Fotografie
Wintertees’s

„Guck mal, Mami, ganz vie­le Teee!“ – „Das heißt Tees’s, mein Kind!“

(Abt.: „Das schreibt man heu­te so.“ und „Irgend­wo kam doch da ein s hin?“)

Nur für kur­ze Zeit, danach gibt es wie­der Tees.

Sonstiges
Belie­bi­ge Gewin­ne

Ja, Fir­ma APC™, zur Weih­nachts­zeit wer­den oft die merk­wür­dig­sten Ange­bo­te ange­prie­sen, nam­haf­te Her­stel­ler schleu­dern ihre Pro­duk­te zu, nun ja, Schleu­der­prei­sen auf den Markt wie zur Ver­höh­nung derer, die ihr sau­er erspar­tes Geld für die­se Pro­duk­te aus­ge­ge­ben hat­ten.

Dass die poten­zi­el­len Kun­den im Mar­ken­rausch eigent­lich gar nicht mehr so viel Wert auf die Unter­schei­dung legen, was sie da eigent­lich in Aus­sicht gestellt bekom­men, so lan­ge es nur teu­er ist und sich also zum Prah­len eig­net, haben eure, Fir­ma APC™, Wer­be­stra­te­gen schnell erkannt und für eure neue Wer­be­kam­pa­gne, die mir in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift c’t auf­fiel, das Prin­zip des rus­si­schen Prä­mi­en­rou­lettes erdacht:

Mit etwas Glück gewinnt man einen die­ser neu­mo­di­schen all-in-one PCs – nur echt mit Dep­pen Leer­zei­chen – des Unter­neh­mens Leno­vo, obwohl man eigent­lich nur an der Ver­lo­sung eines iPods teil­nimmt; oder anders­her­um oder bei­des oder gar nichts, je nach Lust und Lau­ne.

Aber immer­hin kosten­los.

NetzfundstückePiratenpartei
Krüp­pel­kei­le: Wich­ti­ge Blog­ger gegen Online­par­tei­en

Vor etwas über einem Jahr ließ ich mich schon über das Selbst­ver­ständ­nis der „Blogo­sphä­re“ aus, kon­kret über Leu­te, die sich für sonst­wie wich­tig hal­ten, weil sie es geschafft haben, ein Word­Press auf­zu­set­zen. Wer glaubt, ich hät­te damals über­trie­ben, dem lie­fe­re ich gern ein aktu­el­les Bei­spiel, das mir gera­de im RSS-Leser erschien.

Blog­ger „Welt­herr­scher“ näm­lich hat­te für den anste­hen­den Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei eine Pres­se­ak­kre­di­tie­rung bean­tragt und schei­ter­te damit, und statt ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, ob sein Ver­ständ­nis von Pres­se viel­leicht nicht von der Mehr­heit geteilt wird, gibt es ver­ba­le Kei­le wie zum Beweis dafür, dass die Ableh­nung kei­ne schlech­te Idee war:

Anschei­nend sind Blog­ger in Deutsch­land, immer wenn es um irgend­was geht, immer noch die Arsch­lö­cher, die zwar Online (sic!) längst die Mei­nungs­ho­heit erlangt haben, aber Off­line als “Bäh” ange­se­hen wer­den. (…) Lie­be Pira­ten, es ist gera­de zu (sic!) gro­tesk, dass ihr Online (sic!) so völ­li­ge Ver­sa­ger seid! (…) Die Tat­sa­che, dass die Pira­ten­par­tei bzgl. der Unter­schei­dung zwi­schen “Pres­se” und “Blog­gern” so was von Mit­tel­al­ter­lich (sic!) denkt, ist eigent­lich ein Trep­pen­witz. Und selbst nach Jah­ren blickt ihr es immer noch nicht: Wenn ihr irgend­wo Stim­men “machen” könnt, dann Online (sic!). Denn die Off­line-Welt braucht kei­ne Pira­ten­par­tei, weil sie euch schlicht nicht ken­nen!

Besag­ter Arti­kel steht exem­pla­risch für eine gan­ze Gene­ra­ti­on von Blog­gern, die glau­ben, der Umstand, dass sie bekann­te „Kol­le­gen“ wie Sascha Lobo und Anke Grö­ner in ihre blogroll wie in ein Sam­mel­al­bum kle­ben, recht­fer­ti­ge ihr Selbst­bild als essen­zi­el­ler Bestand­teil der deut­schen Nach­rich­ten­welt.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die in deut­schen Medi­en gele­gent­lich Erwäh­nung fin­den, außer Herrn Lobo etwa Fefe, John­ny Haeus­ler, Mar­kus Becke­dahl und der­glei­chen. Auch die­se aber haben kei­ne „Mei­nungs­ho­heit“, wenn­gleich sie von vie­len Men­schen als Nach­rich­ten­fil­ter genutzt wer­den. Ich lese zum Bei­spiel regel­mä­ßig die Blogs der letz­te­ren drei Her­ren, ihre Mei­nung jedoch ent­spricht sel­ten der mei­nen. Der erste zitier­te Satz ist also nichts mehr als nei­di­sches Geplär­re eines Blog­gers, der nicht wahr­ha­ben will, dass „Blog­gen ist Jour­na­lis­mus“ von Wie­der­ho­lung nicht rich­ti­ger wird, zumal man „rich­tig“ eigent­lich nicht stei­gern kann.

Zu Jour­na­lis­mus gehört eben ein biss­chen mehr als „Zeug ins Inter­net tun“, gera­de auch zu weni­ger seriö­sem Jour­na­lis­mus. An jeman­den, der sich „Welt­herr­scher“ nennt und ein wenig bekann­tes Blog namens „Die Welt ist Schei­sse“ (sic!) führt, wer­den natür­lich auch kei­ne locke­re­ren Bedin­gun­gen gestellt als an tat­säch­li­che Pres­se­or­ga­ne. Ein wich­ti­ges Instru­ment des Jour­na­lis­mus‘ ist Recher­che, und wer die Pira­ten­par­tei schon ein­gangs als „Inter­net­par­tei“ bezeich­net und das wahr­schein­lich auch noch abwer­tend meint („die wol­len mich nicht akkre­di­tie­ren, jetzt beschimp­fe ich sie, das haben sie jetzt davon“, so geht es halt auch bzw. nicht), der hat da was nicht ver­stan­den.

Wie er halt selbst sei­ne Inten­tio­nen nicht zu ver­ste­hen scheint: Eine „Inter­net­par­tei“, die off­line, so schrieb der „Welt­herr­scher“ offen­kun­dig ohne vor­he­ri­gen Blick ins Par­tei­pro­gramm, kei­ne Rele­vanz besit­ze, ist ihm doch wich­tig genug, dass er als Onlinetyp an einer Off­linever­an­stal­tung, über die selbst­ver­ständ­lich die mei­sten Off­linemedi­en des Lan­des berich­ten wer­den (die er, „Welt­herr­scher“, aller­dings offen­bar alle­samt nie gele­sen hat), unbe­dingt teil­neh­men möch­te. Dass ihm das nur als Gast, nicht aber als wich­ti­ge Pres­se gestat­tet wor­den ist, wer­tet er nicht etwa als einen akzep­ta­blen Kom­pro­miss, son­dern als „Online-Ver­sa­gen“ der Par­tei. Klar: Einem x‑beliebigen Blog­ger gegen­über jedem ande­ren Gast auf einem Par­tei­tag kei­nen Son­der­sta­tus ein­zu­räu­men ist so was von Mit­tel­al­ter, nur der „Welt­herr­scher“ lebt im Hier und Jetzt in sei­ner klei­nen, gemüt­li­chen Blog­ger­welt und freut sich einen Ast dar­auf, dass ihm die CeBIT jedes Jahr Pres­se­aus­wei­se spen­diert, und kann nicht ver­ste­hen, dass ihn das noch nicht zu einem Pres­se­ver­tre­ter macht, denn dazu braucht es mehr, und sei es nur ein rich­ti­ger Pres­se­aus­weis.

Kon­fron­tiert mit die­sen Ein­wän­den reagier­te der „Welt­herr­scher“ ledig­lich mit „bla­bla­bla..“; klar, so ein Luft­schloss kostet eben Mie­te, und es wäre doch zu scha­de, sich ein­ge­ste­hen zu müs­sen, dass man sich das Geld eigent­lich auch hät­te spa­ren kön­nen.

Nichts­de­sto­trotz ver­bleibt er mit einer Ehrung:

Ich über­rei­che euch hier­mit den Abso­lu­ten-Online-Loser-Voll­horst-Preis!

Die Qua­li­fi­ka­ti­on für das Stif­ten die­ses Prei­ses möch­te ich Herrn „Welt­herr­scher“ kei­nes­falls abspre­chen; aber ein wenig beschä­mend ist das ja schon.

PersönlichesFotografie
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Nach­mit­tags in der Advents­zeit (Ver­such 6)

Man latscht bedäch­tig durch die engen Stra­ßen der Stadt, vor­bei an Men­schen, deren Hek­tik der offen geleb­ten Besinn­lich­keit zuwi­der­läuft. Bereits von Wei­tem ist der Weih­nachts­markt zu erah­nen, zwar noch nicht mit Weih­nachts­lie­dern beschallt, aber von viel­fa­chen Stim­men und Imbiss­duft umwölkt. Nach­denk­lich sieht sich der stil­le Beob­ach­ter inmit­ten unecht lächeln­der Zeit­ge­nos­sen ste­hen und hört aus den zwi­schen Tand und Tin­nef sowie Wurst- und Fisch­ver­käu­fern nur leid­lich gut ver­steck­ten Glüh­wein­bu­den das lei­ern­de Lachen offen­bar enger Freun­de des Weih­nachts­fe­stes, dem auch das Karus­sell gegen­über nicht viel ent­ge­gen­zu­set­zen ver­mag.

„Ein Fest für die gan­ze Fami­lie“, denkt man und ver­zieht sein zwei­tes Gesicht zu einem gequäl­ten Lächeln, sieht man doch gan­ze Fami­li­en hier beim Ver­such, ihre weih­nacht­li­che Stim­mung um kei­nen Preis zu ver­lie­ren. Glück­lich sehen hier eher die Augen der Buden­be­sit­zer als die der Kin­der aus, aber viel­leicht täuscht die­ser Ein­druck auch, zie­hen doch die Rauch­schwa­den der Imbis­se unver­min­dert vor­über.

Nach eini­gen Minu­ten erwacht man aus sei­ner Gedan­ken­welt und tritt, noch immer beein­druckt, den Rück­zug durch die fest­lich geschmück­te Stadt an, in der sich doch nicht vie­les geän­dert hat.

Wie damals in Alas­sio beginnt auch hier die Luft sich mit Ben­zin und Tabak­qualm zu fül­len, je wei­ter man sich vom Ort des Gesche­hens ent­fernt. Das „quack-quack-quack“ der Enten klingt, als lach­ten sie den Vor­über­ge­hen­den aus.

Viel­leicht tun sie das.

In den NachrichtenPolitik
Vor­erst erfolg­reich

Soll­te es in all dem Tru­bel um die wan­kel­mü­ti­gen Stutt­gar­ter (sie lie­fern sich Gefech­te mit der Poli­zei und wäh­len die Regie­rung ab, weil sie kei­nen Bahn­hof wol­len, nur um dann der neu­en Regie­rung, die das Pro­jekt Stutt­gart 21 ablehnt, den Auf­trag zum Wei­ter­bau des­sel­ben zu ertei­len; das ver­ste­he, wer will) unter­ge­gan­gen sein: Die Gefahr der Rück­kehr des Herrn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg ist längst nicht gebannt.

Dass er Feh­ler in sei­nem Tun erkennt, behaup­tet er zwar gele­gent­lich, aber er wird nicht müde, neue Schul­di­ge zu fin­den. An sei­nem Ver­sa­gen sei der­zeit der Uni­ver­si­tät Bay­reuth gele­gen:

Die Hoch­schu­le sei in dem Pla­gi­ats­fall „lei­der nicht unab­hän­gig“ gewe­sen, son­dern habe offen­bar aus Angst vor dem Ver­lust von For­schungs­gel­dern vor­schnell ge- und ver­ur­teilt, sag­te Gut­ten­berg in dem Inter­view-Buch „Vor­erst geschei­tert“, das am Diens­tag erscheint.

Na, so was – ein Buch. Wer ihm das wohl geschrie­ben hat?

Auch bei einem Anse­hens­ver­lust hät­te die Wis­sen­schafts­ein­rich­tung „nicht Regeln und den Schutz von Per­sön­lich­keits­rech­ten über Bord wer­fen“ dür­fen, beton­te Gut­ten­berg in dem Buch. Er sei schließ­lich kein „Betrü­ger“. (…) Erneut ver­si­cher­te Gut­ten­berg, er habe bei sei­ner Dis­ser­ta­ti­on „selbst­ver­ständ­lich“ kei­nen Ghost­wri­ter gehabt.

Rich­tig, die Uni­ver­si­tät durf­te nicht Regeln, etwa das Ver­bot des Pla­gi­ie­rens, und den Schutz von Rech­ten, etwa der Urhe­ber­rech­te der Autoren der Tex­te, aus denen sei­ne Dis­ser­ta­ti­on zusam­men­ko­piert war, miss­ach­ten; und hat genau des­halb das Rich­ti­ge getan. Ihm ist immer­hin anzu­rech­nen, dass er kei­nen ghost­wri­ter hat­te, son­dern in mühe­vol­ler Klein­ar­beit aus jeder Quel­le mit sei­ner eige­nen Hän­de Arbeit abge­schrie­ben hat. Ob sein Tun juri­stisch als Betrug zu wer­ten ist, ist mir nicht bekannt, sei­ne Ver­su­che aber, die Fol­gen als Ver­schwö­rung von Nei­dern dar­zu­stel­len, zei­gen feh­len­de Ein­sicht und sind zumin­dest von Ruf­schä­di­gung nicht weit ent­fernt. Ein Betrü­ger mag er nicht sein, ein Blen­der wird er blei­ben, da hel­fen kei­ne Pil­len; und als ein sol­cher ist er im Politzir­kus sicher­lich nicht ver­kehrt.

Das weiß er selbst:

Eine Rück­kehr nach Deutsch­land und auch in die Poli­tik schloss Gut­ten­berg nicht aus.

Da freu­en sich Deutsch­land und die Poli­tik natür­lich sehr. Was die­ses Land braucht, sind inte­gre Poli­ti­ker mit strah­len­der Per­sön­lich­keit. Nur: Wohin mit dem ollen Gut­ten­berg? In der CSU möch­te er anschei­nend nicht wei­ter­ma­chen:

Die CSU ste­he vor der Gefahr, zu einer Regio­nal­par­tei abzu­stei­gen.

Viel­leicht soll­te mal jemand Herrn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg dar­auf hin­wei­sen, dass die CSU außer­halb des Frei­staa­tes Bay­ern nicht exi­stiert und Bay­ern ledig­lich eines von über zehn Bun­des­län­dern in Deutsch­land ist. Man sehe es ihm aber nach, dass ihm das bis­lang nicht bekannt war: So ein deut­scher Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster hält sich eben auch in sei­ner Amts­zeit nur sel­ten im Inland auf.

Beim SPIEGEL, wo man auch die Abschaf­fung des Adels­stan­des noch nicht bemerkt hat und ihn, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, wei­ter­hin einen „Adli­gen“ nennt, bestä­tigt man die Befürch­tung:

Er selbst will Ende Janu­ar erst­mals wie­der vor gro­ßem Publi­kum in Deutsch­land auf­tre­ten: Aus­ge­rech­net beim Kar­ne­val.

Und zwar nicht etwa als Berufs­clown, wie es Nor­bert Blüm nach sei­ner Tätig­keit in der Bun­des­po­li­tik zu prak­ti­zie­ren beschloss, son­dern als Lau­da­tor, denn so eine Lau­da­tio braucht ja immer jeman­dem, der über den zu Ehren­den wah­re, wei­se Wor­te spricht. Weil der SPIEGEL im Rest des Arti­kels eben­so wie auch N24 reich­lich auf die Wer­be­trom­mel für des „Adli­gen“ Buch schlägt, ist es der­weil nicht ver­wun­der­lich, dass sel­bi­ges in der Erst­auf­la­ge bereits „fast ver­grif­fen“ ist.

Den Erlös kann er, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, ja zum Bei­spiel nut­zen, um die Lizenz­rech­te an sei­nen hand­ver­le­se­nen Quel­len zu erwer­ben. Aber war­um soll­te er das tun?

(Dan­ke an L.!)

Montagsmusik
Erste All­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung: Ihr Kin­der­lein kom­met (ver­dammt noch ein­mal)

Nach­dem die mei­sten mei­ner Leser wahr­schein­lich bereits die Nase voll haben von Leb­ku­chen und Domi­no­stei­nen, kann die Advents­zeit ja nun sinn­voll ver­bracht wer­den; zum Bei­spiel mit nach außen hin zele­brier­ter Besinn­lich­keit, obwohl man sich eigent­lich gar nicht besinn­lich fühlt, und den letz­ten hek­ti­schen Weih­nachts­ein­käu­fen, denn man hat zwar eigent­lich gera­de nicht viel Geld oder auch nur Lust, ernst­haft von Her­zen ein Geschenk aus­zu­su­chen, aber es muss ja sein, denn bald ist Weih­nach­ten, und da macht man das halt so; wenn die Lie­be zur eige­nen Fami­lie wäh­rend der ande­ren 11 Mona­te im Jahr schon nicht genügt, um ein Fest der Fami­lie zu fei­ern oder den Men­schen, denen man viel ver­dankt, hin und wie­der etwas mate­ri­el­le Auf­merk­sam­keit zu schen­ken.

Es ist jedes Jahr das­sel­be: Elf Mona­te im Jahr ver­ge­hen ohne einen Gedan­ken an das Chri­sten­tum zu ver­schwen­den, womög­lich gar, ohne sich um die Gebo­te als Grund­satz der Chri­sten zu sche­ren, im zwölf­ten Monat dann ist man dank­bar für den Ablass­han­del, den die Kauf­häu­ser gewäh­ren. Die See­le wird rein von der Nach­läs­sig­keit, die man ihr ange­dei­hen ließ, wenn man drei Tage lang Zeit und Geld für nahe Men­schen auf­wen­det. Chri­sten­tum? Ach, i wo. Aber Weih­nach­ten, das macht man eben so.

Sagt jeden­falls die Wer­bung, und die muss es ja wis­sen.

Man möch­te nicht dar­über nach­den­ken, man möch­te nicht aus der Rei­he fal­len. Alle schen­ken, also schen­ke ich mit, auch denen, die ich eigent­lich nicht mag; mit einem fal­schen Lächeln im Gesicht und Ebbe in der Geld­bör­se, aber es kommt ja von Her­zen, redet man sich und dem Gegen­über ein.

Hört den Klang der Glocken, kauft und sin­get Hal­le­lu­ja!

Das befreit von der See­len­last und ret­tet den Euro. Amen, Bru­der.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXIX: … aber für’s Fern­se­hen nie­mals!

Ach­wat, Sarah Kutt­ner?

Sich selbst fin­det Kutt­ner „viel harm­lo­ser, als alle glau­ben: anstän­dig, nicht ernst­haft rabau­kig“, und sie sage „nicht am lau­fen­den Band ficken, kacken, kot­zen. Ich bin nicht anstren­gend, und nackig mach ich mich im TV schon gar nicht“, so die Autorin (…).

Das wäre bekannt­lich unter ihrer Wür­de. Sie weiß, wovon sie spricht, soll­te man mei­nen:

Im Juli 2003 erschie­nen von ihr Akt­fo­tos in der deut­schen Aus­ga­be des Play­boy.

Und Frau Kutt­ner dann so:

„(…) Besten­falls muss man auf sein eige­nes Wer­te­sy­stem ver­zich­ten. Ein erfolg­rei­cher Mode­ra­tor ist sich für kaum etwas zu scha­de.“

Außer halt fürs Fern­se­hen.

(via @chriszim (via @janboehm))

In den NachrichtenPiratenpartei
Hil­fe, schon wie­der Unter­wan­de­rung!

Posi­tiv: Der Vor­wurf, die Pira­ten­par­tei wür­de von der NPD unter­wan­dert, ist inzwi­schen bei­na­he ver­hallt.

Nega­tiv: Statt­des­sen muss sich die Pira­ten­par­tei nun den Vor­wurf gefal­len las­sen, ihre Trans­pa­renz sei von Nach­teil.

Der Hin­ter­grund: Das Pira­ten­pad, eine kol­la­bo­ra­ti­ve Platt­form, die unter ande­rem als vir­tu­el­ler AG-Tagungs­raum inner­halb der Pira­ten­par­tei dient, aber auch von den Auf­stän­di­schen in eini­gen die­ser neu­mo­di­schen Revo­lu­ti­ons­län­der zur Koor­di­na­ti­on genutzt wur­de und wird, beinhal­te­te kürz­lich Ver­wei­se auf Kin­der­por­no­gra­fie, nach aktu­el­lem Kennt­nis­stand von Mit­glie­dern des Kol­lek­tivs Anony­mous im Rah­men derer Bemü­hun­gen, aktiv gegen eben­sol­che vor­zu­ge­hen, ein­ge­stellt, und wur­de dar­auf­hin her­un­ter­ge­fah­ren. Dass sich die Auf­merk­sam­keit jetzt auf die Pira­ten­par­tei kon­zen­triert, ist erstaun­lich, denn ob die frag­li­chen Sei­ten inzwi­schen erfolg­reich bekämpft wor­den sind, scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren; „erschlagt den Boten!“ lau­tet das Mot­to.

Tat­säch­lich ist die Pira­ten­par­tei fein her­aus: Die unver­züg­li­che Abschal­tung nach Kennt­nis­nah­me der Sach­la­ge soll­te juri­sti­sche Kon­se­quen­zen ver­mei­den, zumal nicht nach­voll­zo­gen wer­den kann, wer die frag­li­chen Inhal­te ein­ge­stellt hat. Selbst­ver­ständ­lich ver­zich­tet man als EDV-Ver­ant­wort­li­cher bei der Pira­ten­par­tei auf die Spei­che­rung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten wie der IP-Adres­se.

Und in der Pres­se klingt das dann so:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Anspruch auf Trans­pa­renz und Durch­läs­sig­keit für die Par­tei zum Eigen­tor wird. Der Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len warn­te kürz­lich vor einer Unter­wan­de­rung durch Sci­en­to­lo­gy, auch hat­te die Par­tei Ärger wegen Neu­mit­glie­dern mit NPD-Ver­gan­gen­heit.

Zu der Unter­wan­de­rung durch Sek­ten, Ver­harm­lo­ser lin­ken Extre­mis­mus‘ und die NPD kommt nun auch noch eine Unter­wan­de­rung durch Leu­te, die Kin­der­por­no­gra­fie bekämp­fen wol­len. Man hat es nicht leicht als Pira­ten­par­tei.

Und weil jeder Arti­kel eine gute Über­schrift braucht, greift man tief in die Kom­po­si­ta­ki­ste der „BILD“ …

Kin­der­por­no-Pan­ne erschüt­tert Pira­ten­par­tei

…, auf dass die Leser­schar, deren kon­ser­va­ti­ve­re Ele­men­te grund­sätz­lich bei jedem pro­gres­si­ven Gedan­ken den Welt­un­ter­gang her­auf­be­schwö­ren, sich gar nicht erst mit dem Text befas­sen, son­dern gleich wie­der die Cau­sa Tauss zitie­ren möge, „war ja auch irgend­was mit Kin­der­por­nos“.

Dass „Anony­mous“ inzwi­schen die Urhe­ber­schaft der frag­li­chen Ver­wei­se zuge­ge­ben und sich ent­schul­digt hat, nimmt man in der Öffent­lich­keit eben­so wenig wahr wie den eigent­li­chen Inhalt des mitt­ler­wei­le gelösch­ten Pads:

Aller­dings haben die auf dem Pad vor­han­de­nen Links _nichts_ mit Kin­der­por­no­gra­phie direkt zu tun. Es waren Links zu Foren, in wel­chen sich pädo­phi­le Men­schen tref­fen und aus­tau­schen. Zudem wur­de eines der genann­ten Foren in Schwe­den geho­stet, was wir nicht tole­rie­ren.

Es ist wirk­lich eine Schwei­ne­rei von der Pira­ten­par­tei, es zuzu­las­sen, dass sich anony­me Inter­net­be­nut­zer mit­hil­fe ihrer Infra­struk­tur über Metho­den zur Unter­bin­dung kin­der­por­no­gra­fi­scher Akti­vi­tä­ten im Inter­net aus­tau­schen. Da sieht man mal wie­der, wohin die­se Frei­heit im Inter­net führt.

Mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wäre das alles nie pas­siert!

(Dan­ke an M.!)

PersönlichesPolitik
Quo­ten­kom­pe­tenz

Als Ange­stell­ter im öffent­li­chen Dienst erlebt man so man­che Über­ra­schung.

Heu­te zum Bei­spiel erreich­te mich neben dem gewohn­ten Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al betreffs mei­ner Arbeits­zeit­ver­gü­tung auch ein Brief der nie­der­säch­si­schen Mini­ste­rin für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie, Gesund­heit und Inte­gra­ti­on (Män­ner inter­es­sie­ren eben nie­man­den), die tref­fen­der­wei­se Aygül Özkan heißt und somit für min­de­stens zwei ihrer fünf Ämter sogar ein wenig Fach­kom­pe­tenz besit­zen dürf­te, in wel­chem sie – oder einer ihrer Bedien­ste­ten – mich bat, an einer Umfra­ge teil­zu­neh­men. Den Brief habe ich im Dienst der Trans­pa­renz und der Infor­ma­ti­on mei­ner Leser im Fol­gen­den ein­mal kopiert und die bemer­kens­wer­ten Stel­len her­vor­ge­ho­ben:

Es geht also in Kurz­form dar­um, dass Frau Özkan im öffent­li­chen Dienst ihres­glei­chen ver­misst. Etwa 17 Pro­zent der Nie­der­sach­sen sind nicht von hier, und da man im Amt für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie, Gesund­heit und Inte­gra­ti­on offen­bar gera­de die genau­en Zah­len nicht fin­den kann, hat man dort beschlos­sen, ein­mal her­um­zu­fra­gen, ob die­se Zahl sich auch im Ver­hält­nis der vom Land Beschäf­tig­ten wie­der­fin­den lässt. Bei unge­fähr 17 Pro­zent „betrof­fe­nen“ Nie­der­sach­sen ist es doch sicher mög­lich, eine Migran­ten­quo­te von min-des-tens 50 Pro­zent hin­zu­be­kom­men, sofern das nicht mit der Frau­en­quo­te kol­li­diert. Beson­ders gern gese­hen sind also, wahr­schein­lich, behin­der­te weib­li­che Migran­ten; Ver­zei­hung, es muss natür­lich „behin­der­te weib­li­che Migran­t/-innen“ hei­ßen. Kom­pe­tenz ist, wie üblich, zweit­ran­gig. (Nur, falls sich noch jemand wun­dert, wie­so nie­der­säch­si­sche Behör­den nicht für ihre Effi­zi­enz bekannt sind.)

War­um ich das Anschrei­ben in der heu­ti­gen, zum Nach­teil ein­hei­mi­scher Män­ner „poli­tisch (und sexi­stisch) kor­rek­ten“ Zeit über­haupt für erwäh­nens­wert hal­te, erklärt die zwei­te Sei­te des­sel­ben:

Denn war­um soll­te man im öffent­li­chen Dienst auch arbei­ten, wenn man statt­des­sen Umfra­gen aus­fül­len kann? Sicher, „10 bis 15 Minu­ten“ klingt nicht nach viel Ver­lust, aber man soll­te nicht ver­ges­sen, dass nicht jeder von der Bedie­nung des Inter­nets all­zu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas län­ger dau­ern kann. Die erwähn­te Inter­net­sei­te wird etwas kon­kre­ter und erwähnt neben dem Umstand, dass außer der Her­kunft auch das Geschlecht und das Alter sehr wich­tig sind, wenn man im öffent­li­chen Dienst zukünf­tig einen Arbeits­platz bekom­men möch­te, auch die­ses Detail:

Ins­ge­samt wer­den rund 222.000 Bedien­ste­te gebe­ten, bis zum 20. Janu­ar 2012 Aus­kunft über ihren mög­li­chen Migra­ti­ons­hin­ter­grund und ihr Beschäf­ti­gungs-ver­hält­nis zu geben sowie eini­ge zusätz­li­che Anga­ben zu machen.

  • Rund 222.000 Bedien­ste­te wer­den offi­zi­ell dazu auf­ge­ru­fen, durch­schnitt­lich 15 Minu­ten ihrer Arbeits­zeit damit zu ver­brin­gen, dem Mini­ste­ri­um ihre Per­son zu erläu­tern; klar: Woher soll­te so ein Mini­ste­ri­um auch wis­sen, wer im Dienst des Lan­des steht? Das macht nach Adam Rie­se und calc.exe 3,3 Mil­lio­nen Minu­ten, 55.500 Stun­den oder 2.312,5 Tage (das sind eini­ge Jah­re), die auf Kosten des Steu­er­zah­lers erwünscht ver­plem­pert wer­den.
  • Rund 222.000 Aus­fer­ti­gun­gen vor­lie­gen­den Schrei­bens kosten den Steu­er­zah­ler nach den übli­chen Brief­be­för­de­rungs­prei­sen ins­ge­samt über 122.000 Euro.

Und das alles, nur noch ein­mal zur Erin­ne­rung, nur, weil Frau Özkans Mini­ste­ri­um der Mei­nung ist, Migran­ten sei­en unab­hän­gig von ihrer fach­li­chen Kom­pe­tenz oder son­sti­gen Qua­li­tä­ten bei der Ver­ga­be von Arbeits­plät­zen zu bevor­zu­gen. Arbeits­lo­se Deut­sche gibt es eben noch nicht genug – als Mini­ste­rin für Sozia­les weiß man so etwas ja meist.

„Auch les­bi­sche schwar­ze Behin­der­te kön­nen ätzend sein.“
– Die Toten Hosen

(Für eif­ri­ge Leser: Wer alle Gram­ma­tik­schnit­zer in obi­gem Anschrei­ben fin­det, bekommt ein vir­tu­el­les Schul­ter­klop­fen von mir.)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt LXVIII: Anstän­di­ger Auf­stand

In den USA so:

Eine US-Lob­by­fir­ma bie­tet ame­ri­ka­ni­schen Ban­ken Hil­fe bei der Demon­ta­ge der Occu­py-Pro­test­ler an. Die Aktiv­sten gel­ten in Washing­ton als ernst­haf­te poli­ti­sche Bedro­hung.

(Quel­le)

Weil vor­her in den USA so:

Die Stim­mung zwi­schen Poli­zei und der Occu­py-Bewe­gung heizt sich auf. In New York wur­den 250 Men­schen fest­ge­nom­men. Poli­zi­sten und Demon­stran­ten sind ver­letzt.

(Quel­le)

Wäh­rend in Deutsch­land so:

(…) das Ver­hal­ten der Demon­stran­ten gibt den städ­ti­schen Ord­nungs­hü­tern kei­nen Grund zur Kla­ge, im Gegen­teil: „Wenn jede Demon­stra­ti­on so ange­nehm und fried­lich ver­lau­fen wür­de, hät­ten wir weni­ger Arbeit“, sag­te der Chef des Frank­fur­ter Ord­nungs­amts (…). Der Platz vor der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) sei eben „ein Platz, an dem man nicht aneckt“. Dort cam­piert „Occu­py Frank­furt“ seit dem welt­wei­ten Akti­ons­tag vom 15. Okto­ber.

(Quel­le)

Und dann das Ord­nungs­amt so:

Das Frank­fur­ter Ord­nungs­amt hat den Occu­p­i­ern am Wil­ly-Brandt-Platz gera­de erneut die Pro­test­ge­neh­mi­gung ver­län­gert, dies­mal bis zum 27. Novem­ber. (…) „Wenn es so wei­ter geht, wer­den wir das auch den Win­ter hin­durch ver­län­gern.“

(Quel­le)

Ihr seid mir ein paar Revo­lu­tio­nä­re. Eure 68er-Eltern sind jetzt sicher sehr stolz auf euch.

„In Deutsch­land wird es kei­ne Revo­lu­ti­on geben, weil man dazu den Rasen betre­ten müss­te.“
(wahr­schein­lich) Wla­di­mir Iljitsch Ulja­now

Netzfundstücke
Oba­ma: Rechts im Bild.

Nun kann man bei die­sem Arti­kel auf n24.de schon die Über­schrift amü­sant fin­den:

Oba­ma begna­digt „Peace“ und „Liber­ty“

Die Todes­stra­fe für Frie­den und Frei­heit wird also auf unbe­stimm­te Zeit aus­ge­setzt; das ist erfreu­lich. Tat­säch­lich aber han­delt es sich bei „Peace“ und „Liber­ty“ um Trut­häh­ne.

Und weil man so einen Trut­hahn nur schwer von US-ame­ri­ka­ni­schem Nach­wuchs unter­schei­den kann, bin ich der Redak­ti­on von N24 für die wich­ti­ge Bild­un­ter­schrift natür­lich sehr dank­bar:

Bei­na­he hät­te ich sie ver­wech­selt.

(Dan­ke an L.!)

In den NachrichtenPolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXVII: Was wirk­lich gegen Ter­ro­ris­mus hilft, …

… der nicht nur aktiv geför­dert, son­dern auch tat­kräf­tig unter­stützt wird vom so genann­ten „Ver­fas­sungs­schutz“, der die Ver­fas­sung unge­fähr so erfolg­reich schützt wie der „schwar­ze Block“ die Demo­kra­tie, ist nicht etwa ein NPD-Ver­bot, son­dern es sind mehr Kom­pe­ten­zen.

Mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung näm­lich wäre das alles nie pas­siert. Weil das mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung nicht so leicht ist, muss statt­des­sen eine ande­re Lösung her, sag­te schon Ehr­hart Kör­ting von der (Ach­tung!) SPD (Tusch!) im Jahr 2004; die sich aller­dings auch nicht ent­schei­den kann, ob die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung nun gut oder nicht so gut ist.

Er brach­te sei­ner­zeit einen Vor­schlag ein, der sich schon eher nach der SPD anhört und den jetzt vor dem Hin­ter­grund der Gescheh­nis­se um den „Natio­nal­so­zia­li­sti­schen Unter­grund“ auch Innen­mi­ni­ster Fried­rich auf­greift.

Wie näm­lich ver­hin­dern wir in Zukunft, dass der Ver­fas­sungs­schutz die Akti­vi­tä­ten ter­ro­ri­sti­scher Ver­ei­ni­gun­gen (ein scheuß­li­cher Ter­mi­nus) nicht nur nicht bekämpft, son­dern auch noch aktiv unter­stützt oder gar initi­iert; dass also eine Ban­de gewalt­be­rei­ter „Ver­fas­sungs­schüt­zer“ bis dahin eher gemä­ßig­te Bür­ger zu Neo­na­zi­tum anstif­tet und so Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen im Unter­grund errich­tet, über die sich hin­ter­her alle wun­dern?

Klar:

Nach den Ermitt­lungs­pan­nen im Fall der Neo­na­zi-Mord­se­rie will Bun­des­in­nen­mi­ni­ster Hans-Peter Fried­rich den Ver­fas­sungs­schutz auf Bun­des­ebe­ne stär­ken.

„Ermitt­lungs­pan­nen“; kann ja mal pas­sie­ren. Wir kön­nen beru­higt sein, dass die CSU sich jetzt end­lich mal dar­um küm­mert.
Dann kann näm­lich nichts mehr schief­ge­hen.

Spaß mit Spam
du magst sie jung und dumm?

Wen jetzt? Ach so, „jun­ge Girls“, wie auch der Absen­der lau­tet, wahr­schein­lich. Nein, eigent­lich wäre es mir lie­ber, es gäbe mehr gebil­de­te als dum­me „jun­ge Girls“, und wer das nicht ver­steht, den lade ich gern auf eine Wochen­kar­te für den ÖPNV in einer Klein­stadt sei­ner Wahl ein, auf dass sich das ände­re, Ald­ah, ey, fick­disch.

Inso­fern muss ich die ein­gangs gestell­te Fra­ge lei­der ver­nei­nen. Darf ich trotz­dem wei­ter­le­sen? Ja? Gut:

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jun­ge Tee­nies sind auf der Suche nach Fick­er­fah­run­gen

Aber so rich­tig „jun­ge Tee­nies“, nicht etwa alte Tee­nies oder sol­che mitt­le­ren Alters, nein, jun­ge Tee­nies. Nur, falls der Leser das an die­ser Stel­le schon wie­der ver­ges­sen haben soll­te.

Schau dir an wie ihre Löcher das erste­mal weit gedehnt wer­den
und sie Sper­ma schlucken bis der Rachen voll ist.
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Ach, nein, gedehn­te Löcher (das nennt man doch heu­te „Tun­neln“, oder?) sind nicht son­der­lich inter­es­sant oder auch nur attrak­tiv. Inter­es­sant ist aber die Ankün­di­gung, besag­te „jun­ge Tee­nies“ wür­den Eja­ku­lat schlucken, bis der Rachen voll ist. Ist das nicht ziem­lich gefähr­lich, die Atem­we­ge zu blockie­ren?

In gewis­ser Hin­sicht klingt das nach einem Zir­kus­pla­kat. „Sehen Sie die Frau mit den Wit­zen mit dem läng­sten Bart der Welt, die unglaub­li­chen sia­me­si­schen Zwil­lin­ge und jun­ge Tee­nies, die an frem­dem Eja­ku­lat ersticken! Kom­men Sie zahl­reich!“

Aber eigent­lich geht es ja gar nicht ums Schlucken, son­dern ums Schnack­seln:

Blut­jun­ge sexy Teens ficken jeden um den Ver­stand!

Anschei­nend hält das bewor­be­ne Ange­bot eine reich­li­che Aus­wahl an Prot­ago­ni­sten vor, denn außer „jun­gen Tee­nies“ gibt es dort auch „blut­jun­ge sexy Teens“, qua­si als Gegen­satz zu den „nicht mehr ganz blut­jun­gen Teens eher durch­schnitt­li­chen Aus­se­hens“ und vor allem den „jun­gen Girls“, Abwechs­lung muss ja sein, nicht wahr? Jeman­den um den Ver­stand zu brin­gen, und sei es mit sol­chen Mit­teln, kann ich aller­dings nicht gut­hei­ßen. Am Ende klau­en die einem noch die Kre­dit­kar­te.

Die­se jun­gen dau­er­feuch­ten Tee­nie Muschis brau­chen
Schwän­ze in alle Löcher und als Beloh­nung nur
eine Ladung war­mes Sper­ma zum schlucken!

Jun­ge Muschis, soso, zu mei­ner Zeit hat man denen noch eine Scha­le Was­ser hin­ge­stellt, aber die Zei­ten ändern sich anschei­nend. Oder ist etwa das weib­li­che Geschlechts­teil gemeint? Falls ja: Wie vie­le Löcher hat so eine „Muschi“ nor­ma­ler­wei­se, und wie genau darf man sich das „Schlucken“ vor­stel­len?

Ist Dr. Som­mer zufäl­lig anwe­send?

Schau jetzt den gei­len Gir­lies zu oder chat­te live
vor der Web­cam und bring den Gören noch was bei.

Oh, da kann ich mich ja gar nicht ent­schei­den: Zuzu­gucken reizt mich nicht, für das Leh­ren fehlt mir die Geduld.

Möch­te das jemand für mich über­neh­men?

PersönlichesMontagsmusik
Die Toten Hosen – Nichts bleibt für die Ewig­keit

… und dann ertappt man sich manch­mal dabei, nach­zu­den­ken über sich und sein Leben und ob man sei­ne Zukunft, die man sich einst so rosig aus­ge­malt hat­te, auch ver­wirk­li­chen konn­te, und man wür­de gern das Fen­ster auf­rei­ßen und schrei­en, aber man bekommt kein Wort her­aus. Man schafft es nicht ein­mal, auf­zu­ste­hen, die Last der Gedan­ken drückt mit Gewalt zurück in den Ses­sel. Etwas durch­strömt den Kör­per, von dem man sich wünscht, man könn­te es hier und jetzt ein für alle­mal aus­rot­ten.

War es immer rat­sam, den gut gemein­ten Rat­schlä­gen zu fol­gen, das unbe­schwer­te Leben in den Tag hin­ein ein­zu­tau­schen gegen eine unge­wis­se Zukunft? Ist es jetzt zu spät, noch etwas zu ändern?

Und war­um fragt man sich all das erst jetzt?

Wenn du nachts hell­wach in dei­nem Bett liegst,
hörst du, wie es lei­se tickt;
es ist ’ne Uhr in dir, die läuft nur für dich,
sie erin­nert dich dran, wie spät es ist…

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LIX: Pro­vinz­jour­na­list Micha­el Nau­mann ist über­for­dert.

Vol­ker Kau­der, Vor­sit­zen­der der Uni­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag, hat sich für mehr gemein­sa­me Poli­tik in Euro­pa aus­ge­spro­chen und dabei den Feh­ler began­gen, sich bild­lich aus­zu­drücken, denn mit so etwas kön­nen deut­sche Jour­na­li­sten bekannt­lich nicht umge­hen. Unter dem Ein­druck der star­ken Euro­pa­po­li­tik von (aus­ge­rech­net) Ange­la Mer­kel sprach er unter ande­rem dies:

Kau­der dekli­nier­te den Beschluss noch ein­mal durch und bezog sich mehr­fach auf die Rede von CDU-Che­fin und Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel am Mon­tag. Er füg­te hin­zu: „Auf ein­mal wird in Euro­pa Deutsch gespro­chen.“ Nicht in der Spra­che, aber in der Akzep­tanz der Mer­kel-Poli­tik, sag­te der CDU-Poli­ti­ker.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Ein­mal davon abge­se­hen, dass der rela­ti­vie­ren­de Nach­satz mir deplat­ziert erscheint, denn Deutsch ist nach wie vor eine wich­ti­ge Amts- und Arbeits­spra­che in der Euro­päi­schen Uni­on, rief die­se Rede Cice­ro-Chef­re­dak­teur Micha­el Nau­mann auf den Plan, der Spott und Häme über Vol­ker Kau­der aus­schüt­te­te und bei der Gele­gen­heit auch gleich zeig­te, dass Cice­ro, sei­nes Rufs unge­ach­tet, auch nicht unbe­dingt hel­le­re Köp­fe beschäf­tigt als die „Bild“, zumal Kai Diek­mann sich dort mit­un­ter zu Wort mel­den darf.

Micha­el Nau­mann näm­lich hat offen­kun­dig bei sei­nen, wie üblich, gründ­li­chen Hin­ter­grund­re­cher­chen kurz­zei­tig den Faden und die Beherr­schung ver­lo­ren und stam­melt also unter der Über­schrift „Pro­vinz­po­li­ti­ker Kau­der und die deut­sche Spra­che“ unter ande­rem fol­gen­den Unsinn in sein vir­tu­el­les Heim­blatt:

„In Euro­pa wird wie­der Deutsch gespro­chen“, rief der CDU-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der sei­nen Par­tei­freun­den beim jüng­sten Well­ness-Kon­gress (sic!) der Uni­on zu. „Oh, real­ly?“ ant­wor­te­te die bri­ti­sche Pres­se mit der insel­ty­pi­schen Empö­rung.

Die „insel­ty­pi­sche Empö­rung“ hat übri­gens einen deut­schen Fach­be­griff, er lau­tet „Sar­kas­mus“.

Sind wir also wie­der im Natio­na­lis­mus des frü­hen 19. Jahr­hun­derts mit­samt sei­nem Spra­chen­streit und Spra­chen­hoch­mut gelan­det?

Wen Micha­el Nau­mann mit „uns“ meint, bleibt offen. Herrn Kau­der jeden­falls nicht, denn das The­ma „Spra­che in Euro­pa“ war kein Teil sei­ner Rede. Even­tu­ell möch­te Herr Nau­mann sich selbst damit an die Öffent­lich­keit wagen. Tap­fer!

Unver­ges­sen ist der Hoch­mut deut­scher Histo­ri­ker, als sie ent­deck­ten, dass pein­li­cher­wei­se Deutsch die „Arbeits­spra­che“ im ersten pan­sla­wi­sti­schen Kon­gress zu Mos­kau (1867) war.

Unver­ges­sen ist auch der Hoch­mut des Micha­el Nau­mann, der weder mit den euro­päi­schen Arbeits­spra­chen der Gegen­wart noch mit der Rede, über die er sich aus­lässt, ver­traut zu sein scheint. Aber bekannt­lich kommt Hoch­mut vor dem Phal­lus Fall.

Wann also wird Herr Kau­der beim irgend­wann fäl­li­gen Gespräch mit dem neu­en Vor­stand der Deut­schen Bank, dem indi­schen Bri­ten Ans­hu Jain, dar­auf behar­ren, dass der Viel­fach­mil­lio­när doch bit­te die Lan­des­spra­che benut­zen möge?

Nun, wahr­schein­lich nie; erstens, weil Indi­en kein euro­päi­sches Land ist, zwei­tens, weil hier­zu kei­ne Ver­pflich­tung besteht. Aber ich bin beein­druckt, dass Micha­el Nau­mann den Umstand, dass Herr Jain Viel­fach­mil­lio­när ist, für erwäh­nens­wert hält; als habe er als ein sol­cher selbst­ver­ständ­lich jedes Recht auf eine Son­der­be­hand­lung. Cice­ro, das kapi­ta­li­sti­sche Blatt für Stamm­tisch­brü­der.

„Pro­vinz“ beginnt im Kopf: Vol­ker Kau­der, der offen­sicht­lich stolz dar­auf ist, dass mit deut­schen Steu­er­gel­dern und deut­schen Haus­halts-Vor­schrif­ten euro­päi­sche Ret­tungs­maß­nah­men ver­knüpft wer­den, ist ein Pro­vinz­po­li­ti­ker, gegen den – im Ver­gleich – der Euro­pä­er Hel­mut Kohl aus Oggers­heim ein strah­len­der Kos­mo­po­lit war.

Dabei hat Hel­mut Kohl doch viel dafür getan, dass gera­de Deutsch­land wie­der Deutsch­land sein darf, die deut­sche Ein­heit ein­ge­schlos­sen. Von wel­chem Hel­mut Kohl spricht Herr Nau­mann hier?

Eben­so könn­te man sich fra­gen, von wel­cher deut­schen Spra­che er eigent­lich spricht:

Was hül­fe es (Luther-Deutsch), ihm zu erklä­ren, (…)

„Was hül­fe es“ ist näm­lich genau so „Luther-Deutsch“ wie „ihm zu erklä­ren“, aber Pro­vinz­jour­na­list Micha­el Nau­mann kennt den Kon­junk­tiv II viel­leicht nur aus den Erzäh­lun­gen sei­ner Groß­el­tern und hält ihn daher für ein Anzei­chen eige­ner Sprach­be­herr­schung. Ich stel­le mir gera­de vor, wie Herr Nau­mann beim Schrei­ben die­ses Sat­zes auf­springt, in die Hän­de klatscht und aus­ruft: „Welch form­schö­nes Hoch­deutsch!“. Mei­nen Glück­wunsch, Herr Nau­mann.

Nein, wir leben im 21. Jahr­hun­dert, und die Arbeits­spra­che der inter­na­tio­nal und wis­sen­schaft­lich täti­gen Euro­pä­er ist Eng­lisch. Euro­pa spricht weder fin­nisch, noch deutsch.

Das ist einem Herrn Nau­mann viel­leicht auch ganz recht, denn die deut­sche Spra­che, die zum Bei­spiel zwi­schen „weder“ und „noch“, von ein­ge­scho­be­nen Rela­tiv­sät­zen abge­se­hen, kein Kom­ma vor­sieht, scheint ihn zu über­for­dern. Ein wenig Recher­che aber hät­te ihm aus­nahms­wei­se sicher nicht gescha­det, denn Deutsch ist, wie bereits ange­führt, Amts- und Arbeits­spra­che nicht nur der Euro­päi­schen Uni­on, son­dern auch recht vie­ler ihrer Mit­glieds­staa­ten, zumal die Beherr­schung des bri­ti­schen Idi­oms auch hier­zu­lan­de sel­ten ist. Eng­lisch und Eng­lisch ist eben nicht das­sel­be.

Jetzt hat Herr Nau­mann also zwei „Sei­ten“ im Inter­net mit Gift und Gal­le wegen eines Sat­zes, der so nie gefal­len ist, voll­ge­schrie­ben.

Man wun­dert sich und fragt sich, was das hei­ßen könn­te.

Viel­leicht das Buh­len um Auf­merk­sam­keit, wohl wis­send, dass popu­li­sti­sches Gei­fern bei den Mas­sen bes­ser ankommt als ein­fach mal die Klap­pe zu hal­ten. Man muss dafür ja nicht unbe­dingt wis­sen, wor­über man spricht, die „Bild“ immer­hin ver­kauft sich mit wenig tat­säch­li­chem Hin­ter­grund­wis­sen ja eben­falls nicht schlecht, und auch Micha­el Nau­mann schätzt sie dafür, immer­hin zitiert er sie ein­gangs sogar.

Viel­leicht aber lie­ge ich da auch völ­lig falsch, und Herr Nau­mann hat­te ehren­wer­te Absich­ten. Das aller­dings wer­den wir wohl nie erfah­ren.

Not­hing for ungood.
– Urban Pri­ol, „Neu­es aus der Anstalt“