Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik extern: „Das Inter­net“ gibt es nicht

Auf SPIEGEL ONLINE gibt es einen neu­en Bei­trag zur Dis­kus­si­on um die „Genera­ti­on C64“, die ger­de die Medi­en beherrscht:

„Das Inter­net ver­kommt zum Debat­tier­club“ (Bernd Graff, „Süd­deut­sche Zei­tung“), „Das Netz ist auch ein Medi­um, das in stei­gen­dem Maße Nicht- oder Fast­nicht­mehr­le­sen ermög­licht“ (Frank Schirr­ma­cher, „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“), „Inter­net-Blogs zer­set­zen das infor­mier­te und unab­hän­gi­ge Urteil“ (Josef Schnel­le, „Ber­li­ner Zei­tung“). Bei Jens Jes­sen in der „Zeit“ wird das Inter­net sogar zur han­deln­den Per­son: „Das Inter­net, bevor es groß­mäu­lig von E‑Democracy redet, muss erst ein­mal eine angst­freie Gesell­schaft in sei­nen Räu­men erlauben.“

(…)

Kein Zwei­fel: Das Inter­net exi­stiert, und es wird auch nicht wie­der ver­schwin­den. „Das Inter­net“ aber, wie es Jes­sen, Soboc­zyn­ski, und all die ande­ren Autoren immer wie­der kri­ti­sie­ren und attackie­ren, exi­stiert nicht. „Das Inter­net“ als ein mehr oder min­der homo­ge­nes Gebil­de näm­lich, in dem bestimm­te Regeln gel­ten (oder eben nicht), in dem bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen angeb­lich stän­dig zu beob­ach­ten sind, in dem sich angeb­lich eine bestimm­te Spe­zi­es Mensch tum­melt, der (fast) nichts hei­lig ist. Eine Spe­zi­es, die aber irgend­wie trotz­dem eine „Netz­be­we­gung“ mit „her­me­ti­schem Voka­bu­lar“ gebil­det haben soll, die ande­re aus­schlie­ßen will, wie Susan­ne Gasch­ke vor eini­gen Wochen in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ bemängelte.

Sehr rich­tig erkannt; das Inter­net besteht nicht nur aus Schlamm­gru­ben wie 4chan einer­seits und ver­schwo­re­nen Gemein­schaf­ten ande­rer­seits. Es ist ein mul­ti­kul­tu­rel­ler, vir­tu­el­ler Kos­mos, und es wird Zeit, dass die Leu­te das verstehen.


(Ver­such eines Apho­ris­mus: Mit einer schö­nen Erin­ne­rung ins Bett zu gehen und lächelnd auf­zu­wa­chen ist wie Son­nen­auf­gang für die Seele.)