NetzfundstückePiratenparteiMir wird geschlecht
Posi­ti­ver Sprach­s­exis­mus

Ana­tol Ste­fa­no­witsch, sonst eigent­lich ziem­lich hel­ler Zeit­ge­nos­se, fin­det in einem gest­ri­gen Blog­ein­trag den Grund­satz der Pira­ten­par­tei, dass es nur „den Pira­ten“, nicht aber „die Pira­tin“ gibt, nicht gut.

Dass die­se ollen Kamel­len jetzt nach über zwei Jah­ren wie­der auf­ge­wärmt wer­den, ist einer­seits beru­hi­gend, weil es zeigt, dass die Pira­ten­par­tei offen­bar zur­zeit kein gro­ßes Nazi­pro­blem hat, das wich­ti­ger wäre, ande­rer­seits muss man beden­ken, dass Ana­tol Ste­fa­no­witsch aus­drück­lich ein „Sprach­log“ führt, also dar­auf bedacht ist, die deut­sche Spra­che nicht zer­stö­ren zu hel­fen.

Die Situa­ti­on, auf die er reagiert, ist die, dass im „LQFB“, dem Liquid-Feed­back-System der Pira­ten­par­tei, immer wie­der Vor­schlä­ge ein­ge­hen, wie man die­ses ver­meint­li­che Pro­blem aus der Welt schaf­fen könn­te, etwa, indem man die Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei fort­an als Eich­hörn­chen bezeich­net, weil das Wort „Eich­hörn­chen“ nicht in männ­li­cher oder weib­li­cher Form exi­stiert. Inwie­fern das „bes­ser“ sein soll als mein vor über zwei Jah­ren ange­brach­ter Vor­schlag, künf­tig „Kame­le“ statt „Pira­ten“ zu sagen, weiß ich nicht. Alter­na­tiv wird vor­ge­schla­gen, von „Pira­ten und Pira­tin­nen“ zu spre­chen, und dass dies unwei­ger­lich Pro­te­ste nach sich zie­hen wür­de, es habe gefäl­ligst „Pira­tin­nen und Pira­ten“ zu hei­ßen, ist bereits abseh­bar.

Dass das Wort „Mit­glied“ nichts mit einem „Mit­pe­nis“ zu tun hat, arbei­tet Ana­tol Ste­fa­no­witsch noch gut her­aus:

Glied bedeu­te­te ursprüng­lich (wie im Prin­zip auch heu­te noch) „Kör­per­teil“, die Bedeu­tung wur­de dann auf alle mög­li­chen Arten von Tei­len erwei­tert, auf auf Tei­le von Grup­pen und Gemein­schaf­ten. Mit­glied ist dann eine Ver­stär­kung die­ser Bedeu­tung. Die Bezeich­nung des Penis als „Glied“ ist ein Euphe­mis­mus (der Ver­such, eine neu­tra­le Umschrei­bung für ein als unan­stän­dig emp­fun­de­nes Kon­zept zu fin­den). Die femi­ni­sti­sche Lin­gu­istin Lui­se Pusch, die als die Exper­tin für die deut­sche Spra­che und ihre Geschlechterpro­ble­ma­tik betrach­tet wer­den muss, kom­men­tiert in einer Glos­se von 1982 die­se fal­sche Her­lei­tung mit den Wor­ten „Wir sagen den Män­nern nach, sie däch­ten immer nur an ‘das eine’. Weib­li­che Wort­schöp­fun­gen wie Ohne­glied und Mit­k­li­to­ris legen den Ver­dacht nahe, daß auch Frau­en noch ent­schie­den zu oft dar­an den­ken.“

Lei­der ist das auch das ein­zig Über­zeu­gen­de an sei­nem Bei­trag, in dem er anson­sten „Leser/innen“ und „Sprecher/innen“ schreibt und also flei­ßig gen­dert. Er schlägt gar vor, künf­tig von „Pirat/innen“ zu spre­chen, da, so die von ihm für vali­de befun­de­ne Argu­men­ta­ti­on, eine geschlechts­neu­tra­le Spra­che immens wich­tig wäre; am Ende des Tex­tes fin­det er gar die Idee, künf­tig „geschlechts­neu­tral von Pira­tin­nen zu spre­chen“, erwäh­nens­wert. Inwie­fern das eine Ver­bes­se­rung sein soll, ver­rät er nicht.

Weni­ge Sät­ze zuvor erkennt er noch rich­tig, dass der ent­spre­chen­de Abschnitt in der Par­tei­sat­zung eine Wort­de­fi­ni­ti­on ohne Wer­tung ist, wie man wahr­schein­lich eben auch „Toyo­tas wer­den im Fol­gen­den als Autos bezeich­net“ schrei­ben kann, ohne von Opel­be­sit­zern eins auf die Müt­ze zu bekom­men. „Der Mensch“ sei zum Bei­spiel trotz sei­nes gram­ma­ti­ka­li­schen Genus‘ ein geschlechts­neu­tra­les Wort, da es kei­ne geschlechts­spe­zi­fi­schen For­men des Wor­tes gibt.

Nun, auch „der Pirat“ ist ein geschlechts­neu­tra­les Wort, denn in der vor­lie­gen­den Defi­ni­ti­on als Sam­mel­be­griff für Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei Deutsch­land ist es nicht iden­tisch mit der Bezeich­nung „ein männ­li­cher See­fah­rer“, son­dern eine sepa­ra­te Wort­schöp­fung, die eben nur zufäl­lig männ­li­chen „Geschlechts“ ist – wie sich eben auch die wenig­sten Frau­en „die Men­schin“ oder „das Mensch“ nen­nen wür­den, und das nicht nur des­halb, weil es schei­ße klingt.

Dabei ist die Debat­te zum The­ma „Neu­tra­li­tät der Spra­che“ so ver­lo­gen und wider­sin­nig wie nur weni­ge ande­re. Wor­auf der strit­ti­ge Punkt in der Sat­zung hin­wei­sen soll, ist: Das Geschlecht spielt für einen Pira­ten kei­ne Rol­le. Es ist nicht wich­tig, ob der Mit­pi­rat männ­lich, weib­lich, bei­des oder nichts von bei­dem ist, als Gemein­sam­keit bleibt das poli­ti­sche Ziel. Men­schen sol­len – und soll­ten – nach ihrer Mensch­lich­keit und nicht nach ihrem Geschlecht sor­tiert wer­den, wie es etwa die Grü­nen seit Jah­ren prak­ti­zie­ren. Was haben sie damit bis­lang erreicht?

Wenn man nun anfängt, die geschlecht­li­chen Unter­schie­de in der Spra­che her­aus­zu­stel­len, trennt man das „Kol­lek­tiv“, näm­lich die Pira­ten bei­der­lei Geschlechts, eben doch wie­der in Männ­lein und Weib­lein, was nicht sinn­voll ist und bei der poli­ti­schen Zusam­men­ar­beit eher blockiert, weil es vom Wesent­li­chen ablenkt. Nur ein Sexist erach­tet das Geschlecht für erwäh­nens­wert. Anony­mus „irgend­ein Pirat“ kom­men­tier­te dort tref­fend:

Ich habe (…) abso­lut kei­ne Lust dar­auf und fin­de es dis­kri­mi­nie­rend, Tex­te zu lesen, wo man bei jedem per­so­nen­be­zo­ge­nen Sub­stan­tiv expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die Mehr­zahl der Leu­te es anschei­nend über­aus wich­tig fin­den, was sie zwi­schen den Bei­nen haben, und was sie damit anstel­len.

Dem ist mei­nes Erach­tens nichts hin­zu­zu­fü­gen.

(Der Voll­stän­dig­keit wegen: Eini­ge der hier vor­ge­brach­ten Argu­men­te habe ich auch unter ver­link­tem Arti­kel als „Cthul­hux“ in Kom­men­tar­form hin­ter­las­sen, lei­der ohne nen­nens­wer­te Kon­se­quen­zen.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CV: Erschüt­ternd: Waf­fen wer­den zum Schie­ßen ver­wen­det

Über­ra­schung!

Drei U‑Boote hat eine deut­sche Werft für Isra­el gebaut, drei wei­te­re sol­len fol­gen. Nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen stat­tet Jeru­sa­lem die U‑Boote aus Kiel mit nukle­ar bestück­ten Marsch­flug­kör­pern aus. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te bis­lang erklärt, sie wis­se nichts von der ato­ma­ren Bewaff­nung.

Das ist aber auch frech von den Israe­lis: Um die andau­ern­den Kon­flik­te um ihr Land ein­zu­däm­men, hat die deut­sche Bun­des­re­gie­rung ihnen eini­ge U‑Boote zukom­men las­sen, damit sie mal etwas ande­res tun als Leu­te kaputt­zu­schie­ßen, und jetzt wer­den die­se fried­vol­len Schif­fe ver­wen­det, um statt eines Fischer­net­zes Waf­fen auf ihnen zu mon­tie­ren. Welch Affront!

So war das sicher nicht beab­sich­tigt. Ich emp­feh­le, künf­ti­gen Lie­fe­run­gen einen aus­drück­li­chen Hin­weis bei­zu­fü­gen, dass U‑Boote nur für fried­li­che Ein­sät­ze ver­wen­det wer­den soll­ten.

(via Postil­lon, eben­falls lesens­wert.)

PersönlichesSonstiges
Schrei.

„Him­melen ble plut­se­lig blo­dig rød – Jeg stan­set, læne­de meg til gjer­det mat til døden – så ut over de flam­men­de sky­erne som blod og sværd over den blåsv­ar­te fjord og by – Mine ven­ner gik vide­re – jeg sto der skjæl­ven­de av angst – og føl­te et stort uen­de­lig skrik gjen­nom natu­ren.“
– Edvard Munch

(Stim­mung heu­te: Beklem­mend.)


Nach­trag vom 2. Janu­ar 2015: Seit gestern ver­stößt die­ser Bei­trag nicht mehr gegen das Urhe­ber­recht.

Internes
Such­be­grif­fe, Monat Mai 2012

Ein wei­te­rer Monat ist vor­über, und als ich gera­de durch die Such­be­grif­fe des Monats blät­ter­te, fass­te ich mir mehr als nur ein­mal an den Kopf. Dass Leu­te eigen­ar­ti­ge Vor­stel­lun­gen vom Inter­net haben, ist ja nicht son­der­lich ver­werf­lich, aber dass eine bekann­te Such­ma­schi­ne glaubt, die­se Vor­stel­lun­gen wür­den aus­ge­rech­net von mir erfüllt, berei­tet mir Kum­mer. Was habe ich nur getan? ‘Such­be­grif­fe, Monat Mai 2012’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CIV: Mus­li­mi­sche Geschichts­fäl­scher­ban­den

Ach­je:

Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat sich von der Ein­schät­zung sei­nes Vor­gän­gers Chri­sti­an Wulff distan­ziert, der Islam gehö­re zu Deutsch­land. (…) Gauck erreg­te nun mit sei­ner Rela­ti­vie­rung der Wulff­schen Sicht­wei­se den Ärger mus­li­mi­scher Ver­bän­de und der Tür­ki­schen Gemein­de. „Das euro­päi­sche Abend­land steht ganz klar auch auf mus­li­misch-mor­gen­län­di­schen Bei­nen. Wer das leug­net, betreibt Geschichts­fäl­schung“, sag­te der Vor­sit­zen­de des Zen­tral­rats der Mus­li­me in Deutsch­land, Aiman May­zek, der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“.

Das „euro­päi­sche Abend­land“ muss­te sich seit dem Unter­gang des Byzan­ti­ni­schen Rei­ches im 15. Jahr­hun­dert bis ins 19. Jahr­hun­dert hin­ein gegen „mus­li­misch-mor­gen­län­di­sche“ Besat­zer weh­ren, eine der bekann­te­sten Bege­ben­hei­ten aus die­ser Zeit ist viel­leicht die mehr­fa­che ver­geb­li­che Bela­ge­rung von Wien.

Das „euro­päi­sche Abend­land“ war jahr­hun­der­te­lang im Visier des Osma­ni­schen Rei­ches, das ver­sucht hat­te, sei­nen Macht­be­reich auch auf Euro­pa aus­zu­deh­nen, was Herr Erdoğan, gegen­wär­tig amtie­ren­der Mini­ster­prä­si­dent der Tür­kei, noch immer gele­gent­lich in Erwä­gung zieht. Das „mus­li­mi­sche Mor­gen­land“ hat Euro­pa mit­nich­ten auf Bei­ne gestellt, es hat ver­sucht, es zu erle­gen und aus­zu­wei­den. Wer das leug­net, betreibt Geschichts­fäl­schung.

Der Islam „gehört zu Deutsch­land“ wie Coca-Cola und Justin Bie­ber: Kommt hier alles vor, stammt aber alles nicht von hier.
Der Unter­schied ist nur, dass Coca-Cola und Justin Bie­ber noch nie ver­sucht haben, Euro­pa mit mili­tä­ri­schen Mit­teln eine frem­de Reli­gi­on auf­zu­zwin­gen.

Obwohl ich das gern erle­ben wür­de.

Sonstiges
Grü­nes Licht

Ach, „Spot­light“, du merk­wür­di­ges Eng­lisch­lern­ma­ga­zin,

dein aktu­el­les Titel­bild ist ja schön und gut, aber haben sich dei­ne Redak­teu­re mal dar­über Gedan­ken gemacht, was eigent­lich wirk­lich pas­siert, wenn eine Ampel all­sei­tig „grün leuch­tet“ (und somit mehr als nur einen Kon­struk­ti­ons­feh­ler auf­wei­sen dürf­te)?

Nun ja, viel­leicht ist es ja ein Crash­kurs.

Spaß mit Spam
I have to sug­ge­sti­on

„Ich muss Vor­schlag“, so lau­tet der Titel einer rei­zen­den Spam-Mail, die mich gestern erreich­te.

Good after­noon,

This is Vla­di­mir wri­ting. I am Rus­si­an. I would like to offer you a coope­ra­ti­on to get sup­ple­men­ta­ry inco­me.

„Guten Nach­mit­tag, dies ist Vla­di­mir am Schrei­ben. Ich bin rus­sisch. Ich wür­de Ihnen gern eine Zusam­men­ar­beit anbie­ten, um ergän­zen­des Ein­kom­men zu erhal­ten.“

Guten Tag, dies bin ich am Zurück­schrei­ben. Ich bin deutsch, und was genau ich damit zu tun habe, dass Vla­di­mir mehr Ein­kom­men erhält, wird lei­der nicht beant­wor­tet.

I got to know to legal­ly earn money but I am not able do it on my own.

„Ich muss wis­sen, wie man legal Geld ver­dient, aber ich kann das nicht allein“, wes­halb er statt­des­sen wei­ter­hin ille­gal Geld ver­die­nen muss, der Ärm­ste, tja. Wie genau, ver­rät er lei­der nicht, aber nach eini­gem Geschwa­fel kommt er doch mal zur Sache:

(…) Your main task be my repre­sen­ta­ti­ve in Euro­pe. I can gua­ran­tee the secu­ri­ty and legi­ti­ma­cy of this coope­ra­ti­on.

„Ihre Haupt­auf­ga­be sei­en Sie mein Ver­tre­ter in Euro­pa“, und dafür gibt er mir sein Ehren­wort, ich wie­der­ho­le: sein Ehren­wort für „die Sicher­heit und Recht­mä­ßig­keit die­ser Zusam­men­ar­beit“, und das soll­te ja wohl alle Zwei­fel aus der Welt schaf­fen.

If you are inte­re­sted I am here to explain you ever­ything in smal­lest details and ans­wer to your que­sti­ons.

„Wenn Sie inter­es­siert sind, bin ich hier, um Ihnen alles in klein­sten Details zu erläu­tern und Ihre Fra­gen zu beant­wor­ten.“

Eine Fra­ge hät­te ich dann ja schon: Was habe ich davon? Ich soll Vla­di­mir in Euro­pa reprä­sen­tie­ren, damit er lernt, legal Geld zu ver­die­nen, nur von dem legal ver­dien­ten Geld wer­de ich kei­nen Cent sehen, sonst hät­te er das ja zumin­dest ange­deu­tet. In ande­ren Wor­ten: Er sucht einen Doo­fen. Dabei wün­sche ich viel Glück.

Loo­king for­ward to your respon­se.

Best regards, Vla­di­mir Pri­go­din

Ab mit Scha­den.

Gruß­los, ich.

Musik
Bestest of…

Zu den all­täg­li­chen Erschei­nun­gen, die ich nicht zu begrei­fen imstan­de bin, gehört außer der unver­min­der­ten Prä­senz von Ziga­ret­ten­rau­chern auch die musi­ka­li­sche Dar­rei­chungs­form der „Best-of“-Zusammenstellungen.

„Best-of“-Zusammenstellungen sind eine lose Samm­lung von irgend­wie anein­an­der­ge­reih­ten Titeln eines Künst­lers, „die man kennt“ oder auch nicht. Und weil so ein Künst­ler in der Regel ziem­lich viel Musik auf­nimmt, kom­men am Ende auch ziem­lich vie­le „Best-of“-Zusammenstellungen her­aus. Allein von der Musik­grup­pe Yes, die ja nun seit über 40 Jah­ren mehr oder weni­ger aktiv ist, exi­stie­ren längst mehr „Best-of“- als tat­säch­li­che Stu­dio­al­ben. In einem Elek­tronik­markt stieß ich heu­te gar auf eine „Best of Dr. Hook“ namens „Essen­ti­al“ („essen­zi­ell“), was bei einer Musik­grup­pe, die exakt einen mir auf Anhieb bekann­ten „Hit“ namens „Sexy Eyes“ hat­te, ein ziem­lich anspruchs­vol­les Unter­neh­men gewe­sen sein dürf­te.

Dabei sind die Über­schnei­dun­gen anschei­nend unver­meid­lich, aber eben auch eini­ger­ma­ßen egal. Um bei Yes zu blei­ben: Soll­te man, wenn man unbe­dingt das Bedürf­nis hat, das grot­ti­ge „Owner of a Lonely Heart“ im Plat­ten­schrank zu haben, nun „In a Word: Yes (1969- )“, The ulti­ma­te Yes“, „The Best of Yes“ oder gar „The Very Best of Yes“ („High­lights“) kau­fen? Ein biss­chen bes­ser geht eben immer. Ähn­li­che Fra­gen tun sich auch bei allen ande­ren eini­ger­ma­ßen bekann­ten Yes-Stücken auf, schon „And You And I“ wur­de so oft ver­wur­stet, dass ich mich fra­ge, ob die Rech­te­inha­ber über­haupt noch selbst wis­sen, was wann wo erschie­nen ist; und wenn ja, war­um sie dann nicht end­lich mit dem Unfug auf­hö­ren.

Über­haupt: Die Titel! Eine unlängst erschie­ne­ne „Best-of“-CD der Toten Hosen trägt, benannt nach einem ihrer frü­he­ren Erfol­ge, den Titel „All die gan­zen Jah­re“. Am Ende des Refrains besag­ten Lie­des, in dem es um Ver­lust der Freund­schaft und nicht etwa um die Groß­ar­tig­keit der Toten Hosen geht, ertö­nen die Zei­len:

Nichts ist mehr geblie­ben, alles aus­ge­löscht.
All die gan­zen Jah­re…!

Wer auch immer für die Benen­nung von „All die gan­zen Jah­re“ (der CD, nicht des Lie­des) zustän­dig war, wür­de ein „Das Beste der Ärz­te“ auch nach ihrem Lied „Vor­bei ist vor­bei“ benen­nen.

Nun könn­te man die­se Zusam­men­stel­lun­gen als eine Art „Quer­schnitt“ des musi­ka­li­schen Schaf­fens eines Musi­kers – oder einer Musik­grup­pe – ver­ste­hen, der dazu die­nen soll, sei­ne – oder ihre – Musik zu ent­decken. Aber kann die­ser Zweck erfüllt wer­den?

Eine sol­che Zusam­men­stel­lung ent­steht meist, indem man bestehen­de Musik­stücke aus dem zeit­li­chen, inhalt­li­chen und womög­lich per­sön­li­chen Kon­text reißt. Natür­lich schrieb Bob Dylan in den 1980-er Jah­ren ande­re Lie­der als in den Anfangs­jah­ren sei­ner Kar­rie­re, als er gegen den Krieg mobi­li­sier­te und selbst mobi­li­siert wur­de, den­noch wäre es falsch, ihn auf „der mit den Pro­test­lie­dern, der spä­ter was ande­res mach­te“ zu redu­zie­ren, was jeder, der „Blon­de on Blon­de“ gehört und ver­stan­den hat, wahr­schein­lich sofort erkennt. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Beat­les: Wür­de ich unter Andro­hung kör­per­li­cher und/oder see­li­scher Gewalt („tu es oder wir kau­fen dir ein iPho­ne, das du dann nut­zen musst“) dazu gezwun­gen, eine CD namens „The defi­ni­te­ly very ulti­ma­te and essen­ti­al best of The Beat­les“ oder so ähn­lich zusam­men­zu­stel­len, ich wür­de die Lauf­zeit mit „A Day in the Life“, „Lady Madon­na“, „Tomor­row Never Knows“ und der­glei­chen wohl pro­blem­los zu fül­len wis­sen. Es stell­te sich mir ledig­lich die Fra­ge, inwie­fern eine sol­che will­kür­li­che Ansamm­lung an halb­wegs guten Klang­bei­spie­len dazu bei­tra­gen kann, das Inter­es­se an den Beat­les sei­tens eher unbe­wan­der­ter Zeit­ge­nos­sen zu wecken oder womög­lich zu erhö­hen.

Ich bemü­he in die­sem Zusam­men­hang gern eine Meta­pher: Es ist kein sinn­vol­les Tun, nur zwei oder drei zufäl­lig aus­ge­wähl­te Kapi­tel eines abge­schlos­se­nen Romans zu lesen und den Roman dann nicht zu kau­fen. Erst recht von frag­wür­di­gem Nut­zen ist es, wenn man die­se zwei oder drei Kapi­tel mit ande­ren Kapi­teln aus ganz ande­ren Roma­nen (des, immer­hin, glei­chen Autors) zusam­men­wür­felt und dann als „Das Beste“ feil­bie­tet. Besag­te Kapi­tel kön­nen noch so gut sein, sie blei­ben doch nur Stück­werk, anhand des­sen man allen­falls erah­nen kann, ob der Autor feh­ler­frei­es Deutsch spricht, nicht aber, ob er es schafft, mehr als zwei oder nur drei Kapi­tel mit lesens­wer­tem Text zu fül­len.

Wenn dem poten­zi­el­len Käu­fer einer sol­chen Kom­pi­la­ti­on aber Kon­text und Hin­ter­grund schnup­pe sind, wenn er also nur dar­an inter­es­siert ist, das bekann­te Zeug des blo­ßen Besit­zes wegen zu haben, dann könn­te er eine Men­ge Geld spa­ren, kauf­te er sich statt­des­sen ein­fach ein Radio. Ich behaup­te: Es gibt kei­ne grö­ße­re Geld­ver­schwen­dung als „Best-of“-Alben zu kau­fen.

Ein Musik­al­bum ist übri­gens in der Regel bereits selbst ein „Best of“, eine Zusam­men­stel­lung der besten Stücke, die wäh­rend der dazu gehö­ren­den Auf­nah­me­sit­zun­gen ent­stan­den. Lie­der, die es (wegen zu schlecht) nicht auf ein Musik­al­bum schaf­fen, erschei­nen spä­ter als B‑Seiten, „Out­takes“ (wört­lich über­setzt eben her­aus­ge­nom­me­ne Lie­der) oder auf Solo­al­ben der betei­lig­ten Künst­ler, womög­lich auch Jahr­zehn­te spä­ter auf erwei­ter­ten Ver­sio­nen der Ori­gi­nal­al­ben.

Aber man­che geben sich eben nur mit dem Aller­be­stesten zufrie­den.


Nach­trag: Man wies mich dar­auf hin, dass Dr. Hook mehr als nur ein bis heu­te bekann­tes Lied auf­nah­men. Ich bit­te die­se Fehl­re­cher­che mei­ner­seits zu ent­schul­di­gen und habe die For­mu­lie­rung ange­passt.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CIII: Kei­ne Erwar­tun­gen!

Die gute Nach­richt: Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck reist nach Isra­el. Die schlech­te Nach­richt: Vor­aus­sicht­lich wird er auch wie­der zurück­kom­men.

In der Zwi­schen­zeit wird er so man­cher­lei Gele­gen­heit haben, sich über die Lage in der Welt – natür­lich nicht die in Isra­el mit dem fröh­li­chen Palä­sti­nen­ser­schlach­ten vor der Tür, das wäre doch anti­se­mi­tisch und unan­ge­mes­sen – aus­zu­tau­schen. Denn war­um reist ein deut­scher Bun­des­prä­si­dent nach Isra­el? Natür­lich, um Gün­ter Grass nicht gut zu fin­den:

Die Grass-Debat­te wer­de auch wäh­rend der Isra­el-Rei­se Gaucks kom­men­de Woche eine Rol­le spie­len, erwar­tet Hadas-Han­dels­man. „Selbst­ver­ständ­lich wird über die­ses The­ma auch wäh­rend des Besuchs gespro­chen“, sag­te der Bot­schaf­ter. Er wol­le dazu aber kei­ne Erwar­tun­gen an das deut­sche Staats­ober­haupt for­mu­lie­ren.

Das ist schön: Man wird „dar­über spre­chen“, aber „kei­ne Erwar­tun­gen for­mu­lie­ren“. Wie muss man sich die­sen Dia­log vor­stel­len?

„Das, was Gün­ter Grass da in so Ver­se rein­ge­macht hat, fin­de ich nicht gut.“
„Oh.“

Näch­stes The­ma.

Wahr­schein­lich näm­lich ver­steht man sich nicht nur auf staats­män­ni­scher, son­dern auch auf pri­va­ter Ebe­ne her­vor­ra­gend:

Dass Gauck aus der ehe­ma­li­gen DDR stam­me und selbst Ver­fol­gung und Unter­drückung erlebt habe, sei „ein zusätz­li­cher Grund, war­um die­ser Besuch wich­tig ist“, sag­te Hadas-Han­dels­man mit Blick auf die bei­de Län­der eng mit­ein­an­der ver­bin­den­de Geschich­te.

Die DDR und Isra­el haben so viel gemein­sam: Bei­de sind mit mili­tä­ri­schen Mit­teln ent­stan­den, in bei­den waren bzw. sind Ver­fol­gung und Unter­drückung von Staats­fein­den – Demo­kra­ten hier, Palä­sti­nen­sern dort – die übli­che Vor­ge­hens­wei­se, um den Staat sau­ber­zu­hal­ten. Nun hat die DDR Deutsch­land noch nie ein U‑Boot abge­kauft, wes­halb die Bezie­hun­gen doch zeit­wei­se etwas fro­stig waren. Aber einen guten Han­dels­part­ner (Hus­sein, al-Gad­da­fi, Isra­el) ver­schreckt man als Export­na­ti­on eben nur ungern.

לחיים!

(via L.)

In den NachrichtenMontagsmusik
Lou Reed – Kicks

Applaus­ap­plaus­ap­plaus:

Anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges des Ver­lags­grün­ders ver­gab die Jury des Axel-Sprin­ger-Prei­ses für jun­ge Jour­na­li­sten einen Ehren­preis an die aus Soma­lia stam­men­de islam­kri­ti­sche Publi­zi­stin und Poli­ti­ke­rin Aya­an Hir­si Ali. Frie­de Sprin­ger, die Wit­we Axel Sprin­gers, spen­dier­te der Geehr­ten ein Preis­geld von 25.000 Euro. (…) Die Ehren­preis­trä­ge­rin beruft sich direkt auf Brei­viks poli­ti­sches Mani­fest. Dar­in schrei­be er, dass die Anwäl­te des Schwei­gens ihn zum Mor­den inspi­riert haben. „Er (…) sagt, weil alle Mög­lich­kei­ten, sei­ne Ansich­ten öffent­lich kund­zu­tun, zen­siert wor­den sei­en, habe er kei­ne ande­re Wahl gehabt als zur Gewalt zu grei­fen,“ trägt Hir­si Ali vor. (…) Das Publi­kum, dar­un­ter noto­ri­sche War­ner vor der isla­mi­schen Gefahr wie Hen­ryk M. Bro­der, erhebt sich und klatscht der Preis­trä­ge­rin anhal­tend Bei­fall.

Das haben wir jetzt von der Frau­en­quo­te: Gemein­hin als gei­stes­krank gel­ten­de Mas­sen­mör­der wer­den als Opfer der Gesell­schaft plötz­lich zum leuch­ten­den Vor­bild, ihre Epi­go­nen wer­den beju­belt, beklatscht und bepreist; natür­lich von’en Sprin­gern, die es mit Popu­lis­mus ja durch­aus zu was gebracht haben.

Und dazu ein wenig Musik.

Lou Reed – Kicks – ’76

When you cut that dude with just a litt­le mania,
you did it so, … ah!
When the blood com­ma‘ down his neck -
don’t you know it was bet­ter than sex, now, now, now? …

Ich könn­te 25.000 Euro übri­gens auch gera­de gebrau­chen.

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Arbeit­ge­ber Bun­des­wehr?

Durch Zufall fiel mir heu­te eine Infor­ma­ti­ons­bro­schü­re der staat­li­chen Mör­der­ban­de „Bun­des­wehr“ in die Hän­de, und seit­dem kom­me ich aus dem Lachen nicht mehr her­aus.

Gar­niert mit vie­len ein­la­den­den Bil­dern – fröh­lich lächeln­de Quo­ten­frau­en in Büros, grim­mig blicken­de Her­ren in Kampf­mon­tur in einer nicht näher bezeich­ne­ten Wüsten­ge­gend – ver­sucht die zwei­tei­li­ge Bro­schü­re, jun­ge Staats­bür­ger zum Mili­tär­dienst zu über­re­den. Einen gro­ßen Teil neh­men wie­der­hol­te Hin­wei­se auf die finan­zi­el­len Vor­tei­le des Kriegs­spie­lens ein, was mei­nes Erach­tens nicht dazu geeig­net ist, die (sozia­len und ideel­len) Nach­tei­le zu kom­pen­sie­ren, aber wer das Geld gera­de gut gebrau­chen kann, ver­kauft sei­ne See­le sicher nur all­zu gern.

(Auf­grund tech­ni­scher Pro­ble­me, näm­lich feh­len­der Bat­te­rien, bit­te ich die aus­nahms­wei­se unter­durch­schnitt­li­che Bild­qua­li­tät zu ent­schul­di­gen.)

Sie sind 18 Jah­re (alt, A.d.V.) (oder wer­den es bald) und wol­len (…) staats­bür­ger­li­che Ver­ant­wor­tung in Form eines frei­wil­li­gen Enga­ge­ments über­neh­men…

Mer­ke: Wer nicht zur Waf­fe grei­fen möch­te, der ist wahr­schein­lich ein ver­ant­wor­tungs­lo­ser Staats­bür­ger. Ein wah­rer Deut­scher ver­tei­digt sein Land mit allen Mit­teln. Am Hin­du­kusch.

Sie wol­len hier­für eine attrak­ti­ve Ver­gü­tung erhal­ten und gleich­zei­tig Ihre fach­li­chen und sozia­len Kom­pe­ten­zen durch arbeits­markt­ori­en­tier­te Bil­dungs­an­ge­bo­te wei­ter ver­bes­sern…

„Hal­lo, ich wür­de mich gern bei Ihnen bewer­ben.“
„Haben Sie Kom­pe­ten­zen?“
„Ja, ich kann eine Waf­fe bedie­nen, Pan­zer fah­ren, Kriegs­ver­let­zun­gen behan­deln, Zivi­li­sten bom­bar­die­ren las­sen sowie mit Kame­ra­den um die Wet­te sau­fen. Und ich habe Erfah­run­gen als Bro­schü­ren­mo­dell gesam­melt.“
„Dan­ke, wir mel­den uns.“

Sie wol­len mit Ihrem Enga­ge­ment einen zukunfts­ori­en­tier­ten und moder­nen Arbeit­ge­ber ken­nen­ler­nen, ohne sich län­ger­fri­stig bin­den zu müs­sen…

Der Arbeit­ge­ber ist der­art zukunfts­ori­en­tiert und modern, dass die mei­sten Leu­te froh sind, dass sei­ne Son­der­stel­lung weit­ge­hend ver­lo­ren ist. Das mit der „län­ger­fri­sti­gen Bin­dung“ – also der ziem­lich kur­zen Arbeits­zeit, wenn man das Pech hat, beim Frie­dens­ein­satz hel­fen zu dür­fen – ist übri­gens nicht unbe­dingt von Vor­teil. (Sie­he auch in der rech­ten Spal­te: „Aus­lands­ein­sät­ze gehö­ren aktu­ell zu den wich­tig­sten Auf­ga­ben der Bun­des­wehr.“ Offen­bar habe ich das mit der „Wehr“ bis­lang miss­ver­stan­den.)

…dann ist die Bun­des­wehr und der neue Frei­wil­li­ge Wehr­dienst für Sie genau das Rich­ti­ge!

Kom­pe­ten­zen sind nicht wich­tig, nicht mal das Beherr­schen der deut­schen Spra­che – „ist“, „sind“, völ­lig einer­lei.

Der zwei­te Teil der Bro­schü­re geht tie­fer ins Detail:

Wen suchen wir

Jun­ge Frau­en und Män­ner, die:

  • bereit sind, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und für Deutsch­land und sei­ne Bür­ger ein­zu­ste­hen,

Da freu­en sich die Bür­ger aber, dass es Leu­te gibt, die in unse­rem Namen den US-Ame­ri­ka­nern bei der Ölsu­che hel­fen und dabei rei­hen­wei­se hops­ge­hen.

  • bereit sind, sich aktiv in einem lei­stungs­fä­hi­gen Team zu enga­gie­ren,

Sol­che Leu­te wer­den übri­gens auch in der Infor­ma­tik drin­gend benö­tigt, aber die kann sich kei­ne Mas­sen­wer­bung aus Steu­er­gel­dern lei­sten.

  • bereit sind, an Aus­lands­ein­sät­zen teil­zu­neh­men,

Da könn­te man natür­lich auch ein­fach Fuß­bal­ler wer­den. Wobei: Als deut­scher Fuß­bal­ler hat man da nicht lan­ge Spaß am Auf­ent­halt im Aus­land, wie wir heu­te wie­der sehen konn­ten.

  • mobil, fle­xi­bel, kör­per­lich sowie gei­stig fit sind,

Mobi­li­tät und kör­per­li­che fit­ness: Geschenkt. Was in die­ser Auf­zäh­lung aber fehlt, ist das Wort „mora­lisch“ an geeig­ne­ter Stel­le. Und das mit der gei­sti­gen fit­ness ist auch noch so eine Sache. Wer nichts kann, wird halt Sol­dat; für das Geld…!

„Sol­da­ten sind nur dum­me Tie­re, die als Schach­bau­ern in der Außen­po­li­tik benutzt wer­den.“
– Hen­ry Kis­sin­ger

  • bereit sind, sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­zu­bil­den.

Ich gebe zu, den Theo­rie­teil des Mili­tär­dien­stes wür­de ich selbst gern mal mit­er­le­ben. Lernt man da, wel­che Kör­per­tei­le die lebens­wich­ti­gen sind?

Wir bie­ten Ihnen

  • eine ver­ant­wor­tungs­vol­le und abwechs­lungs­rei­che Tätig­keit,

Gebrüll­te Befeh­le befol­gen: „Ver­ant­wor­tung“. Wird ver­merkt! Aber Abwechs­lung gibt’s tat­säch­lich: Man weiß nie, in wel­chem Land man ster­ben wird.

  • (…) unent­gelt­li­che trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung
  • und gute Bezah­lung.

Dass die Gefahr für Leib und Leben nur dis­kret impli­ziert wird, klingt mit­un­ter nied­lich unbe­hol­fen, wird aber auch mit viel Geld nicht rela­ti­viert.

Wer trotz all­dem Inter­es­se am Dienst an der Waf­fel Waf­fe hat, der soll­te sich beei­len: In Bäl­de gibt es vor­aus­sicht­lich nur noch mecha­ni­sche Sol­da­ten.

Nerdkrams
NewS­croll­bars: Bes­se­re Scroll­lei­sten für Fire­fox

Eine der etwas unan­ge­neh­me­ren Eigen­schaf­ten des Stan­dard-Skins von Fire­fox ist es, dass die Scroll­lei­sten sich optisch nicht all­zu gut vom Hin­ter­grund abhe­ben, sofern man etwa Web­sei­ten mit gräu­li­cher Hin­ter­grund­far­be besucht.

Um die­ses Pro­blem zu lösen, könn­te man als Fire­fox­nut­zer natür­lich ein­fach einen quietsch­bun­ten ande­ren Skin, etwa Noia 4, instal­lie­ren. Da das aber die unter Umstän­den recht und ange­nehm dezen­ten Sym­bol­lei­sten eben­falls auf quietsch­bunt trim­men wür­de, was nicht unbe­dingt hilf­reich ist, wäre es womög­lich prak­ti­scher, könn­te man nur die Scroll­lei­sten ein­fär­ben.

Nun ver­setzt Fire­fox sei­ne Benut­zer bekannt­lich dazu in die Lage, die Bedien­ober­flä­che des Brow­sers per CSS und Java­Script nach Belie­ben anzu­pas­sen. Da aber nicht jeder, der sei­ne Scroll­lei­sten auf den ersten Blick erken­nen möch­te, dafür pro­gram­mie­ren ler­nen will (und wahr­schein­lich an die­ser Stel­le auch nur wenig Lust dar­auf hat, dass ich ihm erklä­re, wie­so CSS und Java­Script kei­ne Pro­gram­mier­spra­chen sind), gibt es, wie für fast alles, eine ein­fa­che­re Lösung.

Sie heißt NewS­croll­bars, ist eine Erwei­te­rung und stammt vom glei­chen Autor wie der Noia-Skin. Mit ihr ist es mög­lich, per Klicks Scroll­lei­sten von Fire­fox zu ver­klei­nern und kon­trast­reich ein­zu­fär­ben oder sie ganz aus­zu­blen­den (für uns Tasta­tur­freun­de nicht unin­ter­es­sant):

Der Ein­stel­lungs­dia­log ist über­sicht­lich gehal­ten, es wird auch eine „Stan­dards­croll­bar“ im Noia-Stil mit­ge­lie­fert; detail­lier­te Anpas­sun­gen sind aber eben­falls mög­lich. So kann man etwa nur den Hin­ter­grund der Scroll­lei­sten trans­pa­rent dar­stel­len las­sen oder ihn in einer belie­bi­gen (Hexadezimal-)Farbe ein­fär­ben, außer­dem kön­nen die Scroll­lei­sten pixel­ge­nau ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den. Das Ergeb­nis sieht dann zum Bei­spiel so aus:

Bei die­ser Erwei­te­rung soll­te man beach­ten, dass sie wirk­lich alle Scroll­lei­sten im Brow­ser ver­än­dert, nicht nur die ganz rechts und ganz unten. Die Far­ben und Sti­le soll­te man also mit Bedacht wäh­len, sonst tut’s weh.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CII: Hirn­tot und herz­los.

Einen ganz tol­len Beschluss hat sich der Bun­des­tag da zusam­men­ge­ei­mert:

Künf­tig wer­den alle Kran­ken­ver­si­cher­ten ab 16 Jah­ren schrift­lich auf­ge­for­dert, eine Erklä­rung zur Organ­spen­de nach dem Tod abzu­ge­ben.

Bemer­kens­wert ist allen­falls die­ses Detail:

In Deutsch­land gilt damit wei­ter­hin das Prin­zip, dass Bür­ger zu Leb­zei­ten – oder aber nach Hirn­tod die Ange­hö­ri­gen – der Ent­nah­me von Orga­nen und Gewe­be aus­drück­lich zustim­men müs­sen, um eine Ent­nah­me zu ermög­li­chen.

Somit haben die für den Beschluss Ver­ant­wort­li­chen auch wei­ter­hin nichts zu befürch­ten, denn für ein tra­di­tio­nell hirn­lo­ses Mit­glied einer der der­zei­ti­gen Regie­rungs­par­tei­en ist auch ein Herz bei der Aus­übung der „Arbeit“ eher hin­der­lich.

(Dan­ke an L.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CI: Käpt’n Offen­sicht­lich und der Ketch­up, der fließt

Eine ech­te Gei­stes­grö­ße hat die CSU da an Bord:

Schon früh hat­te Bay­erns frü­he­rer Innen­mi­ni­ster Beck­stein ein frem­den­feind­li­ches Tat­mo­tiv hin­ter den Mor­den der Zwickau­er Ter­ror­zel­le ver­mu­tet.

Potz­blitz! Wie kam er nur auf so etwas?


Auch toll ist natür­lich die­se Über­schrift:

High­tech-Beschich­tung: End­lich fließt Ketch­up aus der Fla­sche

Das ist natür­lich viel bes­ser als bis­her, als der Ketch­up noch in Wür­fel­form aus der Fla­sche fiel oder gar roll­te.