Wolfgang Kubicki gehört zu einer Minderheit in Deutschland, er ist zurzeit der Vorsitzende der F.D.P.-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag. Dass die F.D.P. bislang noch keine Sonderbehandlung verlangt hatte (etwa eine F.D.P.-Mitgliedsquote in deutschen Vorständen, wie es auch die Frauen und seit einer Weile die Migranten mit wachsendem Erfolg gefordert bekommen), hat mich ja schon überrascht, immerhin gehören ihre Mitglieder wie kaum eine andere auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.
Die Gelegenheit, so befand Wolfgang Kubicki anscheinend, war nun günstig für ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen, und so ließ er das “Handelsblatt” wissen:
Statt mit den Weltverbesserungsplänen der Grünen zu harmonieren, sollte Peer Steinbrück die pragmatische Lösung wählen und mit den Liberalen paktieren — denn die sind ihm näher als er zugeben möchte.
Ja, die F.D.P. ist Peer Steinbrück näher als er zugeben möchte, gemeinsam nämlich sind sie nahe an der Bedeutungs- wie Profillosigkeit. Wodurch sich Peer Steinbrück hervortut?
Er handelt ergebnisorientiert, ist ein Freund klarer Worte und hat einen fast britischen Humor, der bis an die Beleidigungsgrenze geht — was auf einen interessanten Wahlkampf hoffen lässt.
Peer Steinbrück beleidigt gern fast Leute und ist damit der F.D.P. nahe. Ach so. Überdies zeichne ihn noch mehr aus, postuliert Wolfgang Kubicki munter weiter:
Peer Steinbrück (…) hat (…) einen deutlichen Kompetenzvorteil gegenüber allen anderen aus der SPD.
Unter den Blinden, so lautet ein Sprichwort, ist der Einäugige der König; unter Mitgliedern der SPD muss es eben der Steinbrück sein. Falls sich übrigens jemand nicht an Peer Steinbrück erinnert: Ab November 2005 war er Bundesfinanzminister im ersten Kabinett Merkel und hat während seiner Amtszeit nicht nur den Big Brother Award 2007 in der Kategorie Politik für die Einführung der lebenslangen Steueridentifikationsnummer erhalten, sondern unter anderem kurz nach Beginn der Krise geäußert, das deutsche Bankensystem sei “relativ robust”, was zwar sehr beruhigend klang, blöderweise den Banken aber einigermaßen schnuppe war. Und alle anderen aus der SPD sind noch schlechter?
Was Wolfgang Kubicki aber nicht nur übersehen, sondern schlicht vergessen zu haben scheint, ist:
Um überhaupt als Koalitionspartner für die SPD in Frage zu kommen, sind zunächst einmal 5 Prozent der Wählerstimmen zu gewinnen.
Mein Tipp: Wird nix.

