In den NachrichtenMusik
„Rock and Roll can never die.“

Lustig: Sven Rege­ner, der in sei­ner Frei­zeit zusam­men mit der „Musik„gruppe „Ele­ment of Crime“ – dass ihm der Name nicht merk­wür­dig vor­kommt, ist anzu­neh­men – so genann­te „Musik“ am Com­pu­ter zusam­men­klickt und damit anschei­nend immer noch zu viel Geld „ver­dient“, hat was zum The­ma Urhe­ber­rech­te dumm­ge­sülzt. Mein Lieb­lings­zi­tat:

Das ein­zig Coo­le am Rock’n’Roll ist es, dass wir jede Mark (sic!), die wir bekom­men, sel­ber ver­die­nen.

Noch ein paar lächer­li­che Zita­te gibt es auf netzpolitik.org, und war­um Sven Rege­ner die Zusam­men­hän­ge in „sei­ner“ Indu­strie noch nicht ver­stan­den hat, erklärt Fritz Effen­ber­ger. Zu mei­nem Lieb­lings­zi­tat konn­te ich aber nichts fin­den, was mich erschüt­tert, wes­halb ich zu all den Bei­trä­gen, die erläu­tern, war­um Sven Rege­ner ein lang­wei­li­ger Typ ist, der scheuß­li­che Musik macht, noch einen hin­zu­fü­ge, in dem ich ein­fach mal was fra­ge:

Ist das noch Rock’n’Roll?

Dass das, was Ele­ment of Crime so fabri­zie­ren, kei­ner ist, ist, mei­ne ich, unstrit­tig. Aber stand Rock’n’Roll nicht mal für Lebens­freu­de und Frei­heits­drang statt für den Stolz auf ein leid­lich gere­gel­tes Ein­kom­men?

Herr Rege­ner macht also (ver­meint­lich) Musik, die er eigent­lich gar nicht mag, weil er damit Geld ver­die­nen kann; und sagt dann wei­ter:

Die (Mark, A.d.V.) bekom­men wir von Leu­ten, die sagen “Ja, das ist mir das wert. Ich geb’ 99 Cent aus für die­ses Lied”. Das ist die Idee dabei. Das macht den Rock’n’Roll groß.

Rich­tig, denn der Rock’n’Roll basier­te schon immer auf der Geld­gier sei­ner Prot­ago­ni­sten und nicht etwa auf höhe­ren, eher gei­sti­gen Idea­len. Rock­mu­sik ent­stand als Ein­nah­me­quel­le und nicht als Akt der Rebel­li­on, und erfun­den wur­de sie vom Flie­wa­tüüt. Und des­we­gen macht Sven Rege­ner näm­lich „Musik“:

Aber es wird so getan, als wenn wir Kunst machen wür­den als exzen­tri­sches Hob­by oder so.

Ja – war­um denn dann? Aus Lei­den­schaft wohl nicht, immer­hin fin­den Sie Rock­mu­sik ja auch eher doof. Auch sonst geht Ihnen das Ver­ständ­nis von Musik­ent­wick­lung völ­lig ab:

Für die Leu­te zwi­schen 15 und 30 gibt es kei­ne ende­mi­sche Musik mehr. Die haben kei­ne eige­ne Musik mehr.

Ich schon. Und Ele­ment of Crime zählt nicht dazu. Und wis­sen Sie, wor­an das liegt? Die­ser radio­kom­pa­ti­ble Unfug ist zu belie­big, zu aus­tausch­bar. Da bleibt nichts hän­gen, womit man sich iden­ti­fi­zie­ren kann – und sogar der Front­mann ist ein Unsym­path.

Den Rock’n’Roll aber, Herr Rege­ner, krie­gen nicht ein­mal Sie kaputt.

Aber kei­ne Sor­ge: Kunst wür­de Ihnen nie­mand unter­stel­len.

NetzfundstückePiratenpartei
Kurz ver­linkt LXXXIX: Goe­thes Erben

Heu­te vor 180 Jah­ren starb Johann Wolf­gang von Goe­the.

Heu­te vor 0 Jah­ren berich­te­te „Der­Ba­stard“ über 16-jäh­ri­ge Nach­wuchs­blog­ger und zitier­te:

Wir kauf­ten uns Eis & Cola, wobei Mari­ons Cola nach Pis­se schmeck­te. Nach jedem Schluck schrie sie PISSE xD. Mit dem eis schos­sen wir rum.. schö­ne Saue­rei C: ..

Was wohl die Deut­schen in 180 Jah­ren von uns hal­ten wer­den?


Apro­pos Idio­ten:

Wie Ver­tre­ter der Pira­ten­par­tei heu­te gegen 14 Uhr erfuh­ren, wies die Web­prä­senz des saar­län­di­schen Land­tags eine kri­ti­sche Sicher­heits­lücke auf. (…) Angeb­lich wur­de eben­so eine Datei mit Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­ten über das Betriebs­sy­stem aus­ge­le­sen. Nach den Anga­ben auf Twit­ter geht dar­aus her­vor, dass es sich um ein Betriebs­sy­stem aus dem Jahr 2003 han­delt, für das seit 2005 kei­ne Sicher­heits­up­dates mehr bereit­ge­stellt wer­de. (sic!)

Natür­lich; war­um soll­te man einen Ser­ver, der erst ein­mal pro­blem­los läuft, auch gele­gent­lich mal war­ten? Is‘ doch das gute Linux, das geht nie kaputt.

PISSE. xD

(Das war jetzt ein wenig unsach­lich.)

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt LXXXVIII: Tobi­as Eggen­dor­fers Inkon­se­quenz

Dada Dudu Didi wies heu­te auf den vor weni­gen Tagen gehal­te­nen Vor­trag „Plei­ten – Pech – Pan­nen: die Geschich­te des Com­pu­ters“ hin, auf dem unter ande­rem fol­gen­des gespro­chen wur­de:

Viren, Wür­mer und Trojaner…wer hat die heut­zu­ta­ge nicht auf sei­nem Rech­ner? Ok, zwei, drei Linux­nut­zer sind am Stand. Das ist ganz posi­tiv.

Dass der Vor­tra­gen­de „Prof. Dr.“ Tobi­as Eggen­dor­fer bei der Hoch­schu­le der Poli­zei in Ham­burg und somit im Umfeld derer, die in staat­li­chem Auf­trag dafür sor­gen, dass Leu­te „Viren, Wür­mer und Tro­ja­ner“ auf ihrem Rech­ner haben, „arbei­tet“, ist durch­aus inter­es­san­tes Hin­ter­grund­wis­sen.

Noch inter­es­san­ter wird es im Detail: Der Vor­trag wur­de unter ande­rem „prä­sen­tiert“ von der Linux Foun­da­ti­on, und wie von Micro­soft bezahl­te Stu­di­en Linux gern ein­mal nicht als son­der­lich über­ra­gend dar­stel­len, so ist natür­lich auch die­ser Vor­trag vor allem ein­sei­tig und zielt dar­auf ab, die Auf­trag­ge­ber mög­lichst gut daste­hen zu las­sen.

Eini­ge der wäh­rend des Vor­tra­ges gezeig­ten Foli­en etwa the­ma­ti­sie­ren ver­schie­de­ne Puf­fer­über­läu­fe in Win­dows-System­dien­sten, die zu mas­sen­haf­ter Ver­brei­tung von Schad­soft­ware führ­ten. Dass Herr Eggen­dor­fer nur am Ran­de dar­auf ein­geht, dass auch Linux­dien­ste häu­fi­ger ein­mal drin­gend kor­ri­giert wer­den müs­sen, ist nur wenig erstaun­lich. (Zum The­ma „siche­res Linux“ ließ ich mich bereits an ande­rer Stel­le aus­führ­lich aus.)

Ich hof­fe jedoch, mei­nen Lesern ent­geht nicht das ent­schei­den­de Detail: Das Prä­sen­ta­ti­ons­ge­rät ist ein Apple-Lap­top. Apple ist die Fir­ma, die ein Betriebs­sy­stem zum Lebens­stil erho­ben hat, gegen das Win­dows Vista und Win­dows 7 wah­re Boll­wer­ke sind. Jetzt kann es natür­lich sein, dass auf die­sem Apple-Lap­top anstel­le des vor­in­stal­lier­ten Mac OS X Win­dows oder viel­leicht auch Linux oder BSD (wobei ich das bezweif­le) ver­wen­det wer­den, aber war­um wird dann über­haupt ein Apple-Lap­top ver­wen­det?

War wahr­schein­lich gera­de bil­lig.

PolitikIn den Nachrichten
Ein Sieg über die Demo­kra­tie

Wenn’s mit der Poli­tik mal nicht mehr klappt, kann die Bun­des­kanz­le­rin immer noch im Kaba­rett reüs­sie­ren. Als die Bun­des­ver­samm­lung näm­lich gestern über­ra­schen­der­wei­se unter Aus­schluss des Vol­kes den von CDU, CSU, den Grü­nen, der SPD und der F.D.P., die mal wie­der an allem schuld ist, gemein­sam gestütz­ten – ja, das Alter – Joa­chim Gauck zum Bun­des­prä­si­den­ten gewählt hat­te, nann­te sie das nicht etwa eine Far­ce, eine Unver­schämt­heit, oder einen Kom­pro­miss, für den sich alle Betei­lig­ten fort­an schä­men soll­ten, son­dern qua­si einen Sieg der Demo­kra­tie bezie­hungs­wei­se:

Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) hat nach der Wahl von Joa­chim Gauck zum neu­en Bun­des­prä­si­den­ten vom einem guten Tag für die Demo­kra­tie gespro­chen.

Demo­kra­tie – man weiß es – bedeu­tet unge­fähr „Volks­herr­schaft“ und ist nicht deckungs­gleich mit der Olig­ar­chie („Herr­schaft der Weni­gen“). Ande­rer­seits war der erste Wahl­sieg der NSDAP damals ja auch nach recht­li­chen Maß­stä­ben demo­kra­tisch.

Wo es Sie­ger gibt, gibt es immer auch Ver­lie­rer. Wenn also in die­sem Fall die Demo­kra­tie gewon­nen hat, so ist der Ver­lie­rer zwei­fels­oh­ne das Volk, des­sen Wil­le es nach­weis­lich nicht ist, dass die Null-Pro­zent-Par­tei F.D.P. ihm einen der sonst doch eher wenig belieb­ten Neu­en Rech­ten als Staats­ober­haupt beschert. – „Wah­len“ wie die­se haben indes Tra­di­ti­on, im Hei­mat­land von Ange­la Mer­kel und Joa­chim Gauck waren die Wahl­er­geb­nis­se ja oft ähn­lich vor­her­seh­bar.

Die Demo­kra­tie jeden­falls hat „gewon­nen“, sie bekommt eine ange­mes­se­ne Abfin­dung und darf in Ren­te gehen. Jetzt gel­ten hier ande­re Regeln – wie damals, als der 1940 gebo­re­ne Joa­chim Gauck noch jung war.

Apro­pos Ren­te: 2010 sag­te er im Alter von 70 Jah­ren gegen­über der „BILD am Sonn­tag“, es gebe „vie­le gute Grün­de“ für eine Ren­te mit 67 Jah­ren. So recht über­zeugt hat ihn das wohl selbst nicht.

Montagsmusik
Cult of Youth – Eih­waz

Ei, was? Mit Post-Punk kann ich nor­ma­ler­wei­se nur wenig anfan­gen, das Gen­re eifert zu sehr Ido­len aus den 80-er Jah­ren nach – und was musi­ka­lisch von jenem Jahr­zehnt zu hal­ten ist, soll­te fast jeder Musik­freund ähn­lich beur­tei­len.

War­um mir die Brook­ly­ner Post-Punk-Grup­pe Cult of Youth, deren neue­stes Album von immer­hin 2011 stammt, trotz­dem ziem­lich gut gefällt, weiß ich nicht. Viel­leicht ist es die bedroh­lich-aggres­si­ve Stim­mung, die ihre Musik ver­brei­tet, viel­leicht ist es die merk­wür­di­ge Gei­gen­be­glei­tung, die ande­re groß­ar­ti­ge Musik­grup­pen wie Muta­bor in klang­li­che Nähe rücken; in posi­ti­vem Sin­ne bemer­kens­wert ist das Resul­tat in jedem Fall:

(Anders­wo ist von „Neo­folk“ die Rede, und das gefällt mir schon deut­lich bes­ser.)

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Ihre Email-Won 915.810,00

Oh, ein Schreib­feh­ler – aus Email ist viel­leicht die Umman­te­lung eines Woks, aber nicht die eines Wons. – Oder han­delt es sich um 915.810,00 Won? Wenn ja: Was genau hat Email damit zu tun, was habe vor allem ich als Nicht­ko­rea­ner damit zu tun?

„Dr. Maria Gon­za­lez Dri­go“ von der „Lote­ria Nacio­nal“ jeden­falls teilt mir unter obi­gem Sujet fol­gen­des mit:

Fin­den Sie Ihre Infor­ma­tio­nen zu gewin­nen, in der Anla­ge im pdf-For­mat
Mit freund­li­chen GrьЯen
Dr. Maria Gon­za­lez Dri­go

Ah – ich kann 915.810,00 Won (aus Email) gewin­nen. Pri­ma und sehr nütz­lich! Dann schau‘ ich mir die Anla­ge doch mal an.

So eine Art „Brief“ mit ziem­lich pixeli­gen Gra­fi­ken öff­net sich, aus dem ich dann mal zitie­re:

NOTARISCHE GEWINNBENACHRICHTIGUNG

Statt nota­ri­el­ler Benach­rich­ti­gun­gen – dazu bedürf­te es eines oder meh­re­rer Nota­re – wer­de ich noto­risch benach­rich­tigt, das ist mal was neu­es. Und zwar hier­über:

Wir sind erfreut, Sie zu infor­mie­ren, das Sie ein gluck­li­cher Gewin­ner vom inter­na­tio­na­lem Euro Mil­li­on Spiel­pro­gramms sind, das am 02/03/2012, abge­hal­ten wur­de.

Ja, wie, Euro? Doch kei­ne Won? Das ent­täuscht mich jetzt schon ein wenig, gluck­lich bin ich noch nicht. Viel­leicht ändert sich das noch?
Die Benach­rich­ti­ger jeden­falls sind auf jeden Fall gluck­lich, behaup­ten sie:

Wir Sind sehr gluck­lich Sie ALS einen der Gewin­ner zu benach­rich­ti­gen das Ihr Name mit der Kar­ten­se­ri­en­num­mer uber­ein­stimm­te: 934–03650116-211 und die Stempf­el­zahl: 71225–0 gekauft durch Ihren Bear­bei­tungs­agen­ten von den Kosten von zwei Euro, hat folg­lich den Preis in der 2. Kate­go­rie mit den Gewinn­zah­len: 14–18-32–40-46+06:07.gewon­nen Wir Ent­schul­di­gun­gen für die spä­te benach­rich­ti­gung, da es zu Ver­wechs­lun­gen von Namen und Adres­sen kam..

Ich Bin sehr ent­ru­stet das MEIN Name angeb­lich 934–03650116-211 lau­tet – da wäre mir C‑3PO noch lie­ber. Ver­bockt hat das aber anschei­nend mein Bear­bei­tungs­agent, der zwei Euro geko­stet hat und mir eine Stempf­el­zahl auf den fal­schen Namen hat ein­tra­gen las­sen. Ich hof­fe, ich muss beim Abho­len mei­nes Woks nicht mei­nen Aus­weis vor­zei­gen, sonst kom­me ich in Erklä­rungs­not. (Dass man mich ver­wech­selt hat, ist aber jetzt kei­ne gro­ße Über­ra­schung mehr. Ich wüss­te aber gern, mit wem; mit Frau 27470 viel­leicht, die immer im Super­markt als mei­ne Kas­sie­re­rin auf den Kas­sen­zet­teln steht?)

Halt, Moment, irgend­wie kommt mir das bekannt vor. Tat­säch­lich – es ist die glei­che Lot­te­rie, bei der ich schon im Novem­ber etwas gewon­nen habe, nur der Sach­be­ar­bei­ter ist ein ande­rer, eben­so das Trans­fer­in­sti­tut und die Fax­num­mer des Bear­bei­tungs­agen­ten. Mist – wird wohl wie­der nichts mit mei­nem Mil­lio­nen­ge­winn.

Kön­nen die von der Lote­ria Nacio­nal nicht end­lich mal einen Brief­ka­sten kau­fen?

Netzfundstücke
Struk­tur­wan­del: Chri­stoph Kap­pes hat sich im seman­ti­schen Web ver­lau­fen

Und dann ist da noch Chri­stoph Kap­pes, Geschäfts­füh­rer der mir völ­lig unbe­kann­ten Gesell­schaft „Fruc­tus“, die wahr­schein­lich irgend­was mit Obst macht, der aber trotz­dem in der Enquete-Kom­mis­si­on „Inter­net und digi­ta­le Gesell­schaft“ des Deut­schen Bun­des­ta­ges her­um­sitzt und also bestrebt ist, der Bun­des­re­gie­rung das Inter­net mal so rich­tig durch­zu­er­klä­ren. Was ihn zu einem Sach­ver­stän­di­gen macht, wüss­te ich nur all­zu gern, aber Die­ter Gor­ny, Grün­der von Viva, gehört der Kom­mis­si­on ja eben­falls an, was die Mess­lat­te schon recht nied­rig legt.

Die­ser Chri­stoph Kap­pes nun hat gestern was gebloggt, näm­lich eine aus­führ­li­che Stel­lung­nah­me als Ant­wort auf Fra­gen zum The­ma „Struk­tur­wan­del der poli­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on und Par­ti­zi­pa­ti­on“, also inwie­fern das Inter­net poli­ti­sche Schwer­punk­te und Inter­es­sen in und aus der Gesell­schaft beein­flusst und/oder anders­her­um, und ich möch­te die Poin­te schon mal vor­weg­neh­men:

Ich bin sehr gespannt, ob man mich für einen Spin­ner hält.

Ja. ‘Struk­tur­wan­del: Chri­stoph Kap­pes hat sich im seman­ti­schen Web ver­lau­fen’ wei­ter­le­sen »

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXVII: Rechts­frei­er Raum. (Die unend­li­che Geschich­te.)

Twit­ter mach­te mich soeben dar­auf auf­merk­sam, dass wie­der mal der „rechts­freie Raum Inter­net“ „wirk­sam“ „bekämpft“ wer­den soll:

Für Deutsch­land schlägt die Stu­die den­noch ein “vor­ge­richt­li­ches Mit­wir­kungs­mo­dell” vor, das aus einem zwei­stu­fi­gen Warn­hin­weis­sy­stem besteht. Der Pro­vi­der soll einen Inter­net­nut­zer war­nen, wenn er mut­maß­lich ille­ga­les Mate­ri­al ver­wen­det hat.

Ich mag die deut­sche Spra­che auch, weil ihre Pro­no­mi­na so fle­xi­bel sind.
„Lie­ber Inter­net­nut­zer, wir haben mut­maß­lich ille­ga­les Mate­ri­al ver­wen­det. Mit freund­li­chen Grü­ßen, Ihr Pro­vi­der.“

Dass sogar der – lei­der immer noch an Face­book gebun­de­ne und somit nicht emp­feh­lens­wer­te – Strea­ming­dienst Spo­ti­fy hier­zu­lan­de in Zusam­men­ar­beit mit der Musik­in­du­strie betrie­ben wer­den kann, ohne, dass sie sich über die des­halb aus­blei­ben­den CD-Ver­käu­fe beschwe­ren wür­de, wer­te­te ich als Zei­chen der Ein­sicht. Scha­de.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik extern: Han­nes Stein, Joa­chim Gauck und der böse­re Mas­sen­mord

Joa­chim Gauck hat in einer Rede die gute, alte Tota­li­ta­ris­mus­de­bat­te mal wie­der ange­sto­ßen: Haben links und rech­te Geno­zi­de eine ande­re mora­li­sche Grund­la­ge, der eine viel­leicht eine bes­se­re?

Han­nes Stein, Schrei­ber­ling auf Welt.de, bejaht das und führt dafür ziem­lich eigen­ar­ti­ge Bele­ge an:

Die Liste der Künst­ler und Schrift­stel­ler, die dem Kom­mu­nis­mus anhin­gen und Oden auf Sta­lin ver­fass­ten, ist lang. (…) Die Liste der erst­klas­si­gen Intel­lek­tu­el­len, die Anhän­ger der Nazis waren, ist kurz.

Und Intel­lek­tu­el­le irren sich eben nicht; wie auch Han­nes Stein in all sei­ner Objek­ti­vi­tät, wenn er wei­ter schreibt, dass zwar Sowjet­uni­on und Deut­sches Reich sich im Mas­sen­mord nicht viel nah­men, aber der sowje­ti­sche doch irgend­wie huma­ner war, weil:

Aber es hat in der Sowjet­uni­on nie eine so radi­ka­le Maß­nah­me wie die deut­sche „End­lö­sung“ gege­ben. Nicht ein­mal der „Holo­do­mor“ hat­te zum Ziel, sämt­li­che Ukrai­ner umzu­brin­gen. Außer­dem bin ich nicht sicher, ob das Wort „Geno­zid“ hier ganz ange­bracht ist: Der Hun­ger­mord war nicht nur etwas, was Rus­sen Ukrai­nern ange­tan haben.

Viel­leicht soll­te das beru­hi­gend wir­ken, Axel B.C. Kauss sieht das anders:

Will Stein ange­sichts sol­cher Lei­chen­ber­ge auf den zwei Sei­ten ein- und des­sel­ben Irra­tio­na­lis­mus (…) allen Ern­stes nach mehr oder min­der radi­ka­lem Mas­sen­mord unter­schei­den, eine qua­li­ta­ti­ve Bewer­tung auf­grund „gra­du­el­ler“ Unter­schie­de in „Radi­ka­li­tät“ und „Syste­ma­tik“ mil­lio­nen­fa­chen (!) Mor­dens vor­neh­men? (…)

Ich schaue auf zwei Mas­sen­grä­ber, rand­voll mit Men­schen aller Alters­grup­pen und Geschlech­ter. Da kommt ein Jour­na­list des Weges und möch­te mir erklä­ren, die Mil­lio­nen mensch­li­chen Leben im lech­ten Mas­sen­grab sei­en radi­ka­ler ver­nich­tet wor­den als die Mil­lio­nen im rin­ken. Der lech­te Genick­schuss töte­te grau­sa­mer als der rin­ke. Das syste­ma­ti­sche Ver­hun­gern­las­sen und Erschie­ßen von Mil­lio­nen rinks ist weni­ger radi­kal oder syste­ma­tisch als Gas und Ofen lechts. Da bleibt mir nicht nur als histo­risch Inter­es­sier­tem und Kun­di­gem sowie als stu­dier­tem Phi­lo­so­phen, son­dern zuvor­derst als Mensch ganz ein­fach die Spucke weg.

Weil Mas­sen­mord halt bes­ser ist, wenn wir nicht schuld sind; oder es halt wahl­los und nicht syste­ma­tisch pas­siert.
Typisch Sprin­ger-Ver­lag.

In den Nachrichten
Fackel­zü­ge gegen Atom­be­leuch­tung

Apro­pos Fuku­shi­ma: Im Ver­lauf des heu­ti­gen Abends fan­den vie­ler­orts Lich­ter­ket­ten gegen Atom­strom statt, und ich hät­te dann nach Begut­ach­tung der ein­ge­hen­den Erfolgs­mit­tei­lun­gen doch noch mal drei Fra­gen dazu, die ich, da ich die Draht­zie­her gera­de nicht aus­ma­chen (nicht „aus­ma­chen“ wie Atom­kraft­wer­ke) kann, ein­fach mal hier rein­schrei­be.

Fra­ge 1:
Wel­che kon­kre­ten poli­ti­schen Kon­se­quen­zen hat es jetzt, dass Fackeln tra­gen­des Volk die Innen­städ­te blockiert hat, oder war der gan­ze Auf­wand blo­ßer Popu­lis­mus und wird fol­gen­los blei­ben?

Fra­ge 2:
Wor­in besteht der kon­kre­te Zusam­men­hang zwi­schen

  1. dem Reak­tor­un­glück im Atom­kraft­werk Fuku­shi­ma und dem „Schacht Kon­rad“ im ehe­ma­li­gen Berg­werk Asse sowie
  2. Fackel­zü­gen und Atom­strom?

Sol­len die Fackeln signa­li­sie­ren, dass die betei­lig­ten Demon­stran­ten auch ohne Atom­strom leben könn­ten, was ich bezweif­le? Ste­hen sie meta­pho­risch für einen auf­ge­brach­ten Pöbel, der sich mit Gewalt Gehör ver­schaf­fen will? Sind sie blo­ßes Bild ohne tat­säch­li­che poli­ti­sche Aus­sa­ge dahin­ter?

Fra­ge 3:
Ich erhielt über Umwe­ge unter ande­rem fol­gen­de Ankün­di­gung:

Wir mel­den uns dann wie­der mit dem Ter­min zum „Tref­fen und Fei­ern danach“ und freu­en uns, dann mal bei ent­spann­te­rer „Tages­ord­nung“, auf euch.

Was genau soll da gefei­ert wer­den – der Erfolg der Lich­ter­ket­te? Wenn ja: Wor­in besteht er?

Ich bren­ne vor Vor­freu­de auf eure Ant­wor­ten.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Three Ele­ven

Seit dem 11. Sep­tem­ber (2001, A.d.V.) ist die Welt nicht mehr die­sel­be. Sogar Datums­an­ga­ben wer­den seit­dem soli­da­risch US-ame­ri­ka­ni­siert, selbst dann, wenn sie mit den USA nichts zu tun haben, son­dern an besag­tem Tag nur irgend­ein Ärger­nis geschah.

Etwa anläss­lich des Jah­res­ta­ges – fei­ert man das eigent­lich? – der Hava­rie des Kern­kraft­wer­kes Fuku­shi­ma am 11. März 2011, der das so genann­te „Nach­rich­ten­ma­ga­zin“ N24 heu­te dazu ver­lei­te­te, fol­gen­de bescheu­er­te Über­schrift zu wäh­len:

Japan gedenkt „3/11“

Dass Japan (vali­der, aber unnö­tig dra­ma­ti­sie­ren­der pars pro toto) „3/11“ gedenkt, hal­te ich für unwahr­schein­lich, denn Datums­an­ga­ben wer­den in der japa­ni­schen Spra­che nicht in US-ame­ri­ka­ni­scher Schreib­wei­se getä­tigt; soll hei­ßen, dass es gut sein kann, dass in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten leben­de Japa­ner „3/11“ geden­ken, die in Japan leben­den Japa­ner aber ver­mut­lich eher so etwas wie „3月11日“ – und weil kei­ner weiß, wie um alles in der Welt man das aus­spre­chen soll, fasst man es im Deut­schen ein­fach ganz anders zusam­men: „Japan gedenkt dem Atom­re­ak­tor­un­glück von Fuku­shi­ma“, not­falls (gemäß genann­ter Regel) „Japan gedenkt Fuku­shi­ma“.

Dass man bei N24 lie­ber Eng­lisch schwätzt, ist vor dem Hin­ter­grund von Pearl Har­bor beson­ders amü­sant. Aber Soli­da­ri­tät geht vor – mit wem, ist ja dann auch egal.

(Mit Dank an L.!)

Nerdkrams
Zwei Tage mit BSD: Ande­re sind schon mit Debi­an über­for­dert.

(Vor­be­mer­kung: Ich grei­fe dies­mal gele­gent­lich auf Fach­be­grif­fe zurück und wer­de sie nicht immer erläu­tern, ich bin ja nicht die Wiki­pe­dia.)

In einem Anflug von Hei­ter­keit beschloss ich, zur Abwechs­lung neben diver­sen Linux­dis­tri­bu­tio­nen, die ihren Dienst auf den von mir ein­ge­setz­ten Ser­vern, Desk­tops und in einer vir­tu­el­len Maschi­ne ver­rich­ten, auch ein­mal BSD aus der Nähe zu betrach­ten. ‘Zwei Tage mit BSD: Ande­re sind schon mit Debi­an über­for­dert.’ wei­ter­le­sen »