Montagsmusik
Elo­ra – Se tai­re

Wisst ihr eigent­lich, war­um Vega­ner selbst über ihr Mit­tag­essen hoch­emo­tio­na­le Dis­kus­sio­nen zu füh­ren imstan­de sind? Ich habe da eine Theo­rie: Die Östro­ge­ne sind schuld.

Es wäre mir nun natür­lich ein Leich­tes, aus die­ser selt­sa­men Ein­lei­tung jetzt eine geeig­ne­te Über­lei­tung zur dies­wö­chi­gen Mon­tags­mu­sik zu gene­rie­ren, anbie­ten wür­de sich etwa irgend­was von Birth Con­trol. Statt­des­sen gebe ich unum­wun­den zu, dass ich die Inspi­ra­ti­on hier­zu aus der Serie „The Big Bang Theo­ry“ bezo­gen habe, schä­me mich ein biss­chen dafür, dass ich kurz­zei­tig im Begriff war, sel­bi­ge Infor­ma­ti­on als Ergeb­nis eige­ner Recher­che her­aus­zu­stel­len, und spie­le euch was ganz ande­res vor.

Statt Birth Con­trol, den alten Krautrockern, rotiert näm­lich just in die­sem Moment, in dem ich dies schrei­be, das aktu­el­le Album „Crash“ der fran­zö­si­schen Art­rock­band Elo­ra im sta­tio­nä­ren Musik­spie­ler. Ein Adjek­tiv, das sich anbie­tet: Atmo­sphä­risch. Por­cupi­ne Tree sind nie­mals fern. Und wie könn­te man eine Woche bes­ser begin­nen als mit atmo­sphä­ri­scher Musik?

Genau.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPiratenparteiPersönliches
Ehe(,) die Frei­heit endet

Auf der dies­jäh­ri­gen Demon­stra­ti­on „Frei­heit statt Angst!“, über die sehr unter­schied­lich berich­tet wur­de, hat die poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten­par­tei Deutsch­land sym­bo­lisch die Frei­heit gehei­ra­tet. Wäh­rend ihr das zwei­fels­oh­ne eine löb­li­che Lie­be zur Frei­heit beschei­nigt (auf Ver­mö­gens­tei­lung kann sie in die­sem Fall zumin­dest nicht hof­fen), stellt sich mir die Fra­ge, was das für die ande­ren Men­schen bedeu­tet, die eben­falls gern die Frei­heit einen wich­ti­gen Teil ihres Lebens sein lie­ßen. Führt Frau Nocun eine offe­ne Ehe, oder steht die Frei­heit nun nie­man­dem außer ihr mehr zur Ver­fü­gung?

„Frei­heit, Frei­heit ist das Ein­zi­ge, was zählt.“
– Mari­us Mül­ler-Western­ha­gen: Frei­heit

„Du bist alles, was jetzt zählt.“
– Die Ärz­te: Alles

Die­je­ni­gen von euch, die bis­lang das Ver­gnü­gen hat­ten, sich mit mir als Pri­vat­per­son und nicht nur als vir­tu­el­lem agent pro­vo­ca­teur aus­ein­an­der­zu­set­zen, sind viel­leicht bereits damit ver­traut, dass ich so man­che Stun­de mei­nes Lebens damit ver­bracht habe, dar­über zu sin­nie­ren, ob Zwei­sam­keit über­haupt eine Lösung sein kann, und bis­lang kei­ne dau­er­haft zufrie­den­stel­len­de Lösung fand. Wenn aber die Ehe das Maxi­mum der Gefüh­le und nicht nur Selbst­zweck mit Opti­on auf Hin­ter­halt ist, ist es nicht die Sym­bo­lik allein, die die Delin­quen­ten am Gemein­sam fest­hal­ten lässt?

Eine ziem­lich selt­sa­me Ange­wohn­heit meist jun­ger Paa­re ist das Anbrin­gen von „Lie­bes­schlös­sern“ an Brücken (bevor­zugt in gro­ßen Städ­ten):

Liebesschlösser; CC-BY-SA von Wikipedia-Nutzer "ILA-boy".

Vor­der­grün­dig geht es hier wie auch bei der Ehe­schlie­ßung um die Besie­ge­lung ewi­ger Lie­be, und es näh­me mich nicht wun­der, behäl­ten die mei­sten von ihnen einen Schlüs­sel zur spä­te­ren Buße bei sich, nur zur Sicher­heit. Nur schwer zu über­se­hen ist jeden­falls, dass ein Vor­hän­ge­schloss als Sym­bol für ewi­ge Lie­be unge­fähr so taug­lich ist wie Hand­schel­len (gekreuz­te Rin­ge, ein ver­brei­te­tes Sym­bol für die Ehe, sehen die­sen ja nicht unähn­lich); Vor­hän­ge­schlös­ser die­nen nun ein­mal vor allem dem Weg­schlie­ßen von Din­gen. Ein bes­se­res Sym­bol für Ewig­keit wäre viel­leicht eines die­ser alten Nokia-Mobil­te­le­fo­ne oder eine Deutsch­land­fah­ne. Deutsch­land ist, das wis­sen wir seit 1953, bekannt­lich eben­falls ewig.

Wäh­rend Zwei­sam­keit in ihrer rei­nen Form, stets im Bewusst­sein ihrer meist unab­wend­ba­ren End­lich­keit, dem eige­nen Leben bei Gefal­len einen nicht unan­ge­neh­men Aspekt hin­zu­fü­gen kann, stellt ihre Festi­gung einen meist gra­vie­ren­den Ein­schnitt in die Frei­heit dar, zumal Kom­pro­mis­se auf Kosten der jeweils eige­nen Ent­fal­tung in der Regel unab­wend­bar sind. Einer wie auch immer gear­te­ten Liai­son, die nur des­halb Bestand hat, weil min­de­stens einer der von ihr Betrof­fe­nen Zuge­ständ­nis­se macht und dabei Ein­bu­ßen in Bezug auf sei­ne eige­ne Indi­vi­dua­li­tät in Kauf nimmt, gilt es ent­spre­chend zu begeg­nen. (Selbst das Anneh­men des Namens des jewei­li­gen Part­ners im Zuge der Ehe­schlie­ßung ist eine Selbst­auf­ga­be, indem man sich zu einem Bestand­teil sei­nes Part­ners degra­diert, was anders­her­um aber nicht der Fall ist.)

Man ver­ste­he mei­ne Aus­füh­run­gen nicht falsch: Frei­heit und Bezie­hun­gen, wel­cher Art auch immer sie sein mögen, schlie­ßen sich nicht gegen­sei­tig aus. All­zu töricht ist es aber, auf­grund einer sol­chen Bezie­hung, die bis­lang unbe­scha­det Bestand hat­te, ohne erkenn­ba­ren Anlass wei­te­re Frei­heit auf­zu­ge­ben.

Inso­fern ist es womög­lich tat­säch­lich nur kon­se­quent von Frau Nocun, die Frei­heit zu ihrem Lebens­part­ner zu wäh­len, denn nur in die­sem Fall wird ihre eige­ne Frei­heit nicht ein­ge­schränkt. Ist halt nur, wie gesagt, doof für alle ande­ren.

„Bewahrt ein­an­der vor Herz­leid. (…) Bewahrt ein­an­der vor der Zwei­sam­keit.“
– Ramm­stein: Her­ze­leid

MusikkritikKaufbefehle
Pop Will Eat Its­elf – Box Fren­zy

Pop Will Eat Itself - Box FrenzyDie 1980-er Jah­re sind nicht dafür bekannt, eine reich­hal­ti­ge Quel­le guter Musik zu sein. Die Neue Deut­sche Wel­le und die Depres­si­ons­mu­sik von The Cure haben das dunk­le Jahr­zehnt der Musik über­schat­tet wie (dei­ne Mud­da bezie­hungs­wei­se) ein toter Deut­scher in den Nach­rich­ten grund­sätz­lich hun­dert tote Nicht­deut­sche über­schat­tet. Die weni­gen Aus­nah­men von die­ser Regel gilt es wie Rosi­nen aus einem ver­gif­te­ten Kuchen zu picken, denn zumin­dest bei der Wahl zwi­schen Rosi­nen und Gift gewin­nen bei mir die Rosi­nen.

Zu die­sen im posi­ti­ven Sin­ne bemer­kens­wer­ten Hin­ter­las­sen­schaf­ten des dunk­len Jahr­zehnts gehört im Übri­gen die bri­ti­sche Alter­na­ti­ve-Rock-Band Pop Will Eat Its­elf, die 1987 mit „Box Fren­zy“ ihr lobens­wer­tes Debüt­al­bum, reich gefüllt mit Sprach­samples, Bea­stie-Boys-Anlei­hen und einer ordent­li­chen Dosis Gitar­re (und Pla­stik­schlag­zeug), vor­leg­ten und sich Mit­te der 1990er Jah­re schließ­lich trenn­ten.

Die der­zeit auf Tour befind­li­che Reuni­on, zu deren Beset­zung nur eines der ursprüng­li­chen Mit­glie­der (aller­dings immer­hin der ein­sti­ge Front­mann) gehört, wirkt auf Live­auf­nah­men ein wenig kraft­los. Wie viel auf­re­gen­der ist es da, dem Ori­gi­nal aus den 80-ern zu lau­schen, unzu­frie­den mit dem zu sein, was sich heut­zu­ta­ge „Rock­band“ nen­nen darf, und dies deut­lich anzu­pran­gern, wäh­rend man fröh­lich zu „She’s Sur­re­al“ von besag­tem Debüt­al­bum zap­pelt?

Pop Will Eat Its­elf – She’s Sur­re­al – Night Net­work

Die Ant­wort ist wenig über­ra­schend: Es ist sehr viel auf­re­gen­der. Zwar hat man das alles schon mal irgend­wo – womög­lich bei den Bea­stie Boys – gehört, aber erzählt der Welt mit dem begrenz­ten Ton­ver­mö­gen eines Men­schen doch ein­mal eine völ­lig neue Geschich­te. Und an Viel­sei­tig­keit man­gel­te es Pop Will Eat Its­elf nicht, ich bin gar ver­sucht, sie als weni­ger ver­rück­te Ver­si­on von Cheer-Acci­dent zu bezeich­nen. Doo­fen Elek­tro­pop („U.B.L.U.D.“) haben sie auf „Box Fren­zy“ immer­hin genau so unter­brin­gen kön­nen wie das, was die Autoren der Wiki­pe­dia wahr­schein­lich dazu ver­an­lass­te, Pop Will Eat Its­elf in die Nähe der „Dance“-Musik zu rücken:

Pop Will Eat Its­elf – live in ses­si­on on Night Net­work in 1988

Nega­tiv anla­sten kann ich „Box Fren­zy“ allen­falls den „Plastik“-Klang des Albums; aber das waren eben die 80-er Jah­re, da war ein Schlag­zeug aus der Dose eine Offen­ba­rung und nichts, wor­über man sich auf­ge­regt hat. Das könn­te man dann eigent­lich mal nach­ho­len. Aber das soll nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass „Box Fren­zy“ tat­säch­lich Spaß macht. Die­sen Spaß tei­le ich mit euch, weil ich (wegen des Albums) gera­de gut gelaunt bin. Da habt ihr noch mal Glück gehabt.

Ver­gnügt euch und ver­gesst nicht, gele­gent­lich gute Musik in euer Leben zu las­sen. Wie trist wäre es ohne sie?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXXVIII: Kei­ner kommt klat­schen.

Die CDU lie­ge, behaup­tet For­sa, zur­zeit bei etwa 40 Pro­zent vor­aus­sicht­li­cher Wäh­ler­schaft. Wo die wohl alle her­kom­men?

Zumin­dest nicht aus der CDU, neh­me ich an:

Die Par­tei­gran­den tele­fo­nie­ren her­um, um Bus­la­dun­gen von Mer­kel-Fans am Sonn­tag nach Düs­sel­dorf zu brin­gen. In NRW beackert Lan­des­ge­ne­ral Bodo Lött­gen die Chefs der Kreis­ver­bän­de angeb­lich per­sön­lich. Sie sol­len für mehr Men­schen sor­gen.

Die Bür­ger haben momen­tan – Fuß­ball sei Dank – eben „Inter­es­san­te­res“ – Fuß­ball – im Sinn als der Bun­des­kanz­le­rin für die Fern­seh­ka­me­ras zuzu­ju­beln. Ihr habt die Hal­le leer / ihr habt die Hal­le leer / ihr habt, ihr habt / ihr habt die Hal­le leer!

Für die halb­lee­re Hal­le hat­te die Phy­si­ke­rin Mer­kel in der Vor­stands­sit­zung eine ganz prag­ma­ti­sche Lösung. Am Mon­tag ver­don­ner­te die Che­fin den gesam­ten Bun­des­vor­stand, bei dem Sonn­tags­ter­min zu erschei­nen.

Der Phy­si­ke­rin Mer­kel emp­feh­le ich ja eine Recher­che bezüg­lich des Ener­gie­er­hal­tungs­sat­zes (gern in Ver­bin­dung mit Hohl­raum­phy­sik), aber sie ist immer sehr beschäf­tigt und hat für sol­cher­lei kei­ne Zeit.

40 Pro­zent – das gesetz­li­che Mini­mum für den Alko­hol­ge­halt von Whis­ky. Honi soit qui mal y pen­se.

(via Schwerdt­fe­gr)

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: SPONBOOK

Völ­lig iro­nie­frei ver­mel­det SPIEGEL ONLINE heu­te:

Wenn jun­ge Deut­sche im Netz unter­wegs sind, dann vor allem bei Face­book. Eine neue Stu­die zeigt: Das umstrit­te­ne sozia­le Netz­werk ist für die Gene­ra­ti­on U30 die wich­tig­ste Infor­ma­ti­ons­quel­le.

Das kommt SPIEGEL ONLINE zugu­te, das selbst im umstrit­te­nen sozia­len Netz­werk Face­book ver­tre­ten ist (hier aus Ekel­grün­den nicht ver­linkt) und den umstrit­te­nen Daten­schutz­ver­stö­ßen („umstrit­ten“ scheint so ein Lieb­lings­wort im Hau­se SPIEGEL ONLINE zu sein) gleich­mü­tig gegen­über­steht:

SPONBOOK

Für wen ist eigent­lich SPIEGEL ONLINE die wich­tig­ste Infor­ma­ti­ons­quel­le?

Nerdkrams
Per­fect PRISM Pri­va­cy (2): Die Sache mit dem Tor-Netz­werk

Ich hat­te mich im Juli zu den „Kryp­top­ar­tys“ und zu anony­mem Sur­fen mit­tels eines VPNs geäu­ßert. Ich schrieb damals über das (immer­hin unter einer BSD-Lizenz ste­hen­de) Anony­mi­sie­rungs­netz­werk Tor, das unter ande­rem der digi­tal­cou­ra­ge e.V. emp­fiehlt:

Auch das Tor-Netz­werk, also die Umlei­tung „eures Inter­nets” über drei unab­hän­gi­ge Rou­ter, wird gele­gent­lich emp­foh­len, ist aber prin­zi­pi­ell kom­pro­mit­tier­bar (ein Angrei­fer muss nur min­de­stens auf zwei der drei Rou­ter zugrei­fen kön­nen, was einem Geheim­dienst ver­mut­lich nicht schwer fällt) und oben­drein aus ver­ständ­li­chen Grün­den wirk­lich sehr, sehr lang­sam.

Inzwi­schen gibt es auch belast­ba­re Zah­len zu der poten­zi­el­len Kom­pro­mit­tier­bar­keit:

Rund 80% aller Tor-Nut­zer lie­ßen sich schon nach 6 Mona­ten Betrieb eines mitt­le­ren Tor-Relays dean­onym­sie­ren. Wenn ein Angrei­fer den kom­plet­ten Ver­kehr eines Teil­be­reichs des Inter­net (…) kon­trol­liert, müs­sen Tor-Nut­zer mit einer 95-pro­zen­ti­gen Gefahr rech­nen, dass ihre Iden­ti­tät inner­halb von drei Mona­ten auf­ge­deckt wird. Mehr Res­sour­cen unter Kon­trol­le des Über­wa­chers beschleu­ni­gen den Vor­gang.

Das klingt nach einer annehm­bar hohen Feh­ler­to­le­ranz, aber glaubt nur nicht, dass die­je­ni­gen, vor denen ein Bür­ger Geheim­nis­se haben soll­te, nicht über die­se mehr Res­sour­cen ver­fü­gen. Lasst es mich anders aus­drücken: Tor ist nicht sicher! Dass für die Ent­tar­nung bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein müs­sen, soll­te euch nicht blau­äu­gig auf einen Glücks­fall hof­fen las­sen. Nur, weil eure Ver­bin­dung über meh­re­re Rou­ter in meh­re­ren Län­dern gelei­tet wer­den kann, heißt das nicht, dass kei­ner die­ser Rou­ter Infor­ma­tio­nen über euch preis­gibt. Je mehr die­ser Rou­ter von einer ein­zel­nen Insti­tu­ti­on (etwa der NSA – an die­ser Stel­le könnt ihr gern euren Alu­mi­ni­um­hut gegen die bösen Strah­len auf­set­zen) kon­trol­liert wer­den, desto wahr­schein­li­cher wis­sen die, wer ihr seid und was ihr tut.

Was im Übri­gen das gleich­falls freie I2P als Kon­kur­renz­im­ple­men­tie­rung eines anony­men, dezen­tra­len Net­zes betrifft: Trotz all des Kom­forts (und auf­grund der ekli­gen Java-Basis) muss euch klar sein, dass auch die Sicher­heit von I2P mit der Aut­ar­kie der ein­zel­nen Kno­ten steht und fällt. Dass „seit PRISM“ also immer wie­der für sol­che Rou­ting­dien­ste Wer­bung gemacht wird, ist vor­der­grün­dig ver­ständ­lich, aus tech­ni­scher Sicht jedoch Augen­wi­sche­rei.

Auch wei­ter­hin ist also davon aus­zu­ge­hen, dass ein anony­mes (nicht pseud­ony­mes) VPN das Mit­tel der Wahl sein soll­te, wenn ihr die näch­ste Revo­lu­ti­on pla­nen wollt. Aber ach­tet auf die Mit­tags­ru­he, in Deutsch­land ist die wich­tig.

(Die­sen Arti­kel hät­te ich ja mit „Eigen-Tor“ über­schrie­ben, wenn halt die c’t den Titel nicht schon reser­viert hät­te. Na, näch­stes Mal dann.)


Nach­trag: Ach­tet hier auch auf die Kom­men­ta­re, „daki­ra“ hat einen wich­ti­gen Hin­weis hin­ter­las­sen.

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXXVII: Die Rein­heit der Apfel­ras­se muss gewahrt blei­ben!

Der Äppel­la­den GRAVIS so:

Die Apple-Ket­te Gra­vis ver­treibt künf­tig auch Pro­duk­te des direk­ten Apple-Riva­len Sam­sung.

App­le­kun­den so:

Einst war GRAVIS ein Händ­ler der Apple und Zube­hör führ­te und die Kun­den dabei wohl war. (…) Ich kann nur nein sagen, so ein Laden sieht mich nicht. Das Geld las­se ich woan­ders.

Wer will schon ein Apple­ge­rät (mit Sam­sung-Hard­ware drin) kau­fen, das von der räum­li­chen Nähe zu Sam­sung­ge­rä­ten besu­delt wur­de? Ein Sakrileg!!1

(Abt.: Kann­ste dir nicht aus­den­ken, sowas.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXXVI: Reich­tum ver­pflich­tet.

Blin­de reden über Far­ben, Tau­be hul­di­gen dem Post­rock und drei Men­schen, die sich nie mehr im Leben Sor­gen um ihr finan­zi­el­les Über­le­ben machen müs­sen, reden über Min­dest­löh­ne. Oh, Ver­zei­hung – letz­te­res ist tat­säch­lich pas­siert:

Mit schar­fen Wort­ge­fech­ten über Min­dest­lohn, Ren­te und Steu­ern haben die Spit­zen­kan­di­da­ten von Grü­nen, Lin­ken und FDP um unent­schlos­se­ne Wäh­ler gekämpft.

Der auf­merk­sa­me Wäh­ler weiß, dass die Grü­nen zusam­men mit der SPD die gegen­wär­ti­ge Alters­ar­mut maß­geb­lich for­ciert und die seit eini­gen Jah­ren wie­der mit­re­gie­ren­de F.D.P. bis­lang nichts dage­gen getan hat. Zwei der drei Teil­neh­mer haben also zumin­dest Wis­sen aus erster Hand vor­zu­wei­sen, von dem sie auch reich­lich Gebrauch machen. Jür­gen „Dosen­pfand“ Trit­tin etwa gab zu ver­ste­hen, den grü­nen Wan­del gebe es nur mit star­ken Grü­nen; gut, dass er das erklärt, denn bis­lang dach­te ich, dafür müss­ten die Grü­nen beson­ders schwach sein.

Beim Ren­ten­the­ma war er trotz­dem nicht gut vor­be­rei­tet:

Trit­tin plä­dier­te dafür, das Ren­ten­ni­veau durch höhe­re Ein­kom­men zu sta­bi­li­sie­ren. Auch dazu die­ne unter ande­rem ein Min­dest­lohn. [Er] ver­tei­dig­te die von sei­ner Par­tei bei einem Wahl­sieg ange­kün­dig­ten Steu­er­erhö­hun­gen. Bei dem Kon­zept wür­den durch eine Anhe­bung des Grund­frei­be­trags 90 Pro­zent der Ein­kom­mens­be­zie­her mehr Net­to vom Brut­to haben.

Es soll also mehr Ren­te geben, indem es mehr Ein­kom­men gibt, das dazu führt, dass es höhe­re Steu­ern gibt, die dazu füh­ren, dass die Leu­te mehr Geld haben. Kommt ihr noch mit? Ich nicht. Wahr­schein­lich habe ich aber auch nichts ver­passt.

Selt­sa­mer­wei­se hat kei­ner der drei Poli­ti­ker vor­ge­schla­gen, denen, die kein Brot haben, statt­des­sen zum Kuchen zu raten. Sie haben wider Erwar­ten ja doch etwas gelernt.

Nerdkrams
Sub­li­me Text: Na ja, ich hab’s ver­sucht.

Über Sub­li­me Text habe ich ja schon so man­ches berich­tet, mich auch in Form von Todo.txt-Unterstützung am reich­hal­ti­gen Erwei­te­rungs­fun­dus betei­ligt. Nun macht sich aber die Kehr­sei­te von clo­sed source bemerk­bar: Der Ent­wick­ler hät­te gern noch mehr Geld von mir.

Die Ent­wick­lung von Sub­li­me Text 2 ist seit lan­gem been­det, obwohl es durch­aus noch eini­ge Unzu­läng­lich­kei­ten zu behe­ben gäbe. Sämt­li­che Ent­wick­lungs­ar­beit kommt momen­tan Sub­li­me Text 3 zugu­te, das in der Beta­pha­se steckt und momen­tan noch mit einer Sub­li­me-Text-2-Lizenz funk­tio­niert, das soll sich aber mit der fina­len Ver­si­on ändern. Die wesent­li­che Neue­rung? Python 2 wur­de durch Python 3 ersetzt. Für mich als Nicht-Python-Nut­zer ist das natür­lich über­flüs­si­ger Quatsch. Bei Sub­li­me Text 2 zu blei­ben hal­te ich für kei­ne gute Lösung, die bekann­ten Pro­ble­me einer nicht mehr gepfleg­ten Soft­ware wer­den mit der Zeit ja nicht von selbst ver­schwin­den, son­dern sich eher noch ver­meh­ren. Sub­li­me Text 3 lie­ße sich wahr­schein­lich wie schon Sub­li­me Text 2 ohne Lizenz (mit gele­gent­li­chen Nerv-Popups) nut­zen, aber das hal­te ich für fal­sches Vor­ge­hen. Ich ver­ste­he ja auch Leu­te nicht, die jah­re­lang Win­RARs Nerv­po­pups ertra­gen, statt auf freie Alter­na­ti­ven wie Pea­Zip oder 7‑Zip umzu­stei­gen.

Die Lösung? Ver­mut­lich bleibt mir, wenn ich nicht plötz­lich im Lot­to (das ich nicht spie­le) gewin­nen soll­te, nichts ande­res übrig als das Öko­sy­stem Sub­li­me Text mit all sei­nen Annehm­lich­kei­ten (in mei­nem Fall wären dies der her­aus­ra­gen­de Paket­ver­wal­ter Packa­ge Con­trol und das kil­ler­fea­ture Goto Anything, ins­be­son­de­re die Sym­bolliste) wie­der durch etwas aus der Welt der frei­en Soft­ware zu erset­zen. Wer weiß, wie lan­ge es dau­ert, bis Sub­li­me Text 4 wie­der­um das Ende der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen ein­läu­tet? Nur wodurch?

‘Sub­li­me Text: Na ja, ich hab’s ver­sucht.’ wei­ter­le­sen »

KaufbefehleMusikkritikMontagsmusik
Fehl­far­ben – Herbst­wind

Wäh­rend die deut­sche Medi­en­land­schaft ein wei­te­res Mal unter Beweis stellt, dass sie zu blö­de ist, das sub­stanz­lo­se Gebrüll einer femi­ni­sti­schen Min­der­heit in der Pira­ten­par­tei von der an sich lobens­wer­ten Poli­tik zu unter­schei­den, für die die­se Par­tei steht, dreht die Welt sich wei­ter – schwupps! ist schon wie­der Mon­tag.

Für die dies­wö­chi­ge Mon­tags­mu­sik muss ich ver­mut­lich erst ein­mal etwas erklä­ren, näm­lich, war­um ich, anders als sonst, kei­nen You­Tube-Link set­ze. Die Ant­wort ist banal: Das heu­te anzu­prei­sen­de Stück Musik ist dort zur­zeit nicht ver­füg­bar (oder ich suche nur falsch). Ich habe tat­säch­lich lan­ge mit mir gerun­gen, ob ich statt­des­sen musicmp3, ein offi­zi­ell rus­si­sches Strea­ming­por­tal (hier auf­grund unkla­rer recht­li­cher Situa­ti­on nicht ver­linkt), als Quel­le ange­ben soll­te, wo das dies­wö­chi­ge Mon­tags­stück natür­lich zu fin­den ist, aber in die­sen Tagen weiß man ja nie so genau, wel­che Bran­chen die flo­rie­ren­de Abmahn­wirt­schaft gera­de beackert.

Statt­des­sen: Spo­ti­fy oder Groo­veshark. Eines die­ser Ent­eig­nungs­por­ta­le. Bei­de haben das gesuch­te Stück. War­um es gera­de die­ses sein muss? Muss es wahr­schein­lich nicht – aber, und da bin ich als jemand, dem Tex­te bekannt­lich nicht ganz unwich­tig sind, ich hal­te die­ses Stück für eines der text­lich groß­ar­tig­sten, die eine deutsch­spra­chig musi­zie­ren­de Musik­grup­pe in die­sem Jahr­tau­send bis­lang zustan­de gebracht hat. Peter Hein sei zu prei­sen für die­se Zei­len.

Die Fehl­far­ben, vor über drei­ßig Jah­ren mit „Mon­ar­chie und All­tag“ und ins­be­son­de­re Lie­dern wie „Ein Jahr (es geht vor­an)“ („Kei­ne Atem­pau­se / Geschich­te wird gemacht / es geht vor­an“, kenn­ta) Vor­rei­ter des deutsch­spra­chi­gen Post­punk, der Neu­en Deut­schen Wel­le und sicher noch so aller­lei Musik, waren trotz gele­gent­li­chen Tief­gangs nur sel­ten so bril­lant wie auf „Xeno­pho­nie“. Noch so ein Album, das ich 2012 recht­zei­tig zu hören ver­ges­sen habe. „Herbst­wind“, ein schwer­mü­ti­ger und syn­the­siz­erla­sti­ger Fast­zehn­mi­nü­ter, ist der krö­nen­de Abschluss und ein, min­de­stens, ver­damm­tes Mei­ster­werk.

Labt euch dar­an. Auf Spo­ti­fy oder auf Groo­veshark oder auf einem die­ser Por­ta­le, die man in eurer Lieb­lings­such­ma­schi­ne halt so fin­det. Ver­gesst das gest­ri­ge unsäg­li­che TV-„Duell“. Gera­tet trotz­dem in Schwer­mut. Hört den Text. Ver­steht den Text. Macht das Beste dar­aus.

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Ich bin sehr ein­sam!

Oh, eine „rose“ – mit Anfüh­rungs­zei­chen im Absen­der – nahm Kon­takt mit mir auf. Den Grund ihrer Kon­takt­auf­nah­me gab sie in der Betreff­zei­le an, was lobens­wert ist. Seht ihr, so leicht ist es, mir sym­pa­thisch zu sein.

Und Frl. „rose“ gab mir Fol­gen­des zu ver­ste­hen:

Hal­lo… Ich hof­fe, dass ich fur dich viel zu schnell nicht wer­de, aber Sie gefal­len mir, und ich woll­te mit Ihnen reden.

Merk­wür­dig. Wenn Frau­en mir sonst sagen, es gäbe Grund zu reden, bedeu­tet dies meist das Ende des Kon­takts in bis­he­ri­ger Form. Frl. „rose“ ist spar­sam, selbst die Zeit davor spart sie. Gut, das mag auch mir eini­ges erspa­ren.

Ware befrie­di­gend, wenn wir uns mit Ihnen gro­sser umge­hen konn­ten, mir hat Ihr Pro­fil gefal­len. Ich ware sehr froh, gro­sser uber Sie zu erken­nen.

Mein Pro­fil? Mei­ne Nase oder wie?

Mich hof­fe, wirst Sie mich nicht igno­rie­ren. Ich war­te mit der Unge­duld von Ihnen auf die Ant­wort.

Sie war­tet mit mei­ner Unge­duld? Hat sie denn kei­ne eige­ne? – Dies außer Acht gelas­sen: Ich gebe zu, ich bin ein wenig rat­los, wel­che Fra­ge einer Ant­wort bedarf. Eine Frau, die reden will, braucht dazu nor­ma­ler­wei­se doch auch kei­ne geson­der­te Ein­la­dung. Sie braucht ja nicht ein­mal jeman­den, der etwas ent­geg­net.

Aber wie könn­te ich jeman­dem, der mir von vorn­her­ein sym­pa­thisch ist, einen so ein­fa­chen Wunsch abschla­gen?

Die Umar­mun­gen und die Kusse

Der Pin­ky und der Brain.

pls rep­ly to
31.08.201315:37:14

Klar, wohin auch sonst?

Wer­tes Frl. „rose“, Ihnen ist da ein bedau­er­li­cher Feh­ler unter­lau­fen. Wenn Sie dies lesen, kor­ri­gie­ren Sie ihn doch bit­te. An gestern kann ich nicht ant­wor­ten. Haben Sie viel­leicht ein ande­res Datum in pet­to?

Herz­li­chen Dank!

pls rep­ly to
vogel in gro­ßes hirn

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Wahl-Schwach-o-Mat

Da der Wahl-O-Mat nun für die Öffent­lich­keit, die sich noch nicht ent­schei­den kann, was sie bei näch­ster Gele­gen­heit wäh­len soll, frei­ge­ge­ben ist, wit­tern vie­le bereits eine Ret­tung aus dem Schla­mas­sel, womög­lich gänz­lich unvor­be­rei­tet zur Wahl gehen zu müs­sen. Die­ser Wahl-O-Mat besteht im Wesent­li­chen aus einem Fra­ge-Ant­wort-Spiel: Jeder Teil­neh­mer wird zu sei­ner Mei­nung bezüg­lich eini­ger aus­ge­wähl­ter The­men befragt, die Ant­wort wird danach mit denen der ein­zel­nen aus­ge­wähl­ten Par­tei­en ver­gli­chen.

Dabei weicht das, was Par­tei­en im Wahl­kampf for­dern, gele­gent­lich deut­lich von ihrer Poli­tik ab. (Hat der F.D.P. eigent­lich schon jemand gesagt, dass sie gera­de Teil der Bun­des­re­gie­rung ist?) Eini­ge Bei­spie­le habe ich ja bereits ange­führt. Was für die F.D.P. gilt, gilt aber auch für ihre Mit­be­wer­ber. Soll’s kon­kre­ter wer­den? Gern: Auf der Web­site des Wahl-O-Maten steht unter ande­rem eine PDF-Datei zur Ver­fü­gung, die die Ant­wor­ten von ins­ge­samt 28 Par­tei­en mit­ein­an­der ver­gleicht. Dass auch die­se PDF-Datei kei­nen ande­ren Schluss zulässt als dass nie­mand, aber auch nie­mand die F.D.P. wäh­len soll­te, wenn ihm Glaub­wür­dig­keit wich­tig ist, ist wahr­schein­lich nicht ein­mal erwäh­nens­wert. Mei­ne Lieb­lings­zei­le bis­her, von der ich immer wie­der feuch­te Augen vom Lachen bekom­me, ist jedoch Num­mer 22 auf der ersten Sei­te:

Das gesetz­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter soll wie­der gesenkt wer­den.

Sei­tens der SPD gibt es vol­le Zustim­mung, so gibt die PDF-Datei zu ver­ste­hen. Dies deckt sich mit ihrem Wahl­kampf gegen Alters­ar­mut. Woher die­se Alters­ar­mut eigent­lich stammt? Der Ver­dacht, dass das mit der Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters zu tun hat, die 2007 von einer Gro­ßen Koali­ti­on (unter Mit­wir­kung der SPD, damals hieß das noch „groß“) beschlos­sen wur­de, ist sicher­lich ein all­zu absur­der. Auch die von der SPD und den grü­nen Kriegs­trei­bern durch­ge­setz­te Agen­da 2010, die den Kün­di­gungs­schutz locker­te und den Nied­rig­lohn­sek­tor maß­geb­lich ver­grö­ßer­te, hat sicher­lich nichts damit zu tun, denn war­um soll­te die SPD die eige­nen Geset­ze rück­gän­gig machen wol­len? – Ach so, es ist Wahl­kampf; das habe ich kurz ver­ges­sen.

Ein Wahl-O-Mat, der Par­tei­en anhand ihres Abstim­mungs­ver­hal­tens und nicht anhand gedruck­ten Papiers bewer­ten lässt, wür­de sich womög­lich tat­säch­lich dazu eig­nen, wil­li­gen Wäh­lern die rich­ti­ge Ent­schei­dung vor­zu­schla­gen. Ein Wahl-O-Mat aber, des­sen Emp­feh­lun­gen auf Lügen fußen, ist den Auf­wand, der in ihm steckt, wohl kaum wert. Eine kla­re Wahl­ent­schei­dung ist der­zeit wohl nur den Kon­ser­va­ti­ven gege­ben, die sich zumin­dest dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die unsäg­li­che CDU ihrem Kurs – rück­wärts immer, vor­wärts och nö – auch wei­ter­hin treu blei­ben wird.

Ärger­lich ist, dass es gera­de die­je­ni­gen sind, die man nicht über das eige­ne Leben bestim­men las­sen möch­te, die vom Nicht­wäh­len pro­fi­tie­ren. Die groß ange­leg­te Wer­be­kam­pa­gne „Geh wäh­len!“ („Geh Wäh­len!“) der Frau­en­sen­der­grup­pe Pro Sie­ben / Sat.1 ist inso­fern eine der­ma­ßen gute Idee, dass ich da mal mit­ma­che:

Ich habe ein Word­Press-Plug­in ent­wickelt, das an einem ein­stell­ba­ren Tag von 9 bis 18 Uhr die kom­plet­te Web­site durch eine Auf­for­de­rung zum Wäh­len ersetzt. Auch der Grund hier­für (im Bei­spiel PRISM) ist ein­stell­bar, natür­lich könnt ihr auch eine kom­plett eige­ne blackout.php ver­wen­den. Auch ein wid­get für die Sei­ten­lei­ste steht bereit.

wp-wahlblackout

Wem’s gefällt, der kann’s benut­zen, wer einen Feh­ler fin­det (das mit den wid­gets ist Neu­land für mich), der möge ihn mel­den. Dan­ke, bit­te, gern.


Nach­trag vom 1. Okto­ber 2019: Die jeweils aktu­ell­ste Ver­si­on des Plug­ins gibt es per Fos­sil und Git­Hub.