In den NachrichtenWirtschaft
(Ein Spen­den­auf­ruf für Mark Z.)

Sehr geehr­te Leser­schar,

heu­te wen­de ich mich mit einem ern­sten Anlie­gen an euch.

Wie wir wis­sen, ist Deutsch­land eines der reich­sten Län­der hier in der Gegend. Wie am Bei­spiel Grie­chen­lands zu sehen ist, tra­gen wir somit eine gro­ße Ver­ant­wor­tung auf unse­ren Schul­tern, dro­hen­de Welt­wirt­schafts­kri­sen abzu­wen­den zu hel­fen und finan­zi­ell Schwa­che mit aller Kraft zu unter­stüt­zen, bevor die Armuts­spi­ra­le sich unauf­halt­sam abwärts schraubt.

Und so möch­te ich die Gele­gen­heit nut­zen, auf ein beson­ders erschrecken­des Schick­sal hin­zu­wei­sen, das Schick­sal des einst hoff­nungs­vol­len Öko­no­men Mark Z., der auf­grund unglück­li­cher Umstän­de an der Bör­se ein Ver­mö­gen ver­lo­ren hat und um sei­ne Exi­stenz ban­gen muss.

Das men­schen­na­he Maga­zin „hei­se online“ berich­tet mit­lei­dig:

Größ­ter Anteils­eig­ner und damit einer der größ­ten Leid­tra­gen­den des Kurs­ver­falls ist Grün­der Mark Zucker­berg. Ein Dol­lar mehr oder weni­ger beim Akti­en­preis macht eine hal­be Mil­li­ar­de an sei­nem Ver­mö­gen aus. (…) Der Ver­fall der Face­book-Aktie kann für Zucker­berg umso bit­te­rer gewe­sen sein, als die US-Bör­sen ins­ge­samt deut­lich nach oben gin­gen.

Was für ande­re eine Fra­ge von weni­gen Euro ist, bedeu­tet für Mark Zucker­berg den Ver­lust von Mil­li­ar­den. Unschwer zu erken­nen ist, wohin das füh­ren muss, wenn wir nicht gemein­sam ent­ge­gen­wir­ken. Habt ein Herz für die Armen und Bedürf­ti­gen, und mel­det euch bei Face­book an, anstatt mit eurem Geld unnö­ti­gen Krem­pel wie das deut­sche Sozi­al­sy­stem oder gar Grie­chen­land zu unter­stüt­zen; deak­ti­viert dort jeden Wer­be­fil­ter und kauft vie­le items für die dort ange­bo­te­nen Spie­le. Nur ihr könnt Schlim­me­res ver­hin­dern!

Stellt euch nur ein­mal die leuch­ten­den Augen von Mark Zucker­berg vor, mit denen er euch dan­ken möch­te! Ist das nicht die­se klei­ne Inve­sti­ti­on in unser aller Zukunft wert?

In den NachrichtenWirtschaft
Medi­en­kri­tik LXVIII: Der Sar­ra­zin, der Straub­haar, der Euro und ein Flug­zeug ohne Lan­de­bahn.

Am mor­gi­gen Diens­tag erscheint Thi­lo Sar­ra­zins neu­es Buch „Euro­pa braucht den Euro nicht!“, in dem er angeb­lich postu­liert, dass der Euro gequirl­ter Käse sei und wir ohne ihn bes­ser wirt­schaf­ten könn­ten. Ich habe das Buch noch nicht gele­sen, aber Tho­mas Straub­haar tat es – schwarz kopiert? – und lässt auf STERN.de ver­kün­den:

Sar­ra­zins Buch ist Zeit­ver­schwen­dung

War­um? Tscha, eh‘ zu spät, schreibt Tho­mas Straub­haar:

Thi­lo Sar­ra­zin hat Recht: Aus öko­no­mi­schen Grün­den hät­te es den Euro in der Tat nicht gebraucht. Aber dar­um geht es nicht (mehr)!

Jeden­falls Tho­mas Straub­haar geht es nicht dar­um, er hat sich mit sei­nem Schick­sal in der Euro­zo­ne abge­fun­den. Damit er sich nicht so allein fühlt, ver­sucht er sei­ne Spiel­ka­me­ra­den nun mit Quen­geln und Auf­stamp­fen um sich zu scha­ren; jeden­falls vir­tu­ell, denn „Fakt ist“ ist in der deut­schen Spra­che das Äqui­va­lent zum Auf­stamp­fen und ein siche­res Zei­chen für Unsi­cher­heit des­sen, der es ver­wen­det:

Fakt ist (sic!), dass Euro­pa den Euro seit 1999 als Gemein­schafts­wäh­rung hat, seit 2002 für jeden Bür­ger auch sicht­bar als Euro-Mün­zen und Euro-Schei­ne. Des­halb stellt sich die Fra­ge nicht mehr, ob Euro­pa den Euro braucht. (…)

Es macht eben einen rie­si­gen Unter­schied, ob man im flie­gen­den Flug­zeug sitzt und aus­stei­gen will, oder man gar nicht erst ein­steigt. In bei­den Fäl­len will man drau­ßen sein, aber fak­tisch hat nur wer drau­ßen geblie­ben ist, eine Wahl­frei­heit. Wer mit­fliegt, ist mit­ge­gan­gen und damit mit­ge­fan­gen.

(Im Ori­gi­nal ver­kork­ste Zei­chen­set­zung unver­än­dert über­nom­men, Her­vor­he­bung aber von mir.)

Fakt ist eben auch, dass Deutsch­land ein hal­bes Jahr­hun­dert lang die Deut­sche Mark ver­wen­de­te, seit 1949 für jeden Bür­ger auch sicht­bar in sei­nem Porte­mon­naie. Wir haben ande­rer­seits gelernt: Die Umstel­lung eines Wäh­rungs­sy­stems bedarf im Zwei­fels­fall nur eini­ger Ent­schei­der, die nicht mehr alle Lat­ten an der Mur­mel haben, ein Wäh­rungs­sy­stem ist aber kein Natur­ge­setz wie die Schwer­kraft oder dass dum­me Men­schen gern deut­schen Rap hören.

Und so ver­hed­dert sich Tho­mas Straub­haar so tief im Kom­ma­dschun­gel, dass er ein paar ange­kleb­te Flü­gel für ein Flug­zeug mit unend­lich gro­ßem Tank hält und zu fei­ge ist, mal in sei­nem Ruck­sack nach einem Fall­schirm zu suchen. In der ersten Klas­se („Tho­mas Straub­haar ist Lei­ter des Ham­bur­gi­schen Welt­Wirt­schafts­In­sti­tuts (HWWI)“, prost!) sitzt man eben auch in sei­ner Fan­ta­sie ziem­lich bequem.

Der Euro exi­stiert. Er ist All­tag.

Das hat die Ver­nich­ter der Deut­schen Mark auch nicht gestört. Die DDR war übri­gens auch mal All­tag.

Natür­lich wünsch­ten sich vie­le Eltern gele­gent­lich eine Zeit ohne Kin­der, die ner­ven, zurück. Aber genau so wenig, wie Kin­der unge­sche­hen gemacht wer­den kön­nen, gab und gibt es einen Plan B, der den Euro besei­tigt.

Der Euro als quen­geln­des Kind, das die eige­ne soli­de Finanz­wirt­schaft mit stän­di­gen Anfor­de­run­gen („MAMA, KAUF MIR EIN EIS“ bzw. eben „Deut­sche, schenkt den Grie­chen mal was“) rui­niert, ist natür­lich ein schö­nes Bild. Gibt es dazu schon eine Kari­ka­tur? Übri­gens gibt es sehr wohl, zumin­dest auf dem Papier, einen Plan B: Wäh­rend Deutsch­land zwar einen Ver­trag unter­schrie­ben hat, der es dazu ver­pflich­tet, Mit­glied der Wäh­rungs­uni­on zu blei­ben, wür­de die­ser Ver­trag auto­ma­tisch ungül­tig, sobald Deutsch­land aus der EU aus­tritt.

Eine etwas for­sche­re Lösung hat Deutsch­land selbst in der Ver­gan­gen­heit schon prak­ti­ziert: Weil „wir“ uns wei­gern, die vor­ge­ge­be­ne Richt­li­nie zur Ein­füh­rung der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein­zu­hal­ten, neh­men „wir“ gern eine Ver­trags­stra­fe in Kauf. Eine zwei­te käme uns viel­leicht immer noch bil­li­ger als wei­te­res Dahin­ve­ge­tie­ren auf Euro­ba­sis. Aber sicher weiß Tho­mas Straub­haar mehr dar­über.

Der hat aber ganz ande­re Sor­gen:

(…) Des­halb pro­vo­ziert eine deut­sche Dis­kus­si­on dar­über, „ob Euro­pa den Euro braucht“ bei den Nach­barn die schlimm­sten Äng­ste eines natio­nal ori­en­tier­ten wirt­schaft­lich domi­nan­ten Groß-Deutsch­lands. Genau die Kon­se­quenz, die man mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung nicht woll­te und mit dem Euro zu ver­hin­dern ver­such­te.

Wie muss ich mir die Ver­trags­ver­hand­lun­gen vor­stel­len? „Ihr kriegt die DDR und den Euro, damit ihr kei­ne Nazis mehr seid“? Die­se zwei Sät­ze sind so unglaub­lich bescheu­ert, dass mir nur noch Stich­wor­te ein­fal­len:

  • Deutsch­land wird nicht zu „Groß-Deutsch­land“, wenn wir uns den Euro weg­neh­men. Unse­re Gren­zen sind fest­ge­legt.
  • Eine Wäh­rungs­uni­on wür­de einen faschi­sti­schen Dik­ta­tor nor­ma­ler­wei­se nicht davon abhal­ten, die­se Gren­zen im Zwei­fels­fall erwei­tern zu wol­len. Die Wäh­rungs­uni­on hät­te sogar tak­ti­sche Vor­tei­le, denn sie wür­de die Vor­be­rei­tung auf etwa­ige krie­ge­ri­sche Hand­lun­gen wirt­schaft­lich erleich­tern.
  • Deutsch­land ist bereits wirt­schaft­lich domi­nant, was der Grund dafür ist, dass es reich­lich Geld in irgend­wel­che euro­päi­schen Kas­sen ein­zah­len „darf“.

Übrig bleibt die „natio­na­le Ori­en­tie­rung“. Natür­lich ist eine eige­ne Wäh­rung auch ein Sym­bol von Aut­ar­kie, den­noch ist Deutsch­land noch immer ein Export­land. Eine Abschot­tung inner­halb Euro­pas wäre also ohne Wei­te­res gar nicht mög­lich. (Übri­gens hat die Schweiz auch eine eige­ne Wäh­rung, und wer hat schon Angst vor der Schweiz?)

Wie­so aus­ge­rech­net ein natio­na­li­sti­scher Staat wie Frank­reich Angst vor natio­na­ler Ori­en­tie­rung hat, erscheint mir übri­gens auch unbe­greif­lich. Wo liegt der tat­säch­lich greif­ba­re Nach­teil eines Staa­tes, der ein wenig Selbst­be­stim­mung und Iden­ti­tät zurück­er­lan­gen will? Eine Ant­wort dar­auf bleibt Tho­mas Straub­haar natür­lich schul­dig, er weiß es wohl nicht bes­ser.

Für ihn jeden­falls ist das The­ma vom Tisch:

Hin­ge­gen ist es ein nutz­lo­ser Ver­schleiß poli­ti­scher Kräf­te, sich über Alter­na­ti­ven die Köp­fe heiß zu reden, die gar nicht mehr zur Debat­te ste­hen.

Da hat Tho­mas Straub­haar es ein­fa­cher: Bei ihm kann anschei­nend nicht mehr viel ver­schlei­ßen. Und so kann er zwei „Sei­ten“ auf STERN.de befül­len, indem er sich den Kopf über ein Buch heiß redet, das er eine Zeit­ver­schwen­dung nennt, weil die ent­hal­te­nen The­sen für ihn ganz per­sön­lich „gar nicht mehr zur Debat­te ste­hen“, und bezahlt wird er für die­sen Meta­witz wahr­schein­lich auch noch.

Fakt ist: Tho­mas Straub­haars Aus­füh­run­gen sind Zeit­ver­schwen­dung.

MusikkritikMontagsmusik
Can – Spoon

Vor etwa 40 Jah­ren erschien mit Ege Bamy­a­si das vor­erst letz­te wirk­lich gute Album der Köl­ner Expe­ri­men­tal-Kraut­rock-Band Can.

Ent­hal­ten ist neben dem merk­wür­di­gen, damals immer­hin fern­seh­taug­li­chen Stück „Vit­amin C“ auch „Spoon“, das in einer Radio­ver­si­on (ihrer­zeit Platz 6 in der deut­schen Hit­pa­ra­de) den Film „Das Mes­ser“ musi­ka­lisch unter­mal­te, spä­ter in einer Liv­e­fas­sung ein Teil der jüng­sten Jubi­lä­ums­auf­la­ge des Vor­gän­ger­al­bums Tago Mago wur­de und alles ver­eint, was den Kraut­rock der 1970er Jah­re aus­mach­te: Repe­ti­ti­ve Rhyth­men, psy­che­de­li­sche Melo­dien, merk­wür­di­gen Gesang und fan­ta­sti­sche Musi­ker.

Auch live.

Can – Spoon – full live 15 minu­tes

Guten Mor­gen!

KaufbefehleMusikkritik
Delu­si­on Squared: Inter­es­san­tes aus Frank­reich

Durch Zufall stieß ich vor eini­gen Tagen auf das fran­zö­si­sche Trio Delu­si­on Squared, zu Deutsch etwa „Täu­schung zum Qua­drat“. In die­sem Jahr haben die drei Musi­ker mit eini­gen musi­ka­li­schen Gästen ein eher durch­wach­se­nes Album namens „II“ ver­öf­fent­licht, das namen­lo­se – oder selbst­be­ti­tel­te – Debüt von 2010 ist aber spit­ze.

Zu hören ist eine Melan­ge aus Neo-Prog und New Art­rock ohne Quietsch­key­boards und all­zu viel Elek­tro­nik­quatsch, dafür mit reich­lich Aku­stik­gi­tar­re, gespielt von Sän­ge­rin Lor­raine Young und Ste­ven Fran­cis, der neben­bei auch Kay­boards und Schlag­zeug bedient, erste­res wie­der­um gemein­sam mit Emma­nu­el de Saint Meen. Zumin­dest erste­ren Namen soll­te man sich mer­ken, denn sin­gen – und spre­chen, etwa gegen Ende des Stückes „Remem­brance – In my time of dying“ – kann Frau Young ziem­lich pri­ma.

Sti­li­stisch ist man fle­xi­bel. Wäh­rend eini­ge Stücke mit ihrem Auf­bau (aku­sti­sche Gitar­re, Stei­ge­rung, Kli­max) an „Trains“ der geschätz­ten Por­cupi­ne Tree erin­nern, geht es in „Delu­si­on – The Betra­y­al“ in Rich­tung Indu­stri­al Rock, zwar von Ramm­stein und Lai­bach noch weit ent­fernt, aber doch schon recht düster. Das abschlie­ßen­de „Lega­cy – A crea­ti­on myth“ ist trotz sei­ner fast acht Minu­ten Spiel­zeit eine radio­taug­li­che Bal­la­de, die für Frau Youngs Stim­me aller­dings etwas zu hoch gesetzt ist (das ein­zi­ge Mal wäh­rend der knap­pen Stun­de nervt der Gesang hier ein wenig), was aber sicher nicht der Grund dafür ist, dass die Radio­sen­der auf die­ses Stück wie auch auf den Rest des Albums offen­bar kei­nen gro­ßen Wert legen – Justin Bie­ber kann ja eben­falls nicht über­ra­gend gut sin­gen.

Über­haupt wäre es ein Feh­ler, ein­zel­ne Stücke dem Kon­text zu ent­rei­ßen. „Delu­si­on Squared“ – das Album – hat ein geschlos­se­nes Kon­zept:

Wir befin­den uns in einer fin­ste­ren Zukunft, in der das natür­li­che Öko­sy­stem der Erde nach ver­hee­ren­den Krie­gen weit­ge­hend zer­stört wur­de. Als Fol­ge muss­te man die sog. Arko­lo­gien bau­en, um das Fort­be­stehen der Mensch­heit zu sichern. (Arko­lo­gie ist ein von der Aussen­welt weit­ge­hend abge­schot­te­tes Öko­sy­stem, das durch archi­tek­to­ni­sche Maß­nah­men wie eine rie­si­ge Stadt gestal­tet wird). In den Arko­lo­gien leben durch Gen­tech­no­lo­gie per­fek­tio­nier­te, durch vir­tu­el­le Unter­hal­tung und medi­al erzeug­tes Kon­sum­ver­hal­ten glück­lich gemach­te und ruhig gestell­te Men­schen. Eine jun­ge Frau fin­det ein sol­ches Leben weni­ger prickelnd und beginnt dage­gen zu rebel­lie­ren. Ihr Wunsch auf natür­li­che Wei­se Mut­ter zu wer­den passt nicht zu den fest­ge­leg­ten Abläu­fen in der Arko­lo­gie, also greift sie auf Hil­fe eines gene­ti­schen Hackers zurück und wird dar­auf­hin fest­ge­nom­men, unfrucht­bar gemacht und aus­ge­setzt.

Die jun­ge Dame wird von den drau­ssen unter stän­di­ger Lebens­be­dro­hung exi­stie­ren­den Indi­vi­du­en in einem Zustand gefun­den, in dem sie offen­bar glaubt gleich ster­ben zu müs­sen. Die Frau wird lie­be­voll auf­ge­nom­men und schliesst sich dem Über­le­bens­kampf der Gemein­schaft in der feind­li­chen Umwelt an. Irgend­wann begin­nen sich die Arko­lo­gie-Bewoh­ner mit rie­si­gen Raum­schif­fen abzu­set­zen. Die drau­ssen Leben­den sehen das als Ansporn ihr Schick­sal wei­ter­hin zu mei­stern.

Mit der Zeit eig­net sich die namen­lo­se Frau beträcht­li­ches Wis­sen durch das Stu­di­um der Arte­fak­te an und wird durch ihr Ein­falls­reich­tum und sozia­le Intel­li­genz zu einer belieb­ten Auto­ri­tät. Sie hilft den Über­le­ben­den ihre Gene in der feind­li­chen Umwelt zu stär­ken und als sie 97-jäh­rig stirbt wird sie von vie­len wie eine Gott­heit ver­ehrt. …und sie nann­ten sie Mother-of-all-peo­p­le…

Natür­lich ist die­se Geschich­te (noch) nicht unbe­dingt lebens­nah, aber doch ziem­lich gute Fik­ti­on und mal was ande­res als das ewi­ge „Baby, Baby, I love youuu“ aus dem Radio. Wer auf die Tex­te ach­tet, der kann sich an so man­cher Zei­le erfreu­en, die er fort­an in die Rei­he sei­ner Lebens­mot­tos auf­neh­men soll­te. „If you don’t know how to fix it, plea­se stop brea­king it.“

Kauf – ob vir­tu­ell oder auf tat­säch­li­chem Ton­trä­ger – und vor­he­ri­ges Hin­ein­hö­ren ermög­licht bandcamp.com, und wer noch auf der Suche nach guter main­stream­t­aug­li­cher, aber doch anspruchs­vol­ler Musik ist, der soll­te davon reich­lich Gebrauch machen.

Eines jeden­falls steht fest: Die­ses Album ist mit Sicher­heit kei­ne Täu­schung. Wärm­stens emp­foh­len.

NetzfundstückePolitik
S in der PD

In der katho­li­schen Kir­che gibt es womög­lich eini­ge Chri­sten, im ADAC haben even­tu­ell auch Kraft­fah­rer eine Mit­glied­schaft inne.

Und in der SPD?

Arbeits­ge­mein­schaft der SOZIALDEMOKRATEN in der SPD

Was es nicht alles gibt!

(via @bov)

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Einer der „größ­ten Stars der Welt“, Aus­ru­fe­zei­chen.

Eh, „SPIEGEL Online“!

Mit eurem unter­ir­di­schen „In-Ear-Kopf­hö­rer­test“ neu­lich, wo von dem eye­cat­cher-Bild oben – einen (etwa den abge­bil­de­ten) Shu­re habt ihr nicht mal gete­stet – bis zum Inhalt („Bäs­se […] müs­sen eher als Tief­mit­ten bezeich­net wer­den“, hä?) so ziem­lich alles Grüt­ze war, hät­tet ihr es ja fast geschafft, euch für alles außer Fuß­ball und Poli­tik nach­hal­tig zu dis­qua­li­fi­zie­ren (letz­te­res selbst, obwohl ihr kei­ne Pro­zent­rech­nung könnt).

Das hier hat mich aber wie­der ver­söhn­lich gestimmt:

Sie kann nicht sin­gen, wirkt ver­braucht und hat die besten Jah­re hin­ter sich: End­lich erfüllt Brit­ney Spears die Anfor­de­run­gen an eine Casting­show-Juro­rin. (…) Pro­du­zent Cowell teil­te dem Blatt mit, er sei „hoch erfreut“. Spears sei immer noch einer der „größ­ten Stars der Welt“.

Wei­ter so!

Montagsmusik
Lau­ra: Post­rock aus Austra­li­en

Aus – anschei­nend – Mel­bourne stammt außer Daevid Allen, Front­mann der Spa­ce­rock­band Gong, auch die Musik­grup­pe Lau­ra, was nach einer däm­li­chen Souli­mi­ta­to­rin (vgl. „Duffy“, „Ade­le“ oder „Lena“) aus­sieht, aber gar nicht so klingt:

Lau­ra „Widow’s Son“ Live (HD, Offi­ci­al) | Mosh­cam

Das jüng­ste Album „Twel­ve Hundred Times“ erschien bereits 2011 und schafft es somit nicht in die Halb­jah­res­li­ste 06/2012, ist den­noch sehr emp­feh­lens­wert. Atmo­sphä­ri­scher Post­rock ohne die gen­re­üb­li­che Belie­big­keit – das weiß wohl zu gefal­len.

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt C: Inter­es­sant­sein kostet.

Wäh­rend drü­ben in Nord­rhein-West­fa­len die dau­er­brei­ten Grü­nen ihren schier unglaub­li­chen Wahl­ge­winn von minus 0,1 Pro­zent fei­ern, bastelt man bei Face­book noch in letz­ter Minu­te an einem bes­se­ren Finan­zie­rungs­kon­zept anläss­lich des eige­nen Bör­sen­gangs, denn wirk­li­chen Wert hat man ja nicht vor­zu­wei­sen.

Der neue­ste Vor­stoß ist bezeich­nend, er zeigt, wie ver­zwei­felt Face­book sein muss:

Face­book testet in Neu­see­land eine Bezahl­funk­ti­on, mit der nor­ma­le Mit­glie­der – nicht etwa Unter­neh­men – ihre Nach­rich­ten künst­lich auf­wer­ten kön­nen. Wird Bares über den Tisch gereicht, erscheint eine neue Mel­dung her­vor­ge­ho­ben in der Rubrik „Top Sto­ries“, sobald sich ein Face­book-Freund auf der Sei­te anmel­det. Damit wür­de sicher­ge­stellt, dass alle Freun­de die Mel­dung auch wirk­lich lesen (müs­sen).

Für ein paar Euro kann man so sicher­stel­len, dass das eige­ne „ich bin gera­de sau­fen mit xxx und yyy“ eine höhe­re Prio­ri­tät bekommt als ähn­li­che Mit­tei­lun­gen ande­rer Benut­zer, denn das ist wirk­lich immens wich­tig für ein polier­tes Selbst­be­wusst­sein.

Denn das ist genau das, was Face­book noch gefehlt hat.

PolitikSonstiges
„Das ist mei­ne FDP“

Die Nord­rhein-West­fa­len haben es gera­de nicht leicht: Über­all müs­sen sie die­ser Tage unfrei­wil­li­ge Komik zur Kennt­nis neh­men, weil schon wie­der Wah­len anste­hen und die Stirn von den daher unver­meid­li­chen zahl­rei­chen Schlä­gen mit der fla­chen Hand schon ganz wund ist.

Aus die­sem Grund ist es doch erbau­lich, wenn man etwas hat, wor­auf man sich ver­las­sen kann, zum Bei­spiel Chri­sti­an Lind­ner und sei­ne F.D.P.:

Die­ses Bild, auch als Pla­kat vie­ler­orts zu fin­den, ist der­art vol­ler Sym­bo­lik, dass ich es für ange­mes­sen hal­te, es ein wenig aus­führ­li­cher zu betrach­ten.

Erstens: Das all­ge­mei­ne Erschei­nungs­bild.

Even­tu­ell ist Chri­sti­an Lind­ner nicht die Ide­al­be­set­zung für ein groß­for­ma­ti­ges Wahl­pla­kat, er ist doch all­zu aus­tausch­bar. Sein Aller­welts­ge­sicht wird deut­lich, wenn man es ein­fach mal direkt ver­gleicht, zum Bei­spiel mit dem gei­stes­kran­ken, macht­be­ses­se­nen Mas­sen­mör­der „Der Master“ (dar­ge­stellt zuletzt von John Simm) aus „Doc­tor Who“:

Zwei­tens: Die Klei­dung.

Im schwar­zen Anzug und Kra­wat­te stellt Chri­sti­an Lind­ner hier den Pro­to­ty­pen des glatt­po­lier­ten Mana­gers dar, pas­send geklei­det für Hoch­zeit, Beer­di­gung und all­jähr­li­che Gehalts­ab­rech­nung, die, wie immer, viel zu hoch für die Schul­den­la­ge Deutsch­lands ist, was aber ande­rer­seits auf die typi­sche Kli­en­tel sei­ner Par­tei, eben Mana­ger und der­glei­chen Geschmeiß, äußerst attrak­tiv wirkt. Und wel­cher Wäh­ler wür­de einem Mann im Anzug miss­trau­en?

Drit­tens: Die Hal­tung.

Was um alles in der Welt macht Chri­sti­an Lind­ner da mit sei­ner rech­ten Hand? Aus­ge­streckt – dem Wäh­ler ent­ge­gen – ist sie nicht, denn dann wäre der rech­te Arm deut­lich zu kurz. Hält er etwas in der Hand – etwa ein totes Huhn oder ein Sex­spiel­zeug? War­um wur­de es weg­re­tu­schiert?

Die­sen Feh­ler gilt es rück­gän­gig zu machen:

Schon bes­ser.

Vier­tens: Das Mot­to.

„Soli­de Finan­zen statt teu­re Ver­spre­chen“. Schön und gut, aber wes­sen Finan­zen sind gemeint – etwa die in der Par­tei­kas­se? Von soli­den Finan­zen beim Bür­ger hält die F.D.P. bekannt­lich nicht viel: „FDP-Poli­ti­ker Kubicki schlägt Steu­er­erhö­hung vor“. Eigent­lich blei­ben ja dann nur die Finan­zen der bereits erwähn­ten typi­schen F.D.P.-Klientel übrig, der Anzug tra­gen­den Acker­män­ner die­ses Lan­des. Dass die ein soli­des finan­zi­el­les Fun­da­ment ihr eigen nen­nen sol­len, ist natür­lich auch mal eine inter­es­san­te For­de­rung; damit dies­mal wenig­stens die Groß­ak­tio­nä­re nicht, wie noch 1929, ihr blau­es Wun­der erle­ben.

Außer­dem heißt es „statt teu­rer Ver­spre­chen“, Herr­gott­noch­eins.

(Mit Dank an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt IC: „Das biss­chen Tot­schlag bringt uns nicht gleich um.“

Glück gehabt, sagt die Finan­cial Times Deutsch­land:

Das biss­chen Infla­ti­on kön­nen wir uns lei­sten

Denn trotz all der Ret­tungs­schir­me und der Mana­ger­ge­häl­ter für Ses­sel­fur­zer in irgend­wel­chen Auf­sichts­rä­ten haben die Deut­schen immer noch so viel Geld, dass wir uns eigent­lich schä­men soll­ten, bis­lang so tol­le Wer­te vor­zei­gen gekonnt zu haben:

Zwei­tens kann sich die deut­sche Volks­wirt­schaft eine gemä­ßig­te Teue­rung der­zeit lei­sten. (…) [T]otale Sta­bi­li­tät der Prei­se ist nun mal kein Wert an sich.

Sta­bi­le Prei­se scha­den sogar, näm­lich dem Wachs­tum, und wo nichts wächst, kann man nichts ern­ten; und im Dienst des Wachs­tums soll­ten wir uns geehrt füh­len, mehr bezah­len zu dür­fen, damit bald etwas wächst in den Kas­sen, wenn auch nicht in unse­ren.

Solan­ge die Gesamt­ent­wick­lung in der Euro-Zone also noch unter Kon­trol­le ist, solan­ge die Lohn­for­de­run­gen und Prei­se nicht explo­die­ren und solan­ge Unter­neh­men wie Ver­brau­cher nicht in Teue­rung­s­pa­nik ver­fal­len – so lan­ge muss Deutsch­land das Infla­ti­ons­ge­re­de nicht fürch­ten.

So lan­ge sich kei­ner fürch­tet, muss sich kei­ner fürch­ten. Dass der „FTD“-Artikel eine Reak­ti­on auf die Furcht ist, lässt erken­nen, wo hier das Pro­blem liegt.

„Wir haben alles unter Kon­trol­le, Situa­ti­on nor­mal.“
– Han Solo

Netzfundstücke
(Hit­ler igno­rie­ren!)

Mon­tags­ma­ler auf­ge­merkt!

Wie wür­det ihr einen Pin­sel malen? Nun, viel­leicht so:

Die Kunst des Nicht­weg­las­sens (von Hit­ler) lässt tri­vi­al­ste Din­ge zu einem gelun­ge­nen Bild­witz wer­den. Irgend­je­mand mit einem ziem­lich schrä­gen Humor rief das Igno­re-Hit­ler-Blog ins Leben; The­ma: Mon­tags­ma­ler mit irrele­van­tem Hit­ler.

Lusti­ge Sache, das!

(via @UARRR)

Nerdkrams
the­Ren­amer: Ord­nung für die Seri­en­samm­lung

In Zei­ten digi­ta­len Flach­fern­se­hens ist es längst nicht mehr unüb­lich, dass man geneh­me Fern­seh­se­ri­en und/oder ‑fil­me nicht nur ansieht, son­dern auch – selbst­ver­ständ­lich aus völ­lig lega­ler Quel­le – digi­tal auf­nimmt und auf sei­nem hei­mi­schen Com­pu­ter sichert.

Nun sind digi­ta­le Video­re­cor­der, ob als sepa­ra­tes Gerät oder als Inter­net­dienst, lei­der nur so feh­ler­frei wie der Mensch, der sie bedient, und so kann es pas­sie­ren, dass man irgend­wann den Über­blick ver­liert:

Glück hat man, wenn man Win­dows* ein­setzt, denn dann ist die Über­sicht schnell wie­der­her­ge­stellt. Das gegen­wär­tig mehr­ko­sten­frei erhält­li­che Pro­gramm the­Ren­amer erle­digt die mas­sen­haf­te sinn­vol­le Benen­nung von Fil­men oder Seri­en per Klick.

Nach der Instal­la­ti­on begrüßt the­Ren­amer den Anwen­der mit einem sol­chen Anblick:

Per Klick auf den farb­lich her­vor­ge­ho­be­nen Ver­weis namens „tvshows“ lässt sich the­Ren­amer in den Film­mo­dus ver­set­zen, da ich aber gera­de nur drei Seri­en­epi­so­den ein­zu­brin­gen habe, erklä­re ich die Bedie­nung im Fol­gen­den im „tvshows“-Modus, die im Wesent­li­chen iden­tisch ist.

Wie man sieht, ist das Pro­gramm in Eng­lisch gehal­ten. Das ist gegen­wär­tig nicht zu ändern, es bedeu­tet aber auch, dass es jede Serie und jeden Film zunächst ein­mal für eng­lisch­spra­chig hält. Falls die Epi­so­den, die ihr gern auf­räu­men wür­det, deutsch­spra­chig vor­lie­gen, lässt sich the­Ren­amer ziem­lich ein­fach dazu über­re­den, statt­des­sen deutsch­spra­chi­ge Epi­so­den­ti­tel zu suchen. Hier­für ist ein Klick auf „Set­tings“ oben rechts not­wen­dig:

Das Ein­stel­lungs­me­nü sieht etwas unauf­ge­räumt aus, was dar­an liegt, dass the­Ren­amer ziem­lich mäch­tig ist. Links oben lässt sich (mit Vor­schau) ein­stel­len, wie die Datei­na­men aus­se­hen sol­len, ich habe mich für eine schlich­te Vari­an­te mit Unter­stri­chen ent­schie­den. Gera­de rele­vant ist aber das Feld mit der Beschrif­tung „theTVDB lan­guage:“. Per Klick auf die­se Beschrif­tung ist eine Liste der unter­stütz­ten Spra­chen ein­zu­se­hen; 7 steht für Eng­lisch, 14 für Deutsch. Im vor­lie­gen­den Fall also genügt es, in das Feld eine 14 ein­zu­tra­gen und den Dia­log per „Clo­se“ (rechts oben) wie­der zu schlie­ßen, sobald alles nach der eige­nen Zufrie­den­heit ein­ge­stellt ist. (Eini­ge Fein­ein­stel­lun­gen, etwa die Mög­lich­keit, Bestand­tei­le wie „HDRip“ oder „1080p“ aus Datei­na­men zu ent­fer­nen, sind auch im Haupt­fen­ster unter „Glo­bal Set­tings“, unten links, erreich­bar.)

Nun kön­nen die drei Datei­en ein­fach in das the­Ren­amer-Fen­ster gezo­gen wer­den. Das Pro­gramm rat­tert (still) ein wenig und prä­sen­tiert dann, mit etwas Glück, jeweils einen Vor­schlag für den neu­en Datei­na­men anhand der getrof­fe­nen Ein­stel­lun­gen:

Wie man sieht, sind auch grö­ße­re Unter­schie­de in den Datei­na­men kein Hin­der­nis. Schwie­rig wird es nur, wenn the­Ren­amer den Namen der Serie und/oder die Epi­so­den­num­mer („816“ etwa funk­tio­niert nicht) nicht rich­tig erken­nen kann, dann gibt es anstel­le des neu­en Datei­na­men nur eine Feh­ler­mel­dung („Epi­so­den­ti­tel fehlt!“) in der rech­ten Spal­te zu sehen. Hier hilft even­tu­ell ein Zusatz­pro­gramm wie Ant Ren­amer oder hän­di­sche Vor­ar­beit.

Ist die Vor­schau zufrie­den­stel­lend, ist nun­mehr ein Klick auf „Pro­ce­ed“ unten im Pro­gramm­fen­ster der letz­te nöti­ge Schritt. Fer­tig:

Anmer­kun­gen und Ergän­zun­gen gern hier unten drun­ter. :-)


* Apro­pos Win­dows: Nut­zer ande­rer Betriebs­sy­ste­me könn­ten mit dem java­ba­sier­ten, daher weni­ger hüb­schen File­Bot gege­be­nen­falls ähn­li­che Ergeb­nis­se erzie­len, die­sen habe ich jedoch noch nicht gete­stet.

Spaß mit Spam
More$Valium%super}

Ach, Spam­mer, der du mir erst Best_Valium:super} und zwei Stun­den spä­ter More$Valium%super} andre­hen willst!

White. http://.…page.tl White.

(Ja, das ist die gan­ze zwei­te Mail. Ledig­lich die ange­ge­be­ne WWW-Adres­se habe ich vor­sorg­lich gekürzt.)

BESTES VALIUM! MEHR VALIUM! SUPER! WEISS! VAAALIIIIUUUUM!

So ein Ent­zug muss schwer sein.

SonstigesIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXVII: SPIE­GEL-Split­ter / Face­book und kei­ne Huren

Ei, was bin ich gera­de amü­siert!

Anlass ist aus­nahms­wei­se mal der dies­wö­chi­ge SPIEGEL, den ich gleich­falls aus­nahms­wei­se wie­der ein­mal zu kau­fen wag­te. Die Titel­ge­schich­te ist für einen daten­schutz­freund­li­chen techie wie mich natür­lich ein pri­ma Argu­ment:

Der SPIEGEL ist eines der Maga­zi­ne, die auf ihrer Inter­net­sei­te mehr­fach für das eige­ne Face­book-Pro­fil wer­ben; allein auf der Start­sei­te befin­den sich gegen­wär­tig zwei von­ein­an­der unab­hän­gi­ge Ver­wei­se auf sel­bi­ges, außer­dem ist jeder Arti­kel natür­lich mit einem „Empfehlen“-Knopf aus­ge­stat­tet – übri­gens in der hef­tig umstrit­te­nen Ver­si­on. (Dass facebook.com gar nicht Face­book gehört, ist auch noch so eine Sache, über die sich gefäl­ligst ande­re Gedan­ken machen soll­ten, zum Bei­spiel die zukünf­ti­gen Aktio­nä­re Face­books.)

Und die­ser face­book­freu­di­ge SPIEGEL (Pro­fil­wer­bung: „Täg­lich posten wir Tex­te zur Debat­te und tei­len Ihnen Neue­run­gen mit. Klicken Sie jetzt auf „Gefällt mir“ rechts oben, um unser Fan zu wer­den und mit­zu­ma­chen!“, wobei das „Mit­ma­chen“ wohl eine eher pas­si­ve Tätig­keit umschreibt) feu­ert auf dem Papier aus allen Roh­ren und beschreibt Face­book – bedau­er­li­cher­wei­se nicht wört­lich – als ein neu­es Knuddels.de ohne Belang für gei­stig fort­ge­schrit­te­ne Men­schen:

Sogar die klei­ne Meli­sa, 13 Jah­re alt, (…) hat schon ihre Prin­zi­pi­en. (…) [S]ie weiß aus­wen­dig, dass sie 367 Freun­de (sic!) hat, und muss auch kei­ne Sekun­de über­le­gen, was sie mor­gens als Erstes macht: „Isch geh sofort Face­book.“

(…) Erwach­se­nen erschließt sich der Reiz des Online-Geplau­ders nur schwer: „Na, was machst du gera­de?“ – „Ich sit­ze am PC und chat­te mit dir!“ Was kann dar­an so unwi­der­steh­lich sein?

(…) Das Lieb­ge­tue unter Mäd­chen ist epi­de­misch: Lang und län­ger wer­den die Ket­ten der Kom­men­ta­re, immer noch eine „Hüp­schee!“ und zwölf Herz­chen dazu. (…) Jungs fil­men ein­an­der auch nicht beim Shop­pen; da sind die Ste­reo­ty­pe noch ziem­lich intakt. (…) Immer ist das Publi­kum im Blick: Wird es applau­die­ren? Bekom­me ich auch genü­gend „Gefällt mir“-Klicks? 30 die­ser „Likes“ soll­ten es schon sein, ab 100 kann man sich was ein­bil­den.

(…) Sie haben ja sonst nichts: Her­an­wach­sen­de ohne ech­te Auf­ga­ben, an denen sie sich bewäh­ren könn­ten. Da ist es kein Wun­der, wenn sie sich in inhalts­lo­sen Sta­tus­wett­be­wer­ben auf­rei­ben.

Dabei hat man im Hau­se SPIEGEL eine ganz eige­ne Vor­stel­lung davon, was „nötig“ ist im Leben:

Er macht dort (auf Face­book, A.d.V.) nicht mehr als nötig: Er plau­dert mit den Freun­den, ver­ab­re­det sich über die Chat-Funk­ti­on.

„Nötig“ habe ich anders in Erin­ne­rung.

Und aber jeden­falls: „Isch geh sofort Face­book“ – tref­fen­der hät­te ich die Ziel­grup­pe von SPIEGEL Online nicht dar­stel­len kön­nen.


Bonu­s­poin­te: Der SPIEGEL berich­te­te eben­falls über die ukrai­ni­schen Radi­kal­feman­zen „Femen“ und fin­det Sät­ze wie die­se nicht irgend­wie befremd­lich:

Das erste Mal zogen sie so im Som­mer 2008 los. In Huren­klei­dern gin­gen sie auf die Stra­ße. „Die Ukrai­ne ist kein Bor­dell“, schrien sie und hiel­ten ihre Pla­ka­te in die Luft.

Die vom SPIEGEL als auf­rech­te Kämp­fe­rin­nen für die Rech­te der Frau dar­ge­stell­ten „Femen“ sind also Frau­en, die sich wie Pro­sti­tu­ier­te klei­den oder gar (mitt­ler­wei­le) nur noch in Unter- oder wenig­stens Jeans­ho­se auf die Stra­ße gehen, um gegen das Kli­schee von der „Frau als Sexu­al­ob­jekt“ zu demon­strie­ren. Dem­zu­fol­ge soll­te man Vege­ta­ri­er dazu ermun­tern, mehr Fleisch zu essen, um gegen die Tötung von Tie­ren zu demon­strie­ren.

In Huren­kla­mot­ten gegen Pro­sti­tu­ti­on, mit Bier gegen Alko­hol­kon­sum. Prost Mahl­zeit.