SonstigesNetzfundstücke
Qua­li­tät statt Quantität

Eine bri­ti­sche Psy­cho­lo­gin hat her­aus­ge­fun­den (was eigent­lich bei­na­he immer eher ein unheil­vol­les Zei­chen ist), dass es, will man eine aus­rei­chen­de Schar an regel­mä­ßi­gen Kon­su­men­ten des eige­nen Ins-Inter­net-Schmie­rens an sich bin­den, nicht dar­auf ankommt, aus­ge­feil­te rhe­to­ri­sche Meis­ter­leis­tun­gen, gespickt mit gewitz­ten Wort­spie­len und aller­lei sprach­li­chen Fines­sen, abzu­lie­fern, son­dern viel­mehr auf die Mas­se an pro­du­zier­tem Wortschwall.

Hier­bei ist es nicht ein­mal unbe­dingt von Belang, was inhalt­lich dabei her­aus­kommt. Die Haupt­sa­che sind Mei­nun­gen. Leu­te, die außer­halb der vir­tu­el­len Welt sol­cher­lei fabu­lie­ren, wer­den auf dem Schul­hof ver­trimmt und spä­ter bes­ten­falls igno­riert, aber im Inter­net ist man da als Mei­nungs­ha­ber weit­ge­hend geschützt vor Leu­ten, denen man auf die Ner­ven geht, ihnen bleibt nur schwer­lich ande­res übrig als mit den Zäh­nen zu knir­schen. Vor den Mei­nungs­ha­bern hat man nicht ein­mal dann sei­ne Ruhe, wenn man ihre pri­mä­ren Senf­glä­ser weit­räu­mig umkreist. Wenn sie gera­de noch ein wenig Zeit haben, stei­gen sie von ihren Wol­ken her­ab und hal­ten ihr mei­nungs­vol­les Gesicht in Kame­ras für Medi­en, deren Kon­su­men­ten bis­lang von ihnen ver­schont blie­ben, und wenn es aber bspw. Tages­zei­tun­gen sind, fal­len sie zwi­schen all den Stamm­tisch­trom­pe­tern nicht mal mehr wei­ter auf, so dass es schwer fällt, die tat­säch­lich rele­van­ten Infor­ma­tio­nen noch zu destil­lie­ren. Und lei­der macht man es ihnen in ande­ren Medi­en auch nicht schwe­rer als in ihren Stammweblogs:

Jedes Blog­pos­ting lässt sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se wert­voll ergän­zen, und wer nichts dazu zu sagen hat, hat nur noch nicht das Reiz­wort ent­deckt, an dem er ando­cken kann oder zu dem er die pas­sen­de Neben­be­deu­tung asso­zi­ie­ren bzw. her­bei­hal­lu­zi­nie­ren kann.

Wenn man nicht aus­ge­rech­net zum Bei­spiel ich ist und sei­ne Text­samm­lung, vul­go bis­wei­len auch und in mei­nem Fall kei­nes­falls als „Blog“ beschimpft, nur des Blog­gens wegen betreibt, gibt man sich ein Ziel vor, sei’s nicht die Welt­ver­bes­se­rung, so sei’s doch zumin­dest Bekannt­heit. Den Bauch pin­selt nicht die Freu­de am Schrei­ben, ihn pin­selt die eige­ne Zugriffs­sta­tis­tik, hier und da gar­niert mit ein paar Ein­la­dun­gen zu Selbst­hil­fe­grup­pen, beti­telt „Lesun­gen“ und „Kon­fe­ren­zen“, wäh­rend deren man sei­ne Mei­nung, längst viel­fach bekannt, noch mal auf­sa­gen darf und dafür womög­lich reich ent­lohnt wird, und das alles nur, weil man irgend­wann ein­mal auf die Idee gekom­men ist, sei­ne eige­ne Hal­tung zu jed­wel­chen Stamm­tisch­the­men digi­ta­li­siert auf Fest­plat­ten zu rot­zen. So ein­fach funk­tio­niert das mit der lang­fris­ti­gen Leser­bin­dung: Man muss nur das Schlüs­sel­wort ken­nen, und die Welt steht offen.

Ich versuch’s mal:

Tit­ten!

Soll­te ich somit nun aller­dings in die Rie­ge irgend­wel­cher „A‑Blogger“ auf­stei­gen und fort­an mein Dasein in irgend­wel­chen Blogrol­len fris­ten, umge­ben von Men­schen mit Mei­nun­gen, so ent­schul­di­ge ich mich natür­lich viel­mals und ver­spre­che, Ein­la­dun­gen zu irgend­wel­chen Lesun­gen, Kon­fe­ren­zen oder sons­ti­gen muf­fi­gen Ver­an­stal­tun­gen, die allein dem Zweck die­nen, sich gegen­sei­tig toll und irgend­wie auch sich selbst bes­ser als die armen Nicht-„A‑Blogger“ zu fin­den, auch wei­ter­hin aus­zu­schla­gen. Ich habe eine Mei­nung, aber ich drän­ge sie nie­man­dem auf; das Schö­ne an einer Mei­nung ist, frei nach Robert Gern­hardt, die Sil­be „mein“. Es zählt Qua­li­tät statt Quan­ti­tät, Indi­vi­dua­li­tät statt nur Fre­quenz der Wie­der­ho­lun­gen. Das soll­te sich, eigent­lich, auch mal herumsprechen.

(Dies auch als gut sicht­ba­re Erläu­te­rung, war­um ich hier nicht täg­lich jeden Mist ver­wurs­te, übrigens.)

PolitikIn den Nachrichten
„Kein Deal mit Ganoven!“

Finan­cial Times Deutsch­land, 7. Febru­ar 2010:

Nach dem Auf­tau­chen wei­te­rer Daten über poten­zi­el­le Steu­er­sün­der gibt es Streit über den Ankauf des Mate­ri­als. Baden-Würt­tem­bergs stell­ver­tre­ten­der Minis­ter­prä­si­dent Ulrich Goll (FDP) lehn­te es ab, eine CD zu erwer­ben, die den Behör­den sei­nes Bun­des­lan­des ange­bo­ten wur­de, soll­ten die Daten dar­auf ille­gal erlangt sein. Es dür­fe kei­nen Deal mit Gano­ven geben, sag­te der Justizminister.

SWR, 14. April 2010:

Auf einer CD aus der Schweiz mit Daten angeb­li­cher Steu­er­be­trü­ger sol­len sich auch Namen von FDP-Abge­ord­ne­ten im Land­tag befin­den. Sie bestrei­ten die Vor­wür­fe. Pro­mi­nen­tes­ter Poli­ti­ker ist Jus­tiz­mi­nis­ter Ulrich Goll. Gegen die „Ver­leum­dun­gen“ will er juris­tisch vorgehen.

Ver­leum­dung! Ver­leum­dung! Ein F.D.P.-Politiker wür­de nie­mals den Staat hin­ter­ge­hen oder gar eigen­nüt­zig han­deln. Bös­wil­li­ge Verleumdung!
Und wenn man nicht will, dass die Leu­te die­ser Ver­leum­dung Glau­ben schen­ken, dann schickt man erst mal sei­ne Anwäl­te los. Das hilft immer.

Vol­ker Pis­pers, 21. März 2010:

Er ist Jurist und auch sonst von mäßi­gem Verstand.

Gesichtspalme

In den NachrichtenMusik
Urhe­ber Brecht

Nach­dem ich den Bei­trag über die kom­mer­zi­el­le Ver­wer­tung der Wer­ke von Kunst­schaf­fen­den fer­tig­ge­stellt hat­te, traf eine Nach­richt ein, die ich gern noch dort ver­wurs­tet hät­te, wofür es aber zu spät war, wes­halb ich das nun sepa­rat nachhole:

Bei You­Tube gibt es eine gan­ze Rei­he von Vide­os, die nicht ange­zeigt wer­den, wenn der Betrach­ter mit einer deut­schen IP-Num­mer auf das Por­tal kommt. Bei man­chen ist rela­tiv ein­deu­tig, war­um sie nicht ange­zeigt wer­den – bei ande­ren dage­gen weni­ger. Eines die­ser Vide­os ent­hält das von Bert Brecht und Kurt Weill geschrie­be­ne Stück Mackie Mes­ser in einer Inter­pre­ta­ti­on der Sän­ge­rin Lot­te Lenya. Ruft man es in Deutsch­land auf, dann erscheint statt des Stücks der Hin­weis, dass es „Con­tent von Sony Music Enter­tain­ment“ ent­hal­te und in Deutsch­land „nicht mehr ver­füg­bar“ ist.

(Apro­pos „IP-Num­mer“, habt ihr mit­be­kom­men, dass man im „Minis­te­ri­um für das digi­ta­le Groß­bri­tan­ni­en“, also dort, wo man das mit den Inter­net­sper­ren für Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen für eine gar nicht mal üble Idee hält, „IP“ für die Abkür­zung für Intellec­tu­al Pro­per­ty, also geis­ti­ges Eigen­tum, und nicht etwa für „Inter­net Pro­to­col“ hält? Nun, „geis­ti­ges Eigen­tum“ ist dann auch wie­der eine gelun­ge­ne Über­lei­tung zum eigent­li­chen Text:)

Natür­lich sperrt You­Tube nicht ein­fach so irgend­wel­che Vide­os; Sony Music Enter­tain­ment hat jedoch eine eides­statt­li­che Erklä­rung abge­ge­ben, dass das vol­le Ver­wer­tungs­recht für die Auf­nah­men bei die­sem Kon­zern lie­ge. Im Nach­hin­ein betrach­tet war das zwar effek­tiv, aber nicht son­der­lich klug, denn so recht zutref­fen scheint die­se Behaup­tung nicht. Den­noch ist es eini­ger­ma­ßen unwahr­schein­lich, dass die Ent­schei­dung rück­gän­gig gemacht wird.

Der Vor­fall zeigt (…), dass man bei You­Tube Medi­en­kon­zer­nen weit­ge­hend auf blo­ßen Behaup­tungs­zu­ruf hin angeb­li­che Rech­te aner­kennt, und der gut klin­gen­de Begriff der Eides­statt­li­che Ver­si­che­rung dazu ein­ge­setzt wird, der Öffent­lich­keit eine sorg­fäl­ti­ge Prü­fung zu sug­ge­rie­ren, die in Wirk­lich­keit mög­li­cher­wei­se gar nicht stattfindet.

Gut für die Betei­lig­ten ist es, dass You­Tube LLC kei­ne Behör­de ist, sonst käme das womög­lich bewusst täu­schen­de Vor­ge­hen das elen­de Ver­bre­cher­pack die Zustän­di­gen bei Sony Music Enter­tain­ment teu­er zu ste­hen. Weni­ger gut für die deutsch­spra­chi­gen Benut­zer ist es, dass You­Tube sich das gefal­len lässt. Nun, viel­leicht ändert man dort sein recht blau­äu­gi­ges Vor­ge­hen beim The­ma Urhe­ber­recht, wenn sol­cher­lei nur häu­fig genug pas­siert. Bis dahin bleibt’s, ganz Brecht, nur, auf die für die­sen Ein­griff in die Infor­ma­ti­ons­frei­heit deut­scher Inter­net­nut­zer ver­ant­wort­li­che GEMA nebst Staat, der sie gewäh­ren lässt, zu schimp­fen. Ein jeder möge dies tun! Viel­leicht hilft’s.

(Sehr bezeich­nend auch: Heu­te ver­such­ten zwei mei­ner weib­li­chen Ver­wand­ten, die zehn Gebo­te des Chris­ten­tums aus­wen­dig auf­zu­schrei­ben. Zwei fehl­ten, dar­un­ter eines, das übli­cher­wei­se als eines der ers­ten genannt wird: „Du sollst nicht fal­sches Zeug­nis able­gen“, soll hei­ßen: „Du sollst nicht lügen“. Erwähn­te ich schon, dass die bei­den Per­so­nen, die trotz gemein­schaft­li­chen Nach­den­kens nicht dar­auf kamen, weib­li­chen Geschlechts sind? Aber das hat natür­lich nichts damit zu tun, ist nur ein neben­säch­li­ches Detail.)

Musik
Medi­en­kri­tik XXV: Viva und das NATO-Alphabet

Da gucke ich mal wie­der arg­los einem Geschwist beim Fern­se­hen zu, und es läuft, immer­hin ohne sicht­ba­res Fern­seh­bild, der ekel­haf­te Kau­gum­mi­sen­der Viva. Gera­de ist die Blood­hound Gang mit ihrem Titel „Fox­t­rot Uni­form Char­lie Kilo“ zu hören, und nach­dem es aus­ge­klun­gen war, ent­nahm ich dem Wort­schwall des vor sich hin­brab­beln­den mode­ra­ten Tors Mode­ra­tors unge­fähr dies:

… wenn man die Anfangs­buch­sta­ben von „Fox­t­rot Uni­form Char­lie Kilo“ neben­ein­an­der stellt, fällt einem auf: „Oh, das heißt ja ‚Fuck‘!“, aber da wir ja hier in der gro­ßen Deutsch­stun­de sind, heißt das „Ficken“ …

Jetzt sind wir alle sicher sehr über­rascht; zum Einen dar­über, dass es tat­säch­lich noch Flitz­pie­pen gibt, die den all­zu offen­sicht­li­chen der­ben Buch­sta­ben­scherz des Lie­des nicht schon beim ers­ten Lesen ver­stan­den haben, trom­pe­te­te er doch seit Jah­ren aus sämt­li­chen ent­spre­chen­den Medi­en inkl. der grau­si­gen BRAVO, vor allem aber über den zwei­ten Teil des Sat­zes. Eine „gro­ße Deutsch­stun­de“ ist im deut­schen Fern­se­hen sicher­lich nicht ver­kehrt, aber ich zweif­le noch dar­an, ob aus­ge­rech­net Viva der rich­ti­ge Sen­der für der­lei Unter­neh­mun­gen ist (und ob „ficken“ unbe­dingt gutes Deutsch ist). Eine Moment­auf­nah­me des Viva-Internetauftrittes:

Das gibt after school einen Ein­trag ins Klas­sen­buch, fürch­te ich.
Au, weia.

MusikSonstigesNetzfundstücke
Zufäl­lig Superlativ

CDs, von denen ich als Musik­freund grund­sätz­lich die Fin­ger las­se, kom­men meist als „Box“ (zu Deutsch also als Kis­te) daher, sind mit dem Kon­ter­fei des/der jewei­li­gen Inter­pre­ten ver­ziert bzw., je nach Aus­se­hen, ver­un­stal­tet und tra­gen Namen wie „Grea­test hits“, „Best of“, „The best of“, „The very best of“ oder auch „Das Bes­te von“ und „Die größ­ten Erfol­ge“. Auch recht beliebt bei denen, die sich in ihrem Hirn­kas­ten Namen für die­se will­kür­li­chen Kom­pi­la­tio­nen aus­den­ken, sind „ulti­ma­ti­ve“, also fina­le, Lied­samm­lun­gen, denen dann aber lei­der immer noch etwas folgt. (Immer­hin habe ich bis­lang noch kei­ne „very ulti­ma­te coll­ec­tion of…“ gesehen.)

All die­sen Namen gemein ist die infla­tio­nä­re Ver­wen­dung von Super­la­ti­ven, die ins­be­son­de­re dann, wenn es meh­re­re ver­schie­de­ne der­ar­ti­ge Kom­pi­la­tio­nen eines ein­zi­gen Inter­pre­ten, wie etwa im Fall von Bob Dylan, gibt, ihren Zweck gänz­lich ver­fehlt und mit­un­ter gar lächer­lich wirkt, sprach­li­che Fines­sen wie die Tat­sa­che, dass „das Aller­bes­te“ (the very best), logisch gese­hen, immer eine Teil­men­ge des „Bes­ten“ (the best) sein muss und ein ent­spre­chend benann­ter Ton­trä­ger ers­te­rer Gat­tung nicht völ­lig ande­re oder noch mehr Titel ent­hal­ten soll­te als sein gro­ßer Bru­der, ein­mal gänz­lich igno­riert. War­um ist zum Bei­spiel das Lied „Posi­tively 4th street“ zwar ent­hal­ten in der Lis­te der aller­bes­ten, nicht aber in der der bes­ten oder ande­ren bes­ten Lie­der des Herrn Dylan?

„Natür­lich“, wer­den nun die Käu­fer jener Ton­trä­ger erwi­dern, „ist die Aus­wahl der per­sön­li­chen Lieb­lings­lie­der stets eine sub­jek­ti­ve, und wenn drei Leu­te eine Lis­te der ‚bes­ten Lie­der‘ eines Inter­pre­ten zusam­men­stel­len, resul­tiert dies in drei ver­schie­de­nen Lis­ten“; dann sol­len die­se Leu­te aber auch bit­te davon abse­hen, die­ser Aus­wahl ein nicht halt­ba­res Super­la­tiv als Attri­but auf­zu­drü­cken. De fac­to ist die ein­zig voll­stän­di­ge und garan­tiert jeden Kon­su­men­ten zufrie­den stel­len­de Lis­te der „bes­ten Lie­der“, kon­se­quent fort­ge­führt, letzt­end­lich das Gesamt­werk eines Künst­lers. Wer die Musik eines Inter­pre­ten mag, der wird ent­we­der über die Jah­re nach und nach die von ihm bevor­zug­ten Alben voll­stän­dig erwer­ben oder eben nicht; aber dann wird er auch kei­ner­lei Inter­es­se an offen­bar per Wür­fel zusam­men­ge­stell­ten, nur sel­ten in Zusam­men­hang ste­hen­den Ein­zel­stü­cken von die­sen Alben haben.

Kom­pi­la­ti­on, so heißt’s in der Wiki­pe­dia, stam­me aus dem Latei­ni­schen, genau­er von dem Sub­stan­tiv „com­pi­la­tio“, das unter ande­rem „Plün­de­rung“ bedeu­tet; und das sagt ja eigent­lich auch schon wie­der alles.


Zitat des Tages zum in Bau befind­li­chen Free­dom Tower in aus­ge­rech­net den USA:

Als am 11. Sep­tem­ber 2001 das world trade cen­ter in New York ein­stürz­te, da wur­de in etli­chen weni­ger beach­te­ten Räu­men, die sonst stets im Schat­ten des him­mel­ho­hen Wahn­tur­mes aus Geld und Lüge lagen, über­ra­schend die herr­li­che Son­ne wiedergesehen.

Der aus Beton auf die Lei­chen gegos­se­ne free­dom tower wird die alten Ver­hält­nis­se schon wiederherstellen.

Wie wahr.

Nerdkrams
Undurch­dach­te Instal­la­ti­ons­pro­gram­me, Teil 2

Micro­soft (Fa.)!

Es ist ja nett, dass eure Instal­la­tio­nen in den letz­ten Jah­ren deut­lich aus­sa­ge­freund­li­cher gewor­den sind; aber …

… wenn „alle benö­tig­ten Infor­ma­tio­nen“, wel­che immer dies sein mögen, erfolg­reich vor­lie­gen, ist es für den Anwen­der doch eher unvor­teil­haft, wenn der nächs­te Schritt damit beginnt, dass erst ein­mal „zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen“ gesam­melt wer­den müs­sen, was auch nicht eben eine Sache von weni­gen Sekun­den ist.

Zurück ans Reiß­brett bitte.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Resi­gna­ti­on grotesk

Gege­ben sei ein nicht­de­ter­mi­nis­ti­scher end­li­cher Automat:

Hab ich sel­ber mir ausgedacht.
– Max Goldt: Dei­ne Rei­me sind Schweine


Welt.de berich­tet übri­gens bezüg­lich des Nicht­krie­ges in Afghanistan:

Mer­kel nimmt an Trau­er­fei­er für Gefal­le­ne teil

Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) wird an der Trau­er­fei­er für die drei am Kar­frei­tag in Kun­dus getö­te­ten Sol­da­ten der Bun­des­wehr teilnehmen.

Kennt eigent­lich, abge­se­hen von Welt.de, irgend­je­mand den Unter­schied zwi­schen „fal­len“ und „ster­ben“?
Bit­te erst selbst über­le­gen, bevor zum Bei­spiel hier die Lösung erforscht wird.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XV: Wenn Löschen tech­nisch „nicht mög­lich“ ist.

Web­sei­ten­sper­ren, so heißt es immer wie­der, sol­len „nur dann“ im „Kampf gegen Kin­der­por­no­gra­fie“ ver­wen­det wer­den, wenn ein Löschen nicht ohne grö­ße­ren Auf­wand umzu­set­zen wäre, wie auch immer man die­sen Auf­wand definiert.

Nun hat sich ein däni­scher Zugangs­an­bie­ter ein­mal ana­ly­tisch mit der ihm auf­ge­tra­ge­nen Sperr­lis­te befasst und das Ergeb­nis publi­ziert:

Abge­se­hen davon, dass fast die Hälf­te der Web­sites off­line ist, kommt das Zeug zu über 97% aus den USA, West­eu­ro­pa und Kanada.

Elf Web­sei­ten kom­men aus Deutsch­land. Soll­te auf die­sen tat­säch­lich Dar­stel­lun­gen sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern befin­den, muss man sich schon fra­gen war­um die deut­schen Ermitt­lungs­be­hör­den das dul­den. Denn angeb­lich ste­hen sie ja in der Zwi­schen­zeit in gutem Kon­takt mit den Dänen. Wenn dort ande­re Inhal­te zu fin­den sind, muss man sich fra­gen, war­um die­se auf der Sperr­lis­te stehen …

(Weil man sich ja die­ser Tage ohne­hin fragt, wel­ches Süpp­chen uns als nächs­tes kre­denzt wird, und dar­ob die Res­te vom Vor­tag ver­gisst, und weil man den Vor­tag dann eigent­lich auch lie­ber ver­ges­sen wür­de, aber er sich jedes Mal auf­dring­lich ins Blick­feld schiebt, als wüss­te er nicht genau, dass man satt ist und ihn satt hat. Die Vögel brül­len eine lieb­li­che Ode dazu.)

PersönlichesMusikSonstiges
Die Defi­ni­ti­on der Lie­be aus drei Perspektiven

Lie­be bedeu­tet, sich im Ange­sicht des Ande­ren woh­lig, sicher zu füh­len. Lie­be ist das Gemein­sa­me, nicht das Indi­vi­du­el­le. Indi­vi­du­el­le Lie­be ist Selbst­lie­be. Lie­be ist vor allem aber auch blind, taub und naiv. Wer liebt, kann und wird ver­lie­ren, unver­meid­lich und nur unter Selbst­auf­ga­be auf­schieb­bar. Lie­be ist die Bereit­schaft, sich selbst über­zeu­gend zu belügen.

(Hier­zu zwei Erleb­nis­se: Unter­hält sich doch heu­te im ÖPNV ein kreisch­stim­mi­ges Froll­ein mit einem ande­ren kreisch­stim­mi­gen Froll­ein und erzählt eine Bege­ben­heit aus dem offen­bar nähe­ren gemein­sa­men Bekann­ten­kreis; sie­so, einen ihn nach­äf­fend: „ ‚Oah, ja, ich ver­mis­se sie voll und so‘, und weiß­te, wie oft er sie ange­ru­fen hat? Nicht ein­mal, weiß­te? Tol­le Lie­be!“ – Lie­be wird, scheint’s, mit­un­ter in Wor­ten gemessen.

Meint doch ges­tern im IRC ein all­zu selbst­be­wuss­tes gleich­falls Froll­ein zu mir, es sei gera­de­zu unmänn­lich, auf den Aus­tausch jed­wel­cher Kör­per­se­kre­te, ratio­nal betrach­tet, ver­zich­ten zu kön­nen; zumal selbst ich, lie­ße sie es dar­auf ankom­men, nur all­zu wil­lig wür­de. Män­ner sei­en nun ein­mal bekannt dafür, von der blo­ßen Gegen­wart beton­ter weib­li­cher Kör­per­for­men in ihrer Ratio­na­li­tät aus­rei­chend ein­ge­schränkt zu wer­den und umge­hend zu lie­ben zu begin­nen; „sich lie­ben“ habe nicht grund­los ver­schie­de­ne Bedeu­tungs­ebe­nen, und wer jeman­den wahr­haft lie­be, suche qua­si unver­meid­lich auch die kör­per­li­che Annä­he­rung. – Das Selbst­ver­ständ­nis man­cher­lei moder­ner Frau lässt mich erschaudern.)

Was weißt denn du von Liebe?
Von Lie­be weißt du nichts.

– Fet­tes Brot: Emanuela

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt XIV: Das iPad, ein Acces­soire für Kellerbewohner

End­lich mal ein hand­fes­ter Grund auch für iPad-Besit­zer, es für ein schlecht kon­stru­ier­tes, über­flüs­si­ges Gerät zu hal­ten: Ihr teu­er erwor­be­nes Spiel­zeug hält nicht nur kei­ne Schlä­ge aus, es hat sich auch als recht wet­ter­füh­lig erwiesen.

Apple hat das iPad für Betriebs­tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 0 und 35 Grad Cel­si­us aus­ge­legt – dar­un­ter und dar­über garan­tiert der Her­stel­ler kei­nen ordent­li­chen Betrieb. Als ide­al beschreibt Apple eine Raum­tem­pe­ra­tur von 22 Grad. Glei­ches gilt laut App­les Sup­port­web­sei­ten auch für iPods und iPho­nes. Das iPho­ne schal­tet sich ab dem Modell 3G bei Über­hit­zung eben­falls ab, was aller­dings eher sel­ten zu beob­ach­ten sein dürfte.

Dass vom iPad schon im Früh­ling von Über­hit­zung zu lesen ist, lässt ver­mu­ten, dass die Abwär­me ins­be­son­de­re der CPU und das Auf­hei­zen des Gehäu­ses schnel­ler als erwar­tet zum Pro­blem wer­den. Apple rät, das iPad mög­lichst vom war­men Son­nen­licht fern­zu­hal­ten und es auch nicht im auf­ge­heiz­ten Auto zu nut­zen – vor allem weil die Akku­leis­tung dar­un­ter nach­hal­tig lei­den kann.

„Wie, du hast noch kein iPad?“ – Selbst schuld, wer die­se Fra­ge stellt.


Sehr schön ist übri­gens auch der heu­ti­ge heu­ti­ge Tita­nic-Start­sei­ten­bild­witz. Da bewaff­ne­ter Kon­flikt ich doch tat­säch­lich einen kurz­zei­tig belus­tig­ten Gesichts­aus­druck, der dann aller­dings aus alten Grün­den auch schnell wie­der ver­flog. Ach, die Menschlichkeit.

PolitikNetzfundstücke
Kol­la­te­ral­mord

Pas­send zu Didis Über­le­gun­gen zu Unter­zah­len und Über­zah­len und zur Abwechs­lung von den refle­xiv-grüb­le­ri­schen Selbst­zwei­feln der letz­ten Tage mal wie­der was zum Krieg kriegs­ähn­li­chen Zustand:

Es wur­de ein Video (auch via eMu­le) ver­öf­fent­licht, das zeigt, wie sich die demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Befrei­ungs­trup­pen im Irak benah­men resp. beneh­men und wie egal ihnen „ver­se­hent­lich“ getö­te­te Zivi­lis­ten wie Jour­na­lis­ten und Kin­der sind. Mit­schrif­ten der Dia­lo­ge gibt’s auch auf Deutsch.

Fefe fasst zusammen:

… man sieht dar­auf wohl, wie sie Zivi­lis­ten platt­ma­chen, obwohl sie wis­sen, dass da eine TV-Crew dabei ist, dann komt ein Van mit Zivi­lis­ten, die Men­schen­le­ben ret­ten wol­len, und wo auch noch Kin­der an Bord sind, und den zer­schie­ßen sie auch noch. Am Ende gibt es noch einen herz­haf­ten Lacher, als die Sol­da­ten mer­ken, dass sie über eine Lei­che drü­ber­ge­fah­ren sind.

Kann ja mal passieren.

LyrikPersönliches
Die fal­schen Worte.

Es wäre auch zu schön gewe­sen, hät­te die Geschich­te mit der Frosch­lei­che kein Nach­spiel gehabt.

Das Leben mit all sei­nen kom­pli­zier­ten Zusam­men­hän­gen ist nicht immer ein fai­res, und Über­ein­künf­te bedeu­ten nicht immer Einig­keit. Dies vor­aus­ge­setzt erfüllt es, wenn ein gemüt­li­ches Bei­sam­men­sein, for­ciert durch die berau­schen­de Wir­kung des Alko­hols, dazu führt, dass man sich näher kommt, ohne sich im Vor­aus der mög­li­chen Fol­gen bewusst gewe­sen zu sein, und nach einem Tag der Unge­wiss­heit mit Vor­wür­fen kon­fron­tiert wird, gar die Schuld trägt am gemein­sa­men Unge­wis­sen und der fal­schen Zwei­sam­keit zum womög­lich immer­hin rich­ti­gen Zeit­punkt, und über­dies zunächst von einem unver­hoff­ten Drit­ten, der sich als neu­er (fri­scher, unver­brauch­ter) Lebens­ab­schnitts­weg­be­glei­ter der doch eigent­lich zumin­dest und aber immer­hin ver­meint­lich noch gut befreun­de­ten Per­son gemein­sa­men Inter­es­ses zu erken­nen gibt, über die­se Unwäg­bar­kei­ten infor­miert wird, noch bevor die Dimen­si­on des Ver­gan­ge­nen von dann aller­dings doch letz­te­rer schrift­lich ver­deut­licht und sub­jek­tiv (somit unver­meid­lich ein­sei­tig) über­zeich­net erläu­tert und mit Ver­wün­schun­gen und Aus­drü­cken der Reue für etwas ver­se­hen wird, was dann ja eigent­lich kei­ne Mis­se­tat, viel­mehr ein bei­der­sei­ti­ges Unge­schick war, dann ins­ge­samt auch nicht die Vor­aus­set­zun­gen für den sprich­wört­li­chen Fun­ken Hoff­nung in den gleich­falls sprich­wört­li­chen schlimms­ten Alb­träu­men bzw. dann eben auch nur Befürch­tun­gen glei­cher Beschaf­fen­heit, son­dern bil­det die Kulis­se für die Sym­pho­nie der Zer­stö­rung, die nun bekannt har­mo­ni­schen Men­schen wie dem Schrei­ber die­ses Tex­tes hier wahr­lich nicht zur Erhei­te­rung bei­tra­gen, hin­ge­gen sehr wohl zu dem, was der oft zitier­te Volks­mund mit­un­ter als Depres­si­on bezeich­net, aber sich eher in zeit­wei­ser Nie­der­ge­schla­gen­heit als in dau­er­haf­ten psy­chi­schen Schä­den manifestiert.

Damit ich irgend­wann sagen kann: Jeder liebt ein Regen­ge­dicht, weil wir oben auf sind und tro­cken hin­ter den Ohren und wis­sen, was es heißt, zu zweit zu sein, ganz ohne den Schat­ten eines aller­letz­ten Tages, denn wir wis­sen, was es heißt, zu zweit zu sein; und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kot­ze vor Scheiß­glück­lich­sein. Und die Fra­ge heißt immer nur leben mit dir im Jetzt oder nie, und ich wer­de der ers­te sein – bestimmt wer­de ich der ers­te sein! -, der dich kennt. Mei­ne Angst, dass sich alles jetzt ändert, schlägt mei­nen Tag tot. Gar nichts mehr bleibt. Das, was wir hier suchen, ist viel­leicht das, was wir schon haben und gar nicht wol­len. Das, was wir hier suchen, ist viel­leicht auch gar nicht da.

- The Hirsch Effekt: Epis­tel / Calmo

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Erfolg­rei­che Aben­de sehen so aus.

Nach­mit­tags mit einer ver­mu­te­ten Frosch­lei­che im Hals und ansons­ten immer­hin leich­tem Unwohl­sein in einem furcht­bar ein­deu­tig rie­chen­den Zim­mer auf­wa­chen und erleich­tert fest­stel­len, dass, eben­falls immer­hin, kei­ne dau­er­haf­ten Gäs­te zurück­ge­blie­ben sind, die man bewir­ten müss­te und mit denen ein Gespräch über die ver­gan­ge­nen Stun­den, wor­auf in man­cher­lei Situa­ti­on jeg­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­such lei­der bzw. zum Glück hin­aus­zu­lau­fen pflegt, kei­ne unein­ge­schränkt erfreu­li­chen Resul­ta­te zuta­ge för­der­te, ist natür­lich auch etwas, was man ab und zu mal erle­ben sollte.

Apro­pos erfolg­rei­che Aben­de bzw. so ist das in Han­no­ver:

  • Ich – Sor­ry, aber ich muss weg. Von Euch Gestal­ten bekom­me ich Kopf­schmer­zen. Das ist echt zum Schreien. 
  • Sie – Wie geil! F_ckst Du mich im Kopf [sic]. Ich lutsch Dir ab [sic]. Schmerz im Kopf vom _ick sind sooo geil [sic]. Ich schreie auch, nur für Dich. Ich rie­che: Spe_ma schmeckst Du gut [sic]. Bist Du lecker im Sack [sic]. Geil! Isst Du gesund? 
  • Ich – (Wort­lo­ser Abgang)

Mehr gibt’s, such­ma­schi­nen­freund­lich unzen­siert, bei Front­bum­per­sti­cker.

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Für dich.

Die Fan­tas­ti­schen Vier: „Ewig“.
Gefäl­ligst käuf­lich zu erwer­ben­des Album: „Viel“.
Danke.

Wie lan­ge ist das jetzt her? War das ein ande­res Leben?
Denn ich weiß nichts mehr von dir außer was wir erlebten.
Hab kei­ne Ahnung, was du machst oder wo du jetzt bist,
weiß nicht, wen du ver­misst, und war das jemals ich?
Hab noch irgend­wo ’ne Num­mer, doch was hilft mir die schon?
Das mit uns bei­den war noch lei­der vorm Mobiltelefon;
und selbst, wär’s noch die glei­che, ich glaub, ich würd es nie wagen,
denn wenn ich dich errei­che, was soll ich dir denn sagen?

Dach­te ehr­lich, das mit uns hätt sich schon ewig erledigt,
doch jetzt denk ich mehr denn je an dich zurück und ver­steh nicht:
War es ein wenig zu viel, oder war’s nur viel zu wenig?
Sag mal, geht das nur mir so oder geht es dir ähnlich?

Ach.