PersönlichesNetzfundstücke
Alte Zöp­fe

Die Digi­ta­li­sie­rung der Welt hat bekann­ter­ma­ßen Aus­wir­kun­gen auf die Art, wie wir mit Infor­ma­tio­nen umge­hen, auch dar­auf, wie wir sie ver­ar­bei­ten. Manch­mal, wenn man in der Flut an digi­tal kopier­ten und so für eine eigent­li­che Ewig­keit kon­ser­vier­ten Infor­ma­tio­nen zu ertrin­ken droht, scheint es ein­la­dend, eine oft nicht grund­los getrof­fe­ne Prio­ri­tät man­cher Infor­ma­tio­nen zugun­sten einer jeden­falls tem­po­rä­ren Ord­nung oder des­sen, was man dafür hält, zu ver­wer­fen und den Lösch­knopf zu betä­ti­gen. „Alte Zöp­fe“, die man abschnei­den „müs­se“, sei­en die ent­fern­ten Tex­te, behaup­tet man dann manch­mal, um sein eige­nes Gewis­sen zu beru­hi­gen, dem es natür­lich auch nicht immer recht ist, wenn sein Besit­zer Relik­te von Per­so­nen, deren blo­ße Exi­stenz oft­mals das eige­ne Leben posi­tiv zu beein­flus­sen wuss­te, als „alte Zöp­fe“ bezeich­net.

Und wie beim Coif­feur ist auch das Abschnei­den von Tex­ten aus Momen­ten des Glücks – „I’ve had the time of my life“ – meist end­gül­tig. Lässt man sich, von Emo­tio­nen getrie­ben, dazu bewe­gen, sich von den ver­blie­be­nen Zeug­nis­sen sol­cher Momen­te zu tren­nen, schaut man hin­ter­her weh­mu­tig auf den Boden um sich her­um, auf dem nun­mehr die Säu­be­rungs­rou­ti­ne statt­fin­det, und denkt wie­der an die alten Zei­ten, die man nun eigent­lich hin­ter sich las­sen woll­te, um neu anzu­fan­gen.

Sind die alten Zöp­fe ab, merkt man erst, wie viel ange­neh­mer es war, sie ab und zu noch mal anzu­schau­en und sich wie­der in die alten Zei­ten zurück­zu­ver­set­zen.
Die logi­sche Kon­se­quenz: Man lässt sich neue Zöp­fe wach­sen.


Übri­gens end­lich mal eine sinn­vol­le und fun­dier­te Stu­die: Apple-Kun­den lei­den an einer psy­chi­schen Stö­rung.