Netzfundstücke
Arbeit­ge­ber Bun­des­wehr?

Durch Zufall fiel mir heu­te eine Infor­ma­ti­ons­bro­schü­re der staat­li­chen Mör­der­ban­de „Bun­des­wehr“ in die Hän­de, und seit­dem kom­me ich aus dem Lachen nicht mehr her­aus.

Gar­niert mit vie­len ein­la­den­den Bil­dern – fröh­lich lächeln­de Quo­ten­frau­en in Büros, grim­mig blicken­de Her­ren in Kampf­mon­tur in einer nicht näher bezeich­ne­ten Wüsten­ge­gend – ver­sucht die zwei­tei­li­ge Bro­schü­re, jun­ge Staats­bür­ger zum Mili­tär­dienst zu über­re­den. Einen gro­ßen Teil neh­men wie­der­hol­te Hin­wei­se auf die finan­zi­el­len Vor­tei­le des Kriegs­spie­lens ein, was mei­nes Erach­tens nicht dazu geeig­net ist, die (sozia­len und ideel­len) Nach­tei­le zu kom­pen­sie­ren, aber wer das Geld gera­de gut gebrau­chen kann, ver­kauft sei­ne See­le sicher nur all­zu gern.

(Auf­grund tech­ni­scher Pro­ble­me, näm­lich feh­len­der Bat­te­rien, bit­te ich die aus­nahms­wei­se unter­durch­schnitt­li­che Bild­qua­li­tät zu ent­schul­di­gen.)

Sie sind 18 Jah­re (alt, A.d.V.) (oder wer­den es bald) und wol­len (…) staats­bür­ger­li­che Ver­ant­wor­tung in Form eines frei­wil­li­gen Enga­ge­ments über­neh­men…

Mer­ke: Wer nicht zur Waf­fe grei­fen möch­te, der ist wahr­schein­lich ein ver­ant­wor­tungs­lo­ser Staats­bür­ger. Ein wah­rer Deut­scher ver­tei­digt sein Land mit allen Mit­teln. Am Hin­du­kusch.

Sie wol­len hier­für eine attrak­ti­ve Ver­gü­tung erhal­ten und gleich­zei­tig Ihre fach­li­chen und sozia­len Kom­pe­ten­zen durch arbeits­markt­ori­en­tier­te Bil­dungs­an­ge­bo­te wei­ter ver­bes­sern…

„Hal­lo, ich wür­de mich gern bei Ihnen bewer­ben.“
„Haben Sie Kom­pe­ten­zen?“
„Ja, ich kann eine Waf­fe bedie­nen, Pan­zer fah­ren, Kriegs­ver­let­zun­gen behan­deln, Zivi­li­sten bom­bar­die­ren las­sen sowie mit Kame­ra­den um die Wet­te sau­fen. Und ich habe Erfah­run­gen als Bro­schü­ren­mo­dell gesam­melt.“
„Dan­ke, wir mel­den uns.“

Sie wol­len mit Ihrem Enga­ge­ment einen zukunfts­ori­en­tier­ten und moder­nen Arbeit­ge­ber ken­nen­ler­nen, ohne sich län­ger­fri­stig bin­den zu müs­sen…

Der Arbeit­ge­ber ist der­art zukunfts­ori­en­tiert und modern, dass die mei­sten Leu­te froh sind, dass sei­ne Son­der­stel­lung weit­ge­hend ver­lo­ren ist. Das mit der „län­ger­fri­sti­gen Bin­dung“ – also der ziem­lich kur­zen Arbeits­zeit, wenn man das Pech hat, beim Frie­dens­ein­satz hel­fen zu dür­fen – ist übri­gens nicht unbe­dingt von Vor­teil. (Sie­he auch in der rech­ten Spal­te: „Aus­lands­ein­sät­ze gehö­ren aktu­ell zu den wich­tig­sten Auf­ga­ben der Bun­des­wehr.“ Offen­bar habe ich das mit der „Wehr“ bis­lang miss­ver­stan­den.)

…dann ist die Bun­des­wehr und der neue Frei­wil­li­ge Wehr­dienst für Sie genau das Rich­ti­ge!

Kom­pe­ten­zen sind nicht wich­tig, nicht mal das Beherr­schen der deut­schen Spra­che – „ist“, „sind“, völ­lig einer­lei.

Der zwei­te Teil der Bro­schü­re geht tie­fer ins Detail:

Wen suchen wir

Jun­ge Frau­en und Män­ner, die:

  • bereit sind, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und für Deutsch­land und sei­ne Bür­ger ein­zu­ste­hen,

Da freu­en sich die Bür­ger aber, dass es Leu­te gibt, die in unse­rem Namen den US-Ame­ri­ka­nern bei der Ölsu­che hel­fen und dabei rei­hen­wei­se hops­ge­hen.

  • bereit sind, sich aktiv in einem lei­stungs­fä­hi­gen Team zu enga­gie­ren,

Sol­che Leu­te wer­den übri­gens auch in der Infor­ma­tik drin­gend benö­tigt, aber die kann sich kei­ne Mas­sen­wer­bung aus Steu­er­gel­dern lei­sten.

  • bereit sind, an Aus­lands­ein­sät­zen teil­zu­neh­men,

Da könn­te man natür­lich auch ein­fach Fuß­bal­ler wer­den. Wobei: Als deut­scher Fuß­bal­ler hat man da nicht lan­ge Spaß am Auf­ent­halt im Aus­land, wie wir heu­te wie­der sehen konn­ten.

  • mobil, fle­xi­bel, kör­per­lich sowie gei­stig fit sind,

Mobi­li­tät und kör­per­li­che fit­ness: Geschenkt. Was in die­ser Auf­zäh­lung aber fehlt, ist das Wort „mora­lisch“ an geeig­ne­ter Stel­le. Und das mit der gei­sti­gen fit­ness ist auch noch so eine Sache. Wer nichts kann, wird halt Sol­dat; für das Geld…!

„Sol­da­ten sind nur dum­me Tie­re, die als Schach­bau­ern in der Außen­po­li­tik benutzt wer­den.“
– Hen­ry Kis­sin­ger

  • bereit sind, sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­zu­bil­den.

Ich gebe zu, den Theo­rie­teil des Mili­tär­dien­stes wür­de ich selbst gern mal mit­er­le­ben. Lernt man da, wel­che Kör­per­tei­le die lebens­wich­ti­gen sind?

Wir bie­ten Ihnen

  • eine ver­ant­wor­tungs­vol­le und abwechs­lungs­rei­che Tätig­keit,

Gebrüll­te Befeh­le befol­gen: „Ver­ant­wor­tung“. Wird ver­merkt! Aber Abwechs­lung gibt’s tat­säch­lich: Man weiß nie, in wel­chem Land man ster­ben wird.

  • (…) unent­gelt­li­che trup­pen­ärzt­li­che Ver­sor­gung
  • und gute Bezah­lung.

Dass die Gefahr für Leib und Leben nur dis­kret impli­ziert wird, klingt mit­un­ter nied­lich unbe­hol­fen, wird aber auch mit viel Geld nicht rela­ti­viert.

Wer trotz all­dem Inter­es­se am Dienst an der Waf­fel Waf­fe hat, der soll­te sich beei­len: In Bäl­de gibt es vor­aus­sicht­lich nur noch mecha­ni­sche Sol­da­ten.