Eine der unmöglichsten Auswüchse dieses Web zweipunktnull ist derzeit der Dienst formspring.me (aus reinem Trotz ohne anklickbaren Verweis), den zwar, wieder mal, alle nutzen, aber von dem keiner so genau weiß, wofür eigentlich. Angeboten wird ein schlichtes Formular, das dazu genutzt werden soll, dem Besitzer (möglichst kurze) Fragen zu stellen; sozusagen Twitter in Dialogform.
Da die Fragen grundsätzlich anonym gestellt werden, kann man formspring.me prima nutzen, um Selbstvermarktung (Dialoge mit sich selbst) wie auch Pöbeleien an den Mann zu bringen. Welchen guten Zweck also kann dieser Dienst erfüllen?
Franziska Bluhm schrieb richtig:
Freunde fragen direkt, per Mail oder Telefon, Bekannte vermutlich auch und die meisten Internetler haben ja mittlerweile zigtausend Möglichkeiten der Kommunikation.
Was macht also den Reiz aus? Ich weiß es nicht. Vielleicht gehört erstmal ein großes Ego dazu, sich da überhaupt anzumelden. Man muss ja schließlich erst einmal davon ausgehen, dass die Welt da draußen wirklich Fragen stellen will (…).
Ich kenne selbst einige formspring.me-Nutzer, keiner davon konnte mir bisher einen brauchbaren Grund für seine Teilnahme nennen. Das häufigste Argument: formspring.me ist das kommende Ding oder vergleichbares. Die Meinungen gehen entsprechend auseinander: Die einen beklagen die mangelnde Transparenz und nennen formspring.me eine bloße Werbeaktion des Anbieters, die anderen werfen wieder mal Unsinnstermini wie “das bessere Twitter” in den luftleeren Raum und freuen sich, dass sie endlich die Möglichkeit haben, wildfremden Menschen ihr Privatleben zu offenbaren.
Guter Vorsatz für 2010: Auch diesen Dienst erfolgreich meiden.
Ohne weiteren Kommentar zum Schluss noch meine Lieblingsnachricht der letzten Tage: Guantánamo kann noch nicht geschlossen werden, weil sie erst Geld für ein anderes Gefängnis brauchen, in dem sie dann, vermutlich, eigentlich genau das gleiche praktizieren werden.
(Der jährliche Gedanke an Heiligabend: Wer nur einmal im Jahr in die Kirche rennt und lieben Leuten Geschenke macht, hat einen Grundgedanken des Weihnachts-“Festes” gründlich missverstanden und sollte sich schämen.)


Senfecke:
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