Spaß mit Spam
Lie­ber gelieb­ter eine,

0016@btbz.biz (kann man sich mer­ken) schrieb mir unter obi­gem Betreff (zu mei­ner Zeit war ein Betreff noch eine kur­ze Zusam­men­fas­sung des Anlie­gens des Anschrei­bens und nicht die Anre­de; o Zei­ten, o Sit­ten!) an eine E‑Mail-Adres­se, die nicht zu mei­nen gewöhn­li­chen gehört, dies:

Lie­ber gelieb­ter eine,

Die­se Anre­de (hat­ten wir schon!) ent­hält diver­se Wun­der­lich­kei­ten. Wer alle fin­det, bekommt eine Eins.

Was genau möch­te jemand, der mich unbe­kann­ter­wei­se als „gelieb­ter eine“ anspricht, wohl von mir? Flir­ten? Weit gefehlt:

Ich bin Frau sus­s­a­na suss­man, aus Sier­ra Leo­ne. Ich habe die Sum­me 9,5 Mil­lio­nen Euro von mei­nem ver­stor­be­nen Mann geerbt. Wegen der schlech­ten poli­ti­schen Situa­ti­on die­ses Land Sier­ra Leo­ne, Ich demü­ti­ge Bit­te um Ihre Hil­fe, um mich zu inve­stie­ren die Fonds in Ihrem Land.

Frau sus­s­a­na suss­man möch­te eine Bit­te demü­ti­gen und sich in Fonds inve­stie­ren, und das auch noch in mei­nem Land! Wo kämen wir denn dahin, wenn das jeder täte?

Um wel­che schlech­te poli­ti­sche Situa­ti­on geht es eigent­lich? Der Bür­ger­krieg ist doch mei­nes Wis­sens seit drei­zehn Jah­ren been­det? Ach so:

Das Geld ist momen­tan in der Finanz-Unter­neh­men hier in Sier­ra Leo­ne.

Es gibt nur noch eine ein­zi­ge Bank in Sier­ra Leo­ne? Das ist fatal! Hat da die EU schon inter­ve­niert?

Da bie­tet es sich natür­lich an, das Geld lie­ber nach Deutsch­land zu ver­schif­fen. Dafür gibt’s auch einen Anteil an dem Geld:

Ich wer­de Ihnen mehr Infor­ma­tio­nen über die Lie­fe­rung. Ihre eige­nen Anteil an dem Geld ich sage dir, wenn wir von Ihnen hören.

Dann hof­fe ich, dass es nicht per Her­mes ver­schickt wird, sonst wird das die­ses Jahr nichts mehr.

Bit­te, ant­wor­ten Sie mir auf mei­ne pri­va­te E‑Mail: mrs.sussana@yahoo.com

Sier­ra Leo­ne ist so arm, die kön­nen sich nicht mal ’nen Rep­ly-To-Hea­der in ihren E‑Mails lei­sten. Nun wür­de ich der Bit­te ja gern nach­kom­men, aber ich weiß nicht mal, was gewünscht ist. Auf nicht gestell­te Fra­gen zu ant­wor­ten fällt mir oft etwas schwer.

Wenn’se ihr Geld unbe­dingt los­wer­den wol­len, Frau sus­s­a­na suss­man, soll­te es Ihnen doch nicht schwer­fal­len, mei­nen Namen und mei­ne Adres­se zu ermit­teln, nach­dem Sie sogar eine obsku­re Mail­adres­se bezie­hen konn­ten. Ich nehm’s gern bar.

Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Frau sus­s­a­na suss­man.

Rat­los,
eine gelieb­te.

Montagsmusik
Lykke Li – I Fol­low Rivers

Die Vor­lie­be der Radio­sen­der für schnul­zi­ge Cover­ver­sio­nen erschließt sich mir nicht. Qua­si tot­ge­du­delt wird im Moment zum Bei­spiel das Stück „I Fol­low Rivers“, das die Musik­grup­pe Trig­ger­fin­ger anläss­lich irgend­ei­nes Kon­zerts mal nach­ge­spielt hat und das in deren Ver­si­on seit­dem von jedem Men­schen in die­sem armen Land wahr­schein­lich schon so oft gehört wur­de, dass ihm ana­log zu Paw­lows Ent­deckun­gen schon bei der Erwäh­nung des Namens Trig­ger­fin­ger die Ohren zu blu­ten anfan­gen. Die­se Weich­spül-Säu­sel­ver­si­on ent­spricht ande­rer­seits unge­fähr dem, was man sei­tens der Mäd­chen heut­zu­ta­ge gut zu fin­den erwar­tet, die im vori­gen Jahr­zehnt wohl Back­street Boys oder so einen Unfug gehört hät­ten.

Dabei ist das Ori­gi­nal doch viel düste­rer.

I Fol­low Rivers- Lykke Li (offi­ci­al video)

(Und ande­rer­seits: Schlim­mer als Pas­sen­ger nölt nicht mal Grö­ne­mey­er.)

Guten Mor­gen.

PersönlichesMusik
Rezen­sen­ten­leid

Seit ich hier gele­gent­lich das mit der Musik­kri­tik mache, wer­den noch gele­gent­li­cher auch rezen­sier­te Musik­grup­pen auf mich auf­merk­sam und dre­hen mir bei Gefal­len ihre jeweils neue­sten Krea­tio­nen an. Dafür war ich bis­her ziem­lich dank­bar, denn der Kon­takt zu den Musi­kern war bis­lang immer freund­schaft­lich und andau­ernd, und gegen eine gerin­ge Gebühr in Form einer Rezen­si­on gab es immer wie­der neue Musik zu hören, die mich begei­ster­te.

Heu­te nun lag eine CD im Brief­ka­sten, über die ich nicht sehr erfreut bin. Die öster­rei­chi­sche Plat­ten­fir­ma Flix Records hat wohl mit­be­kom­men, dass ich irgend­was mit Rezen­sio­nen mache, und mir das 2012er Album „All A Man Can Do“ – hier­zu­lan­de am 10. April 2013 erschie­nen – der eige­nen Schütz­lin­ge Con­ti­nen­tal zuge­sandt, gegrün­det unter ande­rem von Rick Bar­ton (Drop­kick Mur­phys, The Out­lets) und sei­nem Nach­wuchs, was an sich eine her­vor­ra­gen­de Refe­renz ist. Das Album kam in einer schlich­ten blau­en Papier­müll­packung daher, wie man sie von Heft-CDs kennt. Das art­work wur­de auf dem bei­lie­gen­den Info­zet­tel in einer über­aus mise­ra­blen Quai­tät abge­druckt:

Post von Flix Records

Die sicht­ba­ren JPEG-Arte­fak­te auf dem Alben­co­ver sind übri­gens kei­ne Fol­ge mei­ner Digi­ta­li­sie­rung.

Wer­te Plat­ten­fir­men, das Erste, was wir anspruchs­vol­len Kon­su­men­ten von einem neu­en Musik­al­bum zu sehen bekom­men, ist das art­work, die Ver­packung. Je hüb­scher die Auf­ma­chung, desto mehr freu­en wir uns dar­auf, uns mit dem Album zu beschäf­ti­gen; Musik­grup­pen wie Dear John Let­ter und Sebkha-Chott dür­fen euch hier gern zum Vor­bild wer­den. Wenn ihr zur Pro­mo­ti­on die paar Cent spa­ren wollt, die euch so eine Ver­packung kostet, nervt uns nicht mit halb­her­zig hin­ge­rotz­tem Rest­müll, son­dern schickt uns ein­fach ’nen Down­load­link für eine (akzep­ta­bel kodier­te) digi­ta­le Fas­sung des zu bewer­ben­den Musik­al­bums, da könnt ihr dann auch hoch­qua­li­ta­ti­ve JPEGs bei­le­gen. Wir Inter­net­re­zen­sen­ten sind wahr­schein­lich in der Lage, damit zu arbei­ten; das wüss­tet ihr aber, wenn ihr euch auch nur ein klein wenig mit den Rezen­sio­nen derer, die ihr mit eurer kru­den Musik beglücken wollt, beschäf­ti­gen wür­det. „Du machst doch was mit Musik, bring‘ mir mal Schlag­zeug­spie­len bei.“

Dies vor­aus­ge­setzt habe ich all­ge­mein nichts dage­gen, wenn jemand mir mit guter Musik eine Freu­de machen möch­te. Manch­mal, aber nur manch­mal, haben Frau­en sen­den mir gute und weni­ger gute Bekann­te mir bis dato unbe­kann­te Auf­nah­men, über die ich in der Regel recht erfreut bin. So geriet ich etwa in Besitz von Alben der groß­ar­ti­gen Car­la Bozu­lich (Evan­ge­li­sta) und des nicht min­der groß­ar­ti­gen Tom Waits. Für Neu­ent­deckun­gen die­ser Art bin ich stets offen, Bekann­te wür­den mich nie­mals mit scheuß­li­cher Scheiß­mu­sik ner­ven. Sie ken­nen mich. Plat­ten­fir­men aber ken­nen mich nicht, denn ich habe mich ihnen nie­mals per­sön­lich vor­ge­stellt. Plat­ten­fir­men wer­fen uns Musik­freun­de in den gro­ßen Topf der poten­zi­el­len Stamm­kun­den, rüh­ren ein­mal um und hal­ten das für eine homo­ge­ne Soße. Dass man mich mit Musik, die ich nicht mag, eher ver­schreckt als als Kun­den gewinnt, scheint als Kol­la­te­ral­scha­den gewer­tet zu wer­den. Bekannt­heit ist alles, und jeder, der den unge­fragt zuge­sand­ten Kram auch nur öffent­lich erwähnt, macht damit gegen einen lächer­lich gerin­gen Preis auto­ma­tisch Wer­bung für die jewei­li­gen Musi­ker.

Und was macht man dann mit die­sen Erzeug­nis­sen? Weg­schmei­ßen ist doof, obwohl ich erst vor kur­zem eine Ladung Jugend­sün­den weg­ge­wor­fen habe, um Platz zu schaf­fen für neue groß­ar­ti­ge Musik. Auf­be­wah­ren? Nee, die lie­gen dann nur rum und stau­ben mich voll. Opti­mal wäre es wahr­schein­lich, den Krem­pel ein­fach zurück­zu­schicken (Por­to zahlt Emp­fän­ger), wie wir es damals mit AOL-CDs gemacht haben.

Also kei­ne Sor­ge, Con­ti­nen­tal, euer Album höre ich spä­ter noch, obwohl mich euer bei­geleg­tes Info­blatt schon eher lang­weilt. Ist eure Pres­se­ab­tei­lung zu faul, sich wenig­stens vor­her über mei­nen Musik­ge­schmack zu infor­mie­ren, statt mich mit Coun­try, Blues und dem Spi­rit des Punk zu belä­sti­gen? Aus­ge­rech­net Coun­try! Für eine posi­ti­ve Bewer­tung garan­tie­re ich lie­ber nicht.

Aber wahr­schein­lich könnt ihr nicht mal was dafür. Viel­leicht über­rascht ihr mich ja auch posi­tiv. Wir wer­den sehen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXXII: Schwein aus­nahms­wei­se zum Fres­sen bereit

Ach, apro­pos Wahl­kampf – Frau Mer­kel hat schon die Zeit nach der kom­men­den Bun­des­tags­wahl geplant:

Nie­mand stre­be eine gro­ße Koali­ti­on an. Doch wäre es „völ­lig unglaub­wür­dig“, wenn sie die­se Mög­lich­keit aus­schlös­se.

Eine unglaub­wür­di­ge Ange­la Mer­kel wäre doch wahr­lich eine unan­ge­neh­me Über­ra­schung, die uns alle sehr ver­wun­dern wür­de. Nie­mand hat die Absicht, eine gro­ße Koali­ti­on zu errich­ten, aber wenn’s halt dem Macht­er­halt dient, war­um nicht?

(Wie­so eine Koali­ti­on mit der SPD noch „groß“ genannt wird, weiß ich aber nicht.)

„Die Zeit ist immer reif, es fragt sich nur, wofür.“
– Fran­çois Mau­riac

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXXI: Wahl­kämp­fe­ri­sche Idea­le

Es ist Wahl­kampf, und es soll­te nie­man­den mehr über­ra­schen, wenn die Kanz­le­rin das aus der Zei­tung erfah­ren hat. Dass in einem sol­chen Wahl­kampf das poli­ti­sche Mit­ein­an­der der Par­tei­en in eher rau­em Ton­fall vor sich geht, ist wenig erstaun­lich. Erstaun­lich hin­ge­gen ist die Wie­der­ent­deckung von längst ver­ges­sen geglaub­ten Idea­len, die gera­de offen­bar fast jede Par­tei betrifft.

Sogar die CDU/CSU, die sonst christ­li­che Wer­te hoch­hält und sich in der Dis­kus­si­on um den Miss­brauch katho­li­scher Schutz­be­foh­le­ner wohl­weis­lich zurück­ge­hal­ten hat, hat plötz­lich bemerkt, dass Pädo­phi­lie bei den Grü­nen nicht mehr so ganz dem Zeit­geist ent­spricht. Das Maß sei voll.

Eri­ka Stein­bach, Schmal­hans des Tages am 2. Febru­ar 2012, hat auch schon die Schul­di­gen aus­ge­macht und for­dert – ein jeder stel­le sich jetzt bit­te Eri­ka Stein­bach auf einer Apfel­si­nen­ki­ste vor – den Rück­tritt zwei­er Grü­ner. Für die NZZ kon­sta­tiert Ulrich Schmid tref­fend:

Man hät­te sich sol­che Rigo­ro­si­tät gewünscht, als es um die Miss­brauchs­fäl­le in der katho­li­schen Kir­che ging.

Aber es ist Wahl­kampf, da sind die Par­tei­en befüllt mit Leu­ten mit einem kla­ren Ziel vor Augen und über­spru­delnd vor Ideen.

Und mit Eri­ka Stein­bach. Scha­de drum.

Nerdkrams
War­um ich auch unter Android auf kom­mer­zi­el­le Soft­ware set­ze

Dass ich ein Freund des mobi­len Betriebs­sy­stems Android bin, habe ich ja gele­gent­lich schon erwähnt. Ich tei­le aller­dings die Auf­fas­sung nicht, dass es nur des­halb bes­ser als ande­re mobi­le Syste­me ist, weil es frei ist. Zwar set­ze ich auf mei­nem Sam­sung-Smart­phone anstel­le der teil­pro­prie­tä­ren Sam­sung-Android-Dis­tri­bu­ti­on eine freie Ver­si­on (zur­zeit eine von „tema­sek“ modi­fi­zier­te Ver­si­on der auf den unver­än­der­ten Quell­codes des Andro­id­sy­stems basie­ren­den Cya­no­gen­Mod-Dis­tri­bu­ti­on) ein, jedoch möch­te ich die­se Gele­gen­heit nut­zen, um für kom­mer­zi­el­le apps eine Lan­ze zu bre­chen.

Dass eigent­lich alle rele­van­ten apps unter Android frei sind, mag stim­men – ent­schei­dend ist aber die Qua­li­tät. Ich habe sehr lan­ge ver­sucht, den Kauf von apps zu ver­mei­den; es hat nicht funk­tio­niert.

Dies lag nicht unbe­dingt dar­in begrün­det, dass ich mit den kosten­lo­sen Metho­den, das glei­che Ziel zu errei­chen, unzu­frie­den war – es gab schlicht oft kei­ne kosten­lo­se Lösung. Ein anschau­li­ches Bei­spiel ist etwa das kosten­pflich­ti­ge Tita­ni­um Back­up, das die ein­zi­ge mir bekann­te aktiv gepfleg­te app ist, mit­hil­fe derer man indi­vi­du­el­le apps (und etwa Spiel­stän­de) auto­ma­tisch sichern und nach einer Neu­in­stal­la­ti­on wie­der­her­stel­len kann.

Zwei­fels­oh­ne ist Tita­ni­um Back­up hier aller­dings eine (will­kom­me­ne) Aus­nah­me. Im Lau­fe der letz­ten Jah­re habe ich nur zwei­mal den Wech­sel von einer Bezahl- zu einer Gra­tis-app voll­zo­gen, als mein bevor­zug­ter Anwen­dungs­star­ter Laun­cher Pro und mein frü­he­rer RSS-Leser News­Rob Pro (inzwi­schen aus dem Play Store zurück­ge­zo­gen) nicht mehr wei­ter­ent­wickelt wur­den; in allen ande­ren Fäl­len ver­fuhr ich anders­her­um: Statt Dro­pSync ver­wen­de ich mitt­ler­wei­le Clou­dii zum Abgleich mei­ner Drop­box, anstel­le des Datei­ma­na­gers ES Datei Explo­rer kommt der Solid Explo­rer zum Ein­satz, zum Twit­tern nut­ze ich Fal­con Pro statt Twic­ca. Auch Halo, eine Art ver­bes­ser­tes Benach­rich­ti­gungs­sy­stem, ist, obwohl Teil des von mir benutz­ten Betriebs­sy­stems, mei­ner­seits schon nach dem ersten kur­zen (und ent­täu­schen­den) Test durch die (mei­nes Erach­tens) weit prak­ti­sche­ren Floa­ting Noti­fi­ca­ti­ons ersetzt wor­den.

(Ich möch­te an die­ser Stel­le übri­gens aus­drück­lich die app feed­ly posi­tiv her­vor­he­ben, die seit dem Ende des Goog­le Rea­ders wohl Markt­füh­rer in der Spar­te der RSS-Leser ist und trotz groß­ar­ti­ger, wenn auch unge­wöhn­li­cher und wohl ein­ma­li­ger Bedie­nung bis heu­te kosten­frei ist. Es steht zu befürch­ten, dass die Ent­wick­ler in abseh­ba­rer Zeit ein Geschäfts­mo­dell benö­ti­gen, um ihre Kosten zu decken – bis dahin sei feed­ly ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel für kosten­lo­se apps, bei denen es sich zu blei­ben lohnt.)

Gele­gent­lich wer­den apps im Lau­fe ihrer Ent­wick­lung auch schlech­ter. Der ES Datei Explo­rer etwa hat mit jeder neu­en Ver­si­on an Kom­ple­xi­tät, aber nicht an Nut­zen gewon­nen, eben­so mein einst bevor­zug­ter Musik­spie­ler Mix­Zing, der von tut, was er soll zu hat bun­te Fen­ster und stürzt stän­dig ab wei­ter­ent­wickelt wur­de. Ich möch­te das nicht. (Das ist aller­dings ein Vor­teil von kosten­lo­sen apps: Wenn die irgend­wann ver­hunzt sind, tut ein Wech­sel nicht so weh.)

Zwar habe ich eini­ge der genann­ten unfrei­en Anwen­dun­gen bereits ein­ge­setzt, als sie noch in der kosten­lo­sen Beta­pha­se waren, aber Tra­di­ti­on ver­pflich­tet mich nicht. Ich bin aus einem ganz ande­ren Grund auch nach ihrer Fer­tig­stel­lung bei ihnen geblie­ben: Ich kann­te kei­ne bedien­freund­li­che­re und gleich­zei­tig funk­ti­ons­rei­che­re Gra­tis-app für den glei­chen Zweck. Ein Smart­phone ist für mich ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Zer­streu­ungs­ge­rät, aber kein Spiel­zeug. Mit einem Datei­ma­na­ger möch­te ich Datei­en ver­wal­ten und mich nicht stän­dig mit irgend­wel­chen Wer­be­po­pups der Art „hey, da du gera­de am Datei­en ver­wal­ten bist, wie wär’s mit ein paar bun­ten Bil­dern?“ her­um­schla­gen, wie sie im ES Datei Explo­rer qua­si stän­dig auf­tau­chen. Zum Syn­chro­ni­sie­ren von Datei­en in irgend­ei­ner cloud hät­te ich gern einen Dienst, der im Hin­ter­grund still sei­ne Arbeit ver­rich­tet (wie Clou­dii), und kei­nen, der stän­dig dar­auf hin­weist, dass es eine Bezahl­va­ri­an­te von ihm gibt, die viel kann, was ich über­haupt nicht brau­che. Twit­ter indes ist mein Abla­ge­platz für aller­lei kur­ze Wit­ze und Gedan­ken zum Welt­ge­sche­hen, die für die­se Web­site zu wenig umfas­send wären, da möch­te ich ein­fach bequem mei­ne time­line im Blick haben; und da ich das häu­fi­ger tu‘, soll­te die app oben­drein ansehn­lich sein. (Wer einen noch ele­gan­te­ren Twit­ter­cli­ent als Fal­con Pro kennt, der möge jetzt spre­chen oder für immer schwei­gen.)

Es geht mir also nicht unbe­dingt dar­um, dass die apps, für die ich Geld aus­ge­be, beson­ders funk­ti­ons­reich sind; sie soll­ten nur genau das tun, was ich brau­che. Das ist mal mehr und mal weni­ger. (So ein Anwen­der will ja nicht sein Leben lang immer die glei­che Auf­ga­be aus­füh­ren.) Offen­bar ist es Ent­wick­lern frei­er Anwen­dun­gen nicht mög­lich, den power­user im Blick zu behal­ten: Der in Cya­no­gen­Mod inte­grier­te Datei­ma­na­ger ist zwar zwei­fels­oh­ne (kosten­los und) gut, aber funk­tio­nal doch reich­lich schwach.

Aber wor­an liegt es, dass kom­mer­zi­el­le apps oft bes­ser sind als freie Lösun­gen? Hier kommt iro­ni­scher­wei­se der Gemein­schafts­sinn ins Spiel, das Bedürf­nis, einem Öko­sy­stem, von dem man selbst pro­fi­tiert, auch etwas zurück­zu­ge­ben. (Das ist unter iOS und Win­dows Pho­ne wahr­schein­lich auch nicht anders, dort sind nur die Hür­den höher gesetzt.) Es geht Ent­wick­lern von bei­na­he spen­den­fi­nan­zier­ten Pro­gram­men nicht um weni­ge Anwen­der, die dafür pro Per­son viel Geld bezah­len, son­dern dar­um, mög­lichst gute Soft­ware zu schrei­ben – die zwei Euro für eine gute app sind da nur ein Anreiz, die­se mög­lichst lan­ge aktiv zu pfle­gen.

Der Erfolg gibt ihnen Recht.

PolitikWirtschaft
„Wäh­len Sie mich! Wäh­len Sie den Markt! >:(„

Erin­nert sich noch jemand an die F.D.P., die Par­tei des Mark­tes, der Groß­spen­den und des Kapi­tals, die stets den Markt gegen die Bür­ger zu ver­tei­di­gen wuss­te und sich im März 2010 gegen eine Son­der­ab­ga­be für Ban­ken aus­ge­spro­chen hat­te, denn es sei nicht schlüs­sig, Insti­tu­te, die vom Steu­er­zah­ler durch die Kri­se getra­gen wur­den, dafür auch noch zu bestra­fen; und die Par­tei, die als her­aus­ra­gen­de Qua­li­tät angibt, ihre Far­be sei hel­ler als schwarz?

Die­se F.D.P. wür­de gern im Sep­tem­ber gewählt wer­den. Wo es aber 2012 noch zu einem Lächeln im Anzug gereicht hat, wur­de erste­res nun ein­ge­spart. Wis­sen­schon, die Kri­se. Und womit ködert man ent­täusch­te Wäh­ler die­ser Tage? Rich­tig: Mit mehr Markt!

FDP - Mehr Markt

Und wer wür­de die­sem Blick schon miss­trau­en?

Sonstiges
Erste Hil­fe für die Lach­mus­keln

Aus Ver­se­hen hat­te ich heu­te früh die Gele­gen­heit, eine von Dr. Doris Wolf und Dr. Rolf Merk­le ver­fass­te Bro­schü­re zum The­ma „see­li­sches Unwohl­sein“ zu lesen. Sie war sehr wirk­sam.

Schon das Titel­blatt ist sehr, nun, spre­chend:

Erste Hilfe für die Seele

Auf dem Bild zu sehen ist eine Tul­pe. Tul­pen kennt man von Grä­bern und Todes­an­zei­gen. Sym­bol für Schön­heit und Lie­be (je dunk­ler, um so tie­fer) sowie für Ver­gäng­lich­keit. Eine nicht son­der­lich dunk­le Tul­pe eig­net sich also her­vor­ra­gend, um Hoff­nung zu sym­bo­li­sie­ren, wenn man unge­fähr mei­nen Humor hat.

Die Bro­schü­re macht kei­nen gro­ßen Hehl dar­aus, mehr Wer­be­ka­ta­log als Rat­ge­ber zu sein. Unter jedem der Abschnit­te ist eine Buch­emp­feh­lung (manch­mal auch derer zwei) zu fin­den, die bei­den Autoren schei­nen eine Men­ge geschrie­ben zu haben. Frau Wolf zum Bei­spiel hat unter ande­rem das Buch „Einen gelieb­ten Men­schen ver­lie­ren“ geschrie­ben, das aller­dings nicht als Anlei­tung zu sol­chem Tun, son­dern als Unter­stüt­zung bei der Trau­er­be­wäl­ti­gung gedacht ist. Scha­de. Immer­hin ste­hen die Preis­an­ga­ben immer dabei:

Buchtipp für die Seele

Der Inhalt der Bro­schü­re nimmt, wenn er nicht gera­de Bücher bewirbt, auf jedes der The­men vom Titel­blatt Bezug. Dass Depres­sio­nen, Krän­kun­gen und Über­ge­wicht kei­ne sepa­ra­ten Lei­dens­ar­ten sind, son­dern oft­mals ein­an­der direkt bedin­gen, sei hier mal bei­sei­te gelas­sen; die bei­den Dok­to­ren wer­den schon wis­sen, war­um sie an den Sym­pto­men rum­dok­tern wol­len, statt sich auf die Ursa­che zu kon­zen­trie­ren. Sie tra­gen ihren Dok­tor­ti­tel sicher­lich nicht umsonst.

Dabei rich­ten sich die Autoren aus­drück­lich an ein recht nai­ves Publi­kum. Im Kapi­tel „Wenn der Part­ner geht …“, das Tren­nun­gen the­ma­ti­siert, heißt es etwa:

Traum­hoch­zeit und danach immer wäh­ren­de Lie­be, Ver­ständ­nis und Glück­lich­sein, so stel­len sich die mei­sten von uns ihre Part­ner­schaft vor.

Wenn „die mei­sten von uns“ BRAVO lesen­de Teens sind, mag das zutref­fen. Inter­es­sant ist aber auch die Rei­hen­fol­ge: Traum­hoch­zeit, dann Ver­ständ­nis und Glück­lich­sein. Ich dach­te bis­lang, die Rei­hen­fol­ge sei umge­kehrt. Das also war immer mein Feh­ler!

Die Nai­vi­tät, von der die Autoren offen­bar aus­ge­hen, zieht sich wie ein roter Faden durch sämt­li­che Kapi­tel. Im Kapi­tel zur Bekämp­fung von Über­ge­wicht, in dem Men­schen mit Über­ge­wicht als Ant­ago­ni­sten der „Natür­lich-Schlan­ken“ (sic!) dar­ge­stellt wer­den, schrei­ben sie dies:

Natür­lich-Schlan­ke essen nur, wenn sie wirk­lich hung­rig sind; sie essen nicht, wenn sie trau­rig, wütend, ein­sam oder ängst­lich sind.

Das klingt einer­seits nach Klas­sen­re­geln („wir spre­chen nur, wenn der Leh­rer uns etwas fragt“), ande­rer­seits nach Unsinn (wie auch vie­le Klas­sen­re­geln). Natür­lich-Schlan­ke essen, wann immer ihnen danach ist, und schlank blei­ben sie trotz­dem. Inwie­fern das Über­ge­wich­ti­gen hel­fen soll, weiß ich nicht – die sind ja nor­ma­ler­wei­se nicht natür­lich schlank.

Auch:

Natür­lich-Schlan­ke been­den das Essen, wenn sie nicht mehr hung­rig sind; sie essen nicht wei­ter, nur weil noch etwas auf dem Tel­ler liegt, nur weil es so gut schmeckt, weil sie ab mor­gen Diät machen oder weil sie in net­ter Gesell­schaft sind.

Natür­lich-Schlan­ke haben kein Beneh­men. Nun gut, das ist eine umstrit­te­ne Tisch­re­gel; anders: Natür­lich-Schlan­ke been­den das Essen, wenn ihnen danach ist, weil sie eben kein Maß hal­ten müs­sen. Das ist der Unter­schied zwi­schen Natür­lich-Schlan­ken und ande­ren Schlan­ken. Bit­te, gern gesche­hen. – Aber geht es nach den Autoren, sind Natür­lich-Schlan­ke kom­plett ande­re Men­schen, und man kann sich bei Bedarf dazu ent­schei­den, [deren] Leben zu leben“. Amü­san­te Gesprä­che bei Klas­sen­tref­fen bie­ten sich an: „Und wie lebst du heu­te so?“ – „Och, wie ein Natür­lich-Schlan­ker!“

Wei­ter im Text bezie­hungs­wei­se in der Bro­schü­re, denn Depres­sio­nen gibt’s dort auch:

Haben Sie Geduld mit sich. Der Tag wird kom­men, an dem Sie wie­der Freu­de emp­fin­den kön­nen.

Mor­gen wird’s dir bes­ser gehen, jetzt hör‘ auf zu jam­mern. Supi! Tat­säch­lich gibt es dazu immer­hin eine Erläu­te­rung (und einen Buch­tipp). Damit das auf­grund der Depres­sio­nen gesun­ke­ne Selbst­wert­ge­fühl wie­der ver­bes­sert wird, geben die Autoren immer­hin nütz­li­che Tipps:

Füh­ren Sie ein Plus­punk­te-Buch, in dem Sie notie­ren, was ande­re Ihnen Schö­nes und Net­tes sagen. Fin­den Sie außer­dem jeden Tag etwas, das Sie an sich lobens­wert und posi­tiv fin­den, und schrei­ben Sie es auf.

Wenn man zum Bei­spiel auf einem Par­tei­tag ist, also durch­aus auch mal einen knap­pen Tag lang in einem Saal mit vie­len ande­ren Men­schen sitzt und kaum Gele­gen­heit hat, zwi­schen­drin nach Hau­se zu fah­ren, muss man die­ses Plus­punk­te-Buch wahr­schein­lich in der teil­wei­sen Öffent­lich­keit befül­len. „Oh, hal­lo, ich freue mich, dich zu sehen!“ – „Einen Moment bit­te… wo habe ich nur mei­nen Stift gelas­sen?“

Eins der bei­den eige­nen Bücher, die Rolf Merk­le zu die­sem The­ma emp­fiehlt, heißt „Lass Dir nicht alles gefal­len“. Viel­leicht steht in die­sem Buch auch drin, wie man mit Leu­ten ver­fährt, die so eine bescheu­er­te Bro­schü­re Hil­fe suchen­den Men­schen als Rat­ge­ber andre­hen wol­len.

„Alles wird gut.“
– Nina Ruge

Nerdkrams
Schö­ner sichern unter Win­dows (Teil 2): Alter­na­ti­ven zu rsync

Vor etwa drei Jah­ren hat­te ich beschrie­ben, wie man mit cwR­sync unter Win­dows sei­ne wich­ti­gen Datei­en (*) effi­zi­ent sichern kann. Mit Bedau­ern stell­te ich nun gestern fest, dass cwR­sync offen­bar peu a peu in eine kom­mer­zi­el­le Lösung umge­wan­delt wird. Ärger­lich, aber ver­ständ­lich. Sicher­heits­hal­ber begab ich mich auf die Suche nach Alter­na­ti­ven.

Für mei­ne Zwecke benö­ti­ge ich eigent­lich nur zwei von rsyn­cs Funk­tio­nen, näm­lich die Spie­ge­lung (Ver­zeich­nis 2 wird zu einer exak­ten Kopie von Ver­zeich­nis 1) und inkre­men­tel­le Siche­run­gen (nur Ände­run­gen wer­den über­tra­gen, was ins­be­son­de­re bei gro­ßen Daten­men­gen ganz nett ist). Eine der mög­li­chen Alter­na­ti­ven zu cwR­sync, die bei­des bie­ten, ist platt­form­un­ab­hän­gig, quell­of­fen und blö­der­wei­se in Java ent­wickelt wor­den. Mit die­ser Lösung fan­ge ich direkt an.

Sie heißt Are­ca Back­up und sieht kom­ple­xer aus als sie eigent­lich ist (hüb­sche Bil­der gibt es auf der Web­site). Are­ca (ich kürz‘ das jetzt mal ab) arbei­tet wie die mei­sten Ent­wick­lungs-IDEs auf Arbeits­be­reichs­ba­sis, ein Siche­rungs­vor­gang kann also selbst gespei­chert und immer wie­der abge­ru­fen wer­den, so dass die Siche­rung nur ein ein­zi­ges Mal vor­be­rei­tet wer­den muss und ein­fach mit­ge­si­chert wer­den kann.

(In fol­gen­den Bei­spie­len möch­te ich den Ord­ner „Neu­er Ord­ner“ mit Aus­nah­me aller Datei­en, die auf *.tmp enden, auf dem Desk­top auf die exter­ne Fest­plat­te G:\Test\ sichern. Zeit­stem­pel müs­sen nicht über­nom­men wer­den. Der Ord­ner G:\Test\ soll­te dabei bereits exi­stie­ren, sonst ver­wirrt Are­ca mit wenig aus­sa­ge­kräf­ti­gen Feh­ler­po­pups.)

Beim Start ist ein Stan­dard­ar­beits­be­reich (zum Bei­spiel .areca/workspace im Benut­zer­ver­zeich­nis) vor­ein­ge­stellt, ändern lässt sich die­ser im Menü „Arbeits­be­reich / Arbeits­be­reich öff­nen …“. Da noch nicht klar ist, ob wir viel­leicht spä­ter mal wei­te­re Din­ge sichern möch­ten, kön­nen wir Siche­run­gen auch grup­pie­ren. Dazu ist zuerst eine neue Grup­pe („Bear­bei­ten / Neue Grup­pe …“) zu erzeu­gen, die zum Bei­spiel „Siche­rungs­kram“ genannt wer­den kann.

Dann geht’s an die Siche­run­gen selbst. Per „Bear­bei­ten / Neu­es Ziel …“ (etwas miss­ver­ständ­lich über­setzt, bes­ser wäre viel­leicht „Neue Siche­rung“) kann eine sol­che initia­li­siert wer­den. Dabei ist es unten im Dia­log mög­lich, die Art der Siche­rung aus­zu­wäh­len. „Del­ta“ ist die inkre­men­tel­le Siche­rung, die nur geän­der­te Tei­le spei­chert – aller­dings in ein jeweils neu­es Archiv mit ein­stell­ba­rem Namen (Stan­dard ist das aktu­el­le Datum im For­mat Jahr-Monat-Tag). Es ist, anders als bei rsync, also nicht mög­lich, einen ein­zi­gen Back­u­p­ord­ner ohne tag­ba­sier­te Unter­ord­ner (man möch­te viel­leicht immer nur die aktu­ell­ste Ver­si­on auf­be­wah­ren) inkre­men­tell zu pfle­gen, nur eine nicht inkre­men­tel­le Vari­an­te („Image“) ist ver­füg­bar. Das ist etwas scha­de.

Areca - Ziel bearbeiten

Unter „Quel­len“ kann nun aus­ge­wählt wer­den, was gesi­chert wer­den soll. Dort kann der „neue Ord­ner“, den wir sichern wol­len, ein­fach hin­zu­ge­fügt wer­den – ein Her­um­spie­len mit Optio­nen ist nicht not­wen­dig. Inter­es­sant ist auch der „Filter“-Dialog: Dort kön­nen bestimm­te Unter­ord­ner, Datei­en und Datei­ty­pen – etwa unser *.tmp – von der Siche­rung in die­sen Ord­ner aus­ge­nom­men wer­den. Are­ca unter­stützt auch Ver­schlüs­se­lung und Kom­pres­si­on der Daten­si­che­run­gen. Klickt ein­fach mal in die­sem Dia­log her­um.

Wenn alles fer­tig ist, erscheint die Siche­rung im „Baum“ im Are­ca-Fen­ster:

Areca-Baum

Per Rechts­klick kann die Siche­rung nun simu­liert wer­den. Wenn alles zur eige­nen Zufrie­den­heit geklappt hat, steht der eigent­li­chen Siche­rung (eben­dort) nichts mehr im Weg.

Ach so, Are­ca bringt auch eine Kom­man­do­zei­len­ver­si­on mit, die aber etwas umständ­lich zu bedie­nen ist. Ich per­sön­lich hal­te robo­co­py unter Win­dows (und rsync unter Linux und BSD) für bes­ser bedien­bar, zu robo­co­py kom­me ich wei­ter unten noch.

Die ande­ren bei­den Pro­gram­me näm­lich, die mir posi­tiv auf­ge­fal­len sind, sind zwar nicht quell­of­fen, für Win­dows­nut­zer aber schon des­we­gen inter­es­sant, weil sie mitt­ler­wei­le fester Bestand­teil des Systems sind:

1. Win­dows Back­up

Das gute, alte Win­dows-Back­up, damals noch trist und eher funk­ti­ons­schwach, hat sich inzwi­schen zu einem voll­wer­ti­gen Ersatz für Are­ca gemau­sert, beherrscht auch inkre­men­tel­le Siche­run­gen und eine voll­stän­di­ge Inte­gra­ti­on in den Win­dows-Auf­ga­ben­pla­ner, so dass man sich nicht mehr selbst dar­um küm­mern müss. Blöd: Die Ein­rich­tung ist etwas umständ­lich. Wer aber auf der Suche nach einem guten Siche­rungs­sy­stem unter Win­dows ist, der soll­te zumin­dest ein­mal über­prü­fen, ob Win­dows‘ eige­nes Back­up­sy­stem die Anfor­de­run­gen erfüllt; viel­leicht erspart das etwas Auf­wand.

2. robo­co­py

robo­co­py, ein däm­li­ches Wort­spiel mit „Robo­cop“ sowie einst Teil des „Resour­ce Kits“ (also einer Samm­lung von Admi­ni­stra­ti­ons­werk­zeu­gen für Win­dows), seit Win­dows Vista stan­dard­mä­ßig dabei, ist ein Kom­man­do­zei­len­werk­zeug, das dem einst emp­foh­le­nen xcopy32 eini­ges vor­aus hat. Um es zu ver­wen­den, benö­ti­gen wir zunächst mal eine Kom­man­do­zei­le (etwa cmd oder PyCmd). Dort lässt sich ein Über­blick über die viel­fäl­ti­gen Fähig­kei­ten von robo­co­py mit­tels robo­co­py /? erhal­ten:

robocopy-Parameter

Für unse­re Zwecke – die ein­sei­ti­ge inkre­men­tel­le Spie­ge­lung eines Ord­ners in einen ande­ren – benö­ti­gen wir folg­lich drei Para­me­ter:

  1. /MIR: Spie­gelt die Ver­zeich­nis­struk­tur, ent­fernt im Ori­gi­nal gelösch­te Datei­en im Ziel­ord­ner.
  2. /M: Kopiert nur Datei­en mit gesetz­tem Archiv­bit, setzt die­ses Bit nach dem Kopie­ren zurück.
    (Anstel­le der Opti­on /M kann auch /XO ver­wen­det wer­den, das Datei­en, die älter als die letz­te Siche­rung sind, über­springt. Dies ist aber zeit­stem­pel­ab­hän­gig – den dür­fen wir hier also nicht mit­ko­pie­ren. robo­co­py tut dies stan­dard­mä­ßig nicht.)
  3. /XF *.tmp: Über­springt alle Dateien/Unterordner, die auf *.tmp pas­sen.

Der voll­stän­di­ge Befehl, um unse­re gewünsch­te Siche­rung anzu­le­gen, lau­tet also: robo­co­py „C:\Users\hp\Desktop\Neuer Ord­ner“ G:\Test\ /MIR /M /XF *.tmp /L. Der Para­me­ter /L sorgt dafür, dass der Vor­gang zunächst nur simu­liert wird:

robocopy-Simulation

Wenn alles geklappt hat und robo­co­py kei­ne Feh­ler aus­gibt, kann /L weg­ge­las­sen wer­den. Um exakt den glei­chen Befehl spä­ter wie­der­ho­len zu kön­nen, kann übri­gens auch robo­co­py Auf­trä­ge spei­chern: Der Para­me­ter /SAVE:Sicherung spei­chert den Bei­spiel­fall, spä­ter genügt die Ein­ga­be von robo­co­py /JOB:Sicherung zum erneu­ten Abruf.

Beson­ders nütz­lich wird robo­co­py, wenn man es in einer Batch­da­tei, also in Ver­bin­dung mit ande­ren Befeh­len oder als Samm­lung von robo­co­py-Abläu­fen, benutzt. Das The­ma Batch­pro­gram­mie­rung wür­de hier jedoch den Rah­men spren­gen, ich ver­wei­se daher hier­für auf Wiki­books.

Gibt es Ergän­zun­gen, viel­leicht gar Aler­na­ti­ven zu cwR­sync, die wei­ter­hin unkom­mer­zi­ell wei­ter­ent­wickelt wer­den? In den Kom­men­ta­ren sind sie gern gese­hen!


*: zum Bei­spiel Por­nos.

SonstigesNetzfundstücke
Gesell­schafts­pro­gno­sen anhand von Sprach­ana­ly­se und war­um sie Blöd­sinn sind

Unter dem Titel „Das Ego in der Spra­che“ reflek­tier­te Susan­ne Flach (die trotz des sprach­kri­ti­schen Umfelds, in dem sie publi­ziert, dem Binnen‑I ver­fal­len ist) gestern eine Stu­die, aus der her­vor­geht, dass seit dem 19. Jahr­hun­dert Ver­ben für indi­vi­du­el­len Besitz zuse­hends mehr Ver­ben für gemein­schaft­li­ches Tei­len ver­drängt haben.

Aus die­ser Stu­die geht unter ande­rem ein Anstieg des Wor­tes „choo­se“ („wäh­len“) und ein Abfall des Wor­tes „obli­ged“ („ver­pflich­tend“) in auf Goog­le Books ver­füg­ba­ren Büchern her­vor. Hm, tja, nun – dass Par­ti­zi­pi­en weni­ger ver­brei­tet sind als For­men, die zugleich Infi­ni­tiv, Impe­ra­tiv und sonst­wie flek­tier­tes Verb sein kön­nen, ist nun nichts, für des­sen Ver­ständ­nis ich eine Stu­die bräuch­te. Dass eine von Frau Flach dahin­ge­hend ange­pass­te Ver­gleichs­su­che (die unter ande­rem auch „cho­sen“ und „obli­ge“ mit­ein­an­der ver­gleicht) zu einem immer­hin ähn­li­chen Ergeb­nis kommt, ist zumin­dest eine Anmer­kung wert. (Ob auf Goog­le Books nur eng­lisch­spra­chi­ge Bücher zu fin­den sind, weiß ich nicht. Das Wort „obli­ge“ ist nicht nur im Eng­li­schen hei­misch, jeder Ver­gleich wäre anson­sten also ver­zerrt.)

Dass man aus einer so beleg­ten Stu­die kei­ne Schlüs­se zie­hen soll­te, ist immer­hin wahr, Frau Flach belegt dies anhand von „share“ (deut­li­cher Anstieg) und „sel­fi­sh“ (nicht). „Moment, share?“ Genau: Im Zeit­al­ter der tota­len Ver­net­zung erhält das sha­ring natür­lich auch in Büchern mehr Aner­ken­nung, seit Mit­te der 1970er Jah­re (die Geschich­te von TCP/IP und die von UNIX bit­te ich aus­nahms­wei­se selbst nach­zu­schla­gen, obwohl’s das OSBN viel­leicht freu­en wür­de) steigt sei­ne Ver­wen­dung auf­fal­lend schnell an. Viel­leicht wäre ein Ver­gleich von „share“ und „lock“/„hide“ hier der klü­ge­re gewe­sen.

Susan­ne Flach zieht zwar die rich­ti­gen Schlüs­se (dass Häu­fig­keits­ver­glei­che von unge­fäh­ren Wort­paa­ren eben Kee­se Käse sind), ver­säumt aber lei­der eine Gegen­ana­ly­se auf gesell­schaft­li­cher Basis anzu­fer­ti­gen. Nun, das ist viel­leicht auch kein für ein Sprach­blog geeig­ne­ter Inhalt. Ich ver­su­che es mal selbst:

Der Mensch ist ein Ego­ist. Das ist aus­nahms­wei­se kein Vor­wurf, son­dern evo­lu­tio­när bedingt: Der gern geben­de Mensch hät­te sich – sur­vi­val of the fit­test – nicht gegen die ande­ren Arten durch­set­zen kön­nen, statt­des­sen war er stets dar­auf bedacht, die eige­ne Art zu eta­blie­ren. Das hat sich bis heu­te kaum geän­dert, obwohl’s die Höf­lich­keit gebie­ten mag, dies vor­der­grün­dig in den Hin­ter­grund (ha!) zu stel­len. Zwar weiß wohl jeder den­ken­de Mensch, dass der lächeln­de Gegen­über eben­so Ver­ach­tung zu emp­fin­den ver­mag wie er selbst, jedoch ist gesell­schaft­lich erwünsch­tes Lügen (im Gegen­satz zum uner­wünsch­ten Lügen – das über­nimmt die Bun­des­re­gie­rung) unver­min­dert en vogue.

Die­se Lügen begin­nen im Klei­nen: Wünscht ihr Frem­den auf der Stra­ße einen guten Mor­gen, weil man das eben so macht? Wünscht ihr euren Nach­barn ein fro­hes Fest, obwohl ihr wisst, dass er wie wohl die mei­sten Men­schen christ­li­che Fei­er­ta­ge nur kon­su­mie­rend, nicht aber fei­ernd ver­bringt? Dann meint ihr eure Wün­sche nicht ehr­lich und auf­rich­tig – ihr lügt mit dem blo­ßen Ziel, eure gesell­schaft­li­che Stel­lung hoch­zu­hal­ten. Sur­vi­val of the fit­test. Dass das Indi­vi­du­um sich also gesell­schaft­li­chen Nor­men unter­wirft, geschieht nur zu dem Zweck, sei­ne eige­nen Pfrün­de zu wah­ren. Anders gesagt: Das gesell­schaft­li­che Mit­ein­an­der wird allein aus ego­isti­schen Moti­ven geför­dert, hier han­delt es sich also nicht um Gegen­sät­ze, son­dern um zwei Tei­le eines Gesamt­kon­zepts. Genau so funk­tio­niert übri­gens das mit dem sha­ring in „sozia­len Netz­wer­ken“: Ich tei­le Inhal­te mit ande­ren, um wie­der­um ande­re dafür zu inter­es­sie­ren, was ich schrei­be.

Das Kon­zept ist ein­leuch­tend: Per­son x teilt lesens­wer­te Inhal­te, das macht Per­son x zwecks Ver­net­zung beacht­lich, nicht aber die­je­ni­gen, die Urhe­ber der geteil­ten Inhal­te sind. Ein Ret­weet auf Twit­ter hat ähn­li­che Aus­wir­kun­gen: Es wer­den immer auch der ursprüng­li­che Schrei­ber sowie des­sen Ver­fol­ger auf den eige­nen Twit­ter­ac­count auf­merk­sam gemacht. „Per­son x hat mei­nen Tweet wei­ter­ge­sagt – hm, Per­son x ken­ne ich noch nicht, schaue ich mir mal an“. Der Mensch ist ein ego­isti­sches Her­den­tier. Das Kon­zept funk­tio­niert oben­drein nicht nur im Inter­net, son­dern lässt sich auf eigent­lich jedes sozia­le Kon­strukt aus­wei­ten. Inso­fern hat der Anstieg des Wor­tes share einen amü­san­ten Bei­geschmack: Sha­ring als gesell­schaft­lich erwünsch­te Form des Ego­is­mus ist Mode gewor­den.

Und wäh­rend „ihr“ selbst­ver­ständ­lich klein bleibt, wird das „Ich“ in der eng­li­schen Spra­che bis heu­te groß geschrie­ben. Was sagt das eigent­lich über die anglog­lot­te Gesell­schaft aus?

Montagsmusik
Moe Tucker – Too Shy

Die Nut­zung von Face­book ist in Deutsch­land momen­tan ab einem Alter von 13 Jah­ren erlaubt, in ande­ren Län­dern ist das womög­lich etwas restrik­ti­ver. Das sozia­le Netz­werk, das einst von Stu­den­ten für Stu­den­ten ent­wickelt wur­de, ist offen­bar mit sei­ner Kli­en­tel gewach­sen – nicht ein­mal zehn Jah­re nach Grün­dung des Dien­stes las­sen mich sol­che Mel­dun­gen den Glau­ben an die Mensch­heit zum Teil zurück­ge­win­nen: „Ich bin 13, und auf Face­book ist nur mei­ne Oma“. Sogar MySpace hat einen weni­ger lau­si­gen Ruf.

Pas­send dazu etwas fröh­li­che Rock­mu­sik zum Wochen­an­fang:

Moe Tucker Fea­turing Ster­ling Mor­ri­son, Son­ny Vin­cent, Vic­tor Delo­ren­zo, John Slug­gett

Guten Mor­gen!

Netzfundstücke
Schach­pa­tri­ar­chat

Fra­ge: Wel­che Sport­art wür­det ihr am wenig­sten mit dem ollen „Mäd­chen gegen Jungs“-Prinzip in Ver­bin­dung brin­gen?

  1. Fuß­ball
  2. Leicht­ath­le­tik
  3. Schach

Tja – falsch gera­ten:

möch­te gern zuerst mal mit mäd­chen spie­len habe kei­ne lust für die gro­ssen tie­re hier als punk­te­fut­ter zu die­nen

„Das darf doch alles gar nicht wahr sein!“
– Edmund Enta­cher, ande­res The­ma

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXX: „Mör­der begrü­ßen Todes­stra­fe“

Nach­dem PRISM eini­gen Bür­gern klar gemacht hat, dass sorg­lo­se Kom­mu­ni­ka­ti­on kei­ne gute Idee ist, kom­men sie wie­der aus ihren Löchern, die DE-Mails und Netz­po­li­ti­ker die­ses Lan­des: Ver­schlüs­sel­te Ver­bin­dun­gen wer­den als „E‑Mail Made in Ger­ma­ny“ ange­prie­sen. Für einen brauch­ba­ren Mar­ken­na­men reicht’s eben nicht, und was eng­lisch klingt, ist beliebt. Nun gut, das tut „PRISM“ auch, aber von so was las­sen sich Wer­be­trei­ben­de ja nicht auf­hal­ten.

Dass das Pro­blem bei PRISM nicht die unver­schlüs­sel­te Ver­bin­dung zwi­schen Mail­pro­gramm und Mail­ser­ver ist, son­dern der Mail­ser­ver selbst, ist da auch nur bedingt von Belang. Schlan­gen­öl ver­kauft sich gut, Viren­scan­ner fin­den ja auch rei­ßen­den Absatz.

Ein beson­ders put­zi­ges Bon­mot ist aber die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­tei­lung der CDU/CSU:

´Weder Pri­vat- noch Wirt­schafts­ge­heim­nis­se sind hier­zu­lan­de schutz­los.

Ich bedan­ke mich hier­für übri­gens aus­drück­lich bei den Par­tei­en SPD und Die Grü­nen, die damals unter Frank-Wal­ter Stein­mei­er das ent­spre­chen­de Abkom­men mit den USA geschlos­sen hat­ten, und bei CDU/CSU und F.D.P., die als Bun­des­re­gie­rung geschlos­sen hin­ter der Über­wa­chung ste­hen; ist ja nur zu unse­rem Besten.

Daten gehö­ren in siche­re Rechen­zen­tren in Deutsch­land, Pro­vi­der müs­sen ihren Nut­zern prak­ti­ka­ble Ver­schlüs­se­lungs­mög­lich­kei­ten anbie­ten und E‑Mails müs­sen mit Sicher­heits­stan­dards gekenn­zeich­net wer­den.

Rich­tig ist: Daten gehö­ren in siche­re Rechen­zen­tren, die Geheim­dien­sten kei­nen Zugriff gewäh­ren, Mail­ver­kehr wird nicht dadurch ver­schlüs­selt, dass man die Ver­bin­dung zum Ser­ver chif­friert, und was CDU/CSU unter Sicher­heits­stan­dards ver­ste­hen, kann ich nur raten – viel­leicht ein TÜV-Sie­gel?

Wir haben gro­ßes Ver­trau­en in die IT-Sicher­heits-Kom­pe­tenz deut­scher Unter­neh­men. Deut­sche Stan­dards der Daten- und E‑Mail-Sicher­heit könn­ten zum Erfolgs­mo­dell wer­den.

Wenn die Bun­des­re­gie­rung zu Pro­to­koll gibt, sie habe in jeman­den gro­ßes Ver­trau­en, dann spricht das nor­ma­ler­wei­se nicht für ihn. Wenn wei­ter­hin nicht Ende-zu-Ende-ver­schlüs­sel­tes E‑Mailen ein deut­scher Stan­dard sein soll, habe ich jeden­falls ein ganz schlech­tes Gefühl bei der Sache.

Auch der Innen­mi­ni­ster, der unlängst vom Super­grund­recht Über­wacht­wer­den fasel­te, freut sich über die neue Sicher­heit:

Mit die­ser Ver­schlüs­se­lung wer­den die Zugriffs­mög­lich­kei­ten Unbe­rech­tig­ter wei­ter erschwert.

Und so’n Geheim­dienst ist ja kein Unbe­rech­tig­ter, son­dern ein Freund, nicht?

„Am deut­schen Wesen soll die Welt gene­sen.“
– Ema­nu­el Gei­bel, 19. Jahr­hun­dert

NerdkramsInternes
In eige­ner Sache: Ich und das OSBN

Gele­gent­lich – etwa im Sep­tem­ber 2010 – bemer­ke ich bei den gro­ßen Blogs einen gewis­sen Hang dazu, mit­ein­an­der einen eli­tä­ren (lies: geschlos­se­nen) Zir­kel zu bil­den, der sich gegen­sei­tig beweih­räu­chert und auf uns gewöhn­li­che Ins­in­ter­net­schrei­ber, die wir vor allem aus Jux denn aus Pro­fit­gier Tex­te publi­zie­ren und nicht auf irgend­wel­che blö­den Kon­fe­ren­zen fah­ren, um uns dort dafür, dass wir ins Inter­net rein­schrei­ben, beklat­schen zu las­sen, mit einer Mischung aus Arro­ganz und Mit­leid her­ab­blickt, wes­halb ich in der Regel davon abse­he, mei­ne Inter­net­prä­senz ein „Blog“ zu nen­nen und mich so als einen von ihnen begrei­fen zu las­sen.

Inso­fern hal­te ich das Open-Source-Blog-Netz­werk für beacht­lich, stellt es doch einen Gegen­ent­wurf zum eli­tä­ren Zir­kel dar, indem die ein­zi­ge Bedin­gung zur Teil­nah­me die ist, dass man gele­gent­lich auch mal das The­ma „freie Soft­ware“ näher beleuch­tet, ob Mozil­la oder Word­Press oder freie Betriebs­sy­ste­me. Man muss genau genom­men nicht mal Blog­ger sein.

Natür­lich ist die­ses Netz­werk reich gefüllt an Linux­blogs, BSD- oder Win­dows-Arti­kel sind eher sel­ten. Wer mei­ne bis­he­ri­gen Tex­te auf­merk­sam ver­folgt hat, der hat wahr­schein­lich bereits fest­ge­stellt, dass ich Linux gegen­über kei­ne Anti­pa­thie ent­wickelt habe, ihm aber zumin­dest wie jedem ande­ren System auch mit gesun­dem Miss­trau­en begeg­ne. In einem linux­freund­li­chen Blog­netz­werk ein Nicht-Blog mit Win­dows- und BSD-Affi­ni­tät (und aller­lei völ­lig ande­ren The­men) unter­zu­brin­gen schien mir, schel­misch, wie ich gele­gent­lich bin, eine amü­san­te Idee zu sein, der ich im Fol­gen­den nach­ging. Es kann ja nicht scha­den, der Homo­ge­ni­tät etwas Far­be bei­zu­mi­schen.

Wie dem auch sei: Gestern wur­de „Hirn­fick 2.0“ in das OSBN auf­ge­nom­men. Die Unter­wan­de­rung kann begin­nen. Ich freue mich dar­auf.

Nur, falls wer fragt.

Musik
Lied­zei­len­kri­tik (1): Die Ärz­te – Wil­de Welt

(Vor­be­mer­kung: Um den kul­tu­rel­len und klug­schei­ße­ri­schen Anspruch die­ser Web­site zu wah­ren, fan­ge ich aber­mals eine neue Arti­kel­se­rie an. In die­ser Serie wer­de ich exem­pla­risch qua­si will­kür­lich ein­zel­ne Zei­len aus mehr oder weni­ger bekann­ten Lie­dern inhalt­lich zer­pflücken. Ob es wei­te­re Tei­le geben wird, weiß ich noch nicht.)

Die Ärz­te sind wie etwa auch die Fan­ta­sti­schen Vier für ihre tief­sin­ni­gen, gele­gent­lich auch kind­lich-ver­spiel­ten („mein Geni­tal tut furcht­bar weh / immer dann, wenn ich pis­se“, Onpran­ge­ring) Rei­me bekannt. Nur sel­ten bege­hen sie ver­se­hent­lich einen logi­schen Faux­pas.

So heißt es etwa im Refrain von „Wil­de Welt“ auf dem Album „Das ist nicht die gan­ze Wahr­heit…“ (1988):

Ich hab‘ das Spie­le spie­len satt;
ich bin am Zug, ihr seid schach­matt.

Dies dürf­te das inhalt­lich schwäch­ste Zei­len­paar sein, das Bela B. je gesun­gen hat.

Zunächst ein­mal das Offen­sicht­li­che: „Ich hab‘ das Spie­le spie­len satt“. Kon­se­quent wäre es, das Spiel also zu been­den, statt­des­sen gibt Herr B. hoch­mü­tig bekannt, in dem Spiel, das er satt hat, nun­mehr am Zug zu sein.

Um wel­ches Spiel es sich han­delt, geht aus der zwei­ten Zei­le (der letz­ten im Refrain) her­vor, näm­lich anschei­nend um Schach. Beach­tens­wert ist hier­bei die Rei­hen­fol­ge, die durch die Beto­nung deut­lich wird: Das Schach­matt ist kei­ne Fol­ge des Umstands, dass der Ich-Erzäh­ler am Zug ist, son­dern sei­ne Vor­aus­set­zung. In den seit 2005 gül­ti­gen Schach­re­geln heißt es aber unter Arti­kel 5.1a:

Die Par­tie ist von dem Spie­ler gewon­nen, der den geg­ne­ri­schen König matt­ge­setzt hat. Damit ist die Par­tie sofort been­det, vor­aus­ge­setzt, dass der Zug, der die Matt­stel­lung her­bei­ge­führt hat, regel­ge­mäß war.

Wenn bereits ein Spie­ler regel­kon­form schach­matt gesetzt wur­de, ist nie­mand mehr am Zug. Eine Aus­nah­me stellt der Regel­bruch dar. Sofern aber ein sol­cher began­gen wur­de, ist eben­falls nie­mand mehr am Zug. Arti­kel 12.8 der Schach­re­geln näm­lich besagt:

Andau­ern­de Wei­ge­rung eines Spie­lers, sich an die Schach­re­geln zu hal­ten, wird mit Par­tie­ver­lust bestraft.

Bela B. hat also ent­we­der das Spiel per Stra­fe ver­lo­ren oder sein Gegen­spie­ler (in die­sem Fall „ihr“, also die Hörer des Lie­des, mit­hin sein Publi­kum) wur­de von ihm besiegt, was jeweils nicht unbe­dingt ein Grund zu prah­len ist.

Die bei­den Zei­len im Refrain soll­ten also wenig­stens so lau­ten:

Wir hab’n das Spiel zu End‘ gebracht,
ihr habt gewon­nen – gute Nacht!

Da ich im Übri­gen davon aus­ge­he, dass die­se Zei­len noch nie in einem Lied ver­wen­det wur­den, bleibt das Ver­wer­tungs­recht bis auf Wider­ruf bei mir. Heut­zu­ta­ge weiß man ja nie.