Stans­field — Been around the world. Favorit im let­zten Jahr: Mouth & Mac­Neal — How do you do?. Vor­let­ztes Jahr wurde mit so Leuten ver­bracht, ver­mut­lich zum Glück. Mal sehen, wie es dieses Mal läuft.)

Statt allein fernzuse­hen, kann man an Sil­vester auch zu anderen Leuten, die man nüchtern nicht erträgt, fahren und mit ihnen zusam­men fernse­hen. (Oder sich gegen­seit­ig Witze erzählen, die man let­ztes Sil­vester im Fernse­hen gehört hat.) Das macht tierisch Freude, wenn man gemein­sam über Witze lacht, für die man sich schämt, sobald man sie ver­standen hat, was aber meist erst viel später ein­tritt.

Der Welt­geist will es, dass zu diesen anderen Leuten nur sel­ten der im Grunde einzige Men­sch gehört, der einem wirk­lich was bedeutet. Das hat sich­er auch Vorteile, man macht sich unter zu viel Alko­hole­in­fluss nur vor Leuten zum Affen, denen man let­z­tendlich ohne­hin egal ist (vice ver­sa), aber es hält auch die Ein­samkeit jung und frisch. Dann ste­ht, sitzt oder liegt man da mit einem Glas bil­li­gen Fusels und fragt sich, was sie ger­ade macht, und man schreibt ihr vielle­icht im nicht mehr allzu nüchter­nen Zus­tand eine Nachricht und erhält einen fra­gen­den Blick, und dann, am näch­sten Tag, liest man seine Nachricht noch mal und ver­ste­ht sie selb­st nicht. Es war schlau von der Natur, unsere Kom­mu­nika­tions­bere­itschaft und ‑fähigkeit unserem Alko­holpegel anzu­passen. Guter Vor­satz für dieses Sil­vester: Mehr auf die eigene Natur hören.

You go there, you’re gone for­ev­er, I go there, I’ll lose my way,
if we stay here we’re not togeth­er, any­where is.

— Enya

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2009 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 4 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Fast hätte ich es vergessen: Ein weit­eres Kalen­der­jahr ist bald vor­bei, und das bedeutet außer arschkaltem Wet­ter und aufgewärmtem Bil­lig­fusel auf so genan­nten “Wei­h­nachtsmärk­ten” auch, dass ich wie üblich die for­mi­da­bel­sten Ton­träger des Jahres — jeden­falls die unter ihnen, die nicht zum Hal­b­jahr schon Erwäh­nung fan­den — in Kürze vorstelle.

Und es waren so viele! — So sehr man eine solche Liste auch kürzen möchte, man wird immer das Gefühl nicht los, dass ein Album, das man rauswer­fen möchte, eigentlich doch ganz wun­der­bar gewor­den ist. Also mussten andere Kri­te­rien her. So fiel der Kürzung zum Beispiel das Album The Inci­dent von Por­cu­pine Tree zum Opfer, weil ich mich nur ungern wieder­holen wollte.

Auch dies­mal möchte ich neben aktuellen Alben anhand zeit­los­er Klas­sik­er auch ein wenig Musikgeschichte der let­zten 40 Jahre betreiben und einige Ton­träger auf­führen, die trotz zahlre­ich­er guter Kri­tiken meine per­sön­lichen Qual­ität­skri­te­rien lei­der nicht erfüllen kon­nten.

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Netzfundstücke
Das Affentheorem

Apro­pos Affen:

Eine Orang-Utan-Dame aus Wien hat das Fotografieren für sich ent­deckt.

Künstler bei der Arbeit

Die Dai­ly Mail weiß mehr:

Her pic­tures have won over more than 8,500 fans on Face­book since the zoo launched an online pho­to album of her work on Tues­day.

Eins der derzeit weltweit bekan­ntesten Face­bookpro­file ist also das eines fotografieren­den Affen.
Die Blüten, die dieses “Web 2.0″ so treibt, sind manch­mal sehr beze­ich­nend.

Spaß mit Spam
Und wie es jedoch am Namen!

Die E‑Mails senden­den Russin­nen haben sich lange nicht mehr bei mir gemeldet, offen­bar haben die zahlre­ichen Verurteilun­gen von Spam­mern in diesem Jahr doch etwas bewirkt. Aber man wäre ja auch in der­ar­ti­gen Zirkeln kein mod­ern­er Men­sch, wenn man sich auf einen einzi­gen Kom­mu­nika­tion­sweg beschränken würde, und so fand ich heute in einem Postein­gang eines mein­er sel­ten genutzten “Web‑2.0”-Profile fol­gende Nachricht:

Und wie es jedoch am Namen!

Es hat ein biss­chen gedauert, bis ich so ganz ver­standen habe, was die Gute da eigentlich von mir wollte.
Ob es am Jen­nifer mit Namen lag?

Nach ein­er Weile habe ich es dann, so hoffe ich, ver­standen: Sie sucht offen­bar einen Mann.
Und sie war von vorn­here­in sehr fasziniert von mein­er über­aus männlichen Ausstrahlung, dass sie sich gar nicht an mir sattse­hen kon­nte, und da sie irgen­deine höhere Macht daran hin­dert, mich jed­erzeit wieder auf dieser ominösen Web­seite zu besuchen, bin ich nun­mehr her­zlich dazu ein­ge­laden, mich bei ihr per E‑Mail zu melden.

Nicht schlecht, dachte ich, noch kein Wort mit ihr gewech­selt und schon habe ich ihre pri­vate und sicher­lich total geheime Mailadresse. Dass sie kein Bild von sich in ihrem eige­nen Pro­fil hat, hat sicher­lich auch gute Gründe.
(Vielle­icht liegt es am Namen.)

Ich war eigentlich fest entschlossen, mich bei der Dame zu melden; immer­hin hielt sie mich für inter­es­sant möglicher­weise in Ord­nung.
Aber irgend­was sagt mir, dass sich da noch schw­er über­wind­bare Hür­den auf­tun:

Ich fürchte, das wird nichts mit uns.

Sie für meine E‑Mail warten. Sie kön­nen.

SonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik XVIII inkl. Wetter zum Weglaufen

Mal ehrlich: Wer auch immer mir ern­sthaft erzählen will, das kalte, trübe Mis­t­wet­ter im Dezem­ber ver­bre­ite eine “total wei­h­nachtliche” Stim­mung und habe allein schon deswe­gen dem kalten, trüben Mis­t­wet­ter im Novem­ber einiges voraus, der hat min­destens einen furcht­bar hässlichen Humor.

(Such­be­griff des Tages, frisch aus mein­er Sta­tis­tik gefis­cht: “fre­und der mich olymp­isch f*ckt”. Wer­den da eigentlich auch Medaillen ver­liehen? Und warum lan­det man mit einem solchen Suchan­liegen auf dieser Inter­net­präsenz? Ich habe Angst.)

Und apro­pos Sport:

Laut ein­er Umfrage des US-Sport­senders ESPN sind 75 Prozent der Mei­n­ung, dass Woods der Öffentlichkeit kein­er­lei Erk­lärun­gen für seine Hand­lun­gen als Pri­vat­per­son schuldet.

Dies schreiben die SPIEGEL-Online-Redak­teure “jdl” und “sid” mit­ten in einem Artikel, der klatschblat­tar­tig Gerüchte über eine Liai­son des kür­zlich verunglück­ten Sportlers Eldrick “Tiger” Woods mit der 9/11-Witwe Rachel Uchi­tel ver­bre­it­et. Dazu passt die Über­schrift:

Ange­bliche Woods-Geliebte: “Lasst mich alle in Ruhe”

Wie funk­tion­iert eigentlich so eine Onlineredak­tion?
Sagt der Chef: “So, du und du und du, ihr lauft mal und holt ’n brauch­bares Zitat von der Ollen, das macht sich immer gut.”

Und dann sagt die Olle aber nichts außer, dass man sie gefäl­ligst mit sein­er Sen­sa­tion­slust und seinen Unter­stel­lun­gen in Ruhe lassen soll, und dann sagt der Chef, tja, dann kann man nix machen, nehmen wir halt das als Zitat, damit es wenig­stens so aussieht, als wäre sie verdächtig, das lesen dann direkt mehr Leute. Stimmt das so weit?

Artikel, die mit “ange­blich” oder “ver­mut­lich” begin­nen, sind in den sel­tensten Fällen jour­nal­is­tisch akzept­abel und als Nachricht­en nicht zu gebrauchen. Ver­meintlich sen­sa­tionelle Neuigkeit­en sind oft keine (also wed­er sen­sa­tionell noch eigentliche Neuigkeit­en), und ein vorge­blich ser­iös­es Nachricht­en­magazin sollte sich hüten, sie als solche zu beze­ich­nen.

Wobei das mit der Ser­iösität ohne­hin eine heik­le Angele­gen­heit ist, da wan­dert SPIEGEL Online schon seit einiger Zeit auf einem schmalen Grat. Derzeit zum Beispiel wirbt man dort mit “witzi­gen” Videos (die man irgend­wo auch schon mal gese­hen hat) und einem Quiz, das irgend­was mit Blitzmän­nchen zu tun hat. Kann es sein, dass man sich bei SPIEGEL Online dafür schämt, “irgend­was mit Nachricht­en” zu machen?

(‘tschuldigt, gibt hier viel zu lesen in let­zter Zeit. Ich hoffe, das ist nicht allzu störend.)

Nach­trag: Das Wort im zweit­en Absatz wurde bewusst teilzen­siert, um ein­er weit­eren Fehlleis­tung großer Such­maschi­nen vorzubeu­gen.

In den NachrichtenPiratenpartei
Die Piraten und das mit dem Schemendenken

Was mich ger­ade ziem­lich erzürnt:

Aaron Koenig, Mit­glied des Bun­desvor­stands der Piraten­partei Deutsch­land, hat das basis­demokratis­che Votum der Schweiz­er — auch dort leben­der Mus­lime übri­gens! — gegen den Bau von Minaret­ten befür­wortet, und der Mob schäumt vor Wut. Dabei hat Koenig sich nicht ein­mal reli­gions­feindlich geäußert oder den Islam als solchen dif­famiert, son­dern die archais­chen Struk­turen, die in ihm teil­weise vorherrschen, kri­tisiert, und selb­st das nur in einem Neben­satz; primär ging es ihm darum, dass diese demokratis­che Abstim­mung als solche, die wir in Deutsch­land bekan­ntlich so nicht ken­nen, grund­sät­zlich lobenswert und ihr Ergeb­nis zu respek­tieren ist. Allein das Wort “Islam” genügte wieder ein­mal, um in alte Links-Rechts-Muster zurück­z­u­fall­en und irgend­was von “Unwählbarkeit” zu faseln.

Vor allem auch bedrück­end ist es, dass eine Pri­vat­mei­n­ung einzel­ner Per­so­n­en gle­ich­welchen Ranges, die gegen kein mir bekan­ntes gel­tendes Gesetz ver­stößt, mit der Mei­n­ung der Partei ver­wech­selt wird. Nicht alles, was der Vor­stand der Piraten­partei Deutsch­land von sich gibt, ist eine Stel­lung­nahme der Partei. (Anders aus­ge­drückt: Ist es für die katholis­che Kirche von Bedeu­tung, wenn der Papst einkaufen geht?)

Diejeni­gen, die bei jed­er Kleinigkeit von irgendwelchen abzuwehren­den Anfän­gen sal­badern, sind her­zlich ein­ge­laden, mir mal zu erläutern, was an Her­rn Koenigs Worten von “Faschis­mus” und “Ras­sis­mus” zeugt und was eigentlich die Piraten­partei Deutsch­land damit zu tun hat. Aus sein­er Abhand­lung geht kein­er­lei Verbindung zu den Pirat­en her­vor, so dass ich einen Zusam­men­hang mit sein­er Parteiar­beit, an der jeden­falls ich nichts auszuset­zen habe, ern­sthaft bezwei­fle.

Übel für die Pirat­en wird es erst, wenn Querköpfe ihre eigene Mei­n­ung im Kreise radikaler Grup­pen mit “wir Pirat­en” begin­nen, wie zulet­zt Frau Ange­li­ka Beer geschehen. Die Piraten­partei Deutsch­land entsagt in ihrer Satzung jeglich­er Nähe zu Schlägertrup­pen bei­der “Seit­en” aus­drück­lich:

Total­itäre, dik­ta­torische und faschis­tis­che Bestre­bun­gen jed­er Art lehnt die Piraten­partei Deutsch­land entsch­ieden ab.

Natür­lich wird es immer wieder Men­schen in der Piraten­partei geben, die sich aus dem klas­sis­chen Links-Rechts-Mod­ell nicht lösen kön­nen oder wollen und die irgen­deine am poli­tis­chen Rand behei­matete Mei­n­ung in der Öffentlichkeit vertreten und sie in Rela­tion zu ihrer Mit­glied­schaft in der Piraten­partei set­zen. Aaron Koenig jeden­falls gehört sich­er nicht dazu.

“Die Pirat­en” als Partei sind nicht links, sie sind auch nicht rechts und sie ver­bit­ten es sich, dass “gegen Rechts” automa­tisch links und “gegen Links” automa­tisch rechts sein muss. Was ein Herr Koenig in sein pri­vates Blog schreibt oder was zum Beispiel ich hier nieder­schreibe, ist keine Parteimei­n­ung und sollte auch nicht als solche ver­standen wer­den, denn diese ist klar fest­gelegt:

Die Piraten­partei ist wed­er links noch rechts, sie ist “vorne” (Pro­tokoll vom 12. Juli 2009).

Ist doch nicht so schw­er.

Nach­trag vom 2. Dezem­ber:
Es war eigentlich vorherse­hbar: Der Gescholtene erläutert eventuelle Missver­ständ­nisse und ern­tet dafür die immer­gle­iche harsche Kri­tik von den immer­gle­ichen Kom­men­ta­toren. Wer sich in dieser Geschichte zum willi­gen Sprachrohr macht und wer nicht, ist jeden­falls offen­sichtlich. Es ist nicht die Piraten­partei.

Netzfundstücke
Medienkritik XVII: Mario Barth und die Fähigkeit zur Reflexion

Der durch wirres Ges­tam­mel (“ken­n­ta, ken­n­ta”) lei­der bekan­nt gewor­dene Come­di­an Witzbold Mario Barth durfte auf irgen­deinem Quatschsender (auss­chnittsweise zitiert auf SPON, das als Quelle für den fol­gen­den Text dient) sein Humorver­ständ­nis illus­tri­eren, und er sprach also wie fol­gt:

Har­ald Schmidt ist für mich die größte Pfeife unter Gottes Sonne.

Ken­nt ihr den?: Set­zt sich eine Fliege in einen Mis­thaufen, sagt der Mis­thaufen zur Fliege: “Du stinkst!”

Ein igno­ran­ter, alter, zorniger Mann, der nur noch die GEZ-Gebühren ein­stre­icht.

So viel Inhalt auf so engem Raum bedarf ein­er aus­führlicheren Analyse:

Barth nen­nt Schmidt “igno­rant”, “alt” und “zornig”. Was er, Barth, mit “igno­rant” meint, lässt der Text offen, aber zumin­d­est “alt” und “zornig” ver­wen­det er offen­bar als neg­a­tives Kri­teri­um. Dass Har­ald Schmidt ein alter Mann gewor­den ist, mag in der Natur liegen, und dass Mario Barth das nicht gut find­et, zeigt doch immer­hin ein­drucksvoll, auf welchem Niveau sein Humor sich bewegt.

Mit “Zorn” scheint Barth auch auss­chließlich neg­a­tives zu assozi­ieren, was jeden­falls mich erstaunt:

Barth beze­ich­nete sich als Kabarett-Fan.

Zorn ist ein wichtiger Bestandteil des poli­tis­chen Kabaretts und oft ein wichtiger Katalysator und auch Motor für sel­biges. Wenn Barth Kabarett auf nur in gerin­gen Dosen nicht albern wirk­ende Humoris­ten wie Flo­ri­an Schroed­er (“finde ich klasse”) und Math­ias Rich­ling (“auch”) beschränkt, wäre jeden­falls in meinen Augen die logis­che Kon­se­quenz eine Nen­nung von Oliv­er Pocher.

Sollte Herr Barth hier zufäl­lig ein­mal rein­schauen, so möchte ich ihm dazu rat­en, sich einen Auftritt von Georg Schramm (unter anderem im Ensem­ble von “Neues aus der Anstalt”, GEZ-finanziert) anzuse­hen und dann gegebe­nen­falls seine neg­a­tive Mei­n­ung von Zorn im poli­tis­chen Kabarett — das der von ihm getadelte Schmidt ja noch immer prak­tiziert! — zu rev­i­dieren.

Und apro­pos GEZ: Was ihn, Barth, der als Wer­be­träger und Pri­vat­senderver­tragspart­ner primär von den niederen Instink­ten der Kon­sumenten finanziert wird, daran stört, dass Har­ald Schmidt seine Bezahlung immer­hin seinem eige­nen Pub­likum zu ver­danken hat, ist mir trotz Nach­denkens auch noch immer nicht klar gewor­den. Wer kann helfen?

Seine Brüder seien ganz ruhig, er hinge­gen schon immer sehr aktiv gewe­sen. “Früher hat man mir einen Fußball gegeben.”

Gebt dem Mann seinen Fußball zurück!

(Lustig und auch noch im weit­eren Sinne the­men­be­zo­gen, da auch auf SPON ent­deckt: Die automa­tis­che Twit­ter-Aus­druck­mas­chine. Hat was.)

MusikSonstiges
Kaufnixtag 2009

Aus­nahm­sweise mal pünk­tlich und weil wir ger­ade über Aktio­nen frag­würdi­gen Zieles spekulierten, ver­weise ich nun mit bekräfti­gen­dem Gesicht­saus­druck auf den heuti­gen weltweit­en Kaufnix­tag:

Die Grun­didee ist eigentlich ganz ein­fach und ein­leuch­t­end: Wenn Ende November/Anfang Dezem­ber die kränkeste Kon­sumphase des Jahres ein­geleit­et wird, weil es auf das Fest des Kaufens und Schenkens („Wei­h­nacht­en“) zu geht, sollen die Men­schen wenig­stens für einen Tag innehal­ten und 24 Stun­den lang nichts kaufen. Statt den Kon­sum anzuheizen geht es also darum, sich mit anderen Din­gen im Leben zu beschäfti­gen.

Mehr Zeit für das Leben, weniger Zeit für Kon­sum; das kann ich unter­stützen und trage hier­mit mein Scher­flein bei.
Und ich hoffe, wenig­stens bei eini­gen Exem­plaren der­jeni­gen, die sich daran aktiv beteili­gen, bleibt eine Nach­wirkung haften.

Ob es das See­len­heil nach­haltig bee­in­flusst, wage ich nicht zu ver­muten; aber dem Kon­to­stand wird’s gut­tun. :)

(Apro­pos nichts kaufen: Da das Kalen­der­jahr sich wieder dem Ende zuneigt, gibt es bei Peter und Nicoro­la wieder CDs zu gewin­nen, hier­für müsst ihr nur eure drei jew­eili­gen Lieblings-CDs 2009 nen­nen. Viel Erfolg allen, die teil­nehmen!)

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In den Nachrichten
Interessierte Frage zur politischen Verantwortung

SPON:

“Ich übernehme die poli­tis­che Ver­ant­wor­tung”
Der Druck nach dem Bekan­ntwer­den der Infor­ma­tion­span­nen war zu groß. Min­is­ter Franz Josef Jung hat seinen Rück­tritt bekan­nt gegeben.

Warum, um Him­mels und meinetwe­gen auch aller anderen glaubens­be­d­ingten virtuellen Aufen­thalt­sorten Willen, fall­en die Begriffe “poli­tis­che Ver­ant­wor­tung” und “Kon­se­quen­zen ziehen” immer erst, nach­dem der jew­eilige Ver­ant­wortliche den durch irgendwelche Wirren im Anse­hen arg beschädigten Posten längst geräumt hat?

(Sein Nach­fol­ger hat’s aber auch nicht leicht, immer­hin muss er irgend­wie das Ver­sprechen ein­hal­ten, Deutsch­lands Armee nicht in einem Krieg, son­dern in einem “kriegsähn­lichen Zus­tand” anzuführen. Ist eh ’n Brüller, oder?)

MusikSonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Rabatzzzz und Remmidemmi

Eine Frage beschäftigt mich: Welche Klien­tel spricht eigentlich ein Energiev­er­sorgung­sun­ternehmen an, das eine Preisre­duk­tion als “Rabatzzzz” beze­ich­net? Aber der Rei­he nach:

Heute war ich wieder ein­mal mit meinem Notizbuch in der “City” — ein Ter­mi­nus, der das wahrlich unpassende “Innenstadt” aus­nahm­sweise zu Recht erset­zt — unter­wegs und suchte nach Bericht­enswertem. Beim üblichen Durch­blät­tern der neu erschiene­nen Musik­magazine stieß ich auf eine Mel­dung, die für Fre­unde ein­heimis­ch­er Polit­com­bos für Auf­se­hen — sofern sie zuvor zu Boden geblickt hat­ten — sor­gen dürfte: Zum 30-jähri­gen Grün­dungsju­biläum der Ham­burg­er Punkband SLiME (ken­nt man: “Mol­lies und Steine / gegen Bul­len­schweine”), die 1994 aus ethis­chen Grün­den ihre Auflö­sung beschlossen hat­te, find­en sich die alten Her­ren im kom­menden Jahr nochmals zu ein­er Tournee zusam­men. Ob dies gemein­sam mit der eben­falls angekündigten Reunion von WIZO zu einem erneuten Auf­flam­men der Deutsch­punkszene führen wird, bleibt abzuwarten; Zeit würde es ja mal wieder.

Noch über shmoove Scherze über diese Ankündi­gung nach­denk­end wurde ich eines Wer­be­plakates gewahr, dessen kreis­chen­des Grün mir arge Kopf­schmerzen zu bere­it­en dro­hte. Ein mir zuvor noch nicht begeg­neter (also immer­hin auch noch nicht neg­a­tiv aufge­fal­l­en­er) Energiekonz­ern ver­suchte, mit einem stil­isierten Frosch­gesicht mit Blitz auf der unge­fähren Stirn um neue Kun­den zu wer­ben. Fasziniert an dieser Wer­be­botschaft hat mich nicht der Frosch, obwohl ich mir bis­lang nicht erk­lären kann, wieso dieses eher stromempfind­liche Tier — voraus­ge­set­zt, ich habe es kor­rekt iden­ti­fiziert — als Wer­be­träger für solch ein Ansin­nen dient, son­dern ein Tex­tkas­ten, der ohne umfassendere Erk­lärung einen “BONUS RABATZZZZ” (sic!) ver­sprach. Aus der Gesamtheit des Plakates fol­gerte ich, dass hier wohl eine Preis­er­mäßi­gung und kein Auf­s­tand gemeint sein sollte, aber — und damit wären wir wieder am Anfang ange­langt — warum verun­zieren die Plakat­mach­er ein dur­chaus wer­be­wirk­sames Wort durch das Anhän­gen wohl verse­hentlich für jugendlich gehal­tener Buch­staben­ket­ten und sor­gen so dafür, dass poten­ziell inter­essierten Plakat­be­tra­chtern gar nicht klar wird, was sie eigentlich ange­boten bekom­men?

So wird das nixxxx, bitte nochmals über­denken.
(Ich habe Kopfweh.)


Lesenswert auch: Frank beobachtet wieder den All­t­ag.

nie­mand hier hat ein iphone, und das ist das einzig ver­söhn­liche, was einem auf­fällt, während man dabeis­te­ht und einem dieser ver­suche nachgibt, die welt ver­ste­hen zu wollen. jed­er hier hat aber einen medion-mp3­play­er (türkis), geschwis­ter (nicht türkis), eine schlechte mei­n­ung über „die da oben“, und das gefühl, im und vom leben per­ma­nent „ver­arscht“ zu wer­den.

Willkom­men in der Tristesse. Es ist ein Graus.

PiratenparteiPolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Zum, zum, zum.

Zum Brüllen:
Mut­ter ruft die Polizei, weil Tochter nicht duschen will, und Polizei set­zt Elek­troschock­waffe gegen Tochter ein, weil Mut­ter das will.
Ist es eigentlich Voraus­set­zung für die US-amerikanis­che Staats­bürg­er­schaft, eine Vollmeise zu haben?

Zum Jubeln:
Die ehe­ma­lige Bun­desvor­sitzende der Grü­nen, Ange­li­ka Beer, ist jet­zt Pirat und sagt schlaue Dinge, die bei den Grü­nen keinen Platz find­en.
Beispiel­sweise: Denn nach mein­er Mei­n­ung müssen Inhalte Vor­rang vor der Mach­top­tion haben.

Nach­trag vom 26. Novem­ber: Kom­man­do zurück, die Gute sym­pa­thisiert mit der radikalen Linken und ver­bre­it­et im Namen der Piraten­partei Infor­ma­tio­nen, die zumin­d­est einen bit­teren Beigeschmack haben (“immer mehr recht­sex­trem motivierte Straftat­en” trotz gegen­sät­zlich­er Sta­tis­tiken). Wenn das mal nicht schiefge­ht!

Zum Kotzen:
Ursu­la von der Leyen sülzt auf aus­gerech­net ein­er Wer­bev­er­anstal­tung für die geplante CeBIT 2010 schon wieder von ihrem Stopp­schild und wird dafür nicht mal mit Eiern bewor­fen.
Sie sei bere­it, nach dem Jahr, um das das Gesetz nun aufgeschoben wurde, Bilanz zu ziehen und gegebe­nen­falls so weit­erzu­machen wie bish­er. Immer­hin, kon­se­quent ist sie ja.

Persönliches
Ein Dialog, zur Nachahmung empfohlen

Als ich heute durch das lokale Einkauf­szen­trum lust­wan­delte, fiel mein Blick auf die Wei­h­nachts­deko­ra­tion (is’ ja schon wieder fast Ende Novem­ber!), und mich überkam ein Schauer. Ich hegte die Befürch­tung, in Kürze würde eine weit­ere gekaufte Seele aus der Horde dieser für falsches Lächeln schlecht bezahlten Kun­den­di­en­st­darsteller meine Aufwartung machen und mich mit guten Wün­schen für ein Fest über­häufen, dem sie augen­schein­lich selb­st nur den Umstand abgewin­nen kön­nte, mal ein paar Tage lang nicht falsch lächeln zu müssen, und bere­it­ete, um nicht durch im Affekt gewählte Worte Unschuldige zu kränken, im Geiste einen Dia­log vor, der etwa wie fol­gt ablaufen sollte:

Die schlecht bezahlte Hil­f­skraft so:
“Fro­he Wei­h­nacht­en, grins!”

Ich dann so unge­fähr:
“Fro­he was bitte? Sie wollen mich wohl ver­gack­eiern. Hörense mal, gute Frau, Sie haben da etwas grund­sät­zlich missver­standen. Ich beab­sichtige dur­chaus, inner­halb der näch­sten dreißig Tage nochmals hier ent­langzuschlen­dern, es erscheint mir daher ver­früht, mir schon jet­zt in der Hoff­nung, dass ich beseelt vom Geist des Kon­sums umge­hend mein Porte­mon­naie zücke, ein fro­hes Fest zu wün­schen.

Und über­haupt Fest und Kon­sum: Sehen Sie, ich halte nicht viel von religiösen Bewe­gun­gen jeglich­er Art. Sie führen in der Regel zu kriegerischen Auseinan­der­set­zun­gen, und Krieg ist nicht unbe­d­ingt meine favorisierte Kom­mu­nika­tions­form. Auch bei Ihnen, nehme ich an, über­wiegen bei dem Wort “Wei­h­nacht­en” nicht die religiösen Empfind­un­gen. Ich kann Sie ver­ste­hen: Sie arbeit­en in einem deutsch­landweit agieren­den Konz­ern, der mit Waren jeglich­er Art han­delt und der deshalb natür­lich ger­ade in der gewin­nträchti­gen Wei­h­nacht­szeit, in der die Unsitte vorherrscht, ent­fer­nt Bekan­nten, die man während der ver­gan­genen elfein­halb Monate erfol­gre­ich zu ver­drän­gen befähigt war, noch in let­zter Minute schnell irgendwelchen Nippes zu erwer­ben, um das schlechte Gewis­sen zu beruhi­gen, an dem man selb­st die Schuld trägt, zu beson­der­er Fre­undlichkeit anleit­et. Es ist schlimm genug, dass es für Ihres­gle­ichen lei­der noch immer keine Selb­stver­ständlichkeit darstellt, in einem kun­den­na­hen Gewerbe die Fre­undlichkeit als höch­stes Gut zu deklar­i­eren, aber mir per­sön­lich ist falsche Fre­undlichkeit noch weniger lieb als ehrlich­er Miss­mut.

Sollte ich mich in Ihnen irren und Sie sind tat­säch­lich vom Geist der Wei­h­nacht beseelt, so möchte ich den­noch davon abrat­en, irgendwelchen Pas­san­ten ungewis­sen Glaubens einen angenehmen christlichen Fest­tag zu wün­schen. Ich nehme nicht an, dass jemand sich hier­von ern­sthaft belei­digt fühlte, jedoch teilt auch nicht jed­er die Auf­fas­sung, bei Wei­h­nacht­en han­dele es sich um einen Tag, der die Men­schen näher zusam­men­bringe oder an dem gar der Begrün­der ein­er der Wel­tre­li­gio­nen geboren wor­den sei. Let­zteres ist, wie Sie vielle­icht wis­sen, längst wider­legt, es wäre daher ange­bracht, mir “fro­he Wei­h­nacht­en” im Früh­jahr zu wün­schen, aber ich habe ohne­hin, da in Ihrem Geschäft schon im Okto­ber die ersten Pap­p­wei­h­nachtsmän­ner zu erah­nen waren, die Befürch­tung, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist; ersteres indes mag ver­ständlich scheinen, ver­bringt man Wei­h­nacht­en doch nur sel­ten allein, aber es ist doch oft eine lästige Pflicht, all die Leute, die man sich einzu­laden verpflichtet fühlt, anständig zu ver­sor­gen und ihnen einen schö­nen Tag zu bere­it­en.

Ich hoffe, Sie sind nun nicht allzu sehr gekränkt, dass ich Sie dergestalt zurück­weise, aber wenn Ihnen der Sinn danach ste­ht, so kön­nen wir gern aus­führlich über Ihre Motive disku­tieren, nach­dem ich meinen Stand­punkt nun dargelegt habe. Ich habe noch unge­fähr eine Dreivier­tel­stunde Zeit.”

Nach Abschluss dieses Wortschwalles, so malte ich mir aus, würde ich ein inter­essiertes Mienen­spiel vor­führen und mich auf die fol­gende Diskus­sion über unser Ver­ständ­nis von Wei­h­nacht­en und Chris­ten­tum ein­lassen, und ich hätte Kunde von vie­len neuen Gedanken, die mein Leben bere­ich­ern wür­den.

Lei­der kam es nicht dazu, und deshalb schreibe ich den fik­tiv­en Dia­log nun­mehr hier hernieder; vielle­icht kann ich ihn doch noch mal brauchen.

In den Nachrichten
“Ist dir kalt, oder hast du was gegen Juden?”

Heute im Tagesspiegel:

Das Ham­burg­er Kinokollek­tiv B‑Movie wollte gemein­sam mit der Gruppe „Kri­tik­max­imierung“ Claude Lanz­manns Debüt­film „Warum Israel“ von 1972 zeigen, eine Reportage über das Lebens­ge­fühl der Israelis und die Geschichte der Staats­grün­dung. Die Auf­führung am 25. Okto­ber wurde jedoch mit Gewalt ver­hin­dert, nicht von Alt- oder Neon­azis, son­dern von selb­st erk­lärten Antifaschis­ten. Das benach­barte anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Zen­trum B 5 versper­rte das Kino, simulierte einen „Check­point“ und wehrte Kino­be­treiber wie ‑besuch­er mit Holzgewehren und Schlaghand­schuhen ab. Eine Aktion, mit der man die ange­blich „prozion­is­tis­che Ver­anstal­tung“ ver­hin­dern und auf das „Apartheids“-Schicksal der Palästi­nenser aufmerk­sam machen wollte.

(via)

Das mit der Aufmerk­samkeit hat dann ja auch ganz gut geklappt. Die “anti­im­pe­ri­al­is­tis­che” Szene, die sich bevorzugt mit Ché-Gue­vara-Shirts und ‑Postern wie auch mit dem aus Nation­al­is­mus und Mil­itär bekan­nten “Pal­i­tuch” schmückt, geht also mit den Meth­o­d­en der ver­pön­ten Nation­al­sozial­is­ten gegen unlieb­same Filme und ihre poten­ziellen Betra­chter vor und scheut auch vor Gewalt gegen Unbeteiligte nicht zurück; und da soll man sich noch über irgend­was wun­dern?

Schade, dass poli­tis­ch­er Diskurs offen­bar nur noch mit Fäusten aus­ge­tra­gen wird.


Apro­pos auch nicht schlecht:
“Die Studieren­den hiel­ten … den größten Hör­saal … beset­zt” (RTL Nachtjour­nal vom 21.11.09); was man eben heute so unter “studierend” ver­ste­ht. Die Abwegigkeit der Wort­wahl “Studieren­den” wird, so schrieb Max Goldt vor einiger Zeit, erst deut­lich, wenn man sie mit anderen Par­tizip­i­en vere­int.

Beset­zende Studierende sind eben keine besesse­nen Stu­den­ten.