Robert Enke hat beschlossen, sein Leben vorzeitig zu beenden, und über die Gründe wird wild spekuliert, weil man ihn selbst ja nicht mehr fragen kann und sich die Menschen gern mal Gerüchte ausdenken und sie verbreiten, um auch mal jemanden zu haben, der einem zuhört; aber dem schließe ich mich hier nicht an. Viel lieber zitiere und kommentiere ich zwei Beiträge aus dem Kommentarbereich des oben blau gefärbten Stern.de-Artikels.
Nummer 1:
budbundy69 (10.11.2009, 22:48 Uhr):
Und Lehmann bricht nicht mal seine Geburtstagsfeier ab !
Da wird gefeiert, gesungen und gejubelt. geschmacklos !
Ich kann verstehen, dass Menschen ihre Idole haben, denen sie einen gottgleichen Status zuerkennen, und ich kenne es auch zur Genüge, dass bei Missachtung dieses Status durch Dritte in metergroßen Buchstaben “geschmacklos” in den erstbesten gerade greifbaren Kommentarbereich gerotzt wird, aber ich halte es für nicht in Ordnung, unbeteiligten Menschen den Spaß am Leben verderben zu wollen. Sicher ist es keinesfalls ein Grund zu feiern, wenn jemand stirbt, genau so wenig, wie jemand, der einen Mord beabsichtigt, später als Held verehrt werden sollte, aber es sollte auch kein Anlass sein, jegliche Festaktivitäten im Land einzustellen.
Und bevor mir nun wieder die ewig Empörten saure Einträge hinterlassen oder sich schräge Witze über mich ausdenken, als Ergänzung auch noch Kommentar Nummer 2, bevor ich selbst zu einer etwas umfassenderen Erklärung aushole:
Broeselbub (10.11.2009, 22:31 Uhr):
Wohne in Konstanz und muß regelmäßig erleben wie sich Menschen vor den Zug werfen. In der Nähe (Reichenau) ist eine Pyscho-Klinik und da kommt es halt öfters vor. Aber war mal jemals ein Herr Öttinger dort und hat Beileid bekundet? Aber vielleicht ist es in Niedersachsen anders. Selbstmord ist nichts anderes wie Angst vor dem Leben.
Da haben wir es doch schon wieder: Menschen, die von einer ausreichend großen Gruppe an Menschen für ihren Beruf verehrt werden, werden von der Allgemeinheit als wichtiger, mithin als höherwertig eingestuft als Mitglieder der einfachen Arbeiterklasse oder gar, uah!, Arbeitslose. Ein Ministerpräsident lässt in der Regel alles stehen und liegen, wenn ein Sportler oder ein Politiker aus dem eigenen Bundesland aus dem Leben scheidet, aber wenn Menschen, die nur für ihre Familie und ihre Freunde von Bedeutung waren, ein ähnliches Ende wählen, reicht es gerade mal zu einer Anzeige im “Ach, übrigens”-Teil des lokalen Klatschblattes — sofern die Angehörigen sie sich leisten können, versteht sich.
Jeder hat seine Helden, auch ich habe sie. Aber ich habe Trauer als etwas Persönliches, etwas Intimes kennen gelernt und keinesfalls als Statussymbol. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich verstehe und respektiere die Trauer von Menschen um andere Menschen, ganz gleich, um wen es sich handelt oder wie die genauen Umstände beschaffen sind; jedoch ist es in meinen Augen schlicht pervers, mit dieser Trauer hausieren zu gehen oder zu versuchen, sie zu einem Großereignis zu machen.
Da fehlt ja eigentlich nur noch das Spendenkonto.

