Schon wieder ist 1. Mai, und die potenziell gewaltbereiten Fanten und Antifanten (die belustigende Wortwahl trifft’s dann auch irgendwie), noch mit Restalkohol Resttanz in den Mai versehen, verabreden sich mit den potenziell eher friedfertigen Vertretern der jeweiligen Gegenseite zum gegenseitigen Stören – ein herrlicher Brauch, der immer wieder zum Amusement über derlei geballtes Missverständnis von Demokratie einlädt.
Es ist gut und richtig, Menschen, die Demokratie für grundlegend falsch halten, mit verächtlichen Blicken zu strafen. Nicht jedoch sollte man diesen Menschen gleichfalls mit antidemokratischen, gar gesetzwidrigen Mitteln begegnen; hierzu verweise ich auf VersammlG § 21:
Wer in der Absicht, nicht verbotene Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern oder zu sprengen oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, Gewalttätigkeiten vornimmt oder androht oder grobe Störungen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
„Sitzblockaden“, für viele Teilnehmer eine angemessene Handlung, fallen ebenfalls darunter; auch, wenn sie sich eben nur gegen „die Rechten“, wie auch immer man sie definiert, richten. Wenn Nationaldemokraten – eine in der Bundesrepublik trotz aller Einwände noch immer nicht verbotene Bewegung – eine legitime Demonstration abhalten wollen, ist dies jedenfalls durchaus im Sinne der Demokratie, ganz gleich, ob man sich mit ihnen identifizieren kann oder nicht. Den in diesem Zusammenhang oft erwähnten Rechtsstaat beachten keinesfalls „die Nazis“ nicht, es sind die, die sich ihnen in den Weg stellen. Es ist ziemlich erschütternd, was für Menschen unter dem Deckmantel der falsch verstandenen „wehrhaften Demokratie“ auf die Grundregeln der Demokratie weitgehend pfeifen. (Vor diesem Hintergrund sind übrigens auch Bilder blockierender Bürger in Piratenkostümen ziemlich erschreckend; ich hoffe, kein Außenstehender verfällt jetzt ernsthaft dem Glauben, solcherlei ließe sich mit dem piratischen Verständnis von Demokratie vereinbaren!)
Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn ihre Mitglieder sie respektieren. Wer sie nicht respektiert, sollte sich den Mund mit Seife auswaschen gehen, wenn er das Wort „Demokratie“ verwendet hat; ganz gleich, auf welcher Seite er steht.
Wie gesagt: Es ist schön, Pirat zu sein.
Als Nachtrag zu meinem Monolog übrigens auch ein Hinweis auf die neue Ausgabe des Magazins Titanic, die mir seit gestern vorliegt:
Allein schon deshalb lesenswert.












