Netzfundstücke
“Wahnsinn, diese Begierde”

Den Nachricht­e­nag­gre­ga­tor Yones nutze ich, seit netzwertig.com im August darüber berichtet hat, als eine weit­ere Quelle für die tägliche Dosis wom­öglich rel­e­van­ter Nachricht­en.

Heute scheinen die Mach­er mit der Darstel­lung von Vorschaubildern (teasern) zu exper­i­men­tieren. Lei­der ging da etwas schief, so dass einige Artikel mit dem Bild des darüber liegen­den Artikels angezeigt wer­den. Oder doch nicht?

Alp­träume, Satans­vi­sio­nen, abgeschla­gene Köpfe: Die Ausstel­lung “Schwarze Roman­tik” schickt ihre Besuch­er auf eine Zeitreise in die Zwielicht­zone.

Kön­nt’ natür­lich passen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt CXXIII: “Es ist ein Stein!”

Falls sich noch jemand fragt, ob die unge­fähr 2 Mil­liar­den US-Dol­lar, die die “Curiosity”-Marsmission bis­lang so gekostet hat, sin­nvoll investiert sind: Ja.

Der Nasa-Rover Curios­i­ty hat erst­mals einen Stein auf dem Mars unter­sucht.

Und nicht nur das:

Nach­dem der Robot­er die Unter­suchun­gen an dem Stein abgeschlossen habe, sei er noch am gle­ichen Tag rund 42 Meter gefahren, teilte die Nasa mit.

Lesen Sie mor­gen — oder bei der momen­ta­nen Entwick­lungs­geschwindigkeit früh­estens näch­ste Woche — im Han­dels­blatt:

Rev­o­lu­tionäre Ent­deck­ung: Es ist ein Stein!


In weit­eren Nachricht­en: Wer wie Draghi für den Euro kämpft, kämpft für deutsche Inter­essen und deutsche Arbeit­splätze. Ich nehme an, Peter Bofin­ger find­et das gut.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CXXII: “Diese Anzeige ist keine Werbung.”

Die Ubun­tu-Mach­er haben da mal wieder eine ganz, ganz tolle Idee gehabt, mit der Microsoft unter Win­dows 98 (Stich­wort Active Chan­nel) schon keinen dauer­haften Erfolg hat­te:

[Die] Shop­ping-Linse ergänzt die Home-Seite des Dash, auf der man bis­lang in einem Rutsch nach Anwen­dun­gen, Dateien, Musik und Fil­men suchen kann, um die Ergeb­nisse ein­er Suche bei Ama­zon. So liefert beispiel­sweise die Suche nach Libre­Of­fice im Dash nicht nur die Libre­Of­fice-Anwen­dun­gen, son­dern auch Links auf Libre­Of­fice-Büch­er zurück[.]

Anders gesagt: Möchte man nun die ach so tolle Such­funk­tion von Uni­ty — der scheußlich­sten Arbeit­sumge­bung für X, die mir je im wirk­lichen Leben begeg­net ist, und ich habe schon vieles gese­hen — nutzen, so wer­den nicht nur die (vielle­icht) gesucht­en Dateien angezeigt, son­dern auch diverse mehr oder weniger “passende” Ergeb­nisse von Ama­zon. Das Ziel ist es natür­lich, Ubun­tu zu mon­e­tarisieren, denn bekan­ntlich gibt’s bei Ama­zon Pro­vi­sion abzus­tauben. Bei ein paar Mil­lio­nen ent­mündigten Ubun­tu-Nutzern — Mark Shut­tle­worth weiß schon, was gut für sie ist — kom­men da schnell ein paar Euro zusam­men.

Und die Nutzer sollen sich mal nicht so anstellen:

Es wür­den wed­er per­sön­liche Dat­en des Users an Ama­zon über­mit­telt noch irgendwelche Anzeigen angezeigt – man erhalte lediglich die Ergeb­nisse ein­er Ama­zon-Suche nach dem Begriff, der im Dash eingegeben wurde.

Was da angezeigt wird, sind näm­lich keine Anzeigen, son­dern Ama­zon-Ergeb­nisse, die per Klick und/oder wahrschein­lich Auswahl zum kom­merziellen Anbi­eter Ama­zon führen, wofür Ama­zon ange­blich immer­hin bezahlt hat. Das sind also keine Anzeigen, son­dern Wer­be­flächen. Das ist ein him­mel­weit­er Unter­schied! (Ein­mal ganz davon abge­se­hen, dass das Herun­ter­laden von Ama­zon-Ergeb­nis­sen während ein­er lokalen Suche bei Mobil­be­trieb eher hin­der­lich ist.)

Immer­hin kann man die Zwangs­beglück­ung auf Wun­sch nachträglich wieder loswer­den. Man kön­nte aber auch ein­fach ein besseres Betrieb­ssys­tem nutzen.

(via Nachtwächter)

In den NachrichtenWirtschaft
Herrn Bofinger steht die Angstschweiz auf der Stirn

WELT Online (ich weigere mich, den neuen, bek­loppten Marken­na­men “DIE WELT” anzuerken­nen) hat sich ein Buch von Peter Bofin­ger, Ökonom und Wirtschaftsweis­er und somit also Fachid­iot, aus­ge­borgt. Dieser find­et, wie für WELT Online üblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt pri­ma.

Das schreibt Herr Bofin­ger natür­lich nicht ein­fach so, son­dern er hat einen ganz konkreten Anlass, den WELT Online immer­hin zu ken­nen glaubt:

Die Deutschen zweifeln zunehmend an den Vorteilen der Europäis­chen Union. Zwei von drei Deutschen wün­schen sich sog­ar die D‑Mark zurück.

Dass die europäis­che Wirtschafts- und Währung­sunion (EWWU) zwar ein Teil der, aber nicht iden­tisch mit der Europäis­chen Union (EU) ist, ist ein kleines Detail, das hier nicht weit­er von Bedeu­tung sein, aber mal erwäh­nt wor­den sein soll. Auch dass die Zweifel an der Europäis­chen Union zunehmen und nicht etwa seit Jahren auf hohem Niveau stag­nieren, halte ich nicht für eine unum­stößliche Wahrheit. Herr Bofin­ger aber hat da irgend­wo “D‑Mark” gele­sen, und als seine Schnap­pat­mung nachge­lassen hat­te, hat er ein Buch geschrieben. Ärg­er­lich, erst Frau Schramm, dann Frau Wulff, jet­zt auch noch er; in ein­er Rei­he mit Klas­sik­ern wie der Auto­bi­ografie von Justin Biebers Mut­ter zu nen­nen sind zumin­d­est zwei besagter Büch­er bere­its jet­zt.

Und aber jeden­falls: Die D‑Mark. Nein: Sog­ar die D‑Mark! (Dass das Aus­rufeze­ichen im Text fehlt, ist sich­er nur ein Flüchtigkeits­fehler.) Das waren wirk­lich dun­kle Zeit­en für dieses Land: Alles kostete unge­fähr die Hälfte (dank Infla­tion inzwis­chen noch weitaus weniger). Das waren untrag­bare Zustände, und wir soll­ten alle froh sein, dass sie geän­dert wur­den von denen, die nur das Beste für uns wollen.

Natür­lich gibt es europäis­che Län­der, die auch in der Euro-Zeit eine eigene Währung besitzen und ziem­lich erfol­gre­ich mit ihr han­deln, etwa die Schweiz, die seit Jahren den Glob­al Com­pet­i­tive­ness Index, also die Ran­gliste der wet­tbe­werb­s­fähig­sten Staat­en, anführt. “Schweiz” scheint auch so ein Reiz­wort für Her­rn Bofin­ger zu sein, denn er beeilt sich zu ver­sich­ern, dass es der Schweiz mit 3,4 Prozent Arbeit­slosigkeit, dem weltweit vier­höch­sten Brut­toin­land­spro­dukt pro Kopf (Deutsch­land ist auf dem 20. Rang) sowie ein­er sta­bilen Währung, die sich nur ungern an irgendwelchen Krisen ori­en­tiert, eigentlich gar nicht gut geht:

Ohne größere Mark­te­in­griffe hielt sich der Schweiz­er Franken über Jahre hin­weg recht sta­bil bei rund 1,50 Franken je Euro.

Das hat sich mit dem Aus­bruch der Griechen­land-Krise im Früh­jahr 2010 grundle­gend geän­dert. Inner­halb von 15 Monat­en wertete sich der Schweiz­er Franken so stark auf, dass er im August 2011 die Par­ität zum Euro zu erre­ichen dro­hte.

Nach län­gerem Zögern zog die Schweiz­erische Nation­al­bank am 6. Sep­tem­ber 2011 die Not­bremse und kündigte eine Kur­sun­ter­gren­ze von 1,20 Franken pro Euro an. Sei­ther bewegt sich der Kurs knapp ober­halb dieses Ziel­w­ertes. Die Inter­ven­tion war im Prinzip erfol­gre­ich, aber der Schweiz ist damit nicht wirk­lich geholfen.

Die Währung der Schweiz ist so stark, dass sie seit­ens der Nation­al­bank zwangsweise gezähmt (und somit geschwächt) wer­den muss. Damit ist der Schweiz “nicht geholfen”? Glück­wun­sch zu dieser Erken­nt­nis dem Wirtschaftsweisen und etwas Mit­ge­fühl für die Schweiz bitte!

Was aber, wenn die War­nun­gen der “renom­mierten Ökonomen” (Peter Bofin­ger über Peter Bofin­ger) in den Wind geschla­gen wer­den? An der D‑Mark hät­ten die Deutschen sicher­lich keine Freude!

Die wiedereinge­führte D‑Mark würde (…) über Jahre hin­weg sehr kräftig aufgew­ertet. Da dies die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit unser­er Exportwirtschaft gravierend beein­trächti­gen würde, träten als­bald renom­mierte Ökonomen auf den Plan, die mas­sive Lohnkürzun­gen forderten.

Zwei wirk­lich total schreck­liche Vorstel­lun­gen tre­f­fen hier aufeinan­der:

  1. Eine eigene Währung würde einge­führt, die auf­grund von Mark­t­ten­den­zen zunächst immer stärk­er würde. Eine schauder­hafte Vorstel­lung: Ein Land, dessen Bürg­er von ihrem Gehalt prob­lem­los leben und sich sog­ar mal etwas kaufen kön­nen! Die Folge: Der Wert von Waren würde sinken, wenn die Kaufkraft stiege. Eine Aufw­er­tung der Währung würde also automa­tisch den Han­del abw­erten; das heißt, diejeni­gen, die sich bish­er exk­lu­siv Luxu­s­lim­ou­si­nen und Villen leis­ten kon­nten, müssten ihre Man­ager­boni mit dem gemeinen Pöbel teilen. Und wer teilt schon gern?
  2. Renom­mierte Ökonomen (das sind die, die nicht gern teilen möcht­en) wür­den als­bald protestieren, dass der gemeine Pöbel doch bitte wieder weniger Geld für seine Arbeit bekom­men soll, damit sie jeman­den haben, den sie als Beispiel her­an­nehmen kön­nen, um die Auswirkun­gen der Krise zu versinnbildlichen.

Die Leute kön­nten sich im Inland also mehr kaufen, wodurch weniger für den Export übrig­bliebe. Das wäre unerträglich! — Ich habe irgend­wann ein­mal gel­ernt, die wichtig­ste Auf­gabe des Staates sei es, für das Woh­lerge­hen sein­er Bürg­er (der­er im Inland) zu sor­gen. Das war allerd­ings vor der Krise. Mir scheint, ich sollte mein Staatsver­ständ­nis an das des Her­rn Bofin­ger anpassen.

Denn wie Wirtschaft funk­tion­iert, das hat er schon ganz gut ver­standen:

Wie in Japan wäre außer­dem zu befürcht­en, dass auf jede Lohnzurück­hal­tung eine neue Aufw­er­tungswelle fol­gt.

Je weniger Geld da ist, desto mehr ist das Geld wert. Wie lange muss man studieren, bis man für solche Erken­nt­nisse einen Buchver­trag bekommt? — Ander­er­seits, mit Blick auf Julia Schramm, … — aber ich schweife ab. Wahrschein­lich sehe ich das ger­ade nur aus der eng­stirni­gen Sicht eines Mit­glieds des dum­men Pöbels, der für sein Geld mehr oder weniger hart arbeit­en muss, aber ich wäre per­sön­lich dur­chaus bere­it, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass das Geld, das ich besitze, dazu tauglich ist, mir davon Sachen zu kaufen. Es muss ja nicht gle­ich eine Vil­la sein.

Aber damit wäre der Schweiz wohl auch nicht geholfen.

(mit Dank an L.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXXII: Dtn 5,17–21

Nicht nur Apple erzählt ger­ade lustige Witze (irgend­was mit Inno­va­tion oder so), über die wir Android-Nutzer nur müde lächeln kön­nen, auch Horst See­hofer versucht’s mit ein­er Satire:

Der CSU-Chef fügte hinzu, er selb­st wolle als Christ auch nicht in seinem Glauben “ver­let­zt wer­den”. Es gebe bes­timmte Bere­iche, die eine frei­heitliche Gesellschaft acht­en sollte.

Als Christ ste­hen die Zehn Gebote natür­lich ganz oben im per­sön­lichen Wertekanon. Gottes­lästerung ist in römisch-katholis­ch­er Zählweise ein Ver­stoß gegen das 2., Ehe­bruch ein­er gegen das 6. Gebot. Es gibt bes­timmte Bere­iche, die ein Christ acht­en sollte.

Oder eben ein­fach mal die Klappe hal­ten.

Nerdkrams
Windowsanwendungen abschotten mit EMET

(Vorbe­merkung: Es fol­gt ein lang­weiliger Beitrag über Sicher­heitsvorkehrun­gen von Microsoft Win­dows. Bei Desin­ter­esse an diesem The­ma ist san­ftes Ignori­eren die emp­foh­lene Vorge­hensweise.)

Das Gejam­mer ist mal wieder groß:

Das Bun­de­samt für Sicher­heit in der Infor­ma­tion­stech­nik (BSI) hat eine aktuelle Sicher­heitswar­nung für den Inter­net Explor­er von Microsoft her­aus­gege­gen. Das Amt weist Inter­net­nutzer auf eine bish­er unbekan­nte, kri­tis­che Schwach­stelle in dem Inter­net-Zugang­spro­gramm hin.

(Wie man auf etwas hin­weisen kann, was “unbekan­nt” ist, erschließt sich mir nicht.) ‘Win­dowsan­wen­dun­gen abschot­ten mit EMET’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaftNetzfundstücke
Kurz verlinkt CXXI: Vertrauen, Raserei und Julia Schramm

Das mit dem Euro ist gar nicht so schlimm, wir müssen nur Ver­trauen haben:

Der Präsi­dent des Deutschen Juris­tent­ages, Mar­tin Henssler, forderte von der Poli­tik (…) mehr Ver­lässlichkeit, vor allem mit Blick auf die Haushalts­diszi­plin der Mit­gliedsstaat­en. „Bürg­ern und Inve­storen fehlt das Ver­trauen, dass gel­tendes Recht tat­säch­lich beachtet wird.“

Dies eigentlich zu Unrecht, denn bis­lang wurde jede Rechts­dehnung zunächst leg­isla­tiv zemen­tiert, bevor sie began­gen wurde. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben.


Udo Vet­ter jubelt:

Vekehr­sex­perten von CDU und FDP wollen Radar­warn­er legal­isieren. Dabei haben sie offen­bar vor allem Blitzer-Apps im Auge, wie sie heute für jedes Smart­phone und Nav­i­ga­tion­s­gerät erhältlich sind. (…) Außer­dem ist es seit langem üblich, dass Radiosender ganz aktuell vor Radar­fall­en war­nen. Selb­st Polizei und Kom­munen geben an vie­len Orten die Mes­sorte auf den eige­nen Inter­net­seit­en bekan­nt. (…) Also Dau­men hoch für diese Idee.

Der prak­tis­che Nutzen hin­ter “Blitzer-Apps” (und Radar­fal­l­en­war­nun­gen im Radio) ist es, dass notorische Ver­let­zer der Straßen­verkehrsor­d­nung wis­sen, wo es bess­er wäre, sich aus­nahm­sweise mal an die Regeln zu hal­ten.

Mit der gle­ichen Logik sollte es erlaubt sein, “Streifen-Apps” zu entwick­eln und zu nutzen, die Ein­brech­er war­nen, wenn in der Nähe eine Polizeistreife unter­wegs ist. Das dient ja lediglich der Infor­ma­tion, damit Bürg­er sich sicher­er fühlen, nicht wahr?


Julia Schramm, ihres Zeichens schreck­lich nervige Per­son und der­maßen bek­loppt, dass es für den Beisitz im Bun­desvor­stand der Piraten­partei Deutsch­land genügt hat, hat ein schlecht­es Buch geschrieben und find­et es voll scheiße, dass es im Inter­net kur­siert. Das mit dem freien Kopieren von Werken ist eben immer eine Frage des Autors.

Bere­its im Novem­ber 2011 schrieb ich:

Texte von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.

Offen­sichtlich hat sich das auch in ihrem Buch nicht grundle­gend geän­dert. Wer einen Ein­blick bekom­men möchte, worum es in sel­bigem geht, der möge auf eigene Gefahr auf Sheng Fui diesen Ein­blick nehmen. Über­raschend ist er allerd­ings nicht.

Spaß mit Spam
Re: Smallcap-Promo-Mover

Ich habe eine Antwort auf eine Mail erhal­ten, an die ich mich nicht erin­nern kann. Nanu! Da muss ich doch gle­ich mal her­aus­find­en, was “anto­nio morales” (in Klein­buch­staben) von mir will:

Fir­ma: SecurLinx Hold­ing Corp (S8X)
Markt: Frank­furter Wert­pa­pier­borse
Aktueller Kurs: .67 Euro Cur­ren­cy
Kursziel: 1.25+ EUR
Ein­stu­fung: 5 Sterne
Bew­er­tung: 10 von 10
Ein­stu­fung: Strong Buy
Bew­er­tung: Sehr stark

Umlaute, Punkt- und Kom­maset­zung sowie auch nur ansatzweise eine Erk­lärung, was man eigentlich mit der eige­nen Mail beab­sichtigt, sind natür­lich vol­lkom­men über­be­w­ertet. Oder eine Erk­lärung, was ein “Small­cap-Pro­mo-Mover” genau ist.

Stattdessen dies:

Voller Freude geben wir heute Aus­nah­mealarm: ein kleines Unternehmen, SecurLinx Hold­ing Corp (S8X), das an der Frank­furter Borse han­delt.

Alarm gibt man nor­maler­weise nicht voller Freude, son­dern voller Panik. Ich zum Beispiel bin ger­ade panisch, weil ich Gefahr laufe, vor Lachen zu erstick­en. Aber was genau hat das kleine Unternehmen damit zu tun?

Nicht nur, weil es fur weniger als einen Euro han­delt, son­dern weil das Unternehmen selb­st imposante Regierungsver­trage hat und gegen­wartig Logis­tik- und Sicher­heitsver­trage in dem MaBe abschlieBt, wo viele Leute sagen: “Das nach­ste groBe (sic!) Ding!”

Aha, das Unternehmen ist also an der Borse Börse, weil seine Anteile weniger als einen Euro kosten und die Leute es für ein grobes Ding hal­ten. Vielle­icht sollte ich auch an die Börse gehen, zum Beispiel an meine. Die Voraus­set­zun­gen sind offen­bar leicht zu erfüllen.

Apro­pos grobe Dinger:

San­fte Bio­me­trie ist “das nach­ste groBe Ding” bei der uberwachung

(…)

Die Soft­ware fur bio­metrische Sicher­heit von Securlinx ist sowohl fur die effek­tive Arbeit bio­metrisch­er Ger­ate als auch fur die Arbeitsverbindung zwis­chen einem bio­metrischen Ger­at und deBen PC oder Serv­er eBen­tiell (sic!).

Den Rest ers­pare ich euch mal. Der Tenor der Mail lautet: SecurLinx ist wirk­lich toll darin, Überwachungssoft- und ‑hard­ware anzu­bi­eten, und man soll doch bitte in diese Fir­ma investieren. Abge­se­hen davon, dass ich bezwei­fle, dass dies an der Frank­furter Borse Börse möglich ist, bin ich noch nicht davon überzeugt, dass es sin­nvoll ist, Inter­net­nutzer um Geld für eine Fir­ma zu bit­ten, mith­il­fe der­er Pro­duk­te noch bessere Überwachung möglich sein soll.

Insofern: Viel Glück, “anto­nio”.

Montagsmusik
Camel — Lady Fantasy

Und dann mon­tags nach einem Woch­enende des Älter­w­er­dens, weil’s beim Men­schen eben immer schub­weise und nicht per Tag gerech­net oder jeden­falls genan­nt wird, wird man des Umstandes gewahr, dass man ab einem gewis­sen Alter ja doch auch die Schön­heit von Melo­di­en würdi­gen sollte, so lange der Hörn­erv noch mit­spielt, man wird ja auch nicht jünger, nech?; und dann also: Camel.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXX: Gute Mörder, böse Mörder

Ein wenig Vor­wis­sen: Israel ist zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt kein ordentlich­es Mit­glied des Mil­itär­bünd­niss­es NATO, arbeit­et jedoch seit vie­len Jahren mit den Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka mit dem Ziel zusam­men, die Beziehun­gen zur EU und zur NATO zu fes­ti­gen. Ben­jamin Netan­jahu ist der momen­tane Min­is­ter­präsi­dent des Lan­des Israel.

Und Ben­jamin Netan­jahu kür­zlich so:

Iran könne wom­öglich in sechs bis sieben Monat­en Atom­waf­fen erlan­gen. Das Land werde von Fanatik­ern geführt — die USA müssten endlich eine “rote Lin­ie” fes­tle­gen.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Und die NATO über’s Woch­enende so:

Blutiges Woch­enende in Afghanistan: Acht Frauen sind nach Mil­itärangaben bei einem NATO-Luftan­griff getötet wor­den.

Das mit der “roten Lin­ie” hat da aber jemand sehr wörtlich genom­men.

(via @silvestah)

Musikkritik
Bob Dylan, der Sturm im Wasserglas

Zu Bob Dylan hat­te ich bekan­ntlich 2010 meine Affinität bekun­det.

Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich über die Jahre gewan­delt hat, was noch nichts Schlecht­es sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jahre waren es die Abkehr vom Folkrock und die Hin­wen­dung zu christlichen Bal­laden und Coun­tryscheiße, die die späteren Werke für mich unin­ter­es­sant macht­en.

Seit 1988 befind­et sich Bob Dylan auf der “niemals enden­den Tournee” und hat seinen Stil seit­dem nur wenig geän­dert. Auf­fal­l­end allerd­ings: Seine Stimme hat sich gewan­delt, klingt jet­zt, je höher er zu sin­gen oder in seinem immer noch typ­is­chen Duk­tus zu erzählen ver­sucht, rau und kratzig wie die von Joe Cock­er oder einem dreißig Jahre älteren Rod Stew­art, den ich übri­gens gesan­glich ziem­lich bemerkenswert finde. Während­dessen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikalben aufzunehmen, neuerd­ings — fün­fzig Jahre nach dem Debü­tal­bum — also “Tem­pest”, zu Deutsch “Sturm” oder “Wirbel­wind”. Wer sich von diesem Titel ein energiege­ladenes Feuer­w­erk der Rock­musik ver­spricht, ist doof.

Erlaubt mir, den Mythos “eines sein­er besten Alben” (Neil McCormick) zu entza­ubern.

Zunächst das Offen­sichtliche: “Tem­pest” ist kein zweites “Blonde on Blonde”. Es ist nicht mal ein zweites “Blood on the Tracks”. Im Wesentlichen ist es ein lang­weiliges Blues­rock-/Coun­try-Album eines alten Mannes, der sein Geld damit ver­di­ent, sich zu wieder­holen. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrieben wurde. Musikalisch dominieren aber Blues (klas­sisch in “Ear­ly Roman Kings”, das jed­er Gitar­ren­schüler nach ein­er Woche nach­spie­len kön­nte) und der scheußliche Coun­try, der die “niemals endende Tournee” ja seit vie­len Jahren dominiert, was vielle­icht auch den bescheuerten Hut erk­lärt, den Bob Dylan seit ein­er Weile zu tra­gen pflegt.

Dass aus­gerech­net das vierzehn­minütige Titel­stück trotz sein­er Länge ein beson­ders belan­glos­es Musik­stück ist, in dem Bob Dylan zu ein­er Schlager­melodie (Schlager!) eine fik­tive Ver­sion des Unter­gangs der Titan­ic, ver­woben mit Fig­uren und Ereignis­sen aus der eben­falls belan­glosen Kinoschnulze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein biss­chen schade, denn daneben wirken die wirk­lich guten Momente auf “Tem­pest” kürz­er als sie es eigentlich sind. Zu nen­nen wären da etwa das beina­he fet­zige Blues­rock­stück “Nar­row Way”, das energiege­ladene “Pay in Blood”, das erstaunlich kopfnick­bar ist, und das rhyth­mis­che “Tin Angel”, das seinen Bal­laden aus den Sechzigern nahe kommt.

Wer nun gehofft hat­te, dass wenig­stens die Texte, seit jeher ein prä­gen­der Bestandteil sein­er Musik, von Ver­fall ver­schont wor­den sind, der sollte “Duquesne Whis­tle” bess­er über­sprin­gen:

I can hear a sweet voice steadi­ly call­ing
Must be the moth­er of our lord

So ganz ohne Religiösität (und in anderen Liedern viel Liebess­chmalz) geht’s eben nicht, seit Bob Dylan erweckt wurde, was bess­er niemals hätte passieren sollen. Eigentlich, so hat er zu Pro­tokoll gegeben (in einem Inter­view für den amerikanis­chen „Rolling Stone“), wollte er ein religiös­es Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an aus­re­ichen­dem Mate­r­i­al gefehlt, und so sei nun dieses her­aus­gekom­men. Ver­mut­lich haben wir da noch mal Glück gehabt.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: “Tem­pest” ist gut dafür, was es zu sein ver­sucht. Bob Dylan muss nie­man­dem mehr etwas beweisen.
Ander­er­seits erschließt sich mir der eigentliche Wert eines Albums wie “Tem­pest” nicht. Die Ziel­gruppe: Christliche US-amerikanis­che Kon­ser­v­a­tive? Men­schen, die es schätzen, zu hören, wie Bob Dylan auf jedem neuen Musikalbum seinen hart erar­beit­eten Ruf als großar­tiger Lyrik­er noch weit­er zer­stört?

Mir gefällt “Tem­pest” als Doku­ment — nicht mehr, nicht weniger. Meine gele­gentlich geäußerte Behaup­tung, alle Stu­dioal­ben ab “New Morn­ing” müsse man wed­er zumin­d­est ein­mal gehört haben noch besitzen, bewahrheit­et sich indes erneut.

Eines sein­er besten Alben ist “Tem­pest” jeden­falls nicht. Dafür hängt die Mess­lat­te zu hoch.

Aber das macht nichts.

In den NachrichtenWirtschaft
Mit Sicherheit verloren

In der heuti­gen Aus­gabe der “Braun­schweiger Zeitung” weiß Chris­t­ian Kerl nach dem Bun­desver­fas­sungs­gericht­surteil zum “ESM”, das sich etwa so zusam­men­fassen lässt, dass die deutschen Steuerzahler weit­er­hin für die Mis­s­wirtschaft ander­er Staat­en blechen dür­fen müssen, jedoch nur bis zu einem Haf­tungsrisiko von 190 Mil­liar­den Euro, fol­gende Aus­sage Angela Merkels zu ver­melden:

Die Bekräf­ti­gung der Par­la­mentsrechte gebe Bun­destag und Bürg­ern Sicher­heit.

Das ist nicht ein­mal falsch: Was die Bürg­er ehe­dem befürcht­en mussten, wis­sen sie nun mit Sicher­heit.
Auch eine Art von Fortschritt.

In der gle­ichen Aus­gabe der “Braun­schweiger Zeitung” wird Angela Merkel übri­gens mit den Worten zitiert:

Ich habe immer gesagt, wir wollen stärk­er aus der Krise her­vorge­hen, (sic!) als wir hineinge­gan­gen sind — genau das ist uns gelun­gen.

Wer “Wir” ist? Nun, ich bin es nicht.
Ist es wom­öglich ein­er von euch?

Angela Merkel jeden­falls ist es, sie sitzt fest im Sat­tel.
Schade, dass das Pferd längst gestor­ben ist.