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Wir springen über’s Sommerloch

So, weit­er geht’s. Ich hoffe, ihr hat­tet trotz fehlen­der Unter­hal­tung durch diese Inter­net­präsenz ein paar angenehme Wochen.
Vielle­icht sollte ich häu­figer pausieren; kaum war hier Sende­pause ange­sagt, über­schlu­gen sich die Ereignisse im Land.

Frank-Wal­ter Steineimer Stein­meier ließ sich von eini­gen SPD-Inter­essierten befra­gen, nur Antworten hat­te er nicht parat: Bürg­er fra­gen, Stein­meier fragt zurück. Und ganz neben­bei ver­wen­dete man bei SPON, ver­mut­lich unbe­dacht, den Begriff der “wider­rechtlichen Tötung”, bei dem ich noch immer gern wüsste, wie recht­mäßige Tötung eigentlich funk­tion­iert.

Im ZDF war indes kür­zlich ein Konz­ert anlässlich des zwanzigjähri­gen Beste­hens der Fan­tastis­chen Vier zu sehen. Von der trotz fort­geschrit­te­nen Alters sichtlich motivierten Com­bo, deren Lieder wohl auch wegen der reflex­iv­en, nach­den­klichen Texte vie­len Men­schen einen wichti­gen Teil des Lebens ergeben, wurde unter anderem das Stück “Som­mer­re­gen” aufge­führt, nach dessen Genuss ich erst mal eine Pause brauchte:

Komm, wir lehnen uns wieder gegen den Wind,
und wir erleben im Regen, wessen Wege es sind,
wenn wir schick­salsergeben uns im Tal begeg­nen,
um Trä­nen zu zählen im Rinnsal des Lebens.

Puh. Danke dafür.


Nicht ohne Belus­ti­gung hinge­gen nahm ich einige Zeit zuvor die recht neue Pro-Sieben-Com­e­dy-Sendung Bro­ken Com­e­dy wahr, die den Hang zur Geschmack­losigkeit schon im Namen trägt; aber zwis­chen Hip-Hop-Par­o­di­en und ähn­lichen Albern­heit­en ist dur­chaus auch hin­ter­gründi­ger Humor zu find­en. Wenn beispiel­sweise wöchentlich sämtliche Vorurteile über eine andere deutsche Stadt in Lied­form ver­ar­beit­et wer­den, hält das trotz der teils der­ben Wort­wahl der Gesellschaft, die diese Vorurteile auf­baut, den Spiegel vor und ist somit dur­chaus den (wen­ngle­ich sub­til­eren) Satiren der Titan­ic ver­gle­ich­bar.

Derb sein indes kön­nen die US-Amerikan­er bekan­ntlich immer noch am besten, und sie ver­suchen es auch am auf­fäl­lig­sten zu ver­ber­gen: Im Schul­bezirk Hous­ton ist nun das Herum­schick­en selb­st ange­fer­tigter Nack­tauf­nah­men ver­boten, nicht nur das Senden, son­dern auch das Emp­fan­gen, was zwar eini­gen Sch­aber­nack ermöglicht, aber jeden­falls mich unweiger­lich zu der Frage führt, weshalb solche Maß­nah­men dort nötig sind. Eine Antwort, so fürchte ich, werde ich nie erhal­ten.

Irgend­wo zwis­chen Gesellschaft­skri­tik und Poli­tik bewegt sich auch Ste­fan Nigge­meier, der gemein­sam mit ix zu ver­ste­hen ver­sucht, warum kurz vor den Wahlen aus­gerech­net eine Wahlkampf-Par­o­die mehr medi­ale Aufmerk­samkeit bekommt als der tat­säch­liche Machtkampf zwis­chen Union und SPD:

Es scheint einen bre­it­en Kon­sens unter Jour­nal­is­ten zu geben, dass die 18 Prozent, die Horst Schläm­mer ange­blich bekom­men würde, wenn er bei den Bun­destagswahlen anträte, ein Armut­szeug­nis für die Poli­tik seien. Dass die ganze Geschichte ein Armut­szeug­nis für ihren eige­nen Beruf­s­stand sein kön­nte, darauf kom­men sie nicht.

Gut gebrüllt, Löwe!

Schön, wieder da zu sein. Hof­fentlich bleibt die Welt so ver­rückt.


(Apro­pos “ver­rückt”: Warum heißt die Deutsche Post eigentlich Deutsche Post? [gefun­den hier])