Fotografie
Jetzt mit Voll­korn.

Um dem gestie­ge­nen Gesund­heits­be­wusst­sein der Bür­ger ent­ge­gen­zu­kom­men, beschloss man im Hau­se Sin­nack Back­spe­zia­li­tä­ten, die Pro­dukt­pa­let­te der Voll­korn­back­wa­ren um eine Zutat zu berei­chern.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückePiratenpartei
Schmal­hans des Tages: Dr. Wolf­gang Her­les, ZDF (ehe­mals JU).

Die­ser Arti­kel ist Teil 4 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Bald sind schon wie­der irgend­wo Wah­len, und das CDU-geführ­te ZDF ist davon so über­rascht, dass es nicht mal Zeit hat­te, kurz die Wiki­pe­dia zu kon­sul­tie­ren.

„Dr.“ Wolf­gang Her­les, Lei­ter der Redak­ti­on Lite­ra­tur und Mode­ra­tor der Sen­dung „Das Blaue Sofa“ und somit natür­lich prä­de­sti­niert, klu­ge Din­ge über pro­gres­si­ve Poli­tik zu schrei­ben (Bücher und Blogs haben ja alle was mit Text zu tun), senf­te also in das ZDF-Blog hin­ein:

Shits­torms, der frei­wi­li­ge (sic!) Ver­zicht auf Pri­vat­sphä­re und Dau­er­sch­nat­tern im Netz, sind neue­re Erschei­nun­gen der Mas­sen­kul­tur, doch kei­ne demo­kra­ti­sche Errun­gen­schaft, auf der sich eine rich­ti­ge Par­tei grün­den lie­ße.

Der erste Satz wäre nur ohne das Kom­ma nach „Netz“ wenig­stens teil­wei­se rich­tig und wahr­schein­lich bes­ser ver­ständ­lich, also denkt es euch weg. Ja, „neue­re Erschei­nun­gen“ als das Chri­sten­tum sind genann­te Punk­te, aber ich neh­me an, was ein Mail­box­netz ist und dass sol­che vor Jahr­zehn­ten schon die­se „neue­ren Erschei­nun­gen“ auf­wie­sen, weiß Dr. Wolf­gang Her­les nicht – „Inter­net ist das mit dem blau­en e“, Dis­kus­si­on been­det. Aber er hat Recht: Shits­torms sind kei­ne geeig­ne­te Basis für eine Par­tei. Was jedoch will er damit sagen?

Ach, um die Pira­ten geht’s, und die mag er gar nicht:

Für mich sind sie schon des­halb unwähl­bar, weil sie gei­sti­ges Eigen­tum ent­eig­nen, ver­ge­sell­schaf­ten wol­len. In die­sem Punkt hal­te ich sie für ver­fas­sungs­wid­rig.

Sie wol­len was? Wenn ich jeman­den „ent­eig­ne“, neh­me ich ihm sein Eigen­tum; wenn ich also „gei­sti­ges Eigen­tum“ (bes­ser: gei­sti­ge Mono­pol­rech­te) ent­eig­ne, hat das „gei­sti­ge Eigen­tum“ kein Eigen­tum mehr? Watis? Nein, dar­um geht es der Pira­ten­par­tei bekannt­lich nicht, son­dern es geht ihr dar­um, dass die Urhe­ber von ihren Wer­ken bes­ser leben kön­nen als die Rech­te­ver­wer­ter, die zu ihnen ja in der Regel eher wenig bei­tra­gen.

„Ver­fas­sungs­wid­rig“ waren übri­gens laut Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt so man­che Geset­ze, die eine ganz ande­re Par­tei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu erlas­sen ver­sucht hat; in ihrer Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, der „Jun­gen Uni­on“, war frü­her auch ein gewis­ser Wolf­gang Her­les Mit­glied. Immer­hin: Mit Ver­fas­sungs­wid­rig­kei­ten kennt er sich bestens aus.

Lei­der schreibt er statt­des­sen etwas zu The­men, die nur eines gerin­gen Recher­che­auf­wands bedurft hät­ten:

Eine außer­par­la­men­ta­ri­sche Pro­test­be­we­gung ist bei den Pira­ten nicht zu erken­nen, trotz­dem sind sie bereits eine Par­tei. Sie sind eher von Tech­nik beses­sen als von Ideen.

Für Wolf­gang Her­les sind der Arbeits­kreis gegen Inter­net-Sper­ren und Zen­sur, der Cha­os Com­pu­ter Club, der c‑base e.V., in des­sen Räum­lich­kei­ten die Pira­ten­par­tei Deutsch­land gegrün­det wur­de, und The Pira­te Bay, Keim­zel­le der ersten Pira­ten­par­tei in Schwe­den, also nicht zu erken­nen. Viel­leicht hilft Bril­len­put­zen.

Wolf­gang Her­les, gei­stig ent­eig­ne­ter Blog­ger beim ZDF: Auch eine Art von Kar­rie­re.

In den Nachrichten
„Natür­lich hat das nichts damit zu tun.“

Ach, „WELT ONLINE“, etwas mehr Sorg­falt wür­de euch manch­mal gut tun:

Der nor­we­gi­sche Mas­sen­mör­der Anders Beh­ring Brei­vik hat zu Beginn des vier­ten Pro­zess­ta­ges zum ersten Mal auf sei­nen rechts­extre­men Gruß mit aus­ge­streck­tem rech­tem Arm und geball­ter Faust ver­zich­tet.

Merk­wür­dig; so weit ich mich ent­sin­ne, bedeu­tet die geball­te Faust am aus­ge­streck­ten Arm nicht etwa „Scheiß­ju­den“, son­dern ist ein Zei­chen der Bür­ger­rechts­be­we­gung der Afro­ame­ri­ka­ner in den USA, aber auf aus­ge­streck­te Arme reagiert man in der Jour­nail­le eben immer ein wenig all­er­gisch. Aber dar­um soll es gera­de mal nicht gehen. Der Prot­ago­nist bleibt jedoch der­sel­be.

Anders Beh­ring Brei­vik, sei­nes Zei­chens offen­bar fana­ti­scher Mör­der diver­ser Per­so­nen in Nor­we­gen, soll­te man eigent­lich weg­sper­ren, heißt es. Nun stell­te sich her­aus, dass er gar nichts dafür kann:

Er gab an, sich vor den Anschlä­gen ein gan­zes Jahr frei­ge­nom­men zu haben, um das Com­pu­ter­spiel „World of War­craft“ zu spie­len. Er habe im Schnitt 16 Stun­den am Tag vor dem Com­pu­ter geses­sen.

Wir fol­gern: Ver­bie­tet Com­pu­ter! Da kann er sich her­aus­re­den, wie er will:

„Das war aber rei­ne Unter­hal­tung, ein Hob­by, und hat­te nichts mit dem 22. Juli zu tun“, beton­te er. Für sei­nen Anschlag habe er mit ech­ten Waf­fen trai­niert. Er sei mehr­mals beim Schieß­trai­ning eines Ver­eins gewe­sen.

Denn wenn man ein­mal abwägt, ob ein Third-Per­son-MMORPG, in dem es im Wesent­li­chen dar­um geht, Fan­ta­sie­fi­gu­ren platt­zu­zau­bern, oder ein Schüt­zen­ver­ein, in dem man pro­fes­sio­nell mit Din­gen han­tiert, die „bumm“ und bei Bedarf auch tot machen, nun den schäd­li­che­ren Ein­fluss auf eine offen­bar nicht unbe­dingt gesell­schafts­freund­li­che Per­son aus­übt, fällt die Ent­schei­dung nicht schwer.

Denn wenn man vor­hat, ein paar Leu­te über den Hau­fen zu schie­ßen, soll­te man stets berück­sich­ti­gen, dass man einen Ruf zu ver­lie­ren hat:

Auf das Com­pu­ter­spiel-Hob­by habe sei­ne Umge­bung mit Ent­set­zen und Schock reagiert. „Ich konn­te ihnen ja nicht sagen, dass ich ein frei­es Jahr neh­me, weil ich mich fünf Jah­re spä­ter in die Luft spren­gen woll­te.“

„Also das mit dem Leu­te­met­zeln ist ja in Ord­nung, aber World of War­craft? Der Jun­ge braucht drin­gend einen Psych­ia­ter!“

Nein, natür­lich hat das nichts damit zu tun.
Aus­re­den, alles Aus­re­den!

(Mit Dank an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt XCVII: Wirt­schafts­mäch­te mit Erfah­rung

Also damit konn­te wirk­lich – im Wort­sin­ne – nie­mand rech­nen:

Das kri­sen­ge­plag­te Ita­li­en bekommt sei­ne Schul­den nicht in den Griff.

Zum Glück hat Ita­li­en inzwi­schen einen erfah­re­nen Mini­ster­prä­si­den­ten, der weiß, wie man mit Finanz­kri­sen umgeht, immer­hin ist das nicht sei­ne erste:

Er ist inter­na­tio­na­ler Bera­ter bei Gold­man Sachs und Coca-Cola.

Und als Bera­ter von Gold­man Sachs „weiß“ man: Will man die rei­chen Bür­ger vor der Plei­te bewah­ren, muss man zunächst die Ban­ken för­dern.

Die Ban­ken in Spa­ni­en und Ita­li­en müs­sen sich immer mehr Geld bei den euro­päi­schen Noten­ban­ken lei­hen, um ihre ange­schla­ge­nen Volks­wirt­schaf­ten mit Kre­di­ten zu ver­sor­gen. (…) Laut Ifo stie­gen die Schul­den der ita­lie­ni­schen Noten­bank von Janu­ar bis März dem­nach um 79 Mil­li­ar­den Euro, allein 76 Mil­li­ar­den Euro davon ent­fie­len auf den März.

Wir sind geret­tet!

Und damit wir nicht den Glau­ben dar­an ver­lie­ren, hielt die Deut­sche Bot­schaft in Wurst­schin­ken Washing­ton es für rele­vant, aus­ge­wähl­te US-Ame­ri­ka­ner danach zu fra­gen, wie sie Deutsch­lands Rol­le in Euro­pa ein­schät­zen. Das Urteil fällt posi­tiv aus:

Sowohl inter­na­tio­nal als auch in der Euro-Kri­se spie­len die Deut­schen in den Augen der US-Bür­ger eine wich­ti­ge­re Rol­le als noch vor weni­gen Jah­ren.

Denn das ist zur­zeit natür­lich das, was uns die größ­te Sor­ge berei­tet: Was hal­ten die Ame­ri­ka­ner von uns?
Und selbst­ver­ständ­lich hat das nichts damit zu tun, dass es um die Wirt­schaft der USA nicht zum Besten bestellt ist. Die wol­len nur unser Bestes.

Unser Geld.

Fotografie
Krea­ti­ves Par­ken

Es ist eine ziem­lich dum­me Idee, sein Fahr­zeug aus Bequem­lich­keits­grün­den auf einem pri­va­ten Park­platz abzu­stel­len, der oben­drein als für eine Füh­rungs­kraft reser­viert gekenn­zeich­net ist.

Mit etwas Glück wird man auf die­sen Fehl­tritt ledig­lich freund­lich hin­ge­wie­sen, im Nor­mal­fall abge­schleppt. Mit etwas Pech aller­dings ist der Besit­zer des Park­plat­zes nicht nur dar­auf aus, sein Recht gel­tend zu machen, son­dern oben­drein mit Krea­ti­vi­tät und Humor geseg­net (scheuß­li­ches Wort!).

Denn dann kann es pas­sie­ren, dass er sich rächt.

Montagsmusik
Extra Life – Volup­tuous Life

Nicht unbe­dingt begei­stert bin ich von dem neue­sten Album von Extra Life namens „Dream Seeds“, gegen­über dem Vor­gän­ger „Made Fle­sh“ weiß es mich nicht so recht zu über­zeu­gen; wohl auch, weil auf letz­te­rem das als Stu­dio- …

Extra Life – Volup­tuous Life

… wie als Live­ver­si­on …

Extra Life – Volup­tuous Life (live)

… her­vor­ra­gen­de „Volup­tuous Life“ ent­hal­ten ist.

Und über­haupt: Die Tex­te.

Too much life, too much life,
so much life that we die

Ach.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Exper­ten: „Erde kei­ne Schei­be“

Ich weiß nicht, was mich als einen Inter­net­ex­per­ten (ich besit­ze meh­re­re E‑Mail-Adres­sen und bin somit ver­mut­lich sogar deut­lich über­qua­li­fi­ziert) dar­an eigent­lich am mei­sten erschüt­tert:

Exper­tin: Inter­net ist nicht Aus­lö­ser für jun­ge Amok­läu­fer

Wahr­schein­lich die Über­schrift.

(Bonu­s­poin­te: Die benann­te „Exper­tin“ ist laut heise.de übri­gens Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Sabi­ne Jörk. Kla­rer Fall: Nie­mand ist bes­ser dafür geeig­net, die Beweg­grün­de jugend­li­cher Amok­läu­fer zu ergrün­den, als eine Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin.)

In den Nachrichten
Nazi­gur­ken

Der tota­le Krieg gegen Rechts geht wei­ter: Wäh­rend sich Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen, ange­feu­ert von sen­sa­ti­ons­lü­ster­nen Blog­gern, inzwi­schen wochen­lang gegen­sei­tig vor­wer­fen, aus den jeweils fal­schen Grün­den („Kampf gegen Rechts“ bzw. eben „Pro­pa­gan­da für Rechts“) in der Pira­ten­par­tei zu sein, ist man auf dem Land schon einen Schritt wei­ter. Die näch­ste Ent­na­zi­fi­zie­rung muss nicht mehr in der Poli­tik statt­fin­den, sie wird als Essens­schlacht aus­ge­tra­gen – du bist, was du isst. (Vege­ta­ri­er sind also, ver­mut­lich, über­wie­gend Kohl­köp­fe.)

Denn in einen deut­schen Magen darf nie mehr poli­tisch inkor­rek­te Nah­rung gelan­gen, und damit sind aus­nahms­wei­se nicht „Gür­kin­nen und Gur­ken“ gemeint. Rei­nen Gewis­sens darf nicht schlem­men, wer Mas­sen­tier­hal­tung, gene­ti­sche Expe­ri­men­te oder die fal­sche Gesin­nung damit unter­stützt. Moment, was?

Offen­bar dräut uns in Zei­ten stei­gen­der Beliebt­heit von Bio­ge­mü­se bei­na­he unab­än­der­lich ein neu­es Deut­sches Reich, wenn wir nicht end­lich mit har­ter Hand durch­grei­fen gegen hei­mat­ver­bun­de­ne Bau­ern, denn ein Gemü­se­käu­fer trägt mit sei­nem Tun, ob gewollt oder nicht, sei­nen Teil dazu bei, dass der Gemü­se­bau­er mit sei­nen womög­lich, je nach per­sön­li­chem Stand­punkt, frag­wür­di­gen Ansich­ten (sei er nun F.D.P.-Mitglied, sei er Radio­head-Anhän­ger) ein zufrie­de­nes Leben füh­ren kann.

So kann es zum Bei­spiel auch mal pas­sie­ren, dass man mit dem Kauf von Bio­ge­mü­se auch die Kas­se eines ehe­ma­li­gen Funk­tio­närs der NPD, der Par­tei von Hol­ger Apfel (womit wir auch wei­ter­hin beim Gemü­se wären), zu fül­len hilft, warnt die „Süd­deut­sche Zei­tung“:

Im poli­tisch unver­däch­ti­gen Bio­land­bau tum­meln sich zuneh­mend Rechts­extre­me. Und so lan­det neo­na­zi­sti­sches Gedan­ken­gut, unschul­dig grün ver­packt, in der Mit­te der Gesell­schaft.

Klar; Natur- und Hei­mat­schutz, ein belieb­tes The­ma von rechts außen, spä­ter zum Teil adap­tiert von den „lin­ken“ Grü­nen, erfreut sich unge­bro­che­ner Beliebt­heit, aber Ernäh­rung ist ein Grund­be­dürf­nis des Men­schen, und da hat Poli­tik nicht viel ver­lo­ren:

„Ich kann ja kei­ne poli­ti­sche Grund­hal­tung zer­ti­fi­zie­ren, ich kann nur öko­lo­gi­sche Anbau­me­tho­den zer­ti­fi­zie­ren“, sagt [Bio­park-Geschäfts­füh­re­rin Delia] Mick­lich. „Nur wenn man die Par­tei ver­bie­tet, dann haben wir eine Hand­ha­be gegen sol­che Leu­te.“

Frech von den Nazis – erst ver­der­ben sie einem den Stolz auf das Hei­mat­land und jetzt kann man nicht mal mehr Gemü­se kau­fen, ohne sich rechts­ra­di­ka­ler Hetz­pro­pa­gan­da aus­zu­set­zen. Was sol­len die Nach­barn nur den­ken, wenn man nichts ahnend an ihnen vor­bei­geht und plötz­lich schreit der Eis­berg­sa­lat „Heil Hit­ler!“ aus der Ein­kaufs­ta­sche? Jemand soll­te etwas dage­gen tun, bevor es zu spät ist und unse­re gesun­de Ernäh­rung das Land ein wei­te­res Mal in den Abgrund stür­zen wird. Immer­hin hät­ten wir dann aber jeman­den, auf den wir zei­gen kön­nen.

Denn wer trägt an all dem die vol­le Schuld? Natür­lich die „Süd­deut­sche Zei­tung“ selbst, die in ihren Lesern jah­re­lang der­ma­ßen Angst vor Gen­mais und der­glei­chen geschürt hat, dass ihnen letz­ten Endes nichts ande­res übrig blieb als in den, nun, sau­ren Apfel zu bei­ßen und fort­an zu Braun­kohl zu grei­fen. Lie­ber Nazi­gur­ken als Kil­ler­mais.

Olles Nazi­blatt.

(Mit Dank an L.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XCVI: Reli­giö­se Eife­rer

Der­zeit gibt es ein Rie­sen­bo­hei, weil mil­lio­nen­fach kosten­lo­se Aus­ga­ben des Koran, über­setzt auf Deutsch (und somit nach streng mus­li­mi­scher Aus­le­gung kei­ne Kora­ne), unter das Volk gebracht wer­den. Das soll­te an sich kein Pro­blem sein, denn auf dem Papier besteht in Deutsch­land kei­ne Staats­re­li­gi­on, der Islam ist also hier­zu­lan­de gleich­wer­tig neben dem Chri­sten­tum, Sci­en­to­lo­gy und dem Pasta­fa­ris­mus ein­zu­ord­nen, beach­tet man ein­mal nicht die staat­li­chen Sub­ven­tio­nen an die christ­li­chen Kir­chen sowie die christ­lich-kirch­li­chen Fei­er­ta­ge in den gel­ten­den deut­schen Kalen­dern.

Pro­ble­ma­tisch wird’s eben, wenn sich zum Glau­ben und/oder Aber­glau­ben eine gro­ße Por­ti­on Fun­da­men­ta­lis­mus gesellt, denn dann wird es kom­pli­ziert:

Jede Men­ge Kri­tik lässt sich indes gegen jene Grup­pe anfüh­ren, die den Koran gera­de so frei­mü­tig unters Volk bringt. Der Pre­di­ger Ibra­him Abu Nagie ist nach Über­zeu­gung der Sicher­heits­be­hör­den längst nicht jener harm­lo­se Geschäfts­mann, zu dem er sich ger­ne selbst sti­li­siert.

Son­dern ein reli­giö­ser Eife­rer, der jener wach­sen­den Zahl von Sala­fi­sten zuzu­rech­nen ist, die einer strik­ten, bru­ta­len und rück­stän­di­gen Inter­pre­ta­ti­on des Islam fol­gen. Einer Denk­rich­tung, die aggres­siv auf Kri­ti­ker reagiert und grund­le­gen­de Men­schen­rech­te in Fra­ge stellt.

Dar­an soll­ten wir alle den­ken, wenn wir das näch­ste Mal mit dem Gedan­ken spie­len, unse­ren Tag, unse­re Gedan­ken und unser Radio­pro­gramm len­ken zu las­sen von denen, die mit einer Denk­rich­tung sym­pa­thi­sie­ren, zu deren Schutz vor Kri­ti­kern es sogar ein eige­nes Gesetz gibt (§ 166 StGB) und deren Vor­den­ker grund­le­gen­de Men­schen­rech­te in Fra­ge stel­len.

Zur näch­sten Weih­nacht dann.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „The Win­ner is…“ ist… oder?

Mit rie­si­gen und schier all­ge­gen­wär­ti­gen Pla­ka­ten warb jüngst Sat.1 („SAT.1“) für eine wei­te­re über­flüs­si­ge Ver­si­on der immer glei­chen „Unter­hal­tungs­sen­dung“ mit dem über­zeu­gen­den Kon­zept „Kan­di­dat macht sich zum Heinz und kriegt dafür viel­leicht Geld und viel­leicht nicht“, deren Name „The Win­ner is…“ lau­tet, was in Zei­ten einer Sen­dung wie „The Voice of Ger­ma­ny“ mit einer afri­ka­ni­schen Sie­ge­rin mit eng­lisch­spra­chi­gem Titel ja auch nur kon­se­quent erscheint, aber schon irgend­wie einen Hap­pen dätsch ist, wie man in eini­gen Gegen­den Deutsch­lands zu sagen pflegt.

Apro­pos „The Voice of Ger­ma­ny“: Die Pro­du­zen­ten sind geblie­ben, die Mode­ra­ti­on nicht. Die­se hat für „The Win­ner is…“ Lin­da de Mol über­nom­men, was ziem­lich pas­send ist, denn sturz­frei­es Deutsch war bekannt­lich nie ihre Stär­ke.

Gese­hen habe ich, Medi­en­kom­pe­tenz sei Dank, kei­ne der bei­den Sen­dun­gen, aus­nahms­wei­se schlägt aber auch der Ver­such fehl, mir anhand der Bericht­erstat­tung ein Urteil zu bil­den. Über­schwäng­li­cher Jubel in allen Medi­en ist nor­ma­ler­wei­se ein Zei­chen für dümm­li­che Belie­big­keit, aber so leicht machen’s einem die Medi­en halt nicht.

WELT ONLINE so:

Der blon­de hol­län­di­sche Engel ver­strömt gute Lau­ne mit jeder Faser und rockt jetzt für acht Sen­dun­gen das Casting­show-gebeu­tel­te Deutsch­land, das sei­ne Kicks nun end­lich wie­der über der Gür­tel­li­nie bekommt. (…) Super Stu­dio, gran­dio­se Stim­mung, vie­le Stan­ding Ova­tions, kurz: Jede Men­ge Unter­hal­tung für die gan­ze Fami­lie – das ist „The Win­ner is …“.

SPIEGEL ONLINE so:

Wor­um geht es? Um den inni­gen Wunsch der Inter­pre­ten, das Publi­kum mit ihrer Musik zu berüh­ren. Klei­ner Scherz. Es geht um „die Koh­le“ (Lin­da de Mol).

(…)

Bester Satz? Lin­da de Mol vor der Ver­kün­dung eines Ergeb­nis­ses: „So, das ist jetzt ein sehr span­nen­der Moment.“ Das hät­te man näm­lich um ein Haar wirk­lich nicht gemerkt, dass das jetzt ein span­nen­der Moment war.

Obwohl ich aus­ge­wo­ge­ne Bericht­erstat­tung fast eben­so schät­ze wie wohl­do­sier­ten Sar­kas­mus, bin ich jetzt doch ein wenig rat­los: Ist „The Win­ner is…“ nun über­be­wer­te­ter Quatsch oder stüm­per­haf­ter Mist?

Wer hat’s gese­hen?

SonstigesNetzfundstücke
Umzugs­fe­ti­schi­sten

Der Zufall woll­te es, dass ich heu­te mit mei­nem Mobil­brow­ser ver­se­hent­lich auf einer die­ser neu­mo­di­schen „Erotik“-Webseiten gelan­det war, als ich in ein Funk­loch geriet.

Somit bot sich mir für kur­ze Zeit die Gele­gen­heit, den ganz rea­len mind­fuck von vor­geb­lich „ero­ti­schen“ clips in Text­form zu genie­ßen. Und was da man­che Leu­te für Feti­sche haben!

„Tschüss, Blon­die!“

Mein Favo­rit ist aller­dings das hier:

Ist das so etwas wie auf cybervally.com gezeigt?

Da geht mir ja schon rich­tig die Düse; Frau­en, die auf Web­cams star­ren.
Und damit kann man Leu­te anlocken?

Montagsmusik
Urlaub in Polen – Inkin Ark

Die Oster­fei­er­ta­ge sind nun fast vor­über, die Oster­fe­ri­en, sofern zutref­fend, nei­gen sich auch dem Ende. Nun konn­te man die­se Zeit nut­zen, um Musik zu hören, oder man ver­brach­te sie anders, etwa mit einem Urlaub in Polen.

Oder bei­des. Den Abschluss der öster­li­chen Musik­se­rie bil­det mit der heu­ti­gen Mon­tags­mu­sik die lei­der vor eini­gen Mona­ten auf­ge­lö­ste deut­sche Musik­grup­pe Urlaub in Polen, die trotz eng­lisch­spra­chi­ger Tex­te ein posi­tiv beein­drucken­des Bei­spiel dafür ist, dass Kraft­werk noch bis heu­te ihre Spu­ren hin­ter­las­sen und elek­tro­ni­sche Musik auch unschei­ße sein kann, wenn man sich nur Mühe gibt.

Urlaub in Polen // Inkin Ark (Live)

(Auf so einen Namen muss man natür­lich auch erst mal kom­men.)

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt XCV: Liter/arisch aner­kannt

Zum The­ma Gün­ter Grass‘ Isra­el­kri­tik sei nun­mehr alles gesagt, soll­te man mei­nen; nur eben noch nicht von jedem, und es wird flei­ßig nach­ge­legt. Das ist natür­lich auch irgend­wie amü­sant:

Die israe­li­sche Regie­rung legt nach: Gün­ter Grass sei ein „anti­se­mi­ti­scher Mensch“, schimpf­te Innen­mi­ni­ster Jischai, man müss­te ihm den Lite­ra­tur­no­bel­preis aberken­nen.

Wir ler­nen zwei­er­lei:

Erstens: Kri­ti­siert man die Außen­po­li­tik eines Lan­des, ist das ein Zei­chen von Ver­ach­tung für die Staats­re­li­gi­on. Kaba­ret­ti­sten wie Vol­ker Pis­pers etwa sind folg­lich Anti­chri­sten, und man soll­te ihnen jed­wel­che Aus­zeich­nung nach ihrer Ent­tar­nung wie­der weg­neh­men, um schlim­me­res zu ver­mei­den.

Zwei­tens: Ein Lite­ra­tur­no­bel­preis steht in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang zu jeg­li­chen spä­te­ren poli­ti­schen Äuße­run­gen des Preis­trä­gers, denn es ist undenk­bar, dass jemand, der sich kri­tisch über die Außen­po­li­tik ande­rer Län­der äußert, gleich­zei­tig ein aner­kann­ter Schrift­stel­ler sein kann.

Eine mög­li­che Kon­se­quenz lau­tet: Ver­kehrs­de­lik­te soll­ten künf­tig mit lebens­lan­gem Haus­ver­bot bei ALDI geahn­det wer­den, denn jemand, der sich nicht an die Ver­kehrs­re­geln hal­ten kann oder will, soll­te kei­nen Ein­kaufs­wa­gen mehr benut­zen dür­fen.

(Mit Dank an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
Talk Talk – Spi­rit of Eden

Und schon ist wie­der Ostern, die Zeit der Super­son­der­spe­zi­al­ak­tio­nen im Inter­net. Vor lau­ter Eiern fin­det man zur­zeit nur wenig ver­wert­ba­re Infor­ma­tio­nen. Das fin­de ich gut und rich­tig, denn immer nur Poli­tik ist auf Dau­er doch ein wenig ein­tö­nig.

Wie Weih­nach­ten ist Ostern im west­lich-christ­li­chen Kul­tur­kreis vor allem eine „besinn­li­che“ Zeit. Zeit, um in sich zu gehen; und dazu passt Musik. Aber was für Musik soll­te man wäh­len? Ein „Last Easter“ haben Wham! ja lei­der nie auf­ge­nom­men, und so muss man sich anders behel­fen. Da trifft es sich gut, dass, wie aus­nahms- und lobens­wer­ter­wei­se SPIEGEL Online berich­tet, das 24 Jah­re alte Album „Spi­rit of Eden“ – „der Geist des Para­die­ses“, ein gera­de­zu bibli­scher und somit für die öster­li­che Beschal­lung geeig­ne­ter Titel – der New-Wave-For­ma­ti­on Talk Talk jüngst sich einer Neu­auf­la­ge erfreu­en durf­te, sofern ein Musik­al­bum das über­haupt zu tun ver­mag.

Talk Talk war eine bri­ti­sche Musik­grup­pe, die Anfang der 1980er Jah­re gräss­li­chen Kau­gum­mi­pop („It’s My Life“, „Such a Shame“) für schaf­fens­wert hielt und auf dem letz­ten Album („Laug­hing Stock“, 1991), etwa zur glei­chen Zeit wie Slint („Spi­der­land“), das mit­er­fand, was heu­te von eti­ket­tier­wü­ti­gen Rezen­sen­ten „Post­rock“ genannt wird. Dazwi­schen liegt das ein­ma­li­ge „Spi­rit of Eden“.

Die Ein­ma­lig­keit gilt nicht nur inner­halb des Schaf­fens von Talk Talk, die nie zuvor und auch danach nie wie­der ein der­art per­fek­tes Album auf­ge­nom­men haben, sie gilt für das gan­ze Gen­re des New Wave. Aber ist das über­haupt noch New Wave? Das Inter­net ver­neint das.

Lei­se beginnt es mit Strei­chern und Trom­pe­te, nach etwa zwei­ein­halb Minu­ten set­zen Gitar­re, ver­zerrt-ver­stärk­te Mund­har­mo­ni­ka, Bass und Schlag­zeug ein. Die Rei­se nimmt ihren Anfang, schon das 23-minü­ti­ge und drei­tei­li­ge „The Rain­bow / Eden / Desi­re“ lässt den Hörer eine ande­re Gefühls­ebe­ne erle­ben. Die Stim­mung ist floydig, Mark Hol­lis singt ein wenig undeut­lich, dazu ein wenig Kla­vier. Nach vier­ein­halb Minu­ten ist man sich zum ersten Mal seit Lan­gem dem emo­tio­na­len Poten­zi­al von Musik bewusst, und wäh­rend der Ver­stand den sur­rea­len Rufen wie aus wei­ter Fer­ne folgt, drückt irgend­et­was ganz tief drin auf Gefüh­le, die man längst ver­ges­sen (oder ver­drängt?) hat­te.

Well, how can that be fair at all?
Rep­en­ted, chan­ged,
awa­re whe­re I have wron­ged.

Tief durch­at­men, wei­ter geht es. Die Melan­cho­lie weicht behut­sa­mer Hoff­nung, „Eden“ beginnt. Ever­y­bo­dy needs someone to live by, ja, und dann plötz­lich, so kurz wie kaum greif­bar, The Vel­vet Under­ground; krächz, jaul, näch­ste Stro­phe. Mark Hol­lis klagt jetzt nicht mehr, er ruft, die Stim­me fast noch sehn­süch­ti­ger als der Text, den er spricht. Die Kli­max? „Desi­re“. Kamm­er­klän­ge, spär­lich instru­men­tiert.

Desi­re, whispe­red, spo­ken, in time, rivers, oce­ans.

Der Moment, in dem man am lieb­sten schrei­en wür­de, ist schon längst über­schrit­ten. Aber man kann dann doch nicht von der Stim­mung las­sen und lässt sich wei­ter trei­ben; und plötz­lich bricht das instru­men­ta­le Infer­no – gemes­sen immer am Gewe­se­nen – los. Den Sän­ger hält es jetzt auch nicht mehr zurück: That ain’t me, babe, I’m just con­tent to relax than drown within mys­elf, und hät­te man gera­de ein Text­buch zur Hand, man wür­de den Refrain mit­brül­len, aber so bleibt nur das Brül­len ganz tief drin. Irgend­et­was dort tief drin fleht um Gna­de, und man wür­de es gern ohr­fei­gen, um den Schmerz zu spü­ren.

Das mit merk­wür­di­gen elek­tro­ni­schen Effek­ten ver­zier­te „I Belie­ve In You“ hat es aus irgend­wel­chen Grün­den (zwei Jah­re nach „I Don’t Belie­ve In You“, wer erkennt das Muster?) geschafft, als Ein­zel­stück aus­ge­kop­pelt zu wer­den. Gegen Ende der 1980er Jah­re war sol­cher­lei durch­aus beliebt. Ähn­lich wie „Inhe­ri­tance“ und „Wealth“ ori­en­tiert sich die­ses Lied eher am Art-Pop, erste­res lässt den Rezen­sen­ten sich mit­un­ter gar an die weni­gen guten Momen­te der spä­ten Gene­sis erin­nern, ohne jemals deren Ober­fläch­lich­keit zu errei­chen.

„Wealth“ ist, wie sonst nur sel­ten, ein pas­sen­der Abschluss des Albums: Fast nur von der Orgel beglei­tet fleht Mark Hol­lis ein letz­tes Mal nach dem „Reich­tum der Lie­be“, dem wealth of love, und ver­spricht dafür sei­ne Frei­heit zu geben.

Crea­te upon my fle­sh,
crea­te a home within my head,
Take my free­dom for giving me a sacred love.

Wäh­rend die Musik lang­sam ver­klingt, sinkt der Hörer in sei­nen Ses­sel, noch immer weit ent­fernt von sich selbst. Das Album ist längst zu Ende, die Rei­se noch lan­ge nicht vor­bei.

Es gibt nur weni­ge Musikal­ben, die es schaf­fen, gleich­zei­tig Herz und Hirn zu ent­füh­ren, also psy­che­de­lisch und melan­cho­lisch zugleich zu sein. Dear John Let­ter ver­ste­hen sich auf die­se Kunst, Talk Talk haben sie schon 1988 per­fek­tio­niert.

Ganz groß.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt XCIV: Offe­ne Brie­fe für jeder­mann

Offe­ne Brie­fe sind ja zur­zeit ein recht belieb­tes Mit­tel, sich öffent­lich zu äußern. Womög­lich wer­den dem­nächst die ersten Tages­zei­tun­gen dazu über­ge­hen, ihre Leser­brief­sei­ten „Sei­te für offe­ne Brie­fe“ zu nen­nen.

Wem hier­zu par­tout nichts ein­fal­len will, dem hilft nun­mehr der Offe­ner-Brief-Gene­ra­tor für jeden nur erdenk­li­chen tages­po­li­ti­schen Anlass, auf Wunsch auch in „Gedicht“-Form:

Lie­be FDP.

Mit Ver­wir­rung
habe ich Ihr Wahl­pro­gramm über­flo­gen
und sehe mich daher genö­tigt,
sofort ein Gedicht zu schrei­ben.

Hihi!

(via Mario Six­tus)