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“Wahnsinn, diese Begierde”
Den Nachrichtenaggregator Yones nutze ich, seit netzwertig.com im August darüber berichtet hat, als eine weitere Quelle für die tägliche Dosis womöglich relevanter Nachrichten.
Heute scheinen die Macher mit der Darstellung von Vorschaubildern (teasern) zu experimentieren. Leider ging da etwas schief, so dass einige Artikel mit dem Bild des darüber liegenden Artikels angezeigt werden. Oder doch nicht?
Alpträume, Satansvisionen, abgeschlagene Köpfe: Die Ausstellung “Schwarze Romantik” schickt ihre Besucher auf eine Zeitreise in die Zwielichtzone.
Könnt’ natürlich passen.
Kurz verlinkt CXXIII: “Es ist ein Stein!”
Falls sich noch jemand fragt, ob die ungefähr 2 Milliarden US-Dollar, die die “Curiosity”-Marsmission bislang so gekostet hat, sinnvoll investiert sind: Ja.
Der Nasa-Rover Curiosity hat erstmals einen Stein auf dem Mars untersucht.
Und nicht nur das:
Nachdem der Roboter die Untersuchungen an dem Stein abgeschlossen habe, sei er noch am gleichen Tag rund 42 Meter gefahren, teilte die Nasa mit.
Lesen Sie morgen — oder bei der momentanen Entwicklungsgeschwindigkeit frühestens nächste Woche — im Handelsblatt:
Revolutionäre Entdeckung: Es ist ein Stein!
In weiteren Nachrichten: Wer wie Draghi für den Euro kämpft, kämpft für deutsche Interessen und deutsche Arbeitsplätze. Ich nehme an, Peter Bofinger findet das gut.
“Bitte gehen Sie um 15:00 Uhr auf die Toilette.”
Kurz verlinkt CXXII: “Diese Anzeige ist keine Werbung.”
Die Ubuntu-Macher haben da mal wieder eine ganz, ganz tolle Idee gehabt, mit der Microsoft unter Windows 98 (Stichwort Active Channel) schon keinen dauerhaften Erfolg hatte:
[Die] Shopping-Linse ergänzt die Home-Seite des Dash, auf der man bislang in einem Rutsch nach Anwendungen, Dateien, Musik und Filmen suchen kann, um die Ergebnisse einer Suche bei Amazon. So liefert beispielsweise die Suche nach LibreOffice im Dash nicht nur die LibreOffice-Anwendungen, sondern auch Links auf LibreOffice-Bücher zurück[.]
Anders gesagt: Möchte man nun die ach so tolle Suchfunktion von Unity — der scheußlichsten Arbeitsumgebung für X, die mir je im wirklichen Leben begegnet ist, und ich habe schon vieles gesehen — nutzen, so werden nicht nur die (vielleicht) gesuchten Dateien angezeigt, sondern auch diverse mehr oder weniger “passende” Ergebnisse von Amazon. Das Ziel ist es natürlich, Ubuntu zu monetarisieren, denn bekanntlich gibt’s bei Amazon Provision abzustauben. Bei ein paar Millionen entmündigten Ubuntu-Nutzern — Mark Shuttleworth weiß schon, was gut für sie ist — kommen da schnell ein paar Euro zusammen.
Und die Nutzer sollen sich mal nicht so anstellen:
Es würden weder persönliche Daten des Users an Amazon übermittelt noch irgendwelche Anzeigen angezeigt – man erhalte lediglich die Ergebnisse einer Amazon-Suche nach dem Begriff, der im Dash eingegeben wurde.
Was da angezeigt wird, sind nämlich keine Anzeigen, sondern Amazon-Ergebnisse, die per Klick und/oder wahrscheinlich Auswahl zum kommerziellen Anbieter Amazon führen, wofür Amazon angeblich immerhin bezahlt hat. Das sind also keine Anzeigen, sondern Werbeflächen. Das ist ein himmelweiter Unterschied! (Einmal ganz davon abgesehen, dass das Herunterladen von Amazon-Ergebnissen während einer lokalen Suche bei Mobilbetrieb eher hinderlich ist.)
Immerhin kann man die Zwangsbeglückung auf Wunsch nachträglich wieder loswerden. Man könnte aber auch einfach ein besseres Betriebssystem nutzen.
(via Nachtwächter)
Pixies — Tame
1989 so:
Montag. Es ist zum Schreien.
Herrn Bofinger steht die Angstschweiz auf der Stirn
WELT Online (ich weigere mich, den neuen, bekloppten Markennamen “DIE WELT” anzuerkennen) hat sich ein Buch von Peter Bofinger, Ökonom und Wirtschaftsweiser und somit also Fachidiot, ausgeborgt. Dieser findet, wie für WELT Online üblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt prima.
Das schreibt Herr Bofinger natürlich nicht einfach so, sondern er hat einen ganz konkreten Anlass, den WELT Online immerhin zu kennen glaubt:
Die Deutschen zweifeln zunehmend an den Vorteilen der Europäischen Union. Zwei von drei Deutschen wünschen sich sogar die D‑Mark zurück.
Dass die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) zwar ein Teil der, aber nicht identisch mit der Europäischen Union (EU) ist, ist ein kleines Detail, das hier nicht weiter von Bedeutung sein, aber mal erwähnt worden sein soll. Auch dass die Zweifel an der Europäischen Union zunehmen und nicht etwa seit Jahren auf hohem Niveau stagnieren, halte ich nicht für eine unumstößliche Wahrheit. Herr Bofinger aber hat da irgendwo “D‑Mark” gelesen, und als seine Schnappatmung nachgelassen hatte, hat er ein Buch geschrieben. Ärgerlich, erst Frau Schramm, dann Frau Wulff, jetzt auch noch er; in einer Reihe mit Klassikern wie der Autobiografie von Justin Biebers Mutter zu nennen sind zumindest zwei besagter Bücher bereits jetzt.
Und aber jedenfalls: Die D‑Mark. Nein: Sogar die D‑Mark! (Dass das Ausrufezeichen im Text fehlt, ist sicher nur ein Flüchtigkeitsfehler.) Das waren wirklich dunkle Zeiten für dieses Land: Alles kostete ungefähr die Hälfte (dank Inflation inzwischen noch weitaus weniger). Das waren untragbare Zustände, und wir sollten alle froh sein, dass sie geändert wurden von denen, die nur das Beste für uns wollen.
Natürlich gibt es europäische Länder, die auch in der Euro-Zeit eine eigene Währung besitzen und ziemlich erfolgreich mit ihr handeln, etwa die Schweiz, die seit Jahren den Global Competitiveness Index, also die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Staaten, anführt. “Schweiz” scheint auch so ein Reizwort für Herrn Bofinger zu sein, denn er beeilt sich zu versichern, dass es der Schweiz mit 3,4 Prozent Arbeitslosigkeit, dem weltweit vierhöchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (Deutschland ist auf dem 20. Rang) sowie einer stabilen Währung, die sich nur ungern an irgendwelchen Krisen orientiert, eigentlich gar nicht gut geht:
Ohne größere Markteingriffe hielt sich der Schweizer Franken über Jahre hinweg recht stabil bei rund 1,50 Franken je Euro.
Das hat sich mit dem Ausbruch der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 grundlegend geändert. Innerhalb von 15 Monaten wertete sich der Schweizer Franken so stark auf, dass er im August 2011 die Parität zum Euro zu erreichen drohte.
Nach längerem Zögern zog die Schweizerische Nationalbank am 6. September 2011 die Notbremse und kündigte eine Kursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro an. Seither bewegt sich der Kurs knapp oberhalb dieses Zielwertes. Die Intervention war im Prinzip erfolgreich, aber der Schweiz ist damit nicht wirklich geholfen.
Die Währung der Schweiz ist so stark, dass sie seitens der Nationalbank zwangsweise gezähmt (und somit geschwächt) werden muss. Damit ist der Schweiz “nicht geholfen”? Glückwunsch zu dieser Erkenntnis dem Wirtschaftsweisen und etwas Mitgefühl für die Schweiz bitte!
Was aber, wenn die Warnungen der “renommierten Ökonomen” (Peter Bofinger über Peter Bofinger) in den Wind geschlagen werden? An der D‑Mark hätten die Deutschen sicherlich keine Freude!
Die wiedereingeführte D‑Mark würde (…) über Jahre hinweg sehr kräftig aufgewertet. Da dies die Wettbewerbsfähigkeit unserer Exportwirtschaft gravierend beeinträchtigen würde, träten alsbald renommierte Ökonomen auf den Plan, die massive Lohnkürzungen forderten.
Zwei wirklich total schreckliche Vorstellungen treffen hier aufeinander:
- Eine eigene Währung würde eingeführt, die aufgrund von Markttendenzen zunächst immer stärker würde. Eine schauderhafte Vorstellung: Ein Land, dessen Bürger von ihrem Gehalt problemlos leben und sich sogar mal etwas kaufen können! Die Folge: Der Wert von Waren würde sinken, wenn die Kaufkraft stiege. Eine Aufwertung der Währung würde also automatisch den Handel abwerten; das heißt, diejenigen, die sich bisher exklusiv Luxuslimousinen und Villen leisten konnten, müssten ihre Managerboni mit dem gemeinen Pöbel teilen. Und wer teilt schon gern?
- Renommierte Ökonomen (das sind die, die nicht gern teilen möchten) würden alsbald protestieren, dass der gemeine Pöbel doch bitte wieder weniger Geld für seine Arbeit bekommen soll, damit sie jemanden haben, den sie als Beispiel herannehmen können, um die Auswirkungen der Krise zu versinnbildlichen.
Die Leute könnten sich im Inland also mehr kaufen, wodurch weniger für den Export übrigbliebe. Das wäre unerträglich! — Ich habe irgendwann einmal gelernt, die wichtigste Aufgabe des Staates sei es, für das Wohlergehen seiner Bürger (derer im Inland) zu sorgen. Das war allerdings vor der Krise. Mir scheint, ich sollte mein Staatsverständnis an das des Herrn Bofinger anpassen.
Denn wie Wirtschaft funktioniert, das hat er schon ganz gut verstanden:
Wie in Japan wäre außerdem zu befürchten, dass auf jede Lohnzurückhaltung eine neue Aufwertungswelle folgt.
Je weniger Geld da ist, desto mehr ist das Geld wert. Wie lange muss man studieren, bis man für solche Erkenntnisse einen Buchvertrag bekommt? — Andererseits, mit Blick auf Julia Schramm, … — aber ich schweife ab. Wahrscheinlich sehe ich das gerade nur aus der engstirnigen Sicht eines Mitglieds des dummen Pöbels, der für sein Geld mehr oder weniger hart arbeiten muss, aber ich wäre persönlich durchaus bereit, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass das Geld, das ich besitze, dazu tauglich ist, mir davon Sachen zu kaufen. Es muss ja nicht gleich eine Villa sein.
Aber damit wäre der Schweiz wohl auch nicht geholfen.
(mit Dank an L.)
Kurz verlinkt CXXII: Dtn 5,17–21
Nicht nur Apple erzählt gerade lustige Witze (irgendwas mit Innovation oder so), über die wir Android-Nutzer nur müde lächeln können, auch Horst Seehofer versucht’s mit einer Satire:
Der CSU-Chef fügte hinzu, er selbst wolle als Christ auch nicht in seinem Glauben “verletzt werden”. Es gebe bestimmte Bereiche, die eine freiheitliche Gesellschaft achten sollte.
Als Christ stehen die Zehn Gebote natürlich ganz oben im persönlichen Wertekanon. Gotteslästerung ist in römisch-katholischer Zählweise ein Verstoß gegen das 2., Ehebruch einer gegen das 6. Gebot. Es gibt bestimmte Bereiche, die ein Christ achten sollte.
Oder eben einfach mal die Klappe halten.
Windowsanwendungen abschotten mit EMET
(Vorbemerkung: Es folgt ein langweiliger Beitrag über Sicherheitsvorkehrungen von Microsoft Windows. Bei Desinteresse an diesem Thema ist sanftes Ignorieren die empfohlene Vorgehensweise.)
Das Gejammer ist mal wieder groß:
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat eine aktuelle Sicherheitswarnung für den Internet Explorer von Microsoft herausgegegen. Das Amt weist Internetnutzer auf eine bisher unbekannte, kritische Schwachstelle in dem Internet-Zugangsprogramm hin.
(Wie man auf etwas hinweisen kann, was “unbekannt” ist, erschließt sich mir nicht.) ‘Windowsanwendungen abschotten mit EMET’ weiterlesen »
Kurz verlinkt CXXI: Vertrauen, Raserei und Julia Schramm
Das mit dem Euro ist gar nicht so schlimm, wir müssen nur Vertrauen haben:
Der Präsident des Deutschen Juristentages, Martin Henssler, forderte von der Politik (…) mehr Verlässlichkeit, vor allem mit Blick auf die Haushaltsdisziplin der Mitgliedsstaaten. „Bürgern und Investoren fehlt das Vertrauen, dass geltendes Recht tatsächlich beachtet wird.“
Dies eigentlich zu Unrecht, denn bislang wurde jede Rechtsdehnung zunächst legislativ zementiert, bevor sie begangen wurde. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben.
Vekehrsexperten von CDU und FDP wollen Radarwarner legalisieren. Dabei haben sie offenbar vor allem Blitzer-Apps im Auge, wie sie heute für jedes Smartphone und Navigationsgerät erhältlich sind. (…) Außerdem ist es seit langem üblich, dass Radiosender ganz aktuell vor Radarfallen warnen. Selbst Polizei und Kommunen geben an vielen Orten die Messorte auf den eigenen Internetseiten bekannt. (…) Also Daumen hoch für diese Idee.
Der praktische Nutzen hinter “Blitzer-Apps” (und Radarfallenwarnungen im Radio) ist es, dass notorische Verletzer der Straßenverkehrsordnung wissen, wo es besser wäre, sich ausnahmsweise mal an die Regeln zu halten.
Mit der gleichen Logik sollte es erlaubt sein, “Streifen-Apps” zu entwickeln und zu nutzen, die Einbrecher warnen, wenn in der Nähe eine Polizeistreife unterwegs ist. Das dient ja lediglich der Information, damit Bürger sich sicherer fühlen, nicht wahr?
Julia Schramm, ihres Zeichens schrecklich nervige Person und dermaßen bekloppt, dass es für den Beisitz im Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland genügt hat, hat ein schlechtes Buch geschrieben und findet es voll scheiße, dass es im Internet kursiert. Das mit dem freien Kopieren von Werken ist eben immer eine Frage des Autors.
Bereits im November 2011 schrieb ich:
Texte von Julia Schramm zu verstehen ist nicht leicht.
Offensichtlich hat sich das auch in ihrem Buch nicht grundlegend geändert. Wer einen Einblick bekommen möchte, worum es in selbigem geht, der möge auf eigene Gefahr auf Sheng Fui diesen Einblick nehmen. Überraschend ist er allerdings nicht.
Re: Smallcap-Promo-Mover
Ich habe eine Antwort auf eine Mail erhalten, an die ich mich nicht erinnern kann. Nanu! Da muss ich doch gleich mal herausfinden, was “antonio morales” (in Kleinbuchstaben) von mir will:
Firma: SecurLinx Holding Corp (S8X)
Markt: Frankfurter Wertpapierborse
Aktueller Kurs: .67 Euro Currency
Kursziel: 1.25+ EUR
Einstufung: 5 Sterne
Bewertung: 10 von 10
Einstufung: Strong Buy
Bewertung: Sehr stark
Umlaute, Punkt- und Kommasetzung sowie auch nur ansatzweise eine Erklärung, was man eigentlich mit der eigenen Mail beabsichtigt, sind natürlich vollkommen überbewertet. Oder eine Erklärung, was ein “Smallcap-Promo-Mover” genau ist.
Stattdessen dies:
Voller Freude geben wir heute Ausnahmealarm: ein kleines Unternehmen, SecurLinx Holding Corp (S8X), das an der Frankfurter Borse handelt.
Alarm gibt man normalerweise nicht voller Freude, sondern voller Panik. Ich zum Beispiel bin gerade panisch, weil ich Gefahr laufe, vor Lachen zu ersticken. Aber was genau hat das kleine Unternehmen damit zu tun?
Nicht nur, weil es fur weniger als einen Euro handelt, sondern weil das Unternehmen selbst imposante Regierungsvertrage hat und gegenwartig Logistik- und Sicherheitsvertrage in dem MaBe abschlieBt, wo viele Leute sagen: “Das nachste groBe (sic!) Ding!”
Aha, das Unternehmen ist also an der Borse Börse, weil seine Anteile weniger als einen Euro kosten und die Leute es für ein grobes Ding halten. Vielleicht sollte ich auch an die Börse gehen, zum Beispiel an meine. Die Voraussetzungen sind offenbar leicht zu erfüllen.
Apropos grobe Dinger:
Sanfte Biometrie ist “das nachste groBe Ding” bei der uberwachung
(…)
Die Software fur biometrische Sicherheit von Securlinx ist sowohl fur die effektive Arbeit biometrischer Gerate als auch fur die Arbeitsverbindung zwischen einem biometrischen Gerat und deBen PC oder Server eBentiell (sic!).
Den Rest erspare ich euch mal. Der Tenor der Mail lautet: SecurLinx ist wirklich toll darin, Überwachungssoft- und ‑hardware anzubieten, und man soll doch bitte in diese Firma investieren. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass dies an der Frankfurter Borse Börse möglich ist, bin ich noch nicht davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, Internetnutzer um Geld für eine Firma zu bitten, mithilfe derer Produkte noch bessere Überwachung möglich sein soll.
Insofern: Viel Glück, “antonio”.
Camel — Lady Fantasy
Und dann montags nach einem Wochenende des Älterwerdens, weil’s beim Menschen eben immer schubweise und nicht per Tag gerechnet oder jedenfalls genannt wird, wird man des Umstandes gewahr, dass man ab einem gewissen Alter ja doch auch die Schönheit von Melodien würdigen sollte, so lange der Hörnerv noch mitspielt, man wird ja auch nicht jünger, nech?; und dann also: Camel.
Guten Morgen.
Kurz verlinkt CXX: Gute Mörder, böse Mörder
Ein wenig Vorwissen: Israel ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein ordentliches Mitglied des Militärbündnisses NATO, arbeitet jedoch seit vielen Jahren mit den Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Ziel zusammen, die Beziehungen zur EU und zur NATO zu festigen. Benjamin Netanjahu ist der momentane Ministerpräsident des Landes Israel.
Und Benjamin Netanjahu kürzlich so:
Iran könne womöglich in sechs bis sieben Monaten Atomwaffen erlangen. Das Land werde von Fanatikern geführt — die USA müssten endlich eine “rote Linie” festlegen.
(Hervorhebung von mir.)
Und die NATO über’s Wochenende so:
Blutiges Wochenende in Afghanistan: Acht Frauen sind nach Militärangaben bei einem NATO-Luftangriff getötet worden.
Das mit der “roten Linie” hat da aber jemand sehr wörtlich genommen.
(via @silvestah)
Bob Dylan, der Sturm im Wasserglas
Zu Bob Dylan hatte ich bekanntlich 2010 meine Affinität bekundet.
Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich über die Jahre gewandelt hat, was noch nichts Schlechtes sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jahre waren es die Abkehr vom Folkrock und die Hinwendung zu christlichen Balladen und Countryscheiße, die die späteren Werke für mich uninteressant machten.
Seit 1988 befindet sich Bob Dylan auf der “niemals endenden Tournee” und hat seinen Stil seitdem nur wenig geändert. Auffallend allerdings: Seine Stimme hat sich gewandelt, klingt jetzt, je höher er zu singen oder in seinem immer noch typischen Duktus zu erzählen versucht, rau und kratzig wie die von Joe Cocker oder einem dreißig Jahre älteren Rod Stewart, den ich übrigens gesanglich ziemlich bemerkenswert finde. Währenddessen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikalben aufzunehmen, neuerdings — fünfzig Jahre nach dem Debütalbum — also “Tempest”, zu Deutsch “Sturm” oder “Wirbelwind”. Wer sich von diesem Titel ein energiegeladenes Feuerwerk der Rockmusik verspricht, ist doof.
Erlaubt mir, den Mythos “eines seiner besten Alben” (Neil McCormick) zu entzaubern.
Zunächst das Offensichtliche: “Tempest” ist kein zweites “Blonde on Blonde”. Es ist nicht mal ein zweites “Blood on the Tracks”. Im Wesentlichen ist es ein langweiliges Bluesrock-/Country-Album eines alten Mannes, der sein Geld damit verdient, sich zu wiederholen. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrieben wurde. Musikalisch dominieren aber Blues (klassisch in “Early Roman Kings”, das jeder Gitarrenschüler nach einer Woche nachspielen könnte) und der scheußliche Country, der die “niemals endende Tournee” ja seit vielen Jahren dominiert, was vielleicht auch den bescheuerten Hut erklärt, den Bob Dylan seit einer Weile zu tragen pflegt.
Dass ausgerechnet das vierzehnminütige Titelstück trotz seiner Länge ein besonders belangloses Musikstück ist, in dem Bob Dylan zu einer Schlagermelodie (Schlager!) eine fiktive Version des Untergangs der Titanic, verwoben mit Figuren und Ereignissen aus der ebenfalls belanglosen Kinoschnulze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein bisschen schade, denn daneben wirken die wirklich guten Momente auf “Tempest” kürzer als sie es eigentlich sind. Zu nennen wären da etwa das beinahe fetzige Bluesrockstück “Narrow Way”, das energiegeladene “Pay in Blood”, das erstaunlich kopfnickbar ist, und das rhythmische “Tin Angel”, das seinen Balladen aus den Sechzigern nahe kommt.
Wer nun gehofft hatte, dass wenigstens die Texte, seit jeher ein prägender Bestandteil seiner Musik, von Verfall verschont worden sind, der sollte “Duquesne Whistle” besser überspringen:
I can hear a sweet voice steadily calling
Must be the mother of our lord
So ganz ohne Religiösität (und in anderen Liedern viel Liebesschmalz) geht’s eben nicht, seit Bob Dylan erweckt wurde, was besser niemals hätte passieren sollen. Eigentlich, so hat er zu Protokoll gegeben (in einem Interview für den amerikanischen „Rolling Stone“), wollte er ein religiöses Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an ausreichendem Material gefehlt, und so sei nun dieses herausgekommen. Vermutlich haben wir da noch mal Glück gehabt.
Man verstehe mich nicht falsch: “Tempest” ist gut dafür, was es zu sein versucht. Bob Dylan muss niemandem mehr etwas beweisen.
Andererseits erschließt sich mir der eigentliche Wert eines Albums wie “Tempest” nicht. Die Zielgruppe: Christliche US-amerikanische Konservative? Menschen, die es schätzen, zu hören, wie Bob Dylan auf jedem neuen Musikalbum seinen hart erarbeiteten Ruf als großartiger Lyriker noch weiter zerstört?
Mir gefällt “Tempest” als Dokument — nicht mehr, nicht weniger. Meine gelegentlich geäußerte Behauptung, alle Studioalben ab “New Morning” müsse man weder zumindest einmal gehört haben noch besitzen, bewahrheitet sich indes erneut.
Eines seiner besten Alben ist “Tempest” jedenfalls nicht. Dafür hängt die Messlatte zu hoch.
Aber das macht nichts.
Mit Sicherheit verloren
In der heutigen Ausgabe der “Braunschweiger Zeitung” weiß Christian Kerl nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zum “ESM”, das sich etwa so zusammenfassen lässt, dass die deutschen Steuerzahler weiterhin für die Misswirtschaft anderer Staaten blechen dürfen müssen, jedoch nur bis zu einem Haftungsrisiko von 190 Milliarden Euro, folgende Aussage Angela Merkels zu vermelden:
Die Bekräftigung der Parlamentsrechte gebe Bundestag und Bürgern Sicherheit.
Das ist nicht einmal falsch: Was die Bürger ehedem befürchten mussten, wissen sie nun mit Sicherheit.
Auch eine Art von Fortschritt.
In der gleichen Ausgabe der “Braunschweiger Zeitung” wird Angela Merkel übrigens mit den Worten zitiert:
Ich habe immer gesagt, wir wollen stärker aus der Krise hervorgehen, (sic!) als wir hineingegangen sind — genau das ist uns gelungen.
Wer “Wir” ist? Nun, ich bin es nicht.
Ist es womöglich einer von euch?
Angela Merkel jedenfalls ist es, sie sitzt fest im Sattel.
Schade, dass das Pferd längst gestorben ist.













