Spaß mit Spam
Eh, „Swiss Apo­the­ke“!

Dass ihr in euren komi­schen Spam­mails abwech­selnd Abnehm- und Penis­pro­duk­te anpreist, ist ja schön und gut und bringt ein biss­chen Abwechs­lung hin­ein, auch wenn ihr es immer noch nicht hin­be­kom­men habt, wenig­stens ansatz­wei­se seri­ös zu wir­ken.

Ab jetzt gibt es bei der Swiss Apo­the­ke das Nr. 1 Abnehm-Pro­dukt! So können
Sie mehr als 10 KG a
bneh­men.

Am ein­fach­sten kann man ja „mehr als 10 KG a bneh­men“, indem man ein­fach stirbt; und ob eure Pil­len aus dubio­ser Quel­le noch ande­re Neben­ef­fek­te haben, will ich lie­ber nicht aus­pro­bie­ren.

Natür­lich ver­mei­det ihr auch wei­ter­hin jede Nen­nung von Pro­dukt­na­men, wohl wis­send, dass Mails mit „Via­gra“, „V!@gr4“ und ähn­li­chen Wor­ten in der Regel kei­nen Spam­fil­ter pas­sie­ren. Ob eure Alter­na­ti­ve aber so viel bes­ser ist?

Guten Tag,

P,otenzmittel dis­kret und schnell im Netz ein­kau­fen:

http://www.viagra-zu-sylvester-ax.info

Auch der ange­häng­te Aus­schnitt aus der Cle­ve-Pozar-Bio­gra­fie, ohne Sinn und Ver­stand aus der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia kopiert, lässt die­ses A,ngebot n!cht überd enkens­wErt erschei­nen.

Wisst ihr, „Swiss Apo­the­ke“, wer in eine Apo­the­ke geht, der hat nor­ma­ler­wei­se ein Lei­den, das sei­ne Umwelt nicht unbe­dingt etwas angeht. Etwa­ige Erek­ti­ons­pro­ble­me ver­traut man aber gera­de des­we­gen lie­ber dem bekann­ten Apo­the­ker als wild­frem­den „Schwei­zern“ unkla­rer Iden­ti­tät an, denn es gibt nur wenig, das weni­ger dis­kret wäre als eine Bestel­lung im Inter­net.

Wer in einem Anflug puber­tä­rer Geil­heit dann doch mal in euren Mails her­um­klickt und hofft, die nie­de­ren Gelü­ste befrie­digt zu bekom­men, dem wird sofort ins Auge sprin­gen, mit was für licht­scheu­em Gesin­del er es hier zu tun hat, denn die ver­schie­de­nen Links füh­ren alle­samt auf swissapotheke.de, eine Adres­se, die erfah­re­nen Spam­emp­fän­gern bekannt vor­kom­men soll­te. In der Schweiz will euch kei­ner mehr, dann ver­sucht ihr es jetzt eben in Deutsch­land. Wie lan­ge wohl?

Zum Glück hat die deut­sche Gesetz­ge­bung ein paar Bedin­gun­gen an die Domain­re­gi­strie­rung geknüpft, und so erfährt man mit­tels einer kur­zen Anfra­ge nicht nur, dass der Ver­ant­wort­li­che für die Schwei­ze­r­apo­the­ke gar kein Schwei­zer ist, son­dern in Karls­ru­he wohnt, son­dern (anhand sei­ner E‑Mail-Adres­se) auch, dass er kei­nen Spam emp­fan­gen möch­te: Die dort ein­ge­tra­ge­ne Adres­se bei s0ny.net ist näm­lich eine Weg­werfadres­se. Was wohl Sony davon hält?

Wahr­schein­lich inter­es­siert ihn das aber herz­lich wenig, immer­hin gibt er sei­nen Namen für eine ver­meint­li­che Online-Apo­the­ke her, die mit Anma­ßun­gen nicht geizt. Da wäre zum Bei­spiel das Geo­Trust-Part­ner-Logo:

Wen wun­dert es, dass ein Auf­ruf über das HTTPS-Pro­to­koll trotz­dem einen Feh­ler 404 („nicht gefun­den“) erzeugt?

Und natür­lich geht es immer noch ein biss­chen abge­schmack­ter, denn auch ein „Test­ur­teil“ der „Stif­tung Waren­test“ darf nicht feh­len:

Wirk­lich zu scha­de, dass die Aus­ga­be 6/2009 gar kei­nen ent­spre­chen­den Test vor­zu­wei­sen hat. Aber wer gie­rig auf der Suche nach schnel­len Pim­mel­pil­len ist, der lässt sich von so etwas nicht auf­hal­ten. Immer­hin ist das eine seriö­se „Online Apo­the­ke“ (sic!), sagt die „Stif­tung Waren­test“. Wird schon stim­men.

Copy­right © 2011 Swis­s­apo­the­ke

Eigent­lich fehlt nur noch das TÜV-Sie­gel.

Wisst ihr, „Swiss Apo­the­ke“, es ist ja rüh­rend, dass ihr euch so viel Mühe beim Fäl­schen und Betrü­gen gebt. An der Über­zeu­gungs­kraft aber zweif­le ich ein wenig. Viel­leicht soll­tet ihr die Bran­che wech­seln.

Montagsmusik
John Len­non – How do you sleep?

Zum 44. Jubi­lä­um der Welt­pre­mie­re des Beat­les-Films „Magi­cal Mystery Tour“ ist Paul McCart­ney der letz­te Beat­le, der noch regel­mä­ßig in Föje­tong und Musik­pres­se auf­taucht. Das ist scha­de.

Dass sei­ne Wer­ke noch immer geprie­sen wer­den, ist mög­li­cher­wei­se Geschmacks­sa­che. Man soll­te aber auch nicht ver­ges­sen, was John Len­non einst über ihn sang:

Tho­se freaks was right when they said you was dead
The one mista­ke you made was in your head

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXV: Gei­stig zu Fuß gehen

Die jähr­li­che Weih­nachts­an­spra­che des Pap­stes war auch in die­sem Jahr nicht gänz­lich frei von Komik.

Dass er die Kom­mer­zia­li­sie­rung von Weih­nach­ten bemän­gel­te, mag man posi­tiv aus­le­gen, obwohl so ein Papst ja nicht gera­de für sei­nen schlich­ten Lebens­stil bekannt ist. Ja, an Weih­nach­ten geht es eigent­lich nicht um Lau­fen und Kau­fen und Sau­fen, aber die nie­de­ren Gelü­ste wol­len ja auch bedient wer­den, nicht wahr?

Was der Papst sagt, ist manch­mal ja schön und gut, aber von der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät weit ent­fernt. Mit einem Satz jedoch hat er sozu­sa­gen den Nagel auf den Kopf getrof­fen:

Der nied­ri­ge Ein­gang der Geburts­kir­che Jesu in Beth­le­hem leh­re: „Wir müs­sen uns her­un­ter­beu­gen, sozu­sa­gen gei­stig zu Fuß gehen, um durch das Por­tal des Glau­bens ein­tre­ten zu kön­nen.“

Wer zu viel dar­über nach­denkt, stößt sich an dem nied­ri­gen gei­sti­gen Niveau des Chri­sten­tums eben gewal­tig den Kopf. Amen.

Internes
Such­be­grif­fe, 24. Dezem­ber 2011

Und als ich gera­de so in mei­ner Nicht­blog­sta­ti­stik wühl­te, schau­te ich mal nach, wonach die Leu­te die­se Woche so gesucht haben, als sie bei mir lan­de­ten, und ich konn­te es nicht fas­sen.

Bemer­kens­wer­te Aus­zü­ge:

justin bie­ber nackt

Beun­ru­hi­gend: 39 Men­schen sind dar­auf her­ein­ge­fal­len.

selbst­mord emo

Oft.

amok­lauf lustig

Hihi.

bar­codes von lusti­gen sachen

War­um? Nein, ernst­haft: War­um?!

brief der eine frau anmacht

„He, wun­der­schö­ne Frau! Typen wie dich kön­nen wir hier nicht beson­ders gut lei­den!“

dai­sy fickt donald

Wahr­schein­lich – in den Comics wird es nur ange­deu­tet. (Manch­mal aber sehr ein­deu­tig.)

fick dei­ne mut­ter lesen

Aus der belieb­ten Rei­he: „Wenn ein Satz nicht so endet, wie er Kar­tof­fel“.

ich ficke kei­ne gehir­ne

Beru­hi­gend.

ich wün­sche mir eine toch­ter gibt es ein gerät

Ja, nennt sich „Penis“. Kei­ner ver­füg­bar? Dann wird das kom­pli­ziert, fürch­te ich.

samen­grüß in der nacht

Ein guter Titel für einen Schla­ger eigent­lich.

win­dows zer­ficken

Purer Sex.

Mir fröstelt’s.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2011 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 8 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ley­die­sendt­schen­tel­men, herz­lich will­kom­men am Jah­res­en­de und damit zur übli­chen Retro­spek­ti­ve der pri­ma­sten Alben des Jah­res, die es in die Halb­jah­res­li­ste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht ein­mal unbe­dingt eine Fra­ge des Erschei­nungs­da­tums, denn wie üblich hat­ten sich wie­der eini­ge Alben aus dem ersten Halb­jahr geschickt vor mir ver­steckt.

Ich erhielt anläss­lich der Rück­schau 06/2011 ver­ein­zel­te Kri­tik, es sei zu viel Mate­ri­al zusam­men gekom­men, um sich in einer ange­mes­se­nen Zeit damit beschäf­ti­gen zu kön­nen. Dies­mal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben wür­den rei­chen, auf­at­men: Die­se Liste wird kür­zer als ange­nom­men. Hier­für gibt es einen guten und einen beschä­men­den Grund: Das selbst­be­ti­tel­te Debüt­al­bum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch ande­res inter­es­san­tes Musik­werk längst eines sepa­ra­ten Arti­kels erfreu­en, vor allem aber hat noch wäh­rend der Zusam­men­stel­lung der zu rezen­sie­ren­den Alben mei­ne alte digi­ta­le Schreib­ma­schi­ne beschlos­sen, die Prie­ster­lauf­bahn ein­zu­schla­gen, und ohne Umschwei­fe etwas geseg­net, näm­lich das Zeit­li­che; und getreu Mur­phys immer­wäh­ren­dem Gesetz hat­te ich dies­mal kei­ne Sicher­heits­ko­pie ange­fer­tigt.

Daher seht es mir nach, wenn euer per­sön­li­ches Album des Jah­res dies­mal fehlt, und lasst es mich wis­sen: Viel­leicht gefällt es auch ande­ren Musik­freun­den, die dies hier zufäl­lig ent­decken. ‘Musik 12/2011 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

Spaß mit Spam
Kim Jong-il Spe­cial…

Ich hät­te nicht gedacht, dass ich mich mal über tat­säch­lich erwünsch­te Wer­be­mails amü­sie­ren wür­de.

Gera­de traf aber eine sol­che von MaxCDN, mei­nem bevor­zug­ten Lasten­ver­tei­lungs­dienst, ein, die mich dar­über infor­mier­te, dass noch bis Sil­ve­ster anläss­lich des Todes des ehe­ma­li­gen Dik­ta­tors Kim Jong-Il – das war seit dem Ende von Gad­da­fi exklu­siv der mit der Son­nen­bril­le – ein beson­de­res Ange­bot ver­füg­bar sei:

Mode­trends sind manch­mal wirk­lich erstaun­li­chen Ursprungs.

Scha­de, dass nicht nach Euro­pa gelie­fert wird.

Persönliches
Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Gei­er. (Mat­thä­us 24,28)

Eines der weni­ger ruhm­rei­chen Kapi­tel in mei­nem Leben ist mei­ne Kon­fes­si­on.

Ich geste­he, ich stam­me aus einer über­wie­gend katho­li­schen Fami­lie. Gera­de die Fami­lie eines mei­ner Eltern­tei­le ist tra­di­tio­nell römisch-katho­lisch getauft und bis zur vor­letz­ten Gene­ra­ti­on durch­aus auch noch heu­te kirch­lich rege aktiv, und so wur­de auch ich katho­lisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Ein­ver­ständ­nis gebe­ten hät­te. Mei­nem Groß­va­ter zulie­be ver­brach­te auch ich in Kind­heit und frü­her Jugend eini­ge Zeit damit, der Kir­che zu die­nen; die Bedeu­tung des Wor­tes „die­nen“ war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so emp­fand ich es auch. Aus ähn­li­chem Grund nahm ich an Erst­kom­mu­ni­on und Fir­mung teil. Dem hin­zu kam der Aspekt, dass man das eben so mach­te, ob man nun die Wie­der­kunft des HErrn erwar­te­te oder nicht. Katho­lisch getauft wor­den zu sein hieß für mich, sich auch fir­men las­sen zu müs­sen. Viel­leicht lag es auch an den Geld­ge­schen­ken, die mich erwar­te­ten.

Unter ande­rem wohl dem evan­ge­li­schen ande­ren Eltern­teil und sei­ner Aver­si­on gegen von Leu­ten, die sich außer­halb eines Kir­chen­hau­ses für christ­li­che Gebo­te nur für einen Teil der zehn Gebo­te inter­es­sie­ren, vor­ge­scho­be­nes Chri­sten­tum ist es zu ver­dan­ken, dass sich mit der Zeit die ratio durch­set­zen konn­te und ich begann, mei­nen Ein­satz für die katho­li­sche Kir­che auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren, indem ich die Kir­che nur noch in Aus­nah­me­fäl­len betrat und mich auch dann den römisch-katho­li­schen Lei­bes­übun­gen (Auf­ste­hen, Hin­set­zen, Hin­knien, Hin­set­zen, Auf­ste­hen, Hin­set­zen, rauf, run­ter, rein, raus) ent­zog; nein, ich kor­ri­gie­re mich – „rein, raus“ war damals nicht an der Tages­ord­nung.

Wenn also irgend­wann der Ver­stand ein­setzt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jah­re sei­nes Lebens (zeit­wei­se halb­her­zig) ein­ge­setzt hat, ethisch nicht mehr dem eige­nen Welt­bild ent­spricht, muss – nicht nur soll­te – man, um sich selbst nicht zu belü­gen, die Kon­se­quen­zen zie­hen. Ich bewun­de­re Men­schen, die trotz allem wei­ter­hin an Weih­nach­ten, Ostern oder Neu­jahr aus Prin­zip in die Kir­che gehen, für die­se Fähig­keit. Ich habe sie längst ver­lo­ren.

Der Zufall hat mich bis­her davor bewahrt, die Kir­chen­steu­er ent­rich­ten zu müs­sen. Ich hat­te mir fest vor­ge­nom­men, den Aus­tritt, im Gei­ste vor Jah­ren erfolgt, bald auch for­mell vor­zu­neh­men, bevor sich die­ser Zustand ändert. Ein Aus­tritt, immer­hin, kostet aus uner­find­li­chem Grund Ver­wal­tungs­ge­büh­ren, also eil­te es bis­lang nicht. Nicht ein­mal die, wie erst spä­ter bekannt wur­de, erstaun­li­che Häu­fung von Kin­der­fickern inmit­ten der Bedien­ste­ten die­ser Sek­te – das ist sicher, wie bei der „christ­lich-demo­kra­ti­schen“ Uni­on, nur Zufall – konn­te für mich per­sön­lich die­sen Schritt beschleu­ni­gen.

Nun begab es sich, dass ein naher Ver­wand­ter nach lan­ger Krank­heit, also kei­nes­falls über­ra­schend, abnip­pel­te ver­starb. Heu­te wohn­te ich dem Trau­er­got­tes­dienst bei, dem eine Trau­er­fei­er fol­gen soll­te, aber fei­er­lich war mir nicht mehr zumu­te. So ein Trau­er­got­tes­dienst unter­schei­det sich ja von allen ande­ren Got­tes­dien­sten offen­bar nur dar­in, dass der Name des Toten wäh­rend der Eucha­ri­stie genannt wird, und dann bit­te­s­ehr wei­ter zur Tages­ord­nung.

Die besteht dann dar­in, dass man den Herrn lobt und preist und ihm selbst­ver­ständ­lich für sei­ne guten Taten dankt. Dass sich nie­mand ver­nehm­lich zu räus­pern erlaubt, wenn zum Aus­zug des Prie­sters am Ende der Trau­er­ver­an­stal­tung die anwe­sen­de Schar an Men­schen, ob nun eigent­lich katho­lisch oder evan­ge­lisch oder bud­dhi­stisch oder sata­ni­stisch oder apa­thisch, im Chor ein altes Kir­chen­lied rezi­tiert, in dem es heißt:

Gro­ßer Gott, wir loben dich,
Herr, wir prei­sen dei­ne Stär­ke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewun­dert dei­ne Wer­ke.

(…)

Alle Tage wol­len wir
dich und dei­nen Namen prei­sen
und zu allen Zei­ten dir
Ehre, Lob und Dank erwei­sen.

…, fühlt sich zwar für die Anwe­sen­den viel­leicht mystisch und tief gläu­big an, aber es ist selbst für mich eine Spur zu zynisch.

Katho­li­ken­pack, beschä­men­des!

Eurem wider­wär­ti­gen Hau­fen kün­di­ge ich hier­mit das letz­te küm­mer­li­che biss­chen Freund­schaft, das ihr noch nicht ver­spielt hat­tet. Möge ein gerech­tes höhe­res Wesen euch lie­ber frü­her als spä­ter im Fege­feu­er bren­nen las­sen.

Arsch­lö­cher.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXIV: Dino­sau­ri­er und Mam­muts

Manch­mal wüss­te ich wirk­lich gern, was in den Köp­fen der EU-Poli­ti­ker eigent­lich vor­geht, wenn ich Nach­rich­ten wie die­se lese:

Bank­kun­den müs­sen vom 1. Febru­ar 2014 an euro­pa­weit ein­heit­li­che Kon­to­num­mern mit 22 Stel­len (IBAN) ver­wen­den. Zu die­sem Zeit­punkt wer­den natio­na­le Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten im euro­päi­schen Zah­lungs­raum (SEPA) ver­ein­heit­licht.

Neh­men wir mal an, am 1. Febru­ar 2014 ist so etwas wie eine euro­päi­sche Ein­heit über­haupt noch bruch­stück­haft vor­han­den:

Um jetzt Geld von Han­no­ver nach Hil­des­heim zu schicken, muss man sich statt zwei leid­lich kur­zer eine ein­zi­ge, ziem­lich lan­ge, euro­pä­isch ein­heit­li­che mer­ken, weil die EU die Vor­tei­le inner­staat­li­cher Finanz­trans­ak­tio­nen nicht zu schät­zen weiß und ja bei­de Städ­te auch irgend­wo in Euro­pa lie­gen?

Die­ser EU-Appa­rat ist doch immer wie­der für lusti­ge Ideen gut. Zukünf­tig wird wahr­schein­lich wie­der mehr Geld per Brief­um­schlag ver­schickt, seufz.

(Dan­ke an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt LXXIII: Mit­tel­stand und Unver­stand

Falls noch jemand dach­te, dass die F.D.P. ihre wit­zi­gen Umfra­ge­wer­te zum Anlass neh­men könn­te, ihre Stamm­kli­en­tel, die so genann­ten „Bes­ser­ver­die­nen­den“ aus dem so genann­ten „Mit­tel­stand“, kri­tisch zu über­den­ken und gege­be­nen­falls zu wech­seln, dann hat er nicht mit Patrick Döring gerech­net:

Gewerk­schafts­chef Som­mer hat­te sich in der „Bild am Sonn­tag“ für die Ein­füh­rung einer Rei­chen- und einer Ver­mö­gen­steu­er, die Erhö­hung der Erb­schaft­steu­er sowie die Besteue­rung von Finanz­trans­ak­tio­nen aus­ge­spro­chen. Döring kri­ti­sier­te die­se Vor­schlä­ge als „ein Pro­gramm gegen den deut­schen Mit­tel­stand“, das auf Kosten der Arbeits­plät­ze und auch des Staats­haus­halts gehe.

Wir wol­len ja die Acker­män­ner und Maschmey­er und ihr Geld nicht ver­grau­len, nich‘ wahr?


Ach, übri­gens, die Glei­chung E = m*c² soll­te jedem Men­schen bekannt sein, der hier­zu­lan­de mal so was wie eine Schu­le besucht hat; auch, dass es „c Qua­drat“ und nicht „c zwei“ am Ende heißt. Des­halb ist es eigent­lich unver­zeih­lich, dass der „Frei­tag“ aus­ge­rech­net in der Rubrik „Wis­sen“ bereits am Don­ners­tag so etwas ver­öf­fent­li­chen ließ:

[Das Elek­tro­nen­volt] beschreibt die Mas­se m in Form der Ener­gie E – errech­net aus Ein­steins For­mel E=mc2, wobei c die Licht­ge­schwin­dig­keit ist[.]

Aber mon­tags ist man ja immer etwas mil­der gestimmt. Immer die­se Wochen­en­den.

Montagsmusik
The Toten Crack­hu­ren im Kof­fer­raum – Ich hab kei­nen Spaß

Zur Lage der Nati­on (und weil ich den Band­na­men so lustig fin­de) sowie im Dienst des schlech­ten Geschmacks schla­ge ich vor, die Woche mit „Ich hab kei­nen Spaß“ von The Toten Crack­hu­ren im Kof­fer­raum begin­nen zu las­sen. Ich hof­fe, die­ser Vor­schlag fin­det Zustim­mung.

DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM – kein Spass (in Neu­ka­len 27.11.2010)

Gegen­tei­li­ge Mei­nun­gen sind zu spät.

Piratenpartei
Pira­ten und der Eso­ter­ror

Ach, das ist ja gera­de­zu furcht­bar: Die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei, Danie­la Scher­ler, hängt pri­vat eso­te­ri­scher Alter­na­tiv­me­di­zin an, wor­über sie auch Bücher schreibt, in denen sie angeb­lich – ich habe das jetzt aus Grün­den nicht selbst über­prüft – schwer Kran­ken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrank­ten) zu ver­ste­hen gibt, sie sei­en selbst schuld an ihrem Zustand. Gut, bei AIDS kann man sich jetzt dar­über strei­ten, inwie­weit eine Erkran­kung ver­meid­bar wäre.

SPIEGEL Online hat vor­geb­lich nach­ge­le­sen:

An einer Stel­le schreibt sie etwa über das Fasten. Sie sei sich vor­her sicher gewe­sen, die Zeit locker zu über­le­ben. Es gebe aber Men­schen, die in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen ster­ben wür­den, „weil sie noch in ihrem begrenz­ten Ego-Den­ken gefan­gen sind“.

Als Bei­spiel zieht Scher­ler dafür eine Flug­zeug­ka­ta­stro­phe her­an: Sie habe davon gele­sen, dass nach dem Unglück in den Ber­gen eini­ge der Über­le­ben­den gestor­ben sei­en, nach­dem sie drei Tage nichts zu essen hat­ten: „Und das, weil sie sich nicht vor­stel­len konn­ten, län­ger ohne Essen zu über­le­ben. Sie mani­fe­stier­ten so unbe­wusst ihr Ver­hun­gern.“

Die Ver­hun­ger­ten waren also selbst schuld? Zu ganz ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kommt sie, wenn es um Krank­hei­ten geht. Die­se sei­en die „ ‚Quit­tung für (fal­sches) Pro­jek­ti­ons­ver­hal­ten“, meint Scher­ler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Ver­ste­hen sind eben zwei Din­ge. Eure gan­ze Argu­men­ta­ti­on steht und fällt mit der von mir hier her­vor­ge­ho­be­nen, ver­meint­lich rhe­to­ri­schen Fra­ge. Dabei hat Frau Scher­ler von „Schuld“ über­haupt nichts geschrie­ben, nur von man­geln­der Dis­zi­plin. Pro­vo­kant gefragt: Könnt ihr das wider­le­gen?

Neh­men wir an, die Inter­pre­ta­ti­on von SPIEGEL Online ist über­haupt auch nur ansatz­wei­se rich­tig, wor­an es zu zwei­feln gilt, so ist die­se Hal­tung den Betrof­fe­nen gegen­über sicher­lich nicht nett. Die Welt der Eso­te­rik ist in der Regel in sich abge­schlos­sen: Wer nicht mit­zieht, ist selbst schuld. Was mir aber von den vie­len, die nach Par­tei­aus­schluss und Unwähl­bar­keit krä­hen, bis­lang nicht beant­wor­ten konn­ten oder woll­ten: Inwie­fern ist es poli­tisch rele­vant, wenn (und falls) die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei pri­vat irgend­wel­che absur­den eso­te­ri­schen Metho­den der Alter­na­tiv­me­di­zin nicht schlecht fin­det?

Die Frak­ti­on hat sich hin­ter Frau Scher­ler gestellt und ern­tet dafür Schel­te: Sei man doch nicht so anders als die ande­ren Par­tei­en?

Doch, natür­lich ist die Pira­ten­par­tei das, und dar­um ver­zich­tet man auf einen Par­tei­aus­schluss. Es ist doch ganz ein­fach: So lan­ge man nichts tut, was den Prin­zi­pi­en der Pira­ten­par­tei zuwi­der­läuft, ist alles erlaubt. Einen Pro­gramm­punkt, der besagt, die Pira­ten­par­tei stel­le sich ent­schlos­sen gegen Alter­na­tiv­me­di­zin, Homöo­pa­thie und ähn­lich wir­res Zeug, gibt es nun ein­mal nicht. (Dass Men­schen, die Alter­na­tiv­me­di­zin und Eso­te­rik seriö­ser Wis­sen­schaft vor­zie­hen, wohl doch nicht so ver­ach­tens­wert sind, zeigt der Fall von Ste­ve Jobs, des­sen Tod unter ande­rem sei­nem Ver­such, den Krebs mit eben­sol­chen Metho­den zu bekämp­fen, geschul­det ist; und was sieht man auf Fotos von Pira­ten-Frak­ti­ons­sit­zun­gen? Klar: Apple-Pro­duk­te.)

Es ist schlimm mit der Pira­ten­par­tei. Dort tum­meln sich geläu­ter­te NPD-Aus­stei­ger, Sci­en­to­lo­gen und Eso­te­ri­ker. Wenn jetzt auch noch her­aus­kommt, dass trotz der welt­frem­den und Men­schen ver­ach­ten­den Hal­tung des Pap­stes zur Sexua­li­tät sogar Katho­li­ken in ihren Rei­hen sind – nicht aus­zu­den­ken!

Nerdkrams
Dro­pIt: Datei­en sor­tie­ren leicht gemacht

In der neu­en Aus­ga­be der Zeit­schrift c’t wird kurz auf das quell­of­fe­ne Win­dows­pro­gramm Dro­pIt hin­ge­wie­sen, das aus­rei­chend gut ist und daher hier Erwäh­nung fin­det.

Dabei han­delt es sich um ein wid­get mit einem Pfeil­sym­bol, das auf Wunsch stets im Vor­der­grund bleibt und auf das man belie­bi­ge Datei­en und Ver­zeich­nis­se zie­hen kann. Die­se Datei­en und Ver­zeich­nis­se wer­den dann anhand von Datei­na­men­re­geln ver­ar­bei­tet, zum Bei­spiel ent­packt, gelöscht oder ver­scho­ben.

Dabei kön­nen die Datei­en beim Ver­schie­ben auch umbe­nannt wer­den. Zum Bei­spiel kön­nen so Fotos von der Digi­tal­ka­me­ra in nach Datum sor­tier­te Unter­ord­ner auf­ge­teilt und her­un­ter­ge­la­de­ne Datei­en, etwa von Down­The­mAll! immer in dem­sel­ben Ord­ner gespei­chert, je nach ihrer Art (OnlineT­V­Re­cor­der-Auf­nah­men, zu testen­de Pro­gram­me, Musik­da­tei­en, …) in einem Rutsch in die kor­rek­ten Ver­zeich­nis­se ver­scho­ben wer­den.

Was mir per­sön­lich noch fehlt: Regu­lä­re Aus­drücke für Datei­na­men (zum Bei­spiel die Mög­lich­keit, dass nur Datei­en, die min­de­stens 2 Zif­fern am Ende ihres Namens tra­gen, berück­sich­tigt wer­den sol­len) und eine deut­sche Sprach­da­tei, die all­tags­taug­lich ist. Hier­für gibt es aller­dings einen (eng­lisch­spra­chi­gen) Dis­kus­si­ons­strang, in dem Feh­ler­mel­dun­gen und Funk­ti­ons­ideen erwünscht sind.

Is‘ ganz nett, ja.


Kur­ze Ansa­ge für mei­ne poli­tisch inter­es­sier­ten Leser: Deutsch­land soll einen eige­nen „Cloud“-Dienst bekom­men, damit die US-ame­ri­ka­ni­schen Geheim­dien­ste nicht mehr in den Daten der Bür­ger schnüf­feln kön­nen. Statt­des­sen können’s dann eben die deut­schen. Für die Sicher­heit soll unter ande­rem das BSI sor­gen. Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LX: Sag’s mit RTL

Seit eini­gen Tagen wirbt der blö­de Fern­seh­sen­der RTL mit der RTL-Kam­pa­gne („RTL Kam­pa­gne“) „Sag’s auf Deutsch“ gemein­sam mit pro­mi­nen­ten, aus­län­disch­stäm­mi­gen „Paten“ dafür, dass Migran­ten hier­zu­lan­de mehr Deutsch spre­chen. Hier­für wur­den meh­re­re Kurz­fil­me („Spots“) gedreht, deren Kern der fol­gen­de ist:

RTL Kam­pa­gne – Sag’s auf Deutsch

So wenig ich auch an die­ser Kam­pa­gne aus­zu­set­zen habe, bin ich doch recht über­rascht von dem Umstand, dass sie aus dem Hau­se RTL stammt. Ja, natür­lich soll­te man die Spra­che des Lan­des, in dem man lebt, irgend­wann ein­mal zumin­dest zu ver­ste­hen ler­nen. Aber ist RTL dabei eine gro­ße Hil­fe?

Denn wie selbst­ver­ständ­lich heißt der Strea­ming-Anbie­ter von RTL nicht etwa „RTL jetzt“, was kurz, prä­gnant und ver­ständ­lich wäre, son­dern RTLNOW, kon­se­quent in Brüll­buch­sta­ben geschrie­ben. Nach­rich­ten prä­sen­tiert die Spar­te „News“, auch in Video­form („Video-News“), lobens­wert ist aber immer­hin, dass man bei RTL den Bin­de­strich noch aus der „Schu­le“ kennt, nur die Abtei­lung für Klatsch und Tratsch („Star News“) hat davon nicht viel mit­be­kom­men. Natür­lich unter­hält man bei RTL auch eine „RTL Com­mu­ni­ty“.

Als Vor­läu­fer der Akti­on „Sag’s auf Deutsch“ hat RTL übri­gens vor drei Jah­ren einen Inte­gra­ti­ons­preis erfun­den, der nicht etwa „Inte­gra­ti­ons­preis“, son­dern com.mit Award heißt. Einer der hier­für Ver­ant­wort­li­chen, Chef­re­dak­teur Peter Kloep­pel, hat sich im Jahr 2011 zum The­ma „Sag’s auf Deutsch“ fol­gen­der­ma­ßen geäu­ßert:

Es geht dabei gar nicht unbe­dingt um stei­le Kar­rie­ren, son­dern viel­mehr dar­um, dass die gemein­sa­me Spra­che Grund­vor­aus­set­zung für ein erfüll­tes Leben hier ist. (…)
Das kon­kre­te Ziel der Kam­pa­gne ist, Men­schen jeden Alters davon zu über­zeu­gen, wie wich­tig es ist, dass man in Deutsch­land die deut­sche Spra­che spricht und ver­steht.

Nun gibt es zwei Mög­lich­kei­ten. Die erste ist es, dass Peter Kloep­pel kein erfüll­tes Leben in Deutsch­land führt und so impli­zit sei­nem Unmut hier­über Luft mach­te. Das wäre bedau­er­lich. Die zwei­te, wahr­schein­li­che­re ist es, dass Peter Kloep­pel ernst­haft der Mei­nung ist, der Pre­ka­ri­ats­sen­der RTL mit all sei­nen news und awards und spots und com­mu­ni­tys sei ein gutes Vor­bild. Das wäre eben­falls bedau­er­lich.

Ich erlau­be mir, den Wer­be­text für „Sag’s auf Deutsch“ zu zitie­ren:

‚Sag’s auf Deutsch‘ – so lau­tet der Titel einer Social-Kam­pa­gne, die ab Mon­tag, 24. Okto­ber, breit gefä­chert im RTL-Pro­gramm ein­ge­setzt wird. Zehn Pro­mi­nen­te aus den Berei­chen TV, Sport, Mode und Poli­tik, alle mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, geben in den 60- bzw. 90-sekün­di­gen Spots kla­re State­ments dazu ab, wie wich­tig gute Deutsch­kennt­nis­se für eine gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on in die Gesell­schaft hier­zu­lan­de sind.

Her­vor­he­bun­gen habe ich dies­mal nicht geson­dert vor­ge­nom­men, der Text spricht für sich. Wer inte­griert eigent­lich die RTL-Mit­ar­bei­ter in die Gesell­schaft? Peter Kloep­pel jeden­falls nicht.

J’accuse …!

Fotografie
Mer­ry ixmas.

Trotz allem ist es ja immer noch erstaun­lich, was für eine See­len­käl­te die weih­nacht­li­che Schau­fen­ster­de­ko­ra­ti­on aus­strahlt:

Genau, mer­ry xmas, denn die geweih­te Nacht ist die­sen Jesus­ver­käu­fern schon lan­ge eben­so egal wie dschie­ses kreist, den sie immer­hin kon­se­quent aus-x-en, auf dass jeder ver­blie­be­ne Zwei­fel an ihren Moti­ven ver­flie­ge. Nord­ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur ist eben echt pri­ma, nur die­ser Glau­bens­kä­se stört, gell?