PolitikIn den Nachrichten
Springt, ihr Widerlinge!

Zum Frei­tod des Frhrn. von Gra­ven­reuth (der ein glän­zen­der Jurist war, weil er Maschi­nen­bau stu­diert hat­te, oder so) hat das Häkel­schwein schon alles nöti­ge geschrie­ben, und so ver­zich­te ich dar­auf, mir irgend­ei­nen pie­tät­vol­len Text bezüg­lich „er ruhe in Frie­den“ aus den Rip­pen zu leiern.

Statt­des­sen möch­te ich die Auf­merk­sam­keit mei­ner Leser auf die­se Geschich­te len­ken, von der grau­si­gen Ver­wechs­lung von to rea­li­ze und rea­li­sie­ren aus­nahms­wei­se ein­mal abgesehen:

Am Don­ners­tag hat ein Texa­ner sein Klein­flug­zeug in ein Büro des IRS, der Bun­des­steu­er­be­hör­de, gelenkt, aus­rei­chend geschröpft vom Staat.

Und nach Kon­sum der deutsch­spra­chi­gen Über­set­zung des Abschieds­brie­fes sind Par­al­le­len zu Deutsch­land unverkennbar:

Ich erin­ne­re mich, vor der „gro­ßen“ Depres­si­on etwas vom Bör­sen­zu­sam­men­bruch gele­sen zu haben und wie wohl­ha­ben­de Bank­kauf- und Geschäfts­leu­te aus den Fens­tern gesprun­gen sind, als sie gemerkt haben, dass sie es ver­saut und somit alles ver­lo­ren haben. Ist es nicht iro­nisch, wie weit wir in 60 Jah­ren in die­sem Land gekom­men sind, dass sie jetzt auf ein­mal wis­sen, wie man die­ses klei­ne Wirt­schatfs­pro­blem löst; Sie klau­en ein­fach von der Mit­tel­klas­se (die dabei nichts zu sagen hat, denn Wah­len sind ein Witz), um ihre Ärsche zu schüt­zen und es geht sei­nen gewohn­ten Gang. Wenn die Rei­chen es heu­te ver­ka­cken, müs­sen die Armen dafür zah­len… ist das nicht eine klu­ge, sau­be­re Lösung.

Bei uns hat die­ses Phä­no­men, übri­gens, eben­falls drei Buch­sta­ben und steht auf Wahl­zet­teln zur Auswahl.
Manch­mal möch­te man nur noch schreien.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Die ver­weib­lich­te Gesellschaft

Käpt’n Offen­sicht­lich hat wie­der zuge­schla­gen:

Kurz­um: Frau­en sind die Gewin­ner, in allen Dis­zi­pli­nen. Das Pro­blem ist: Es ist ein Sieg, der, so ver­mu­ten Sozi­al­wis­sen­schaft­ler, auf Kos­ten der Män­ner geht.

Wenn Frau­en die Gewin­ner sind, sind Män­ner die Ver­lie­rer. Mit der Erfor­schung sol­cher Zusam­men­hän­ge kann man also sei­nen Lebens­un­ter­halt ver­die­nen und wird dafür auch noch auf SPIEGEL Online zitiert.

Sei’s drum; ursprüng­lich ging’s dar­um, dass wie­der ein­mal irgend­wel­che Stu­di­en gezeigt haben, dass Män­ner selbst eigent­lich nicht ein­mal rich­tig über­le­bens­fä­hig sind. Dass die­se Stu­di­en unzu­läs­sig pau­scha­li­sie­ren, muss nicht mehr geson­dert erwähnt wer­den; Klaus Hur­rel­mann, Sozi­al- und Bil­dungs­wis­sen­schaft­ler an der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld, behaup­tet zum Bei­spiel, dass Amok­läu­fe ein Män­ner­phä­no­men sei­en, und lässt dabei unter ande­rem den erst 2009 ver­hin­der­ten ver­mut­lich geplan­ten Amok­lauf in St. Augus­tin außer Acht; nun basiert der Bericht aller­dings auf Zah­len aus den Jah­ren 2006 und 2007, und wie aktu­ell die Äuße­run­gen des Herrn Hur­rel­mann also sind, schreibt man bei SPIEGEL Online nicht dazu, aber dass Gewalt und Aggres­si­on „typisch männ­lich“ sei­en, stel­le ich – als Mann – dann lie­ber doch mal in Frage.

Ein wei­te­rer Geschlech­ter­for­scher gibt da schon weit­aus weni­ger Unsinn von sich:

Die Welt sei weib­li­cher gewor­den, meint Holl­stein. Das Weib­li­che gel­te mitt­ler­wei­le als die Norm, das Männ­li­che als patho­lo­gisch. „Von den Män­nern wer­den zuneh­mend typisch weib­li­che Eigen­schaf­ten ver­langt, sie sol­len mehr kom­mu­ni­zie­ren, mehr Gefüh­le zeigen.“

Gleich­be­rech­ti­gung ist bekannt­lich ein Euphe­mis­mus für die geziel­te Bevor­zu­gung von Frau­en. Wer sich dem nicht unter­wirft, wer also dar­auf besteht, dass Frau­en auch kei­ne bes­se­ren Men­schen sei­en, der wird als männ­lich beschimpft und bekommt Nach­hil­fe in ange­wand­ter Gleich­stel­lung der Geschlech­ter nahe gelegt.

Die Poin­te des Tex­tes kommt übri­gens gegen Ende:

„Bei­de Geschlech­ter müs­sen die Mög­lich­keit haben, mit ihrer Geschlechts­la­ge­rung zu spie­len und sich ande­re Gebie­te jen­seits ihrer arche­ty­pi­schen Lage­rung zu erobern“, so Hurrelmann.

Anders aus­ge­drückt: Die Frau­en stel­len sich, den Vor­rei­tern des Radi­kal­fe­mi­nis­mus‘ sei Dank, auf die Stu­fe der Chau­vi­nis­ten (weil bekannt­lich alle Män­ner so sind), und um das aus­zu­glei­chen, sol­len Män­ner ihnen nun wei­chen und selbst die Rol­le des schwa­chen Geschlechts ein­neh­men, weil’s nicht trag­bar erscheint, dass man das mit der Gleich­be­rech­ti­gung ein­fach mal kon­se­quent im Wort­sin­ne anwen­det, und schon gar nicht, so lan­ge man immer nur unter­drückt wird; weil nämlich …

„Wir Män­ner müs­sen mehr Empa­thie ent­wi­ckeln, um uns selbst mehr zu ver­ste­hen.“ Nur so könn­ten Män­ner die heu­ti­gen Pro­ble­me von Män­nern durch­schau­en und Bes­se­run­gen anstreben.

die Män­ner der­zeit so etwas wie Empa­thie nicht ken­nen, ganz anders als die Frau­en, und sich nicht mit ihres­glei­chen iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Die wah­ren Pro­ble­me der Män­ner lie­gen nicht im Femi­nis­mus begrün­det, des­sen Ziel es längst nur noch zu sein scheint, sie davon zu über­zeu­gen, dass sie letzt­end­lich für die Gesell­schaft nicht von Bedeu­tung sind, son­dern dar­in, dass sie es sich nicht ein­ge­ste­hen wol­len, dass Frau­en viel bes­se­rer, tol­le­rer und über­haupte­rer sind; und es wird Zeit, dass klas­si­sche Män­ner­do­mä­nen wie bspw. EDV zu Frau­en­do­mä­nen wer­den, der Gleich­be­rech­ti­gung zulie­be, weil es allein die Schuld des Chau­vi­nis­mus‘ ist, dass sich Frau­en nicht über­wie­gend für Com­pu­ter­kram inter­es­sie­ren, und nicht etwa uralter bio­lo­gi­scher Instink­te, und ohne geziel­te Frau­en­för­de­rung Gleich­be­rech­ti­gung gäbe es nicht ein­mal einen Girls‘ Day, das wäre ja gera­de­zu unvorstellbar.

Bah. Ein­fach nur bah.

Piratenpartei
„War­um ich Pirat bin“, die visu­el­le Kurzform

Als nicht in Nord­rhein-West­fa­len Ansäs­si­ger ist mir die Anre­gung, blog­gend dar­zu­stel­len, wie­so man Pirat ist, erst eben gera­de begeg­net (ich unter­stel­le da mal einen Zusam­men­hang), und Wahl­wer­bung ist in Nie­der­sach­sen ja der­zeit noch nicht unbe­dingt nötig. Aber es ist sehr schön, dass ich über die­sen Arti­kel stol­per­te, denn so kann ich mei­nen im Über­schwang ver­öf­fent­lich­ten Text bezüg­lich des ZugEr­schwG unauf­fäl­lig kor­ri­gie­ren, mir als jeman­dem, der nicht all­zu häu­fig (genau­er: fast nie) Tages­zei­tun­gen kon­sul­tiert und in sei­nem Nach­rich­ten­ti­cker auch sel­ten mehr als die Über­schrif­ten liest, zumal, wenn’s um drö­ge Poli­tik geht, ist der geplan­te JMStV näm­lich, Asche auf mein ergrau­tes, kah­les Haupt!, nahe­zu völ­lig ent­gan­gen. Ein pri­ma Anlass, dazu auch mal Stel­lung zu neh­men; bevor die ers­ten Stamm­le­ser fra­gen, wie­so aus­ge­rech­net ich oller Nerd bis­lang auf mei­nen Senf dazu ver­zich­tet habe.

Der JMStV (is‘ kür­zer als das gesam­te Wort­un­ge­tüm, Juris­ten­deutsch mag ich nicht all­zu gern) ist im Wesent­li­chen die logi­sche Kon­se­quenz der GEZ-Vor­ge­hens­wei­se, die eige­ne Dis­kus­si­ons­platt­form zeit­lich ein­zu­schrän­ken, was ich, ver­mut­lich in einem Anflug von Alters­mil­de, noch vor eini­ger­ma­ßen weni­gen Wochen belä­chelt hat­te, und dient, wie schon das ZugEr­schwG (ich den­ke da immer an Bim­mel­bah­nen), vor allem dem Zweck, fau­len Eltern die Erzie­hung ihrer Spröss­lin­ge zu einer gewis­sen Medi­en­kom­pe­tenz zu erspa­ren. Klar, wenn im Inter­net nachts kei­ne Por­nos mehr lau­fen, ist das viel beque­mer für die Erzie­hungs­be­rech­tig­ten, die gnä­dig auf die­ses Recht ver­zich­ten, als selbst zu über­prü­fen, was das Balg eigent­lich so den gan­zen Tag am Com­pu­ter treibt. War­um aus dem Haus gehen, wenn sich statt­des­sen auch ein­fach die Erde unter den Füßen wei­ter­dre­hen kann? Man muss nur lan­ge genug in der Luft blei­ben und kommt irgend­wann an.

Chris­ti­an Schmidt schrieb schon 2007 in einem etwas ande­ren Zusammenhang:

So ruft man also nach dem Staat, der mög­lichst alles ver­bie­ten soll­te, was der Ent­wick­lung eines Kin­des scha­den könn­te. Die Auf­ga­be der Obrig­keit ist offen­bar, dafür zu sor­gen, dass man Kin­der pro­blem­los für die ers­ten 14 Jah­re ihres Lebens vor einem Fern­se­her oder einem Com­pu­ter par­ken kann, ohne als Eltern­teil aktiv in die Erzie­hung ein­grei­fen zu müssen.

War­um ich Pirat bin?
Genau deswegen!

In den Nachrichten
Wer will so was denn sehen?

Ich woll­te eigent­lich heu­te wie­der einen län­ge­ren Text schrei­ben, aber mir fehlt’s an Inspi­ra­ti­on; ’s pas­siert ein­fach zu wenig Unfug (oder er geht unbe­merkt an mir vorüber).

Statt­des­sen also wie­der nur ein Kur­zer aus den Nachrichten:

In Braun­la­ge fand heu­te, so berich­tet SPIEGEL Online, ein unge­wöhn­li­ches Wett­ro­deln statt, des­sen Teil­neh­mer alle­samt mit frei­em Ober­kör­per antraten.

Die fast nack­ten Rod­le­rin­nen und Rod­ler waren ein ech­ter Publi­kums­ma­gnet. Dass noch mehr Leu­te gekom­men sei­en als bei der ers­ten Auf­la­ge der Spaß­ver­an­stal­tung, sei kaum zu glau­ben, freu­te sich Klamt. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr war das Klein­städt­chen ange­sichts von 12.000 Nack­tro­del-Begeis­ter­ten sehr voll gewesen.

Ja, das ist mir auch völ­lig unbe­greif­lich, dass da so vie­le Leu­te hinwollen.


Das Ende der Geschich­te mit dem Pira­ten­fo­rum gibt es, übri­gens, beim Pira­ten­weib zu lesen.

Netzfundstücke
War­um die Spie­le­indus­trie untergeht

Fefe hat vor zwei Wochen schon ange­merkt, dass der Erfolg der „Pira­te­rie“ wohl auch dar­auf begrün­det ist, dass man sich als Käu­fer lega­ler Inhal­te mit Ein­schrän­kun­gen, minu­ten­lan­gen Trai­lern, DRM und sons­ti­gem Unfug her­um­schla­gen muss. Im Inter­net macht gera­de eine Visua­li­sie­rung die­ser Umstän­de die Runde:

Und da wun­dert sich noch jemand?

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt VIII: Weggetreten!

Weg­ge­tre­ten wird so man­cher Unbe­schol­te­ne bis­wei­len von Jugend­li­chen, und Wolf­gang Röhl hat Ver­ständ­nis dafür, dass Jens Jes­sen, Feuil­le­ton-Ver­ant­wort­li­cher der Ham­bur­ger „Zeit“, laut Röhl der bekannt sen­si­ble Ver­ste­her aus­ge­grenz­ter jun­ger Men­schen, die manch­mal gezwun­gen sind, älte­re, mit aus­ge­präg­ter Rent­ner­men­ta­li­tät behaf­te­te Per­so­nen ins Koma zu beför­dern, mit der Situa­ti­on auch nicht ganz ein­ver­stan­den sein dürfte:

Zwei Jugend­li­che tram­pel­ten [in einem Metro­bus] den 19jährigen Mar­cel F. um ein Haar tot. Schnell kam her­aus, dass die angeb­li­chen „Täter“ vom „Opfer“ dreist pro­vo­ziert wor­den waren. Hat­te doch der 19jährige – inner­lich wohl schon ein faschis­to­ider Rent­ner­typ im Jessen´schen Sinn – die bei­den auf­ge­for­dert, ihre ner­ven­den Han­dy­klin­gel­tö­ne lei­ser zu stellen!

Er laber­te sie ein­fach so an! Früh­mor­gens im Bus!

Die fol­gen­de Tracht Prü­gel mit anschlie­ßen­dem Schä­del-Hirn-Trau­ma sowie Gele­gen­heit, die Inten­siv­sta­ti­on der Askle­pi­os-Kli­nik in Alto­na ken­nen zu ler­nen, hat­te sich der Jung­spie­ßer natür­lich selbst zuzuschreiben.

Nicht all­zu iro­nie­resis­ten­te Zeit­ge­nos­sen dür­fen sich bei der Ach­se des Guten über den Rest der Ana­ly­se amü­sie­ren. Wie wahr!

Apro­pos „wahr“, Abtei­lung „is‘ doch nich‘ “: Wer noch nicht völ­lig weg­ge­tre­ten ist, der könn­te ange­sichts der stän­di­gen Daten­schutz­pro­ble­me mit dem Gedan­ken spie­len, eben­falls zu tre­ten, und zwar aus den diver­sen sozia­len Netz­wer­ken. Unter­stüt­zung hier­bei bie­tet, hihi, aus­ge­rech­net eine Web­sei­te, die unter ande­rem Anlei­tun­gen bie­tet, wie man sich ein­fach aus den Fän­gen des „Mit­mach­net­zes“ befrei­en kann; natür­lich mit einem auf­fä­li­gen Ver­weis oben rechts, der es erlaubt, den Link zu die­ser Web­sei­te mit­tels diver­ser sozia­ler Netz­wer­ke zu verteilen.

Aber man­che Aus­stiegs­be­grün­dun­gen, die eben­falls auf die­ser Sei­te auf­ge­lis­tet wer­den, sind wahr­lich lesenswert:

Fer­di ist von Face­book am 17.02.2010 aus­ge­stie­gen, weil „weil mich mei­ne ex freun­din aus ihrer freun­des­lis­te gelöscht hat die dum­me kuh!!! voll gemein :-(„

Wie gesagt: Hihi.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Die Reso­lu­ti­on der Kom­mu­nar­den, Stro­phe 1.

Drau­ßen wei­gern sich die 21,6 Mil­li­ar­den Ton­nen Kli­ma­er­wär­mung beharr­lich, weg­zu­tau­en, und oft, wenn das Volk ande­res als Poli­tik, zum Bei­spiel Fuß­ball oder eben das Wet­ter, im Sinn hat, wer­den unbe­lieb­te Geset­ze erlas­sen, damit es wenigs­tens nur weni­ge über­haupt zur Kennt­nis neh­men; es hat auch dies­mal funk­tio­niert:

Bun­des­prä­si­dent Horst Köh­ler hat heu­te das „Gesetz zur Bekämp­fung von Kin­der­por­no­gra­phie in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zen“ unter­zeich­net. (…) Der Bun­des­prä­si­dent geht davon aus, dass die Bun­des­re­gie­rung ent­spre­chend ihrer Stel­lung­nah­me vom 4. Febru­ar 2010 nun­mehr „auf der Grund­la­ge des Zugangs­er­schwe­rungs­ge­set­zes“ Kin­der­por­no­gra­phie im Inter­net effek­tiv und nach­hal­tig bekämpft.

Eigent­lich wäre dies ein Grund, erzürnt auf­zu­sprin­gen und/oder sich dar­über zu freu­en, dass die­se Mel­dung der Pira­ten­par­tei, die im Über­schwang ver­se­hent­lich mehr­fach falsch zitiert wur­de (zwi­schen „Löschen ist doof“ und „das Lösch­ge­setz ist doof“ besteht eben doch ein signi­fi­kan­ter Unter­schied), bei den kom­men­den Wah­len in Nord­rhein-West­fa­len eine recht ansehn­li­che Anzahl an Stim­men besche­ren dürf­te; die Lage ist hier aber noch ein wenig anders, wie man es aus­nahms­wei­se bei SPIEGEL Online tref­fend auf den Punkt bringt:

An die­sem Mitt­woch hat der Bun­des­prä­si­dent ein durch und durch ver­murks­tes Gesetz unter­schrie­ben, das mit der Ver­öf­fent­li­chung im Bun­des­ge­setz­blatt in Kür­ze in Kraft tre­ten wird – hin­ter dem aber kei­ne ein­zi­ge der im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en steht.

Horst Köh­ler ist seit sei­nem Amts­an­tritt der ein­zi­ge CDU-Poli­ti­ker, der mir mit fast jeder sei­ner Ent­schei­dun­gen eine gro­ße Por­ti­on Respekt abnö­tigt. Mit die­ser Unter­schrift unter ein Gesetz, das die, die es ihm vor­leg­ten, selbst nicht mehr durch­set­zen wol­len, hat er vor­erst ver­hin­dert, dass sich die Koali­ti­on recht­zei­tig aus der Affä­re zieht; ein revi­dier­tes Gesetz, das das alte auf­hebt, wird nun doch noch eine Wei­le dau­ern, und vor dem unter­schrie­be­nen droht in die­ser Form vor­erst kei­ne Gefahr. Zu Recht hat der­weil der AK Zen­sur eine Ver­fas­sungs­kla­ge gegen das Gesetz ange­kün­digt und gemein­sam mit eini­gen Ber­li­ner Pira­ten Prä­senz gezeigt. Jetzt bleibt abzu­war­ten, was die Regie­rung mit „ihrem“ Gesetz anzu­fan­gen gedenkt – zumin­dest der gel­be Teil der Tiger­en­te hat nichts mehr zu ver­lie­ren.

NetzfundstückeNerdkramsPiratenpartei
Kei­ne Iden­ti­cons für Andrease!

Gera­de schau­te ich wie­der ein­mal in den Ord­ner für abge­lehn­te Kom­men­ta­re und Ver­wei­se von ande­ren Web­sei­ten und fand so her­aus, dass ich unter ande­rem mehr­fach von Ulf Hun­de­i­ker erwähnt wur­de, der in sei­nem Bei­trag ein wenig über das Mut­ter­söhn­chen­tum von Bushi­do refe­riert. Dabei ver­weist er unter ande­rem auch auf das Pepi­log, genau­er: auf einen Arti­kel dort, der Sidos tat­säch­li­chen Namen zum The­ma hat. (Ein Sido ist, so weit ich das mit­be­kom­men habe, so was wie Bushi­do, nur anders.)

In des­sen Kom­men­tar­be­reich (also dem Pepi­log-Kom­men­tar­be­reich, nicht dem von Sido), in dem sich die Freun­de selt­sa­mer Klän­ge batt­le­ten gegen­sei­tig mit nicht unbe­dingt all­zu freund­li­chen Namen bedach­ten, wird zur leich­te­ren Unter­schei­dung der Nut­zer die Tech­nik der Iden­ti­cons verwendet.

Ein Iden­ti­con ist, kurz gesagt, eine com­pu­ter­ge­nerier­te Gra­fik, die aus dem Hash­wert (einer Art Quer­sum­me) der eige­nen IP-Adres­se berech­net wird und somit jede IP-Adres­se welt­weit ein­deu­tig dar­stel­len kann. Eine ähn­li­che Tech­nik ver­wen­det auch die Netz­prä­senz, in deren Rah­men die­ser Text hier erscheint; die so genann­ten „Grava­tare“, die im Kom­men­tar­be­reich neben dem eige­nen Namen erschei­nen, sofern man die ver­wen­de­te Mail­adres­se kos­ten­frei ange­mel­det hat, wer­den aller­dings nicht dyna­misch erzeugt, son­dern kön­nen selbst ein­ge­stellt wer­den. (Dies auch, weil ich die mög­li­chen Alter­na­ti­ven, unter ande­rem eben sol­che Iden­ti­cons, nicht son­der­lich hüb­scher als die wei­ße Sil­hou­et­te vor grau­em Hin­ter­grund, die als Stan­dard-Grava­tar dient, finde.)

Genug des Exkur­ses. Ich besuch­te also das Pepi­log und schau­te gedan­ken­ver­lo­ren in die Gra­fik­spal­te, weil die Kom­men­ta­re nun wirk­lich nicht son­der­lich erwäh­nens­wert schie­nen, beweg­te mich durch die Sei­te, bis mein Blick an etwas haf­ten blieb, und stutz­te ein wenig, schau­te noch mal hin und muss­te grin­sen:

Gern auch noch mal in groß:

Damit mich nie­mand falsch ver­steht: Ich ken­ne die Swas­tika durch­aus auch ohne knall­ro­ten, dia­go­nal durch sie gezo­ge­nen Strich, und ich bin wahr­lich weit davon ent­fernt, jeg­li­che Sym­bo­lik, die man revi­sio­nis­tisch ver­ste­hen könn­te, auch so zu ver­ste­hen, aber ein wenig wun­der­lich mutet mir das schon an, dass mir da noch kei­ne empör­ten Auf­schreie irgend­wel­cher Zen­tral­rä­te zu Ohren gekom­men sind; zumal doch die­se Iden­ti­cons auf­grund des ver­wen­de­ten Algo­rith­mus‘, also tat­säch­lich zufäl­lig und unbe­ab­sich­tigt, alle recht ähn­lich aussehen:

Soll­te jetzt irgend­ein Leser die­ses Tex­tes und Betrach­ter der ein­ge­bun­de­nen Gra­fi­ken in Per­so­nal­uni­on ernst­haft und ohne wie auch immer gear­te­te Iro­nie ent­spre­chen­de Maß­nah­men gegen jeg­li­che Inter­net­prä­sen­zen erwä­gen, die Gebrauch von die­ser Tech­nik machen, so bit­te ich um eine kur­ze Mit­tei­lung. Eine sol­che Gele­gen­heit zu einer Gesichts­pal­me kann ich nicht unge­nutzt ver­strei­chen lassen.


(Im Pira­ten­fo­rum rol­len übri­gens sozu­sa­gen Köp­fe, nach­dem es kürz­lich zu eini­gen unschö­nen Macht­spiel­chen gekom­men war. Die Par­tei­füh­rung hat die Ver­ant­wort­li­chen, die noch nicht frei­wil­lig zurück­ge­tre­ten waren, ihres Son­der­sta­tus‘ ent­ho­ben und somit ers­te Sank­tio­nen ver­hängt. Es ist, fürch­te ich, aber nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis auch die­se durch­aus begrü­ßens­wer­te Ent­wick­lung jeman­dem begeg­net, der ihret­we­gen Zeter und Mor­dio schreit. Dabei wäre die Ener­gie, die in sol­chem Kin­der­kram steckt, anders­wo wahr­lich bes­ser auf­ge­ho­ben; ande­rer­seits: Wer sich mit sol­chen Klei­nig­kei­ten auf­hält, stört wenigs­tens nicht bei der Parteiarbeit.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Ase­xu­el­le Schlüpfrigkeiten

Heu­te früh berich­te­te SPIEGEL Online erneut über irgend­was mit Olym­pia, und dies­mal hat­te es nicht ein­mal all­zu viel mit Sport als sol­chem zu tun:

Sport­lich, blond und halb­nackt zeigt sich die erfolg­rei­che US-Snow­boar­de­rin Han­nah Teter der­zeit in einem Sport­ma­ga­zin. Weil das nicht jedem gefällt, muss sie sich mit har­scher Kri­tik aus­ein­an­der­set­zen. Und wehrt sich.

„Har­sche Kri­tik“ kann ich ja ver­ste­hen, son­der­lich hübsch ist die Frau, wie ich mei­ne, nicht mal nicht­nackt. Die „Sit­ten­wäch­ter“ des Staa­ten­bun­des, in dem stän­dig irgend­wel­che Leu­te, die irgend­wer, der gera­de eine Waf­fe griff­be­reit hat­te, nicht beson­ders lei­den kann, über den Hau­fen geschos­sen wer­den, haben viel­mehr ein Pro­blem damit, dass Frau Teter oben­rum auch mal unbe­klei­det da sitzt, völ­lig unab­hän­gig davon, ob man die frag­li­chen Kör­per­tei­le über­haupt zu Gesicht bekommt oder eben nicht. Kein Wun­der, dass katho­li­sche Geist­li­che bei all der Hyper­se­xua­li­sie­rung durch Frau­en in Bade­klei­dung Lust auf Kna­ben­sex ver­spü­ren!

Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass Frau Teter mei­nes Erach­tens Recht hat, wenn sie die lächer­li­che Prü­de­rie in den USA beklagt, gehe ich doch zumin­dest nicht mit einer ihrer Reak­tio­nen konform:

„Die Bil­der sind ein biss­chen schlüpf­rig, aber abso­lut nicht sexu­ell“, sag­te die Ath­le­tin und beton­te: „Man soll­te dar­aus kein Dra­ma machen. Die Natur­völ­ker lau­fen in eini­gen Län­dern stän­dig nackt her­um, und kei­ner denkt an Sexualität. (…)“

Nun, auf kei­nem der Bil­der ist tat­säch­lich Nackt­heit zu sehen, es wird viel­mehr damit koket­tiert. „Wür­de ich mich auch nur um weni­ge Zen­ti­me­ter bewe­gen, könn­tet ihr unge­hin­dert auf mei­ne Brüs­te star­ren“, scheint ihr Mie­nen­spiel aus­drü­cken zu wol­len, und so weiß sie sehr wohl um die Sexua­li­tät, die in der­lei Auf­nah­men mit­schwingt. War­um sonst nahm sie nicht ein­fach die Hän­de bei­sei­te? – Den letz­ten Satz bit­te ich nach dem Lesen aus dem Gedächt­nis zu streichen.

Gestri­chen wird end­lich auch bei der Bahn, und der Pin­sel wird an den über­flüs­si­gen Angli­zis­men angesetzt:

So wür­den Hand­zet­tel oder Bro­schü­ren nicht mehr als „Fly­er“ bezeich­net, Schal­ter nicht mehr als „Coun­ter“ und her­aus­ra­gen­de Leis­tungs­aspek­te nicht mehr als „High­lights“. Aus „Hot­lines“ sei­en „Ser­vice-Num­mern“ geworden.

Wegen „Ser­vice“ möch­te ich da jetzt auch kei­nen Auf­stand mehr anzet­teln, aber, ganz ehr­lich, ausrufen:

Dan­ke, Bahn! :)

(Apro­pos Pira­ten­fo­rum noch mal: Der umstrit­te­ne Admi­nis­tra­tor „arvid“ ist vor­erst von sei­nem Amt zurück­ge­tre­ten, eine Stel­lung­nah­me der AG Forum wie der Bun­des-IT ist ab heu­te Abend zu erwar­ten; auch, wenn ich es als eher unwahr­schein­lich auf­neh­me, dass sel­bi­ge auch von denen gele­sen wer­den wird, die min­des­tens den Unter­gang der Pira­ten­par­tei anhand der Que­re­len bezüg­lich des Forums pro­phe­zei­ten, da doch selbst die Fest­stel­lung, dass da was nicht ganz sau­ber abge­lau­fen ist, für Spott taug­te.)

Nach­trag: Herr Sei­pen­busch höchst­per­sön­lich hat sich zu Wort gemeldet.
Nach­trag II: Auch die AG Forum gab nun die Stel­lung­nah­me ab.

In den NachrichtenPolitik
Beschaf­fungs­maß­nah­men

Über eine gro­be Fahr­läs­sig­keit des OLG Ham­burg berich­te­te ges­tern Nach­mit­tag dpa, auf­ge­grif­fen unter ande­rem von hei­se online und netzpolitik.org:

Das Gericht habe, so heißt es, in einem Grund­satz­ur­teil nach aus­führ­li­chem Geze­ter der Staats­an­walt­schaft ent­schie­den, dass bereits das Auf­ru­fen von Kin­der­por­no­gra­fie im Inter­net auf­grund des damit ver­bun­de­nen Her­un­ter­la­dens in den Arbeits­spei­cher als „Beschaf­fung“ gel­te, auch ohne gezielt eine Spei­che­rung zu bezwecken.

Damit liegt die Beweis­last, wenn ich als Nicht­ju­rist das rich­tig ver­ste­he, künf­tig beim des Besit­zes von Kin­der­por­no­gra­fie Ange­klag­ten: Besucht er eine Inter­net­sei­te, die ohne sein Wis­sen mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al bestückt wur­de, so macht er sich damit, unab­hän­gig von sei­ner tat­säch­li­chen Inten­ti­on, straf­bar. Beson­ders bri­sant ist, dass es nach die­sem Urteil nicht ein­mal mehr pro­blem­los mög­lich ist, ent­spre­chen­de Inter­net­sei­ten, auf die man zufäl­lig stößt, den zustän­di­gen Anbie­tern zu mel­den, denn allein mit dem Wis­sen um eine sol­che Sei­te wür­de man sich qua­si auto­ma­tisch selbst anzeigen.

Sebas­ti­an Anders merk­te in der Zeit­schrift „Gigi“ bereits Mit­te 2009 an:

Ob nun jemand einen tat­säch­li­chen oder soge­nann­ten sexu­el­len Miß­brauch von Kin­dern auf­zeich­net oder nicht, ist genau­so uner­heb­lich, wie wenn eine sons­ti­ge Straf­tat auf­zeich­net wird. Selbst der Staat ver­ar­gu­men­tiert die öffent­li­che Über­wa­chung unter ande­rem damit, daß Straf­ta­ten auf­ge­zeich­net und angeb­lich ver­folg­bar wür­den. Nach die­sem Cre­do wür­de er zum Kin­der­por­no­pro­du­zen­ten wer­den, wenn er die Mög­lich­keit hät­te, sei­ne Kame­ras in den Schlaf­zim­mern der Kin­der auf­zu­stel­len. Es wäre gera­de­zu lächer­lich, freie Bür­ger wegen des Besit­zes eines Doku­ments zu belan­gen, das eine Straf­tat schildert.

Nun, im Vor­raum des OLG Ham­burg scheint die­se Zeit­schrift nicht aus­zu­lie­gen, und so lässt es die dor­ti­ge Juris­te­rei an tech­ni­schem Sach­ver­ständ­nis feh­len und argu­men­tiert auf der rein emo­tio­na­len Ebe­ne; viel­leicht hat man den Text aber auch nur selek­tiv quer­ge­le­sen und sich außer­halb jeg­li­ches Kon­tex­tes einen ande­ren Satz, wei­ter unten, gemerkt: „Selt­sa­mer­wei­se wird nur bestraft, wer Kin­der­por­no­gra­phie besitzt, sie aber nicht kon­su­miert, wäh­rend der­je­ni­ge straf­frei aus­geht, der sie kon­su­miert, aber nicht besitzt[…].“ (Anders, ebd.)

Selt­sam ist es wahr­lich, dass Gesetz­ge­bung und Urteils­spruch die­ser Tage nicht mehr von rein ratio­na­len Ele­men­ten abhän­gen; Raub­über­fäl­le und schwe­re Sach­be­schä­di­gung sind nur inter­es­sant, wenn die Opfer die­ser Taten einer nahe­zu belie­big defi­nier­ten Min­der­heit ange­hö­ren; wenn nicht, muss schon was schlim­me­res her, zum Bei­spiel sei­en der oder die Täter der rech­ten Sze­ne zuge­hö­rig, schon errich­tet der Bou­le­vard die Bar­ri­ka­den zwecks Drauf­ge­hens sei­ner Anhän­ger, getra­gen von der kol­lek­ti­ven der Gesell­schaft. Bei Sexua­li­tät, dar­um ging es ja eigent­lich, setzt es ent­spre­chend eben­falls nur aus, wenn es um Min­der­jäh­ri­ge geht – klar, weil sexu­el­le Hand­lun­gen ohne gegen­sei­ti­ges Ein­ver­neh­men, die man an erwach­se­nen Men­schen durch­führt, kei­ner­lei see­li­schen Scha­den anrich­ten kön­nen, viel­leicht auch nur, weil erwach­se­ne Men­schen nicht mehr mit unschul­di­gen Kin­der­au­gen in die Welt glot­zen und sich also kein Rei­bach mit dies­be­züg­li­chen Bil­dern von ihnen auf der Titel­sei­te machen lässt -, und da ist „Sch*anz ab!“ noch eine der harm­lo­ses­ten For­de­run­gen, sofern der Täter männ­lich war, von „Ti*ten ab!“ habe ich bis­lang indes auch noch nie lesen dür­fen. (Die erneu­te Wort­zen­sur erfolg­te, wie üblich, auf­grund der Algo­rith­men gro­ßer Suchmaschinen.)

Dass die­ses Urteil auch ganz ande­re uner­wünsch­te Neben­wir­kun­gen haben könn­te, ist dem Nacht­wäch­ter auf­ge­fal­len, der sei­nen Text fol­gen­der­ma­ßen überschreibt:

Heu­te ganz exklu­siv für die weni­gen leser die­ses völ­lig unbe­ach­te­ten und sonst eher etwas inhalts­ar­men blogs eine prak­ti­sche und ein­fach durch­zu­füh­ren­de anlei­tung, wie man jeman­den wegen “besit­zes” von kin­der­por­no­gra­fi­schem mate­r­jal in den knast brin­gen kann. Die­se anlei­tung ist pra­xis­ori­en­tiert und lässt sich mit nur gerin­ger mühe in eine tat umset­zen. Die tat lässt sich nahe­zu spur­los durch­füh­ren, so dass kaum ein per­sön­li­ches risi­ko besteht, dabei erwischt zu wer­den — wäh­rend das opfer die­ser tat sicher ins visier der staats­an­walt­schaft gerät und mit hoher wahr­schein­lich­keit wegen der bil­der auf sei­nem rech­ner ver­ur­teilt wird.

Das Ver­fah­ren wur­de nun­mehr an das Amts­ge­richt Har­burg zurück­ver­wie­sen. Eine posi­ti­ve Ent­wick­lung kann jeden­falls ich, anders als ein Kom­men­ta­tor auf netzpolitik.org, lei­der nicht erken­nen. Ver­mag mir jemand Auf­klä­rung zu verschaffen?

PolitikIn den Nachrichten
Ich fass‘ es nacht.

Nun, da es däm­mert, lässt sich über die jähr­li­chen Kar­ne­vals­zü­ge berich­ten, ohne all­zu viel zu verpassen:

Nach Boni lech­zen­de Ban­ker, eine Mer­kel im Eva­kos­tüm und Wes­ter­wel­le im Clowns­ge­wand: Auf den Rosen­mon­tags­zü­gen in Düs­sel­dorf, Mainz und Köln nah­men die Jecken die Wirt­schafts­kri­se mit Humor.

„Cri­sis? What Cri­sis?“ frag­te schon 1975 die Band Super­tramp, und von einer Kri­se war auch hier nur wenig zu sehen:

Unzäh­li­ge Kar­ne­vals­be­geis­ter­te hat­ten sich den Tag frei­ge­nom­men, um die Umzü­ge anzuschauen.

Die Aus­sicht auf Brot und Spie­le bzw. eilig in die Men­ge gewor­fe­ne Kame­le Kamil­le Kamel­le ist hier ver­mut­lich weni­ger ent­schei­dend als die Tra­di­ti­on und der Aus­bruch aus der Nor­ma­li­tät, die dann letzt­end­lich auch nur dar­in besteht, von Medi­en und per­sön­li­chem Umfeld über Augen- und Haar­far­be von Boris Beckers neu­es­tem Erzeug­nis infor­miert zu werden.

Statt­des­sen wur­de ein wenig harm- und auch recht zahn­los über die da oben her­ge­zo­gen, und wirk­lich stö­rend blie­ben für die weni­ger kar­ne­vals­af­fi­ne All­ge­mein­heit, die auch ohne täg­li­che Berie­se­lung durch durch das meist eher stö­ren­de Fern­seh­pro­gramm Spaß haben kön­nen, nur die Nar­ren mit erhöh­tem Mit­tei­lungs­drang im per­sön­li­chen Umfeld. John­ny hat eine ele­gan­te Lösung gefunden:

Als noto­ri­scher Kar­ne­vals­ver­wei­ge­rer über­kommt einen daher der Drang, die kol­lek­ti­ve Absen­kung der Niveau­gren­ze im rhei­ni­schen Raum scham­los auszunutzen.

So kann’s doch auch gehen.


Was natür­lich auch irgend­wie dazu passt wg. „wirt­schaft­li­chen Wohlstandes“:

Das US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hat Ende ver­gan­ge­ner Woche eine Taskforce für geis­ti­ges Eigen­tum ins Leben geru­fen. (…) „Die Zunah­me an Straf­ta­ten an geis­ti­gem Eigen­tum in den USA und im Aus­land bedroht nicht nur unse­re öffent­li­che Sicher­heit, son­dern auch unse­ren wirt­schaft­li­chen Wohl­stand“, unter­strich US-Jus­tiz­mi­nis­ter Eric Hol­der die Bedeu­tung der Taskforce.

Rich­tig: Die öffent­li­che Sicher­heit. Immer die­se Raubmordkopierterroristen!

MusikNetzfundstückeNerdkrams
Goog­le Buzz: Ent­schul­di­gung, kann ja mal passieren.

Aus aktu­el­lem Anlass folgt noch ein­mal ein Bei­trag zum The­ma Goog­le, ich bit­te um Nach­sicht. :-)

Goog­le hat wie­der ein­mal eine neue Nicht-Inno­va­ti­on zu bie­ten: Das sozia­le Netz­werk „Buzz“, das als Face­book-Alter­na­ti­ve ange­prie­sen wird und den eben­falls umstrit­te­nen E‑Mail-Dienst GMail um „sozia­le“ Funk­tio­nen erwei­tert, ist das der­zei­ti­ge „kom­men­de Ding“ für man­cher­lei Per­so­nen, unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass Goog­le selbst inzwi­schen öffent­lich „schwe­re Pat­zer“ ein­ge­stand:

Goo­gles direkt nach dem Start hef­tig kri­ti­sier­ter Social-Net­wor­king-Dienst Buzz wird umge­baut, zum drit­ten Mal inner­halb von vier Tagen. Vor allem die ein­ge­bau­ten Daten­schutz-Lecks sol­len offen­bar gestopft wer­den – aller­dings nicht alle. Der Buzz-Start ist ein Desaster.

Es ist wahr­lich nicht so, dass die­se Mel­dung son­der­lich über­ra­schend käme, es ist nur erschre­ckend, dass aus den wie­der­hol­ten Daten­schutz­pro­ble­men der Goog­le-Diens­te kein Goog­le-Nut­zer (erst mal anmel­den, ist von Goog­le, ob wir’s brau­chen, sehen wir dann) sei­ne Kon­se­quen­zen zieht, obgleich es wahr­lich genug Alter­na­ti­ven zu jedem von Goo­gles Diens­ten gibt, von denen kei­ner für auch nur annä­hernd schwer wie­gen­de Beden­ken bekannt ist.

Und wer ein wah­rer Goo­gle­freund ist, der ver­zeiht sei­nem Lieb­lings­kon­zern auch Aus­sa­gen wie diese:

Man habe „schnell erkannt, dass man nicht alles ganz rich­tig gemacht habe“, so Jack­son, „das tut uns sehr leid“.

Goog­le ver­stößt mit jedem neu­en Dienst gegen fast jede mir bekann­te Vor­stel­lung von Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re (hat eigent­lich mal einer von euch die AGB von Goog­le Wave gele­sen, in denen sinn­ge­mäß steht, Goog­le neh­me sich das Recht her­aus, jedes bei Goog­le Wave erstell­te Doku­ment belie­big zu modi­fi­zie­ren und zu ver­öf­fent­li­chen?), und statt mal etwas dar­an zu ändern, ver­si­chern sie lie­ber, wie Leid es ihnen tue. Unglaublich.

Man stel­le sich vor, wie groß der Auf­schrei wäre, wür­de Micro­soft ähn­lich ver­fah­ren; die Rufe nach Zer­schla­gung des Kon­zerns trie­ben unüber­hör­bar durch die Net­ze. War­um Goog­le von eini­gen Jour­na­lis­ten und den meis­ten Nut­zern einen Frei­schein für gänz­lich unpi­ra­ti­ge und somit benut­zer­un­freund­li­che Unter­neh­mens­prin­zi­pi­en („Don’t be evil!“ ist natür­lich auch eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve) bekommt, ist für mich unver­ständ­lich. Kann einer mei­ner geschätz­ten Leser mir da weiterhelfen?


Nach­trag von 22:22 Uhr: Mir ist gera­de wie­der ein­ge­fal­len, wor­an mich „Buzz“ erin­nert.

„The toys are us, and we don’t even know.“

Piratenpartei
Meu­te­rei im Piratenforum

Ach, du mei­ne Güte, da lässt man sie mal einen Tag lang allein und schon rich­ten sie nur Scha­den an.

Die Pira­ten­par­tei, wie üblich „die Pira­ten­par­tei“ genannt und in ihrer Gesamt­heit gemeint, steht der­zeit wie­der ein­mal in der Kri­tik für etwas, das nicht ein­mal ihr Ver­schul­den ist. Im Lau­fe der vori­gen Stun­den wur­de das Forum der Pira­ten­par­tei, nach­dem es wochen­lang hef­ti­ge Strei­te­rei­en um den Mode­ra­ti­ons­stil des Benut­zers „arvid“ gege­ben hat, von ihm und den bei­den ande­ren bis­he­ri­gen Admi­nis­tra­to­ren trotz jeg­li­cher Daten­schutz­be­den­ken auf einen pri­va­ten Ser­ver umge­zo­gen, ohne den Bun­des­vor­stand oder die ande­ren Foren­teil­neh­mer dar­über zu infor­mie­ren, was kur­ze Zeit spä­ter, nach­dem ers­te­rer im Bil­de war und ers­te Pro­tes­te bezüg­lich eben des Daten­schut­zes erklun­gen waren, wie­der rück­gän­gig gemacht wur­de.

Eini­ge Web­logs, unter ande­rem das stets unsach­li­che F!XMBR (Link bit­te selbst suchen) und das mir bis dahin völ­lig unbe­kann­te mthie spaces, waren schnell genug zur Stel­le, um dar­über zu berich­ten. Wenn ich selbst als ein Pirat, der in jenem Forum der­zeit eben­falls eine Sperr­zeit erdul­den muss, aus irgend­wel­chen Vor­gän­gen im Forum gefol­ger­ten Unsinn über „die Pira­ten­par­tei“ lesen muss, steigt mir die Gal­le hoch, und wenn mir die Gal­le hoch­steigt, ist das nicht sehr ange­nehm für zumin­dest mich. Ich ver­schaf­fe ihr ein wenig Luft, indem ich zorn­er­füllt eini­ge Din­ge klar­stel­len möchte:

Zunächst ein­mal ist das Forum der Pira­ten­par­tei nicht „die Pira­ten­par­tei“. Sei­ne Betrei­ber sind nicht der Bun­des­vor­stand, ihre Mei­nung ist nicht die Mei­nung der Par­tei; viel­mehr han­delt es sich um ein Dis­kus­si­ons­fo­rum pri­mär für Pira­ten und ihre Sym­pa­thi­san­ten, aber auch ihre Kri­ti­ker. Wenn jetzt die­ses Forum von irgend­wo nach irgend­wo anders ver­scho­ben wird, ist dies kein Ver­rat an Par­tei­idea­len, da die Übel­tä­ter kei­nes­falls im Sin­ne des Par­tei­vor­stan­des, son­dern, so weit ich bis­lang mit­be­kom­men habe, gegen sei­nen Wil­len und ohne sein Wis­sen gehan­delt haben. Wie eben auch – zum Glück – nicht jedes The­ma, das von irgend­ei­nem Wirr­kopf in eben­die­sem Forum eröff­net wird, einen Dog­masta­tus inne hat. Noch immer ist in roter Schrift über den Inhal­ten des Forums fol­gen­des zu lesen:

Dies ist ein öffentliches Forum.

Die tat­säch­li­che Par­tei­ar­beit fin­det zum Glück kom­plett außer­halb des Forums statt, zum Bei­spiel in Wiki, Tele­fon­kon­fe­ren­zen und Mai­ling­lis­ten. Ich kann den Kri­ti­kern, die Forum und Par­tei ver­men­gen, bei all ihren Äuße­run­gen immer­hin inso­fern zustim­men, als die Pira­ten­par­tei, wäre das Forum tat­säch­lich in irgend­ei­ner Form reprä­sen­ta­tiv, ver­mut­lich längst in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den wäre, und das nicht ein­mal zu Unrecht. Wäh­rend sich nun aber die gei­fern­de Men­ge auf das Forum stürzt, um die letzt­lich völ­lig irrele­van­ten Vor­gän­ge lust­voll zu zer­rei­ßen, beschäf­tigt sich die Par­tei­ba­sis nebst jeg­li­chen Vor­stän­den längst mit wich­ti­ge­ren Din­gen, zum Bei­spiel der Land­tags­wahl in Nord­rhein-West­fa­len. Das ist span­nen­der und ange­sichts aktu­el­ler staat­li­cher Ver­feh­lun­gen auch bri­san­ter als irgend­wel­che Macht­kämp­fe in einem Forum, die jeden­falls mich an den Film Das Expe­ri­ment erinnern.

Soll­te jemand, der hier zufäl­lig vor­bei­stol­pert, tat­säch­lich ein wei­ter gehen­des Inter­es­se an der Par­tei­ar­beit haben, und sei es nur zu Recher­che­zwe­cken, möge er einen Blick in das Wiki wer­fen und die Bericht­erstat­tung über irgend­wel­che Ver­schwö­run­gen in der Pira­ten­par­tei, nur weil es in einem von der Par­tei­ar­beit völ­lig unab­hän­gi­gen Forum zu Kin­de­rei­en kam, kühl lächelnd ignorieren.

NetzfundstückeNerdkrams
Knud­delt euren Entwickler!

Weil ich über den heu­ti­gen Auf­marsch links- und rechts­ra­di­ka­ler Staats­fein­de schon aus­rei­chend geschrie­ben hat­te und ich mich über das The­ma Schweiz, das noch viel Zünd­stoff zu bie­ten scheint, auch schon genug echauf­fier­te, bleibt auch der heu­ti­ge Tag hier politikfrei.

Statt­des­sen eine pri­ma Akti­on, die ich als Valen­tins­tag­ver­äch­ter durch­aus gut­hei­ßen kann:

Die FSF Euro­pa lädt dazu ein, den mor­gi­gen Valen­tins­tag statt für Herz­chen und Blu­men dafür zu ver­wen­den, dem Ent­wick­ler bevor­zug­ter Gra­tis­an­wen­dun­gen ein Dan­ke­schön und/oder eine Spen­de zukom­men zu las­sen oder ihn ein­fach mal zu umarmen.

Natür­lich nicht, ohne vor­her zu fragen:

  • Send them a mes­sa­ge than­king them for their work
  • Buy your favou­ri­te pro­ject some chocolates
  • Hug a deve­lo­per (ask per­mis­si­on first!)
  • Buy your favou­ri­te deve­lo­per a drink
  • Send a book to your favou­ri­te contributor

Ich habe mein Soll in die­sem Jahr schon erfüllt. Für alle, die es mir gleich tun möchten:
Ich neh­me auch Umar­mun­gen entgegen.

Aus­nahms­wei­se.