PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XII: 7 Jah­re Irakkrieg

Heu­te fei­ern wir übri­gens wie­der ein­mal ein viel zu wenig beach­te­tes Jubiläum:

Mitt­ler­wei­le hat die­ser ille­ga­le Angriffs­krieg auf ame­ri­ka­ni­scher Sei­te 4’703 tote Sol­da­ten gefor­dert, über 100’000 Schwer­ver­letz­te und sagen­haf­te 750 Mil­li­ar­den Dol­lar gekostet.

Viel schlim­mer ist die Opfer­zahl auf ira­ki­scher Sei­te. Die ver­bre­che­ri­sche Inva­si­on durch den Wes­ten hat eine unglaub­li­che Kata­stro­phe unter der Zivil­be­völ­ke­rung verursacht.

Seit dem 20. März 2003 sind 1,4 Mil­lio­nen Ira­ker getö­tet worden!!!

Die Anzahl getö­te­ter Kin­der beläuft sich in die Hunderttausende!

35 Pro­zent der Kin­der oder 5 Mil­lio­nen sind Waisen!

Wenn man bei­de Krieg, den ers­ten und zwei­ten Irak­krieg, zusam­men­rech­net, dann sind in der Zeit von 1990 bis 2010 über 1,6 Mil­lio­nen Ira­ker gewalt­sam umge­kom­men. Wei­te­re 2,8 Mil­lio­nen sind durch die Fol­gen der Krie­ge unnö­ti­ger­wei­se gestor­ben, davon 2 Mil­lio­nen Kin­der unter 5 Jahren!!!

5 bis 6 Mil­lio­nen Ira­ker sind Flüchtlinge!

Alles Gute, lie­ber Irakkrieg!
Auf die nächs­ten 7 Jahre.

In den Nachrichten
Der Papst tut was gegen Kindesmissbrauch

Ein Bett­hup­ferl zum Wochen­en­de hin­ter­ließ soeben die ARD-„Tagesschau“:

Im Miss­brauchs­skan­dal bricht Papst Bene­dikt XVI. sein Schwei­gen: Heu­te hat er den Hir­ten­brief an die iri­schen Bischö­fe unterzeichnet.

Das wird sie sicher beeindrucken.

(Ich fra­ge mich ja, ob die­ses gan­ze Miss­brauchs­ge­rei­her über­haupt ein The­ma wäre, wenn das Zöli­bat nicht wäre; könn­ten die Geist­li­chen [der Hei­li­ge Geist, nicht der ande­re, unter des­sen Ein­fluss bzw. nach des­sen Ein­flö­ßen zum Bei­spiel Frau Käß­mann ein nach­hal­tig schä­di­gen­des Erwe­ckungs­er­leb­nis hat­te] ihren Druck ander­wei­tig ablas­sen, wären Kna­ben ver­mut­lich weni­ger inter­es­sant. Das wäre doch mal ein Ansatz; aber natür­lich gegen jede Leh­re der Bibel, bekannt­lich waren auch die Apos­tel Frau­en gegen­über nicht son­der­lich auf­ge­schlos­sen und Jesus nicht ver­hei­ra­tet, und wer etwas ande­res behaup­tet, hat viel­leicht zu vie­le Apo­kry­phen Dan-Brown-Roma­ne gele­sen, nun ja.)

MusikkritikIn den NachrichtenKaufbefehle
Musi­ka­li­scher Wahn­sinn: The Hirsch Effekt

„End­lich“, noch vor Früh­lings­be­ginn, schwin­det die Käl­te, und Son­nen­strah­len statt des gewohn­ten Fros­tes wecken aus unru­hi­gen Träu­men. Zeit also, den trü­ben Post­rock ein­mal bei­sei­te zu legen und sich fröh­li­che­ren Klän­gen zuzuwenden:

Die Fach­pres­se ist gera­de begeis­tert von den Klän­gen der Han­no­ve­ra­ner The Hirsch Effekt, und wer die Fach­pres­se kennt, der weiß, dass sie oft völ­lig dane­ben liegt. Nicht in die­sem Fall!

Gen­re­schub­la­den hal­te ich für blö­de, und auch auf das Debüt­al­bum Holon : hiber­no von The Hirsch Effekt, das ab mor­gen die Läden berei­chert, wür­de ich nur ungern sol­che anwen­den müs­sen; allein, es ist Musik. Irgend­wo zwi­schen Indie, Pop/Rock, Metal und Avant­gar­de bewegt sich das Trio nebst Hilfs­mu­si­kern, die lei­der heut­zu­ta­ge unüb­li­chen deut­schen Tex­te sind zudem die ver­mut­lich schöns­ten seit Long Live The Parts von Ira. Jedes Stück ein Kunst­werk, irre füh­rend der bei­na­he unauf­fäl­li­ge Trai­ler zum Album. Einen roten Faden zu erken­nen ver­mag jeden­falls ich nicht, die Lis­te der Titel, die einen Zusam­men­hang sug­ge­riert, ist auch nur wenig hilf­reich. Wer die­sem Album lau­schen will, soll­te nicht ver­su­chen, es zu erfas­sen. Kon­zen­tra­ti­on – ja, ger­ne – nur nicht auf das Bei­werk. Augen zu und durch.

Genug der Theo­rie, auf MySpace gibt es die Praxis.
Eine ver­ton­te Ach­ter­bahn­fahrt irgend­wo zwi­schen Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um und Coheed and Cambria.

Ein guter Ein­stieg in den musi­ka­li­schen Früh­ling 2010. :)


Nach­trag zum The­ma Musik: Die Musik­in­dus­trie sol­le Schwarz­ko­pie­rer nicht mehr Pira­ten nen­nen, weil das Wort zu posi­tiv besetzt sei, for­der­te die Che­fin der Inter­na­tio­nal Actors Fede­ra­ti­on kürz­lich. Die Schuld dar­an tra­ge John­ny Depp. Frei über­setzt: „Wir wol­len alle ein biss­chen wie John­ny Depp sein, aber hier geht es um eine kri­mi­nel­le Handlung“.

Wir hal­ten also fest: Rau­ben und mor­den – was in der Tri­lo­gie „Fluch der Kari­bik“ durch­aus vor­kommt – sind posi­tiv besetzt, das Her­un­ter­la­den von Nul­len und Ein­sen jedoch schlim­mer als Raub, Mord und Schiffs­ent­füh­rung zusam­men. Schön, dass wir das erfah­ren durften.

(Eigent­lich ist es nur scha­de, dass die­se Mei­nung nicht von einem Ver­tre­ter der Musik­in­dus­trie abge­son­dert wur­de; das hät­te noch ein wenig bes­ser gepasst.)

In den Nachrichten
Tötung mit mensch­li­chem Ant­litz (dreist verkalauert)

Der Staat Ohio demons­trier­te in die­sem Monat wie­der das US-ame­ri­ka­ni­sche Ver­ständ­nis von Mensch­lich­keit, indem er einen Selbst­mord­kan­di­da­ten vor­erst vor dem Tod bewahr­te:

Weni­ge Stun­den vor sei­ner Exe­ku­ti­on hat­te ein zum Tode ver­ur­teil­ter US-Häft­ling sich umzu­brin­gen ver­sucht – konn­te jedoch geret­tet wer­den. Jetzt starb der Mann nach meh­re­ren Gift-Injek­tio­nen. Der Gou­ver­neur von Ohio hat­te die Hin­rich­tung auf­ge­scho­ben, damit sich der Häft­ling erho­len konnte.

Ich kann die Täter aber auch ver­ste­hen; da betreibt man so viel tech­ni­schen und mensch­li­chen Auf­wand, um einem Häft­ling das Ende zu berei­ten, und dann will der undank­ba­re Strolch nicht mit­spie­len. Frechheit.

(Sehr schön auch, abge­se­hen von der grau­en­haf­ten Gram­ma­tik, der Wer­be­text auf Lie­fer­schei­nen von 3Dsupply, aus­zugs­wei­se zitiert:
„Du warst zufrie­den? Ver­tei­le die Fly­er an dei­ne Freun­de! (…) Du warst unzu­frie­den? Emp­feh­le uns den Leu­ten, die du viel­leicht nicht magst!“ Hihi.)

Sonstiges
Kin­der im Schilderwald

Über die Über­be­schil­de­rung deut­scher Stra­ßen wur­de schon viel genör­gelt. Dann stört es, so mei­ne ich, auch nie­man­den, wenn ich ein wenig Nör­ge­lei bei­tra­ge. Ach­tung, sie folgt:

Heu­te sah ich erst­mals bewusst ein Ver­kehrs­schild, das vor unvor­sich­tig die Stra­ße über­que­ren­den Jung­men­schen war­nen soll. Es steht vor einer Grund­schu­le, wur­de neu­lich so ähn­lich schon in einem ande­ren Bei­trag so ähn­lich, aber in einem völ­lig ande­ren Zusam­men­hang ein­ge­bun­den und sieht ca. so aus:

Mit die­sem Schild, dies neh­me ich an, sol­len Auto­fah­rer dar­auf auf­merk­sam gemacht wer­den, dass sie an die­ser Stel­le einen umsich­ti­gen Fahr­stil anwen­den sol­len. Nun, ich hal­te die­ses Schild für überflüssig.

Pri­ma Begrün­dung Nr. 1:
Auto­fah­rer soll­ten immer vor­sich­tig fah­ren. Wenn man schon meint, sie dar­auf hin­wei­sen zu müs­sen, dass sie bit­te vor­sich­tig fah­ren soll­ten, dann nicht nur vor Schu­len, son­dern über­all, wo Men­schen leben (es sei denn, man misst dem Leben eines Nicht­mehr­klein­kin­des weni­ger Wert zu, was reich­lich arsch­loch­haft wäre); also, sozu­sa­gen, alle paar Meter. Ob ein Schnell­fah­rer nun für kur­ze Zeit weni­ger schnell fährt oder nicht, dürf­te auf die Unfall­sta­tis­tik kei­nen erheb­li­chen Ein­fluss ausüben.

(Wie es ja auch bes­ten­falls reich­lich unge­schickt ist, im Radio zu ver­kün­den, wo geblitzt wird und, dar­aus fol­gend, wo nicht mehr.)

Dar­aus abge­lei­tet wird bzw. dazu füh­rend ist die pri­ma Begrün­dung Nr. 2:
Kin­der sind als Fuß­gän­ger im Stra­ßen­ver­kehr oft unvor­sich­tig (und blei­ben es oft bis ins Erwach­se­nen­al­ter und dar­über hin­aus). Sie sind es nicht nur in und vor Grund­schu­len, wo wenigs­tens meist Erwach­se­ne ihnen bei der Über­que­rung der Stra­ße zur Sei­te ste­hen bzw. behilf­lich sind, sie sind es täg­lich und überall.

Das Schild ist so, wie es der­zeit genutzt wird, schlicht über­flüs­sig bis gefähr­lich. Cui bono?

(Apro­pos Wol­fen­büt­tel, Jäger­meis­ter wirbt der­zeit mit dem Spruch „Jäger­meis­ter ab 18! Für ver­ant­wor­tungs­vol­len Genuss.“ Mit Ver­laub, Fa. Jäger­meis­ter, irgend­et­was lässt mich an dem Zusam­men­hang zwi­schen Alter und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein zweifeln.)

PersönlichesMusikPolitikSonstigesIn den Nachrichten
Weil näm­lich, ne?

Da sitzt man mal wie­der doof im ÖPNV der Stadt, die ver­arm­te Alko­ho­li­sier­te seit heu­te zwar immer noch nicht zu the­ra­pie­ren ver­mag, aber immer­hin seit heu­te nicht mehr zu Gesicht bekom­men will, her­um und wird zufäl­lig Ohren- und Augen­zeu­ge eines Dia­logs zwei­er Pre­ka­tia­ri­er, von denen einer, wie ich mit­be­kam, ein wich­ti­ges juris­ti­sches Gespräch füh­ren soll­te, und als ich gera­de Bewun­de­rung für die­sen Men­schen zu emp­fin­den begann, der sich trotz sei­ner miss­li­chen Lage nicht in end­lo­sem betrun­ke­nen Gestam­mel ver­lor, son­dern eine akzep­ta­ble Aus­drucks­wei­se bei­be­hielt, hob er erneut zu spre­chen an und sprach wie folgt:

„… weil, ich kann ja gut reden.“

Kennt ihr die­se Momen­te, in denen Tri­ple Face­palm immer noch als zu wenig erscheint?

(Gera­de, als ich an die­sem Text fei­le, ist die Sie­ge­rin aus der Sen­dung „Unser Star für Oslo“ im Fern­se­hen zu sehen und redet ein wir­res Gemisch aus deut­schen Satz­fet­zen mit einem hör­ba­ren Dia­lekt und eng­li­schen Wort­bro­cken. Kann nicht bit­te end­lich der nächs­te Sie­ger irgend­ei­nes dritt­klas­si­gen Gesangs­wett­be­werbs gekürt wer­den, am bes­ten einer mit einer ange­neh­me­ren Stimme?)


Was ich gera­de bei Fefe fand und auch bemer­kens­wert fand, war übri­gens dies:

Vor einer Wei­le haben die deut­schen Steu­er­zah­ler unter ande­rem die Com­merz­bank geret­tet, und sie ver­sprach, die Ret­tung schleu­nigst zurück­zu­zah­len, und etwa zur glei­chen Zeit wur­den der Kaupt­hing Bank eini­ge Mrd. Euro in den Hin­tern gebla­sen. Auf Wikileaks.org wur­de heu­te eine Lis­te von Inves­to­ren die­ser Bank ver­öf­fent­licht; dar­un­ter neben der Com­merz­bank auch die Deut­sche Bank und, auf­ge­merkt!, Gold­man Sachs.

Es scheint, als könn­te das mit der Rück­zah­lung noch eine Wei­le dauern.

ProjekteNetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt XI: Es ist ein Kreuz!

Die­ser Tage, in denen sich Kir­chen­ver­tre­ter durch eher unchrist­li­che Wer­te her­vor­tun, sind Scher­ze über das Chris­ten­tum fast omni­prä­sent. Dabei ist gera­de in die­ser Gesell­schaft ein wenig christ­li­che Leh­re drin­gend nötig!

Die­se Fire­fox-Erwei­te­rung zum Bei­spiel hilft red­li­chen Chris­ten, wie­der auf den rech­ten Weg zurück­zu­fin­den, indem sie dar­auf hin­weist, dass das Betrach­ten von Por­no­gra­fie gemäß 1 Kor 6,18 einer erneu­ten Kreu­zi­gung von Jesus gleichkommt:

Hütet euch vor der Unzucht! Jede ande­re Sün­de, die der Mensch tut, bleibt außer­halb des Lei­bes. Wer aber Unzucht treibt, ver­sün­digt sich gegen den eige­nen Leib.

Amen.


In, mehr oder weni­ger, eige­ner Sache: eMu­le 0.50a, das eini­ge pri­ma Ver­bes­se­run­gen mit sich bringt, ist in der Beta­pha­se, was bedeu­tet, dass sich die nächs­te Ver­si­on von eMu­le beba sich noch ein biss­chen hin­aus­zö­gern wird. Wer mir beim Tes­ten hel­fen möch­te, ist herz­lich eingeladen.


Apro­pos Sün­de noch mal: Sind euch auch schon die Pla­ka­te auf­ge­fal­len, die in Städ­ten die Jugend dazu auf­for­dern, ihr Limit zu ken­nen (heißt: sich zu besau­fen und es so herauszufinden)?

Ist natür­lich auch nicht schlecht.

ProjekteIn den NachrichtenNerdkrams
Pi.

Pi, die Natur­kon­stan­te mit den sehr, sehr vie­len Nach­kom­ma­stel­len, ist eine Zahl, der man auch als Nicht­ma­the­ma­ti­ker Auf­merk­sam­keit schen­ken soll­te. Zum Einen ent­hält ihre Binär­dar­stel­lung, sofern die Zahl tat­säch­lich, wie ver­mu­tet, unend­lich ist, sämt­li­che Daten die­ser Welt (inklu­si­ver diver­ser Por­no­gra­fie und Hit­ler­re­den, ver­steht sich), zum Ande­ren übt sie bis heu­te, abge­se­hen von ihrem noch immer nicht bekann­ten exak­ten Wert, eine eigen­tüm­li­che Fas­zi­na­ti­on auf Men­schen aller Alters­stu­fen und Bil­dungs­gra­de aus; der heu­ti­ge 14. März (3–14, wie der US-Ame­ri­ka­ner zu schrei­ben pflegt, also, inter­es­san­ter­wei­se, minus 11) ist fol­ge­rich­tig zum Pi-Tag erklärt wor­den, der welt­weit, ähn­lich dem 1234567890 Day, gefei­ert wird; um gebüh­rend genau zu sein, nur zum ers­ten von zwei „Pi-Tagen“, denn am 22. Juli fin­det der Pi-Annä­he­rungs-Tag (22/7, also unge­fähr 3,1429, gemäß Archi­me­des, der damit bereits vor über 2200 Jah­ren ein erstaun­lich genau­es Ergeb­nis errech­net hat) statt.

Eine Lese­rin erin­ner­te mich außer­dem freund­li­cher­wei­se dar­an, dass mit dem 14. März seit eini­gen Jah­ren ein eher weni­ger mathe­ma­tisch, dafür aber mas­ku­lis­tisch rele­van­ter Tag beginnt:

Der 14. März ist ab sofort offi­zi­ell „Schnit­zel-und-Blo­wjob-Tag“. Ein­fach, wir­kungs­voll und selbst­er­klä­rend ist die­ser neue Fei­er­tag dazu da, damit Ihr Frau­en Eurem Hol­den end­lich zei­gen könnt, wie sehr Ihr ihn liebt. Kei­ne Kar­ten, kei­ne Blu­men, kei­ne tol­len Näch­te des Aus­ge­hens; der Name die­ses Fei­er­tags erklärt alles: nur ein Schnit­zel (oder Steak) und ein Blo­wjob. Das ist alles.

Anders als die­ser unsäg­li­che Valen­tins­tag eine wahr­lich schö­ne Tra­di­ti­on, die man opu­lent wür­di­gen sollte.
Mathe­ma­tik ist schon eine tol­le Sache.

(Die Gra­fik stammt ursprüng­lich von hier, wur­de dann leicht über­ar­bei­tet von mir. [Reimt sich!])


Sta­tis­tik des Tages für Green­peace, PETA und Sozi­al­ar­bei­ter: Wer mora­lisch han­delt und sich zum Woh­le ande­rer ver­hält, lei­tet dar­aus häu­fig das Recht ab, gegen Nor­men zu ver­sto­ßen; wenn man so viel für die Gesell­schaft tut, kann die Gesell­schaft auch mal was zurück­ge­ben, ver­steht sich von selbst und bedarf kei­ner etwa­igen Höf­lich­keit. Man ist ja schließ­lich kein warm­her­zi­ger Bern­har­di­ner barm­her­zi­ger Sama­ri­ter, nich‘ wahr?

Mer­ke: Ego­is­ten sind immer nur die anderen.

PolitikIn den Nachrichten
Kri­tik ist Diskriminierung!

Die F.D.P. hat von Islam und Frau­in­nen gelernt:

Die Euro­pa­po­li­ti­ke­rin Sil­va­na Koch-Mehrin und der Par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der Bun­des­tags­frak­ti­on, Jörg van Essen, beschul­di­gen SPD-Poli­ti­ker, Vor­be­hal­te gegen Homo­se­xu­el­le zu schü­ren, wenn sie über die Moti­ve der Mronz-Mit­rei­se mutmaßen.

(Sueddeutsche.de)

Lind­ner warn­te am Frei­tag im ZDF vor schlim­men Fol­gen der Vor­wür­fe gegen Wes­ter­wel­le: „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass die Demo­kra­tie ins­ge­samt nicht Scha­den nimmt durch sol­che Vor­wür­fe, die da kon­stru­iert wer­den.“ Er ver­lang­te „einen respekt­vol­len Umgang von Demo­kra­ten mit­ein­an­der. Dazu gehö­ren auch mini­ma­le Anstandsregeln.“

(SPON)

Das könn­te noch zu amü­san­ten Situa­tio­nen füh­ren, wenn zukünf­tig jeder, der dum­mes tut, Kri­ti­ker pau­schal als Dis­kri­mi­nie­rer abtun wird; bezie­hungs­wei­se käme es mir zugu­te. Denn wer will schon durch Nicht­be­su­chen die­ser Inter­net­prä­senz als jemand gel­ten, der into­le­rant gegen­über Ins­in­ter­net­schrei­bern ist?

Wenn das Adjek­tiv, das Gui­do Wes­ter­wel­le pri­mär ange­hef­tet wird, „schwul“ ist, dann hat sich „schwul“ in den letz­ten Jah­ren tat­säch­lich zum Schimpf­wort gewan­delt, und die F.D.P. tut sich seit der letz­ten Bun­des­tags­wahl durch aller­lei schwu­le Aktio­nen her­vor, zum Bei­spiel, indem sie sich zuerst über Hartz-IV-Emp­fän­ger echauf­fiert und ihnen dann die Bei­trä­ge kürzt.

Die bür­ger­li­che Mit­te macht mir, irgend­wie, Angst.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Kurz ver­linkt X: Geo­lo­käi­schen ist voll so Web 3.0, mindestens.

Da stel­len die Webzweinull-Fach­idio­ten rich­tig fest, dass sich aus Gra­tis­diens­ten nur sel­ten Kapi­tal schla­gen lässt, und statt sich mal mit sinn­vol­len The­men zu beschäf­ti­gen, suchen sie nach der nächs­ten Ver­bes­se­rung für unser aller Leben, und sie suchen, wie üblich, an der fal­schen Stelle:

Über Twit­ter und Face­book sol­len künf­tig Leu­te mit ent­spre­chen­den Mobil­ge­rä­ten sehen, dass sie gleich mit einem ande­ren Nut­zer kol­li­die­ren, dann kön­nen sie gegen­sei­tig via flink aus­ge­tausch­ter mes­sa­ge ihre gesun­de Lebens­ein­stel­lung gut fin­den und sich freu­en, dass sie zu den in peo­p­le und nicht zu den Lang­wei­lern gehö­ren, die sich noch umständ­lich mit­tels münd­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on verständigen.

Don Alphon­so fasst in einem ange­mes­se­nen Ton­fall zusammen:

Sie wer­den ihre Mobil­ge­rä­te zücken und che­cken, ob ein ande­rer Depp in der Nähe ist, der das bestä­tigt und sie dafür nicht aus­lacht. Sie wer­den uns vom Ver­gnü­gen der von der Vir­tua­li­tät über­brück­ten Rea­li­tät erzäh­len, und in Rom auf ihr Dis­play star­ren, wenn ande­re den Vati­kan betrach­ten, und lin­sen, ob sie jemand beob­ach­tet, dem man dann erzäh­len kann, wie ver­dammt cool das ist – und dabei lei­der auch noch den LKW ent­de­cken, der sie bei­na­he koh­len­stoff­lich platt gemacht hät­te. Wenn jemand ihrer Bekann­ten twit­tert, dass er gera­de über die Device gemerkt hat, dass er in der Nähe ist, bekom­men sie einen Orgas­mus und wer­den noch ein wenig schmutziger.

Was wohl danach kom­men mag?
(Und ob ich das wirk­lich wis­sen will?)

SonstigesNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Die Wir­bel­säu­le fegen – warum?

Eins die­ser Sprach­wirr­nis­se, die mich immer wie­der zu amü­sie­ren ver­mö­gen, ist die kon­se­quen­te Gleich­set­zung von jmdm. etw. zukeh­ren, ‑wen­den mit jmdm. etw. keh­ren. Wenn ich, zum Bei­spiel, den Nach­barn den Geh­weg keh­re, dann meist, weil es geschneit hat. Manch­mal keh­re ich auch Din­ge unter den Tep­pich oder schlicht um. Wonach mir aller­dings auch noch nicht der Sinn stand, ist es, mit einem Kehr­ge­rät ande­ren natür­li­chen oder juris­ti­schen Per­so­nen den Kör­per rei­ni­gend zu trak­tie­ren; um so erstaun­li­cher erscheint dies ange­sichts des Umstan­des, dass es zu den nor­ma­len Tätig­keit man­cher Men­schen zu gehö­ren scheint, ande­ren Men­schen den Rücken zu keh­ren.

Das kann unmög­lich auf Dau­er gut für den Rücken sein; aber es schafft zusätz­li­che Arbeits­plät­ze im Bereich des Kehr­we­sens und ande­rer­seits, gleich­sam als Aus­gleich, des Kraft­sports:

Der Bun­des­ge­richts­hof stärkt Anle­gern den Rücken: (…).

Ha ha. Na ja.


„Ha ha“ mit einem „uff“ ist zudem dies:
Da bringt also ein Vater sei­ne Toch­ter um, weil sie es wagt, mit einem Jugend­li­chen anzu­ban­deln, was, ver­steht sich, eine furcht­ba­re Tra­gö­die ist; so weit, so wun­der­lich. Das Schluss­wort des Vaters wäh­rend der Gerichts­ver­hand­lung hat mich aller­dings noch mehr überrascht:

In sei­nem Schluss­wort sag­te der Ange­klag­te: „Ich habe sie getö­tet, um sie zu schüt­zen.“ Er habe Angst gehabt, dass Büs­ra ent­führt wer­den oder ihr sonst etwas zusto­ßen könne.

Klar, der Ben­gel hat ver­mut­lich weni­ger Inter­es­se an ihr, wenn sie tot ist. Sie soll­te froh sein, dass man sich so um sie sorgt! 


Son­der­lich intel­li­gent wir­ken auch die Ver­su­che von Dreh­buch­schrei­bern, aus nich­ti­gem Anlass moder­ne Tech­nik in ihre Hand­lung ein­zu­we­ben, nicht immer; so wur­de bspw. ges­tern auf RTL eine Fol­ge der Serie Law & Order aus­ge­strahlt, in der unter ande­rem ein Blog­ger gespielt wur­de, der eine Lis­te aller Kom­men­ta­to­ren mit ihrer jewei­li­gen, auf­ge­merkt, Log­in­adres­se führt.

Nicht online: Mit einem Stift. In einem Buch.
So rich­tig analog.

Nur so als kli­schee­haf­te Fra­ge: Wie hoch wären mei­ne Chan­cen, wenn ich ver­mu­te­te, der Dreh­buch­schrei­ber ist ein Kon­ser­va­ti­ver über 40 Jah­ren, rich­tig zu liegen?

(Heu­te in’ner Uni übri­gens per Zufall bemerkt: Wer wegen der Ent­wick­lung künst­li­cher Intel­li­genz bereits jetzt Angst um sei­ne Zukunft hat, möge sich ein­mal mit Cpt. Kirk unter­hal­ten. Tipp für Gour­mets: Mit Ton ist es noch eindrucksvoller.)

MusikFotografie
Son­nen, hohe Ströme…

High vibra­ti­on, go on to the sun
Oh, let my heart dreaming
Past a mor­tal as me, whe­re can I be?

Wish the sun to stand still
Rea­ching out to touch our own being
Past a mor­tal as we, here we can be

– Yes: Awaken

In den NachrichtenNerdkrams
Pong!

Da es, immer­hin seit min­des­tens Juli 2009 bekannt, noch immer in man­cher­lei Neu­ig­kei­ten­ru­brik Erwäh­nung fin­det, ist es noch nicht zu spät, wenn ich mich nun erdreis­te, selbst auch mein pikan­tes Gewürz einzubringen.

Die Mel­dung ist gera­de­zu spek­ta­ku­lär: Die Uni­ver­sal Stu­di­os haben die Rech­te an Aste­ro­ids zwecks Ver­fil­mung erwor­ben. Aste­ro­ids – Ver­tre­ter mei­ner Gene­ra­ti­on ken­nen das wahr­schein­lich noch – war, unter Vor­be­halt, der ers­te heim­com­pu­ter­taug­li­che space shoo­ter, also das eben­sol­che Welt­raum­schieß­spiel, der seit 1979 zahl­rei­che Gene­ra­tio­nen mit sei­nem aus­ge­klü­gel­ten Spiel­prin­zip und sei­ner fas­zi­nie­ren­den Gra­fik an den Bild­schirm zu fes­seln weiß:

Nach Kinoerfol­gen wie Doom ist es nur logisch, dass es jetzt auch Kult­spie­len (wobei aber doch „Kult“ die Ver­eh­rung von ein­ge­schwo­re­nen Geheim­bün­den qua­si bedingt und eben das Gegen­teil bedeu­tet, aber es ver­kauft sich bes­ser als „abge­lutsch­tes Stan­dard­spiel“) fil­misch an den Kra­gen geht, und das Dreh­buch ist ja eigent­lich schon fer­tig. (Wird es dann eigent­lich auch das Spiel zum Film zum Spiel geben, ganz in alter Cover­ma­nier, und wer wird eigent­lich die Aste­ro­iden spielen?)

Auch eine Tri­lo­gie ist denkbar:

„Aste­ro­ids – der Film“, „Aste­ro­ids 2: Frog­ge­r­alarm“ (die Wahl eines Haupt­dar­stel­lers wird sicher eben­falls recht inter­es­sant) und schließ­lich, als Krö­nung, der Abschluss unter der Regie von min­des­tens Ste­ven Spiel­berg, ein Meis­ter­werk des Surrealismus‘:

PONG: Die Aste­ro­iden schla­gen zurück!

In den Haupt­rol­len könn­ten zum Bei­spiel Kei­ra Knight­ley, Nata­lie Port­man und Dan­ny DeVi­to bril­lie­ren, die Lauf­zeit wird nicht unter zwei Stun­den betra­gen, aus dem Stoff lässt sich ’ne Men­ge machen. Wird bei den Film­fest­spie­len ordent­lich abräu­men, jawollja.

Apro­pos „argh“: Als ich, über die­sen Bei­trag sin­nie­rend, durch die Stra­ßen der Stadt schlen­der­te, rann­ten mir zwei Bäl­ger Jung­ex­em­pla­re Mensch über den Weg. Das lau­fen­de Spiel hieß offen­bar Fan­gen, und so quäk­te der Flüch­ten­de der bei­den Jung­men­schen fröh­lich: „Fang mich doch, du Eier­loch!“. Ja, er sprach genau dies.

Die ver­wen­de­te Bezeich­nung für den Mit­spie­ler ist so schön doof, dass man sie fort­an als Leser die­ses Tex­tes bit­te in sei­nen akti­ven Wort­schatz auf­neh­men möge. Bes­ten Dank.

(Oh, heu­te ist übri­gens der inter­na­tio­na­le Frau­en­tag. End­lich ist die Bude mal sau­ber. Gute Sache, die­ser Tag. Die Rest­zeit bis zum Schnit­zel- und Blo­wjob-Tag 2010 beträgt, aber­mals übri­gens, nur noch etwas mehr als 5 Tage. Ich bit­te um freund­li­che Beachtung.)

In den NachrichtenNerdkrams
Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen UseNeXT

Da pre­digt man seit Jah­ren, dass man als File­sha­rer eine recht pla­tin­far­be­ne Zukunft hat, jeden­falls ver­gli­chen mit denen, die aus­rei­chend leicht zu begeis­tern sind, dass sie frei­wil­lig Geld an einen Kon­zern zah­len, nur um sicher Schwarz­ko­pien her­un­ter­la­den zu kön­nen, und man wird trotz aller Erfol­ge der Indus­trie müde belä­chelt. „eMu­le ist eh tot“, und das schon seit min­des­tens zehn Jah­ren, ver­steht sich.

Zur Abwechs­lung geht es jetzt auch mal ande­ren Anbie­tern an den Kragen:

Der ‚GEMA‘ ist den eige­nen Anga­ben zufol­ge erneut ein gro­ßer Erfolg gegen die Betrei­ber des Diens­tes UseN­eXT gelun­gen. Die am 17. Febru­ar die­ses Jah­res ver­han­del­te einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen den Zugangs­an­bie­ter zum Use­net hat das Land­ge­richt Ham­burg nun erlassen.

Das Urteil des Land­ge­richts in Ham­burg bringt eine erwei­ter­te Haf­tung für Zugangs­ver­mitt­ler mit sich. Laut einer ver­öf­fent­lich­ten Mit­tei­lung der GEMA haf­ten die­se nicht nur wenn sie expli­zit auf ille­ga­le Nut­zungs­mög­lich­kei­ten ihres Ange­bots hin­wei­sen. Auch wenn der bewor­be­ne Dienst nicht aus­rei­chend zum Schutz der Rech­te­inha­ber modi­fi­ziert wird, ist von einer Haf­tung die Rede.

Ich hal­te übli­cher­wei­se nicht viel von den Ent­schei­dun­gen des LGs Ham­burg, das bis­wei­len auf­grund frag­wür­di­ger Ent­schei­dun­gen Auf­merk­sam­keit von eher moder­nen Medi­en erlangt, aber dies­mal, aus­nahms­wei­se, darf es sich beglück­wünscht fühlen.

Einem Unter­neh­men, das damit wirbt, dass man über es – nach Zah­lung eines gerin­gen Obu­lus‘ – nahe­zu unbe­grenz­ten Zugriff auf nicht gerin­ge Men­gen gra­tis Soft­ware habe, kann man, so mei­ne ich, durch­aus Vor­satz unter­stel­len. Wenn UseN­eXT, dank deren/dessen Ange­bot das Use­net der Mehr­heit der Inter­net­nut­zer wohl nur mehr als Ansamm­lung frag­wür­di­ger Inhal­te bekannt ist, nun gezwun­gen ist, Inhal­te her­aus­zu­fil­tern, dürf­te die­ses Ange­bot deut­lich an Attrak­ti­vi­tät ver­lie­ren. (Es erscheint mir ange­bracht, wie­der ein­mal auf eMu­le hin­zu­wei­sen; jeg­li­ches Fil­tern von Inhal­ten wäre dank dezen­tra­len Auf­baus wirkungslos.)

Tat­säch­lich ähnelt das Vor­ge­hen von Unter­neh­men, die den Aus­tausch von Geld gegen Schwarz­ko­pien för­dern, weit eher der tra­di­tio­nel­len Heh­le­rei als P2P-File­sha­ring, das ja ledig­lich dem unent­gelt­li­chen Daten­aus­tausch dient. Ich hof­fe, das Bei­spiel des LGs Ham­burg macht Schu­le, und die Inter­es­sens­ver­tre­ter küm­mern sich nun­mehr ver­stärkt um die kom­mer­zi­el­len Anbie­ter. File­sha­ring ist kein Verbrechen.

„UseN­eXT? Ist eh tot.“