MusikPersönliches
Rezen­sen­ten­leid

Seit ich hier gele­gent­lich das mit der Musik­kri­tik mache, wer­den noch gele­gent­li­cher auch rezen­sier­te Musik­grup­pen auf mich auf­merk­sam und dre­hen mir bei Gefal­len ihre jeweils neue­sten Krea­tio­nen an. Dafür war ich bis­her ziem­lich dank­bar, denn der Kon­takt zu den Musi­kern war bis­lang immer freund­schaft­lich und andau­ernd, und gegen eine gerin­ge Gebühr in Form einer Rezen­si­on gab es immer wie­der neue Musik zu hören, die mich begeisterte.

Heu­te nun lag eine CD im Brief­ka­sten, über die ich nicht sehr erfreut bin. Die öster­rei­chi­sche Plat­ten­fir­ma Flix Records hat wohl mit­be­kom­men, dass ich irgend­was mit Rezen­sio­nen mache, und mir das 2012er Album „All A Man Can Do“ – hier­zu­lan­de am 10. April 2013 erschie­nen – der eige­nen Schütz­lin­ge Con­ti­nen­tal zuge­sandt, gegrün­det unter ande­rem von Rick Bar­ton (Drop­kick Mur­phys, The Out­lets) und sei­nem Nach­wuchs, was an sich eine her­vor­ra­gen­de Refe­renz ist. Das Album kam in einer schlich­ten blau­en Papier­müll­packung daher, wie man sie von Heft-CDs kennt. Das art­work wur­de auf dem bei­lie­gen­den Info­zet­tel in einer über­aus mise­ra­blen Quai­tät abgedruckt:

Post von Flix Records

Die sicht­ba­ren JPEG-Arte­fak­te auf dem Alben­co­ver sind übri­gens kei­ne Fol­ge mei­ner Digitalisierung.

Wer­te Plat­ten­fir­men, das Erste, was wir anspruchs­vol­len Kon­su­men­ten von einem neu­en Musik­al­bum zu sehen bekom­men, ist das art­work, die Ver­packung. Je hüb­scher die Auf­ma­chung, desto mehr freu­en wir uns dar­auf, uns mit dem Album zu beschäf­ti­gen; Musik­grup­pen wie Dear John Let­ter und Sebkha-Chott dür­fen euch hier gern zum Vor­bild wer­den. Wenn ihr zur Pro­mo­ti­on die paar Cent spa­ren wollt, die euch so eine Ver­packung kostet, nervt uns nicht mit halb­her­zig hin­ge­rotz­tem Rest­müll, son­dern schickt uns ein­fach ’nen Down­load­link für eine (akzep­ta­bel kodier­te) digi­ta­le Fas­sung des zu bewer­ben­den Musik­al­bums, da könnt ihr dann auch hoch­qua­li­ta­ti­ve JPEGs bei­le­gen. Wir Inter­net­re­zen­sen­ten sind wahr­schein­lich in der Lage, damit zu arbei­ten; das wüss­tet ihr aber, wenn ihr euch auch nur ein klein wenig mit den Rezen­sio­nen derer, die ihr mit eurer kru­den Musik beglücken wollt, beschäf­ti­gen wür­det. „Du machst doch was mit Musik, bring‘ mir mal Schlag­zeug­spie­len bei.“

Dies vor­aus­ge­setzt habe ich all­ge­mein nichts dage­gen, wenn jemand mir mit guter Musik eine Freu­de machen möch­te. Manch­mal, aber nur manch­mal, haben Frau­en sen­den mir gute und weni­ger gute Bekann­te mir bis dato unbe­kann­te Auf­nah­men, über die ich in der Regel recht erfreut bin. So geriet ich etwa in Besitz von Alben der groß­ar­ti­gen Car­la Bozu­lich (Evan­ge­li­sta) und des nicht min­der groß­ar­ti­gen Tom Waits. Für Neu­ent­deckun­gen die­ser Art bin ich stets offen, Bekann­te wür­den mich nie­mals mit scheuß­li­cher Scheiß­mu­sik ner­ven. Sie ken­nen mich. Plat­ten­fir­men aber ken­nen mich nicht, denn ich habe mich ihnen nie­mals per­sön­lich vor­ge­stellt. Plat­ten­fir­men wer­fen uns Musik­freun­de in den gro­ßen Topf der poten­zi­el­len Stamm­kun­den, rüh­ren ein­mal um und hal­ten das für eine homo­ge­ne Soße. Dass man mich mit Musik, die ich nicht mag, eher ver­schreckt als als Kun­den gewinnt, scheint als Kol­la­te­ral­scha­den gewer­tet zu wer­den. Bekannt­heit ist alles, und jeder, der den unge­fragt zuge­sand­ten Kram auch nur öffent­lich erwähnt, macht damit gegen einen lächer­lich gerin­gen Preis auto­ma­tisch Wer­bung für die jewei­li­gen Musiker.

Und was macht man dann mit die­sen Erzeug­nis­sen? Weg­schmei­ßen ist doof, obwohl ich erst vor kur­zem eine Ladung Jugend­sün­den weg­ge­wor­fen habe, um Platz zu schaf­fen für neue groß­ar­ti­ge Musik. Auf­be­wah­ren? Nee, die lie­gen dann nur rum und stau­ben mich voll. Opti­mal wäre es wahr­schein­lich, den Krem­pel ein­fach zurück­zu­schicken (Por­to zahlt Emp­fän­ger), wie wir es damals mit AOL-CDs gemacht haben.

Also kei­ne Sor­ge, Con­ti­nen­tal, euer Album höre ich spä­ter noch, obwohl mich euer bei­geleg­tes Info­blatt schon eher lang­weilt. Ist eure Pres­se­ab­tei­lung zu faul, sich wenig­stens vor­her über mei­nen Musik­ge­schmack zu infor­mie­ren, statt mich mit Coun­try, Blues und dem Spi­rit des Punk zu belä­sti­gen? Aus­ge­rech­net Coun­try! Für eine posi­ti­ve Bewer­tung garan­tie­re ich lie­ber nicht.

Aber wahr­schein­lich könnt ihr nicht mal was dafür. Viel­leicht über­rascht ihr mich ja auch posi­tiv. Wir wer­den sehen.

Senfecke:

  1. Hi Sven,
    du bist der erste Web-Blog, der sich beschwert dass man ihm kei­nen Digi­tal-Link zusen­det ;)
    Viel­leicht ist unse­re Pres­se-Abtei­lung (das bin ich sel­ber, „wir“ sind ein Ein-Mann-DIY-Label) gar nicht so faul wie du denkst,
    wir haben das Plat­ten­co­ver in die von dir beschrie­be­ne blaue Hül­le gepackt.
    Aber das hast du sicher eh schon herausgefunden.
    Lie­be Grüße!
    Felix

    • Och! Der erste Ein­druck zählt manch­mal… :D und nein, ich hat­te noch kei­ne Gele­gen­heit, par­don. Kommt aber noch. Wenn ich mich irre: schön! 

      Aber war­um Coun­try, ver­dammt? ;)

  2. Ja und der Bei­pack­zet­tel dient nur der Infor­ma­ti­on, da kann man sich doch nicht über das abge­bil­de­te Bild beschweren.
    Ich schei­ne der erste zu sein, der die eine CD zum Bespre­chen zuge­schickt hat :)

    Es gibt übri­gens tol­le Musi­ker, die du ver­passt, wenn du von vorn­her­ein Coun­try verdammst.
    Trotz­dem machen Con­ti­nen­tal kei­nen Coun­try, son­dern spie­len eine Mischung aus vie­len Musikstilen.

    Beste Grü­ße,
    Felix

    • Für mich damals schon – als „Neu­ent­deckung“ bezeich­ne ich alles, was ich vor­her nicht kann­te. Ist die­ser Begriff falsch?

  3. Aus der War­te sicher nicht. Der Mann hat die erste Schei­be 1973 ver­öf­fent­licht. Klar muß man erst­mal drü­ber stol­pern, bei mir war das Mitte/​Ende 80er, als man sowas wie nen Musik­ge­schmack ent­wickel­te. Da war kurz vor­her der erste Waits-Hype in Deutsch­land abge­früh­stückt, die Zeit also sich ver­nünf­ti­ger­wei­se nun ein­mal näher mit ihm zu beschäf­ti­gen. Seit­dem immer wie­der gern. Jetzt hab ich auch noch Car­la Bozu­lich ent­deckt, neu, hier.

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