In den Nachrichten
Da bahnt sich etwas an

Schon seit eini­gen Tagen knal­len drau­ßen die Kor­ken oder jeden­falls die Böl­ler. Es ist doch immer wie­der erstaun­lich, wie viel Geld die Volks­wirt­schaft in die­sen kri­sen­ge­beu­tel­ten Tagen noch erüb­ri­gen kann, um es in die Luft zu bla­sen; also die weni­gen Euro, die noch nicht im Acker­mann oder im Grie­chen stecken, denn die sind ja recht teu­er, die­se bei­den.

Und die Sil­ve­ster­ra­ke­ten, die­se hoh­len Knall­kör­per (nicht mit den hoh­len Knallköp­fen (CDU) zu ver­wech­seln), lie­gen dann auf der Stra­ße her­um und wer­den auf Kosten der Steu­er­zah­ler – also wenig­stens meist auch derer, die den Dreck selbst machen, was mich mit einer gewis­sen Genug­tu­ung erfüllt – irgend­wann weg­ge­räumt. (Ande­rer­seits: Gemein­sam­kei­ten mit der CDU gibt es ja doch: Irgend­wann ver­puf­fen sie, der Steu­er­zah­ler zahlt’s trotz­dem.) Das ist befrie­di­gend, den­noch nei­ge ich dazu, es den Hun­den gleich­zu­tun und die­ses nerv­tö­ten­de Gepfei­fe als äußerst stö­rend zu emp­fin­den. Ich war auch mal 12, aber nie bescheu­ert.

Auch, wenn Freun­de Gegen­tei­li­ges behaup­ten.

Dabei ist das Auf­der­stra­ße­lie­gen längst Volks­sport, sei es im Kampf gegen Atom­müll­trans­por­te, anläss­lich des­sen mir immer noch kei­ner so recht zu erklä­ren ver­moch­te, inwie­fern es ein Vor­teil ist, wenn der Atom­müll noch län­ger durch die Umwelt kut­schiert wird als beab­sich­tigt, sei es wegen der hohen Arbeits­lo­sig­keit.

Ach, die Arbeits­lo­sig­keit. Man­che kön­nen ja noch nicht ein­mal etwas dafür: Aus Grün­den, die wohl nur die Arbeit­ge­ber selbst ver­ste­hen, wer­den sie dem Arbeits­markt zurück­ge­ge­ben, damit so manch ein Mana­ger die Raten für sei­nen Bent­ley abbe­zah­len kann. Ses­sel­fur­zer, elen­de.

Wobei so ein Mana­ger natür­lich auch Geld ver­die­nen bekom­men möch­te, und die bereits an ande­rer Stel­le ange­spro­che­ne Infla­ti­on macht das nicht leicht. Die­se ent­gan­ge­nen Ein­nah­men müs­sen dann natür­lich an ande­rer Stel­le wie­der her­ein­kom­men, sonst braucht man bald einen Ret­tungs­schirm. Die Bahn macht es vor:

Die Nor­mal­prei­se im Fern- und im Nah­ver­kehr stei­gen mit dem Fahr­plan­wech­sel im Schnitt um 3,9 Pro­zent. Auch Wochen‑, Monats- und Jah­res­kar­ten kosten künf­tig mehr, genau­so die Bahn­card und vie­le Pau­schal­tickets für den Nah­ver­kehr wie das Schö­ne-Wochen­end-Ticket.

Als wirt­schaft­lich ori­en­tier­tes Unter­neh­men, wie es die Deut­sche Bahn ja lei­der ist, braucht man eben auch sein Aus­kom­men mit dem Ein­kom­men, und …

Gleich­zei­tig will der Kon­zern im kom­men­den Jahr 2,75 Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­ten: ein Rekord­ge­winn.

… so ein Finanz­plan will sorg­fäl­tig über­legt sein. Ohne­hin wird der Bahn übel mit­ge­spielt:

Laut einem Bericht des „Han­dels­blatts“ zahlt der Stahl­pro­du­zent dem Logi­stik­kon­zern Scha­dens­er­satz wegen Preis­ab­spra­chen beim Schie­nen­ver­kauf. (…) Ins­ge­samt belau­fe sich die Scha­dens­sum­me durch das Kar­tell auf bis zu eine Mil­li­ar­de Euro.

Da hat die Bahn noch mal Glück gehabt, die­ses Geld dürf­te viel­leicht rei­chen, um die größ­ten Bud­get­lö­cher zu stop­fen. Gutes Per­so­nal ist wert­voll in der heu­ti­gen Zeit, und das lässt sich die Bahn eini­ges kosten:

Im Wer­ben um Aus­zu­bil­den­de sei­en die Zei­ten der Best­aus­wahl aus einer Viel­zahl von Bewer­bern vor­bei, mein­te [EVG-Chef Alex­an­der] Kirch­ner. Hier müss­ten die Bah­nen ver­stärkt Pro­gram­me ent­wickeln, um auch schwä­che­ren Schul­ab­gän­gern den Ein­stieg zu ermög­li­chen.

Wer aus sei­nem Leben etwas machen will, aber in der Schu­le eine Nie­te war, der muss also trotz­dem nicht bei KIK an der Kas­se oder bei McDonald’s in der Küche arbei­ten; die Bahn hält inter­es­san­te Per­spek­ti­ven offen: Sich von betrun­ke­nen Pas­sa­gie­ren anpö­beln las­sen müs­sen, an den chro­nisch geschlos­se­nen Bahn­schal­tern „arbei­ten“, auf Fra­gen nach Zug­ver­spä­tun­gen mit einem Ach­sel­zucken ant­wor­ten müs­sen, weil man die tol­le blaue Bahn­uni­form eben nur trägt, weil sie so fesch ist – all das wird bei McDonald’s nicht gebo­ten.

Man könn­te sich das alles aller­dings erspa­ren, indem man ein­fach stirbt, zum Bei­spiel an einer Herz­krank­heit. Das Bewusst­sein für Herz­krank­hei­ten ist viel zu nied­rig, lässt die Coca-Cola Com­pa­ny mit Fokus auf das immer­hin nur Hirn­schä­den und Dia­be­tes för­dern­de „Light“-Coca-Cola-Produkt ver­mel­den, unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass man selbst mit sei­nem Zucker­ge­söff für so man­che Organ­schä­den gesorgt haben dürf­te. Dabei dür­fen die blö­den Ker­le ruhig ver­recken:

Die Initia­ti­ve „Hör auf dein Herz“ star­te­te heu­te in Ber­lin im Rah­men eines Ladies Lunchs im Ber­li­ner Chi­na Club erst­mals der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt. Sie hat das Ziel, das Bewusst­sein für die Herz­ge­sund­heit bei Frau­en zu erhö­hen, über Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men auf­zu­klä­ren und somit mög­lichst vie­le Frau­en zu einem herz­ge­sun­den Lebens­stil zu moti­vie­ren. (…) Die gela­de­nen Gäste – Frau­en aus Gesell­schaft, Poli­tik und Wirt­schaft – wie Frie­de Sprin­ger, Nad­ja Uhl, Alex­an­dra Oet­ker, Anna von Gries­heim, Grä­fin Karin von Dön­hoff sowie Ursu­la Kar­ven, Fio­na Ben­nett und Ehren­gast Kat­ja Flint wur­den von Prof. Dr. Vera Regitz-Zag­ro­sek und Dr. Nata­scha Hess über die wich­tig­sten Fak­ten zum The­ma Herz­ge­sund­heit infor­miert.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Dass angeb­lich seit 1984 mehr Frau­en als Män­ner an Herz-/Kreis­lauf­erkran­kun­gen ster­ben, ist noch kein Grund, „ins­be­son­de­re Frau­en“ auf die­ses Risi­ko hin­zu­wei­sen. Zumal es dafür nicht mal pro­mi­nen­ter Patin­nen bedürf­te, denn die Grund­re­geln lernt man eigent­lich schon als klei­nes Kind: Nicht so viel unge­sun­de Zucker­plör­re trin­ken, sonst wird man das noch mal bereu­en.

Wer die brau­ne Brü­he ohne­hin nicht gern mag, der hat gute Chan­cen, nach­hal­ti­gen Scha­den an der neu­en Volks­krank­heit Burn-Out-Syn­drom zu neh­men. Das ist eigent­lich eine Unver­schämt­heit, sagt die „Welt“ und appel­liert: Hört auf, aus­ge­brannt zu sein, sonst macht ihr die Wirt­schaft kaputt, ihr Pim­mel! Am besten ein­fach ein­sper­ren, das arbeits­scheue Pack. Tja, ʇןǝʍ ǝıp steht Kopf in die­sen Tagen.

Ach, kaput­te Wirt­schaft – wir Deut­schen, wir zah­lungs­kräf­ti­gen Schuld­ner, soll­ten uns nicht so anstel­len. Ver­gli­chen mit Spa­ni­en und den USA geht es uns noch bestens. Dass sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent da lie­ber ins Aus­land absetzt, ist ver­ständ­lich:

US-Prä­si­dent Barack Oba­ma zieht es wie­der nach Ber­lin. „Die Chan­cen, dass Prä­si­dent Oba­ma wie­der nach Ber­lin kommt, ste­hen gut, weil er das auch selbst unbe­dingt will“, ver­deut­licht der US-Bot­schaf­ter Phil­ip D. Mur­phy in der Sams­tags­aus­ga­be der „Ber­li­ner Mor­gen­post“.

Es ist eine urdeut­sche Tra­di­ti­on, hoh­len Blen­dern zuzu­ju­beln. Der Karl-Theo­dor ist gera­de nicht greif­bar, also muss man sich an einen ande­ren noto­ri­schen Lüg­ner hal­ten und ihn zum Hei­land sti­li­sie­ren. Einen ech­ten Deut­schen inter­es­sie­ren gebro­che­ne Wahl­ver­spre­chen nicht. Der CDU steht auch wei­ter­hin eine rosi­ge Zukunft bevor.

2012 wird sicher lustig. Fro­hes neu­es Jahr.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt LXXVI: „Haste mal ’ne Däne-Mark?“ / Dänen leiht man gern etwas.

Däne­mark ist eines der Län­der, die den Euro nicht so toll fin­den wie Ange­la Mer­kel (also Frau Mer­kel den Euro, nicht die Län­der Frau Mer­kel). Das heißt, die­ser gan­ze Schul­den­zir­kus mit Plei­te­l­än­dern, Ret­tungs­schir­men und auf­müp­fi­gen Bri­ten kann dän den Dänen voll­kom­men schnup­pe sein. Der Erfolg gibt ihnen Recht:

Die Zen­tral­bank des Lan­des plat­zier­te am Don­ners­tag Staats­an­lei­hen mit drei‑, sechs- und neun­mo­na­ti­gen Lauf­zei­ten und sam­mel­te so 2,32 Mil­li­ar­den däni­sche Kro­nen ein, das ent­spricht rund 310 Mil­lio­nen Euro. Bei zwei die­ser drei Emis­sio­nen betrug die Ren­di­te für die Inve­sto­ren weni­ger als null Pro­zent – der Staat muss ihnen also weni­ger Geld zurück­zah­len, als sie ihm gelie­hen haben. Kon­kret lagen die Zin­sen bei den drei­mo­na­ti­gen Papie­ren bei minus 0,21 Pro­zent, bei Anlei­hen mit sechs­mo­na­ti­ger Lauf­zeit bei minus 0,07 Pro­zent.

In ande­ren Wor­ten: Weil Däne­mark man­gels Euro-Mit­glied­schaft nicht von aber­wit­zig hohen Pflicht­aus­ga­ben für strau­cheln­de Miss­wirt­schafts­staa­ten betrof­fen ist, ist sei­ne Zah­lungs­fä­hig­keit der­art stand­fest, dass es sich auch Geld lei­hen darf, ohne es voll­stän­dig zurück­zah­len zu müs­sen. Ein biss­chen wie Por­tu­gal eben.

Denn was ist ein ein­deu­ti­ges Zei­chen dafür, dass ein Schuld­ner sicher zah­lungs­fä­hig ist? Klar: Er leiht sich ein paar hun­dert Mil­lio­nen Euro. Das weckt Ver­trau­en. Deutsch­land kennt das ja:

Von die­ser Unsi­cher­heit pro­fi­tiert hin­ge­gen außer Däne­mark auch Deutsch­land, das eben­falls als siche­rer Schuld­ner gilt. Seit Mona­ten lie­gen die Ren­di­ten für Bun­des­an­lei­hen unter der Infla­ti­ons­ra­te (…).

Ren­di­ten lie­gen „unter der Infla­ti­ons­ra­te“; Deutsch­land ist also ein siche­rer Schuld­ner, weil unser Geld immer schnel­ler immer weni­ger wert ist?

Viel­leicht soll­te ich auch mal wie­der einen Kre­dit bean­tra­gen.

(Dan­ke an L.!)

Nerdkrams
SIP unter Android 4.0: Es muss nicht immer Sky­pe sein.

Sky­pe bie­tet, sei­ne stän­di­gen Sicher­heits­pro­ble­me ein­mal gänz­lich außer Acht gelas­sen, eigent­lich kei­ne nen­nens­wer­ten Vor­tei­le. Sprach­über­tra­gung ist ein alter Hut, Video­kon­fe­ren­zen beherrscht selbst Goog­le+ inzwi­schen ohne irgend­wel­chen Mehr­auf­wand, von dem eben­falls video­taug­li­chen MSN und den ande­ren Dien­sten ein­mal ganz zu schwei­gen. Wer dar­auf ver­zich­ten kann, beim Tele­fo­nie­ren die Fres­se sei­nes Gegen­übers stän­dig ertra­gen zu müs­sen, dem genügt ein ein­fa­cher VoIP-Anbie­ter.

Ein tritt SIP. SIP ist ein offe­nes Über­tra­gungs­pro­to­koll, für das es zahl­rei­che Cli­ents für nahe­zu jedes gän­gi­ge Betriebs­sy­stem gibt. Video­über­tra­gung ist mög­lich, aber ich möch­te hier vor allem den Audio­teil beleuch­ten. Die Tele­fon-app von Android 4.0 „Ice Cream Sand­wich“ näm­lich hat eine Unter­stüt­zung für SIP bereits ein­ge­baut.

Wor­in der Vor­teil liegt, wenn man eh‘ eine flat­rate hat (und ein smart­phone ohne flat­rate ist unauf­re­gend)? Nun, es ist der glei­che „Vor­teil“ wie bei der Nut­zung von Sky­pe: Man kann mit ande­ren SIP-Nut­zern (gra­tis) oder ande­ren Tele­fon- oder Skyp­e­be­sit­zern (nicht gra­tis) auch am Lap­top tele­fo­nie­ren und spart so gege­be­nen­falls eine Men­ge Geld. Vie­le Vor- und Nach­tei­le wer­den im Inter­net bereits zur Genü­ge beleuch­tet, des­we­gen möch­te ich es auch hier­bei belas­sen. Aus­schlag geben­des Argu­ment für mich war es, dass es über SIP mög­lich ist, jeder­zeit ohne not­wen­di­gen Mehr­preis über eine Fest­netz­num­mer erreich­bar zu sein. Das möch­te ich im Fol­gen­den ein­mal erläu­tern.

Vor­aus­set­zung, um mir inhalt­lich fol­gen zu kön­nen, ist ein smart­phone mit Android ab 2.3, die screen­shots unten sind jedoch unter Android 4.0 ent­stan­den. Für vie­le smart­phones gibt es ja bereits ent­spre­chen­de Por­tie­run­gen, ein Umse­hen auf xda-deve­lo­pers ist rat­sam.

Ist die Vor­aus­set­zung erfüllt, man jedoch noch uner­fah­ren im Bereich des SIPs, so emp­feh­le ich eine Anmel­dung bei einem SIP-Anbie­ter. Hat man eine DSL-/Te­le­fon­flat­rate in der eige­nen Woh­nung, nutzt man wahr­schein­lich bereits SIP, ohne es zu wis­sen. Die­ses SIP-Kon­to lässt sich in der Regel eben­falls per Android oder Desk­top­pro­gramm nut­zen, ich emp­feh­le einen Blick in die Hilf­e­sei­ten des Anbie­ters. Möch­te oder kann man davon kei­nen Gebrauch machen, so man­gelt es aber auch nicht an Alter­na­ti­ven. Die mei­sten haben sehr ähn­li­che Kon­di­tio­nen: Kei­ne Grund­ge­bühr, kei­ne Kosten von SIP zu SIP, teil­wei­se gibt es auch SIP-Flat­rates. Im Bei­spiel ver­wen­de ich sip­ga­te (aus recht­li­chen Grün­den hier nicht ver­linkt). Die Schrit­te der Anmel­dung vari­ie­ren zwi­schen den Anbie­tern, man soll­te aber auf jeden Fall sei­ne kor­rek­ten Mel­de­da­ten ange­ben. Manch­mal wird das über­prüft.

Hat man sich ange­mel­det, ist der auf­wän­dig­ste Teil schon erle­digt. Jetzt kann man sich einen belie­bi­gen SIP-Cli­ent instal­lie­ren, ein­rich­ten und sich mal spa­ßes­hal­ber selbst anru­fen. Die nöti­gen Daten (Ser­ver, Benut­zer­na­me, Pass­wort) teilt der gewähl­te Anbie­ter mit, bei sip­ga­te etwa ste­hen sie in den „Ein­stel­lun­gen“:

Aber eigent­lich geht es ja hier um Android. Android 4.0 ist nicht nur schön blau, son­dern auch noch SIP-fähig. Möch­te man mit die­ser neu­en SIP-Fest­netz­num­mer nun auch unter Android erreich­bar sein, kann man sich (anders als bei Sky­pe) die Ein­rich­tung einer eige­nen app spa­ren. Man rufe schlicht die Tele­fon­funk­ti­on auf, betä­ti­ge die Menüta­ste und wäh­le „Ein­stel­lun­gen“. Dort befin­det sich unten ein Menü­punkt „Kon­ten“. Eine Berüh­rung des­sel­ben eröff­net dem Nut­zer die Mög­lich­keit, sei­ne Zugangs­da­ten dort zu hin­ter­le­gen.

So weit die Theo­rie. Gibt es not­wen­di­ge Ergän­zun­gen? Sicher: Video­te­le­fo­nie geht so nicht. Wer dies auch per SIP errei­chen möch­te oder noch mit einer älte­ren als den hier genann­ten Android-Ver­sio­nen arbei­tet, dem rate ich dazu, sip­droid aus­zu­pro­bie­ren, das angeb­lich ent­spre­chen­de Funk­tio­nen bie­tet.

Fra­gen? Wei­te­re Ergän­zun­gen? Immer hier hin­ein damit!


Nach­trag von Mit­te Janu­ar 2012: In den Kom­men­ta­ren wur­de ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dies anschei­nend bereits ab Android 2.3 funk­tio­niert. Ich habe den Text ent­spre­chend erwei­tert.

Spaß mit Spam
Eh, „Swiss Apo­the­ke“!

Dass ihr in euren komi­schen Spam­mails abwech­selnd Abnehm- und Penis­pro­duk­te anpreist, ist ja schön und gut und bringt ein biss­chen Abwechs­lung hin­ein, auch wenn ihr es immer noch nicht hin­be­kom­men habt, wenig­stens ansatz­wei­se seri­ös zu wir­ken.

Ab jetzt gibt es bei der Swiss Apo­the­ke das Nr. 1 Abnehm-Pro­dukt! So können
Sie mehr als 10 KG a
bneh­men.

Am ein­fach­sten kann man ja „mehr als 10 KG a bneh­men“, indem man ein­fach stirbt; und ob eure Pil­len aus dubio­ser Quel­le noch ande­re Neben­ef­fek­te haben, will ich lie­ber nicht aus­pro­bie­ren.

Natür­lich ver­mei­det ihr auch wei­ter­hin jede Nen­nung von Pro­dukt­na­men, wohl wis­send, dass Mails mit „Via­gra“, „V!@gr4“ und ähn­li­chen Wor­ten in der Regel kei­nen Spam­fil­ter pas­sie­ren. Ob eure Alter­na­ti­ve aber so viel bes­ser ist?

Guten Tag,

P,otenzmittel dis­kret und schnell im Netz ein­kau­fen:

http://www.viagra-zu-sylvester-ax.info

Auch der ange­häng­te Aus­schnitt aus der Cle­ve-Pozar-Bio­gra­fie, ohne Sinn und Ver­stand aus der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia kopiert, lässt die­ses A,ngebot n!cht überd enkens­wErt erschei­nen.

Wisst ihr, „Swiss Apo­the­ke“, wer in eine Apo­the­ke geht, der hat nor­ma­ler­wei­se ein Lei­den, das sei­ne Umwelt nicht unbe­dingt etwas angeht. Etwa­ige Erek­ti­ons­pro­ble­me ver­traut man aber gera­de des­we­gen lie­ber dem bekann­ten Apo­the­ker als wild­frem­den „Schwei­zern“ unkla­rer Iden­ti­tät an, denn es gibt nur wenig, das weni­ger dis­kret wäre als eine Bestel­lung im Inter­net.

Wer in einem Anflug puber­tä­rer Geil­heit dann doch mal in euren Mails her­um­klickt und hofft, die nie­de­ren Gelü­ste befrie­digt zu bekom­men, dem wird sofort ins Auge sprin­gen, mit was für licht­scheu­em Gesin­del er es hier zu tun hat, denn die ver­schie­de­nen Links füh­ren alle­samt auf swissapotheke.de, eine Adres­se, die erfah­re­nen Spam­emp­fän­gern bekannt vor­kom­men soll­te. In der Schweiz will euch kei­ner mehr, dann ver­sucht ihr es jetzt eben in Deutsch­land. Wie lan­ge wohl?

Zum Glück hat die deut­sche Gesetz­ge­bung ein paar Bedin­gun­gen an die Domain­re­gi­strie­rung geknüpft, und so erfährt man mit­tels einer kur­zen Anfra­ge nicht nur, dass der Ver­ant­wort­li­che für die Schwei­ze­r­apo­the­ke gar kein Schwei­zer ist, son­dern in Karls­ru­he wohnt, son­dern (anhand sei­ner E‑Mail-Adres­se) auch, dass er kei­nen Spam emp­fan­gen möch­te: Die dort ein­ge­tra­ge­ne Adres­se bei s0ny.net ist näm­lich eine Weg­werfadres­se. Was wohl Sony davon hält?

Wahr­schein­lich inter­es­siert ihn das aber herz­lich wenig, immer­hin gibt er sei­nen Namen für eine ver­meint­li­che Online-Apo­the­ke her, die mit Anma­ßun­gen nicht geizt. Da wäre zum Bei­spiel das Geo­Trust-Part­ner-Logo:

Wen wun­dert es, dass ein Auf­ruf über das HTTPS-Pro­to­koll trotz­dem einen Feh­ler 404 („nicht gefun­den“) erzeugt?

Und natür­lich geht es immer noch ein biss­chen abge­schmack­ter, denn auch ein „Test­ur­teil“ der „Stif­tung Waren­test“ darf nicht feh­len:

Wirk­lich zu scha­de, dass die Aus­ga­be 6/2009 gar kei­nen ent­spre­chen­den Test vor­zu­wei­sen hat. Aber wer gie­rig auf der Suche nach schnel­len Pim­mel­pil­len ist, der lässt sich von so etwas nicht auf­hal­ten. Immer­hin ist das eine seriö­se „Online Apo­the­ke“ (sic!), sagt die „Stif­tung Waren­test“. Wird schon stim­men.

Copy­right © 2011 Swis­s­apo­the­ke

Eigent­lich fehlt nur noch das TÜV-Sie­gel.

Wisst ihr, „Swiss Apo­the­ke“, es ist ja rüh­rend, dass ihr euch so viel Mühe beim Fäl­schen und Betrü­gen gebt. An der Über­zeu­gungs­kraft aber zweif­le ich ein wenig. Viel­leicht soll­tet ihr die Bran­che wech­seln.

Montagsmusik
John Len­non – How do you sleep?

Zum 44. Jubi­lä­um der Welt­pre­mie­re des Beat­les-Films „Magi­cal Mystery Tour“ ist Paul McCart­ney der letz­te Beat­le, der noch regel­mä­ßig in Föje­tong und Musik­pres­se auf­taucht. Das ist scha­de.

Dass sei­ne Wer­ke noch immer geprie­sen wer­den, ist mög­li­cher­wei­se Geschmacks­sa­che. Man soll­te aber auch nicht ver­ges­sen, was John Len­non einst über ihn sang:

Tho­se freaks was right when they said you was dead
The one mista­ke you made was in your head

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXV: Gei­stig zu Fuß gehen

Die jähr­li­che Weih­nachts­an­spra­che des Pap­stes war auch in die­sem Jahr nicht gänz­lich frei von Komik.

Dass er die Kom­mer­zia­li­sie­rung von Weih­nach­ten bemän­gel­te, mag man posi­tiv aus­le­gen, obwohl so ein Papst ja nicht gera­de für sei­nen schlich­ten Lebens­stil bekannt ist. Ja, an Weih­nach­ten geht es eigent­lich nicht um Lau­fen und Kau­fen und Sau­fen, aber die nie­de­ren Gelü­ste wol­len ja auch bedient wer­den, nicht wahr?

Was der Papst sagt, ist manch­mal ja schön und gut, aber von der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät weit ent­fernt. Mit einem Satz jedoch hat er sozu­sa­gen den Nagel auf den Kopf getrof­fen:

Der nied­ri­ge Ein­gang der Geburts­kir­che Jesu in Beth­le­hem leh­re: „Wir müs­sen uns her­un­ter­beu­gen, sozu­sa­gen gei­stig zu Fuß gehen, um durch das Por­tal des Glau­bens ein­tre­ten zu kön­nen.“

Wer zu viel dar­über nach­denkt, stößt sich an dem nied­ri­gen gei­sti­gen Niveau des Chri­sten­tums eben gewal­tig den Kopf. Amen.

Internes
Such­be­grif­fe, 24. Dezem­ber 2011

Und als ich gera­de so in mei­ner Nicht­blog­sta­ti­stik wühl­te, schau­te ich mal nach, wonach die Leu­te die­se Woche so gesucht haben, als sie bei mir lan­de­ten, und ich konn­te es nicht fas­sen.

Bemer­kens­wer­te Aus­zü­ge:

justin bie­ber nackt

Beun­ru­hi­gend: 39 Men­schen sind dar­auf her­ein­ge­fal­len.

selbst­mord emo

Oft.

amok­lauf lustig

Hihi.

bar­codes von lusti­gen sachen

War­um? Nein, ernst­haft: War­um?!

brief der eine frau anmacht

„He, wun­der­schö­ne Frau! Typen wie dich kön­nen wir hier nicht beson­ders gut lei­den!“

dai­sy fickt donald

Wahr­schein­lich – in den Comics wird es nur ange­deu­tet. (Manch­mal aber sehr ein­deu­tig.)

fick dei­ne mut­ter lesen

Aus der belieb­ten Rei­he: „Wenn ein Satz nicht so endet, wie er Kar­tof­fel“.

ich ficke kei­ne gehir­ne

Beru­hi­gend.

ich wün­sche mir eine toch­ter gibt es ein gerät

Ja, nennt sich „Penis“. Kei­ner ver­füg­bar? Dann wird das kom­pli­ziert, fürch­te ich.

samen­grüß in der nacht

Ein guter Titel für einen Schla­ger eigent­lich.

win­dows zer­ficken

Purer Sex.

Mir fröstelt’s.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2011 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 8 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ley­die­sendt­schen­tel­men, herz­lich will­kom­men am Jah­res­en­de und damit zur übli­chen Retro­spek­ti­ve der pri­ma­sten Alben des Jah­res, die es in die Halb­jah­res­li­ste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht ein­mal unbe­dingt eine Fra­ge des Erschei­nungs­da­tums, denn wie üblich hat­ten sich wie­der eini­ge Alben aus dem ersten Halb­jahr geschickt vor mir ver­steckt.

Ich erhielt anläss­lich der Rück­schau 06/2011 ver­ein­zel­te Kri­tik, es sei zu viel Mate­ri­al zusam­men gekom­men, um sich in einer ange­mes­se­nen Zeit damit beschäf­ti­gen zu kön­nen. Dies­mal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben wür­den rei­chen, auf­at­men: Die­se Liste wird kür­zer als ange­nom­men. Hier­für gibt es einen guten und einen beschä­men­den Grund: Das selbst­be­ti­tel­te Debüt­al­bum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch ande­res inter­es­san­tes Musik­werk längst eines sepa­ra­ten Arti­kels erfreu­en, vor allem aber hat noch wäh­rend der Zusam­men­stel­lung der zu rezen­sie­ren­den Alben mei­ne alte digi­ta­le Schreib­ma­schi­ne beschlos­sen, die Prie­ster­lauf­bahn ein­zu­schla­gen, und ohne Umschwei­fe etwas geseg­net, näm­lich das Zeit­li­che; und getreu Mur­phys immer­wäh­ren­dem Gesetz hat­te ich dies­mal kei­ne Sicher­heits­ko­pie ange­fer­tigt.

Daher seht es mir nach, wenn euer per­sön­li­ches Album des Jah­res dies­mal fehlt, und lasst es mich wis­sen: Viel­leicht gefällt es auch ande­ren Musik­freun­den, die dies hier zufäl­lig ent­decken. ‘Musik 12/2011 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

Spaß mit Spam
Kim Jong-il Spe­cial…

Ich hät­te nicht gedacht, dass ich mich mal über tat­säch­lich erwünsch­te Wer­be­mails amü­sie­ren wür­de.

Gera­de traf aber eine sol­che von MaxCDN, mei­nem bevor­zug­ten Lasten­ver­tei­lungs­dienst, ein, die mich dar­über infor­mier­te, dass noch bis Sil­ve­ster anläss­lich des Todes des ehe­ma­li­gen Dik­ta­tors Kim Jong-Il – das war seit dem Ende von Gad­da­fi exklu­siv der mit der Son­nen­bril­le – ein beson­de­res Ange­bot ver­füg­bar sei:

Mode­trends sind manch­mal wirk­lich erstaun­li­chen Ursprungs.

Scha­de, dass nicht nach Euro­pa gelie­fert wird.

Persönliches
Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Gei­er. (Mat­thä­us 24,28)

Eines der weni­ger ruhm­rei­chen Kapi­tel in mei­nem Leben ist mei­ne Kon­fes­si­on.

Ich geste­he, ich stam­me aus einer über­wie­gend katho­li­schen Fami­lie. Gera­de die Fami­lie eines mei­ner Eltern­tei­le ist tra­di­tio­nell römisch-katho­lisch getauft und bis zur vor­letz­ten Gene­ra­ti­on durch­aus auch noch heu­te kirch­lich rege aktiv, und so wur­de auch ich katho­lisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Ein­ver­ständ­nis gebe­ten hät­te. Mei­nem Groß­va­ter zulie­be ver­brach­te auch ich in Kind­heit und frü­her Jugend eini­ge Zeit damit, der Kir­che zu die­nen; die Bedeu­tung des Wor­tes „die­nen“ war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so emp­fand ich es auch. Aus ähn­li­chem Grund nahm ich an Erst­kom­mu­ni­on und Fir­mung teil. Dem hin­zu kam der Aspekt, dass man das eben so mach­te, ob man nun die Wie­der­kunft des HErrn erwar­te­te oder nicht. Katho­lisch getauft wor­den zu sein hieß für mich, sich auch fir­men las­sen zu müs­sen. Viel­leicht lag es auch an den Geld­ge­schen­ken, die mich erwar­te­ten.

Unter ande­rem wohl dem evan­ge­li­schen ande­ren Eltern­teil und sei­ner Aver­si­on gegen von Leu­ten, die sich außer­halb eines Kir­chen­hau­ses für christ­li­che Gebo­te nur für einen Teil der zehn Gebo­te inter­es­sie­ren, vor­ge­scho­be­nes Chri­sten­tum ist es zu ver­dan­ken, dass sich mit der Zeit die ratio durch­set­zen konn­te und ich begann, mei­nen Ein­satz für die katho­li­sche Kir­che auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren, indem ich die Kir­che nur noch in Aus­nah­me­fäl­len betrat und mich auch dann den römisch-katho­li­schen Lei­bes­übun­gen (Auf­ste­hen, Hin­set­zen, Hin­knien, Hin­set­zen, Auf­ste­hen, Hin­set­zen, rauf, run­ter, rein, raus) ent­zog; nein, ich kor­ri­gie­re mich – „rein, raus“ war damals nicht an der Tages­ord­nung.

Wenn also irgend­wann der Ver­stand ein­setzt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jah­re sei­nes Lebens (zeit­wei­se halb­her­zig) ein­ge­setzt hat, ethisch nicht mehr dem eige­nen Welt­bild ent­spricht, muss – nicht nur soll­te – man, um sich selbst nicht zu belü­gen, die Kon­se­quen­zen zie­hen. Ich bewun­de­re Men­schen, die trotz allem wei­ter­hin an Weih­nach­ten, Ostern oder Neu­jahr aus Prin­zip in die Kir­che gehen, für die­se Fähig­keit. Ich habe sie längst ver­lo­ren.

Der Zufall hat mich bis­her davor bewahrt, die Kir­chen­steu­er ent­rich­ten zu müs­sen. Ich hat­te mir fest vor­ge­nom­men, den Aus­tritt, im Gei­ste vor Jah­ren erfolgt, bald auch for­mell vor­zu­neh­men, bevor sich die­ser Zustand ändert. Ein Aus­tritt, immer­hin, kostet aus uner­find­li­chem Grund Ver­wal­tungs­ge­büh­ren, also eil­te es bis­lang nicht. Nicht ein­mal die, wie erst spä­ter bekannt wur­de, erstaun­li­che Häu­fung von Kin­der­fickern inmit­ten der Bedien­ste­ten die­ser Sek­te – das ist sicher, wie bei der „christ­lich-demo­kra­ti­schen“ Uni­on, nur Zufall – konn­te für mich per­sön­lich die­sen Schritt beschleu­ni­gen.

Nun begab es sich, dass ein naher Ver­wand­ter nach lan­ger Krank­heit, also kei­nes­falls über­ra­schend, abnip­pel­te ver­starb. Heu­te wohn­te ich dem Trau­er­got­tes­dienst bei, dem eine Trau­er­fei­er fol­gen soll­te, aber fei­er­lich war mir nicht mehr zumu­te. So ein Trau­er­got­tes­dienst unter­schei­det sich ja von allen ande­ren Got­tes­dien­sten offen­bar nur dar­in, dass der Name des Toten wäh­rend der Eucha­ri­stie genannt wird, und dann bit­te­s­ehr wei­ter zur Tages­ord­nung.

Die besteht dann dar­in, dass man den Herrn lobt und preist und ihm selbst­ver­ständ­lich für sei­ne guten Taten dankt. Dass sich nie­mand ver­nehm­lich zu räus­pern erlaubt, wenn zum Aus­zug des Prie­sters am Ende der Trau­er­ver­an­stal­tung die anwe­sen­de Schar an Men­schen, ob nun eigent­lich katho­lisch oder evan­ge­lisch oder bud­dhi­stisch oder sata­ni­stisch oder apa­thisch, im Chor ein altes Kir­chen­lied rezi­tiert, in dem es heißt:

Gro­ßer Gott, wir loben dich,
Herr, wir prei­sen dei­ne Stär­ke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewun­dert dei­ne Wer­ke.

(…)

Alle Tage wol­len wir
dich und dei­nen Namen prei­sen
und zu allen Zei­ten dir
Ehre, Lob und Dank erwei­sen.

…, fühlt sich zwar für die Anwe­sen­den viel­leicht mystisch und tief gläu­big an, aber es ist selbst für mich eine Spur zu zynisch.

Katho­li­ken­pack, beschä­men­des!

Eurem wider­wär­ti­gen Hau­fen kün­di­ge ich hier­mit das letz­te küm­mer­li­che biss­chen Freund­schaft, das ihr noch nicht ver­spielt hat­tet. Möge ein gerech­tes höhe­res Wesen euch lie­ber frü­her als spä­ter im Fege­feu­er bren­nen las­sen.

Arsch­lö­cher.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXIV: Dino­sau­ri­er und Mam­muts

Manch­mal wüss­te ich wirk­lich gern, was in den Köp­fen der EU-Poli­ti­ker eigent­lich vor­geht, wenn ich Nach­rich­ten wie die­se lese:

Bank­kun­den müs­sen vom 1. Febru­ar 2014 an euro­pa­weit ein­heit­li­che Kon­to­num­mern mit 22 Stel­len (IBAN) ver­wen­den. Zu die­sem Zeit­punkt wer­den natio­na­le Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten im euro­päi­schen Zah­lungs­raum (SEPA) ver­ein­heit­licht.

Neh­men wir mal an, am 1. Febru­ar 2014 ist so etwas wie eine euro­päi­sche Ein­heit über­haupt noch bruch­stück­haft vor­han­den:

Um jetzt Geld von Han­no­ver nach Hil­des­heim zu schicken, muss man sich statt zwei leid­lich kur­zer eine ein­zi­ge, ziem­lich lan­ge, euro­pä­isch ein­heit­li­che mer­ken, weil die EU die Vor­tei­le inner­staat­li­cher Finanz­trans­ak­tio­nen nicht zu schät­zen weiß und ja bei­de Städ­te auch irgend­wo in Euro­pa lie­gen?

Die­ser EU-Appa­rat ist doch immer wie­der für lusti­ge Ideen gut. Zukünf­tig wird wahr­schein­lich wie­der mehr Geld per Brief­um­schlag ver­schickt, seufz.

(Dan­ke an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt LXXIII: Mit­tel­stand und Unver­stand

Falls noch jemand dach­te, dass die F.D.P. ihre wit­zi­gen Umfra­ge­wer­te zum Anlass neh­men könn­te, ihre Stamm­kli­en­tel, die so genann­ten „Bes­ser­ver­die­nen­den“ aus dem so genann­ten „Mit­tel­stand“, kri­tisch zu über­den­ken und gege­be­nen­falls zu wech­seln, dann hat er nicht mit Patrick Döring gerech­net:

Gewerk­schafts­chef Som­mer hat­te sich in der „Bild am Sonn­tag“ für die Ein­füh­rung einer Rei­chen- und einer Ver­mö­gen­steu­er, die Erhö­hung der Erb­schaft­steu­er sowie die Besteue­rung von Finanz­trans­ak­tio­nen aus­ge­spro­chen. Döring kri­ti­sier­te die­se Vor­schlä­ge als „ein Pro­gramm gegen den deut­schen Mit­tel­stand“, das auf Kosten der Arbeits­plät­ze und auch des Staats­haus­halts gehe.

Wir wol­len ja die Acker­män­ner und Maschmey­er und ihr Geld nicht ver­grau­len, nich‘ wahr?


Ach, übri­gens, die Glei­chung E = m*c² soll­te jedem Men­schen bekannt sein, der hier­zu­lan­de mal so was wie eine Schu­le besucht hat; auch, dass es „c Qua­drat“ und nicht „c zwei“ am Ende heißt. Des­halb ist es eigent­lich unver­zeih­lich, dass der „Frei­tag“ aus­ge­rech­net in der Rubrik „Wis­sen“ bereits am Don­ners­tag so etwas ver­öf­fent­li­chen ließ:

[Das Elek­tro­nen­volt] beschreibt die Mas­se m in Form der Ener­gie E – errech­net aus Ein­steins For­mel E=mc2, wobei c die Licht­ge­schwin­dig­keit ist[.]

Aber mon­tags ist man ja immer etwas mil­der gestimmt. Immer die­se Wochen­en­den.

Montagsmusik
The Toten Crack­hu­ren im Kof­fer­raum – Ich hab kei­nen Spaß

Zur Lage der Nati­on (und weil ich den Band­na­men so lustig fin­de) sowie im Dienst des schlech­ten Geschmacks schla­ge ich vor, die Woche mit „Ich hab kei­nen Spaß“ von The Toten Crack­hu­ren im Kof­fer­raum begin­nen zu las­sen. Ich hof­fe, die­ser Vor­schlag fin­det Zustim­mung.

DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM – kein Spass (in Neu­ka­len 27.11.2010)

Gegen­tei­li­ge Mei­nun­gen sind zu spät.

Piratenpartei
Pira­ten und der Eso­ter­ror

Ach, das ist ja gera­de­zu furcht­bar: Die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei, Danie­la Scher­ler, hängt pri­vat eso­te­ri­scher Alter­na­tiv­me­di­zin an, wor­über sie auch Bücher schreibt, in denen sie angeb­lich – ich habe das jetzt aus Grün­den nicht selbst über­prüft – schwer Kran­ken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrank­ten) zu ver­ste­hen gibt, sie sei­en selbst schuld an ihrem Zustand. Gut, bei AIDS kann man sich jetzt dar­über strei­ten, inwie­weit eine Erkran­kung ver­meid­bar wäre.

SPIEGEL Online hat vor­geb­lich nach­ge­le­sen:

An einer Stel­le schreibt sie etwa über das Fasten. Sie sei sich vor­her sicher gewe­sen, die Zeit locker zu über­le­ben. Es gebe aber Men­schen, die in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen ster­ben wür­den, „weil sie noch in ihrem begrenz­ten Ego-Den­ken gefan­gen sind“.

Als Bei­spiel zieht Scher­ler dafür eine Flug­zeug­ka­ta­stro­phe her­an: Sie habe davon gele­sen, dass nach dem Unglück in den Ber­gen eini­ge der Über­le­ben­den gestor­ben sei­en, nach­dem sie drei Tage nichts zu essen hat­ten: „Und das, weil sie sich nicht vor­stel­len konn­ten, län­ger ohne Essen zu über­le­ben. Sie mani­fe­stier­ten so unbe­wusst ihr Ver­hun­gern.“

Die Ver­hun­ger­ten waren also selbst schuld? Zu ganz ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kommt sie, wenn es um Krank­hei­ten geht. Die­se sei­en die „ ‚Quit­tung für (fal­sches) Pro­jek­ti­ons­ver­hal­ten“, meint Scher­ler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Ver­ste­hen sind eben zwei Din­ge. Eure gan­ze Argu­men­ta­ti­on steht und fällt mit der von mir hier her­vor­ge­ho­be­nen, ver­meint­lich rhe­to­ri­schen Fra­ge. Dabei hat Frau Scher­ler von „Schuld“ über­haupt nichts geschrie­ben, nur von man­geln­der Dis­zi­plin. Pro­vo­kant gefragt: Könnt ihr das wider­le­gen?

Neh­men wir an, die Inter­pre­ta­ti­on von SPIEGEL Online ist über­haupt auch nur ansatz­wei­se rich­tig, wor­an es zu zwei­feln gilt, so ist die­se Hal­tung den Betrof­fe­nen gegen­über sicher­lich nicht nett. Die Welt der Eso­te­rik ist in der Regel in sich abge­schlos­sen: Wer nicht mit­zieht, ist selbst schuld. Was mir aber von den vie­len, die nach Par­tei­aus­schluss und Unwähl­bar­keit krä­hen, bis­lang nicht beant­wor­ten konn­ten oder woll­ten: Inwie­fern ist es poli­tisch rele­vant, wenn (und falls) die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei pri­vat irgend­wel­che absur­den eso­te­ri­schen Metho­den der Alter­na­tiv­me­di­zin nicht schlecht fin­det?

Die Frak­ti­on hat sich hin­ter Frau Scher­ler gestellt und ern­tet dafür Schel­te: Sei man doch nicht so anders als die ande­ren Par­tei­en?

Doch, natür­lich ist die Pira­ten­par­tei das, und dar­um ver­zich­tet man auf einen Par­tei­aus­schluss. Es ist doch ganz ein­fach: So lan­ge man nichts tut, was den Prin­zi­pi­en der Pira­ten­par­tei zuwi­der­läuft, ist alles erlaubt. Einen Pro­gramm­punkt, der besagt, die Pira­ten­par­tei stel­le sich ent­schlos­sen gegen Alter­na­tiv­me­di­zin, Homöo­pa­thie und ähn­lich wir­res Zeug, gibt es nun ein­mal nicht. (Dass Men­schen, die Alter­na­tiv­me­di­zin und Eso­te­rik seriö­ser Wis­sen­schaft vor­zie­hen, wohl doch nicht so ver­ach­tens­wert sind, zeigt der Fall von Ste­ve Jobs, des­sen Tod unter ande­rem sei­nem Ver­such, den Krebs mit eben­sol­chen Metho­den zu bekämp­fen, geschul­det ist; und was sieht man auf Fotos von Pira­ten-Frak­ti­ons­sit­zun­gen? Klar: Apple-Pro­duk­te.)

Es ist schlimm mit der Pira­ten­par­tei. Dort tum­meln sich geläu­ter­te NPD-Aus­stei­ger, Sci­en­to­lo­gen und Eso­te­ri­ker. Wenn jetzt auch noch her­aus­kommt, dass trotz der welt­frem­den und Men­schen ver­ach­ten­den Hal­tung des Pap­stes zur Sexua­li­tät sogar Katho­li­ken in ihren Rei­hen sind – nicht aus­zu­den­ken!