PersönlichesNerdkrams
Mus­kel­ge­dächt­nis­se­ni­li­tät. / Strg+Mist!

(Vor­be­mer­kung: Ja, ich habe den ange­kün­dig­ten Nicht­rück­tritt des Lim­bur­ger Bischofs zur Kennt­nis genom­men, aber nein, ich hal­te jedes wei­te­re Wort hier­über für zu viel Auf­merk­sam­keit für jeman­den, der die Idea­le der katho­li­schen Kir­che so her­vor­ra­gend reprä­sen­tiert wie kaum ein Zwei­ter. Daher schrei­be ich statt­des­sen was über Com­pu­ter­kram.)

Wer mei­ne Arti­kel gele­gent­lich auf­merk­sam ver­folgt, der hat unter Umstän­den schon mit­be­kom­men, dass für mich Text­edi­to­ren das sind, was für ande­re Autos, Smart­phones oder Schu­he sind: Ich besit­ze zu vie­le von ihnen.

Auf Ser­vern set­ze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwen­dungs­fall), auf dem Desk­top bin ich bekannt­lich jüngst von Sub­li­me Text 3 auf Emacs umge­stie­gen (bezie­hungs­wei­se ent­wer­fe ich mei­ne län­ge­ren Tex­te immer noch abwech­selnd in einem die­ser bei­den Edi­to­ren). Auch zwei IDEs kom­men zum Ein­satz: Eines mei­ner aktu­el­len Pro­gram­mier­pro­jek­te bear­bei­te ich größ­ten­teils im Qt Crea­tor (in dem ich immer­hin einen Vim-Modus ver­wen­den kann), für ein ande­res muss ich aus tech­ni­schen Grün­den Visu­al Stu­dio benut­zen, für das es zwar ViE­mu gibt, das aber mein Bud­get für der­lei regel­mä­ßig deut­lich über­steigt. Dass ich nicht ein­fach für jeden Mist den glei­chen Edi­tor ver­wen­de, hat ver­schie­de­ne Grün­de: Ser­ver­sei­tig benut­ze ich kei­ne GUIs, was Visu­al Stu­dio von vorn­her­ein aus­schließt, Emacs ist wegen sei­ner Tasten­kür­zel über PuT­Ty eine Qual, Vim eig­net sich für ande­re Zwecke her­vor­ra­gend als nano (das beim schnel­len Edi­tie­ren einer län­ge­ren HTML-Datei indes defi­ni­tiv sei­ne Stär­ken hat); und aber vor allem: Ich kann damit qua­si im Schlaf arbei­ten. (Mein frü­he­rer Arbeit­ge­ber wür­de das mit dem Schlaf wahr­schein­lich bestä­ti­gen.)

Nun sind die mei­sten Text­edi­to­ren Pro­gram­me, deren flüs­si­ge Bedie­nung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Mus­kel­ge­dächt­nis abhängt: Je häu­fi­ger man ihre Tasten­kür­zel ver­wen­det, desto selbst­ver­ständ­li­cher erfolgt dies. Um beim Bei­spiel nano zu blei­ben: Wenn ich eine Datei auf dem Ser­ver mit nano [Datei] edi­tie­re, merkt sich mei­ne Hand, dass der näch­ste Steu­er­be­fehl wahr­schein­lich Strg‑O Strg‑X (Spei­chern und Schlie­ßen) sein wird, und führt die­sen qua­si unbe­merkt aus.

Blö­der­wei­se haben nano, Vim, Emacs und nor­ma­le IDEs die Eigen­schaft, völ­lig unter­schied­li­che Tasten­kür­zel zu unter­stüt­zen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist – außer in nano – irgend­wie nach­rü­sten, und mög­li­cher­wei­se sind auch die Emacs-Tasten­kür­zel sozu­sa­gen Gewöh­nungs­sa­che (Mac OS X, mit dem ich mitt­ler­wei­le mein Geld ver­die­nen darf, ver­wen­det sie immer­hin auch, dafür hat’s weder eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kom­pli­ziert wird es aller­dings dann, wenn man – wie ich – häu­fi­ger zwi­schen den Edi­to­ren wech­selt. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Ich möch­te eine Datei spei­chern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und über­all anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phä­no­men von Open Source: Ergo­no­mi­sche Gesichts­punk­te wer­den kon­si­sten­ter Bedie­nung in der Regel über­ge­ord­net. Zuge­ge­ben: Bei Unity bin ich mir da nicht so sicher.)

Mein Mus­kel­ge­dächt­nis mag das aber gar nicht.

Ein­mal antrai­nier­te Tasten­kom­bi­na­tio­nen blei­ben blö­der­wei­se auch beim Wech­sel zwi­schen ähn­li­chen Pro­gram­men „gespei­chert“. Dass Emacs (jeden­falls in mei­ner Kon­fi­gu­ra­ti­on) weder Strg‑O noch Strg‑S zum Spei­chern von Datei­en ver­steht, ver­ges­se ich immer wie­der; gera­de nach einer län­ge­ren Sit­zung in ande­ren Pro­gram­men, die eine die­ser Kom­bi­na­tio­nen ver­wen­den, braucht das Mus­kel­ge­dächt­nis eine Wei­le, um zu bemer­ken, dass es nun wie­der die ande­ren Befeh­le braucht. (Dann geht es aber wie­der wie von selbst). Mit stei­gen­der Nut­zungs­dau­er (und Edi­to­ren­zahl) wird das im Übri­gen auch nicht leich­ter, ganz im Gegen­teil.

Mög­li­che Lösun­gen? Ent­we­der soll­te ich jeden Edi­tor, bei dem das mög­lich ist, auf die Vim-Bele­gung umstel­len (das nano-Pro­blem blie­be bestehen und Emacs ver­lö­re trotz der Annehm­lich­kei­ten von 3cw und der­glei­chen man­che pro­duk­ti­vi­täts­stei­gern­de Beson­der­heit, somit wäre das nicht aus­rei­chend prak­ti­ka­bel) oder ein paar Edi­to­ren aus mei­nem Fun­dus ent­fer­nen. Ein geeig­ne­ter Kan­di­dat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbie­ten wür­de sich ein lokal instal­lier­tes Emacs, mit­tels des­sen ich (wegen der inte­grier­ten her­vor­ra­gen­den SSH-Unter­stüt­zung) das oben beschrie­be­ne PuT­Ty-Pro­blem ele­gant umge­hen könn­te. Das Pro­blem dar­an? Unter Win­dows wei­gert sich der SSH-Modus (tramp-mode) beharr­lich zu funk­tio­nie­ren, außer „Emacs hängt sich auf“ pas­siert da nicht viel. Wahr­schein­lich ist das ein Pro­blem, das sich über einen ein­fa­chen Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ein­trag lösen lie­ße, aller­dings fehlt mir dafür gera­de die nöti­ge Muße.

Viel­leicht soll­te ich ein­fach zukünf­tig nur noch Win­dows-Ser­ver ein­set­zen. Da kann ich wenig­stens rum­klicken.


Neu­es aus der Netz­welt: IsoHunt muss schlie­ßen. Wie schon seit vie­len Jah­ren sind wir eMu­le- und aMu­le-Nut­zer nicht davon betrof­fen, weil wir schlicht kei­ne Web­sei­ten, Link­por­ta­le, Such­ma­schi­nen und Web­brow­ser brau­chen, um zu fin­den, was wir brau­chen.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Schau­spiel und Kunst. / Ich grün­de aus Ver­se­hen eine Reli­gi­on.

Die deut­sche Aus­ga­be der Huf­fing­ton Post, die Qua­li­täts­au­toren wie Boris Becker in ihren Rei­hen hat, wird auf Twit­ter schon so aus­führ­lich und genuss­voll zum Abfall erklärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein die­sen Text – irgend­was mit Sinn­fin­dung, die hier wohl selbst ver­ge­bens wäre – tät‘ ich dann zwecks Anschau­ung doch dann gern mal wei­ter­emp­feh­len.


Ein ganz ande­res The­ma ist ja auch viel inter­es­san­ter. Eine Bekann­te wies mich heu­te auf einen ihr bis dahin unbe­kann­ten Film hin, den sie zu sehen beab­sich­tig­te; dies nicht etwa auf­grund nen­nens­wer­ter Hand­lung, son­dern weil eine Schau­spie­le­rin, die sie sehr schät­ze, Teil der Beset­zung sei und der Film somit wahr­schein­lich gar nicht schlecht sein kön­ne. Das ist ziem­lich skur­ril. Zwar gibt und gab es Film­künst­ler, die in einer bestimm­ten Pha­se ihrer Kar­rie­re aus­nahms­los her­vor­ra­gen­de Wer­ke her­vor­ge­bracht haben (Woo­dy Allen und Luis Buñuel gehö­ren dazu), dies lag aber nicht an den betei­lig­ten Per­so­nen selbst, son­dern am Zusam­men­spiel derer Fähig­kei­ten mit dem jewei­li­gen Dreh­buch. Man stel­le sich ein­mal Woo­dy Allens „Der Stadt­neu­ro­ti­ker“ mit Til Schwei­ger in der Haupt­rol­le vor, um das Pro­blem zu begrei­fen.

Schau­spie­ler wer­den oft als „Gesicht des Films“ miss­ver­stan­den, in dem sie agie­ren. Tat­säch­lich aber zeich­net einen guten Schau­spie­ler, wenn es nicht gera­de um Slap­stick­ko­mö­di­en geht, aus, dass er eben nicht als er selbst auf­fällt, son­dern dem Zuschau­er das Gefühl rea­len Gesche­hens im Bei­sein Unbe­kann­ter ver­mit­telt. Inso­fern ist sogar Hel­ge „Adolf“ Schnei­der ein bes­se­rer Schau­spie­ler als zum Bei­spiel, ich erwähn­te ihn bereits, Til Schwei­ger. Ich wür­de nie­mals einen Film nur des­halb anse­hen, weil ich einen der Schau­spie­ler mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab ent­stie­ge und sich ent­schlös­se, von nun an Lie­bes­ro­ma­ne zu ver­fil­men, wür­de ich das allen­falls mit gerümpf­ter Nase und krau­ser Stirn zur Kennt­nis neh­men und mich nicht umge­hend ins Kino bege­ben. Das wäre mir unan­ge­nehm.

Eigent­lich, so fuhr die Bekann­te fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut die­se Schau­spie­le­rin denn ihre Rol­le erfül­le, denn sie sei im wah­ren Leben hübsch und sym­pa­thisch, was schon voll­kom­men genü­ge, um einen ent­spre­chen­den Film zu schät­zen zu wis­sen. Mein Ein­wand, sie habe ver­mut­lich nie ein Wort mit die­ser Schau­spie­le­rin gewech­selt, been­de­te den Dia­log lei­der unsanft, bevor ich wei­te­re Kennt­nis­se dar­aus gewin­nen konn­te.

Zu mei­ner Zeit waren Fil­me ja noch wegen der Hand­lung inter­es­sant.


In der Blogo­sphä­re wird momen­tan rege eines die­ser so genann­ten „Stöck­chen“ wei­ter­ge­reicht, also eine Samm­lung von Fra­gen, die man nach der Beant­wor­tung einem ande­ren Blog­ger wei­ter­lei­tet. Die ursprüng­li­chen Fra­gen stam­men vom BR und rich­ten sich an die Netz­ge­mein­de. Höh­len­ma­lerei­ge­mein­de my ass. Es geht um die Gret­chen­fra­ge, wie das Netz es eigent­lich so hal­te mit der Reli­gi­on, und wäh­rend ich noch nicht davon über­zeugt bin, dass die­je­ni­gen, die sich selbst als Nerd­blog­ger betrach­ten (könn­ten) und lusti­ge 1337-Fake-sonst­wie-Domains benut­zen, irgend­ei­ner retro­ver­tier­ten Welt­an­schau­ung viel abge­win­nen kön­nen und das Kon­zept eines devo­ten Glau­bens im frei­en Netz unge­fähr so inter­es­sant fin­den wie den BR, wür­de ich auf eine der gestell­ten Fra­gen unge­frag­ter­wei­se doch gern etwas näher ein­ge­hen (die ande­ren sind mir zu doof oder wur­den im ver­link­ten Blog schon aus­führ­lich genug zur Kennt­nis genom­men), näm­lich gleich die erste:

Wor­an glaubt die Netz­ge­mein­de?

Ich wür­de ja sagen, ich glau­be an den mensch­li­chen Ver­stand, aber ich ken­ne Twit­ter. Was steht uns wohl über­wie­gend libe­ra­len, tech­nik­be­gei­ster­ten Frei­den­kern denn so an Reli­gio­nen abseits der­je­ni­gen Reli­gio­nen, für die sich der Unter­schied zwi­schen Leben und Glau­ben nur in Form irgend­wel­cher absur­den Ritua­le mani­fe­stiert, zur Ver­fü­gung? Ich bin ein gro­ßer Anhän­ger der Church of Satan, da sie einen ratio­na­len, unauf­ge­reg­ten Lebens­stil pre­digt, und ich bin durch­aus (von ihr selbst völ­lig unab­hän­gig) ver­sucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wie­der­um eben­so wenig eine Sache des Glau­bens wie es mei­ne Über­ein­stim­mun­gen mit den ande­ren grö­ße­ren Reli­gio­nen sind. „Du sollst nicht töten“ ist ein durch­aus ver­nünf­ti­ges Gebot, der Glau­be dahin­ter mit dem welt­frem­den Bild (bezie­hungs­wei­se eben Nicht­bild) von einem Schöp­fer­gott, der uns irgend­wann alle ins Fege­feu­er wer­fen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit mei­nem Selbst­ver­ständ­nis als den­ken­der Mensch ver­ein­bar. Es gilt also zur wahr­heits­ge­mä­ßen Beant­wor­tung der Fra­ge alter­na­ti­ve Glau­bens­ge­mein­schaf­ten her­an­zu­zie­hen.

Die Church of Reven­ge­day? „Wir glau­ben an das Inter­net“ bzw. an „wis­sen wir selbst nicht“, ja, das klingt nach einem typi­schen Inter­net­nut­zer, aber sei­nen vir­tu­el­len Lebens­raum zur Reli­gi­on zu erhe­ben hal­te ich für gefähr­lich, mit dem Netz wird auch ohne Reli­gi­ons­sta­tus schon genug Schind­lu­der betrie­ben. Mein Bett ist ja auch kei­ne Reli­gi­on. Passt dann eine die­ser Inter­net­re­li­gio­nen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Flie­gen­den Spa­ghet­ti­mon­ster? An sich inter­es­sant, aber eini­ge der acht „Gebo­te“ die­ser Reli­gi­on berei­ten mir gehö­ri­ges Kopf­zer­bre­chen, schon wegen ihrer links­fe­mi­ni­sti­schen Aus­rich­tung. Eine Reli­gi­on ist doch kei­ne Par­tei, herr­je.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Dis­kor­dia­nis­mus. Eine zwei­fels­frei inter­es­san­te Idee, die aber in ihren Grund­zü­gen nichts ande­res als „Den­ke selbst!“ besagt – das ist wahr­schein­lich nicht das, was mit der Fra­ge gemeint war. Eines aller­dings gefällt mir schon, näm­lich der Teil mit dem dis­kor­dia­ni­schen Papst. Ich exkom­mu­ni­zie­re in mei­ner Eigen­schaft als unfehl­ba­rer Papst euch alle­samt hier­mit eben­so wie mich und damit ist die Sache dann auch erle­digt. Da kommt der Kopi­mis­mus der Netz­ge­mein­de schon eher ent­ge­gen, der Glau­be an File­sha­ring, mit­hin an die Ehr­wür­dig­keit sozia­len Tei­lens (zum Bei­spiel von Musik). Wie­der­um ist dies aber eine Reli­gi­on, deren Zusam­men­hang zum all­ge­mei­nen Glau­bens­be­griff ich nicht ver­ste­he. „Ich glau­be an File­sha­ring“ ist wie „ich glau­be ans Ein­kau­fen“. Habe ich jetzt ver­se­hent­lich den Shop­pis­mus ins Leben geru­fen? Gedenkt mei­ner der­einst als Papst der Leh­re von Rewe, Ama­zon und Saturn!

Nein, die Netz­ge­mein­de glaubt eigent­lich nur dar­an, dass sie als homo­ge­ne Ein­heit ledig­lich ein Hirn­ge­spinst schlech­ter und offen­bar über­be­zahl­ter (weil über­mo­ti­vier­ter) „Jour­na­li­sten“ von öffent­lich-recht­li­cher Gna­de ist. Der Glau­be war in dunk­len Zei­ten stets eine Zuflucht für Men­schen, die kei­ne Hoff­nung mehr zu fin­den ver­moch­ten. Was das Netz betrifft, bleibt inso­fern zu kon­sta­tie­ren: Gott ist tot. Wir machen uns jetzt unse­re eige­nen Göt­ter („A‑Blogger“) und las­sen sie im Fern­se­hen und auf Twit­ter dum­me Din­ge sagen, die dann trotz­dem als unse­re Mei­nung dar­ge­stellt und von den Poli­ti­kern nichts­de­sto­we­ni­ger voll­kom­men igno­riert wer­den. Was näm­lich will die Netz­ge­mein­de? Erst mal Sascha Lobo fra­gen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Daten­schutz ist schlim­mer als Hit­ler!

Die Daten­samm­ler­indu­strie hat jetzt ihren eige­nen „God­win“:

‚Ein Optout ent­sprä­che nach unse­rer Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urhe­ber die vom Gesetz­ge­ber zuge­stan­de­ne, ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für ihre Wer­ke erhal­ten.‘ „

Genau! Wer auf die Wah­rung sei­nes Rechts auf Daten­schutz im deut­schen Inter­net pocht, ist schuld, wenn die Urhe­ber ver­hun­gern!

Ein­sper­ren, alle ein­sper­ren!
unbe­kann­ter Inter­net­nut­zer

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Plei­te? Ein­fach mehr Geld dazu­er­fin­den!

Ärger­lich:

In der Kri­se um die Erhö­hung der Schul­den­ober­gren­ze der USA steht eine Lösung unmit­tel­bar bevor. Füh­ren­de Demo­kra­ten und Repu­bli­ka­ner im Senat haben eine Eini­gung erzielt.

Die­se „Eini­gung“, die­ser Kom­pro­miss gar, gestal­tet sich wie folgt:

Der Repu­bli­ka­ner John Boeh­ner, der Spre­cher des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses, gestand die Nie­der­la­ge ein. (…) Er wer­de die Repu­bli­ka­ner ermu­ti­gen, für das Gesetz zu stim­men. Es gebe kei­nen Grund, mit Nein zu stim­men.

„Eini­gun­gen“ in den USA: Eine Par­tei stampft so lan­ge mit einem Fuß auf, bis der Fuß kaputt ist. Dann nimmt sie den ande­ren. Woher wir das ken­nen? Natür­lich von den geschei­ter­ten Kohl‑, äh, Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zwi­schen den Grü­nen und den bei­den schwar­zen Par­tei­en; nur dass in die­sem Fall nicht der schwar­ze Fuß es war, der kaputt­ging, son­dern die Grü­nen waren es. Das Stamp­fen war jeden­falls recht über­zeu­gend.

Um was für ein Gesetz geht es eigent­lich? Es geht dar­um, die­ses Sze­na­rio abzu­wen­den:

Wird die Schul­den­ober­gren­ze von der­zeit 16,7 Bil­lio­nen Dol­lar nicht ange­ho­ben, droht ab mor­gen die Zah­lungs­un­fä­hig­keit.

Die USA haben fast 16,7 Bil­lio­nen (16.700.000.000.000) US-Dol­lar Schul­den ange­häuft, mehr dür­fen sie nicht, und ihre Lösung lau­tet nicht etwa, unren­ta­ble Aus­ga­ben (NSA, Mili­tär, Staats­prä­si­den­ten­amt) ein­zu­stel­len, son­dern den Punkt mit dem „Dür­fen“ neu zu kon­zi­pie­ren. Wäre Hans-Wer­ner Sinn US-Ame­ri­ka­ner, er wür­de ein empör­tes Inter­view geben.

Ent­schul­digt mich dann mor­gen mal. Ich muss zur Bank – ich habe eine Eini­gung zu erzie­len.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückeNerdkramsMir wird geschlecht
Com­pu­ter­fe­mi­nis­mus

War­um ich Libre­Of­fice trotz (oder wegen?) der feh­len­den Cloud­funk­tio­nen auch Micro­soft Office 2013 immer noch vor­zie­he?

Es gen­dert nicht.

Word 2013 gendert

(Hier ist Micro­soft ein Feh­ler unter­lau­fen, natür­lich heißt es „einem/r Dokument/in“. Na, viel­leicht mit dem näch­sten Update.)


Apro­pos Femi­nis­mus: Was kann man mit einer Socke so alles anstel­len? Klar: Men­stru­ie­ren!

(via Nacht­wäch­ter)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXXII: Das kann auch jedem ande­ren Inter­net­nut­zer pas­sie­ren.

Mike hat die dies­wö­chi­ge Aus­ga­be des SPIEGEL der­art über­zeu­gend gele­sen, dass ich nicht umhin kam, mir die digi­ta­le Aus­ga­be auch mal zu, nun ja, besor­gen, und zwar wegen eines ein­zi­gen Arti­kels. Die­ser Arti­kel trägt die Über­schrift „Der Tag, an dem ich schwul wur­de“ und beschreibt einen Selbst­ver­such des SPIE­GEL-Mit­ar­bei­ters Uwe Buse – hihi -, der ein paar White-Hat-„Hacker“ (infla­tio­när ver­wen­de­te Berufs­be­zeich­nun­gen genie­ße ich bevor­zugt mit Vor­sicht) auf die Fra­ge ange­setzt hat, was für Mög­lich­kei­ten sich so erge­ben, wenn man vol­len – auch phy­si­schen – Zugriff auf frem­de Hard­ware erhält.

Das macht der inve­sti­ga­ti­ve SPIE­GEL-Mensch dann etwa so:

Zwi­schen uns auf dem Tisch lie­gen ein Lap­top und ein Han­dy. Auf bei­de Gerä­te haben mei­ne Hacker Spio­na­ge­pro­gram­me geschleust (…).

So funk­tio­niert die Infek­ti­on in frei­er Wild­bahn: Drückt den Böse­wich­tern eure Hard­ware in die Hand und geht mal für eine Wei­le aus dem Zim­mer. :D

Dabei hat er doch so schön vor­ge­sorgt:

Der Viren­scan­ner des Lap­tops mel­det: Die­ser Rech­ner ist viren­frei.

Und was die „Hacker“ da nicht so alles Span­nen­des her­aus­fin­den!

Nach­dem die Hacker auch mei­ne E‑Mails durch­for­stet haben, wis­sen sie, dass ich ver­hei­ra­tet bin, zwei Kin­der habe, eine Toch­ter und einen Sohn, der noch in den Kin­der­gar­ten geht. Mei­ne Hacker ken­nen den Namen mei­ner Frau, Bir­git.

Man­che müs­sen dafür Herrn Buses Mails lesen, ande­re nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die „Hacker“ sonst so tun? Sie besor­gen sich Ama­zon- und Goog­le-Pass­wör­ter und gucken mal hin­ein. Das sei aber auch nicht wei­ter schwer:

Den Hackern wer­den all die­se Infor­ma­tio­nen auf sehr kom­for­ta­ble Wei­se gelie­fert. Es ist kaum Exper­ten­wis­sen von­nö­ten.

Um für den SPIEGEL zu schrei­ben, muss man offen­bar auch nicht viel wis­sen. Eine stei­le Kar­rie­re steht so jedem Men­schen offen, der leid­lich gut lesen und schrei­ben kann. Wenn da nur nicht der Ekel­fak­tor wäre!

Zumin­dest hat sich der Autor ein paar höf­li­che „Hacker“ aus­ge­sucht, die vor­her nach­fra­gen:

Mei­ne Hacker las­sen mich wis­sen, dass sie mir nun noch Kin­der­por­nos auf den Rech­ner schie­ben kön­nen, danach könn­ten sie die Poli­zei alar­mie­ren. Ich bit­te sie drin­gend, von die­ser Idee Abstand zu neh­men.

Scha­de, viel­leicht wäre der Arti­kel dann doch noch was gewor­den.

Gibt es eine Moral von der Geschich­te? Klar:

Um künf­tig bes­ser auf sol­che Angrif­fe vor­be­rei­tet zu sein, fra­ge ich mei­ne Hacker ein paar Tage spä­ter, wie ich mich schüt­zen kann. (…) Kei­ne Win­dows-Rech­ner mehr benut­zen, sagen sie, son­dern Linux als Betriebs­sy­stem. Soft­ware-Updates immer instal­lie­ren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scan­ner.

Linux, nicht erst seit 2003 ein beque­mes Angriffs­ziel von Schuf­ten, sieht so ein „Hacker“ natür­lich beson­ders gern auf frem­den Gerä­ten. Da hilft auch nicht, dass die im Arti­kel ver­wen­de­te Mal­wa­re namens Mobiste­alth „für Android, nicht für Linux“ – das las­se ich der Däm­lich­keit wegen ein­fach mal als Zitat ste­hen – ver­füg­bar ist. Und Viren­scan­ner („Viren-Scan­ner“)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rech­ner anfangs viren­frei nann­te.

Der SPIEGEL hat im Print­res­sort halt nicht so fähi­ge Autoren wie Frank Pata­long.

Montagsmusik
Die Gol­de­nen Zitro­nen – Schein­wer­fer und Laut­spre­cher

Wor­über man sich ja auch mal wie­der auf­re­gen könn­te:

Die Gol­de­nen Zitro­nen – Schein­wer­fer und Laut­spre­cher

Viel­leicht will ich auch nicht andau­ernd begrüßt wer­den! Ich will auch nicht stän­dig, dass man mir gra­tu­liert, ich will auch nichts gewon­nen haben! Ich will auch kei­nen Vor­sprung haben! Ich möch­te nicht, dass man mir mei­ne Vor­tei­le auf­zählt! Ich will auch nicht mit Gele­gen­hei­ten in Ver­le­gen­heit gebracht wer­den! Ich will auch nicht mei­ne Ruhe haben – ich will in Ruhe gelas­sen wer­den!

Was bleibt, ist Resi­gna­ti­on.

Guten Mor­gen.

PersönlichesNerdkramsMir wird geschlecht
Eine gan­ze Wiki­pe­dia vol­ler Mani­pu­la­to­ren

Eine der lusti­ge­ren Beschimp­fun­gen, die mir im Lau­fe mei­ner Kar­rie­re als Inter­net­nut­zer bis­her so ent­ge­gen­ge­schleu­dert wur­den, ist übri­gens Mani­pu­la­tor.

Was war pas­siert? Ich hat­te es nach aus­führ­li­cher Dis­kus­si­on mit ande­ren Autoren gewagt, den von ver­schie­de­nen Quel­len als ten­den­zi­ös und den Radi­kal­fe­mi­nis­mus (zur Bedeu­tung die­ses Begriffs bit­te Vale­rie Sol­a­nas erfor­schen) ver­harm­lo­sen­den Wiki­pe­dia­ar­ti­kel über Femi­nis­mus der­ge­stalt zu ändern, dass er eine kla­re Tren­nung zwi­schen „dem Femi­nis­mus“ – den es als homo­ge­nes Kon­strukt nicht gibt – und den ver­schie­de­nen sexi­sti­schen bis gemä­ßig­ten Strö­mun­gen des­sel­ben vor­nimmt. In der Fol­ge wur­de ich mehr­fach, unter ande­rem auf Twit­ter, der Mani­pu­la­ti­on bezich­tigt.

Da ken­nen sie eben kei­nen Spaß, die Ver­fech­ter der neu­en Offen­heit: Frei­heit ist super, aber sie möge nur dem eige­nen heh­ren Zweck die­nen. Wer Arti­keln in der Wiki­pe­dia einen neu­tra­len Anstrich zu ver­pas­sen ver­sucht, ist kein Wiki­pe­dia­au­tor, son­dern ein Mani­pu­la­tor (ach, nein: ein Möch­te­gern-Mani­pu­la­tor, was dann sogar dop­pelt Käse ist), als han­de­le es sich um jeman­den, der wider­recht­lich in die Wiki­pe­dia­da­ten­bank ein­ge­bro­chen ist und da uner­laubt her­u­me­di­tiert hat.

Inter­es­san­tes Gedan­ken­spiel: Wenn das Edi­tie­ren von Tex­ten, um deren Bear­bei­tung aus­drück­lich gebe­ten wird, bereits mit Mani­pu­la­ti­on gleich­ge­setzt wird, wie schlimm muss es erst um freie Soft­ware bestellt sein? Man steu­ert in der Welt der frei­en Soft­ware also kei­nen Code mehr bei, man mani­pu­liert an Soft­ware her­um. Wer es wagt, Code­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, die nicht jedem Benut­zer des jewei­li­gen Pro­gramms gefal­len, ist mani­pu­la­tiv.

Ich schla­ge zur bes­se­ren Tren­nung zwi­schen guter und böser Mani­pu­la­ti­on an die­ser Stel­le das Wort „wiki­pu­la­tiv“ nebst Dekli­na­ti­on und Ablei­tun­gen vor. Den Vor­wurf, wiki­pu­la­tiv zu sein, las­se ich mir zumin­dest gern gefal­len.

PolitikIn den Nachrichten
Nor­ma­li­täts­ge­bot

Am 30. Juni ver­öf­fent­lich­te Peter Wel­che­ring einen Arti­kel, der gestern auch den Medi­en auf­ge­fal­len ist. Er beschreibt aktu­el­le Metho­den zur Ver­bre­chensprä­ven­ti­on anhand von Algo­rith­men, die mich wirk­lich über­zeu­gen:

Ein­mal kann man den Com­pu­ter ein­fach eine Sze­ne, einen Platz ein­fach beob­ach­ten las­sen und dann lernt er selbst, was Nor­ma­li­tät ist, also die Men­schen bewe­gen sich gera­de vom Ein­kaufs­zen­trum zum Bahn­hof oder so. Und der Com­pu­ter lernt, was die­se Nor­ma­li­tät ist. Und dann kann abwei­chen­des Ver­hal­ten erkannt wer­den, auto­ma­ti­siert.

Da wir ja alle wis­sen, dass Nicht­kri­mi­nel­le sich grund­sätz­lich nor­mal bewe­gen, ist die Hälf­te des Pro­blems schon mal gelöst. Jetzt müs­sen wir nur noch hof­fen, dass Ter­ro­ri­sten gemein­sam einen Kodex erar­bei­ten, der vor­schreibt, sich auf öffent­li­chen Plät­zen unnor­mal zu bewe­gen, und die Welt ist ein für alle­mal sicher. Wenn wir das nur vor zwölf Jah­ren schon gewusst hät­ten!

Na, hin­ter­her ist man klü­ger.

Musikkritik
Con­ti­nen­tal – All A Man Can Do

Zur Vor­ge­schich­te bit­te hier ent­lang.


Continental - All A Man Can DoAn man­chem kommt man ja doch nicht ein­fach vor­bei. An Ver­kehrs­un­fäl­len, an Explo­sio­nen und an CDs, die seit meh­re­ren Wochen unge­dul­dig neben dem Lap­top lie­gen und dar­auf war­ten, dass man sich end­lich mal mit ihnen beschäf­tigt. Ich gebe nun nach und wid­me mich mal die­sem Album, Felix wird’s freu­en.

Con­ti­nen­tal also, irgend­wie aus dem Dunst­kreis der Drop­kick Mur­phys empor­ge­stie­gen, mischen, so behauptet’s der Pres­se­text, „ehr­li­ches Song­wri­ting mit ein­gän­gi­gen Melo­dien, die sich irgend­wo zwi­schen Blues, Folk, Coun­try und dem Spi­rit der 77-Punk Ära (sic!) bewe­gen“. Eigent­lich könn­te man den Gen­re­quark ja ganz weg­las­sen, aber dann wird der Zet­tel halt nicht voll. (Im Aus­land wird „All A Man Can Do“ übri­gens mit einem noch häss­li­che­ren Cover­bild ver­kauft.) Auf einem bei­geleg­ten Foto der Band sind Vater und Sohn Bar­ton zu sehen. Schlag­zeu­ger Tom Maza­lew­ski bleibt eben­so unsicht­bar wie die sechs Gast­mu­si­ker, von denen ich kei­nen ein­zi­gen nament­lich ken­ne. Wie kli­schee­haft!

Kli­schee­haft sind zumin­dest nicht die Tex­te zur Musik. Kei­ne Coun­try­tex­te, nichts mit Kühen. Ein Glück! Ein­zig „Hey Baby“ erfüllt mit der rela­ti­ven Kür­ze sei­nes Texts und des­sen Inhalt alle Vor­aus­set­zun­gen, dass man es sich eben­so gut von einem ande­ren Musi­ker vor­stel­len könn­te. Zum Bei­spiel Elvis.

One minu­te I feel alright, next minu­te I don’t feel alright;
hey baby, would you say, I’m doing a‑OK?
Hey Baby

Aber zur Musik. Die geht recht kli­schee­los, äh, los: „Curious Spell“, sozu­sa­gen eine Eigen­co­ver­ver­si­on Rick Bar­tons, beginnt mit 80er-Ärz­te-Gitar­re, bekommt einen beschleu­nig­ten Refrain drü­ber­ge­stülpt und ist sonst nicht wei­ter schlimm. Ich möch­te posi­tiv erwäh­nen, dass mir der Gesang der bei­den Bar­tons erfri­schend wenig auf den Sack geht. Das ist ja durch­aus nicht selbst­ver­ständ­lich. (Neben­bei bemerkt fin­de ich es immer ein wenig nied­lich, wie es klingt, wenn man einen gan­zen Satz auf dem Wort „shit“ betont, was auch hier pas­siert. Ha, ich bin so unan­stän­dig. Shit, hihi. Herr­je.)

Näch­stes Lied: „Shi­ne“. Schon bes­ser, kei­ne Coun­try­po­p­gi­tar­re mehr als Intro. Erin­nert mich ein biss­chen an die Blues­rock­schei­ben im väter­li­chen Besitz. Soli­de, mit „aaaaaahhhhh“-Hintergrundgesang in der bridge. Na ja, sagen wir, ich hab schon Schlech­te­res gehört. „Down­town Lounge“: Erin­nert mich an die frü­hen Rol­ling Stones, etwas ener­ge­ti­scher viel­leicht, aber der Text („All I want is some­day to be next to you“) ist blö­de. Was mir hier im Übri­gen auch auf­fällt, sind die text­li­chen Wie­der­ho­lun­gen, die „All A Man Can Do“ wie ein roter Faden durch­zie­hen. Das Ende vom Lied? Ein­fach noch mal den Anfang hören. Das ist mal zwi­schen­durch in Ord­nung, aber nutzt sich irgend­wann dann schon ein biss­chen ab, spä­te­stens jetzt. „Red“: Je län­ger ich die­ses Album höre, desto deut­li­cher wird die klang­li­che Nähe zu den Rol­ling Stones (dies­mal aller­dings zu den etwas neue­ren). War­um ste­hen sol­che Ver­glei­che, mit denen der lei­den­de Rezen­sent sich eher anfreun­den kann als mit Coun­try­schei­ße, nie auf Wer­be­zet­teln?

Ich mag nun nicht jedes ein­zel­ne Lied sepa­rat bespre­chen, mit stei­gen­der Spiel­dau­er pen­delt sich „All A Man Can Do“ offen­bar bei erwähn­tem Blues­rock ein, der Coun­try traut sich nach dem ersten Lied nur sel­ten (beson­ders schreck­lich in „Wrecking Ball“) all­zu auf­dring­lich raus. Gra­vie­ren­de Aus­fäl­le gibt es außer „Hey Baby“ (das auch musi­ka­lisch voll­kom­men unin­ter­es­sant ist) nicht, lobend erwäh­nen möch­te ich aller­dings noch das recht ein­gän­gi­ge „Dog­fight“ und das abschlie­ßen­de „Mon­day Mor­ning“, das mit Hard-Rock-Refrain und ‑Gitar­re auf­war­tet. Davon hät­te ich mir auf den Album etwas mehr gewünscht.

Mein Fazit? Tja nun: Folk und „77-Punk“ suche ich ver­ge­bens, der Coun­try erfüllt aber auch trotz der Ankün­di­gun­gen eher eine Fei­gen­blatt­funk­ti­on. Es hät­te also schlim­mer kom­men kön­nen. Ich betrach­te „All A Man Can Do“ aus der Per­spek­ti­ve eines Musik­hö­rers, der nor­ma­ler­wei­se eher zu Gent­le Giant, Yes, The Dil­lin­ger Escape Plan und King Crims­on als zu Papas Blues­rock­plat­ten greift, daher möge man mir nach­se­hen, wenn mein Jubel sich in Gren­zen hält. Als ein sol­cher bin ich zumin­dest posi­tiv über­rascht. Wer so Blues­rock­zeug (und die Rol­ling Stones in ihren unex­pe­ri­men­tel­len Pha­sen) mag, der soll­te mal nach­se­hen, ob er irgend­wo rein­hö­ren kann. Die ein­schlä­gi­gen Rein­hör­web­sei­ten blei­ben stumm, auch Spo­ti­fy weiß nahe­zu kei­nen Rat. (Das, frei­lich, ver­mag nicht zu über­ra­schen.)

Damit wäre das auch erle­digt.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXXI: Mein lie­ber Schol­li! „Jolie“ und der täg­li­che Penis.

Erin­nert ihr euch noch an die „Jolie“, das Mode- und Tratsch­kä­se­blatt, das ich letz­tes Jahr schon mal ver­se­hent­lich gele­sen habe? Jetzt ist mir die­ses Mal­heur bei der Novem­ber­aus­ga­be 2013 (ist ja schon Anfang Okto­ber, da wird’s Zeit) doch glatt ein zwei­tes Mal pas­siert!

Ange­sichts die­ser Titel­ge­schich­te mag man mir das aller­dings auch ver­zei­hen:

Jolie-11-13

„Ein typi­scher Tag im Leben eines Penis“ wird also in die­ser Aus­ga­be – natür­lich aus der Sicht einer Frau – beschrie­ben. Zum Glück wis­sen wir, dass Sexis­mus gegen Män­ner nicht exi­stiert, sonst wäre ich ernst­haft ver­wun­dert; auch wegen der Leser­brie­fe: Eine Lese­rin schreibt, ihr Blick sei in der vor­he­ri­gen Aus­ga­be an „sexy Davey“, einem ober­kör­per­frei­en Mus­kel­protz, hän­gen geblie­ben, und es sei „scha­de“, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärger­nis, dass nicht jeder Schön­ling bereit ist, eure Flei­sches­lust zu stil­len.

Nack­te männ­li­che Ober­kör­per laden offen­bar dazu ein, die Män­ner auf’s Kör­per­li­che zu redu­zie­ren. Wenn die Män­ner aller­dings nicht den gän­gi­gen Schön­heits­idea­len ent­spre­chen, sol­len sie lie­ber ange­zo­gen blei­ben, sonst sind sie ekli­ge Sexi­sten und dür­fen nicht mehr öffent­lich Schlag­zeug spie­len. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’­re all being sexist here.

Aber wir waren ja beim The­ma „ein Tag im Leben eines Penis“, und ohne dar­über zu sin­nie­ren, ob es nicht „eines Penis­ses“ hei­ßen müss­te (denn von Leu­ten, die für die „Jolie“ mit „6 sexy Fri­su­ren Trends“ schrei­ben, ist kein gepfleg­ter Umgang mit der deut­schen Spra­che mehr zu erwar­ten), neh­me ich euch gleich eine Über­ra­schung: Es steht genau das dar­in, was ihr ver­mu­tet.

Dabei sind Stel­len wie die­se hier (8:45 Uhr) noch nicht ein­mal das Schlimm­ste:

Da benei­de ich mei­ne weib­li­chen Kol­le­gen, die haben ihre Eier IM Kör­per, wie sich das gehört. Nur wir müs­sen uns mit die­sem anhäng­li­chen, nutz­lo­sen Miss­ge­schick der Evo­lu­ti­on her­um­schla­gen.

Dafür haben Män­ner nor­ma­ler­wei­se kei­ne Brü­ste, ätsch. Aber die­ser Penis­prot­ago­nist meckert nicht nur, er freut sich durch­aus auch über die Annehm­lich­kei­ten in sei­nem Leben:

(15:20 Uhr) Hur­raaaa! TITTEN!!!

Die gibt’s natür­lich nicht immer:

(19:00 Uhr) Hät­te ich Hän­de, wür­de ich eher mich selbst rei­ben. 24 Stun­den am Tag, sie­ben Tage die Woche.

So ein Tage­buch ist ohne eine ordent­li­che Sex­sze­ne natür­lich nicht voll­stän­dig; die folgt um 23:20 Uhr:

Oh, Vor­sicht mit den Zäh­nen, Prin­zes­sin. Ja, so ist es bes­ser. Oh ja. Ja. Genau so. Mmmmm. Jaaa. (usw.)

Im „Intro“ zur Rubrik „Pssst …!“, in der es um „Lie­be, Lust, Leben“ geht, wird erklärt:

Neu­ro­wis­sen­schaft­ler (…) haben ent­deckt, dass Müdig­keit durch die Aus­schüt­tung des Glücks­hor­mons Sero­to­nin ver­ur­sacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gäh­nen – Haupt­sa­che hap­py!

Das Gäh­nen, das mich gera­de über­kommt, hat also nichts damit zu tun, dass die „Jolie“ ein furcht­bar ödes Gro­schen­heft­chen ist. Sie macht mich nur total fröh­lich. Schön, dass das geklärt ist.


Laut die­ser Aus­ga­be der „Jolie“ ist Top­mo­del Miran­da Kerr („Hoch­ka­rä­ter der Modelsze­ne“, jolie.de, 19. August 2013; „die schö­ne Austra­lie­rin“, jolie.de, Anfang 2013; „die sty­lisch­ste Mut­ter“, jolie.de, Ende 2011; „die Aller­schön­ste“, „mei­ne Inspi­ra­ti­on“ und so wei­ter und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übri­gens „nun wirk­lich kein Anhalts­punkt für irgend­was“. Ist was dran – wel­che Frau will schon ein schö­nes Model und/oder eine gut aus­se­hen­de Mut­ter wer­den?

In den NachrichtenNerdkrams
Eigent­lich suchen wir doch alle nur nach dem auf­dring­lich­sten Wer­ber.

Mit­un­ter gera­te ich in ein Gespräch mit Mit­men­schen, die Goog­le Chro­me für gar nicht so schlimm hal­ten wie ich es im Sep­tem­ber zu erklä­ren ver­sucht habe – immer­hin sei es open source, wenn Goog­le irgend­wel­chen Quatsch damit anstel­le, kön­ne man zwar nichts dage­gen tun, aber es zumin­dest sofort bemer­ken. Nun, wie wäre es damit?

Goog­le could crea­te an anony­mous iden­ti­fier, tied to users of its Chro­me brow­ser on a spe­ci­fic device, that adver­ti­sers would use to tar­get ads, accor­ding to a per­son briefed on the plan who declined to be iden­ti­fi­ed becau­se the plan is young and one of seve­ral opti­ons being con­side­red.

Das, was Goog­le Chro­me künf­tig also von ande­ren Brow­sern maß­geb­lich unter­schei­den wird, ist, dass sei­ne Benut­zer der Daten­sam­mel­wut von Wer­bern (und der NSA) nicht mehr ent­ge­hen kön­nen. Das sei aber auch gut so, denn die momen­ta­ne Situa­ti­on sei auch für con­su­mers (denn ein Inter­net­nut­zer wird als Kon­su­ment und nicht als mün­di­ger Mensch wahr­ge­nom­men) schier uner­träg­lich:

Jor­dan Mit­chell, co-chair of the group and a vice pre­si­dent at the Rubicon Pro­ject, a digi­tal ad agen­cy, cal­led the cur­rent situa­ti­on for adver­ti­sers unre­lia­ble and uneco­no­mic­al and “a lose-lose-lose situa­ti­on for adver­ti­sers, con­su­mers, publishers and plat­forms.”

Gut, dass Goog­le sich die­ses Pro­blems annimmt!

(via Fefe)


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Mer­kel­pho­ne angeb­lich nicht mer­kel­taug­lich. Frü­her hieß das noch „idio­ten­si­cher“.

Persönliches
„Schnell, macht mal den Fern­se­her an, da kommt scheuß­li­cher Schund!“

Twit­ter­nut­zer wis­sen es: Wenn im Fern­se­hen „Wet­ten, dass…?“ oder „Tat­ort“ läuft, herrscht Hoch­be­trieb bei den Mikro­blog­gern. Jede Sze­ne wird spöt­tisch kom­men­tiert, wozu Mar­kus Lanz und Til Schwei­ger, zuge­ge­ben, gera­de­zu ein­la­den. Nicht, dass ich mich an der kol­lek­ti­ven Selbst­enthir­nung betei­li­gen wür­de, denn ich habe kein Inter­es­se dar­an, mit Schmud­del­kin­dern zu spie­len. Ich muss Schei­ße nicht fres­sen, um zu wis­sen, dass sie mir nicht schmeckt.

Kon­sens scheint es ohne­hin zu sein, dass zumin­dest erst­ge­nann­te Sen­dung qua­li­ta­tiv das Adverb „qua­li­ta­tiv“ nicht ein­mal in Kom­bi­na­ti­on mit „schlecht“ ver­dient. Nach dem – hihi – Aus­schei­den von Tho­mas Gott­schalk kann­ten die Medi­en auch nur noch die­ses eine The­ma: Mit der Sen­dung sei’s vor­bei, das wer­de nix mehr, es war sowie­so schon immer schlecht und wur­de nicht bes­ser. Ja, damals, als deut­sches Fern­se­hen noch einen gewis­sen Anspruch hat­te und Mode­ra­to­ren noch nicht jeden Satz mit „hehe­he“ been­de­ten, war „Wet­ten, dass…?“ noch eine ernst zu neh­men­de show und kein net­ter Zeit­ver­treib für Leu­te, die zu blöd sind, um sich mit einer Spi­ri­tuo­se und einem Buch und/oder Lap­top vor den Kamin zu set­zen und/oder zu legen.

Beim Tat­ort kann ich es noch ver­ste­hen: Fern­seh­zu­schau­er …

(…) brau­chen, so scheint es, stets das Bild des Grau­ens vor ihren Augen.

Dabei geht es, wohl­ge­merkt, um tote Lei­chen, nicht um Mar­kus Lanz. Was also ist das für ein selt­sa­mes Phä­no­men, das die Leu­te dazu treibt, der gan­zen Welt stolz mit­zu­tei­len, dass sie nun­mehr begin­nen, eine Fern­seh­sen­dung zu kon­su­mie­ren, die sie weder wert­schät­zen noch ande­ren zumin­dest sym­pa­thi­schen Men­schen emp­feh­len wür­den? Was bewegt Non­sens­me­di­en wie SPIEGEL ONLINE dazu, aller­lei belang­lo­ses Gesche­hen rund um die­ses in Sze­ne gesetz­te Lei­den (ebd.) zu doku­men­tie­ren?

Viel­leicht ist es Tra­di­ti­on. Leu­te gucken „Wet­ten, dass…?“, weil sie das vor 20 Jah­ren schon getan haben, sie wäh­len CDU, weil sie das vor 20 Jah­ren schon getan haben, sie lesen Tages­zei­tung (oder die jeweils gän­gi­ge Online­fas­sung der­sel­ben), weil sie das vor 20 Jah­ren schon getan haben. Grug Crood wäre ihnen ein stol­zer Vater. Wir aber, wir jun­gen Wil­den, sind anders auf­ge­wach­sen. Wir haben gelernt, unser Leben selbst zu gestal­ten. Will nicht jede Gene­ra­ti­on ganz anders sein als die Gene­ra­ti­on ihrer Eltern? Wir lesen nicht die Zei­tung unse­rer Eltern. Wir wäh­len nicht die Lieb­lings­par­tei unse­rer Eltern. Wenn nur Grüt­ze im Fern­se­her läuft, las­sen wir den Scheiß­fern­se­her ganz ein­fach mal aus oder kau­fen uns am Besten gar nicht erst einen.

Aber wahr­schein­lich löst sich die­ses Pro­blem bald von selbst.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXCIX: Kei­ne Atten­ta­te. Nur Mor­de.

Da hat Edward Snow­den noch mal Glück gehabt:

„Atten­ta­te sind per Ver­fü­gung des Prä­si­den­ten ver­bo­ten. Wir machen kei­ne Atten­ta­te.“ Man füh­re aber sehr wohl „geziel­te Tötun­gen geg­ne­ri­scher Kom­bat­tan­ten“ durch, das Land sei immer­hin „im Krieg“.

Soll­te er in abseh­ba­rer Zeit plötz­lich ver­schwin­den, war es zumin­dest kein Atten­tat. Puh!