NetzfundstückePolitik
Oh, ein Inter­net-Mani­fest (recht zyni­scher Text, wenig bis gar nicht kon­struk­tiv, bit­te daher um freund­li­che Beachtung)!

Fast völ­lig unbe­merkt von der Öffent­lich­keit Vor Auf­dring­lich­keit kaum zu ertra­gen ist das vor­ge­stern eilig hin­ge­rotzt wir­ken­de „Inter­net-Mani­fest”, in dem 15 deut­sche Ins-Inter­net-Schrei­ber ver­su­chen, die Grund­la­gen des moder­nen Inter­net­jour­na­lis­mus’ dar­zu­le­gen, ohne zuvor die Mei­nung derer ein­zu­ho­len, in deren Namen sie zu spre­chen resp. zu schrei­ben mei­nen, und damit natür­lich auf die Nase fal­len.

Wer – wie ich – zuerst schaut, wer einem da eigent­lich was ver­kau­fen will, spart sich die Lek­tü­re direkt, alle ande­ren wer­den hin­ter­her ver­ste­hen, wie­so so ein unfun­dier­tes Geschwa­fel es über­haupt ins Netz geschafft hat; immer­hin zählt mit Sascha Lobo auch ein Ver­tre­ter der unsäg­li­chen und immer­hin zu Recht erfolg­lo­sen Voda­fone-Anbie­de­rungs­kam­pa­gne zu denen, die ihren ohne­hin nicht mehr für Qua­li­tät oder „was zu sagen haben” ste­hen­den Namen für die­ses lächer­li­che Pam­phlet hergeben.

Am bis­lang tref­fend­sten hat es wohl – wie­der ein­mal – ix formuliert:

ein paar jour­na­li­sten und blog­ger haben haben über das was sie tun nach­ge­dacht und den klein­sten gemein­sa­men nener auf den sie sich eini­gen konn­ten auf­ge­schrie­ben und es „inter­net-mani­fest“ genannt.

Da sit­zen also fünf­zehn Leu­te, die sich um die Bezah­lung für das, was sie der Welt unbe­dingt mit­tei­len wol­len, schon längst kei­ne Gedan­ken mehr machen müs­sen, und begrün­den ihr unüber­leg­tes Geschmier dann mit fol­gen­den rhe­to­ri­schen Großtaten:

jetzt kann jeder plötz­lich sei­nen per­sön­li­chen quatsch oder nicht-quatsch ver­öf­fent­li­chen und er steht dann qua­si gleich­be­rech­tigt neben den tol­len verlagsprodukten.

(Ste­fan Nig­ge­mei­er in den Kom­men­ta­ren zu ix’ Arti­kel, kon­kret The­se Nr. 2)

Ich ste­he also mit die­ser knuf­fi­gen, pri­va­ten Web­prä­senz, deren Kosten zwar gering, aber doch vor­han­den sind, gleich­be­rech­tigt neben per­so­nal­star­ken, von mil­lio­nen- bis mil­li­ar­den­schwe­ren Wer­be­part­nern und einem eige­nen Ver­lag finan­zi­ell unter­stütz­ten Online­por­ta­len? Oha – viel­leicht soll­te ich hier Wer­bung schal­ten las­sen, mein Ein­fluss auf den Jour­na­lis­mus im deutsch­spra­chi­gen Raum ist dem­zu­fol­ge ja über­wäl­ti­gend! War­um sagt mir das nie­mand? – Laut Zugriffs­sta­ti­stik ist mei­ne bis­lang ein­zi­ge nen­nens­wer­te Erwäh­nung durch Drit­te übri­gens die­ser Kom­men­tar in einem der zahl­rei­chen Blogs der taz. Das nen­ne ich Gleich­be­rech­ti­gung. Oder schlicht gro­ben Unfug.

Auch sehr schön fand ich übri­gens die fol­gen­den Thesen:

3. Das Inter­net ist die Gesell­schaft ist das Internet.

Das Inter­net spie­gelt die Gesell­schaft wider, aber es bie­tet durch sei­ne Glo­ba­li­tät kei­nes­falls die Mög­lich­keit, sei­nen Umgang sorg­sam aus­zu­wäh­len. Wer im Inter­net am lau­te­sten schreit, wird am mei­sten beach­tet. Im Inter­net kann man nicht ein­fach den Raum ver­las­sen. Gut für die Ver­fas­ser des Mani­fests, schlecht für die, die es für grau­si­ge Selbst­be­weih­räu­che­rung hal­ten und denen es trotz­dem aus­zugs­wei­se von – gefühlt – jeder zwei­ten Inter­net­sei­te ent­ge­gen­grinst. Unter ande­rem also auch von die­ser hier.

Inter­net-Zugangs­sper­ren … beschä­di­gen das grund­le­gen­de Recht auf selbst­be­stimm­te Informiertheit.

Der Ver­such von fünf­zehn Indi­vi­du­en, die die For­mu­lie­rung eines sol­chen „Mani­fests” ein­fach mal zur Chef­sa­che erklä­ren, irgend­wel­che Grund­sät­ze zu for­mu­lie­ren, die dann auch bit­te alle guten Men­schen gut­zu­fin­den haben, ist hin­ge­gen ein Zeug­nis der selbst­be­stimm­ten Borniertheit.

6. Das Inter­net ver­bes­sert den Journalismus.

Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Reden wir noch mal drü­ber, wenn Goog­le Earth und/oder Goog­le Street View jeden von Ihnen am FKK-Strand oder vor/nach/beim Duschen/Baden/Koitus auf­ge­nom­men hat und/oder haben? Ja? Bes­ser nicht.

16. Qua­li­tät bleibt die wich­tig­ste Qua­li­tät. (…) Ein Publi­kum gewinnt auf Dau­er nur, wer her­aus­ra­gend, glaub­wür­dig und beson­ders ist.

Hof­fen wir also, dass die­ses Pam­phlet auf Dau­er kein Publi­kum fin­det. Bis dahin sie­he bit­te zwei The­sen wei­ter oben, oder ein­fach noch mal die eige­ne Abschluss­the­se konsumieren:

Die “Genera­ti­on Wiki­pe­dia” weiß im Zwei­fel die Glaub­wür­dig­keit einer Quel­le abzu­schät­zen, Nach­rich­ten bis zu ihrem Ursprung zu ver­fol­gen und zu recher­chie­ren, zu über­prü­fen und zu gewich­ten (…). Jour­na­li­sten mit Stan­des­dün­kel und ohne den Wil­len, die­se Fähig­kei­ten zu respek­tie­ren, wer­den von die­sen Nut­zern nicht ernst genom­men. Zu Recht.

Eben: Zu Recht!

Allein: Man kann das „Mani­fest” via netzpolitik.org-Wiki wei­ter­spin­nen. Nur scha­de, dass man mit der Ver­öf­fent­li­chung nicht war­ten konn­te, bis sich hier eine brauch­ba­re Fas­sung ent­wickelt hat.

Nach­trag vom 12.9.:
Ein sati­ri­sches, aber kei­nes­falls alber­nes „Inter­net-Mani­fest”, das eigent­lich alles rich­tig macht, was die Her­ren Jour­na­li­sten nicht rich­tig gemacht haben, gibt es hier zu lesen.


Apro­pos „Unter­zeich­ner des Manifests”:
John­ny Hae­us­ler hat neben­bei erfreu­li­cher­wei­se noch ein wenig Sati­re zum The­ma „Was wäh­le ich denn dies­mal nicht?” ver­fasst. Mei­ne Lieblingspointe:

Die Grü­nen wur­den zunächst als Spaß­par­tei gegrün­det, bis man/Frau fest­stell­te, dass nie­mand in der Par­tei wuss­te, wie die­ses „Spaß“ geht. Seit­dem set­zen sich Die Grü­nen in erster Linie für ein Ver­bot von Fri­su­ren ein und gehen mit gutem Bei­spiel voran.

Lesens­wert, wie auch der Rest des Spree­blicks!
(Jeden­falls fast.)

Senfecke:

  1. Ein Inter­net-Mani­fest ist in der Tat recht albern. Die­ser Arti­kel ist pri­ma, nicht wirk­lich kon- aber auch nicht unzu­läs­sig destruktiv.

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