SonstigesIn den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik XXIV: „Wet­ten, dass…?“ wird wie­der bes­ser.

Soeben ende­te die so genann­te Unter­hal­tungs­sen­dung „Wet­ten, dass…?“, und sie hat­te nach lan­gem mal wie­der gute Wet­ten und mit Andrew Lloyd Web­ber sogar ein wenig Kul­tur zu bie­ten; allein die stän­dig doof gucken­de Michel­le Hun­zi­ker, dies­mal anfangs in einem gera­de­zu lächer­li­chen Kleid, ist ein Grund, den von der All­ge­mein­heit her­bei­or­a­kel­ten Abwärts­trend die­ser Sen­dung zu bestä­ti­gen. Es mag den Quo­ten zuträg­lich sein, wenn die BILD-Kli­en­tel jeman­den zum Besab­bern hat, jedoch ist die­se Frau in die­ser Sen­dung min­de­stens deplat­ziert.

Die musi­ka­li­sche Beglei­tung war weit­ge­hend nicht von Belang, neben Gos­sip und der Shaki­ra war wie­der ein­mal „unser Star für Oslo“, Lena Mey­er-Land­rut, mit ihrem Bei­trag „für Deutsch­land“ zu sehen und zu hören, der da „Satel­li­te“ beti­telt ist und einen eng­li­schen, gleich­falls belang­lo­sen Text vor­zu­wei­sen hat. Inwie­fern eine eng­lisch­spra­chi­ge Pop­schnul­ze Deutsch­land reprä­sen­tie­ren soll, wuss­te weder sie noch ihr Mäzen Ste­fan Raab zu beant­wor­ten, einig waren sie, wenn ich das recht ver­stan­den habe, sich aber immer­hin, dass sie bes­ser auf Eng­lisch als auf Deutsch vor­tra­gen soll­te, weil sie letz­te­res nicht so gut beherrscht; und da stim­me ich voll zu. (Außer ihrer man­geln­den Aus­drucks­fä­hig­keit im Deut­schen ist mir per­sön­lich auch ihre Stim­me ein Graus, aber das ist, immer­hin, noch immer Geschmacks­sa­che.)

Zu loben ist aber, dass statt der übli­chen Hol­ly­wood-Quatsch­köp­fe unter den Gästen neben Genann­ten und dem immer­hin groß­teils stil­len Han­si Hin­ter­seer auch sym­pa­thi­sche Gestal­ten waren; Beth Dit­to, Sän­ge­rin der von mir hier schon mehr­fach gerühm­ten Gos­sip, ehe­mals The Gos­sip, blieb gar frei­wil­lig bis zum Ende, kam jedoch nur sel­ten zu Wort.

Die Wet­ten, die ja eigent­lich den Kern der Schau bil­den sol­len, waren end­lich auch mal wie­der anschau­ens­wert: Neben der Neu­auf­la­ge der meh­re­ren Jah­re alten Wet­te „Trep­pe gegen Fahr­stuhl“, für die der Fahr­stuhl gegen ein Ein­rad aus­ge­wech­selt wur­de, erreich­te auch ein ergrau­ter Leh­rer die Final­run­de, der wet­te­te, den Unter­schied einer mini­mal modi­fi­zier­ten Foto­gra­fie des Ster­nen­him­mels und der unver­än­der­ten Foto­gra­fie erken­nen zu kön­nen, und gewann. Wet­ten, für die man tat­säch­lich etwas kön­nen muss, sind die ein­zi­gen, die wirk­lich anse­hens­wert sind; das Publi­kum hono­rier­te bei­de Lei­stun­gen ent­spre­chend.

Mor­gen wer­den die Feuil­le­tons der deut­schen Pres­se sich wie­der in Lobes­hym­nen und/oder Ver­ris­se über Herrn Gott­schalks Klei­dung, sei­ne blö­den Wit­ze und sei­ne groß­ar­ti­ge Komo­de­ra­to­rin erge­hen und dabei das Wesen der Sen­dung, wie inzwi­schen üblich, gänz­lich igno­rie­ren. Man­cher­lei Bericht­erstat­tung, wenn­gleich so benannt, ist gar kei­ne.

(Scha­de ist es alle­mal, dass sich aus die­sen posi­ti­ven Ein­drücken kei­ne ver­läss­li­chen Aus­sa­gen über die fol­gen­den Sen­dun­gen tref­fen las­sen; allein: Es geht doch!)
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Aktion lebendiges Deutsch
Es ist an der Zeit, ein Zei­chen zu set­zen.

Damit es nicht immer nur heißt, der Typ kann immer nur nör­geln und die Klap­pe auf­rei­ßen und kriegt sonst den Hin­tern nicht aus dem Ses­sel, hier fol­gen­de Bege­ben­heit, die heu­te ihren Abschluss fand:

Vor eini­gen Tagen stieß ich in der Stadt auf ein Wer­be­pla­kat des nie­der­säch­si­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­lei­sters htp. Das Motiv des Pla­ka­tes war nicht all­zu anspruchs­voll und soll hier daher nicht näher beschrie­ben wer­den, jedoch inter­es­sier­te mich das Klein­ge­druck­te:

Aus Grün­den des Lese­kom­forts, kei­nes­falls der blo­ßen Wer­bung, hier die Text­fas­sung:

Der monat­li­che Paket­preis beinhal­tet einen DSL-Anschluss mit einer Band­brei­te von bis zu 16384/1024 kbit/s und eine DSL-Flat­rate. Prak­ti­sche htp Online-Rech­nung und Last­schrift­ver­fah­ren (alt. Papier­rech­nung zzgl. 1,95 €/Monat, Über­wei­sung zzgl. 1,50 €/Monat). Min­dest­ver­trags­lauf­zeit für den htp DSL Solo-Anschluss 24 Mona­te. Kün­di­gungs­frist 3 Mona­te. Ohne Kün­di­gung auto­ma­ti­sche Ver­län­ge­rung um 12 Mona­te. DSL ist fast im gesam­ten htp Anschluss­ge­biet ver­füg­bar. Hard­ware­ver­sand 9,95 € je Vor­gang. Akti­on für htp Neu­kun­den bei Ver­trags­ab­schluss bis zum 31.03.2010: Der Preis für das monat­li­che Grund­ent­gelt htp DSL 16000 Solo ergibt sich aus dem Stan­dard­ent­gelt in Höhe von 29,95 € abzüg­lich einer dau­er­haf­ten, monat­li­chen Gut­schrift von 5 €; die Start­gut­schrift wird auf der ersten htp Tele­fon­rech­nung gut­ge­schrie­ben, das Bereit­stel­lungs­ent­gelt in Höhe von 99,95 € ent­fällt.

Wie die Erfah­re­ne­ren mei­ner Leser nun fest­ge­stellt haben soll­ten, scheint der zustän­di­ge Wer­be­tex­ter der Fir­ma htp ein Pro­blem mit der Kopp­lung von Eigen­na­men und Sub­stan­ti­ven zu haben. Ich schrieb also an die ange­ge­be­ne Mail­adres­se fol­gen­den Text:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

mit Bestür­zung wur­de ich heu­te in Wol­fen­büt­tel Ihres gegen­wär­ti­gen „solo“-Plakates gewahr. Die Bestür­zung traf mich kei­nes­falls ob der Pla­kat­ge­stal­tung, son­dern beim Kon­sum Ihres Klein­ge­druck­ten; aus nicht nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den wer­den dort Kom­po­si­ta, also zusam­men­ge­setz­te Sub­stan­ti­ve mit Eigen­na­men, offen­bar nach dem Zufalls­prin­zip statt nach gän­gi­gen Regeln mal zusam­men, mal aus­ein­an­der geschrie­ben, zum Bei­spiel „htp Anschluss­ge­biet“ statt „htp-Anschluss­ge­biet“.

Sicher haben Sie bes­se­res zu tun als sich mit blo­ßer Spra­che abzu­ge­ben; allein ist auch die Fähig­keit, die eige­ne Lan­des­spra­che kor­rekt anzu­wen­den, ein nicht unwich­ti­ges Kri­te­ri­um des Fir­men­an­se­hens. Die kor­rek­te, mit den nöti­gen Bin­de­stri­chen ver­se­he­ne Fas­sung des klein gedruck­ten Infor­ma­ti­ons­tex­tes lau­tet ent­spre­chend wie folgt:

(Hier folg­te der mit kor­rekt gesetz­ten Bin­de­stri­chen ver­se­he­ne Wer­be­text.)

Hoch­ach­tungs­voll im Namen der deut­schen Spra­che,
Name unle­ser­lich.

Heu­te nun erreich­te mich ein Dan­kes­schrei­ben der GmbH; zusätz­lich zu den übli­chen Flos­keln lag auch ein Lese­zei­chen bei. Wie pas­send!

Eine sehr net­te Geste und ein Zei­chen dafür, dass es auch in einer Zeit der durch Glo­ba­li­sie­rung und Nach­läs­sig­keit ver­lot­ter­ten Nut­zung der deut­schen Spra­che durch­aus nicht ver­kehrt ist, die Augen offen zu hal­ten. Dan­ke, sehr vor­bild­lich, Fa. htp!

:)

(Und die näch­ste E‑Mail schicke ich dann, glau­be ich, den für die Wer­bung zustän­di­gen Mit­ar­bei­tern von Kathe­ri­ne Jenk­ins, die laut Fern­seh­wer­bung zwar noch kei­ne Duet­te, dafür gleich mehr­fach Duetts sang. Autsch.)

PiratenparteiMir wird geschlecht
Pira­tin­nen: Haupt­sa­che, mal mit der Pres­se reden

Vor etwa einem Monat schrieb ich eine erbo­ste Reak­ti­on auf die Grün­dung einer män­ner­frei­en Zone inner­halb der Pira­ten­par­tei, danach war recht lan­ge nur noch wenig von die­sem femi­ni­nen Zir­kel zu hören. Anfang März 2010 wur­de ein offe­ner Brief ver­öf­fent­licht, der die Kri­tik­punk­te zusam­men­fasst und von ein paar sehr rich­ti­gen Kom­men­ta­ren ergänzt wird.

Der Umgangs­ton der stolz unmänn­li­chen Per­so­nen scheint unter­ein­an­der auch nicht der beste zu sein:

Die Dame warf mir meh­re­re Unge­heu­er­lich­kei­ten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu ent­neh­men waren, für alle Mit­glie­der les­bar, und wies mich an, ihr pri­vat zu ant­wor­ten oder im Forum, da sie die Liste nicht wei­ter ver­gif­ten las­sen will. Abge­se­hen davon, dass ihr eige­nes Gift in Form einer veri­ta­blen Ver­leumd­nung anschei­nend nicht so das Pro­blem zu sein scheint. Nun ist mei­ne Ant­wort auf die Mail nicht erschie­nen, da ich (oder alle, so genau konn­te man das nicht erken­nen) auf mode­riert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Mög­lich­keit, mich zu ver­tei­di­gen. So nicht, mei­ne Damen. Wenn das die Vor­stel­lung von Schutz­raum sein soll …

Nun aber war es nach meh­re­ren Wochen der Stil­le um die­se unsäg­lich kin­di­sche Debat­te falsch zu hof­fen, dass da nichts mehr käme; Lena Simon hat heu­te aus­ge­rech­net (und öffent­lich­keits­wirk­sam) im Spree­blick nach­ge­legt:

Bizarr: Ich wur­de ver­warnt für etwas, was ich nicht getan hat­te, denn die Ver­war­nung wur­de wegen par­tei­schä­di­gen­dem Ver­hal­ten aus­ge­spro­chen (und nicht wegen Ver­sto­ßes gegen eine Regel, die besagt, dass ich als Pri­vat­per­son kei­ne Pres­se­mit­tei­lung hät­te her­aus­ge­ben dür­fen, die gibt es näm­lich in der Form nicht).

Die Par­tei geschä­digt haben jedoch ganz ande­re.

Bizarr: Jemand grün­det inner­halb einer Par­tei män­ner­freie Zonen und kann nicht ver­ste­hen, wie­so selbst Frau­en das als abson­der­lich und zweck­fremd bezeich­nen; und statt also sich mit der Kri­tik aus­ein­an­der­zu­set­zen, trom­melt man mit den Fäu­sten auf dem Lin­ole­um her­um und fühlt sich ganz furcht­bar unge­recht behan­delt, wenn nicht gar dis­kri­mi­niert. (Frau­en, die von Frau­en dis­kri­mi­niert wer­den, sind natür­lich auch eine inter­es­san­te Ent­wick­lung in den Sphä­ren des Radi­kal­fe­mi­nis­mus‘.)

Wel­che „ande­ren“ durch wel­che Unta­ten die Par­tei geschä­digt haben sol­len, beant­wor­tet die Dame nur unzu­läng­lich, sie geht aber auch von den fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus. Die Grün­dung der Mai­ling­li­ste ist nicht das ent­schei­den­de Ele­ment gewe­sen, die Vor­ge­hens­wei­se hin­ge­gen schon. Wer erst ein­mal mit der Pres­se und dann erst mit den Betrof­fe­nen redet, setzt die fal­schen Prio­ri­tä­ten.

Jedoch noch mal zum Inhalt­li­chen: Dass man­che Men­schen sich nicht trau­en, in Gegen­wart des ande­ren Geschlechts über Pro­ble­me zu dis­ku­tie­ren, ist kein rein weib­li­ches Phä­no­men, es ist also der völ­lig fal­sche Ansatz, es über die Geschlech­ter­fra­ge zu lösen zu ver­su­chen. Die ewi­ge Isquier­da hal­lu­zi­niert sich jedoch wie­der ganz ande­re Zusam­men­hän­ge her­bei:

Das Pro­blem bei den Pira­ten sehe ich vor allem im extre­men Andro­zen­tris­mus, der eine Welt neben der bewußt männ­li­chen, über­haupt nicht akzep­tiert und sich radi­kal abschot­tet unter Zuhil­fe­nah­me auf klein­bür­ger­li­che Feind­bil­der: Femi­nis­mus!

… weil es eben gera­de­zu absurd erscheint, wenn Par­tei­ar­beit auf das Geschlecht kei­ne Rück­sicht nimmt, weil eben nicht die Pro­fes­sio­na­li­tät des­je­ni­gen von Bedeu­tung ist, der gute Ideen hat und sie umzu­set­zen weiß, son­dern allein sein Geschlecht. Da hat die Gute sicher­lich nicht Unrecht: Der Femi­nis­mus for­ciert Dis­kus­sio­nen, die der poli­ti­schen Arbeit unnö­tig im Weg her­um­ste­hen. Der Mas­ku­lis­mus aller­dings auch. Wer sich mona­te­lang damit beschäf­tigt, ob ein weib­li­cher Pirat nicht bes­ser Pira­tin, Pira­teu­se oder Pira benannt wer­den soll­te, ver­liert das Ziel aus den Augen, das die Pira­ten­par­tei poli­tisch ver­folgt. (Inter­es­sier­te Zwi­schen­fra­ge: Wählt ernst­haft jemand eine Par­tei anhand der ver­ein­bar­ten Anre­de für ihre Mit­glie­der? Wenn ja: War­um?)

Die­ser gan­ze Gen­der­mist hat jetzt schon viel zu viel Ener­gie ver­brannt. Viel­leicht soll­ten wir uns dar­auf ver­stän­di­gen, statt „Pirat“ künf­tig ein gram­ma­ti­ka­lisch neu­tra­les Wort zu ver­wen­den, damit wir uns end­lich wie­der dem Frau­en­hass den wich­ti­ge­ren Din­gen zuwen­den kön­nen.
„Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei Deutsch­land wer­den geschlechts­neu­tral als Geschöp­fe / Wesen / Kame­le bezeich­net.“

Hmm, Kame­le.

Sonstiges
Gemur­mel im Haus Anu­bis

(Hin­weis: Der fol­gen­de Text dient bewusst dem blo­ßen Ver­riss. Even­tu­el­le inhalt­li­che Feh­ler sind beab­sich­tigt.)

Als Inha­ber eines oder meh­re­rer jun­ger, zumal weib­li­cher Geschwi­ster kommt man auch als weit­ge­hend medi­en­kom­pe­ten­ter Mensch nicht umhin, bis­wei­len eigen­ar­ti­ge Fern­seh­se­ri­en ver­fol­gen zu dür­fen. Beliebt scheint der­zeit Das Haus Anu­bis zu sein. Hier­bei han­delt es sich um eine fik­ti­ve Serie, die ein selt­sa­mes Inter­nat und sei­ne Bewoh­ner zum Inhalt hat.

Haupt­dar­stel­ler sind neben den Auf­sichts- und Lehr­per­so­nen natür­lich nicht alle dort unter­rich­te­ten Schü­ler, son­dern nur eini­ge von ihnen. Eins ist ihnen gemein: Sie sind alle­samt gro­tesk über­zeich­ne­te Cha­rak­te­re.

Das Haus selbst hat eine meh­re­re Deka­den lan­ge Geschich­te und unter­hält zwei eige­ne Geheim­bün­de. Bei­de spü­ren einem geheim­nis­vol­len Schatz nach. Wäh­rend der „Klub Sibu­na“, gegrün­det von eini­gen Schü­lern, eigent­lich nur durch sei­nen pein­li­chen Namen auf­fällt und sich anson­sten dadurch aus­zeich­net, dass sich sei­ne Mit­glie­der gegen­sei­tig das, nun, gehei­me Code­wort „Sibu­na“ an den Kopf wer­fen und ver­schwö­re­ri­sche Blicke aus­tau­schen, ist die „Bru­der­schaft des Anu­bis“ ein durch­weg absur­der Hau­fen: Trotz der angeb­li­chen Ver­eh­rung von Anu­bis, Isis, Osi­ris und ähn­li­cher ägyp­ti­scher Gott­hei­ten wird in (schlech­tem) Latein kom­mu­ni­ziert. Eins der Mit­glie­der, Haus­ver­wal­ter Vic­tor Rode­mer, der sich durch völ­li­ge Humor­lo­sig­keit aus­zeich­net und, wenn er nicht gera­de schlech­te Lau­ne ver­brei­tet, mit sei­nem aus­ge­stopf­ten Raben redet, ist wegen eines geheim­nis­vol­len Tran­kes bereits über 130 Jah­re alt und hat eben­so wie der eben­falls stän­dig (schlecht) latei­nisch rade­bre­chen­de Direk­tor, Herr Alt­rich­ter, irgend­et­was mit dem Ver­schwin­den einer Schü­le­rin zu tun, die eine Zeit­lang wie­der auf­taucht, dann aber wie­der ver­schwin­det. Zum Schatz, wor­um auch immer es sich genau han­deln mag, füh­ren irgend­wo her­um­lie­gen­de Wachs­rol­len, auf denen eine ehe­ma­li­ge Schü­le­rin ein Ton­ta­ge­buch geführt hat (sic!), das sich jedoch noch immer pro­blem­los und ohne all­zu gro­ße tech­ni­sche Kennt­nis abspie­len lässt, und eben­falls irgend­wo her­um­lie­gen­de Gedich­te, die anschei­nend min­de­stens jahr­zehn­te­lang unge­le­sen blie­ben; logisch!

Die haupt­dar­stel­len­de Schü­ler­schaft (erwähn­te ich schon, dass ihre Mit­glie­der gro­tesk über­zeich­ne­te Cha­rak­te­re sind?) setzt sich aus bei­der­lei Geschlech­tern zusam­men, ver­tre­ten ist von dem hin­ter­li­sti­gen Snob adli­ger Her­kunft bis zu dem auch cha­rak­ter­lich sprich­wört­lich blon­den Mode­püpp­chen jedes nur denk­ba­re Extrem, nur ein poli­ti­sches Ele­ment fehlt zum Glück. Ihr aller Schau­spiel ist schlecht und soll­te von nie­man­dem gelobt wer­den.

Da jede Fol­ge täg­lich wie­der­holt wird, lässt es sich nicht ver­mei­den, dass man, sitzt man der­weil aus unglück­li­chen Umstän­den her­aus im Fern­seh­zim­mer, bis­wei­len eini­ge der selt­sa­men Dia­lo­ge auf­schnappt. Die heu­te wie­der­hol­te Fol­ge hat­te unter ande­rem zum The­ma, dass (was eigent­lich jedem bis­lang noch Unbe­schol­te­nen das Inter­es­se an einer der­art däm­li­chen Serie gründ­lich aus­trei­ben soll­te) die Kan­di­da­ten für die Schü­ler­spre­cher­wahl die Auf­ga­be beka­men, jeweils ein Land vor­zu­stel­len und ein dies­be­züg­li­ches Fest aus­zu­rich­ten. Und was sprach das blon­de Mode­püpp­chen, als man es über die bevor­ste­hen­de The­men­wahl infor­mier­te?

„Ich lie­be The­men!“

Mich beschleicht all­mäh­lich das ungu­te Gefühl, Kin­der sind mit dem Inter­net doch wahr­lich bes­ser auf­ge­ho­ben als mit der­lei Seri­en.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt XIII: Wer­bal­in­ju­ri­en

SPIEGEL Online:

42 Pro­zent der welt­wei­ten Online-Wer­be­um­sät­ze flie­ßen allein Goog­le zu.

(…) Wer Wer­bung als Belä­sti­gung wahr­nimmt, soll­te sich eines klar­ma­chen: Der Deal, der auch die­ses Ange­bot hier mög­lich macht, funk­tio­niert nur, solan­ge nicht zu vie­le Nut­zer die Wer­bung ver­wei­gern. (…)

Wann schal­ten Sie ihren Wer­be­blocker ab?

wirres.net:

schuld haben, wie immer, die ande­ren. statt dar­über zu kla­gen, dass „42 Pro­zent der welt­wei­ten Online-Wer­be­um­sät­ze flie­ßen allein Goog­le“ zuflie­ssen, könn­te er ja auch mal fra­gen war­um das so ist. viel­leicht ist ein grund dafür, dass die wer­bung bei goog­le nicht nervt.

Jan Sche­j­bal:

Ihr habt die Wahl – ihr könnt dar­auf ver­zich­ten, die Auf­merk­sam­keit der User mit Gewalt an euch zu rei­ßen, und nur noch nor­ma­le, fai­re Wer­bung schal­ten. (Da ihr inzwi­schen ver­lernt habt, was das ist, schaut noch­mal nach oben, da steht es.) Oder ihr könnt wei­ter­hin ver­su­chen zu ner­ven. Dann wer­den wir eure Wer­bung eben gar nicht mehr sehen. Auch gut.

Wer nervt, ist selbst schuld, wenn kei­ner mehr mit ihm spie­len will.
Ach, wem sag ich das?

FotografieNerdkrams
Schaug* und saug! (Heu­te mal niveau­los.)

Schon als mir das in der Hoch­schu­le ver­wen­de­te Mail­pro­gramm aber­mals ein­drucks­voll die Ent­wick­lung der künst­li­chen Intel­li­genz ver­an­schau­lich­te, wuss­te ich, dass es das noch nicht gewe­sen sein soll­te:

Begie­ri­ger als gewöhn­lich also sog ich die Impres­sio­nen auf, die mei­ne Umwelt mir ver­mit­tel­te, und wur­de nicht ent­täuscht:

Wie­der ein­mal gilt: Hihi!

*: bai­risch f. „guck“

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XXIII: Ein Gespenst geht um im nahen Osten.

Ein bemer­kens­wer­ter Aspekt der Bericht­erstat­tung über den Nah­ost-Kon­flikt, der, von den USA, die ja als bekannt diplo­ma­tisch gel­ten und gar zu ver­mit­teln ver­su­chen, bis­lang noch nicht mit demo­kra­ti­schen Mit­teln sank­tio­niert, unver­än­dert zu krie­ge­ri­schen Akti­vi­tä­ten zwi­schen Isra­el und Nicht­is­ra­el führt, ist lei­der, so weit mir bekannt, bis­lang nur in den Nach­rich­ten im Rund­funk erwähnt wor­den; dort jedoch wird er inzwi­schen qua­si wie ein Reflex wie­der­holt: Wird die israe­li­sche Regie­rung in die­sem Zusam­men­hang genannt, so zieht oder schiebt dies auf min­de­stens einem, hier nicht näher benann­ten Sen­der das Attri­but „rechts­ge­rich­tet“ mit sich, als wol­le man sich so dafür ent­schul­di­gen, über­haupt nega­ti­ve Berich­te über die Poli­tik eines Lan­des mit Ver­gan­gen­heit vor­tra­gen zu las­sen; „die Israe­li­ten beneh­men sich wie im Kin­der­gar­ten,“ (kol­lek­ti­ver Auf­schrei im Audi­to­ri­um) „aber, lie­be Zuhö­rer, ver­ges­sen Sie nicht, es han­delt sich um Rech­te!“ (Aus­ru­fe der Erleich­te­rung im Audi­to­ri­um)

Nur unter die­ser Prä­mis­se ist es, so scheint es, nicht anstö­ßig, die Hand­lun­gen der Ver­tre­ter man­cher Staa­ten zu ver­ur­tei­len, die anson­sten ja bevor­zugt die von ihrer eige­nen Geschich­te Geknech­te­ten sind und nur von min­de­stens Anti­se­mi­ten kri­ti­siert wer­den dür­fen, schon rein mora­lisch eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. „Rechts­ge­rich­tet“ hin­ge­gen steht im Wider­spruch zu „histo­risch unschul­dig“ und kommt mitt­ler­wei­le der Vogel­frei­heit nahe. Ein unbe­dach­tes Wort, und du bist „rechts“, und Rech­te, sagt der Volks­mund, haben kei­ne Rech­te; da ist der Sprung zur Pädo­phi­lie auch nicht mehr weit, weil „rechts“ eben immer radi­kal, skru­pel­los und Men­schen ver­ach­tend ist.

(Was mir wie­der­um ver­deut­licht, war­um Kon­ser­va­ti­vis­mus und Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus eben auch alles ande­re als „mit­tig“ sind. „Radi­kal, skru­pel­los und Men­schen ver­ach­tend“; ich hof­fe, ich darf den Tag noch erle­ben, an dem deut­sche Mas­sen­me­di­en dar­auf hin­wei­sen, dass auch unse­re Mit­te-rechts-Koali­ti­on nichts ande­res ist als eben rechts­ge­rich­tet, da ändert auch der mitt­le­re Flü­gel nur wenig.)

Zu scha­de ist es, dass Ephra­im Kishon nichts mehr davon mit­be­kommt.

(Plötz­lich als bis­lang unbe­ant­wor­tet erkann­te Fra­ge des Tages: Wie nennt man eigent­lich die gesel­li­gen Aben­de zwi­schen „U30“ und „Ü30“?)

Netzfundstücke
Vul­va.

Die Benut­zer­schaft der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia pflegt den Brauch, jeden Tag einen Arti­kel des Tages, kurz „AdT“, aus­zu­wäh­len. Heu­te hat sie ins Schwar­ze getrof­fen; die Wahl fiel auf den Arti­kel Vul­va, natür­lich mit Bebil­de­rung.

Und weil die Wiki­pe­dia zwar eine Enzy­klo­pä­die dar­stel­len soll, aber eben dum­mer­wei­se auch von Leu­ten frag­wür­di­ger Moral­vor­stel­lun­gen kon­su­miert wird, dau­ert eine erbau­li­che Dis­kus­si­on (der Ver­weis führt aus Archiv­grün­den zu einer Ver­si­on von 15:40 Uhr) über die­se Ent­schei­dung an. Es dür­fe nicht ange­hen, dass womög­lich deutsch­spra­chi­ge Mus­li­me oder gar Kin­der in einer Enzy­klo­pä­die auf Abbil­dun­gen eines unbe­deck­ten Geschlechts­tei­les sto­ßen, die nun, ohweia!, seit bereits fast zwei Jah­ren unver­än­dert dort zu fin­den sind! Igitt!

Der Unter­gang des Abend­lan­des steht nahe bevor! Schlimm genug, dass Kin­der heut­zu­ta­ge die­sen wider­li­chen Sexu­al­kun­de­un­ter­richt erlei­den müs­sen, nun ist auch noch das Inter­net ein Hort der Unzucht!

(Ich fra­ge mich ja, ob die Mora­li­sten, die nun den Zei­ge­fin­ger schwin­gen, ihre Kin­der unbe­auf­sich­tigt duschen las­sen. Oder bekom­men sie dann einen Blick­schutz umge­schnallt?)

Der Wiki­pe­dia-Grün­der höchst­per­sön­lich hat vor­hin im Wiki­pe­dia-Dis­kus­si­ons­ka­nal auch sei­nen US-ame­ri­ka­ni­schen Prü­de­rie­senf abge­ge­ben:

(jwales) Well, I am com­plai­ning. :)
(Tho­go) jwales: it will be repla­ced in 9 hours auto­ma­ti­cal­ly.
(jwales) Tho­go: that’s 9 hours too long if you ask me
(Off­To­Ha­des) jwales, why? May i ask, it is under­s­tood that wiki­pe­dia is not cen­so­red. What is the com­plaint?
(jwales) I think my com­ment said it well: Prin­ci­ple of Least Asto­nish­ment

Das „Prin­zip der gering­sten Anstö­ßig­keit“ ist also gefragt; anders aus­ge­drückt: Was irgend­je­man­dem miss­fal­len könn­te, ist unge­eig­net. (Ob Chi­ne­sen ein Pro­blem damit hät­ten, Tibet als AdT zu sehen, weiß ich nicht; ich neh­me aller­dings an, der Zugang zur Wiki­pe­dia ist dort ohne­hin gesperrt.) Immer­hin ver­kün­de­te Herr Wales dies aus­drück­lich nur als per­sön­li­che Anmer­kung, nicht als Auf­trag an die deut­schen Admi­ni­stra­to­ren. Eine Enzy­klo­pä­die, die nur das als aus­ge­zeich­ne­ten Arti­kel zulässt, was garan­tiert nie­man­dem sau­er auf­stößt, ist über­flüs­sig, und reli­giö­se oder gar mora­li­sche Wert­vor­stel­lun­gen sind nicht Aus­schlag gebend. (Man stel­le sich eine Wiki­pe­dia ohne Arti­kel über Erd­ge­schich­te, Adolf Hit­ler, Geschlech­ter, Reli­gio­nen oder elek­tro­ni­sche Gerä­te vor.)

Wer nicht will, dass sei­ne Kin­der erfah­ren, mit­tels wel­cher Instru­men­te sie einst ent­stan­den, soll­te sie von Inter­net, Jugend­ma­ga­zi­nen und Schu­le fern­hal­ten, vom Fern­se­her ein­mal ganz zu schwei­gen. Ob es all­zu för­der­lich für die Ent­wick­lung des Nach­wuch­ses ist, wenn man sie womög­lich bis ins Erwach­se­nen­al­ter von dem Unter­schied zwi­schen den Geschlech­tern fern­hält, mag nun jemand anders ent­schei­den, ich jeden­falls bezweif­le es.

(Schön auch, völ­lig unab­hän­gig von der Wiki­pe­dia-Geschich­te, ist die ungu­te Wort­wahl, die ich soeben auf dem anson­sten sub­op­ti­ma­len Radio­sen­der 89.0 RTL hören muss­te: Der ehe­ma­li­ge Pro­du­zent der Charts­pla­ge Lady Gaga ver­sucht sie auf ein paar Mil­lio­nen Euro zu ver­kla­gen. Begrün­dung laut eben­je­nem Radio­sen­der: Es wird ver­mu­tet, dass er in sei­ner Rol­le als Pro­du­zent auch eini­ge ihrer Lie­der mit­pro­du­ziert habe. Unglaub­lich, dar­auf wäre sicher nie­mand gekom­men.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XII: 7 Jah­re Irak­krieg

Heu­te fei­ern wir übri­gens wie­der ein­mal ein viel zu wenig beach­te­tes Jubi­lä­um:

Mitt­ler­wei­le hat die­ser ille­ga­le Angriffs­krieg auf ame­ri­ka­ni­scher Sei­te 4’703 tote Sol­da­ten gefor­dert, über 100’000 Schwer­ver­letz­te und sagen­haf­te 750 Mil­li­ar­den Dol­lar geko­stet.

Viel schlim­mer ist die Opfer­zahl auf ira­ki­scher Sei­te. Die ver­bre­che­ri­sche Inva­si­on durch den Westen hat eine unglaub­li­che Kata­stro­phe unter der Zivil­be­völ­ke­rung ver­ur­sacht.

Seit dem 20. März 2003 sind 1,4 Mil­lio­nen Ira­ker getö­tet wor­den!!!

Die Anzahl getö­te­ter Kin­der beläuft sich in die Hun­dert­tau­sen­de!

35 Pro­zent der Kin­der oder 5 Mil­lio­nen sind Wai­sen!

Wenn man bei­de Krieg, den ersten und zwei­ten Irak­krieg, zusam­men­rech­net, dann sind in der Zeit von 1990 bis 2010 über 1,6 Mil­lio­nen Ira­ker gewalt­sam umge­kom­men. Wei­te­re 2,8 Mil­lio­nen sind durch die Fol­gen der Krie­ge unnö­ti­ger­wei­se gestor­ben, davon 2 Mil­lio­nen Kin­der unter 5 Jah­ren!!!

5 bis 6 Mil­lio­nen Ira­ker sind Flücht­lin­ge!

Alles Gute, lie­ber Irak­krieg!
Auf die näch­sten 7 Jah­re.

In den Nachrichten
Der Papst tut was gegen Kin­des­miss­brauch

Ein Bett­hup­ferl zum Wochen­en­de hin­ter­ließ soeben die ARD-„Tagesschau“:

Im Miss­brauchs­skan­dal bricht Papst Bene­dikt XVI. sein Schwei­gen: Heu­te hat er den Hir­ten­brief an die iri­schen Bischö­fe unter­zeich­net.

Das wird sie sicher beein­drucken.

(Ich fra­ge mich ja, ob die­ses gan­ze Miss­brauchs­ge­rei­her über­haupt ein The­ma wäre, wenn das Zöli­bat nicht wäre; könn­ten die Geist­li­chen [der Hei­li­ge Geist, nicht der ande­re, unter des­sen Ein­fluss bzw. nach des­sen Ein­flö­ßen zum Bei­spiel Frau Käß­mann ein nach­hal­tig schä­di­gen­des Erweckungs­er­leb­nis hat­te] ihren Druck ander­wei­tig ablas­sen, wären Kna­ben ver­mut­lich weni­ger inter­es­sant. Das wäre doch mal ein Ansatz; aber natür­lich gegen jede Leh­re der Bibel, bekannt­lich waren auch die Apo­stel Frau­en gegen­über nicht son­der­lich auf­ge­schlos­sen und Jesus nicht ver­hei­ra­tet, und wer etwas ande­res behaup­tet, hat viel­leicht zu vie­le Apo­kry­phen Dan-Brown-Roma­ne gele­sen, nun ja.)

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Musi­ka­li­scher Wahn­sinn: The Hirsch Effekt

„End­lich“, noch vor Früh­lings­be­ginn, schwin­det die Käl­te, und Son­nen­strah­len statt des gewohn­ten Fro­stes wecken aus unru­hi­gen Träu­men. Zeit also, den trü­ben Post­rock ein­mal bei­sei­te zu legen und sich fröh­li­che­ren Klän­gen zuzu­wen­den:

Die Fach­pres­se ist gera­de begei­stert von den Klän­gen der Han­no­ve­ra­ner The Hirsch Effekt, und wer die Fach­pres­se kennt, der weiß, dass sie oft völ­lig dane­ben liegt. Nicht in die­sem Fall!

Gen­re­schub­la­den hal­te ich für blö­de, und auch auf das Debüt­al­bum Holon : hiber­no von The Hirsch Effekt, das ab mor­gen die Läden berei­chert, wür­de ich nur ungern sol­che anwen­den müs­sen; allein, es ist Musik. Irgend­wo zwi­schen Indie, Pop/Rock, Metal und Avant­gar­de bewegt sich das Trio nebst Hilfs­mu­si­kern, die lei­der heut­zu­ta­ge unüb­li­chen deut­schen Tex­te sind zudem die ver­mut­lich schön­sten seit Long Live The Parts von Ira. Jedes Stück ein Kunst­werk, irre füh­rend der bei­na­he unauf­fäl­li­ge Trai­ler zum Album. Einen roten Faden zu erken­nen ver­mag jeden­falls ich nicht, die Liste der Titel, die einen Zusam­men­hang sug­ge­riert, ist auch nur wenig hilf­reich. Wer die­sem Album lau­schen will, soll­te nicht ver­su­chen, es zu erfas­sen. Kon­zen­tra­ti­on – ja, ger­ne – nur nicht auf das Bei­werk. Augen zu und durch.

Genug der Theo­rie, auf MySpace gibt es die Pra­xis.
Eine ver­ton­te Ach­ter­bahn­fahrt irgend­wo zwi­schen Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um und Coheed and Cam­bria.

Ein guter Ein­stieg in den musi­ka­li­schen Früh­ling 2010. :)


Nach­trag zum The­ma Musik: Die Musik­in­du­strie sol­le Schwarz­ko­pie­rer nicht mehr Pira­ten nen­nen, weil das Wort zu posi­tiv besetzt sei, for­der­te die Che­fin der Inter­na­tio­nal Actors Fede­ra­ti­on kürz­lich. Die Schuld dar­an tra­ge John­ny Depp. Frei über­setzt: „Wir wol­len alle ein biss­chen wie John­ny Depp sein, aber hier geht es um eine kri­mi­nel­le Hand­lung“.

Wir hal­ten also fest: Rau­ben und mor­den – was in der Tri­lo­gie „Fluch der Kari­bik“ durch­aus vor­kommt – sind posi­tiv besetzt, das Her­un­ter­la­den von Nul­len und Ein­sen jedoch schlim­mer als Raub, Mord und Schiffs­ent­füh­rung zusam­men. Schön, dass wir das erfah­ren durf­ten.

(Eigent­lich ist es nur scha­de, dass die­se Mei­nung nicht von einem Ver­tre­ter der Musik­in­du­strie abge­son­dert wur­de; das hät­te noch ein wenig bes­ser gepasst.)

In den Nachrichten
Tötung mit mensch­li­chem Ant­litz (dreist ver­kalau­ert)

Der Staat Ohio demon­strier­te in die­sem Monat wie­der das US-ame­ri­ka­ni­sche Ver­ständ­nis von Mensch­lich­keit, indem er einen Selbst­mord­kan­di­da­ten vor­erst vor dem Tod bewahr­te:

Weni­ge Stun­den vor sei­ner Exe­ku­ti­on hat­te ein zum Tode ver­ur­teil­ter US-Häft­ling sich umzu­brin­gen ver­sucht – konn­te jedoch geret­tet wer­den. Jetzt starb der Mann nach meh­re­ren Gift-Injek­tio­nen. Der Gou­ver­neur von Ohio hat­te die Hin­rich­tung auf­ge­scho­ben, damit sich der Häft­ling erho­len konn­te.

Ich kann die Täter aber auch ver­ste­hen; da betreibt man so viel tech­ni­schen und mensch­li­chen Auf­wand, um einem Häft­ling das Ende zu berei­ten, und dann will der undank­ba­re Strolch nicht mit­spie­len. Frech­heit.

(Sehr schön auch, abge­se­hen von der grau­en­haf­ten Gram­ma­tik, der Wer­be­text auf Lie­fer­schei­nen von 3Dsupply, aus­zugs­wei­se zitiert:
„Du warst zufrie­den? Ver­tei­le die Fly­er an dei­ne Freun­de! (…) Du warst unzu­frie­den? Emp­feh­le uns den Leu­ten, die du viel­leicht nicht magst!“ Hihi.)

Sonstiges
Kin­der im Schil­der­wald

Über die Über­be­schil­de­rung deut­scher Stra­ßen wur­de schon viel genör­gelt. Dann stört es, so mei­ne ich, auch nie­man­den, wenn ich ein wenig Nör­ge­lei bei­tra­ge. Ach­tung, sie folgt:

Heu­te sah ich erst­mals bewusst ein Ver­kehrs­schild, das vor unvor­sich­tig die Stra­ße über­que­ren­den Jung­men­schen war­nen soll. Es steht vor einer Grund­schu­le, wur­de neu­lich so ähn­lich schon in einem ande­ren Bei­trag so ähn­lich, aber in einem völ­lig ande­ren Zusam­men­hang ein­ge­bun­den und sieht ca. so aus:

Mit die­sem Schild, dies neh­me ich an, sol­len Auto­fah­rer dar­auf auf­merk­sam gemacht wer­den, dass sie an die­ser Stel­le einen umsich­ti­gen Fahr­stil anwen­den sol­len. Nun, ich hal­te die­ses Schild für über­flüs­sig.

Pri­ma Begrün­dung Nr. 1:
Auto­fah­rer soll­ten immer vor­sich­tig fah­ren. Wenn man schon meint, sie dar­auf hin­wei­sen zu müs­sen, dass sie bit­te vor­sich­tig fah­ren soll­ten, dann nicht nur vor Schu­len, son­dern über­all, wo Men­schen leben (es sei denn, man misst dem Leben eines Nicht­mehr­klein­kin­des weni­ger Wert zu, was reich­lich arsch­loch­haft wäre); also, sozu­sa­gen, alle paar Meter. Ob ein Schnell­fah­rer nun für kur­ze Zeit weni­ger schnell fährt oder nicht, dürf­te auf die Unfall­sta­ti­stik kei­nen erheb­li­chen Ein­fluss aus­üben.

(Wie es ja auch besten­falls reich­lich unge­schickt ist, im Radio zu ver­kün­den, wo geblitzt wird und, dar­aus fol­gend, wo nicht mehr.)

Dar­aus abge­lei­tet wird bzw. dazu füh­rend ist die pri­ma Begrün­dung Nr. 2:
Kin­der sind als Fuß­gän­ger im Stra­ßen­ver­kehr oft unvor­sich­tig (und blei­ben es oft bis ins Erwach­se­nen­al­ter und dar­über hin­aus). Sie sind es nicht nur in und vor Grund­schu­len, wo wenig­stens meist Erwach­se­ne ihnen bei der Über­que­rung der Stra­ße zur Sei­te ste­hen bzw. behilf­lich sind, sie sind es täg­lich und über­all.

Das Schild ist so, wie es der­zeit genutzt wird, schlicht über­flüs­sig bis gefähr­lich. Cui bono?

(Apro­pos Wol­fen­büt­tel, Jäger­mei­ster wirbt der­zeit mit dem Spruch „Jäger­mei­ster ab 18! Für ver­ant­wor­tungs­vol­len Genuss.“ Mit Ver­laub, Fa. Jäger­mei­ster, irgend­et­was lässt mich an dem Zusam­men­hang zwi­schen Alter und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein zwei­feln.)

PersönlichesMusikPolitikSonstigesIn den Nachrichten
Weil näm­lich, ne?

Da sitzt man mal wie­der doof im ÖPNV der Stadt, die ver­arm­te Alko­ho­li­sier­te seit heu­te zwar immer noch nicht zu the­ra­pie­ren ver­mag, aber immer­hin seit heu­te nicht mehr zu Gesicht bekom­men will, her­um und wird zufäl­lig Ohren- und Augen­zeu­ge eines Dia­logs zwei­er Pre­ka­tia­ri­er, von denen einer, wie ich mit­be­kam, ein wich­ti­ges juri­sti­sches Gespräch füh­ren soll­te, und als ich gera­de Bewun­de­rung für die­sen Men­schen zu emp­fin­den begann, der sich trotz sei­ner miss­li­chen Lage nicht in end­lo­sem betrun­ke­nen Gestam­mel ver­lor, son­dern eine akzep­ta­ble Aus­drucks­wei­se bei­be­hielt, hob er erneut zu spre­chen an und sprach wie folgt:

„… weil, ich kann ja gut reden.“

Kennt ihr die­se Momen­te, in denen Tri­ple Face­palm immer noch als zu wenig erscheint?

(Gera­de, als ich an die­sem Text fei­le, ist die Sie­ge­rin aus der Sen­dung „Unser Star für Oslo“ im Fern­se­hen zu sehen und redet ein wir­res Gemisch aus deut­schen Satz­fet­zen mit einem hör­ba­ren Dia­lekt und eng­li­schen Wort­brocken. Kann nicht bit­te end­lich der näch­ste Sie­ger irgend­ei­nes dritt­klas­si­gen Gesangs­wett­be­werbs gekürt wer­den, am besten einer mit einer ange­neh­me­ren Stim­me?)


Was ich gera­de bei Fefe fand und auch bemer­kens­wert fand, war übri­gens dies:

Vor einer Wei­le haben die deut­schen Steu­er­zah­ler unter ande­rem die Com­merz­bank geret­tet, und sie ver­sprach, die Ret­tung schleu­nigst zurück­zu­zah­len, und etwa zur glei­chen Zeit wur­den der Kaupt­hing Bank eini­ge Mrd. Euro in den Hin­tern gebla­sen. Auf Wikileaks.org wur­de heu­te eine Liste von Inve­sto­ren die­ser Bank ver­öf­fent­licht; dar­un­ter neben der Com­merz­bank auch die Deut­sche Bank und, auf­ge­merkt!, Gold­man Sachs.

Es scheint, als könn­te das mit der Rück­zah­lung noch eine Wei­le dau­ern.